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00-Vorwort
01-Schlachtfeld von Kuruksetra
02-Inhalt der Gita
03-Karma Yoga
04-Transzentrales Wissen
05 Karma yoga - Handeln im Krsna-Bewusstsein
06-Dhyana-yoga
07-Wissen vom Absoluten
08-Wie man den Höchsten erreicht
09- Das vertraulichste Wissen
10-Die Füllen des Absoluten
11- Die universale Form
12- Hingebungsvoller Dienst
13- Natur, Genießer und Bewusstsein
14-Die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
15-Der yoga der Höchsten Person
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Bhagavad-gita : 02-Inhalt der Gita
ZWEITES KAPITEL
Inhalt der Gita zusammengefaßt
VERS 1

Sanjaya sagte: Als Madhusudana, Krsna, Arjuna voller

Mitleid und sehr betrübt sah, mit Trnnen in den Augen,

sprach Er die folgenden Worte.
ERLÄUTERUNG

Materielles Mitleid, Klagen und Tränen sind alles Zeichen

dafür, dass man das wirkliche Selbst nicht kennt. Mitleid

mit der ewigen Seele bedeutet Selbstverwirklichung. Das

Wort "Madhusudana" ist in diesem Vers von Bedeutung.

Sri Krsna tötete den Dämon Madhu, und jetzt wollte

Arjuna, dass Krsna den Dämon des MißVerständnisses

vernichtete, der ihn während der Erfüllung seiner Pflicht

überwältigt hatte. Niemand weiß, worauf Mitleid gerichtet

werden soll. Mitleid mit der Kleidung eines Ertrinkenden

ist sinnlos. Ein Mensch, der in das Meer der Unwissenheit

gefallen ist, kann nicht dadurch gerettet werden, dass man

nur sein äußeres Gewand rettet - den groben materiellen

Körper. Wer dies nicht weiß und um das äußere Gewand

klagt, wird als sudra bezeichnet oder jemand, der

unnötigerweise jammert. Arjuna war ein ksatriya, und ein

solches Verhalten wurde nicht von ihm erwartet. Sri Krsna

kann jedoch das Klagen des unwissenden Menschen

vertreiben, und zu diesem Zweck wurde die Bhagavad-Gita

von Ihm gesungen. Dieses Kapitel unterrichtet uns durch

ein analytisches Studium des materiellen Körpers und der

Seele, das von der höchsten Autorität, Sri Krsna,
vorgenommen wird, in Selbstverwirklichung. Diese
Verwirklichung wird möglich, wenn das nach

fruchttragenden Ergebnissen strebende Lebewesen in einem

gefestigten Verständnis vom wahren Selbst handelt.

VERS 2
Die Höchste Person [Bhagavan] sprach: Mein lieber
Arjuna, wie konnten diese Unreinheiten über dich
kommen? Sie ziemen sich in keiner Weise für einen
Mann, der die höheren Werte des Lebens kennt. Sie

führen nicht zu höheren Planeten, sondern zu Schande.

ERLÄUTERUNG

Krsna und die Höchste Persönlichkeit Gottes sind identisch.

Deshalb wird Sri Krsna die ganze Gita hindurch als

"Bhagavan" bezeichnet. Bhagavan ist das endgültige in der

Absoluten Wahrheit. Die Absolute Wahrheit wird in drei

Verständnisphasen erkannt, nämlich als Brahman oder die

unpersönliche, alldurchdringende spirituelle Natur; als

Paramatma oder der lokalisierte Aspekt des Höchsten im

Herzen aller Lebewesen und als Bhagavan oder die Höchste

Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna. Im Srimad-Bhagavatam

(1.2.11) wird dieses Verständnis von der Absoluten

Wahrheit demgemäß erklärt:

"Die Absolute Wahrheit wird von demjenigen, der Sie

kennt, in drei Aspekten wahrgenommen, die alle

miteinander identisch sind. Diese Aspekte der Absoluten

Wahrheit werden als Brahman, Paramatma und Bhagavan

bezeichnet."

Diese drei göttlichen Aspekte können am Beispiel der

Sonne näher erklärt werden, die ebenfalls drei verschiedene

Aspekte hat, nämlich den Sonnenschein, die

Sonnenoberfläche und den Sonnenplaneten selbst. Wer nur

den Sonnenschein studiert, befindet sich auf der ersten

Stufe der Verwirklichung; wer die Oberfläche der Sonne

versteht, ist weiter fortgeschritten, und wer in den

Sonnenplaneten eingehen kann, befindet sich auf der

höchsten Stufe. Gewöhnliche Schüler, die zufrieden sind,

wenn sie nur den Sonnenschein verstehen, das heißt seine

universale Ausbreitung und die gleißende Ausstrahlung

seines unpersönlichen Wesens, mögen mit denen
verglichen werden, die nur den Brahman-Aspekt der

Absoluten Wahrheit erkennen können. Der Schüler, der

weiter fortgeschritten ist, kann darüber hinaus die

Sonnenscheibe erkennen, was mit dem Wissen um den

Paramatma-Aspekt der Absoluten Wahrheit verglichen

wird. Und der Schüler, der in das Herz des Sonnenplaneten

eingehen kann, wird mit jemandem verglichen, der die

persönlichen Merkmale der Höchsten Absoluten Wahrheit

erkennt. Daher sind die bhaktas oder jene
Transzendentalisten, die den Bhagavan-Aspekt der
Absoluten Wahrheit erkannt haben, die höchsten

Transzendentalisten, wenngleich alle Schüler, die sich dem

Studium der Absoluten Wahrheit widmen, mit dem

gleichen Thema zu tun haben. Der Sonnenschein, die

Sonnenscheibe und das Geschehen im Innern des

Sonnenplaneten können nicht voneinander getrennt werden,

und dennoch gehören die Schüler, die diese drei

verschiedenen Aspekte studieren, nicht zur gleichen

Kategorie.

Das Sanskritwort Bhagavan wird von der bedeutenden

Autorität Parasara Muni, dem Vater Vyasadevas, wie folgt

erklärt: "Die Höchste Persönlichkeit, die allen Reichtum,

alle Stärke, allen Ruhm, alle Schönheit, alles Wissen und

alle Entsagung in Sich birgt, wird Bhagavan genannt." Es

gibt viele Personen, die sehr reich, sehr mächtig, sehr

schön, sehr berühmt, sehr gelehrt und sehr entsagungsvoll

sind, aber niemand kann behaupten, er besitze allen

Reichtum, alle Stärke usw. in vollem Umfang. Nur Krsna

kann diesen Anspruch erheben, denn Er ist die Höchste

Persönlichkeit Gottes. Kein Lebewesen, nicht einmal

Brahma, Siva oder Narayana, kann Reichtümer in solcher

Fülle besitzen wie Krsna. Deshalb kommt Brahma in der

Brahma-samhita zu dem Schluss, dass Sri Krsna die Höchste

Persönlichkeit Gottes ist. Niemand kommt Ihm gleich oder

steht über Ihm. Er ist der urerste Herr, Bhagavan, bekannt

als Govinda, und Er ist die höchste Ursache aller Ursachen.

"Es gibt viele Persönlichkeiten, die die Eigenschaften

Bhagavans besitzen, aber Krsna ist die höchste, da niemand

Ihn übertreffen kann. Er ist die Höchste Person, und Sein

Körper ist ewig, voller Wissen und voller Glückseligkeit.

Er ist der urerste Herr, Govinda, und die Ursache aller

Ursachen." (Bs. 5.1)

Im Srimad-Bhagavatam findet man auch ein Verzeichnis

vieler Inkarnationen der Höchsten Persönlichkeit Gottes,

doch Krsna wird als die ursprüngliche Persönlichkeit

Gottes beschrieben, von der viele Inkarnationen und

Persönlichkeiten Gottes ausgehen:

"All die hier aufgeführten Inkarnationen Gottes sind

entweder vollständige Erweiterungen oder Teile der

vollständigen Erweiterungen des Höchsten Gottes, doch

Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes Selbst." (SB.

1.3.28)

Somit ist Krsna die ursprüngliche Höchste Persönlichkeit

Gottes, die Absolute Wahrheit, der Ursprung sowohl der

Überseele als auch des unpersönlichen Brahman.

In Gegenwart der Höchsten Persönlichkeit Gottes war

Arjunas Klage um seine Verwandten gewiss unangebracht,

und daher gebrauchte Krsna das Wort kutas (woher), um

Seine Überraschung zum Ausdruck zu bringen. Solche

unmännlichen Gefühle erwartete man niemals von jemand,

der zur zivilisierten Klasse der Männer, den öryas gehörte.

Das Wort arya trifft auf Menschen zu, die den Wert des

Lebens kennen und eine auf spirituelle Erkenntnis

gründende Zivilisation haben. Menschen, die sich von der

materiellen Lebensauffassung leiten lassen, wissen nicht,

dass das Ziel des Lebens die Erkenntnis der Absoluten

Wahrheit, das heißt Visnus oder Bhagavans, ist. Sie lassen

sich von den äußeren Erscheinungen der materiellen Welt

fesseln und wissen deshalb nicht, was Befreiung ist.

Menschen, die nicht wissen, was Befreiung aus materieller

Knechtschaft bedeutet, werden als Nicht-öryas bezeichnet.

Obwohl Arjuna ein ksatriya war, wich er von seinen

vorgeschriebenen Pflichten ab, als er sich weigerte, zu

kämpfen. Ein solch feiges Verhalten wird eher als für

Nicht-Aryas typisch beschrieben. Ein derartiges Abweichen

von der Pflicht hilft einem nicht, im spirituellen Leben

fortzuschreiten; noch verschafft es einem die Möglichkeit,

in dieser Welt zu Ruhm zu kommen. Sri Krsna billigte

Arjunas sogenanntes Mitleid mit seinen Verwandten nicht.

VERS 3

O Sohn Prthas, gib dieser entwürdigenden Schwachheit

nicht nach. Es ist dir nicht angemessen. Gib diese

kleinliche Schwäche des Herzens auf und erhebe dich o

Bezwinger des Feindes.
ERLÄUTERUNG

Arjuna wurde als "Sohn Prthas" angesprochen, da Prtha die

Schwester von Krsnas Vater Vasudeva war. Arjuna war

also ein Blutsverwandter Krsnas. Wenn sich der Sohn eines

ksatriya weigert, zu kämpfen, ist er nur dem Namen nach

ein ksatriya, ebenso wie des Sohn eines brahmana, der

gottlos handelt, nur dem Namen nach ein brahmana ist.

Solche ksatriyas und brahmanas sind unwürdige Söhne

ihrer Väter; Krsna wollte daher nicht, dass Arjuna zu einem

unwürdigen Sohn eines ksatriya wurde. Arjuna war Krsnas

engster Freund, und Krsna lenkte ihn auf dem Streitwagen;

aber wenn sich Arjuna von der Schlacht zurückzog, würde

er damit, trotz all dieser Vorteile, unehrenhaft handeln;

deshalb sagte Krsna, eine solche Haltung sei Arjunas

Persönlichkeit nicht angemessen. Arjuna mochte erwidern,

er wolle an der Schlacht wegen seiner großmütigen Haltung

gegenüber dem höchst ehrwürdigen Bhisma und seinen

Verwandten nicht teilnehmen, doch war Krsna der Ansicht,

diese Art von Großmut werde von Autoritäten nicht

gebilligt. Deshalb sollte solcher Großmut oder sogenannte

Gewaltlosigkeit von Menschen wie Arjuna unter der
unmittelbaren Führung Krsnas aufgegeben werden.
VERS 4
Arjuna sagte: O Vernichter des Madhu [Krsna], wie

kann ich mit Pfeilen in der Schlacht Männer wie Bhisma

und Drona bekämpfen, die meiner Verehrung würdig
sind?
ERLÄUTERUNG

Achtbare Höhergestellte, wie Bhisma, der Großvater, und

Dronacarya, der Lehrer, sind immer verehrenswert. Selbst

wenn sie angreifen, sollte man sie nicht bekämpfen. Es gilt

das ungeschriebene Gesetz, dass Höherstehende nicht

einmal in einem Wortgefecht bekämpft werden dürfen.

Selbst wenn sie manchmal grob sein mögen, sollten sie

nicht grob behandelt werden. Wie soll es also Arjuna

möglich sein, ihnen entgegenzutreten? Würde Krsna

jemals Seinen eigenen Großvater, Ugrasena, oder Seinen

Lehrer, Sandipani Muni, angreifen? So lauteten einige der

Einwände, die Arjuna Krsna gegenüber vorbrachte.
VERS 5

Es ist besser, in dieser Welt durch Betteln zu leben als

auf Kosten der Leben großer Seelen, die meine Lehrer

sind. Obwohl sie von Habsucht getrieben werden, sind

sie dennoch Höhergestellte. Wenn sie getötet werden,

wird unser Gewinn mit Blut beßeckt sein.
ERLÄUTERUNG

Den Unterweisungen der Schriften gemäß soll man einen

Lehrer, der eine abscheuliche Handlung begeht und sein

Unterscheidungsvermögen verloren hat, aufgeben. Bhisma

und Drona waren wegen Duryodhanas finanzieller Hilfe

verpflichtet, sich auf seine Seite zu stellen, wenngleich sie

eine solche Stellung, nur aufgrund finanzieller

Überlegungen, nicht hätten annehmen sollen. Unter diesen

Umständen hatten sie ihr Ansehen als Lehrer verloren.

Arjuna glaubte jedoch, dass sie trotzdem seine Vorgesetzten

blieben und dass daher, materielle Gewinne zu genießen,

nachdem man sie getötet hätte, bedeuten würde, sich an

einer mit Blut bedeckten Siegesbeute zu erfreuen.
VERS 6
Auch wissen wir nicht, was besser ist - die Söhne
Dhrtarastrs zu besiegen oder von ihnen besiegt zu

werden. Wenn wir sie töteten, wäre es besser, nicht

mehr zu leben. Nun stehen sie vor uns auf dem
Schlachtfeld.
ERLÄUTERUNG

Arjuna wußte nicht, ob er kämpfen und damit wagen sollte,

unnötig Gewalt anzuwenden, obwohl Kämpfen die Pflicht

der ksatriyas ist, oder ob es besser sei, sich zurückzuziehen

und von Betteln zu leben. Falls er den Feind nicht

bezwänge, wäre Betteln das einzige Mittel, für seinen

Lebensunterhalt zu sorgen. Auch war der Sieg nicht sicher,

da jede Seite aus der Schlacht siegreich hervorgehen

mochte. Selbst wenn Sieg sie erwartete (und ihre Sache war

gerecht), wäre es dennoch sehr schwer, in der Abwesenheit

der Söhne Dhrtarastrs zu leben, wenn diese in der Schlacht

fielen. Unter diesen Umständen wäre dies eine andere Art

von Niederlage. All diese Überlegungen Arjunas beweisen

eindeutig, dass er nicht nur ein großer Geweihter des Herrn

war, sondern dass er auch sehr erleuchtet war und

vollkommene Herrschaft über seinen Geist und seine Sinne

besaß. Sein Wunsch, sich durch Betteln am Leben zu

erhalten, obwohl er in einer königlichen Familie geboren

worden war, ist ein weiteres Zeichen von Loslösung. Er

war wahrhaft tugendhaft, wie diese Eigenschaften und sein

Glauben in die unterweisenden Worte Sri Krsnas (seines

spirituellen Meisters) zeigen. Man kann hieraus schließen,

dass Arjuna durchaus geeignet war, Befreiung zu erlangen.

Solange die Sinne nicht beherrscht sind, besteht keine

Möglichkeit, auf die Ebene von Wissen erhoben zu werden,

und ohne Wissen und Hingabe ist es nicht möglich, befreit

zu werden. Arjuna besaß also, noch über seine

hervorragenden materiellen Eigenschaften hinaus, auch all

diese wunderbaren Eigenschaften.
VERS 7

Ich weiß nicht mehr, was meine Pflicht ist, und ich habe

aus Schwäche meine Fassung verloren. In diesem

Zustand bitte ich Dich, mir klar zu sagen, was das beste

für mich ist. Jetzt bin ich Dein Schüler und eine Dir

ergebene Seele. Bitte unterweise mich.
ERLÄUTERUNG

Es liegt in der Natur der Dinge, dass das ganze System

materieller Tätigkeiten für jeden eine Quelle der

Verwirrung darstellt. Bei jedem Schritt gibt es Verwirrung,

und deshalb ist es angebracht, sich an einen echten

spirituellen Meister zu wenden, der einem die richtige

Führung geben kann, den Sinn des Lebens zu erfüllen. Alle

vedischen Schriften geben uns den Rat, einen spirituellen

Meister aufzusuchen, um von den Verwirrungen des

Lebens frei zu werden, die ohne unseren Wunsch auftreten.

Sie gleichen einem Waldbrand, der wütet, ohne von jemand

entfacht worden zu sein. In ähnlicher Weise ist die

Weltlage so beschaffen, dass Verwirrungen im Leben von

selbst entstehen, ohne dass wir uns ein solches

Durcheinander wünschen. Niemand will, dass es brennt,

aber dennoch geschieht es, und wir geraten außer Fassung.

Die vedische Weisheit ordnet daher an, dass man sich an

einen spirituellen Meister in der Schülernachfolge wenden

muss, um die Verwirrungen des Lebens zu lösen und die

Wissenschaft von dieser Loslösung zu verstehen. Von

einem Menschen mit einem echten spirituellen Meister

kann man erwarten, dass er alles weiß. Man sollte daher

nicht in materiellen Verwirrungen verstrickt bleiben,

sondern einen spirituellen Meister aufsuchen. Das ist die

Bedeutung dieses Verses.
Wer ist nun eigentlich materiellen Verwirrungen

ausgesetzt? Es ist derjenige, der die Probleme des Lebens

nicht begreift. In der Garga Upanisad wird der verwirrte

Mensch wie folgt beschrieben:

"Nur ein Geizhals löst die Probleme des Lebens nicht als

Mensch und verlässt daher diese Welt wie die Katzen und

Hunde, ohne die Wissenschaft der Selbstverwirklichung zu

verstehen."

Die menschliche Form des Lebens ist ein überaus kostbares

Gut für das Lebewesen, denn es kann sie zur Lösung der

Probleme des Lebens nutzen; wer daher diese Gelegenheit

nicht richtig nutzt, ist ein Geizhals. Auf der anderen Seite

gibt es den brahmana oder den Menschen, der intelligent

genug ist, diesen Körper zur Lösung aller Probleme des

Lebens zu nutzen.

Die Krpanas oder Geizhnlse verschwenden ihre Zeit mit

übermäßiger Zuneigung zu Familie, Gesellschaft, Land

usw. in der materiellen Lebensauffassung. Die meisten

Menschen haften am Familienleben, an Frau, Kindern und

anderen Angehörigen - und diese Anziehung auf der

körperlichen Ebene wird "Hautkrankheit" genannt. Der

Krpana glaubt, er könne seine Familienangehörigen vor

dem Tode schützen, oder der Krpana denkt, seine Familie

oder Gesellschaft könne ihn vor dem Rachen des Todes

retten. Solche Familienanhaftung kann man selbst bei

Tieren finden, die sich ebenfalls um ihre Kinder sorgen. Da

Arjuna intelligent war, konnte er verstehen, dass seine

Zuneigung zu Familienangehörigen und sein Wunsch, sie

vor dem Tode zu schützen, die Ursachen seiner Verwirrung

waren. Obwohl er verstehen konnte, dass es seine Pflicht

war zu kämpfen, konnte er dennoch aufgrund geiziger

Schwäche seine Pflichten nicht erfüllen. Er bittet daher Sri

Krsna, den höchsten spirituellen Meister, eine endgültige

Lösung herbeizuführen. Er bietet sich Krsna als Schüler an.

Er möchte freundschaftliche Gespräche beenden.

Gespräche zwischen dem Meister und dem Schüler sind

ernst, und jetzt will Arjuna vor dem anerkannten

spirituellen Meister sehr ernst sprechen. Krsna ist daher der

ursprüngliche spirituelle Meister der Wissenschaft von der

Bhagavad-Gita, und Arjuna ist der erste Schüler für das

Verständnis der Gita. Wie Arjuna die Bhagavad-Gita

versteht, wird in der Gita selbst gesagt. Und dennoch

erklären törichte weltliche Gelehrte, es sei nicht notwendig,

sich Krsna als Person zu ergeben, sondern vielmehr dem

"Ungeborenen in Krsna". Es besteht kein Unterschied

zwischen Krsnas Innerem und Krsnas Äußerem. Wer

keinen Sinn für dieses Verständnis hat, erweist sich bei dem

Versuch, die Bhagavad-Gita zu verstehen, als der größte

Narr.
VERS 8

Ich kann kein Mittel finden, dieses Leid zu vertreiben,

das meine Sinne austrocknet. Ich wäre nicht einmal

fähig, davon frei zu werden, wenn ich ein
unangefochtenes Königreich auf der Erde mit einer
Oberherrschaft wie die der Halbgötter im Himmel
gewnnne.
ERLÄUTERUNG

Obwohl Arjuna so viele Einwände vorbrachte, die auf

Kenntnis der Grundsätze von Religion und Moralgesetzen

beruhten, scheint es, dass er seine eigentlichen Probleme

ohne die Hilfe des spirituellen Meisters, Sri Krsna ,nicht zu

lösen vermochte. Er konnte verstehen, dass sein sogenanntes

Wissen nutzlos war, wenn es darum ging, die Probleme zu

meistern, die seine ganze Existenz austrockneten, und es

war ihm unmöglich, solche Verwirrungen ohne die Hilfe

eines spirituellen Meisters wie Krsna zu lösen.

