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00-Vorwort
01-Schlachtfeld von Kuruksetra
02-Inhalt der Gita
03-Karma Yoga
04-Transzentrales Wissen
05 Karma yoga - Handeln im Krsna-Bewusstsein
06-Dhyana-yoga
07-Wissen vom Absoluten
08-Wie man den Höchsten erreicht
09- Das vertraulichste Wissen
10-Die Füllen des Absoluten
11- Die universale Form
12- Hingebungsvoller Dienst
13- Natur, Genießer und Bewusstsein
14-Die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
15-Der yoga der Höchsten Person
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Bhagavad-gita : 01-Schlachtfeld von Kuruksetra
ERSTES KAPITEL
Arjuna beobachtet die Heere auf dem
Schlachtfeld von Kuruksetra
VERS 1

Dhrtarastra  sprach: O Sanjaya, was taten meine Söhne

und die Söhne Pandus, als sie sich an der Pilgerstätte

von Kuruksetra voll Kampflust versammelt hatten?
ERLÄUTERUNG

Bhagavad-Gita ist die vielgelesene, in der Gita-mahatmya

(Ruhmpreisung der Gita) zusammengefaßte, theistische

Wissenschaft. In der Gita-mahatmya heißt es, man solle die

Bhagavad-Gita mit der Hilfe eines Menschen, der ein

Geweihter Sri Krsnas ist, genau prüfend lesen und
versuchen, sie frei von subjektiv motivierten

Interpretationen zu verstehen. Das Beispiel klaren

Verständnisses findet man in der Bhagavad-Gita selbst,

nämlich in der Weise, wie diese Lehre von Arjuna

verstanden wurde, der die Gita unmittelbar vom Herrn

hörte. Wenn jemand sich so glücklich schätzen kann, die

Bhagavad-Gita in dieser Linie der Schülernachfolge, ohne

motivierte Interpretation, zu verstehen, erhebt er sich über

alle Studien vedischer Weisheit und alle Schriften der Welt.

Man wird in der Bhagavad-Gita all das finden, was in

anderen Schriften enthalten ist, doch wird der Leser auch

Dinge finden, die andernorts nicht zu finden sind. Das ist

das Besondere an der Gita. Sie ist die vollkommene

Gotteswissenschaft, weil sie unmittelbar von der Höchsten

Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, gesprochen ist.

Die von Dhrtarastra  und Sanjaya besprochenen Themen,

die im Mahabharata schrieben sind, bilden das

Grundprinzip dieser bedeutenden Philosophie. Es wird

berichtet, daß diese Philosophie auf dem Schlachtfeld von

Kuruksetra offenbart wurde, das schon seit den längst

vergangenen Zeiten der vedischen Kultur eine heilige

Pilgerstätte ist. Sie wurde vom Herrn gesprochen, als Er auf

diesem Planeten persönlich erschienen war, um die
Menschheit zu unterweisen.

Das Wort dharma-ksetra(ein Ort, an dem religiöse Rituale

vollzogen werden) ist bedeutsam, weil auf dem

Schlachtfeld von Kuruksetra die Höchste Persönlichkeit

Gottes auf der Seite Arjunas stand. Dhrtarastra , der Vater

der Kurus, hatte am endgültigen Sieg seiner Söhne starke

Zweifel, und so fragte er seinen Sekretär Sanjaya: "Was

taten meine Söhne und die Söhne Pandus?ì Er war sich

sicher, daß sich sowohl seine Söhne als auch die Söhne

seines jüngeren Bruders Pandu auf diesem Feld von
Kuruksetra versammelt hatten, um sich mit
Entschlossenheit zu bekriegen. Er wünschte keinen

Kompromiß zwischen den Vettern und Brüdern und wollte

über das Schicksal seiner Söhne auf dem Schlachtfeld

Gewißheit haben. Da es so arrangiert war, daß diese

Schlacht bei Kuruksetra gekämpft werden sollte, das an

einer anderen Stelle in den Veden als eine Stätte der

Verehrung - selbst für die Bewohner der himmlischen

Planeten - erwähnt wird, war Dhrtarastra  über den Einßuß

des heiligen Ortes auf den Ausgang der Schlacht von

großer Furcht erfüllt. Er wußte sehr wohl, daß dies Arjuna

und dessen Bruder günstig beeinßussen wurde, da sie alle

von Natur aus tugendhaft waren. Sanjaya war ein Schüler

Vyasas, und daher war er durch die Barmherzigkeit Vyasas

befähigt, das Schlachtfeld von Kuruksetra intuitiv vor sich

zu sehen, obwohl er sich in Dhrtarastra s Zimmer aufhielt.

Aus diesem Grunde also befragte ihn Dhrtarastra  über die

Lage auf dem Schlachtfeld.

Sowohl die Pandavas als auch die Söhne Dhrtarastra s

gehören zur selben Familie, doch wird hier Dhrtarastra s

Denkweise enthüllt. Er erhob mit wohlüberlegter Absicht

den Anspruch, nur seine Söhne seien Kurus, und schloß die

Söhne Pandus vom Familienerbe aus. Man, kann somit die

besondere Stellung Dhrtarastras in seiner Beziehung zu

seinen Neffen, den Söhnen Pandus, verstehen. Schon jetzt

Beginn kann man erwarten, daß ebenso, wie in einem

Reisfeld die nutzlosen Pßanzen ausgerissen werden, auf

dem religiösen Feld von Kuruksetra, wo der Vater der

Religion, Sri Krsna, anwesend war, die unerwünschten

Pßanzen wie Dhrtarastra s Sohn Duryodhana und andere

vernichtet werden und den wahrhaft religiösen Menschen

unter der Führung Yudhistihiras vom Herrn die Herrschaft

übertragen wird. Dies ist die Bedeutung der Worte dharmaksetre

und kuru-ksetre, wenn man sie einmal abgesehen
von ihrer geschichtlichen und vedischen Bedeutung
betrachtet.
VERS 2
Sanjaya sagte: O König, nachdem König Duryodhana
über die Armee geblickt hatte, die von den Söhnen
Pandus aufgestellt worden war, ging er zu seinem
Lehrer und sprach die folgenden Worte:
ERLÄUTERUNG
Dhrtarastra  war von Geburt an blind, und

unglückseligerweise mangelte es ihm auch an spiritueller

Sicht. Er wußte sehr wohl, daß seine Söhne in bezug auf

Religion gleichermaßen blind waren, und er war sicher, daß

sie sich niemals mit den Pandavas einigen konnten, die alle

von Geburt an fromm waren. Dennoch kamen ihm wegen

des Einßusses der Pilgerstätte Zweifel, und Sanjaya konnte

verstehen, aus welchem Grund er Fragen über die Lage auf

dem Schlachtfeld stellte. Er wollte den König daher

ermutigen und machte ihn warnend darauf aufmerksam,

daß seine Söhne nicht bereit waren, unter dem Einßuß der

heiligen Stätte irgendeinen Kompromiß zu schließen.

Sanjaya teilte dem König weiter mit, daß sein Sohn

Duryodhana sogleich zu seinem Oberbefehlshaber

Dronacarya ging, nachdem er die militärische Stärke der

Pandavas gesehen hatte, um ihn über die wirkliche Lage zu

unterrichten. Obwohl Duryodhana hier als der König

bezeichnet wird, mußte er dennoch, aufgrund der ernsten

Lage, zum Befehlshaber gehen. Er war daher durchaus

geeignet, Politiker zu sein. Aber Duryodhanas

diplomatische Scheinheiligkeit konnte nicht die Furcht

verbergen, die er verspürte, als er die militärische

Aufstellung der Pandavas sah.
VERS 3

O mein Lehrer, betrachte das gewaltige Heer der Söhne

Pandus, das dein intelligenter Schüler, der Sohn
Drupadas, so geschickt aufstellte.
ERLÄUTERUNG

Duryodhana, ein geschickter Diplomat, wollte auf die

Fehler Dronacaryas, des großen brahmaäa-

Oberbefehlshabers, aufmerksam machen. Dronacarya hatte

mit König Drupada, dem Vater Draupadis, die Arjunas

Gattin war, politische Streitigkeiten gehabt. Als Folge

dieser Auseinandersetzung vollzog Drupada ein großes

Opfer, durch das er die Segnung empfing, einen Sohn zu

haben, der fähig war, Dronacarya zu töten. Dronacarya

wußte dies sehr wohl, und doch zögerte er als großmütiger

brahmaäa nicht, dem Sohn Drupadas, Dhrstadyumna, alle

seine militärischen Geheimnisse anzuvertrauen, als dieser

ihm zur militärischen Ausbildung übergeben wurde. Auf

dem Schlachtfeld von Kuruksetra wählte Dhrstadyumna die

Seite der Pandavas, und er war es, der ihre Schlachtordnung

aufstellte, nachdem er die Kunst von Dronacarya erlernt

hatte. Duryodhana machte Dronacarya auf diesen Fehler

aufmerksam, damit dieser während des Kampfes wachsam

und unnachgiebig sei. Außerdem wollte er hierdurch darauf

hinweisen, daß Dronacarya in der Schlacht gegen die

Pandavas, die ebenfalls seine ihm lieben Schüler waren,

nicht ähnlich milde sein solle. Besonders Arjuna war sein

liebster und hervorragendsten Schüler. Duryodhana warnte

auch davor, daß solche Schonung im Kampf zu einer
Niederlage führen würde.
VERS 4

In diesem Heer gibt es viele heldenhafte Bogenschützen,

die Bhima und Arjuna im Kampf ebenbürtig sind. Auch

sind dort große Kämpfer wie Yuyudhana, Virata und
Drupada.
ERLÄUTERUNG
Obwohl Dhrstadyumna angesichts der hervorragenden

Fähigkeiten Dronacaryas auf dem Gebiet der Kriegführung

kein sehr großes Hindernis war, gab es dennoch viele

andere, die Anlaß zu Befürchtungen gaben. Sie werden von

Duryodhana als große Hindernisse auf dem Weg zum Sieg

bezeichnet, denn jeder einzelne von ihnen war ebenso

furchterregend wie Bhima und Arjuna. Er kannte die Stärke

Bhimas und Arjunas und verglich daher die anderen mit

ihnen.
VERS 5
Dort sind auch so bedeutende, heldenhafte und

mächtige Kämpfer wie Dhrstaketu, Cekitana, Kasiraja,

Purujit, Kuntibhoja und Saibya.
VERS 6

Dort stehen der gewaltige Yudhamanyu, der machtvolle

Uttamauja, der Sohn Subhadras und die Söhne

Draupadis. All diese Krieger sind große Wagenkämpfer.

VERS 7
O bester der brahmaäas, laß mich dir zu deiner

Information mitteilen, welche Hauptleute besonders

geeignet sind, meine Streitmacht zu führen.
VERS 8

Es gibt dort Persönlichkeiten wie dich selbst, Bhisma,

Karna, Krpa, Asvatthama, ViKarna und den Sohn

Somadattas mit Namen Bhurisrava, die in der Schlacht

immer siegreich sind.
ERLÄUTERUNG
Duryodhana erwähnte die herausragenden Helden der

Schlacht, die alle immer siegreich sind. ViKarna ist der

Bruder Duryodhanas; Asvatthama ist der Sohn

Dronacaryas, und Saumadatti oder Bhurisrava ist der Sohn

des Königs der Bhaliker. Karna ist der Halbbruder Arjunas,

da er von Kuntí geboren wurde, ehe sie König Pandu

heiratete. Krpacarya heiratete die Zwillingsschwester

Dronacaryas.
VERS 9

Es gibt noch viele andere Helden, die bereit sind, um

meinetwillen ihr Leben zu wagen. Sie alle sind sehr gut

mit verschiedenartigen Waffen ausgerüstet, und alle

sind in der militärischen Wissenschaft erfahren.
ERLÄUTERUNG

Was die anderen betrifft - wie Jayadratha, Kçtavarma oder

Salya -, so sind alle entschlossen, für Duryodhana ihr

Leben zu opfern. Mit anderen Worten: Es ist bereits klar,

daß sie alle in der Schlacht von Kuruksetra sterben werden,

weil sie sich der Partei des sündigen Duryodhana
angeschlossen haben. Aufgrund der oben erwähnten
vereinigten Kräfte seiner Freunde war Duryodhana
natürlich von seinem Sieg überzeugt.
VERS 10
Unsere Stärke ist unermeßlich, und wir werden von

Großvater Bhisma vollendet beschützt, wohingegen die

Stärke der Pandavas, die von Bhima sorgfältig
beschützt werden, begrenzt ist.
ERLÄUTERUNG
Hier wird von Duryodhana das Stärkeverhältnis

abgeschätzt. Er glaubt, die Stärke seiner Streitkräfte sei

unermeßlich, da sie der erfahrenste General, Großvater

Bhisma, besonders beschütze. Demgegenüber seien die

Streitkräfte der Pandavas begrenzt, da diese ein weniger

erfahrener General, nämlich Bhima, beschütze, der in der

Gegenwart Bhismas wie ein Zwerg erscheine. Duryodhana

hatte Bhima immer schon beneidet, da er sehr genau wußte,

daß er nur von Bhima getötet werden würde, falls er

überhaupt sterben sollte; aber gleichzeitig war er durch die

Gegenwart Bhismas, der ein weitaus überlegenerer Feldherr

war, von seinem Sieg überzeugt. Seine Schlußfolgerung,

daß er aus der Schlacht siegreich hervorgehen würde,

beruhte auf genauen Überlegungen.
VERS 11

Jetzt müßt ihr Großvater Bhisma volle Unterstützung

gewähren, indem ihr eure jeweiligen strategischen
Punkte an der Heeresfront einnehmt.
ERLÄUTERUNG