Akademisches Wissen, Gelehrsamkeit, eine hohe Stellung

usw. sind nutzlos, wenn es darum geht, die Probleme des

Lebens zu lösen. Hilfe kann nur ein spiritueller Meister wie

Krsna geben. Die Schlussfolgerung lautet daher, dass ein

spiritueller Meister, der zu einhundert Prozent Krsnabewusst

ist, der echte spirituelle Meister ist, da er die

Probleme des Lebens lösen kann. Sri Caitanya sagte, dass

jemand, der Meister in der Wissenschaft des Krsna-

Bewusstseins ist, ungeachtet seiner sozialen Stellung, der

wahre spirituelle Meister ist. Im Caitanya-caritamrta

(Madhya 8.127) heißt es:

"Es ist gleichgültig, ob jemand ein vipra [ein großer

Gelehrter im vedischen Wissen] ist, ob er in einer niedrigen

Familie geboren wurde oder ob er im Lebensstand der

Entsagung steht - wenn er Meister in der Wissenschaft von

Krsna ist, ist er der vollkommene und echte spirituelle

Meister."
Ohne ein Meister in der Wissenschaft des Krsna-

Bewusstseins zu sein, ist also niemand ein echter spiritueller

Meister. In den vedischen Schriften wird auch gesagt:

"Ein gelehrter brahmana, der auf allen Gebieten des

vedischen Wissens bewandert ist, eignet sich nicht als

spiritueller Meister, wenn er kein Vaisnava ist oder sich in

der Wissenschaft des Krsna-Bewusstseins nicht auskennt.

Jemand aber, der in einer Familie aus einer niederen Kaste

geboren wurde, kann ein spiritueller Meister werden, wenn

er ein Vaisnava oder Krsna-bewusst ist."
Den Problemen des
materiellen Daseins - Geburt, Alter,
Krankheit und Tod kann nicht durch Anhäufung von
Reichtum und durch wirtschaftlichen Fortschritt

entgegengewirkt werden. In vielen Teilen der Welt gibt es

Staaten, denen alle Annehmlichkeiten des Lebens zur

Verfügung stehen, die sehr reich und wirtschaftlich

fortgeschritten sind und die trotzdem immer noch mit den

Problemen des materiellen Daseins zu kämpfen haben. Sie

suchen auf verschiedenen Wegen nach Frieden, aber sie

können wirkliches Glück nur dann erreichen, wenn sie sich

Krsna zuwenden oder die Bhagavad-Gita und das Srimad-

Bhagavatam zu Rate ziehen die die Wissenschaft von

Krsna beinhalten -, oder wenn sie sich an den echten

Vertreter Krsnas, den Menschen im Krsna-Bewusstsein,

wenden.
Wenn wirtschaftlicher Fortschritt und materielle

Annehmlichkeiten das Gejammer um familiäre, soziale,

nationale oder internationale Trugbilder vertreiben könnten,

hätte Arjuna nicht gesagt, dass selbst ein unangefochtenes

Königreich auf Erden oder Oberherrschaft wie die der

Halbgötter auf den himmlischen Planeten nicht imstande

seien, sein Leid zu vertreiben. Er suchte daher Zuflucht im

Krsna-Bewusstsein, und das ist der richtige Weg zu Frieden

und Harmonie. Wirtschaftlicher Fortschritt oder Herrschaft

über die Welt können jeden Augenblick durch die
Umwälzungen der materiellen Natur beendet werden.

Selbst der Aufstieg zu höheren Planeten, wie zum Beispiel

der Versuch des Menschen, Lebensraum auf dem Mond zu

suchen, kann ebenfalls mit einem Schlag beendet werden.

Die Bhagavad-Gita (9.21) bestätigt dies: "Wenn die Früchte frommer Werke

aufgezehrt sind, fällt man vom Gipfel höchsten Glücks

wieder auf die niedrigste Stufe des Lebens zurück." Viele

Politiker dieser Welt sind auf diese Weise zu Fall

gekommen. Solche Stürze werden nur zu weiteren
Ursachen des Klagens.

Wenn wir daher Klagen ein für allemal bezwingen wollen,

müssen wir bei Krsna Zuflucht suchen, wie es auch Arjuna

erstrebt. Arjuna bat also Krsna, seine Probleme endgültig

zu lösen, und das ist der Weg des Krsna-Bewusstseins.

VERS 9
Sanjaya sagte: Nachdem Arjuna, der Bezwinger der
Feinde, so gesprochen hatte, sagte er zu Krsna:

"Govinda, ich werde nicht kämpfen!" und verstummte.

ERLÄUTERUNG

Dhrtarastra muss sehr erfreut gewesen sein, als er hörte, dass

Arjuna nicht kämpfen wollte und statt dessen beabsichtigte,

das Schlachtfeld zu verlassen, um ein Bettler zu werden.

Aber Sanjaya enttäuschte ihn eigentlich zugleich, als er ihm

mitteilte, dass Arjuna befähigt war, seine Feinde zu töten

(parantapaH). Obwohl Arjuna aus Zuneigung zu seiner

Familie zeitweise von falschem Schmerz überwältigt war,

vertraute er sich Krsna, dem höchsten spirituellen Meister,

als Schüler an. Dies deutete an, dass er bald von falscher

Klage aus Zuneigung zu seiner Familie frei sein und mit

vollkommenem Wissen um Selbsterkenntnis oder Krsna-

Bewusstsein erleuchtet sein und dann gewiss kämpfen

würde. Auf diese Weise würde Dhrtarastrs Frohlocken in

Enttäuschung enden, da Arjuna von Krsna erleuchtet sein

und bis zum Letzten kämpfen würde.
VERS 10

O Nachfahre Bharatas [Dhrtarastra ], da sprach Krsna

in der Mitte zwischen den beiden Heeren zu dem
kummervollen Arjuna lächelnd die folgenden Worte.
ERLÄUTERUNG
Das Gespräch fand zwischen engen Freunden statt,

zwischen Hrsikesa und GuÅakesa. Als Freunde befanden

sich beide auf der gleichen Ebene, doch einer wurde

freiwillig der Schüler des anderen. Krsna lächelte, weil sich

ein Freund entschlossen hatte, ein Schüler zu werden. Als

Herr allen Seins nimmt Er als der Meister eines jeden

immer die übergeordnete Stellung ein, und doch nimmt der

Herr auch jemand an, der Freund, Sohn, Geliebte oder

Geweihter sein oder Ihn Selbst in einer solchen Rolle sehen

möchte. Als Er aber als Meister akzeptiert wurde, nahm Er

sogleich diese Rolle an und sprach mit dem Schüler wie der

Meister - mit Ernst, wie es notwendig ist. Es scheint, dass

das Gespräch zwischen dem Meister und dem Schüler

öffentlich, vor den beiden Heeren, geführt wurde, so dass

alle ihren Nutzen daraus ziehen konnten. Die Gespräche der

Bhagavad-Gita sind also nicht für eine bestimmte Person,

Gesellschaft oder Gemeinschaft gedacht, sondern für alle,

und Freunde wie Feinde haben gleichermaßen das Recht,

sie zu hören.
VERS 11

Der Höchste Herr sprach: Während du gelehrte Worte

sprichst, betrauerst du, was des Kummers nicht wert ist.

Die Weisen beklagen weder die Lebenden noch die
Toten.
ERLÄUTERUNG

Der Herr nahm sofort die Stellung des Lehrers ein und

rügte den Schüler, indem Er ihn indirekt einen Toren

nannte. Der Herr sagte: "Du sprichst wie ein Gelehrter, aber

du weißt nicht, dass jemand, der wirklich gelehrt ist - der

weiß, was Körper und was Seele ist - niemals die

Verfassung des Körpers beklagt, weder im lebendigen noch

im toten Zustand." Wie in späteren Kapiteln eindeutig

erklärt werden wird, bedeutet Wissen, die Materie, die

spirituelle Seele und den Lenker von beiden zu kennen.

Arjuna wandte ein, religiösen Grundsätzen solle mehr

Bedeutung beigemessen werden als Politik oder Soziologie,

aber er wußte nicht, dass Wissen von der Materie, der Seele

und dem Höchsten sogar noch wichtiger ist als religiöse

Rituale. Und weil es ihm an diesem Wissen fehlte, hätte er

sich nicht als großer Gelehrter ausgeben sollen. Da er nun

tatsächlich kein großer Gelehrter war, jammerte er um

etwas, was des Klagens überhaupt nicht wert war. Der

Körper wird geboren und hat das Schicksal, heute oder

morgen zu vergehen; deshalb ist der Körper nicht so

wichtig wie die Seele. Wer dies weiß, ist wahrhaft gelehrt,

und für ihn gibt es keinen Grund zu klagen - ungeachtet des

Zustands, in dem sich der materielle Körper befindet.

VERS 12

Niemals gab es eine Zeit, als Ich oder du oder all diese

Könige nicht existierten, noch wird in der Zukunft einer

von uns aufhören zu sein.
ERLÄUTERUNG

In den Veden, das heißt sowohl in der Kaòha Upanisad als

auch in der Svetasvatara Upanisad, steht geschrieben, dass

der Herr, die Höchste Persönlichkeit, der Erhalter

unzähliger Lebewesen ist und sie versorgt - je nach ihren

unterschiedlichen Lebensumständen, die aus individueller

Arbeit und der Reaktion auf dieses Tun resultieren. Der

Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, lebt auch durch

Seine vollständigen Teile im Herzen eines jeden

Lebewesens. Nur heilige Menschen, die sowohl im Innern

als auch außerhalb den gleichen Höchsten Herrn
wahrnehmen können, sind imstande, wahrhaft
vollkommenen und ewigen Frieden zu erlangen.

Die gleiche vedische Wahrheit, die Arjuna verkündet

wurde, wird allen Menschen auf der Weit offenbart, die

sich als sehr gelehrt hinstellen, aber in Wirklichkeit nur

über dürftiges Wissen verfügen. Der Herr sagt eindeutig,

dass Er Selbst, Arjuna und all die auf dem Schlachtfeld

versammelten Könige ewig individuelle Wesen sind und

dass Er ewig der Erhalter der individuellen Lebewesen

sowohl in ihren bedingten als auch in ihren befreiten

Situationen ist. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist die

höchste individuelle Person, und Arjuna, der ewige

Gefährte des Herrn, und all die dort versammelten Könige

sind ebenfalls individuelle, ewige Personen. Es ist nicht so,

dass sie in der Vergangenheit nicht als Individuen existiert

haben, und es ist nicht so, dass sie nicht ewige Personen

bleiben werden. Ihre Individualität existierte in der

Vergangenheit, und ihre Individualität wird in der Zukunft

ohne Unterbrechung weiterbestehen. Deshalb besteht kein

Anlaß, irgend jemand zu beklagen.

Die Theorie der Mayavadis, die individuelle Seele, getrennt

durch die Bedeckung mayas oder der Illusion, werde nach

der Befreiung mit dem unpersönlichen Brahman

verschmelzen und ihre individuelle Existenz verlieren, wird

hier von Sri Krsna, der höchsten Autorität, nicht unterstützt.

Noch wird hier die Theorie untermauert, dass wir uns im

bedingten Zustand Individualität nur einbilden. Krsna sagt

hier deutlich, dass in der Zukunft auch die Individualität des

Herrn und anderer, wie in den Upanisaden bestätigt ist,

fortbestehen wird. Diese Erklärung Krsnas ist maßgebend,

denn Krsna kann nicht der Illusion unterliegen. Wenn

Individualität keine Tatsache wäre, hätte Krsna sie nicht so

sehr betont - sogar für die Zukunft. Die Mayavadis mögen

einwenden, die Individualität, von der Krsna spreche, sei

nicht spirituell, sondern materiell, aber selbst wenn man das

Argument akzeptiert, dass Individualität materiell sei, wie

ist dann Krsnas Individualität zu verstehen? Krsna

bekrnftigt, dass Er in der Vergangenheit Seine Individualität

hatte, und versichert, dass Er auch in der Zukunft Seine

Individualität haben wird. Er hat Seine Individualität auf

vielerlei Weise bestätigt, und es ist erklärt worden, dass das

unpersönliche Brahman Ihm untergeordnet ist. Krsna hat

Seine spirituelle Individualität immer bewahrt. Wenn man

Ihn für eine gewöhnliche bedingte Seele mit individuellem

Bewusstsein hält, hat Seine Bhagavad-Gita als maßgebende

Schrift keinen Wert. Ein gewöhnlicher Mensch mit den vier

Mnngeln menschlicher Unvollkommenheit ist unfähig,

etwas zu lehren, was es wert ist, gehört zu werden. Die Gita

steht über solcher Literatur. Kein weltliches Buch ist mit

der Bhagavad-Gita vergleichbar. Wenn man Krsna für

einen gewöhnlichen Menschen hält, verliert die Gita ihre

ganze Bedeutung. Die Mayavadis argumentieren, die in

diesem Vers angesprochene Pluralität sei im

herkömmlichen Sinne zu verstehen und beziehe sich auf

den Körper. Aber an früherer Stelle, vor diesem Vers, ist

eine solche körperliche Auffassung bereits verurteilt

worden. Wie konnte also Krsna, nachdem Er das

körperliche Verständnis von den Lebewesen verurteilt

hatte, eine übliche Vorstellung vom Körper vertreten? Die

Auffassung von der Individualität wird daher auf

spiritueller Grundlage aufrechterhalten, wie es von großen

acaryas wie Sri Ramanuja und anderen, bestätigt wird. An

vielen Stellen in der Gita heißt es eindeutig, dass diese

spirituelle Individualität nur von denen verstanden wird, die

Geweihte des Herrn sind. Diejenigen, die Krsna als die

Höchste Persönlichkeit Gottes beneiden, haben keinen

Zugang zu diesem großartigen Literaturwerk. Ein

Nichtgottgeweihter, der sich mit den Lehren der Gita

befaßt, gleicht einer Biene, die an einem Honigtopf leckt.

Man kann den Geschmack des Honigs nicht erfahren,

solange man nicht den Topf öffnet. In ähnlicher Weise

kann auch das Geheimnis der Bhagavad-Gita nur von

Gottgeweihten verstanden werden, und niemand sonst kann

davon einen Geschmack bekommen, wie im Vierten

Kapitel des Buches bestätigt wird. Auch ist die Gita

Menschen nicht zugänglich, die auf die bloße Existenz des

Herrn neidisch sind. Deshalb ist die Mayavadi-Auslegung

der Gita eine höchst irreführende Darstellung der ganzen

Wahrheit. Sri Krsna Caitanya hat uns verboten,

Kommentare der Mayavadis zu lesen, und Er weist uns

darauf hin, dass derjenige, der sich der Philosophie der

Mayavadis zuwende, die Fähigkeit verliere, das eigentliche

Geheimnis der Gita zu verstehen. Wenn sich Individualität

auf das empirische Universum bezieht, dann ist es nicht

notwendig, dass der Herr überhaupt lehrt. Die Pluralität der

individuellen Seele und des Herrn ist eine ewige Tatsache

und wird, wie oben erwähnt, von den Veden bestätigt.

VERS 13
So wie die verkörperte Seele in diesem Körper
fortgesetzt von Knabenzeit zu Jugend und zu Alter

wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise

in einen anderen Körper ein. Die selbstverwirklichte

Seele ist durch einen solchen Wechsel nicht verwirrt.

ERLÄUTERUNG

Da jedes Lebewesen eine individuelle Seele ist, wechselt es

seinen Körper in jedem Augenblick und manifestiert sich

so manchmal als Kind, manchmal als Jugendlicher und

manchmal als alter Mann. Dennoch handelt es sich um die

gleiche spirituelle Seele, die sich nicht wandelt. Diese

individuelle Seele wechselt den Körper zum Zeitpunkt des

Todes endgültig und geht in einen anderen Körper ein, und

da sie mit Sicherheit bei der nächsten Geburt einen anderen

Körper bekommt - entweder einen materiellen oder einen

spirituellen -, gab es für Arjuna keinen Grund, den Tod zu

beklagen, auch den Bhismas oder Dronas nicht, um die er

sich so sorgte. Vielmehr sollte er sich freuen, dass sie ihre

alten Körper gegen neue eintauschen und so ihre Energie

erneuern würden. Solche Körperwechsel bedeuten eine

Vielfalt von Freuden oder Leiden, die sich je nach der

Handlungsweise im Leben richten. Da Bhisma und Drona

edle Seelen waren, wurden sie in ihrem nächsten Leben mit

Gewissheit entweder spirituelle Körper oder zumindest ein

Leben in himmlischen Körpern erhalten, in denen ein

höherer Genuss des materiellen Daseins möglich wäre. In

beiden Fällen gab es also keinen Grund zu klagen.

Jeder Mensch, der über vollkommenes Wissen von der

Beschaffenheit der individuellen Seele, der Überseele und

der Natur - der materiellen wie auch der spirituellen -

verfügt, wird als dhÖra oder ein überaus besonnener

Mensch bezeichnet. Ein solcher Mensch lässt sich niemals

durch den Wechsel von Körpern täuschen. Die Mayavadi-

Theorie des Einsseins der spirituellen Seele kann nicht

damit begründet werden, dass die Seele nicht in

fragmentarische Teile zerlegt werden kann und dass ein

solches Zerlegen in verschiedene individuelle Seelen den

Höchsten teilbar und wandelbar machen würde, was dem

Prinzip widerspräche, dass die Höchste Seele unwandelbar

ist.
Wie in der Gita bestätigt wird, bestehen die

fragmentarischen Teile des Höchsten ewig (sanatana) und

werden ksara genannt, was bedeutet, dass sie die Neigung

haben, in die materielle Natur zu fallen. Diese

fragmentarischen Teile sind ewig so beschaffen, und selbst

nach der Befreiung bleibt die individuelle Seele der gleiche

fragmentarische Teil. Aber einmal befreit, lebt sie

zusammen mit dem Herrn, der Persönlichkeit Gottes, ein

ewiges Leben in Glückseligkeit und Wissen. Am Beispiel

der Spiegelung kann man die Überseele verstehen, die in

jedem einzelnen individuellen Körper anwesend ist und die

man als Paramatma kennt, der vom individuellen

Lebewesen verschieden ist. Wenn der Himmel im Wasser

gespiegelt wird, repräsentieren die Spiegelungen sowohl

die Sonne und den Mond als auch die Sterne. Die Sterne

können mit den Lebewesen verglichen werden und die

Sonne oder der Mond mit dem Höchsten Herrn. Die

individuelle, fragmentarische Seele wird von Arjuna

repräsentiert, und die Höchste Seele ist die Persönlichkeit

Gottes, Sri Krsna. Sie befinden sich nicht auf der gleichen

Ebene, wie zu Beginn des Vierten Kapitels deutlich werden

wird. Wenn sich Arjuna auf der gleichen Ebene wie Krsna

befindet und Krsna nicht über Arjuna steht, dann wird ihre

Beziehung als Lehrer und Schüler bedeutungslos. Wenn

beide von der illusionierenden Energie (maya) getäuscht

sind, ist es nicht notwendig, dass der eine Lehrer und der

andere Schüler ist. Solche Unterweisungen wären nutzlos,

da niemand in der Gewalt mayas ein maßgebender Lehrer

sein kann. Hier jedoch wird Sri Krsna als der Höchste Herr

anerkannt, der Sich in einer höheren Stellung befindet als

das Lebewesen, Arjuna, der eine von maya irregeführte,

vergessliche Seele ist.
VERS 14

O Sohn Kuntis, das unbeständige Erscheinen von Glück

und Leid und ihr Verschwinden im Laufe der Zeit
gleichen dem Kommen und Gehen von Sommer und
Winter. Sie entstehen durch Sinneswahrnehmung, o
Nachkomme Bharatas, und man muss lernen, sie zu
dulden, ohne gestört zu sein.
ERLÄUTERUNG

Wenn man seine Pflicht richtig erfüllen will, muss man

lernen, das unbeständige Erscheinen und Verschwinden

von Glück und Leid zu dulden. Nach vedischer

Unterweisung muss man sogar im Monat Magha (Januar-

Februar) früh morgens sein Bad nehmen. Zu dieser Zeit ist

es sehr kalt, aber trotzdem zögert ein Mann, der an den

religiösen Grundsätzen festhält, nicht, sein Bad zu nehmen.

In ähnlicher Weise zögert eine Frau nicht, während der

Monate Mai und Juni - dem heißesten Teil der Sommerzeit

- in der Küche zu kochen. Man muss trotz klimabedingter

Unbequemlichkeiten seine Pflicht erfüllen. In ähnlicher

Weise ist Kämpfen das religiöse Prinzip der ksatriyas, und

auch wenn man mit einem Freund oder Verwandten
kämpfen muss, sollte man nicht von seiner
vorgeschriebenen Pflicht abweichen. Man muss den

vorgeschriebenen Regeln und Regulierungen religiöser

Prinzipien folgen, um zur Ebene von Wissen aufzusteigen,

denn nur durch Wissen und Hingabe kann man sich aus den

Klauen mayas befreien.