Nachdem Duryodhana die Tapferkeit Bhismas gepriesen

hatte, bedachte er, andere könnten glauben, sie seien als

weniger wichtig angesehen worden, und so versuchte er in

seiner üblichen diplomatischen Art, die Lage mit den

obigen Worten zu bereinigen. Er betonte, Bhismadeva sei

zweifellos der größte Held, doch sei er ein alter Mann, und

daher solle jeder besonders darauf achten, ihm von allen

Seiten Deckung zu geben. Er mochte in den Kampf

verwickelt werden, und wenn Bhisma auf einer Seite völlig

in Anspruch genommen sei, könne der Feind dies unter

Umständen ausnutzen. Daher sei es wichtig, daß die

anderen Helden ihre strategischen Stellungen nicht

verlassen und so dem Feind gestatten würden, die
Schlachtreihe zu durchbrechen. Duryodhana spürte

deutlich, daß der Sieg der Kurus von der Gegenwart

Bhismadevas abhing. Er war sich der vollen Unterstützung

Bhismadevas und Dronacaryas in der Schlacht gewiß, da er

sehr wohl wußte, daß sie nicht ein einziges Wort gesagt

hatten, als Arjunas Gattin DraupadÖ sie um Gerechtigkeit

angeßeht hatte, als sie in völliger Hilßosigkeit gezwungen

wurde, sich vor allen großen Generälen in der

Versammlung zu entkleiden. Obwohl er wußte, daß die

beiden Feldherren eine gewisse Zuneigung zu den

Pandavas hegten, hoffte er, sie würden jetzt solche

Zuneigung vollständig aufgeben, ebenso wie sie es
während gemeinsamer Glücksspiele getan hatten.
VERS 12

Darauf blies Bhisma, der große, heldenhafte Ahnherr

der Kuru-Dynastie, der Großvater der Kämpfer, sehr

laut sein Muschelhorn. Es dröhnte wie das Brüllen eines

Löwen und erfüllte Duryodhana mit Freude.
ERLÄUTERUNG

Der Ahnherr der Kuru-Dynastie konnte verstehen, was im

Herzen seines Enkels Duryodhana vorging, und aus

natürlichem Mitgefühl versuchte er, ihn anzuspornen,

indem er sehr laut in sein Muschelhorn blies, was seiner

löwengleichen Stellung angemessen war. Durch die

Symbolik des Muschelhorns gab er aber zugleich seinem

niedergeschlagenen Enkel indirekt zu verstehen, daß er

keine Chance habe, in der Schlacht siegreich zu sein, da der

Höchste Herr, Sri Krsna, auf der anderen Seite stehe.

Nichtsdestoweniger war es seine Pflicht, den Kampf

durchzuführen, und er würde dabei keine Mühen scheuen.

VERS 13

Da ertönten plötzlich alle Muschelhörner, Signalhörner,

Trompeten, Trommeln und Hörner, und der
gemeinsame Klang war gewaltig.
VERS 14
Auf der Gegenseite ließen sowohl Krsna als auch
Arjuna, die auf einem großen, von weißen Pferden

gezogenen Streitwagen standen, ihre transzendentalen

Muschelhörner erschallen.
ERLÄUTERUNG
Im Gegensatz zu dem von Bhismadeva geblasenen

Muschelhorn werden die Muschelhörner in den Händen

von Krsna und Arjuna als transzendental bezeichnet. Das

Erschallen der transzendentalen Muschelhörner deutete an,

daß es für die andere Seite keine Hoffnung auf Sieg gab, da

Krsna auf der Seite der Pandavas stand. "Sieg ist immer mit

solchen Menschen, die den Söhnen Pandus gleichen, da Sri

Krsna bei ihnen ist." Und wann immer und wo immer der

Herr gegenwärtig ist, dort findet man auch die Göttin des

Glücks, die niemals allein, ohne ihren Gemahl, lebt. Daher

erwarteten Arjuna Sieg und Glück, wie der transzendentale

Klang, der aus dem Muschelhorn Krsnas erschallte,

andeutete. Außerdem war der Streitwagen, auf dem die

beiden Freunde saßen, ein Geschenk Agnis, des

Feuergottes, an Arjuna, was bedeutete, daß man mit diesem

Streitwagen, wo immer er in den drei Welten gezogen

werden würde, alle Himmelsrichtungen erobern konnte.

VERS 15
Darauf ließ Sri Krsna Sein Muschelhorn mit Namen

Pancajanya erschallen; Arjuna blies in das seine, das

Devadatta, und Bhima, der unersättliche Esser und
Vollbringer herkulischer Taten, blies in sein
furchterregendes Muschelhorn namens Paundram.
ERLÄUTERUNG

Sri Krsna wird in diesem Vers als Hrsikesa bezeichnet, da

Er der Eigentümer aller Sinne ist. Die Lebewesen sind

winzige Bestandteile von Ihm, und daher sind die Sinne der

Lebewesen ebenfalls Bestandteile Seiner Sinne. Die

Unpersönlichkeitsphilosophen wissen die Sinne der

Lebewesen nicht zu schätzen und sind deshalb immer

bestrebt, die Lebewesen als ohne Sinne oder unpersönlich

zu beschreiben. Der Herr, der in den Herzen aller

Lebewesen weilt, lenkt ihre Sinne, doch lenkt Er sie je nach

dem Grad der Hingabe des Lebewesens, und im Falle eines

reinen Gottgeweihten lenkt Er die Sinne unmittelbar. Hier

auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra lenkt der Herr die

transzendentalen Sinne Arjunas direkt, und so erklärt es

sich, daß Er in diesem Vers als Hrsikesa bezeichnet wird.

Der Herr hat verschiedene Namen, je nach Seinen

verschiedenen Betätigungen. Zum Beispiel trägt Er den

Namen Madhusudana, weil Er den Dämon Madhu tötete;

Sein Name ist Govinda, weil Er den Kühen und den Sinnen

Freude schenkt; Sein Name ist Vasudeva, weil Er als der

Sohn Vasudevas erschien; Sein Name ist Devaki-nandana,

weil Er Devaki als Seine Mutter annahm; Sein Name ist

Yaèoda-nandana, weil Er mit den Spielen Seiner Kindheit

Yasoda in Vçndavana beglückte, und Sein Name lautet

Partha-sarathi, weil er der Wagenlenker Seines Freundes

Arjuna war. In ähnlicher Weise trägt Er den Namen
Hrsikesa, weil Er Arjuna auf dem Schlachtfeld von
Kuruksetra Führung gab.