Die beiden Namen, mit denen Arjuna hier bedacht wird,

sind ebenfalls bedeutsam. Die Anrede "Kaunteya" zeigt

seine bedeutende Blutsverwandtschaft mit der Familie

seiner Mutter an, und die Anrede "Bharata" deutet auf seine

Größe von Seiten seines Vaters hin. Man kann also

annehmen, dass er von beiden Seiten ein großes Erbe

mitbrachte. Ein großes Erbe bringt in Bezug auf die richtige

Erfüllung von Pflichten Verantwortung mit sich, und daher

kann er den Kampf nicht vermeiden.
VERS 15

O Bester unter den Menschen [Arjuna], wer sich durch

Glück und Leid nicht stören lässt, sondern in beiden

geduldig ist, eignet sich gewiss dazu, Befreiung zu

erlangen.
ERLÄUTERUNG
Jeder, der mit fester Entschlossenheit nach der

fortgeschrittenen Stufe spiritueller Erkenntnis strebt und

mit Gleichmut die Angriffe von Leid und Glück duldet, ist

gewiss geeignet, befreit zu werden. In der varnasrama-

Einrichtung stellt die vierte Stufe des Lebens, nämlich der

Lebensstand der Entsagung (sannyasa), ein mühevolles

Leben dar. Doch wem es ernst ist, sein Leben zu

vervollkommnen, der tritt mit Sicherheit trotz aller

Schwierigkeiten in den sannyasa-Stand des Lebens ein. Die

Schwierigkeiten entstehen im allgemeinen daraus, dass man

die Beziehung zu seiner Familie abbrechen, das heißt die

Verbindung zu Frau und Kindern, aufgeben muss. Aber

wenn jemand fähig ist, solche Schwierigkeiten auf sich zu

nehmen, ist sein Weg zur spirituellen Erkenntnis gewiss

vollkommen. Ebenso bekommt Arjuna bei seiner

Pflichterfüllung als ksatriya den Rat, standhaft zu bleiben -

auch wenn es schwierig ist, mit seinen
Familienangehörigen oder anderen nahestehenden

Menschen zu kämpfen. Sri Caitanya nahm im Alter von

vierundzwanzig Jahren sannyasa an, und Seine

Angehörigen, nämlich Seine junge Frau und Seine alte

Mutter, hatten außer Ihm niemand, der sich um sie
kümmerte. Dennoch nahm Er um einer höheren Sache

willen sannyasa an und erfüllte mit Beständigkeit höhere

Pflichten. Das ist der Weg, Befreiung aus der materiellen

Knechtschaft zu erlangen.
VERS 16

Die Weisen, die die Wahrheit sehen, haben erkannt, dass

das Inexistente ohne Dauer und das Existente ohne

Ende ist. Zu diesem Schluss sind die Weisen gekommen,

nachdem sie das Wesen von beiden studiert hatten.
ERLÄUTERUNG

Der sich wandelnde Körper ist nicht von Dauer. Dass sich

der Körper in jedem Augenblick durch die Aktionen und

Reaktionen der verschiedenen Zellen verändert, wird von

der modernen medizinischen Wissenschaft bestätigt, und so

finden also im Körper Wachstum und Alter statt. Aber die

spirituelle Seele besteht fortwährend und bleibt trotz aller

Wandlungen des Körpers und des Geistes dieselbe. Das ist

der Unterschied zwischen Materie und spiritueller Natur.

Von Natur aus wandelt sich der Körper ständig, aber die

Seele ist ewig. Zu dieser Schlussfolgerung sind alle Arten

von Weisen, sowohl Unpersönlichkeits- als auch

Persönlichkeitsphilosophen, gekommen. Im Visnu Purana

heißt es, dass Visnu und Seine Reiche alle von

selbstleuchtender spiritueller Existenz sind Die Wörter "existent" und "inexistent"

beziehen sich nur auf die spirituelle Natur und die Materie.

Das ist die Ansicht aller Weisen.
Hier beginnen die Unterweisungen des Herrn an die

Lebewesen, die durch den Einßluss der Unwissenheit

verwirrt sind. Eine Beseitigung der Unwissenheit bedeutet

auch, dass die ewige Beziehung zwischen dem Verehrenden

und dem Verehrten wiederhergestellt und folglich der

Unterschied zwischen den winzigen, teilhaften Lebewesen

und der Höchsten Persönlichkeit Gottes verstanden wird.

Man kann das Wesen des Höchsten anhand eines
eingehenden Studiums seinerselbst verstehen,

vorausgesetzt, dass man den Unterschied zwischen sich

selbst und dem Höchsten als die Beziehung zwischen dem

Teil und dem Ganzen versteht. In den Vedanta-sutras und

ebenso im Srimad-Bhagavatam ist der Höchste als der

Ursprung aller Inkarnationen anerkannt worden. Diese

Inkarnationen kann man anhand der Folgeerscheinungen

höherer und niederer Natur wahrnehmen. Wie im Siebten

Kapitel offenbart werden wird, gehören die Lebewesen zur

höheren Natur. Obwohl kein Unterschied zwischen der

Energie und dem Ursprung der Energie besteht, wird der

Energieursprung als der Höchste und die Energie oder

Natur als Ihm untergeordnet anerkannt. Deshalb sind die

Lebewesen dem Höchsten Herrn immer untergeben - wie

der Diener dem Meister oder der Schüler dem Lehrer.

Solch klares Wissen ist unter dem Zauber der Unwissenheit

unmöglich zu verstehen, und um solche Unwissenheit zu

vertreiben, lehrt der Herr die Bhagavad-Gita zur
Erleuchtung aller Lebewesen für alle Zeiten.
VERS 17

Wisse, das was den gesamten Körper durchdringt, ist

unzerstörbar. Niemand ist imstande, die unvergängliche

Seele zu zerstören.
ERLÄUTERUNG

Dieser Vers erklärt noch deutlicher das wirkliche Wesen

der Seele, das über den gesamten Körper verbreitet ist.

Jeder kann verstehen, was über den ganzen Körper

verbreitet ist: es ist Bewusstsein. Jeder ist sich der

Schmerzen und Freuden bewusst, die entweder in einem

Teil des Körpers oder im gesamten Körper empfunden

werden. Diese Verbreitung von Bewusstsein beschränkt sich

auf den eigenen Körper. Die Schmerzen und Freuden des

einen Körpers sind einem anderen unbekannt. Daher ist

jeder einzelne Körper die Verkörperung einer individuellen

Seele, und das Symptom für die Anwesenheit der Seele

wird als individuelles Bewusstsein erfahren. Diese Seele

wird als so groß wie der zehntausendste Teil einer

Haarspitze beschrieben. Die Svetasvatara Upanisad (5.9)

bestätigt dies wie folgt:

"Wenn eine Haarspitze in hundert Teile und jedes dieser

Teile in weitere hundert Teile zerlegt wird, dann entspricht

eines dieser Teile der Größe der Seele."

Im Bhagavatam wird diese Tatsache in ähnlicher Weise

erklärt:

"Es gibt unzählige Partikel von spirituellen Atomen, und

jedes von ihnen ist so groß wie der zehntausendste Teil

einer Haarspitze."

Hiernach ist das individuelle Partikel, das eine spirituelle

Seele darstellt, ein spirituelles Atom, das kleiner ist als die

materiellen Atome, und solche Atome sind unzählbar.

Dieser sehr kleine spirituelle Funken bildet das

Grundprinzip des materiellen Körpers, und der Einßluss

eines solchen spirituellen Funkens ist über den ganzen

Körper verbreitet, ebenso wie sich der Einßluss des aktiven

Prinzips eines Medikaments im gesamten Körper verbreitet.

Diese Ausbreitung der Seele wird überall im Körper als

Bewusstsein verspürt, und das ist der Beweis für die

Gegenwart der Seele. Jeder Laie kann verstehen, dass der

materielle Körper ohne Bewusstsein ein toter Körper ist und

dass dieses Bewusstsein im Körper durch keine materielle

Bemühung wiederbelebt werden kann. Bewusstsein ist

daher auf keinerlei Menge materieller Verbindungen

zurückzuführen, sondern auf die spirituelle Seele. In der

Mundaka Upanisad (3.1.9) wird weiter erklärt, wie man die

atomische spirituelle Seele mißt.

"Die Seele ist atomisch klein und kann durch vollkommene

Intelligenz wahrgenommen werden. Diese atomische Seele

schwebt in den fünf Luftarten prana, apana, vyana,

samana und udana, befindet sich im Herzen und verbreitet

ihren Einßluss über den gesamten Körper des verkörperten

Lebewesens. Wenn die Seele von der Verunreinigung

durch die fünf Arten materieller Luft geläutert ist, entfaltet

sich ihr spiritueller Einßluss."
Das haòha-yoga-System ist dazu gedacht, die fünf
Luftarten, die die reine Seele umkreisen, durch

verschiedene Sitzstellungen zu meistern - nicht um

irgendeines materiellen Gewinns willen, sondern um die

winzige Seele aus der Verstrickung in die materielle

Atmosphnre zu befreien.

Das Wesen der winzigen Seele wird also in allen vedischen

Schriften anerkannt und in der praktischen Erfahrung jedes

geistig gesunden Menschen tatsächlich empfunden. Nur ein

Geistesgestörter kann glauben, die winzig kleine Seele sei

das alldurchdringende Visnu-tattva.

Der Einßluss der winzigen Seele kann vollständig über einen

bestimmten Körper verbreitet werden. Wie es in der

MunÅaka Upanisad heißt, befindet sich die atomische Seele

im Herzen des Lebewesens, und da die Messung der

atomischen Seele jenseits der Reichweite der materiellen

Wissenschaftler liegt, behaupten einige von ihnen

törichterweise, es gebe keine Seele. Es besteht kein Zweifel

darüber, dass die individuelle winzige Seele zusammen mit

der Überseele im Herzen weilt, und daher kommen alle

Energien, die zur Bewegung des Körpers benötigt werden,

aus diesem Teil des Körpers. Die roten Blutkörperchen, die

den Sauerstoff aus der Lunge mit sich tragen, bekommen

Energie von der Seele. Wenn die Seele diese Stellung

verlässt, kommt die Tätigkeit des Blutes, die die
Verbrennungsvorgänge anregt, zum Stillstand. Die

medizinische Wissenschaft erkennt die Bedeutung der roten

Blutkörperchen an, aber sie kann nicht herausfinden, dass

die Quelle der Energie die Seele ist. Auf der anderen Seite

aber rnumt die medizinische Wissenschaft ein, dass das

Herz der Sitz aller Energien des Körpers ist.

Diese atomischen Partikel des Spirituellen Ganzen werden

mit den Molekülen des Sonnenscheins verglichen. Im

Sonnenschein gibt es unzählige strahlende Moleküle. In

ähnlicher Weise sind die fragmentarischen Teile des

Höchsten Herrn atomische Funken der Strahlen des

Höchsten, die als prabha oder höhere Energie bezeichnet

werden. Weder das vedische Wissen noch die moderne

Wissenschaft verleugnen die Existenz der spirituellen Seele

im Körper, und die Wissenschaft von der Seele wird

ausführlich von der Höchsten Persönlichkeit Gottes Selbst

in der Bhagavad-Gita erklärt.
VERS 18
Nur der materielle Körper des unzerstörbaren,
unmeßbaren und ewigen Lebewesens unterliegt der
Zerstörung. Deshalb kämpfe, o Nachkomme Bharatas.
ERLÄUTERUNG

Der materielle Körper ist von Natur aus vergänglich. Er

mag sogleich vergehen oder erst nach hundert Jahren. Es ist

nur eine Frage der Zeit. Es gibt keine Möglichkeit, ihn

unbegrenzt zu erhalten. Die spirituelle Seele aber ist so

winzig, dass sie von einem Feind nicht einmal gesehen,

geschweige denn getötet werden kann. Wie im vorherigen

Vers erwähnt wurde, ist sie so klein, dass niemand

irgendeine Vorstellung hat, wie man ihre Dimension

messen kann. Von beiden Gesichtspunkten aus betrachtet

gibt es also keinen Grund zu klagen, denn weder kann das

Lebewesen, so wie es ist, getötet noch kann der materielle

Körper, der nicht einmal eine Sekunde länger als

vorgesehen erhalten werden kann, bleibend beschützt

werden. Das winzige Partikel des Spirituellen Ganzen

nimmt seinem Tun gemäß einen materiellen Körper an, und

daher soll man die Einhaltung religiöser Grundsätze nutzen.

In den Vedanta-sôtras wird das Lebewesen
eigenschaftsmäßig als Licht eingestuft, da es ein

Bestandteil des höchsten Lichts ist. So wie Sonnenlicht das

gesamte Universum erhält, so erhält das Licht der Seele den

materiellen Körper. Sobald die spirituelle Seele den

materiellen Körper verlassen hat, beginnt der Körper zu

zerfallen; daher ist es die spirituelle Seele, die den Körper

erhält. Der Körper selbst ist unwichtig. Arjuna wurde

angewiesen, zu kämpfen und den materiellen Körper um

der Religion willen zu opfern.
VERS 19

Wer glaubt, das Lebewesen töte oder werde getötet,

befindet sich in Unwissenheit. Wer in Wissen gründet,

weiß, dass das Lebewesen weder tötet noch getötet wird.

ERLÄUTERUNG

Wenn ein verkörpertes Lebewesen durch tödliche Waffen

verletzt wird, muss man wissen, dass das Lebewesen

innerhalb des Körpers nicht getötet wird. Wie aus den

vorangegangenen Versen deutlich hervorgeht, ist die

spirituelle Seele so klein, dass es unmöglich ist, sie mit

irgendeiner materiellen Waffe zu töten. Allein aufgrund

seiner spirituellen Beschaffenheit kann das Lebewesen

niemals vernichtet werden. Das, was vernichtet oder

angeblich zerstört wird, ist nur der Körper. Dies soll aber

keineswegs dazu auffordern, den Körper zu töten. Die

vedische Unterweisung lautet: mahimsyat sarva-bhôtani.

"Tu niemals irgend jemand Gewalt an." Auch ermutigt das

Verständnis, dass das Lebewesen nicht getötet werden kann,

nicht dazu, Tiere zu schlachten. Den Körper irgendeines

Lebewesens zu vernichten, ohne dazu befugt zu sein, ist

verabscheuungswürdig und wird sowohl vom Gesetz des

Staates als auch vom Gesetz des Herrn bestraft. Arjuna

jedoch soll für das Prinzip der Religion töten - nicht aus

einer Laune heraus.
VERS 20

Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Auch hört

sie, da sie einmal war, niemals auf zu sein. Sie ist

ungeboren, ewig, immerwährend, unsterblich und
urerst. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper
erschlagen wird.
ERLÄUTERUNG

Der Qualität nach ist der winzige fragmentarische Teil des

Höchsten Spirituellen Wesens mit dem Höchsten eins. Er

unterliegt keinem Wandel wie der Körper. Manchmal wird

die Seele als "die Beständige" oder kôòastha bezeichnet.

Der Körper unterliegt sechs Arten von Wandlungen: Er

wird in der Gebnrmutter des mütterlichen Körpers geboren,

bleibt dort einige Zeit, wächst heran, zeugt Nachkommen,

verfällt allmählich und gernt schließlich in Vergessenheit.

Die Seele aber durchlnuft nicht solche Wandlungen. Die

Seele selbst wird nicht geboren, aber weil sie einen

materiellen Körper annimmt, wird der Körper geboren. Die

Seele wird nicht geboren, und die Seele stirbt nicht. Alles,

was geboren wird, muss sterben. Und da die Seele nie

geboren wurde, kennt sie weder Vergangenheit noch

Gegenwart, noch Zukunft. Sie ist ewig, immerwährend und

urerst - das heißt, es gibt in der Geschichte keine Spur ihrer

Entstehung. Unter dem Einßluss der körperlichen

Vorstellung suchen wir nach dem Zeitpunkt der Geburt

usw. der Seele. Die Seele wird zu keiner Zeit alt, wie es der

Körper wird. Daher fühlt der sogenannte alte Mann, dass er

der gleiche ist wie in seiner Kindheit oder Jugend. Die

Wandlungen des Körpers beeinflussen nicht die Seele. Die

Seele unterliegt nicht dem Zerfall wie ein Baum oder etwas

anderes Materielles. Die Seele hat auch keine

Nachkommen. Die Nebenprodukte des Körpers, nämlich

Kinder, sind ebenfalls verschiedene individuelle Seelen,

und nur im Hinblick auf den Körper erscheinen sie als

Kinder eines bestimmten Mannes. Der Körper entwickelt

sich, weil die Seele anwesend ist; aber weder hat die Seele

Abkömmlinge, noch unterliegt sie dem Wandel. Folglich ist

die Seele von den sechs Wandlungen des Körpers frei.

Auch in der Kaòha Upanisad (1.2.18) finden wir einen

ähnlichen Abschnitt, in dem es heißt:

Die Aussage und Bedeutung dieses Verses ist die gleiche

wie in der Bhagavad-Gita, aber hier in diesem Vers gibt es

ein besonderes Wort, nämlich vipascit, was soviel bedeutet

wie "gelehrt" oder "mit Wissen".

Die Seele ist voll Wissen oder immer von Bewusstsein

erfüllt. Daher ist Bewusstsein das Merkmal der Seele. Selbst

wenn man die Seele nicht im Herzen findet, wo sie sich

aufhält, kann man die Gegenwart der Seele einfach durch

die Anwesenheit von Bewusstsein verstehen. Manchmal

finden wir die Sonne am Himmel nicht, weil sich Wolken

davor geschoben haben oder aus irgendeinem anderen

Grund, aber das Licht der Sonne ist immer da, und wir sind

überzeugt, dass es deshalb Tag ist. Sobald frühmorgens ein

wenig Licht am Himmel ist, können wir verstehen, dass die

Sonne am Himmel steht. In ähnlicher Weise können wir

auch die Gegenwart der Seele verstehen, da in allen

Körpern - ob Mensch oder Tier - Bewusstsein vorhanden ist.

Dieses Bewusstsein der Seele unterscheidet sich jedoch vom

Bewusstsein des Höchsten, da das höchste Bewusstsein

Allwissen ist - es umfaßt Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft. Das Bewusstsein der individuellen Seele neigt

dazu, vergeßlich zu sein. Wenn sie ihre wahre Natur

vergißt, empfängt sie aus den erhabenen Lehren Krsnas

Erziehung und Erleuchtung. Aber Krsna ist nicht mit der

vergeßlichen Seele zu vergleichen. Wenn dem so wäre,

würden Seine Lehren in der Bhagavad-Gita nutzlos sein. Es

gibt zwei Arten von Seelen. die winzig kleine Seele (anuatma)

und die Überseele (vibhu-atma). Dies wird auch in
der Kaòha Upanisad (1.2.20) wie folgt bestätigt:

"Sowohl die Überseele [Paramatma] als auch die winzig

kleine Seele [jivatma] sitzen auf dem gleichen Baum des

Körpers, im gleichen Herzen des Lebewesens, und nur

jemand, der von allen materiellen Wünschen und Klagen

frei

geworden ist, kann durch die Gnade des Höchsten die

Herrlichkeit der Seele verstehen."

Krsna ist auch der Ursprung der Überseele, wie in den

folgenden Kapiteln enthüllt werden wird, und Arjuna ist die

winzig kleine Seele, die ihre wahre Natur vergessen hat und

daher von Krsna oder Seinem echten Vertreter (dem
spirituellen Meister) erleuchtet werden muss.
VERS 21

O Partha, wie kann ein Mensch, der weiß, dass die Seele

unzerstörbar, ungeboren, ewig und unveränderlich ist,

jemand töten oder einen anderen veranlassen zu töten?

ERLÄUTERUNG

Alles hat seinen bestimmten Nutzen, und ein Mensch, der

in vollkommenem Wissen gründet, weiß, wie und wo ein

Ding seine richtige Verwendung hat. In ähnlicher Weise hat

auch Gewalt ihre Nützlichkeit, und wie Gewalt

anzuwenden ist, liegt bei demjenigen, der über Wissen

verfügt. Obwohl der Friedensrichter über einen Menschen,

der wegen Mordes verurteilt ist, die Todesstrafe verhängt,

kann gegen ihn kein Vorwurf erhoben werden, da er

Gewalt gegen einen anderen in Übereinstimmung mit dem

Gesetz befiehlt. In der Manu-samhita, dem Gesetzbuch der

Menschheit, wird bestätigt, dass ein Mörder zum Tode

verurteilt werden sollte, damit er in seinem nächsten Leben

für die große Sünde, die er begangen hat, nicht zu leiden

braucht. Deshalb ist die Strafe des Königs, einen Mörder zu

hängen, durchaus segensreich. In ähnlicher Weise verhält

es sich mit Krsna: Wenn Er den Befehl gibt zu kämpfen,

muss man daraus schließen, dass Gewalt um höchster

Gerechtigkeit willen stattfindet. Arjuna sollte der

Anweisung folgen, da er wohl weiß, dass solche Gewalt, die

im Kampf für Krsna angewandt wird, keineswegs Gewalt

ist; denn der Mensch oder vielmehr die Seele kann auf

keinen Fall getötet werden. Um für Gerechtigkeit zu

sorgen, ist also sogenannte Gewalt gestattet. Ein

chirurgischer Eingriff soll den Patienten nicht töten,

sondern heilen. Daher findet der Kampf, den Arjuna im

Auftrag Krsnas austragen soll, in vollem Wissen statt, und

daher kann keine sündhafte Reaktion folgen.
VERS 22

Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anlegt, so

gibt die Seele alt und unbrauchbar gewordene Körper

auf und nimmt neue an.
ERLÄUTERUNG

Dass die atomische individuelle Seele den Körper wechselt,

ist eine anerkannte Tatsache. Selbst einige moderne

Wissenschaftler, die nicht an die Existenz der Seele

glauben, aber zur gleichen Zeit die Energiequelle im

Herzens nicht erklären können, müssen die fortwährenden

Wandlungen des Körpers von Kindheit zu Knabenzeit, von

Knabenzeit zu Jugend und von Jugend zu Alter

anerkennen. Vom Alter aus wird die Wandlung auf einen

anderen Körper übertragen. Dies ist schon im
vorangegangenen Vers erklärt worden.

Das Überwechseln der atomischen individuellen Seele in

einen anderen Körper wird durch die Gnade der Überseele

ermöglicht. Die Überseele erfüllt den Wunsch der

atomischen Seele, ebenso wie ein Freund den Wunsch

seines Freundes erfüllt. Die Veden, wie die MunÅaka

Upanisad und die SVetasvatara Upanisad, vergleichen die

Seele und die Überseele mit zwei befreundeten Vögeln, die

auf dem gleichen Baum sitzen. Einer der Vögel (die

individuelle atomische Seele) ißt von den Früchten des

Baumes, während der andere Vogel (Krsna) Seinen Freund

nur beobachtet. Von diesen beiden Vögeln - obwohl sie

sich eigenschaftsmäßig gleichen - ist der eine von den

Früchten des materiellen Baumes bezaubert, wohingegen

der andere einfach nur Zeuge der Tätigkeiten Seines

Freundes ist. Krsna ist der bezeugende Vogel, und Arjuna

ist der essende Vogel. Obwohl sie Freunde sind, ist

trotzdem der eine Meister und der andere Diener. Dass die

atomische Seele diese Beziehung vergißt, ist die Ursache

dafür, dass sie von einem Baum zum anderen oder vielmehr

von einem Körper zum anderen wechselt. Die jiva-Seele

kämpft sehr schwer auf dem Baum des materiellen Körpers;

aber sobald sie sich damit einverstanden erklärt, den

anderen Vogel als den höchsten spirituellen Meister

anzuerkennen - wie Arjuna einverstanden war, indem er

sich Krsna freiwillig unterordnete, um sich von Ihm

unterweisen zu lassen -, wird der untergeordnete Vogel

sogleich von allem Klagen frei. Sowohl die Kaòha

Upanisad als auch die Svetasvatara Upanisad bestätigen

dies:

"Obwohl die beiden Vögel im gleichen Baum sitzen, wird

der essende Vogel von Angst und Unzufriedenheit geplagt,

weil er die Fruchte des Baumes genießen will. Aber wenn

er sich auf diese oder jene Weise seinem Freund, der der

Herr ist, zuwendet und dessen Herrlichkeit erkennt, wird

der leidende Vogel sogleich von allen Ängsten frei."

Arjuna hat sich jetzt seinem ewigen Freund, Krsna,

zugewandt und lässt sich von Ihm in der Bhagavad-Gita

unterrichten. Indem er so von Krsna hört, kann er die

erhabene Herrlichkeit des Herrn verstehen und von aller

Klage frei werden. Arjuna wird hier vom Herrn

unterwiesen, den Körperwechsel seines alten Großvaters

und seines Lehrers nicht zu beklagen. Er sollte vielmehr

froh darüber sein, ihre Körper in einem gerechten Kampf

zu töten, so dass sie sogleich von allen Reaktionen auf

verschiedene körperliche Tätigkeiten gereinigt werden

mögen. Wer sein Leben auf dem Opferaltar oder auf dem

geeigneten Schlachtfeld lässt, wird auf der Stelle von

körperlichen Reaktionen gereinigt und auf eine höhere

Stufe des Lebens erhoben. Es gab also für Arjuna keinen

Grund zu klagen.
VERS 23

Die Seele kann weder von Waffen in Stücke geschnitten,

noch kann sie von Feuer verbrannt, von Wasser benetzt

oder vom Wind verdorrt werden.
ERLÄUTERUNG
Alle Arten von Waffen, wie Schwerter, Flammen,

Regenfälle, Wirbelstürme usw., sind nicht imstande, die

spirituelle Seele zu vernichten. Es scheint, dass es damals

außer den modernen Feuerwaffen noch viele andere Arten

von Waffen gab, die aus Erde, Wasser, Luft, Äther usw.

bestanden. Selbst die Kernwaffen der heutigen Zeit werden

als Feuerwaffen eingestuft. Vormals gab es noch andere

Waffen, die aus allen möglichen materiellen Elementen

hergestellt waren. Feuerwaffen bekämpfte man mit
Wasserwaffen, die jetzt der modernen Wissenschaft

unbekannt sind. Auch wissen moderne Wissenschaftler

nichts von Wirbelsturmwaffen. Nichtsdestoweniger kann

die Seele, ungeachtet wissenschaftlicher Erfindungen,

niemals in Stücke geschnitten oder durch irgendeine

Anzahl von Waffen vernichtet werden.

Es war niemals möglich, die individuelle Seele von der

ursprünglichen Seele abzutrennen. Die Mayavadís

versuchen zu beschreiben, wie die individuelle Seele aus

Unwissenheit hervorging und folglich von der täuschenden

Energie bedeckt wurde. Weil die Lebewesen ewig

(sanatana) atomische individuelle Seelen sind, neigen sie

dazu, von der täuschenden Energie bedeckt zu werden, und

so werden sie von der Gemeinschaft des Höchsten Herrn

getrennt, ebenso wie die Funken eines Feuers, obwohl der

Eigenschaft nach eins mit dem Feuer, zum Verlöschen

neigen, wenn sie aus dem Feuer herausfallen. Im Varaha

Purana werden die Lebewesen als abgesonderte winzige

Bestandteile des Höchsten beschrieben. Sie sind dies ewig,

wie auch von der Bhagavad-Gita bestätigt wird. Wie aus

den Lehren des Herrn zu Arjuna ersichtlich ist, behält das

Lebewesen also, selbst nachdem es von der Illusion befreit

ist, seine gesonderte Identität. Arjuna wurde durch das

Wissen, das er von Krsna empfing, zwar befreit, doch

wurde er niemals eins mit Krsna.
VERS 24
Diese individuelle Seele ist unzerbrechlich und
unauflöslich und kann weder verbrannt noch
ausgetrocknet werden. Sie ist immerwährend,

alldurchdringend, unwandelbar, unbeweglich und ewig

dieselbe.
ERLÄUTERUNG

Alle diese Eigenschaften der winzigen Seele beweisen

eindeutig, dass die individuelle Seele ewig der winzige

Bestandteil des spirituellen Ganzen ist und ewig, ohne

Veränderung, dasselbe Atom bleibt. Es ist sehr schwierig,

in diesem Falle die Theorie des Monismus anzuwenden,

denn es ist niemals zu erwarten, dass die individuelle Seele

mit allem anderen eins und gleich wird. Nach der Befreiung

von der materiellen Verunreinigung mag es die winzige

Seele vorziehen, als ein spiritueller Funken in den

leuchtenden Strahlen der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu

verbleiben, aber die intelligenten Seelen gehen in die

spirituellen Planeten ein, um mit der Persönlichkeit Gottes

zusammenzusein.

Das Wort sarva-gatah (alldurchdringend) ist bedeutsam, da

kein Zweifel darüber besteht, dass es überall in Gottes

Schöpfung Lebewesen gibt. Sie leben auf dem Land, im

Wasser, in der Luft, unter der Erde und sogar im Feuer. Die

Ansicht, Lebewesen würden im Feuer vernichtet werden,

ist nicht annehmbar, da es hier unmißverständlich heißt,

dass die Seele durch Feuer nicht verbrannt werden kann.

Deshalb besteht kein Zweifel darüber, dass es auch im

Sonnenplaneten Lebewesen gibt, die dort mit einem

geeigneten Körper leben. Wäre die Sonne unbewohnt, dann

wurde das Wort sarva-gatah (überall gibt es Leben) seine

Bedeutung verlieren.
VERS 25

Es heißt, dass die Seele unsichtbar, unbegreiflich,

unveränderlich und unwandelbar ist. Da du dies weißt,

solltest du um den Körper nicht trauern.
ERLÄUTERUNG

Wie zuvor beschrieben wurde, ist die Größe der Seele für

unsere materielle Berechnung so klein, dass sie nicht einmal

mit dem stnrksten Mikroskop gesehen werden kann;

deshalb ist sie unsichtbar. Was die Existenz der Seele

betrifft, so kann niemand, über den Beweis von sruti oder

der vedischen Weisheit hinaus, ihre Existenz experimentell

nachweisen. Wir müssen diese Wahrheit akzeptieren, weil

es keine andere Quelle gibt, die Existenz der Seele zu

verstehen, wenngleich sie tatsächlich wahrgenommen

werden kann. Es gibt viele Dinge, die wir allein auf der

Grundlage höherer Autorität akzeptieren müssen. Niemand

kann die auf die Autorität der Mutter gestützte Existenz

seines Vaters leugnen. Außer der Autorität der Mutter gibt

es keine andere Quelle, die Identität des Vaters zu

verstehen. In ähnlicher Weise gibt es keine andere

Möglichkeit, die Seele zu verstehen, als die Veden zu

studieren. Mit anderen Worten: Die Seele ist durch

menschliches experimentelles Wissen nicht zu begreifen.

Die Seele ist Bewusstsein und bewusst - so lautet auch die

Aussage der Veden, und wir haben die zu akzeptieren.

Anders als der Körper, der sich wandelt, vollzieht sich in

der Seele keine Wandlung. Da die Seele unveränderlich ist,

ist sie im Vergleich zur unendlichen Höchsten Seele immer

atomisch klein. Die Höchste Seele ist unendlich, und die

atomische Seele ist unendlich klein. Folglich kann die

unendlich kleine Seele, da unwandelbar, niemals der

unendlichen Seele oder der Höchsten Persönlichkeit Gottes

gleichkommen. Diese Auffassung wird in den Veden auf

verschiedene Weise wiederholt, nur um die

Unveränderlichkeit der Konzeption von der Seele zu

untermauern. Wiederholung ist notwendig, damit wir etwas

fehlerfrei und eingehend verstehen.
VERS 26

Wenn du jedoch glaubst, die Seele werde ständig aufs

neue geboren und sterbe immer wieder, gibt es für dich

dennoch keinen Grund zu klagen, o Starkarmiger.
ERLÄUTERUNG

Es gibt immer eine Klasse von Philosophen, die fast mit

den Buddhisten gleichzusetzen ist und die nicht an eine

vom Körper gesonderte Existenz der Seele glaubt. Als Sri

Krsna die Bhagavad-Gita sprach, gab es Philosophen dieser

Art, die als Lokayatikas oder Vaibhasikas bekannt waren.

Diese Philosophen vertraten die Auffassung,
Lebenssymptome oder die Seele entstünden in einem

gewissen Reifestadium materieller Verbindungen. Die

modernen materialistischen Wissenschaftler und

Philosophen des Materialismus denken ähnlich. Ihrer

Ansicht nach ist der Körper eine Kombination
physikalischer Elemente und sie glauben, die

Lebenssymptome entwickelten sich auf einer gewissen

Stufe durch sie Wechselwirkung physikalischer und

chemischer Elemente. Die Wissenschaft der Anthropologie

stützt sich auf diese Philosophie. In neuerer Zeit gibt es

viele Pseudo-Religionen - die jetzt vor allem in Amerika

Mode werden -, die sich ebenfalls an diese Philosophie

sowie an die nihilistischen, sich nicht hingebenden

buddhistischen Sekten anschließen.

Selbst wenn Arjuna nicht an die Existenz der Seele glaubte

- wie es bei den Vertretern der Vaibhasika-Philosophie der

Fall ist -, hätte dennoch kein Grund zur Klage bestanden.

Niemand jammert um den Verlust einer Masse chemischer

Stoffe und hört auf, seine vorgeschriebene Pflicht zu

erfüllen. In der modernen Wissenschaft und

wissenschaftlichen Kriegsführung werden so viele Tonnen

chemischer Substanzen verschwendet, um den Feind zu

besiegen. Nach der Vaibhasika-Philosophie vergeht die

sogenannte Seele (atma) mit der Auflösung des Körpers. In

jedem Fall also - ob Arjuna die vedische Schlussfolgerung

akzeptierte, dass es eine winzige Seele gibt, oder ob er nicht

an die Existenz der Seele glaubte -, hatte er keinen Grund

zu klagen. Da nach der Theorie der Vaibhasikas in jedem

Augenblick unendlich viele Lebewesen aus der Materie

erzeugt werden und unendlich viele sterben, braucht man

um ein solches Ereignis nicht zu trauern. Da nun Arjuna

eine Wiedergeburt der Seele nicht in Betracht zog, gab es

für ihn keinen Grund, sich vor sündhaften Reaktionen zu

fürchten, die entstehen würden, wenn er seinen Großvater

und seinen Lehrer tötete. Krsna redete Arjuna hier spöttisch

mit maha-bahu (Starkarmiger) an, da zumindest Er die

Theorie der Vaibhasikas nicht akzeptierte, die das vedische

Wissen außer acht lässt. Als ksatriya gehörte Arjuna der

vedischen Kultur an, und daher war es seine Pflicht, weiter

ihren Prinzipien zu folgen.
VERS 27
Einem, der geboren wurde, ist der Tod sicher, und

einem, der gestorben ist, ist die Geburt gewiss. Deshalb

solltest du bei der unvermeidlichen Erfüllung deiner

Pflicht nicht klagen.
ERLÄUTERUNG

Die Tätigkeiten im Leben bestimmen die Geburt. Und

nachdem man einen Kreis von Tätigkeiten beendet hat,

muss man sterben, um für den nächsten geboren zu werden.

Auf diese Weise dreht sich das Rad von Geburt und Tod,

eine Umdrehung nach der anderen, ohne Befreiung. Dieser

Kreislauf von Geburt und Tod rechtfertigt jedoch nicht

unnötiges Morden, Schlachten oder Krieg. Aber zugleich

sind Gewalt und Krieg in der menschlichen Gesellschaft

unvermeidliche Faktoren, um Gesetz und Ordnung
aufrechtzuerhalten.

Die Schlacht von Kuruksetra war ein unvermeidliches

Ereignis, da sie der Wille des Höchsten war, und es ist die

Pflicht des ksatriya, für die rechte Sache zu kämpfen.

Warum sollte Arjuna den Tod seiner Verwandten fürchten

oder darüber bekümmert sein, wenn er doch nur seine

eigentliche Pflicht erfüllte? Es paßte nicht zu ihm, das

Gesetz zu brechen und dadurch den Reaktionen sündiger

Handlungen unterworfen zu werden, wovor er sich sehr

fürchtete. Auch wenn er seine eigentliche Pflicht nicht

erfüllte, könnte er den Tod seiner Verwandten nicht

verhindern, und da er falsch gehandelt hätte, würde er sein

Ansehen verlieren.
VERS 28
Alle erschaffenen Wesen sind am Anfang

unmanifestiert, in ihrem Zwischenzustand manifestiert

und wieder unmanifestiert, wenn sie vernichtet sind.

Warum soll man also klagen?
ERLÄUTERUNG

Geht man einmal davon aus, dass es zwei Gruppen von

Philosophen gibt - die einen, die an die Existenz der Seele

glauben, und die anderen, die nicht an die Existenz der

Seele glauben -, so gibt es in beiden Fällen keinen Grund

zur Klage. Diejenigen, die nicht an die Existenz der Seele

glauben, werden von den Nachfolgern der vedischen

Weisheit als Atheisten bezeichnet. Selbst wenn wir, um der

Beweisführung willen, die atheistische Theorie akzeptieren,

gibt es dennoch keinen Grund zur Klage. Abgesehen von

der gesonderten Existenz der Seele, bleiben die materiellen

Elemente vor der Schöpfung unmanifestiert. Aus diesem

feinen Zustand der Nichtmanifestation geht Manifestation

hervor, ähnlich wie aus Äther Luft, aus Luft Feuer, aus

Feuer Wasser und aus Wasser Erde entsteht. Aus der Erde

gehen viele verschiedene Manifestationen hervor. Nehmen

wir zum Beispiel einen riesigen Wolkenkratzer, der aus

Erde besteht. Wenn man ihn zerstört, löst sich die

Manifestation wieder auf, und letzten Endes bleiben nur

Atome übrig. Das Gesetz der Energieerhaltung gilt immer,

nur sind die Dinge im Laufe der Zeit einmal manifestiert

und ein anderes Mal unmanifestiert - darin liegt der

Unterschied. Welchen Grund gibt es also, entweder den

Zustand der Manifestation oder den der Nichtmanifestation

zu beklagen? Auf irgendeine Weise sind die Dinge selbst

im unmanifestierten Zustand nicht verloren. Sowohl am

Anfang als auch am Ende bleiben alle materiellen Elemente

unmanifestiert, und nur in ihrem Zwischenstadium sind sie

manifestiert, und das macht keinen wirklichen materiellen

Unterschied.

Wenn wir die vedische Schlussfolgerung akzeptieren, wie

man sie in der Bhagavad-Gita (2.18) findet, dass nämlich die

materiellen Körper im Laufe der Zeit vergehen (antavanta

ime dehah), dass aber die Seele ewig ist (nityasyoktah

saririnah), dann sollten wir uns immer daran erinnern, dass

der Körper wie ein Gewand ist und warum sollte man den

Wechsel eines Kleidungsstücks beklagen? Der materielle

Körper hat im Verhältnis zur ewigen Seele keine wirkliche

Existenz. Er ist so etwas wie ein Traum. Im Traum glauben

wir vielleicht, dass wir in der Luft fliegen oder als König in

einer Karosse sitzen; doch wenn wir erwachen, sehen wir,

dass wir weder ßiegen noch in einer Karosse sitzen. Die

Veden fordern zur Selbstverwirklichung auf, wobei sie

davon ausgehen, dass der materielle Körper im Grunde

nicht existiert. Daher gibt es in keinem Fall - ob man an die

Existenz der Seele glaubt oder ob man an die Existenz der

Seele nicht glaubt - einen Grund, den Verlust des Körpers

zu beklagen.
VERS 29
Einige betrachten die Seele als wunderbar; einige

beschreiben sie als wunderbar, und einige hören, sie sei

wunderbar, wohingegen andere, selbst nachdem sie von

ihr gehört haben, sie überhaupt nicht verstehen können.

ERLÄUTERUNG

Da die Gitopanisad weitgehend auf den Prinzipien der

Upanisaden beruht, ist es nicht überraschend, in der Kaòha

Upanisad den folgenden Abschnitt zu finden:

Die Tatsache, dass sich die winzig kleine Seele im Körper

eines riesigen Tieres, im Körper eines mächtigen

Banyanbaums und sogar in winzigen Bakterien befindet

von denen Millionen und Abermillionen nur einen

Zentimeter Raum einnehmen ist zweifellos sehr erstaunlich.

Menschen mit geringem Wissen und Menschen, die nicht

enthaltsam sind, können die Wunder des individuellen

winzigen Funkens spiritueller Natur nicht verstehen,

obwohl diese Dinge von der größten Autorität des Wissens

erklärt werden, die sogar Brahma, dem ersten Lebewesen

im Universum Unterweisung erteilte. Aufgrund einer grobmateriellen

Auffassung von den Dingen können sich die

meisten Menschen in diesem Zeitalter nicht vorstellen, wie

ein solch kleines Teilchen einmal so groß und ein anderes

Mal so klein werden kann. Sie sehen daher die Seele als

etwas Wunderbares an, entweder weil sie ihre

Beschaffenheit kennen oder weil sie ihnen beschrieben

worden ist. Getäuscht von der materielle Energie, befassen

sich die meisten Menschen so sehr mit Dingen für die

Befriedigung ihrer Sinne, dass sie nur sehr wenig Zeit

haben, die Frage nach dem Verständnis des eigenen Selbst

zu begreifen, obwohl es eine Tatsache ist, dass ohne dieses

Selbstverständnis alle Handlungen im Kampf ums Dasein

letzten Endes zum Scheitern verurteilt sind. Vielleicht weiß

niemand, dass man über die Seele nachdenken und

außerdem eine Lösung für die materiellen Leiden finden

muss.

Manche Menschen, die daran interessiert sind, etwas über

die Seele zu erfahren, mögen Vorträge von autorisierten

Sprechern hören, doch werden sie oft aufgrund von

Unwissenheit irregeführt und glauben, die Überseele und

die winzige Seele seien ohne Größenunterschied eins. Es ist

sehr schwer, einen Menschen zu finden, der die Stellung

der Seele, die Überseele, die winzige Seele, ihre jeweiligen

Funktionen, Beziehungen und alle anderen größeren und

kleineren Einzelheiten vollkommen versteht. Und es ist

noch schwieriger, einen Menschen zu finden, der aus dem

Wissen über die Seele tatsächlich vollen Nutzen gewonnen

hat und die Stellung der Seele in verschiedenen Aspekten

beschreiben kann. Aber wenn jemand irgendwie imstande

ist, das Thema Seele zu verstehen, ist sein Leben

erfolgreich. Der einfachste Vorgang, das Selbst zu

verstehen, besteht indes darin; die Aussagen der BhagavadGita

die von der größten Autorität, Sri Krsna, gesprochen

wurde, anzunehmen, ohne sich von anderen Theorien

ablenken zu lassen. Aber es erfordert auch ein hohes Maß

an tapasya und Opfer, entweder in diesem Leben oder in

vorangegangenen, bevor man fähig ist, Krsna als die

Höchste Persönlichkeit Gottes anzuerkennen. Krsna kann

jedoch durch die grundlose Barmherzigkeit des reinen

Gottgeweihten, und auf keine andere Weise, in dieser

Eigenschaft erkannt werden.
VERS 30
O Nachkomme Bharatas, die Seele, die im Körper

wohnt, ist ewig und kann niemals getötet werden. Daher

brauchst du um kein Geschöpf zu trauern.
ERLÄUTERUNG

Hiermit beschließt der Herr Seine Unterweisungen über die

unveränderliche spirituelle Seele. Indem Sri Krsna die

unsterbliche Seele auf verschiedene Weise beschreibt,

erhärtet Er die Tatsache, dass die Seele unsterblich und der

Körper vergänglich ist. Arjuna war ein ksatriya, und

deshalb

sollte er nicht aus Furcht, dass sein Großvater und

sein Lehrer - Bhisma und Drona - in der Schlacht sterben

wurden, seine Pflicht aufgeben. Man muss aufgrund der

Autorität Sri Krsnas glauben, dass es eine Seele gibt und

dass diese Seele vom materiellen Körper verschieden ist,

und nicht, dass es so etwas wie die Seele nicht gibt oder dass

Lebenssymptome auf einer gewissen Stufe materieller

Reife aus der Wechselwirkung chemischer Stoffe

entstehen. Obwohl die Seele unsterblich ist, wird Gewalt

nicht befürwortet; doch in Kriegszeiten wird davon nicht

abgeraten, wenn es wirklich notwendig ist. Diese
Notwendigkeit muss durch den Willen des Herrn
gerechtfertigt sein, nicht durch unser Gutdünken.
VERS 31

Im Hinblick auf deine besondere Pflicht als ksatriya

solltest du wissen, dass es für dich keine bessere

Beschäftigung gibt, als auf der Grundlage religiöser

Prinzipien zu kämpfen. Daher ist es nicht notwendig zu

zögern.
ERLÄUTERUNG
Von den vier Einteilungen gesellschaftlicher

Administration wird die zweite Stufe, die für eine gute

Verwaltung zuständig ist, ksatriya genannt. Ksat bedeutet

verletzen, und jemand, der vor Schaden beschützt, wird als

ksatriya bezeichnet (trayate bedeutet Schutz gewnhren).