Arjuna wird in diesem Vers als Dhanaijaya bezeichnet,

weil er seinem älteren Bruder dabei half, Reichtum zu

erlangen, als der König diesen benötigte, um die Ausgaben

für verschiedene Opfer zu bestreiten. In ähnlicher Weise ist

Bhima als Vçkodara bekannt, weil er sowohl ungeheure

Mengen essen als auch herkulische Taten vollbringen

konnte, wie zum Beispiel den Dämon HiÅimba töten. Der

Klang der verschiedenen Arten von Muschelhörnern, die

die verschiedenen Persönlichkeiten auf seiten der Pandavas

bliesen, angefangen mit dem Muschelhorn des Herrn, war

für die kampfbereiten Soldaten sehr ermutigend. Auf der

anderen Seite gab es keine solche Ermutigung; noch waren

der Herr, der Höchste Lenker, oder die Glücksgöttin

gegenwärtig. Es war den Kurus also vorherbestimmt, die

Schlacht zu verlieren - das war die Botschaft, die der Klang

der Muschelhörner verkündete.
VERS 16-18
König Yudhistihira, der Sohn Kuntis, ließ sein

Muschelhorn, das Anantavijaya, ertönen, und Nakula

und Sahadeva bliesen das Sughosa und das
Manipuspaka. Der große Bogenschütze, nämlich der
König von Kasi, der große Kämpfer Sikhandi,

Dhrstadyumna, Virata und der unbezwingbare Satyaki,

Drupada, die Söhne Draupadis und die anderen, o
König, wie der Sohn Subhadras, ließen ebenfalls,
mächtig bewaffnet, ihre jeweiligen Muschelhörner
erschallen.
ERLÄUTERUNG

Sanjaya gab König Dhrtarastra  mit sehr viel Feingefühl zu

verstehen, daß seine unkluge Politik, die Söhne Pandus zu

betrügen und sich darum zu bemühen, die eigenen Söhne

auf den Thron des Königreichs zu bringen, nicht sehr

lobenswert sei.

Die Vorzeichen deuteten schon jetzt klar darauf hin, daß

die gesamte Kuru-Dynastie in dieser großen Schlacht

vernichtet werden würde. Angefangen mit dem Ahnherrn,

Bhisma, bis hinab zu den Enkeln, wie Abhimanyu und

anderen - Könige aus vielen Reichen der Erde nicht

ausgenommen -, waren alle dort Anwesenden dem

Untergang geweiht. Die ganze Katastrophe war die Schuld

König Dhrtarastras, weil er die Pläne seiner Söhne

unterstützte.
VERS 19
Der Klang der verschiedenen Muschelhörner wurde

tosend, und da er sowohl im Himmel als auch auf der

Erde widerhallte, zerriß er die Herzen der Söhne
Dhrtarastras.
ERLÄUTERUNG
Als Bhisma und die anderen Krieger auf der Seite
Duryodhanas ihre jeweiligen Muschelhörner ertönen
ließen, gab es auf der Seite der Pandavas kein

Herzzerreißen. Vorkommnisse dieser Art werden nicht

erwähnt, doch heißt es in eben diesem Vers, daß die Herzen

der Söhne Dhrtarastra s von den Klängen zerrissen wurden,

die die Partei der Pandavas erzeugte. Dies ist auf die

Pandavas und ihr Vertrauen auf Sri Krsna zurückzuführen.

Jemand, der beim Höchsten Herrn Zuflucht sucht, hat selbst

inmitten des größten Unheils nichts zu fürchten.
VERS 20
O König, da nahm Arjuna, der Sohn Pandus, der auf
seinem Streitwagen saß und dessen Fahne mit dem

Zeichen Hanumans versehen war, seinen Bogen auf und

machte sich bereit, seine Pfeile abzuschießen, während

er nach den Söhnen Dhrtarastra s blickte. O König,

daraufhin sprach Arjuna zu Hrsikesa [Krsna] die
folgenden Worte.
ERLÄUTERUNG

Die Schlacht sollte jeden Augenblick beginnen. Man kann

aus der obigen Darstellung verstehen, daß die Söhne

Dhrtarastra s entmutigt waren, als sie die unerwartete

Aufstellung der Streitkräfte der Pandavas sahen, die durch

die direkten Unterweisungen Sri Krsnas auf dem
Schlachtfeld geführt wurden.
Das Emblem Hanumans auf der Fahne Arjunas ist ein

weiteres Zeichen des Sieges, denn Hanuman stellte sich in

der Schlacht zwischen Rama und Ravana auf die Seite Sri

Ramas, und Sri Rama war siegreich. Jetzt waren sowohl

Rama als auch Hanuman auf dem Streitwagen Arjunas

anwesend, um Arjuna beizustehen. Sri Krsna ist Rama

Selbst, und wo immer Sri Rama Sich aufhält, dort sind auch

Sein ewiger Diener Hanuman und Seine ewige Gefährtin

SÖta, die Glücksgöttin, anzutreffen.

Es gab daher für Arjuna keinen Grund, irgendwelche

Feinde zu fürchten. Und vor allem war der Herr der Sinne,

Sri Krsna, persönlich gegenwärtig, um ihm Weisungen zu

erteilen. Was also die Durchführung der Schlacht betraf, so

standen Arjuna alle guten Ratschläge zur Verfügung. In

solch glückverheißenden Umständen, die vom Herrn für

Seinen Geweihten geschaffen worden waren, lagen die

Zeichen sicheren Sieges.
VERS 21-22
Arjuna sagte: O Unfehlbarer, bitte lenke meinen

Streitwagen zwischen die beiden Heere, damit ich sehen

kann, wer hier anwesend ist, wen es zu kämpfen gelüstet

und mit wem ich mich in dieser großen Schlacht zu
messen habe.
ERLÄUTERUNG

Obwohl Sri Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist,

betätigte Er Sich aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit im

Dienst Seines Freundes. Er fehlt niemals darin, Seine

Geweihten zuneigungsvoll zu behandeln, und deshalb wird

Er hier als unfehlbar bezeichnet. Als Wagenlenker mußte

Er Arjunas Befehle ausführen, und da Er nicht zögerte, dies

zu tun, wird Er als unfehlbar bezeichnet. Obwohl Er die

Rolle des Wagenlenkers Seines Geweihten angenommen

hatte, war Seine Stellung als der Höchste nicht in Frage

gestellt. Unter allen Umständen ist Er die Höchste

Persönlichkeit Gottes, Hrsikesa, der Herr der Gesamtheit

aller Sinne. Die Beziehung zwischen dem Herrn und

Seinem Diener ist sehr süß und transzendental. Der Diener

ist immer bereit, dem Herrn einen Dienst zu leisten, und in

ähnlicher Weise sucht auch der Herr immer nach einer

Gelegenheit, Seinem Geweihten irgendeinen Dienst zu

erweisen. Er findet größere Freude daran, wenn Sein reiner

Geweihter die vorteilhafte Stellung einnimmt, Ihm zu

befehlen, als wenn Er es ist, der Befehle erteilt. Da Er der

Meister ist, muß jeder Seinen Anordnungen nachkommen -

niemand steht über Ihm, der Ihm Befehle geben könnte -,

doch wenn Er sieht, daß ein reiner Gottgeweihter Ihm

befiehlt, erfährt Er transzendentale Freude, obwohl Er der

unfehlbare Herr aller Umstände ist.

Als ein reiner Geweihter des Herrn hatte Arjuna kein

Verlangen, mit seinen Vettern und Brüdern zu kämpfen,

doch durch den Starrsinn Duryodhanas, der niemals

irgendeinem Friedensangebot zugestimmt hatte, war er

gezwungen, auf das Schlachtfeld zu kommen. Voller

Erwartung wollte er deshalb sehen, wer die auf dem

Schlachtfeld versammelten führenden Persönlichkeiten

waren. Obwohl eine Friedensbemühung auf dem

Schlachtfeld ausgeschlossen war, wollte er sie dennoch

wiedersehen und sehen, wie sehr sie danach drängten,

diesen unerwünschten Krieg zu führen.
VERS 23

Laß mich diejenigen sehen, die hierher gekommen sind,

um zu kämpfen und so den bösartigen Sohn
Dhrtarastra s zu erfreuen.
ERLÄUTERUNG
Es war ein offenes Geheimnis, daß Duryodhana in

Zusammenarbeit mit seinem Vater Dhrtarastra  durch üble

Machenschaften das Königreich der Pandavas an sich

reißen wollte. Daher mußten all jene die sich Duryodhana

angeschlossen hatten, von gleicher Gesinnung sein. Arjuna

wollte sie vor Beginn des Kampfes auf dem Schlachtfeld

sehen, nur um zu erfahren, um wen es sich handelte; er

hatte nicht die Absicht, ihnen Friedensverhandlungen

vorzuschlagen. Es war auch eine Tatsache, daß er sie sehen

wollte, um die Stärke abzuschätzen, der er zu begegnen

hatte, obgleich er sich des Sieges völlig sicher war, da

Krsna an seiner Seite saß.
VERS 24
Sanjaya sprach: O Nachkomme Bharatas, so von
Arjuna angesprochen lenkte Sri Krsna den

vortrefßichen Streitwagen zwischen die Heere beider

Parteien.
ERLÄUTERUNG

In diesem Vers wird Arjuna als GuÅakeèa bezeichnet.

GuÅaka bedeutet ÑSchlafì, und jemand, der den Schlaf

bezwingt, wird guÅakeèa genannt. Schlaf bedeutet auch

Unwissenheit. Also bezwang Arjuna dank seiner
Freundschaft mit Krsna sowohl Schlaf als auch

Unwissenheit. Als ein großer Geweihter Krsnas konnte er

Krsna nicht einmal für einen Augenblick vergessen, da dies

das Wesen eines Gottgeweihten ist. Ob im Wach- oder im

Schlafzustand - ein Geweihter des Herrn kann niemals

davon frei sein, an Krsnas Namen, Gestalt, Eigenschaften

und Spiele zu denken. So kann ein Geweihter Krsnas

sowohl Schlaf als auch Unwissenheit bezwingen, indem er

einfach unablässig an Krsna denkt. Das nennt man Krsna-

Bewußtsein oder samadhi. Als Hrsikesa oder der Lenker

der Sinne und des Geistes eines jeden Lebewesens konnte

Krsna Arjunas Absicht verstehen, als dieser Ihm befahl, den

Streitwagen zwischen beide Heere zu lenken. Er folgte also

dieser Anweisung und sprach dann wie folgt.
VERS 25
In Gegenwart von Bhisma, Drona und allen anderen
Herrschern der Welt sprach Hrsikesa, der Herr: O

Partha, sieh nur all die Kurus, die sich hier versammelt

haben.
ERLÄUTERUNG

Als die Überseele aller Lebewesen konnte Sri Krsna

verstehen, was in Arjunas Geist vorging. Der Gebrauch des

Wortes Hrsikesa in diesem Zusammenhang weist darauf

hin, daß Er alles wußte. Und auch das Wort partha, was

soviel bedeutet wie "Sohn Kuntis oder Prthas", ist im

Zusammenhang mit Arjuna ähnlich wichtig. Als Freund

wollte Krsna Arjuna zu verstehen geben, daß Er

eingewilligt hatte, sein Wagenlenker zu sein, weil Arjuna

der Sohn Prthas, der Schwester Seines Vaters Vasudeva,

war. Was aber meinte Krsna nun, als Er zu Arjuna sagte

"Betrachte nur die Kurus"? Wollte Arjuna jetzt innehalten

und nicht kämpfen? Krsna erwartete niemals so etwas von

dem Sohn Seiner Tante Prtha. Die Geisteshaltung Arjunas

wurde so vom Herrn in freundschaftlichem Scherzen
vorhergesagt.
VERS 26
Da konnte Arjuna, der mitten zwischen den Heeren

beider Parteien stand, seine Väter, Großväter, Lehrer,

Onkel mütterlicherseits, Brüder, Söhne, Enkel, Freunde

und auch seine Schwiegerväter und seine Gönner
erkennen - alle waren dort versammelt.
ERLÄUTERUNG
Auf dem Schlachtfeld konnte Arjuna alle möglichen

Verwandten sehen. Er erkannte Persönlichkeiten wie

Bhurisrava, die Altersgenossen seines Vaters waren, sowie

seine Großväter Bhisma und Somadatta, Lehrer wie

Dronacarya und Krpacarya, Onkel mütterlicherseits wie

Salya und Sakuni, Brüder wie Duryodhana, Söhne wie

Laksmaäa, Freunde wie Asvatthama, Gönner wie

Kçtavarma usw. Auch konnte er in den Heeren viele seiner

Freunde erkennen.
VERS 27

Als der Sohn Kuntis, Arjuna, all diese verschiedenen

Grade von Freunden und Verwandten sah, wurde er
von Mitleid überwältigt und sprach wie folgt.
VERS 28