Ksatriyas werden im Wald darin ausgebildet, zu töten.

Früher ging ein ksatriya in den Wald und forderte einen

Tiger zum Zweikampf heraus und kämpfte dann mit dem

Tiger mit dem bloßen Schwert in der Hand. Wenn der Tiger

getötet war, wurde er auf Anordnung des Königs verbrannt.

Dieser Brauch wird bis zum heutigen Tage von den

ksatriya-Königen des Staates Jaipur gepflegt. Weil religiöse

Gewalt manchmal notwendig ist, werden die ksatriyas

besonders darin ausgebildet, herauszufordern und zu töten.

Deshalb ist es für ksatriyas niemals vorgesehen, direkt in

den Stand des sannyasa oder der Entsagung einzutreten.

Gewaltlosigkeit mag in der Politik ein diplomatisches

Vorgehen sein, aber sie ist niemals ein entscheidender

Faktor oder ein Grundsatz. In den religiösen Gesetzbüchern

heißt es:

"Während ein König oder ksatriya auf dem Schlachtfeld

mit einem anderen König kämpft, der ihn beneidet, ist er

geeignet, nach dem Tod die himmlisch Planeten zu
erreichen, ebenso wie die brahmanas ebenfalls die
himmlischen Plane erreichen, indem sie Tiere im
Opferfeuer opfern."

Wenn daher in einer Schlacht auf der Grundlage religiöser

Prinzipien getötet wird oder wenn Tiere im Opferfeuer

getötet werden, gilt dies keinesfalls als Gewalttat; denn

jeder der Beteiligten zieht aus den miteinbezogenen

religiösen Prinzip seinen Nutzen. Das geopferte Tier

bekommt augenblicklich die menschliche Form des Lebens,

ohne sich dem allmählichen Evolutionsprozeß von einer

Lebensform zur anderen unterziehen zu müssen, und die

auf dem Schlachtfeld getöteten ksatriyas erreichen die

himmlischen Planeten, ebenso wie die brahmanas, die

Opfer darbringen.

Es gibt zwei Arten von sva-dharmas oder bestimmten

Pflichten. Solange man nicht befreit ist, muss man, um

Befreiung zu erlangen, die Pflichten des jeweiligen

Körpers, in dem man sich befindet, in Übereinstimmung

mit den religiösen Prinzipien erfüllen. Wenn man befreit

ist, wird der sva-dharma - die bestimmte Pflicht - spirituell

und befindet sich nicht mehr auf der Ebene des materiellen

Körpers. In der körperlichen Auffassung vom Leben gibt es

sowohl für die brahmanas als auch für die ksatriyas

bestimmte Pflichten, und diese Pflichten sind

unvermeidlich. Sva-dharma ist vom Herrn festgelegt, und

dies wird im Vierten Kapitel näher erklärt werden. Auf der

körperlichen Ebene wird sva-dharma als varnasramadharma

bezeichnet oder das Sprungbrett des Menschen zu

spirituellem Verstehen. Menschliche Zivilisation beginnt

erst auf der Stufe des varnasrama-dharma, das heißt dann,

wenn die bestimmten Pflichten erfüllt werden, die sich nach

den jeweilige Erscheinungsweisen der Natur richten, die

den Körper beeinflussen. Erfüllt man in irgendeinem

Bereich des Handelns seine jeweilige Pflicht in

Übereinstimmung mit dem varnasrama-dharma, wird man

auf eine höhere Stufe des Lebens gehoben.
VERS 32

O Partha, glücklich sind die ksatriyas, denen sich

unverhofft solche Gelegenheiten zum Kampf bieten, da

sie ihnen die Tore der himmlischen Planeten öffnen.

ERLÄUTERUNG

Als höchster Lehrer der Welt verurteilt Sri Krsna die

Haltung Arjunas, der sagte: "Ich sehe in diesem Kampf

nichts Gutes. Ewiger Aufenthalt in der Hölle wird die Folge

sein." Solche Äußerungen Arjunas waren nur auf

Unwissenheit zurückzuführen. Er wollte bei der Erfüllung

seiner bestimmten Pflicht gewaltlos werden. Auf dem

Schlachtfeld zu stehen und gewaltlos zu werden ist für

einen ksatriya die Philosophie der Narren. In der Parasarasmrti,

den religiösen Gesetzen, die von Parasara, dem

großen Weisen und Vater Vyasadevas, verfasst wurden,

heißt es:

"Es ist die Pflicht des ksatriya, die Bürger vor allen

auftretenden Schwierigkeiten zu schützen, und aus diesem

Grund muss er in manchen Fällen Gewalt anwenden, um

Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten. Daher hat er die

Pflicht, die Soldaten feindlicher Könige zu besiegen, um

dann, auf der Grundlage religiöser Prinzipien, die Welt zu

regieren."

Wenn man alle Gesichtspunkte in Betracht zieht, hatte

Arjuna keinen Grund, sich vom Kampf zurückzuziehen.

Wenn er seine Feinde besiegte, wurde er sich des

Königreichs erfreuen können, und wenn er in der Schlacht

sterben sollte, würde er zu den himmlischen Planeten

erhoben werden, deren Tore ihm weit offenstanden. Zu

kämpfen würde ihm also in jedem Fall nützen.
VERS 33
Wenn du jedoch in diesem religiösen Krieg nicht

kämpfst, wirst du gewiss Sünden auf dich laden, weil du

deine Pflichten vernachlässigst, und so deinen Ruf als

Kämpfer verlieren.
ERLÄUTERUNG

Arjuna war ein berühmter Krieger, und er hatte Ruhm

erworben, indem er mit vielen mächtigen Halbgöttern -

selbst Siva - kämpfte. Als er gegen den als Jnger

verkleideten Siva im Kampf siegreich war, fand der große

Halbgott Wohlgefallen an ihm und gab ihm als Belohnung

eine Waffe, die als pasupata-astra bekannt war. Jeder

wußte, dass Arjuna ein großer Krieger war. Selbst

Dronacarya gab ihm seinen Segen und schenkte ihm eine

besondere Waffe, mit der er sogar seinen Lehrer töten

konnte. Er war also von vielen Autoritäten, auch von

seinem Vater, Indra, dem Himmelskönig, mit so vielen

militärischen Auszeichnungen geehrt worden; aber wenn er

die Schlacht verließe, würde er nicht nur seine bestimmte

Pflicht als ksatriya vernachlässigen, sondern er würde auch

all seinen Ruhm und seinen guten Namen verlieren und so

seinen Abstieg in die Hölle vorbereiten. Mit anderen

Worten: Nicht wenn Arjuna kämpft, sondern wenn er sich

von der Schlacht zurückzieht, fährt er in die Hölle.

VERS 34

Für alle Zeiten wird man von deiner Schmach sprechen,

und für jemand, der einmal geehrt wurde, ist Schande

schlimmer als der Tod.
ERLÄUTERUNG

Sowohl als Freund wie auch als Philosoph fällt Sri Krsna

jetzt Sein endgültiges Urteil über Arjunas Absicht, nicht zu

kämpfen. Der Herr sagt: "Arjuna, wenn du das Schlachtfeld

verlässt, werden dich die Menschen schon vor deiner

eigentlichen Flucht einen Feigling nennen. Und wenn du

meinst, dass die Menschen dich ruhig beschimpfen könnten,

du aber lieber dein Leben retten möchtest, indem du vom

Schlachtfeld fliehst, so rate Ich dir, lieber in der Schlacht zu

sterben. Für einen ehrbaren Mann wie dich ist Schande

schlimmer als der Tod. Deshalb solltest du nicht aus Angst

um dein Leben fliehen, sondern lieber in der Schlacht

sterben. Das wird dich vor der Schande bewahren, Meine

Freundschaft mißbraucht zu haben, und dein Ansehen in

der Gesellschaft retten."

Das endgültige Urteil des Herrn sah für Arjuna also vor, in

der Schlacht zu sterben, und nicht, sich zurückzuziehen.

VERS 35

Die großen Generäle, die deinen Namen und Ruhm hoch

ehrten, werden denken, du habest das Schlachtfeld nur

aus Furcht verlassen, und so werden sie dich für einen

Feigling halten.
ERLÄUTERUNG

Sri Krsna fährt fort, Arjuna Seine Entscheidung zu

erklären: "Glaube nicht, die großen Generale, wie

Duryodhana, Karna und andere, werden denken, du habest

das Schlachtfeld aus Mitleid mit deinen Brüdern und

deinem Großvater verlassen. Sie werden glauben, du seiest

aus Angst um dein Leben geflohen, und so wird ihrer hohe

Wertschätzung deiner Persönlichkeit ins Gegenteil
umschlagen."
VERS 36

Deine Feinde werden schlecht über dich reden und deine

Fähigkeit verspotten. Was könnte schmerzlicher für

dich sein?
ERLÄUTERUNG

Sri Krsna war zu Anfang über Arjunas ungerufenes Mitleid

verwundert sagte, sein Mitleid sei den Nicht-Aryas

angemessen. Mit vielen Worten hat Er Seine Einwände

gegen Arjunas sogenanntes Mitleid erläutert.
VERS 37

O Sohn Kuntis, entweder wirst du auf dem Schlachtfeld

getötet werden und die himmlischen Planeten erreichen,

oder du wirst siegen und so das irdische Königreich

genießen. Erhebe dich daher, und kämpfe mit
Entschlossenheit.
ERLÄUTERUNG

Obwohl es nicht sicher war, dass Arjunas Seite siegen

wurde, musste er dennoch kämpfen; denn selbst wenn er

den Tod fände, konnte er zumindest zu den himmlischen

Planeten erhoben werden.
VERS 38

Kämpfe um des Kampfes willen, ohne Glück oder Leid,

Verlust oder Gewinn, Sieg oder Niederlage zu beachten.

Wenn du so handelst, wirst du niemals Sünde auf dich

laden.
ERLÄUTERUNG

Sri Krsna sagt jetzt unmittelbar, dass Arjuna um des

Kampfes willen kämpfen solle, da Er die Schlacht wünsche.

Bei Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein achtet man nicht auf

Glück oder Leid, Verlust oder Gewinn, Sieg oder
Niederlage.
Transzendentales Bewusstsein bedeutet, dass

alles für Krsna getan werden sollte; es folgt dann keine

Reaktion auf materielle Tätigkeiten. Jemand, der um der

Befriedigung seiner eigenen Sinne willen handelt, entweder

in Tugend oder in Leidenschaft, ist der Reaktion

unterworfen, sei diese gut oder schlecht. Aber jemand, der

sich völlig den Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein ergeben

hat, ist nicht länger irgend jemand verpflichtet, noch ist er

irgend jemand etwas schuldig, wie man es im

gewöhnlichen Verlauf von Tätigkeiten ist. Es wird gesagt:

"Jeder, der sich Krsna, Mukunda, völlig ergeben und alle

anderen Pflichten aufgeben hat, ist niemandem mehr

verpflichtet oder irgend jemandem etwas schuldig - weder

den Halbgöttern noch den Weisen, noch den Mitmenschen,

noch den Verwandten, noch der Menschheit, noch den

Vorvätern." (SB. 11.5.41)

Das ist der indirekte Hinweis, den Krsna Arjuna in diesem

Vers gibt. In den folgenden Versen wird diese Sache

eingehender erklärt werden.
VERS 39

Bisher habe Ich dir das analytische Wissen der sankhya-

Philosophie erklärt. Höre jetzt von dem Wissen um
jenen yoga, durch den man ohne fruchttragendes

Ergebnis arbeitet. O Sohn Prthas, wenn du mit solcher

Intelligenz handelst, kannst du dich von der Fessel der

Werke befreien.
ERLÄUTERUNG

Nach dem vedischen Wörterbuch Nirukti bedeutet sankhya

"das, was die Erscheinungen in allen Einzelheiten

beschreibt", während sich sankhya auf jene Philosophie

bezieht, die die wahre Natur der Seele beschreibt. Zu yoga

gehört auch die Meisterung der Sinne. Arjunas EntSchluss,

nicht zu kämpfen, hatte seine Ursache in dem Verlangen

nach Sinnenbefriedigung. Seine vornehmste Pflicht

vergessend, wollte er aufhören zu kämpfen, da er glaubte,

glücklicher zu sein, wenn er seine Familienangehörigen

und Verwandten nicht tötete, als wenn er sich des

Königreiches erfreute, indem er seine Vettern und Brüder -

die Söhne Dhrtarastrs - tötete. In beiden Fällen würde er

mit dem Beweggrund der Sinnenbefriedigung handeln.

Sowohl Glück, das man erfährt, wenn man die Verwandten

besiegt, als auch Glück, das man verspürt, wenn man sie

lebend sieht, befinden sich auf der Ebene persönlicher

Sinnenbefriedigung, da man dabei weises Handeln und die

Erfüllung der Pflicht aufgibt. Krsna wollte daher Arjuna

erklären, dass er die Seele selbst nicht töten würde, wenn er

den Körper seines Großvaters erschlugen und Er machte

ihm klar, dass alle individuellen Personen, einschließlich

des Herrn Selbst, ewige Individuen sind. Sie waren

Individuen in der Vergangenheit, sie sind Individuen in der

Gegenwart, und sie werden auch in der Zukunft Individuen

bleiben, denn wir alle sind ewig individuelle Seelen und

wechseln nur unser körperliches Gewand auf verschiedene

Weise. Aber selbst nachdem wir von den Fesseln des

materiellen Körpers befreit sind, behalten wir unsere

Individualität. In einem analytischen Studium ist das Wesen

der Seele und des Körpers von Sri Krsna bereits sehr

sorgfältig erklärt worden. Und dieses anschauliche Wissen,

das die Seele und den Körper von verschiedenen

Gesichtspunkten aus beschreibt, ist mit Bezugnahme auf

das Nirukti-Wörterbuch hier als sankhya bezeichnet

worden. Dieser sankhya hat mit der sankhya-Philosophie

des Atheisten Kapila nichts zu tun. Lange bevor der

Betrüger Kapila seine sankhya-Philosophie aufstellte, war

die sankhya-Philosophie, wie sie im Srimad-Bhagavatam

beschrieben wird, von dem wirklichen Kapila, einer

Inkarnation Sri Krsnas, Seiner Mutter Devahôti erklärt

worden. Es wird von Ihm eindeutig erklärt, dass der purusa

oder der Höchste Herr aktiv ist und dass Er erschafft, indem

Er über die prakrti oder die materielle Natur blickt. Diese

Tatsache wird in den Veden und in der Gita anerkannt. Die

Beschreibung in den Veden deutet darauf hin, dass der Herr

über die prakrti blickte und sie mit winzigen individuellen

Seelen schwängerte. Alle diese Individuen arbeiten in der

materiellen Welt, um ihre Sinne zu befriedigen, und unter

dem Zauber der materiellen Energie halten sie sich für

Genießer. Diese Geisteshaltung findet ihren Höhepunkt in

dem Wunsch nach Befreiung, wenn das Lebewesen mit

dem Höchsten Herrn eins werden will. Das ist die letzte

Falle mayas oder der Illusion, die Sinne befriedigen zu

können, und nur nach vielen, vielen Leben solcher

sinnenbefriedigender Tätigkeiten geschieht es, dass sich

eine große Seele Vasudeva, Krsna, ergibt und so an das

Ende ihrer Suche nach der endgültigen Wahrheit gelangt.

Arjuna hat Krsna bereits als seinen spirituellen Meister

angenommen, als er sich Ihm ergab: Folglich will Krsna ihm jetzt etwas

über die Prinzipien des buddhi-yoga oder karma-yoga

sagen, das heißt, mit anderen Worten, über die Praxis

hingebungsvollen Dienstes ausschließlich für die

Befriedigung der Sinne des Herrn. Im zehnten Vers des

Zehnten Kapitels wird klar gesagt, dass buddhi-yoga die

Gemeinschaft mit dem Herrn bedeutet, der als Paramatma

im Herzen eines jeden weilt. Aber solche Gemeinschaft

kommt nicht ohne hingebungsvollen Dienst zustande. Wer

daher im hingebungsvollen oder transzendentalen

liebenden Dienst des Herrn oder, mit anderen Worten, im

Krsna-Bewusstsein verankert ist, erreicht diese Stufe des

buddhi-yoga durch die besondere Gnade des Herrn. Der

Herr sagt deshalb, dass Er nur diejenigen mit dem reinen

Wissen der liebenden Hingabe beschenkt, die sich immer

aus transzendentaler Liebe im hingebungsvollen Dienst

beTätigen. Auf diese Weise kann der Gottgeweihte Ihn sehr

leicht im ewig-glückseligen Königreich Gottes erreichen.

Der in diesem Vers erwähnte buddhi-yoga ist also der

hingebungsvolle Dienst für den Herrn, und das hier

erwähnte Wort sankhya hat nichts mit dem atheistischen

sankhya-yoga zu tun, den der Betrüger Kapila verkündete.

Man sollte daher den sankhya-yoga, der hier erwähnt wird,

auf keinen Fall mit dem atheistischen sankhya verwechseln.

Auch hatte diese Philosophie in der damaligen Zeit

überhaupt keinen Einßluss, und Sri Krsna hätte niemals

solch gottlose philosophische Spekulationen erwähnt.

Wirkliche sankhya-Philosophie wird von Kapila, dem

Herrn, im Srimad Bhagavatam beschrieben, aber selbst

dieser sankhya hat nichts mit den hier behandelten Themen

zu tun. Hier ist mit sankhya die analytische Beschreibung

des Körpers und der Seele gemeint. Sri Krsna gab eine

analytische Beschreibung der Seele, nur um Arjuna zur

Stufe des buddhi-yoga oder bhakti-yoga hinzuführen.

Deshalb ist Sri Krsnas sankhya und Kapilas sankhya, wie er

im Bhagavatam beschrieben wird, ein und dasselbe. Beides

ist bhakti-yoga. Krsna sagte daher, nur die weniger

intelligenten Menschen unterschieden zwischen sankhyayoga

und bhakti-yoga.

Natürlich hat atheistischer sankhya-yoga nichts mit bhaktiyoga

zu tun, aber dennoch behaupten unintelligente
Menschen, die Bhagavad-Gita beziehe sich auf den,

atheistischen sankhya-yoga. Man soll daher verstehen, dass

buddhi-yoga bedeutet, im Krsna-Bewusstsein, das heißt in

der vollkommenen Glückseligkeit und im allumfassenden

Wissen des hingebungsvollen Dienstes, zu arbeiten. Wer

ausschließlich für die Zufriedenstellung des Herrn arbeitet,

ganz gleich wie schwierig solche Arbeit sein mag, arbeitet

nach den Prinzipien des buddhi-yoga und ist immer in

transzendentale Glückseligkeit eingetaucht. Durch solche

transzendentale Bestätigung entwickelt man, dank der

Gnade des Herrn, alle transzendentalen Eigenschaften von

selbst, und so ist die erlangte Befreiung in sich selbst

vollkommen, ohne dass man sich gesondert darum bemühen

muss, Wissen zu erwerben. Es besteht ein großer

Unterschied zwischen Arbeit im Krsna-Bewusstsein und

Arbeit um fruchttragender Ergebnisse willen, insbesondere

für Sinnenbefriedigung, wenn man nach Ergebnissen in

Form von Familie oder materiellem Glück strebt. Buddhiyoga

ist daher die transzendentale Qualität der Arbeit, die

wir verrichten.
VERS 40
Bei diesem Bemühen gibt es weder Verlust noch

Minderung, und schon ein wenig Fortschritt auf diesem

Pfad kann einen vor der größten Gefahr bewahren.
ERLÄUTERUNG

Handeln im Krsna-Bewusstsein oder zum Nutzen Krsnas zu

handeln, ohne Sinnenbefriedigung zu erwarten, ist die

höchste transzendentale Art von Arbeit. Selbst ein kleiner

Anfang solcher Tätigkeit findet kein Hindernis, noch kann

dieser kleine Anfang auf irgendeiner Stufe verloren gehen.