Arjuna sagte: Mein lieber Krsna, beim Anblick meiner

Freunde und Verwandten, die so Kampflustig vor mir

stehen, fühle ich, wie mir die Glieder zittern und mein

Mund austrocknet.
ERLÄUTERUNG

Jeder, der echte Hingabe an den Herrn besitzt, birgt in sich

alle guten Eigenschaften, die man bei göttlichen Menschen

oder bei den Halbgöttern findet, wohingegen dem

Nichtgottgeweihten göttliche Eigenschaften fehlen, mag er

durch Bildung und Kultur auf dem Gebiet materieller

Befähigungen auch noch so fortgeschritten sein. Daher

wurde Arjuna, als er seine Familienangehörigen, seine

Freunde und Verwandten auf dem Schlachtfeld gesehen

hatte, sogleich von Mitleid mit ihnen überwältigt, die sie

sich entschieden hatten, gegeneinander zu kämpfen. Was

seine eigenen Soldaten betraf, so hatte er von Anfang an

Mitgefühl, doch empfand er jetzt auch Mitleid mit den

Soldaten der gegnerischen Partei, da er ihren

unausweichlichen Tod voraussah. Bei diesen Gedanken

begannen seine Glieder zu zittern, und sein Mund wurde

trocken. Es verwundene ihn eigentlich, sie so Kampflustig

zu sehen. Nahezu die gesamte Gemeinschaft, das heißt alle

Blutsverwandten Arjunas, war gekommen, um gegen ihn zu

kämpfen. Dies überwältigte einen gutherzigen

Gottgeweihten wie Arjuna. Obwohl es hier nicht erwähnt

wird, kann man sich vorstellen, daß nicht nur Arjunas

Glieder zitterten und sein Mund austrocknete, sondern daß

er auch aus Mitleid weinte. Solche Merkmale Arjunas

beruhten nicht auf Schwäche, sondern auf Weichherzigkeit,

einem Merkmal eines reinen Gottgeweihten. Deshalb heißt

es:
"Wer unerschütterliche Hingabe an die Höchste

Persönlichkeit Gottes hat, besitzt alle guten Eigenschaften

der Halbgötter. Wer aber kein Geweihter des Herrn ist,

verfügt nur über materielle Fähigkeiten, die von geringem

Wert sind. Dies ist so, weil er sich auf der Ebene des

Geistes bewegt und mit Sicherheit von der flimmernden

materiellen Energie betört wird." (SB. 5.18.12)
VERS 29

Mein ganzer Körper zittert, und meine Haare sträuben

sich. Mein Bogen Gandiva gleitet mir aus der Hand und

meine Haut brennt.
ERLÄUTERUNG

Es gibt zwei Arten des Körperzitterns und zwei Arten des

Sichsträubens von Haaren. Solche Phänomene treten

entweder in großer spiritueller Ekstase oder aus großer

Angst unter materiellen Bedingungen auf. Im Falle

transzendentaler Erkenntnis gibt es keine Angst. Arjunas

Merkmale in dieser Lage entspringen materieller Angst,

nämlich der Befürchtung, das Leben zu verlieren. Diese

Tatsache ist auch an anderen Merkmalen erkennbar: so

wurde er zum Beispiel so ungeduldig, daß ihm sein

berühmter Bogen Gandiva aus den Händen glitt, und weil

sein Herz im Innern brannte, spürte er ein Brennen auf der

Haut. All diese Dinge rühren von einer materiellen

Lebensauffassung her.
VERS 30
Ich bin jetzt nicht imstande, hier noch länger

stehenzubleiben. Ich vergesse mich, und mein Geist

taumelt. Ich sehe nur Unheil drohen, o Töter des
Dämons Kesí.
ERLÄUTERUNG

Aufgrund seiner Unruhe war es Arjuna nicht möglich,

länger auf dem Schlachtfeld zu bleiben, und er vergaß sich,

weil sein Geist schwach war. Wenn jemand zu sehr an

materiellen Dingen hängt, führt ihn dies in einen

verwirrenden Daseinszustand. Bhayam dvitiyabinivesatah:

Solche Furcht und der Verlust des geistigen Gleichgewichts

treten bei Menschen auf, die zu sehr von materiellen

Umständen beeinßußt werden. Arjuna sah vor seinem

geistigen Auge nur Unglück auf dem Schlachtfeld - er wäre

nicht einmal glücklich, wenn er den Feind besiegte. Das

Wort nimitta ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung.

Wenn ein Mann in seinen Erwartungen nur Enttäuschung

sieht, denkt er: "Warum bin ich Überhaupt hier?" Jeder ist

an sich selbst und seinem eigenen Wohl interessiert.

Niemand interessiert sich für das Höchste Selbst. Von

Arjuna wird erwartet, daß er sein Eigeninteresse
zurückstellt und sich dem Willen Krsnas fügt, der

jedermanns wahres Selbstinteresse ist. Die bedingte Seele

vergißt dies und erleidet deshalb materielle Schmerzen.

Arjuna dachte, sein Sieg in der Schlacht werde für ihn nur

ein Grund zum Klagen sein.
VERS 31

Ich kann nicht sehen, wie etwas Gutes entstehen kann,

wenn ich meine eigenen Verwandten in dieser Schlacht

töte; noch kann ich, mein lieber Krsna,

Folgeerscheinungen wie Sieg, Königreich oder Glück

begehren.
ERLÄUTERUNG
Ohne zu wissen, daß Visnu oder Krsna ihr wahres

Selbstinteresse ist, fühlen sich bedingte Seelen zu

körperlichen Beziehungen hingezogen, in der Hoffnung,

auf diese Weise glücklich zu werden. In ihrer Verblendung

vergessen sie, daß Krsna auch die Ursache materiellen

Glücks ist. Arjuna scheint sogar die für einen ksatriya

geltenden Moralgesetze vergessen zu haben. Man sagt, daß

zwei Arten von Menschen in den Sonnenplaneten eingehen

können, der so mächtig und gleißend ist, nämlich der

ksatriya, der in den vordersten Reihen der Schlachtordnung

unter Krsnas direkten Befehlen fällt, und der Mensch im

Lebensstand der Entsagung, der spiritueller Kultur absolut

hingegeben ist. Arjuna widerstrebt es sogar, seine Feinde zu

töten, von seinen Verwandten ganz zu schweigen. Er

dachte, es gäbe kein Glück in seinem Leben, wenn er seine

Verwandten tötete, und deshalb wollte er nicht kämpfen,

ebenso wie ein Mensch, der keinen Hunger verspürt, nichts

kochen möchte. Er hat sich jetzt entschlossen, in den Wald

zu gehen und ein einsames Leben in Enttäuschung zu

verbringen. Doch als ksatriya braucht er ein Königreich für

seinen Unterhalt, denn ksatriyas können nicht irgendeiner

anderen Beschäftigung nachgehen. Aber Arjuna besaß kein

Königreich. Arjunas einzige Möglichkeit, ein Königreich

zu gewinnen, bestand darin, mit seinen Vettern und

Brüdern zu kämpfen und das Königreich zurückzufordern,

das er von seinem Vater geerbt hatte. Aber das möchte er

nicht. Deshalb hält er es für das beste, in den Wald zu

gehen, um dort ein zurückgezogenes Leben der
Enttäuschung zu fristen.
VERS 32-35
O Govinda, was nützen uns Königreiche, Glück oder

sogar das nackte Leben, wenn all jene, für die wir diese

Dinge begehren mögen, jetzt auf dem Schlachtfeld in

Reih und Glied stehen? O Madhusudana, wenn Lehrer,

Väter, Söhne, Großväter, Onkel mütterlicherseits,

Schwiegerväter, Enkel, Schwäger und alle Verwandten

bereit sind, ihr Leben und ihre Besitztümer aufzugeben,

und vor mir stehen - warum sollte ich da den Wunsch

haben, sie zu töten, wenngleich ich selbst überleben

mag? O Erhalter aller Geschöpfe, ich bin nicht bereit,

mit ihnen zu kämpfen, nicht einmal, wenn ich dafür die

drei Welten bekäme, geschweige denn diese Erde.
ERLÄUTERUNG

Arjuna sprach Sri Krsna als Govinda an, weil Krsna für die

Kühe und die Sinne der Gegenstand aller Freude ist. Indem

er dieses bedeutungsvolle Wort gebraucht, deutet Arjuna

an, was seine Sinne zufriedenstellen wird. Obwohl Govinda

nicht dafür da ist, unsere Sinne zu befriedigen, ist es doch

so, daß dann, wenn wir die Sinne Govindas erfreuen,

unsere eigenen Sinne von selbst zufrieden sind. Im

materiellen Bewußtsein möchte jeder seine eigenen Sinne

befriedigen, und Gott soll der Lieferant für diese

Befriedigung sein. Der Herr wird die Sinne der Lebewesen

in dem Maße befriedigen, wie sie es verdienen, doch nicht

in dem Maße, wie es sie vielleicht gelüstet. Wenn man

jedoch die entgegengesetzte Richtung einschlägt, das heißt

versucht, die Sinne Govindas zu erfreuen, ohne dabei nach

eigener Sinnenbefriedigung zu trachten, gehen durch die

Gnade Govindas alle Wünsche des Lebewesens in
Erfüllung.

Hier zeigt sich ein wenig von Arjunas tiefer Zuneigung zu

Gemeinschaft und Familienangehörigen, da er natürliches

Mitleid mit ihnen empfindet. Er ist daher nicht bereit zu

kämpfen. Jeder will Freunden und Verwandten seinen

Reichtum zeigen, aber Arjuna befürchtet, daß alle seine

Verwandten und Freunde auf dem Schlachtfeld getötet

werden und daß er nach dem Sieg seinen Reichtum mit

ihnen nicht teilen kann. Dies ist eine typische Überlegung

im materiellen Leben. Das transzendentale Leben ist jedoch

anders. Da ein Gottgeweihter die Wünsche des Herrn

erfüllen möchte, kann er, wenn der Herr es will, alle Arten

von Reichtum für den Dienst des Herrn annehmen, und

wenn der Herr es nicht will, sollte er keinen Heller

annehmen. Arjuna wollte seine Verwandten nicht töten,

und wenn es aus irgendeinem Grunde notwendig war, sie

zu töten, wollte er, daß Krsna sie persönlich tötete. Zu

diesem Zeitpunkt wußte er noch nicht, daß Krsna sie bereits

getötet hatte, bevor sie auf das Schlachtfeld kamen, und daß

er nur ein Werkzeug Krsnas werden sollte. Diese Tatsache

wird in späteren Kapiteln deutlich werden. Als ein

natürlicher Geweihter des Herrn wollte sich Arjuna an

seinen ruchlosen Vettern nicht rächen; doch es war der Plan

des Herrn, daß sie alle getötet werden sollten. Der

Geweihte des Herrn rächt sich nicht an einem Übeltäter;

aber der Herr duldet kein Unrecht, das Seinem Geweihten

von Halunken zugefügt wurde. Der Herr kann jemand

verzeihen, wenn es Ihn Selbst betrifft, doch vergibt Er

niemandem, der Seinen Geweihten Leid zugefügt hat.

Deshalb war der Herr entschlossen, die Halunken zu töten,

obwohl Arjuna ihnen verzeihen wollte.
VERS 36
Sünde wird über uns kommen, wenn wir solche

Angreifer erschlagen. Deshalb ist es nicht richtig, die

Söhne Dhrtarastra s und unsere Freunde zu töten. Was

können wir schon gewinnen, o Krsna, Gemahl der

Glücksgöttin, und wie können wir glücklich sein, wenn

wir unsere eigenen Verwandten erschlagen?
ERLÄUTERUNG

Vedischen Unterweisungen gemäß gibt es sechs Arten von

Angreifern: (1) jemand, der andere vergiftet; (2) jemand,

der das Haus in Brand setzt; (3) jemand, der mit tödlichen

Waffen angreift; (4) jemand, der Besitztum plündert; (5)

jemand, der eines anderen Land besetzt, und (6) jemand,

der eines anderen Frau entführt. Solche Angreifer müssen

sofort getötet werden, und man begeht keine Sünde, wenn

solche Angreifer das Leben verlieren. Für einen

gewöhnlichen Menschen ist es durchaus angebracht, solche

Angreifer zu töten; doch Arjuna war kein gewöhnlicher

Mensch. Dem Charakter nach war er ein Heiliger, und

deshalb wollte er sich ihnen gegenüber wie ein solcher

verhalten; aber solche Art von Heiligkeit ist nichts für einen

ksatriya. Obwohl es notwendig ist, daß ein verantwortlicher

Mensch in der Verwaltung eines Staates heilige

Eigenschaften hat, sollte er kein Feigling sein. Sri Rama

zum Beispiel war so fromm, daß sich alle Menschen

wünschten, in Seinem Königreich (Rama-rajya) zu leben,

aber Sri Rama zeigte nie auch nur die geringsten Anzeichen

von Feigheit. Ravana griff Rama an, da er Ramas Frau,

SÖta, raubte, doch Rama erteilte ihm ausreichende Lehren,

die in der Geschichte der Welt nicht ihresgleichen finden.

In Arjunas Fall sollte man indes die besondere Art der

Angreifer bedenken, nämlich sein eigener Großvater, der

eigene Lehrer, Freunde, Söhne, Enkel usw. Ihretwegen

dachte Arjuna, daß er nicht die schweren Schritte

unternehmen sollte, die bei gewöhnlichen Angreifern

notwendig sind. Außerdem wird heiligen Menschen

angeraten zu verzeihen. Solche Anweisungen für heilige

Menschen sind wichtiger als jeder politische Notstand.

Arjuna war der Meinung, es sei besser, seinen Verwandten

aus religiösen Gründen zu verzeihen und ein heiliges

Verhalten zu bewahren, als sie aus politischen Erwägungen

zu töten. Er hielt daher solches Töten, nur um zeitweiligen,

körperlichen Glücks willen, nicht für vorteilhaft.