Jede auf der materiellen Ebene begonnene Arbeit muss

vollendet werden; sonst ist der ganze Versuch ein
Fehlschlag. Aber jede Arbeit, die man im Krsna-

Bewusstsein beginnt, hat eine dauernde Wirkung, selbst

wenn sie nicht zu Ende geführt wird. Wer solche Arbeit

verrichtet, verliert daher nichts, auch wenn seine Arbeit im

Krsna-Bewusstsein unvollendet bleibt. Selbst wenn man ein

Prozent der Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein ausführt,

sind bleibende Ergebnisse die Folge, so dass man das

nächste Mal bei zwei Prozent weitermachen kann,

wohingegen es bei materieller Tätigkeit ohne einen

hundertprozentigen Erfolg keinen Gewinn gibt. Ajamila

erfüllte seine Pflicht zu einem gewissen Prozentsatz im

Krsna-Bewusstsein, aber das Ergebnis, das ihm am Ende

zuteil wurde, war durch die Gnade des Herrn ein
hundertprozentiger Erfolg. In diesem Zusammenhang

findet man im Srimad-Bhagavatam (1.5.17) einen schönen

Vers:

"Wenn jemand es aufgibt, der Befriedigung seiner Sinne

nachzujagen, im Krsna-Bewusstsein arbeitet und dann zu

Fall kommt, weil er seine Arbeit nicht vollendet, was

verliert er dabei? Und was kann jemand gewinnen, wenn er

seine materiellen Tätigkeiten in vollkommener Weise

ausführt?"

Oder wie es die Christen ausdrucken: "Was nützte es einem

Menschen, wenn er die ganze Welt gewnnne, aber an seiner

ewigen Seele Schaden nähme?"

Materielle Tätigkeiten und ihre Ergebnisse enden mit dem

Körper. Arbeit im Krsna-Bewusstsein aber trngt einen

Menschen, selbst nach dem Verlust des Körpers, erneut

zum Krsna-Bewusstsein. Zumindest ist es sicher, dass man

im nächsten Leben eine Möglichkeit hat, entweder in der

Familie eines hochgebildeten brahmana oder in einer

reichen aristokratischen Familie wieder als Mensch geboren

zu werden, wodurch man eine weitere Gelegenheit zur

Erhebung bekommt. Das ist die einzigartige Qualität der

Arbeit, die im Krsna-Bewusstsein verrichtet wird.
VERS 41
Diejenigen, die diesen Pfad beschreiten, sind

entschlossen in ihrem Vorhaben, und ihr Ziel ist eins. O

geliebtes Kind der Kurus, die Intelligenz der
Unentschlossenen jedoch ist vielverzweigt.
ERLÄUTERUNG
Starker Glaube im Krsna-Bewusstsein, dass man zur
höchsten Vollkommenheit des Lebens erhoben werden

sollte, bezeichnet man als vyavasayatmika-Intelligenz. Im

Caitanya-caritamrta (Madhya 22.62) heißt es:

Glaube bedeutet unerschütterliches Vertrauen in etwas

Erhabenes. Wenn man die Pflichten im Krsna-Bewusstsein

erfüllt, braucht man den VerPflichtungen, die man in der

materiellen Weit gegenüber der Familie, der Menschheit

oder der Nation haben mag, nicht nachzukommen.

Fruchtbringende Tätigkeiten sind die Handlungen, die aus

den Reaktionen auf vergangene gute oder schlechte Taten

hervorgehen. Wenn man im Krsna-Bewusstsein wach ist,

braucht man sich bei seinem Tun nicht länger um gute

Ergebnisse zu bemühen. Wenn man im Krsna-Bewusstsein

verankert ist, befinden sich alle Handlungen auf der

absoluten Ebene, da sie nicht länger Dualitäten wie gut und

schlecht unterworfen sind. Die höchste Vollkommenheit

des Krsna-Bewusstseins ist die Entsagung der materiellen

Auffassung vom Leben. Diese Stufe wird mit

fortschreitendem Krsna-Bewusstsein von selbst erreicht. Die

Entschlossenheit eines Menschen im Krsna-Bewusstsein

beruht auf der Erkenntnis, dass Vasudeva oder Krsna die

Wurzel aller manifestierten Ursachen ist (vasudevaH

sarvam iti sa mahatma sudurlabhaH; Bg. 7.19). So wie man

den Blättern und Zweigen eines Baumes dient, indem man

die Wurzel begießt, so kann man jedem - sich selbst, der

Familie, der Gesellschaft, dem Land, der Menschheit usw. -

den höchsten Dienst erweisen, indem man im Krsna-

Bewusstsein handelt. Wenn man durch sein Tun Krsna

zufriedenstellt, dann wird jeder zufrieden sein.

Dienst im Krsna-Bewusstsein wird jedoch am besten unter

der kundigen Führung eines spirituellen Meisters

ausgeführt, der ein echter Vertreter Krsnas ist, der das

Wesen des Schülers kennt und der ihn so anleiten kann, dass

er im Krsna-Bewusstsein handelt. Um daher im Krsna-

Bewusstsein wirklich fortzuschreiten, muss man fest

entschlossen handeln und dem Stellvertreter Krsnas

gehorchen, und man sollte die Anweisung des echten

spirituellen Meisters als seine Lebensaufgabe ansehen.

Srila Rupa Visvanatha Cakravarti µhakura lehrt uns in seinen

berühmten Gebeten zum spirituellen Meister:

"Wenn man den spirituellen Meister zufriedenstellt, wird

die Höchste Persönlichkeit Gottes zufrieden. Und wenn

man den spirituellen Meister nicht zufriedenstellt, ist es

nicht möglich, auf die Ebene des Krsna-Bewusstseins

erhoben zu werden. Ich sollte daher dreimal tnglich über

meinen spirituellen Meister meditieren, um seine

Barmherzigkeit bitten und ihm meine achtungsvollen

Ehrerbietungen erweisen. "
Der ganze Vorgang hängt jedoch davon ab, dass man

vollkommen verstanden hat, dass sich die Seele jenseits der

körperlichen Auffassung befindet - nicht nur theoretisch,

sondern auch praktisch, indem man nicht mehr versucht,

seine Sinne durch fruchtbringende Handlungen zu

befriedigen. Jemand, der im Geiste nicht wahrhaft gefestigt

ist, wird von verschiedenen fruchtbringenden Handlungen

abgelenkt.
VERS 42-43
Menschen mit geringem Wissen hängen sehr an den
blumenreichen
Worten der Vedas, die ihnen

verschiedene fruchtbringende Tätigkeiten zur Erhebung

zu himmlischen Planeten empfehlen, wo eine gute

Geburt, Macht und so fort auf sie warten. Da sie nach

Sinnenbefriedigung und einem Leben in Hülle und Fülle

begehren, sagen sie, es gebe nichts, was darüber
hinausgehe.
ERLÄUTERUNG

Die meisten Menschen sind nicht sehr intelligent, und

aufgrund ihrer Unwissenheit haften sie sehr stark an den im

karma-kanda-Teil der Veden empfohlenen

fruchtbringenden Tätigkeiten. Sie wünschen sich nichts

mehr als Vorschlnge für Sinnenbefriedigung, wie man das

Leben auf himmlischen Planeten genießen kann, wo Wein

und Frauen zur Verfügung stehen und materieller Reichtum

sehr üblich ist. In den Veden werden viele Opfer, besonders

die jyotistoma-Opferung, für die Erhebung zu den

himmlischen Planeten empfohlen. Ja, es heißt sogar, dass

jeder, der zu den himmlischen Planeten erhoben werden

will, diese Opfer ausführen muss, und Menschen mit

geringem Wissen glauben, dies sei der ganze Sinn und

Zweck der vedischen Weisheit. Solch unerfahrenen

Menschen fällt es sehr schwer, sich das entschlossene

Handeln im Krsna-Bewusstsein zu eigen zu machen. So wie

Toren sich zu den Blüten giftiger Bäume hingezogen

fühlen, ohne die Folgen solcher Reize zu kennen, so

werden Menschen, die nicht erleuchtet sind, von solch

himmlischem Reichtum und der damit verbundenen
Sinnenfreude betört.

Im karma-kanda-Teil der Veden heißt es, dass diejenigen,

die sich die vier monatlichen Bußen auferlegen, die

Eignung erwerben, den soma-rasa-Trank zu trinken, um für

immer unsterblich und glücklich zu werden. Selbst auf der

Erde sind einige Menschen sehr begierig, diesen somarasa-

Trank zu bekommen, um stark und gesund zu werden
und Sinnenbefriedigung genießen zu können. Solche
Menschen glauben nicht an die Befreiung aus der

materiellen Knechtschaft und haften sehr an den pompösen

Zeremonien der vedischen Opfer. Sie sind im allgemeinen

sinnlich und trachten nach nichts anderem als den

himmlischen Freuden des Lebens. Es ist bekannt, dass es

auf den himmlischen Planeten Gärten gibt, nandanakanana

genannt, in denen sich genügend Gelegenheiten

bieten, mit engelgleich-schönen Frauen zusammenzusein

und reichlich soma-rasa-Wein zu trinken. Solch

körperliches Glück ist zweifellos sinnlich; daher sind dort

diejenigen anzutreffen, die - als "Herren der materiellen

Welt" - nichts anderem als materiellem, zeitweiligem Glück

verhaftet sind.
VERS 44
Im Geist derer, die zu sehr an SinnenGenuss und

materiellem Reichtum haften und von solchen Dingen

verwirrt sind, kommt es nicht zu dem festen EntSchluss,

dem Höchsten Herrn in Hingabe zu dienen.
ERLÄUTERUNG

Samadhi bedeutet "festverankerter Geist". Das vedische

Wörterbuch Nirukti erklärt hierzu: "Wenn der Geist fest darauf

gerichtet ist, das Selbst zu verstehen, nennt man dies

samadhi." Samadhi ist niemals möglich für Menschen,

denen es um materiellen SinnenGenuss geht, auch nicht für

diejenigen, die von solch zeitweiligen Dingen verwirrt sind.

Sie sind durch die Wirkungsweise der materiellen Energie

mehr oder minder verdammt.
VERS 45
Die Veden handeln hauptsächlich von den drei

Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Erhebe dich

über diese Erscheinungsweisen, o Arjuna; Sei
transzendental zu ihnen allen. Sei frei von allen

Dualitäten und aller Sorge um Gewinn und Sicherheit,

und sei im Selbst verankert.
ERLÄUTERUNG

Alle materiellen Tätigkeiten beinhalten Aktionen und

Reaktionen in den drei Erscheinungsweisen der materiellen

Natur. Sie werden mit der Absicht ausgeführt,

fruchtbringende Ergebnisse zu bekommen, die ihrerseits

Knechtschaft in der materiellen Welt verursachen. Die

Veden handeln hauptsächlich von fruchtbringenden
Tätigkeiten, um die allgemeine Masse der Menschen

allmählich aus dem Bereich der Sinnenbefriedigung zu

einer Stellung auf der transzendentalen Ebene zu erheben.

Arjuna bekommt als Schüler und Freund Krsnas den Rat,

sich auf die transzendentale Ebene der Vedanta-Philosophie

zu erheben, die am Anfang brahma-jijnasa oder Fragen

über die Höchste Transzendenz aufwirft. Alle Lebewesen,

die sich in der materiellen Welt aufhalten, kämpfen sehr

schwer um ihre Existenz. Für sie gab der Herr nach der

Schöpfung der materiellen Welt die vedische Weisheit, die

Rat erteilt, wie man leben soll und sich aus der materiellen

Verstrickung befreien kann. Wenn die Tätigkeiten für

Sinnenbefriedigung, nämlich das karma-kanÅa-Kapitel,

abgeschlossen sind, wird die Möglichkeit spiritueller

Erkenntnis in Form der Upanisaden angeboten, die Teile

verschiedener Veden sind, ebenso wie die Bhagavad-Gita

ein Teil des fünften Veda, des Mahabharata, ist. Die

Upanisaden beschreiben den Beginn transzendentalen

Lebens.

Solange der materielle Körper existiert, gibt es Aktionen

und Reaktionen in den materiellen Erscheinungsweisen.

Man muss lernen, Dualitäten wie Glück und Leid oder Knlte

und Hitze zu ertragen, und indem man solche Dualität

duldet, wird man frei von aller Sorge um Gewinn oder

Verlust. Diese transzendentale Stellung wird in vollem

Krsna-Bewusstsein erreicht, wenn man völlig von Krsnas

Wohlwollen abhängig ist.
VERS 46

Alle Zwecke, die ein kleiner Teich nach und nach erfüllt,

können große Gewässer sofort erfüllen. In ähnlicher

Weise kann alle Früchte der Veden erreichen, wer das

Ziel der Veden kennt.
ERLÄUTERUNG
Die im karma-kanda-Teil der vedischen Literatur

erwähnten Rituale und Opfer sollen dazu ermutigen,

allmählich Selbstverwirklichung zu erlangen. Und der Sinn

von Selbstverwirklichung wird im Fünfzehnten Kapitel der

Bhagavad-Gita (15.15) deutlich erklärt: Der Zweck des

Studiums der Veden ist es, Sri Krsna, die urerste Ursache

aller Dinge, zu erkennen. Selbstverwirklichung bedeutet

also, Krsna und unsere ewige Beziehung zu Ihm zu

verstehen. Die Beziehung der Lebewesen zu Krsna wird

ebenfalls im Fünfzehnten Kapitel der Bhagavad-Gita (15.7)

erwähnt. Die Lebewesen sind winzige Teile Krsnas;

deshalb ist die Wiederbelebung von Krsna-Bewusstsein

durch das individuelle Lebewesen die am höchsten

vervollkommnete Stufe vedischen Wissens. Dies wird im

Srimad-Bhagavatam (3.33.7) wie folgt bestätigt:

"O mein Herr, ein Mensch, der Deinen Heiligen Namen

chantet, befindet sich auf der höchsten Ebene der

Selbstverwirklichung, selbst wenn er in einer niedrigen

Familie wie der eines candala (Hundeessers) geboren

wurde. Ein solcher Mensch muss alle Arten von tapasya

und Opfern in Übereinstimmung mit den vedischen

Ritualen ausgeführt und viele, viele Male die vedischen

Schriften studiert haben, nachdem er an allen heiligen

Pilgerstntten gebadet hatte. Daher muss er als der

vortrefflichste der Aryan-Familie angesehen werden."

Man muss deshalb intelligent genug sein, den Zweck der

Veden zu verstehen, ohne nur an den Ritualen zu haften,

und man darf nicht danach trachten, zu den himmlischen

Königreichen erhoben zu werden, um eine höhere Form der

Sinnenbefriedigung zu genießen. Es ist in diesem Zeitalter

dem gewöhnlichen Menschen nicht möglich, alle Regeln

und Vorschriften der vedischen Rituale und die
Anweisungen des Vedanta und der Upanisaden zu

befolgen. Es erfordert viel Zeit, Energie, Wissen und

Mittel, die Forderungen der Veden zu erfüllen. Dies ist im

gegenwnrtigen Zeitalter kaum möglich.

Das höchste Ziel der vedischen Kultur wird jedoch erreicht,

wenn man den Heiligen Namen des Herrn chantet, wie es

Sri Caitanya, der Befreier aller gefallenen Seelen, empfahl.

Als Sri Caitanya von dem großen vedischen Gelehrten

Prakasananda Sarasvatí gefragt wurde, warum Er, anstatt

die Veden zu studieren, wie ein mentaler Träumer den

Heiligen Namen des Herrn chante, entgegnete der Herr,

Sein spiritueller Meister habe Ihn für einen großen Narren

befunden und Ihn daher angewiesen, den Heiligen Namen

Sri Krsnas zu chanten. Er tat dies und befand sich von da an

in ständiger Ekstase, so dass Ihn die Menschen für verrückt

hielten. Im Zeitalter des Kali ist der größte Teil der

Bevölkerung töricht und nicht genügend gebildet, die

Vedanta-Philosophie zu verstehen; doch der Sinn und

Zweck der Vedanta-Philosophie wird erfüllt, wenn man den

Heiligen Namen des Herrn ohne Vergehen chantet. Der

Vedanta bildet die letzte Stufe des vedischen Wissens, und

der Verfasser und Kenner der Vedanta-Philosophie ist Sri

Krsna Selbst. Und ein Meister des Vedanta ist jene große

Seele, die Freude daran findet, den Heiligen Namen des

Herrn zu chanten. Das ist der letztliche Sinn aller vedischen

Mystik.
VERS 47

Du hast das Recht, deine vorgeschriebene Pflicht zu

erfüllen, aber du hast keinen Anspruch auf die Früchte

des Handelns. Halte dich niemals für die Ursache der

Ergebnisse deiner Tätigkeiten, und hafte niemals daran,

deine Pflicht nicht zu erfüllen.
ERLÄUTERUNG
Hier wird von drei Dingen gesprochen, nämlich von

vorgeschriebenen Pflichten, launenhafter Arbeit und

UnTätigkeit. Unter vorgeschriebenen Pflichten versteht man

Tätigkeiten, die ausgeführt werden müssen, solange man

sich unter dem Einßluss der Erscheinungsweisen der

materiellen Natur befindet. Unter launenhafter Arbeit

versteht man Handlungen, die ohne Einwilligung einer

Autorität ausgeführt werden, und Untätigkeit bedeutet,

seine vorgeschriebenen Pflichten nicht zu erfüllen. Der

Herr gab Arjuna den Rat, nicht untätig zu sein, sondern

seine vorgeschriebene Pflicht zu erfüllen, ohne am

Ergebnis zu haften. Wer am Ergebnis seiner Arbeit haftet,

ist auch die Ursache der Handlung und muss daher das

Ergebnis genießen oder erleiden.

Was vorgeschriebene Pflichten betrifft, so können sie in

drei Unterteilungen gegliedert werden, nämlich
Routinearbeit, Arbeit im Notfall und wunschgemäße

Tätigkeiten. Routinearbeit nach den Anordnungen der

Schriften wird ohne Verlangen nach Ergebnissen

ausgeführt. Obligatorische Arbeit befindet sich in der

Erscheinungsweise der Tugend, da man zu ihrer

Ausführung genötigt ist. Arbeit um der Ergebnisse willen

wird die Ursache von Bindung; deshalb ist solche Arbeit

nicht vorteilhaft. Jeder hat ein Anrecht auf die Erfüllung

vorgeschriebener Pflichten, doch sollte er ohne Anhaftung

an das Ergebnis handeln. Solch uneigennützige,

obligatorische Pflichten führen einen ohne Zweifel auf den

Pfad der Befreiung.
Krsna gab deshalb Arjuna den Rat, aus reiner

Pflichterfüllung zu kämpfen, ohne am Ergebnis zu haften.

Würde er an der Schlacht nicht teilnehmen, wäre dies eine

andere Form der Anhaftung. Solches Anhaften führt einen

niemals auf den Pfad der Erlösung. Jedes Anhaften - ob

positiv oder negativ - ist die Ursache für Bindung.

UnTätigkeit ist sündhaft. Daher war Kämpfen aus reiner

Pflichterfüllung der einzig glückverheißende Pfad der

Erlösung für Arjuna.
VERS 48

Sei fest im yoga verankert, o Arjuna. Erfülle deine

Pflicht, und gib alle Anhaftung an Erfolg oder

Mißerfolg auf. Solche Ausgeglichenheit des Geistes wird

yoga genannt.
ERLÄUTERUNG

Krsna sagt zu Arjuna, er solle in yoga handeln. Was ist nun

dieser yoga? Yoga bedeutet, den Geist auf den Höchsten zu

richten, indem man die ständig störenden Sinne meistert.

Und wer ist der Höchste? Der Höchste ist der Herr. Und da

Er Selbst Arjuna anweist zu kämpfen, hat Arjuna mit den

Ergebnissen des Kampfes nichts zu tun. Gewinn oder Sieg

sind Krsnas Sache; Arjuna ist nur angewiesen, nach dem

Gebot Krsnas zu handeln.

Krsnas Gebot zu folgen ist wirklicher yoga, und dies wird

in dem Vorgang praktiziert, den man Krsna-Bewusstsein

nennt. Allein durch Krsna-Bewusstsein kann man die

Vorstellung, irgend etwas zu besitzen, aufgeben. Man muss

der Diener Krsnas oder der Diener des Dieners von Krsna

werden. Das ist der richtige Weg, seine Pflicht im Krsna-

Bewusstsein zu erfüllen, das einem helfen kann, in yoga zu

handeln.

Arjuna ist ein ksatriya und gehört als solcher zur

Einrichtung des varnasrama-dharma. Im Visnu Purana

(3.8.9) heißt es, dass im varnasrama-dharma das ganze Ziel

darin besteht, Visnu zufriedenzustellen. Niemand soll sich

selbst zufriedenstellen, wie es in der materiellen Welt die

Regel ist, sondern man soll Krsna erfreuen. Solange man

also nicht Krsna zufriedenstellt, kann man die Prinzipien

des varnasrama-dharma nicht richtig befolgen. Indirekt

wurde Arjuna nahegelegt, so zu handeln, wie Krsna es ihm

sagte.
VERS 49

O Dhanaijaya, befreie dich von allen fruchtbringenden

Tätigkeiten durch hingebungsvollen Dienst, und ergib

dich völlig in dieses Bewusstsein. Diejenigen, die die

Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, sind Geizhälse.

ERLÄUTERUNG

Wer seine wesensgemäße Stellung als ewiger Diener des

Herrn wirklich verstanden hat, gibt alle anderen
Beschäftigungen außer den Tätigkeiten im Krsna-

Bewusstsein auf. Wie schon erklärt wurde, bedeutet buddhiyoga

transzendentaler liebender Dienst für den Herrn.
Solch hingebungsvoller Dienst ist die richtige

Handlungsweise für das Lebewesen. Nur Geizhälse wollen

die Frucht ihrer Arbeit genießen, wodurch sie nur noch

mehr in die materielle Knechtschaft verstrickt werden.

Außer Arbeit im Krsna-Bewusstsein sind alle Tätigkeiten

verabscheuenswert, da sie den Handelnden fortgesetzt an

den Kreislauf von Geburt und Tod binden. Man sollte daher

niemals den Wunsch haben, selbst die Ursache von Arbeit

zu sein. Alles sollte im Krsna-Bewusstsein getan werden,

um Krsna zu erfreuen. Geizhälse wissen nicht, wie sie

Besitztümer verwenden sollen, die sie durch glückliche

Umstände oder harte Arbeit erwerben. Man sollte alle

Energien verwenden, um im Krsna-Bewusstsein zu arbeiten;

das wird unser Leben erfolgreich machen. Unglückselige

Menschen stellen, wie die Geizhnlse, ihre menschliche

Energie nicht in den Dienst des Herrn.
VERS 50
Jemand, der im hingebungsvollen Dienst Tätig ist,

befreit sich schon in diesem Leben sowohl von guten als

auch von schlechten Reaktionen. Deshalb strebe nach

yoga, o Arjuna, der Kunst aller Arbeit.
ERLÄUTERUNG
Seit unvordenklicher Zeit hat jedes Lebewesen die

verschiedenen Reaktionen auf seine gute und schlechte

Arbeit angesammelt. So ist es zu erklären, dass es sich

fortgesetzt in Unwissenheit über seine eigentliche,

wesensgemäße Stellung befindet. Diese Unwissenheit kann

durch die Unterweisung der Bhagavad-Gita beseitigt

werden, die uns lehrt, sich Sri Krsna in jeder Hinsicht zu

ergeben und so von der Geburt für Geburt drohenden

Preisgabe an Aktion und Reaktion frei zu werden. Arjuna

wird daher der Rat gegeben, im Krsna-Bewusstsein zu

handeln, dem Vorgang, durch den man sich von Reaktionen

auf vergangene Handlungen befreien kann.
VERS 51

Die Weisen, die im hingebungsvollen Dienst Tätig sind,

suchen Zuflucht beim Herrn und befreien sich aus dem

Kreislauf von Geburt und Tod, indem sie den Früchten

des Handelns in der materiellen Welt entsagen. Auf

diese Weise können sie jenen Ort erreichen, der jenseits

aller Leiden liegt.
ERLÄUTERUNG

Die befreiten Lebewesen suchen jenen Ort auf, an dem es

keine mat. Leiden gibt. Im Bhagavatam (10.14.58) heißt es:

"Für jemand, der das Boot der Lotosfüße des Herrn

bestiegen hat - welcher der kosmischen Manifestation

Zuflucht gewährt und welcher berühmt ist als Mukunda

oder derjenige, der mukti gewährt -, für ihn ist der Ozean

der materiellen Welt wie das Wasser im Hufabdruck eines

Kalbes. Param padam oder Vaikunòha, wo es keine

materiellen Leiden gibt, ist sein Ziel, und nicht der Ort, an

dem auf Schritt und Tritt Gefahr lauert."

Aufgrund von Unwissenheit weiß man nicht, dass die

materielle Welt ein leidvoller Ort ist, wo auf Schritt und

Tritt Gefahren drohen. Nur aus Unwissenheit versuchen

weniger intelligente Menschen, sich durch fruchtbringende

Tätigkeiten der Situation anzupassen, in dem Glauben, die

sich ergebenden Handlungen würden sie glücklich machen.

Sie wissen nicht, dass ihnen keine Art von materiellem

Körper irgendwo im Universum ein Leben ohne Leiden

geben kann. Die Leiden des Lebens, nämlich Geburt, Tod,

Alter und Krankheiten, treten überall in der materiellen

Welt auf. Wer aber seine wirkliche, wesensgemäße Stellung

als der ewige Diener des Herrn versteht und somit die

Position der Persönlichkeit Gottes kennt, betätigt sich im

transzendentalen liebenden Dienst des Herrn. Folglich wird

er befähigt, in die Vaikunòha-Planeten einzugehen, wo es

weder ein materielles, leidvolles Leben noch den Einßluss

von Zeit und Tod gibt. Seine wesensgemäße Stellung zu

kennen bedeutet, auch die erhabene Position des Herrn zu

kennen. Wer fälschlich glaubt, die Stellung des Lebewesens

und die des Herrn befänden sich auf der gleichen Ebene, ist

von Dunkelheit umgeben und daher nicht imstande, sich im

hingebungsvollen Dienst des Herrn zu betätigen. Er wird

selbst zu einem "Herrn" und ebnet sich so den Weg zur

Wiederholung von Geburt und Tod. Wer aber versteht, dass

es seine Position ist zu dienen, stellt sich in den Dienst des

Herrn und wird sofort geeignet, nach Vaikunthaloka zu

gehen. Dienst im Interesse des Herrn wird karma-yoga

bzw. buddhi-yoga oder, in einfachen Worten,
hingebungsvoller Dienst für den Herrn genannt.
VERS 52
Wenn deine Intelligenz aus dem dichten Wald der

Täuschung herausgetreten ist, wirst du gleichgültig

werden gegenüber allem, was gehört worden und was
noch zu hören ist.
ERLÄUTERUNG
Es gibt viele gute Beispiele aus dem Leben großer

Geweihter des Herrn, denen die Rituale der Veden einfach

durch hingebungsvollen Dienst für den Herrn gleichgültig

wurden. Wenn jemand Krsna und seine Beziehung zu

Krsna wirklich versteht, werden ihm, selbst wenn er ein

erfahrener brahmana ist, natürlicherweise die Rituale

fruchtbringender Tätigkeiten völlig gleichgültig. Sri

Madhavendra Purí, ein großer Gottgeweihter und acarya in

der Nachfolge der Gottgeweihten, sagt:

"O Herr, in meinen Gebeten preise ich dreimal täglich

Deinen höchsten Ruhm. Während ich mein Bad nehme,

erweise ich Dir meine Ehrerbietungen. O Halbgötter! O

Vorväter! Bitte entschuldigt meine Unfähigkeit, euch meine

Achtung zu erweisen. Wo immer ich jetzt sitze, kann ich

mich an den großen Nachfahren der Yadu-Dynastie

[Krsna], den Feind Kamsas, erinnern, und so kann ich mich

von allen sündhaften Bindungen befreien. Ich denke, dass

dies für mich ausreicht."
Die vedischen Riten und Rituale sind für Neulinge

unbedingt erforderlich: dreimal täglich alle möglichen

Gebete sprechen, frühmorgens ein Bad nehmen, den

Vorvätern Achtung erweisen usw. Wenn man aber völlig

im Krsna-Bewusstsein verankert und im transzendentalen

liebenden Dienst des Herrn Tätig ist, werden einem all diese

regulierenden Prinzipien gleichgültig, da man die

Vollkommenheit bereits erreicht hat. Wenn man die Ebene

des Verstehens durch Dienst für den Höchsten Herrn, Sri

Krsna, erreichen kann, braucht man nicht länger

verschiedene Arten von tapasya und Opfern auszuführen,

wie in den offenbarten Schriften empfohlen wird. Und

wenn man auf der anderen Seite nicht verstanden hat, dass

der Zweck der Veden darin besteht, Krsna zu erreichen, und

einfach nur Rituale usw. vollzieht, verschwendet man mit

solchen Beschäftigungen nutzlos seine Zeit. Menschen im

Krsna-Bewusstsein überschreiten die Grenze des sabdabrahma

oder des Bereichs der Veden und Upanisaden.
VERS 53

Wenn dein Geist nicht länger von der blumigen Sprache

der Veden verwirrt ist und fest in der Trance der

Selbstverwirklichung verankert bleibt, dann wirst du

das göttliche Bewusstsein erreicht haben.
ERLÄUTERUNG

Wenn man sagt, jemand sei in samadhi, bedeutet dies, dass

er Krsna-Bewusstsein vollständig verwirklicht hat; das

heißt: Wer völlig in samadhi versunken ist, hat Brahman,

Paramatma und Bhagavan erkannt. Die höchste
Vollkommenheit der Selbstverwirklichung ist die

Erkenntnis, dass man ewig Krsnas Diener ist und dass man

nur die eine Aufgabe hat, seine Pflichten im Krsna-

Bewusstsein zu erfüllen. Ein Krsna-bewusster Mensch, das

heißt ein unerschütterlicher Gottgeweihter, sollte sich nicht

durch die blumige Sprache der Veden stören lassen, noch

sollte er fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen, um sich

zum himmlischen Königreich zu erheben. Im Krsna -
Bewusstsein kommt man unmittelbar mit Krsna in

Verbindung, und so können auf dieser transzendentalen

Ebene alle Weisungen Krsnas verstanden werden. Es ist

sicher, dass man durch solches Tun Ergebnisse erreicht und

schlüssiges Wissen erlangt. Man braucht nur die

Anweisungen Krsna oder Seines Stellvertreters, des

spirituellen Meisters, ausführen.
VERS 54
Arjuna sprach: O Kesava, welche Merkmale weist

jemand auf, dessen Bewusstsein in die Transzendenz

eingegangen ist? Wie und worüber spricht er? Wie sitzt

er und wie geht er?
ERLÄUTERUNG
So wie jeder Mensch seiner jeweiligen Lage gemäß

besondere, ihn kennzeichnende Züge aufweist, so hat in

ähnlicher Weise auch jemand, der Krsna-bewusst ist, sein

besonderes Wesen - Reden, Gehen, Denken, Fühlen usw.

So wie ein reicher Mann bestimmte Merkmale hat, durch

die man ihn als Reichen kennt; so wie ein Kranker gewisse

Symptome hat, die ihn als krank kennzeichnen, oder wie

ein Gelehrter seine Besonderheiten hat, so hat ein Mann im

transzendentalen Bewusstsein von Krsna besondere

Merkmale in seinen verschiedenen Verhaltensweisen. Man

kann seine besonderen Merkmale aus der Bhagavad-Gita

erfahren. Am wichtigsten ist, wie der Mann im Krsna-

Bewusstsein spricht, denn Sprache ist die wichtigste

Eigenschaft jedes Menschen. Man sagt, ein Esel bleibe

unentdeckt, solange er nicht rede, und gewiss kann man

einen gutgekleideten Esel nicht erkennen, solange er nicht

spricht; doch sobald er den Mund öffnet, zeigt er sein

wahres Gesicht. Das unmittelbare Merkmal eines Krsnabewussten

Menschen ist, dass er nur über Krsna und mit

Krsna verbundene Themen spricht. Andere Kennzeichen

folgen dann von selbst, wie in den folgenden Versen

beschrieben wird.
VERS 55

Der Höchste Herr sprach: O Partha, wenn ein Mensch

alle Arten von Sinnesbegierden aufgibt, die

gedanklicher Überlegung entspringen, und wenn sein

Geist im Selbst allein Befriedigung findet, dann sagt

man von ihm, er sei in reinem transzendentalem
Bewusstsein verankert.
ERLÄUTERUNG

Das Bhagavatam bestätigt, dass jeder, der völlig im Krsna-

Bewusstsein oder hingebungsvollen Dienst des Herrn

verankert ist, alle guten Eigenschaften der großen Weisen

besitzt, wohingegen jemand, der nicht auf solch
transzendentale Weise verankert ist, keine guten

Eigenschaften hat, weil er sich mit Sicherheit in seine

eigenen gedanklichen Überlegungen flüchtet. Folglich wird

hier ganz richtig gesagt, dass man alle Arten von
Sinnenwünschen, die gedanklichen Überlegungen

entspringen, aufgeben muss. Künstlich kann man solche

Sinnenwünsche nicht einstellen. Wenn man aber im Krsna-

Bewusstsein Beschäftigt ist, dann lassen Sinnenwünsche

ohne zusätzliche Bemühungen von selbst nach. Deshalb

muss man sich ohne Zögern im Krsna-Bewusstsein

betätigen, denn solch hingebungsvoller Dienst wird einem

augenblicklich helfen, auf die Ebene transzendentalen

Bewusstseins zu gelangen. Die hochentwickelte Seele bleibt

immer in sich selbst zufrieden, da sie sich als der ewige

Diener des Höchsten Herrn erkennt. Eine auf diese Weise

in der Transzendenz verankerte Seele hat keine

Sinnenwünsche, die niedrigem Materialismus entspringen;

vielmehr bleibt sie immer glücklich in ihrer natürlichen

Stellung, ewig dem Höchsten Herrn zu dienen.
VERS 56

Wer trotz der dreifachen Leiden nicht verwirrt ist, nicht

von Freude überwältigt wird, wenn er Glück erfährt,

und frei von Anhaftung, Angst und Zorn ist, wird ein

Weiser mit stetigem Geist genannt.
ERLÄUTERUNG

Das Wort muni bezeichnet einen Menschen, der seinen

Geist mit den verschiedensten gedanklichen Spekulationen

aufrührt, ohne zu einer tatsächlichen Schlussfolgerung zu

kommen. Man sagt, jeder muni habe eine andere

Betrachtungsweise, und solange sich ein muni nicht von

anderen munis unterscheide, könne man ihn

strenggenommen nicht als muni bezeichnen. Nasau munir

yasya matam na binnam. Aber ein sthita-dhi-muni, wie er

hier vom Herrn erwähnt wird, unterscheidet sich von einem

gewöhnlichen muni. Der sthita-dhí-muni ist immer im

Krsna-Bewusstsein verankert, denn seine Versuche kreativer

Spekulation haben sich erschöpft. Er hat die Stufe

gedanklicher Spekulationen hinter sich gelassen und ist zu

dem Schluss gekommen, dass der Herr, Sri Krsna oder

Vasudeva, alles ist. Ihn nennt man einen muni mit

gefestigtem Geist. Ein solch völlig Krsna-bewusster Mensch

fühlt sich durch die Angriffe der dreifachen Leiden

keineswegs gestört, denn er betrachtet alle Leiden als die

Barmherzigkeit des Herrn. Er findet es angemessen,

aufgrund seiner vergangenen schlechten Taten mehr

Unannehmlichkeiten zu bekommen, und er sieht, dass seine

Leiden durch die Gnade des Herrn bis auf ein Mindestmaß

verringert sind. In ähnlicher Weise dankt er, wenn er

glücklich ist, dem Herrn für solche Güte und denkt, dass er

dieses Glück nicht verdient habe. Er erkennt, dass er sich

nur durch die Gnade des Herrn in einer solch angenehmen

Lage befindet und imstande ist, dem Herrn besser zu

dienen. Und um dem Herrn zu dienen, ist er immer

unerschrocken und aktiv und lässt sich nicht von Anhaftung

oder Ablehnung beEinßlussen. Anhaftung bedeutet, Dinge

für seine eigene Sinnenbefriedigung anzunehmen, und

Losgelöstsein bedeutet das Fehlen einer solch sinnlichen

Anhaftung. Wer aber im Krsna-Bewusstsein verankert ist,

kennt weder Anhaftung noch Loslösung, da er sein Leben

dem Dienst des Herrn geweiht hat. Folglich ist er niemals

ärgerlich - auch dann nicht, wenn seine Versuche erfolglos

sind. Ein Krsna-bewusster Mensch ist in seiner
Entschlossenheit immer beständig.
VERS 57

Wer frei von Anhaftung ist und nicht frohlockt, wenn

ihm Gutes widerfährt, noch jammert, wenn ihm Übles

geschieht, ist fest in vollkommenem Wissen verankert.

ERLÄUTERUNG

In der materiellen Welt finden ständig Veränderungen statt,

die gut oder schlecht sein mögen. Wer durch solche

materiellen Veränderungen nicht beunruhigt wird, das

heißt, wer sich von Gut und Schlecht nicht beeinflussen

lässt, gilt als im Krsna-Bewusstsein gefestigt. Solange man

sich in der materiellen Welt befindet, wird es immer Gutes

und Schlechtes geben, denn diese Welt ist voller Dualität.

Wer jedoch im Krsna-Bewusstsein gefestigt ist, wird von

Gut und Schlecht nicht beeinflußt, da es ihm nur um Krsna

geht, der absolut und allgut ist. Ein solches in Krsna

ruhendes Bewusstsein versetzt einen in eine vollkommene,

transzendentale Stellung, die man technisch als samadhi

bezeichnet.
VERS 58

Wer imstande ist, seine Sinne von den Sinnesobjekten

zurückzuziehen, so wie die Schildkröte ihre Glieder in

den Panzer einzieht, gründet in wirklichem Wissen.

ERLÄUTERUNG

Der Prüfstein für einen yogí, einen Gottgeweihten oder eine

selbstverwirklichte Seele ist die Fähigkeit, die Sinne nach

Plan zu beherrschen. Die meisten Menschen jedoch sind

Diener der Sinne und werden vom Diktat der Sinne gelenkt.

Das ist die Antwort auf die Frage nach der Stellung des

yogí. Die Sinne werden mit giftigen Schlangen verglichen.

Sie wollen zügellos und ohne Einschränkung Tätig sein. Der

yogí oder Gottgeweihte muss daher sehr stark sein, um die

Schlangen - wie ein Schlangenbeschwörer - beherrschen zu

können. Er gestattet ihnen niemals, unabhängig zu handeln.

Die offenbarten Schriften beinhalten viele Unterweisungen:

einige sind Verbote und andere sind Gebote. Solange man

nicht fähig ist, den Geboten und Verboten zu folgen und

sich von Sinnengenuss zurückzuhalten, ist es nicht möglich,

fest im Krsna-Bewusstsein verankert zu sein. Das beste

Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Schildkröte. Die

Schildkröte kann augenblicklich ihre Sinne zurückziehen

und diese zu jeder Zeit für bestimmte Zwecke wieder nach

außen richten. In ähnlicher Weise werden die Sinne Krsnabewusster

Menschen nur für einen bestimmten Zweck im

Dienste des Herrn benutzt und sind sonst zurückgezogen.

Wie man die Sinne immer im Dienst des Herrn

beschäftigen kann, wird an dem Vergleich der Schildkröte

deutlich, die ihre Gliedmaßen im Panzer zurückhalten kann.

VERS 59
Die verkörperte Seele mag zwar von Sinnenfreuden
zurückgehalten werden, doch der Geschmack für

Sinnesobjekte bleibt; wenn sie jedoch solche Neigungen

aufgibt, da sie einen höheren Geschmack erfährt, ist sie

im Bewusstsein gefestigt.
ERLÄUTERUNG

Solange man nicht in der Transzendenz verankert ist, ist es

nicht möglich, von SinnenGenuss abzulassen. Den Genuss

der Sinne durch Regeln und Regulierungen

einzuschränken, ist so etwas, wie einem Kranken den

Genuss bestimmter Speisen einzuschränken. Der Patient

jedoch liebt solche Einschränkungen nicht, noch verliert er

seinen Geschmack für diese Speisen. In ähnlicher Weise

wird die Einschränkung der Sinne durch einen spirituellen

Vorgang wie astanga-yoga, im Sinne von yama, niyama,

asana, pranayama, pratyahara, dharana, dhyana usw.,

weniger intelligenten Menschen empfohlen, die über kein

besseres Wissen verfügen. Wer aber im Verlauf seines

Fortschritts im Krsna-Bewusstsein die Schönheit des

Höchsten Herrn Sri Krsna gekostet hat, findet nicht länger

Geschmack an toten materiellen Dingen. Einschränkungen

sind daher für die weniger intelligenten Neulinge im

spirituellen Leben gedacht, doch sind solche
Einschränkungen nur gut, wer man tatsächlich den
Geschmack am Krsna-Bewusstsein hat. Wenn man

tatsächlich Krsna-bewusst ist, verliert man von selbst den

Geschmack an faden Dingen.
VERS 60

Die Sinne sind so stark und ungestüm, o Arjuna, dass sie

sogar den Geist eines Mannes gewaltsam fortreißen, der

Unterscheidungsvermögen besitzt und bemüht ist, sie zu

beherrschen.
ERLÄUTERUNG
Es gibt viele gelehrte Weise, Philosophen und

Transzendentalisten, die die Sinne zu meistern versuchen;

doch trotz ihrer Bemühungen fallen selbst die größten von

ihnen manchmal dem materiellen SinnenGenuss zum Opfer,

da ihr Geist erregt wurde. Selbst Visvamitra, ein großer

Weiser und vollkommener yogí, wurde von Menaka zu

sexuellem Genuss verleitet, obwohl er sich bemühte, mittels

schwerer tapasya und durch yoga-Übungen seine Sinne zu

beherrschen. Selbstverständlich gibt es noch viele andere,

ähnliche Beispiele in der Weltgeschichte. Es ist also sehr

schwierig, den Geist und die Sinne zu beherrschen, wenn

man nicht völlig Krsna-bewusst ist. Ohne den Geist mit

Krsna zu Beschäftigen, kann man von solch materiellen

Betätigungen nicht ablassen. Ein praktisches Beispiel wird

von Sri Yamunacarya, einem großen Heiligen und

Gottgeweihten, gegeben, der sagt: "Seitdem mein Geist im

Dienst der Lotosfüße Krsnas beschäftigt ist und ich eine

immer neue transzendentale Gemütsstimmung genieße,

wende ich mich augenblicklich ab, sobald ich an sexuelle

Beziehungen zu einer Frau denke, und ich speie auf den

Gedanken."

Krsna-Bewusstsein ist solch eine transzendental-wunderbare

Sache, dass materieller Genuss von selbst widerwnrtig wird.

Es ist so, als hätte ein Hungriger seinen Hunger mit einer

ausreichenden Menge nahrhafter Speisen gestillt. Maharaja

Ambarísa besiegte ebenfalls einen großen yogí, Durvasa

Muni, einfach dadurch, dass sein Geist im Krsna-
Bewusstsein Tätig war.
VERS 61

Wer seine Sinne zurückhält und sein Bewusstsein fest

auf Mich richtet, ist bekannt als ein Mensch von stetiger

Intelligenz.
ERLÄUTERUNG

In diesem Vers wird eindeutig erklärt, dass Krsna-

Bewusstsein die höchste Stufe in der Vollendung des yoga

ist. Ohne Krsna-bewusst zu sein, ist es keinesfalls möglich,

die Sinne zu meistern. Wie oben erwähnt wurde, fing der

große Weise Durvasa Muni mit Maharaja AmbarÖsa einen

Streit an, und weil Durvasa Muni aus Stolz unnötigerweise

zornig wurde, konnte er seine Sinne nicht beherrschen. Der

König dagegen, der kein so mächtiger yogí wie der Weise,

sondern ein Geweihter des Herrn war, ertrug geduldig alle

Ungerechtigkeiten des Weisen und ging dadurch siegreich

aus dem Streit hervor. Der König vermochte seine Sinne zu

beherrschen, weil er die folgenden Qualifikationen besaß,

die im Srimad-Bhagavatam (9.4.18-20) erwähnt werden:

"König Ambarísa richtete seinen Geist fest auf die

Lotosfüße Sri Krsnas; mit seinen Worten beschrieb er das

Reich des Herrn; mit seinen Hnnden reinigte er den Tempel

des Herrn; mit seinen Ohren hörte er über die Spiele des

Herrn; mit seinen Augen sah er die Gestalt des Herrn; mit

seinem Körper berührte er die Körper der Gottgeweihten;

mit seiner Nase atmete er den Duft der Blumen ein, die den

Lotosfüßen des Herrn geopfert waren; mit seiner Zunge

schmeckte er die tulasi-Blätter, die dem Herrn geopfert

waren; mit seinen Beinen pilgerte er zu den heiligen

Stntten, an denen Tempel des Herrn errichtet waren; mit

seinem Haupt brachte er dem Herrn Ehrerbietungen dar,

und mit seinen Wünschen erfüllte er die Wünsche des

Herrn. All diese Qualifikationen machten ihn geeignet, ein

mat-paraH-Geweihter des Herrn zu werden."
Das Wort mat-paraH ist in diesem Zusammenhang von

größter Bedeutung. Wie man ein mat-paraH werden kann,

wird am Leben Maharaja AmbarÖsas deutlich. Sri Baladeva

Vidyabhôsana, ein großer Gelehrter und acarya in der

Linie der mat-paraH, bemerkt hierzu:
"Die Sinne können nur durch die Kraft des

hingebungsvollen Dienstes für Krsna vollständig gemeistert

werden."

Manchmal wird auch das Beispiel des Feuers angeführt:

"So wie kleine ßammen alles in einem Zimmer

verbrennen, so verbrennt Sri Visnu, der im Herzen des yogí

weilt, alle Arten von Unreinheiten." Auch das Yoga-sôtra

schreibt die Meditation über Visnu, und nicht über die

Leere, vor. Die sogenannten yogís, die über etwas anderes

als die Form Visnus meditieren, verschwenden nur ihre Zeit

mit der vergeblichen Suche nach einem Trugbild. Wir

müssen Krsna-bewusst sein - der Persönlichkeit Gottes

geweiht. Das ist das Ziel des wirklichen yoga.
VERS 62
Beim Betrachten der Sinnesobjekte entwickelt der
Mensch Anhaftung an sie; aus solcher Anhaftung

entwickelt sich Lust, und aus Lust geht Zorn hervor.

ERLÄUTERUNG

Wer nicht Krsna-bewusst ist, wird materielle Wünsche

entwickeln, während er die Sinnesobjekte betrachtet. Die

Sinne brauchen richtige Betätigung, und wenn sie nicht im

transzendentalen liebenden Dienst des Herrn beschäftigt

sind, werden sie sich mit Sicherheit eine Beschäftigung im

Dienst des Materialismus suchen. In der materiellen Welt

ist jeder, selbst Siva und Brahma - von anderen Halbgöttern

auf den himmlischen Planeten ganz zu schweigen - dem

Einfluss der Sinnesobjekte unterworfen, und die einzige

Möglichkeit, dieser Verwirrung des materiellen Daseins zu

entkommen, besteht darin, Krsna-bewusst zu werden. Siva

befand sich in tiefer Meditation, doch als Parvatí ihn reizte,

mit ihr Sinnenfreude zu genießen, war er mit dem
Vorschlag einverstanden, und als Ergebnis wurde

Karttikeya geboren. Als Haridasa Thakura noch ein junger

Geweihter des Herrn war, wurde er von der Inkarnation

Maya DevÖs in ähnlicher Weise in Versuchung geführt,

aber Haridasa bestand die Prüfung mit Leichtigkeit dank

seiner unverfälschten Hingabe an Sri Krsna. Wie in dem

oben erwähnten Vers von Sri Yamunacarya deutlich wird,

verabscheut ein aufrichtiger Geweihter des Herrn jeden

materiellen Sinnengenuss, da er durch den spirituellen

Genuss der Gemeinschaft des Herrn einen höheren

Geschmack erfährt. Das ist das Geheimnis des Erfolges.

Wer daher nicht Krsna-bewusst ist, wird letztlich mit

Sicherheit scheitern - gleichgültig wie er seine Sinne durch

künstliche Verdrängung beherrschen mag -, denn schon der

geringste Gedanke an Sinnenfreude wird ihn dazu treiben,

seine Begierden zu befriedigen.
VERS 63

Aus Zorn entsteht Täuschung, und der Täuschung folgt

die Verwirrung der Erinnerung. Wenn die Erinnerung

verwirrt ist, geht die Intelligenz verloren, und wenn die

Intelligenz verloren ist, fällt man wieder in den
materiellen Sumpf zurück.
ERLÄUTERUNG

Durch die Entwicklung von Krsna-Bewusstsein kann man

erkennen, dass alles seine Verwendung im Dienst des Herrn

hat. Diejenigen, die kein Wissen vom Krsna-Bewusstsein

haben, versuchen auf künstliche Weise, materielle Objekte

zu vermeiden, und erreichen folglich, obwohl sie nach

Befreiung aus der materiellen Knechtschaft streben, nicht

die vollkommene Stufe der Entsagung. Im Gegensatz dazu

weiß ein Krsna-bewusster Mensch, wie man alles im

Dienste Krsnas verwenden kann; deshalb fällt er dem

materiellen Bewusstsein nicht zum Opfer. Für einen

Unpersönlichkeitsphilosophen zum Beispiel kann der Herr

oder das Absolute, da unpersönlich, nicht essen. Während

ein Unpersönlichkeitsanhänger bemüht ist,
wohlschmeckende Speisen zu vermeiden, weiß der

Gottgeweihte, dass Krsna der höchste Genießer ist und dass

Er alles ißt, was Ihm mit Hingabe geopfert wird. Nachdem

also der Gottgeweihte dem Herrn schmackhafte Speisen

geopfert hat, ißt er die Überreste, die man prasada nennt.

Auf diese Weise wird alles spiritualisiert, und es besteht

nicht die Gefahr, zu Fall zu kommen. Der Gottgeweihte ißt

prasada im Krsna-Bewusstsein, was der Nichtgottgeweihte

als etwas Materielles ablehnt. Der
Unpersönlichkeitsanhänger kann daher wegen seiner

künstlichen Entsagung das Leben nicht genießen, und aus

diesem Grund zieht ihn schon die geringste Erregung des

Geistes wieder in den Sumpf des materiellen Daseins hinab.

Es heißt, dass eine solche Seele, obwohl sie sogar bis zur

Stufe der Befreiung aufsteigen mag, wieder zu Fall kommt,

da sie nicht durch hingebungsvollen Dienst gestützt wird.

VERS 64
Wer seine Sinne meistern kann, indem er den

regulierenden Prinzipien der Freiheit folgt, kann die

volle Barmherzigkeit des Herrn erlangen und so von

aller Anhaftung und Abneigung frei werden.
ERLÄUTERUNG

Es wurde bereits erklärt, dass man die Sinne durch einen

künstlichen Vorgang zwar oberflächlich beherrschen mag,

dass aber, solange die Sinne nicht im transzendentalen

Dienst des Herrn beschäftigt sind, immer die Möglichkeit

besteht, wieder zu Fall zu kommen. Auch wenn es so

erscheinen mag, als befinde sich ein völlig Krsna-bewusster

Mensch auf der sinnlichen Ebene, ist er dennoch, dank

seines Krsna-Bewusstseins, sinnlichen Tätigkeiten nicht

verhaftet. Dem Krsna-bewussten Menschen geht es nur

darum, Krsna zufriedenzustellen, um nichts anderes.

Deshalb steht er zu aller Anhaftung in transzendentaler

Stellung. Wenn Krsna es wünscht, kann der Gottgeweihte

alles tun, was gewöhnlich unangenehm wäre, und wenn

Krsna es nicht wünscht, wird er nicht das tun, was er

gewöhnlich zu seiner eigenen Befriedigung getan hätte.

Deshalb wacht er darüber, was er tut und was er nicht tut,

denn er handelt nur unter der Führung Krsnas. Dieses

Bewusstsein ist die grundlose Barmherzigkeit des Herrn, die

der Gottgeweihte trotz seiner Anhaftung an die sinnliche

Ebene erlangen kann.
VERS 65

Für jemand, der so im göttlichen Bewusstsein gründet,

existieren die dreifachen Leiden des materiellen Daseins

nicht länger, und in einem solch glücklichen Zustand

wird seine Intelligenz sehr bald stetig.
VERS 66

Wer nicht im transzendentalen Bewusstsein gründet,

kann weder einen beherrschten Geist noch stetige

Intelligenz besitzen, ohne die keine Möglichkeit zum

Frieden besteht. Und wie kann es Glück ohne Frieden

geben?
ERLÄUTERUNG

Solange man nicht Krsna-bewusst ist, besteht keine

Möglichkeit zum Frieden. Im neunundzwanzigsten Vers

des Fünften Kapitels wird bestätigt, dass man nur dann

wirklichen Frieden finden kann, wenn man versteht, dass

Krsna der einzige Genießer aller guten Ergebnisse von

Opfern und tapasya, der Eigentümer aller universalen

Manifestationen und der wirkliche Freund aller Lebewesen

ist. Daher kann es, wenn man nicht Krsna-bewusst ist, kein

endgültiges Ziel für den Geist geben. Störung ist auf das

Fehlen eines endgültigen Ziels zurückzuführen, und wenn

man die Gewissheit hat, dass Krsna der Genießer,

Eigentümer und Freund jedes Wesens und aller Dinge ist,

kann man mit stetigem Geist Frieden finden. Wer daher

ohne eine Beziehung zu Krsna Tätig ist, muss sicherlich

immerzu leiden und kennt keinen Frieden, mag er auch

noch so bemüht sein, Frieden und spirituellen Fortschritt im

Leben zur Schau zu stellen. Im Krsna-Bewusstsein

manifestiert sich von selbst ein friedvoller Zustand, der nur

in Beziehung zu Krsna erreicht werden kann.
VERS 67
Gleich einem Boot auf dem Wasser, das von einem

Sturm hinweggerissen wird, kann die Intelligenz des

Menschen schon von einem der Sinne davongetragen
werden, auf den der Geist sich richtet.
ERLÄUTERUNG

Solange nicht alle Sinne im Dienst des Herrn beschäftigt

sind, kann schon ein einziger von ihnen, der nach seiner

eigenen Befriedigung trachtet, den Gottgeweihten vom

Pfad des transzendentalen Fortschritts abbringen. Wie am

Leben Maharaja Ambarisas deutlich wurde, müssen alle

Sinne im Krsna-Bewusstsein Beschäftigt sein, das ist die

richtige Methode, den Geist zu beherrschen.
VERS 68

Daher, o Starkarmiger, verfügt jemand, dessen Sinne

von ihren Objekte zurückgezogen sind, über stetige

Intelligenz.
ERLÄUTERUNG

So wie Feinde nur durch überlegene Stärke bezwungen

werden können, so können die Sinne durch keine

menschliche Bemühung bezwungen werden, sondern nur,

indem man sie ständig im Dienst des Herrn Beschäftigt.

Wer dies verstanden hat, dass man nämlich nur durch

Krsna-Bewusstsein auf der Ebene der Intelligenz wirklich

gefestigt ist und dass man diese Kunst unter der Führung

eines echten spirituellen Meisters erlernen sollte, wird als

sadhaka bezeichnet oder jemand, der geeignet ist, befreit zu

werden.
VERS 69

Was Nacht ist für alle Wesen, ist die Zeit des Erwachens

für den Selbstbeherrschten, und die Zeit des Erwachens

für alle Wesen ist Nacht für den nach innen gekehrten

Weisen.
ERLÄUTERUNG

Es gibt zwei Arten von intelligenten Menschen. Der eine ist

intelligent, soweit es materielle Tätigkeiten für

Sinnenbefriedigung betrifft, und der andere ist nach innen

gewandt und sich der Notwendigkeit bewusst,

Selbsterkenntnis zu kultivieren. Tätigkeiten des nach innen

gekehrten Weisen oder nachdenklichen Mannes sind

"Nacht" für Menschen, die nur an materielle Dinge denken.

Materialistische Menschen schlafen in einer solchen

"Nacht", da sie von Selbstverwirklichung nichts wissen.

Der nach innen gewandte Weise bleibt in der "Nacht" der

materialistischen Menschen wach. Der Weise empfindet

transzendentale Freude bei seinem allmählichen Fortschritt

spiritueller Kultur, wohingegen jemand, der

materialistischen Tätigkeiten nachgeht, von Sinnenfreuden

aller Art träumt, da er seine Selbstverwirklichung verschläft

und sich in seinem Schlafzustand manchmal glücklich und

manchmal unglücklich fühlt. Der nach innen gekehrte

Mensch steht materialistischem Glück und Leid immer

gleichgültig gegenüber. Ungestört von materieller

Reaktion, geht er seinen Tätigkeiten nach, die ihn zur

Selbstverwirklichung führen.
VERS 70
Nur wer durch die unaufhörliche Flut von Wünschen

nicht gestört ist - die wie Flüsse in den Ozean münden,

der ständig gefüllt wird, doch immer ruhig bleibt -,

kann Frieden erlangen, und nicht derjenige, der danach

trachtet, solche Wünsche zu befriedigen.
ERLÄUTERUNG

Obwohl der weite Ozean immer mit Wasser gefüllt ist, wird

er, vor allem während der Regenzeit, mit noch viel mehr

Wasser gefüllt. Aber der Ozean bleibt der gleiche -

unbewegt; er wird nicht beunruhigt, noch tritt er jemals

über seine Ufer. Dieses Beispiel trifft auch auf einen

Menschen zu, der im Krsna-Bewusstsein gefestigt ist.

Solange man den materiellen Körper hat, werden die

Forderungen des Körpers nach Sinnenbefriedigung

bestehenbleiben, doch der Gottgeweihte ist durch solche

Wünsche nicht gestört, da er in sich selbst zufrieden ist. Ein

Krsna-bewusster Mensch kennt keinen Mangel, denn der

Herr sorgt für all seine materiellen Bedürfnisse. Daher ist er

wie der Ozean - immer in sich selbst erfüllt. Wünsche

mögen zu ihm kommen wie das Wasser der Flüsse, die in

den Ozean strömen, doch er bleibt stetig in seinen

Tätigkeiten und ist durch Wünsche nach

Sinnenbefriedigung nicht im geringsten gestört. Das ist der

Beweis dafür, dass jemand Krsna-bewusst ist: dass er alle

Neigungen zu materieller Sinnenbefriedigung verloren hat,

obwohl die Wünsche vorhanden sind. Da er im

transzendentalen liebenden Dienst des Herrn zufrieden ist,

kann er stetig bleiben wie der Ozean und daher

vollständigen Frieden genießen. Andere dagegen, die ihre

Wünsche bis zur Grenze der Befreiung erfüllen, erlangen,

ganz zu schweigen von materiellem Erfolg, niemals

Frieden. Die fruchtbringenden Arbeiter, die nach Erlösung

Suchenden und auch die yogís, die nach mystischen Kräften

trachten, sind alle unglücklich, weil ihre Wünsche nicht

erfüllt werden. Der Mensch im Krsna-Bewusstsein hingegen

ist im Dienst des Herrn glücklich, und er hat keine

Wünsche, die zu erfüllen ären. Ja, er wünscht sich nicht

einmal Befreiung aus der sogenannten materiellen
Knechtschaft. Die Geweihten Krsnas haben keine
materiellen Wünsche, und daher leben sie in
vollkommenem Frieden.
VERS 71
Jemand, der alle Wünsche nach Sinnenbefriedigung
aufgegeben hat, der frei von Wünschen ist, allen
Anspruch auf Besitz aufgegeben hat und frei von

falschem Ego ist - er allein kann wirklichen Frieden

erlangen.
ERLÄUTERUNG

Wunschlos zu werden bedeutet, nicht das geringste für die

Befriedigung der eigenen Sinne zu begehren. Mit anderen

Worten: Der Wunsch, Krsna-bewusst zu werden, ist wahre

Wunschlosigkeit. Seine eigentliche Stellung als der ewige

Diener Krsnas zu verstehen, ohne sich irrtümlich für den

materiellen Körper zu halten und ohne fälschlich auf irgend

etwas in der Welt einen Besitzanspruch zu erheben, ist die

vollkommene Stufe des Krsna-Bewusstseins. Wer auf dieser

vollkommenen Stufe verankert ist, weiß, dass Krsna der

Besitzer aller Dinge ist und dass daher alles verwendet

werden muss, um Krsna zufriedenzustellen. Arjuna weigerte

sich zu kämpfen, weil er an seine eigene Befriedigung

dachte, aber als er völlig Krsna-bewusst wurde, kämpfte er,

weil Krsna es von ihm verlangte. Für sich selbst hatte er

kein Verlangen zu kämpfen, aber für Krsna kämpfte der

gleiche Arjuna nach besten Kräften. Der Wunsch, Krsna

zufriedenzustellen, ist tatsächlich Wunschlosigkeit; es ist

kein künstlicher Versuch, Wünsche zu verdrängen. Das

Lebewesen kann nicht wunschlos oder sinnenlos sein; aber

es muss die Qualität seiner Wünsche ändern. Jemand, der

keine materiellen Wünsche mehr hat, weiß zweifellos, dass

alles Krsna gehört (Ösavasyam idam sarvam), und erhebt

daher nicht fälschlich einen Besitzanspruch auf irgend

etwas. Dieses transzendentale Wissen gründet auf
Selbsterkenntnis, nämlich dem unzweifelhaften

Versändnis, dass jedes Lebewesen seiner spirituellen

Identität nach ein ewiges Teilchen Krsnas ist und dass daher

die ewige Stellung des Lebewesens niemals auf der Ebene

Krsnas oder höher als Er ist. Dieses Verständnis vom

Krsna-Bewusstsein bildet die Grundlage wahren Friedens.

VERS 72

Das ist der Weg des spirituellen und gottgefälligen

Lebens. Nachdem man es erreicht hat, ist man nicht

mehr verwirrt. Ist man selbst zur Stunde des Todes in

diesem Bewusstsein verankert, kann man in das
Königreich Gottes eintreten.
ERLÄUTERUNG
Man kann Krsna-Bewusstsein oder göttliches Leben

augenblicklich erlangen - innerhalb einer Sekunde - oder

nicht einmal nach Millionen von Geburten. Es hängt nur

davon ab, ob man es versteht und annimmt. Khatvanga

Maharaja erreichte diese Stufe des Lebens erst Minuten vor

seinem Tod, indem er sich Krsna ergab. Nirvana bedeutet,

das materialistische Leben zu beenden. Der buddhistischen

Philosophie gemäß gibt es nach Beendigung des

materiellen Lebens nur Leere; aber die Bhagavad-Gita lehrt

etwas anderes. Nach Beendigung des materiellen Lebens

beginnt erst das wirkliche Leben. Für den groben
Materialisten genügt es zu wissen, dass man die

materialistische Lebensweise beenden muss; doch für

Menschen, die spirituell fortgeschritten sind, gibt es nach

diesem materialistischen Leben noch ein anderes Leben.

Wenn man vor Beendigung dieses Lebens das Glück hat,

Krsna-bewusst zu werden, erreicht man sogleich die Stufe

des brahma-nirvana. Es besteht kein Unterschied zwischen

dem Königreich Gottes und dem hingebungsvollen Dienst

des Herrn. Da sich beide auf der absoluten Ebene befinden,

hat man das spirituelle Königreich bereits erreicht, wenn

man im transzendentalen liebenden Dienst des Herrn Tätig

ist. In der materiellen Welt gibt es Tätigkeiten der

Sinnenbefriedigung, wohingegen es in der spirituellen Welt

Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins gibt. Krsna-Bewusstsein

zu erreichen bedeutet, sogar noch während dieses Lebens,

unmittelbar das Brahman zu erreichen. Ein im Krsna-

Bewusstsein verankerter Mensch ist mit Sicherheit bereits in

das Königreich Gottes eingetreten.

Brahman ist genau das Gegenteil von Materie. Daher

bedeutet brahmí sthitiH: "nicht auf der Ebene materieller

Tätigkeiten". Der hingebungsvolle Dienst des Herrn wird in

der Bhagavad-Gita als die befreite Stufe anerkannt. Folglich

bedeutet brahmí sthitiH Befreiung aus der materiellen

Knechtschaft.

Srila Rupa Bhaktivinoda Thakura hat erklärt, dass dieses Zweite

Kapitel der Bhagavad-Gita die Zusammenfassung des

gesamten Textes ist. In der Bhagavad-Gita werden karmayoga,

jnana-yoga und bhakti-yoga behandelt. Im Zweiten

Kapitel sind karma-yoga und jnana-yoga ausführlich

besprochen worden, und als Zusammenfassung des

gesamten Textes wurde auch bhakti-yoga kurz erwähnt.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-ERLÄUTERUNGen zum

Zweiten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem Titel:

"Inhalt der Gita zusammengefaßt".

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