Schließlich sind Königreiche und andere so gewonnene

materielle Freuden nicht beständig; warum sollte er also

sein Leben und seine ewige Erlösung aufs Spiel setzen,

indem er seine eigenen Verwandten tötete? Daß Arjuna

Krsna als "Madhava" oder "Gemahl der Glücksgöttin"

ansprach, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls von

Bedeutung. Er wollte darauf hinweisen, daß Krsna als

Gemahl der Glücksgöttin ihn nicht dazu verleiten sollte,

sich mit etwas zu befassen, das letztlich nur Unglück

bringen wurde. Krsna jedoch bringt niemandem Unglück,

vor allem nicht Seinen Geweihten.
VERS 37-38
O Janardana, zwar sehen diese Männer, von Gier

überwältigt, keinen Fehler darin, die eigene Familie zu

töten oder mit Freunden zu streiten, aber warum sollten

wir, im Wissen um diese Sünde, genauso handeln?
ERLÄUTERUNG

Ein ksatriya darf sich eigentlich nicht weigern, an einem

Kampf oder Glücksspiel teilzunehmen, wenn er von einer

rivalisierenden Partei dazu aufgefordert wird. Gemäß dieser

Verpflichtung durfte sich Arjuna also im Grunde nicht

weigern zu kämpfen, da er von der Partei Duryodhanas

herausgefordert worden war. In diesem Falle jedoch, so

überlegte Arjuna, mochte die andere Seite den

Auswirkungen einer solchen Herausforderung gegenüber

blind sein. Arjuna hingegen konnte die üblen Folgen

voraussehen und wollte die Herausforderung deshalb nicht

annehmen. Eine VerPflichtung ist erst dann wirklich

bindend, wenn die Auswirkung gut ist - wenn aber die

Auswirkung anders geartet ist, kann niemand verPflichtet

werden. Indem Arjuna so das Für und Wider in Betracht

zog, entschloß er sich, nicht zu kämpfen.
VERS 39
Mit der Zerstörung der Dynastie wird die ewige

Familientradition vernichtet, und so wird der Rest der

Familie in irreligiöse Praktiken verwickelt.
ERLÄUTERUNG

Im System der varnasrama-Einrichtung gibt es viele

Prinzipien religiöser Traditionen, die den

Familienmitgliedern helfen sollen, in rechter Weise

aufzuwachsen und spirituelle Werte zu erwerben. Die

älteren Mitglieder sind für solche Läuterungsvorgänge in

der Familie, die mit der Geburt beginnen und bis zum Tode

angewandt werden, verantwortlich. Wenn aber die älteren

Mitglieder der Familie sterben, kann es geschehen, daß

solche traditionsgemäßen Läuterungszeremonien in der

Familie eingestellt werden und die zurückbleibenden

jüngeren Familienangehörigen irreligiöse Gewohnheiten

entwickeln und dadurch ihre Gelegenheit zu spiritueller

Erlösung versäumen. Deshalb dürfen die älteren

Familienangehörigen unter keinen Umständen getötet

werden.
VERS 40

O Krsna, wenn Irreligiosität in der Familie vorherrscht,

verderben die Frauen der Familie, und wenn die Frauen

entarten, o Nachkomme Vrsnis, entsteht ungewollte
Nachkommenschaft.
ERLÄUTERUNG

Eine gute Bevölkerung in der menschlichen Gesellschaft ist

das Grundprinzip für Frieden, Wohlstand und spirituellen

Fortschritt im Leben. Die Grundsätze der varnasrama-

Religion waren so angelegt, daß die gute Bevölkerung in

der Gesellschaft überwog und so den allgemeinen

spirituellen Fortschritt des Staates und der Gemeinschaft

gewährleistete. Eine solche Bevölkerung hängt von der

Keuschheit und Treue ihrer Frauen ab. So wie Kinder sehr

dazu neigen, irregeführt zu werden, so neigen Frauen sehr

leicht zu Erniedrigung. Daher müssen sowohl die Kinder

als auch die Frauen von den älteren Familienmitgliedern

beschützt werden. Wenn die Frauen mit verschiedenen

religiösen Praktiken beschäftigt sind, werden sie nicht zum

Ehebruch verleitet. Nach Canakya Pandita sind Frauen im

allgemeinen nicht sehr intelligent und deshalb nicht

vertrauenswürdig. Folglich sollten die verschiedenen

Familientraditionen religiöser Tätigkeiten sie ständig

beschäftigen; dann wird ihre Keuschheit und Hingabe eine

gute Bevölkerung hervorbringen, die geeignet ist am

varnasrama-System teilzunehmen. Wenn solches
varnasrama-dharma scheitert, bekommen die Frauen

natürlicherweise die Freiheit, nach Belieben zu handeln und

sich mit Männern einzulassen; dann steht dem Ehebruch

nichts mehr im Wege, wobei man Gefahr läuft, ungewollte

Nachkommenschaft zu zeugen. Auch unverantwortliche

Männer begünstigen den Ehebruch in der Gesellschaft, und

so überschwemmen ungewollte Kinder die menschliche

Rasse, und es entstehen Gefahren wie Kriege und Seuchen.

VERS 41
Wenn ungewollte Bevölkerung zunimmt, entsteht

sowohl für die Familie als auch für diejenigen, die die

Familientradition zerstören, eine höllische Situation. In

solchen verdorbenen Familien werden den Vorvätern
weder Speise noch Wasser als Opfer dargebracht.
ERLÄUTERUNG

Nach den Regeln und Vorschriften für fruchtbringende

Tätigkeiten muß man den Vorvätern der Familie in

bestimmten Zeitabständen Speise und Wasser opfern. Diese

Opferung wird durchgeführt, indem man Visnu verehrt,

denn wenn man die Reste der Nahrung zu sich nimmt, die

Visnu geopfert wurde, kann man von allen Arten

sündhafter Handlungen befreit werden. Manchmal mögen

die Vorväter unter vielfachen Arten sündhafter Reaktionen

leiden, und bisweilen können manche von ihnen nicht

einmal einen grobstofßichen Körper annehmen und sind

gezwungen, in feinstofßichen Körpern als Geister zu leben.

Wenn daher die Nachkommen ihren Vorvätern Überreste

von prasada-Speisen opfern, werden die Ahnen von einem

Leben als Geist oder anderen leidvollen Umständen befreit.

Es ist eine Familientradition, den Vorvätern auf diese

Weise zu helfen, und jene, die kein gottergebenes Leben

führen, müssen solche Rituale vollziehen. Jemand, der ein

gottergebenes Leben führt, braucht solche Handlungen

nicht zu verrichten. Indem man einfach hingebungsvollen

Dienst ausführt, kann man Hunderte, ja Tausende von

Vorvätern von allen Arten des Elends befreien. Im
Bhagavatam (11.5.41) heißt es:

"Jeder, der bei den Lotosfüßen Mukundas, der Befreiung

gewährt, Zuflucht gesucht und alle Arten von

VerPflichtungen aufgegeben hat und diesem Pfad mit allem

Ernst folgt, ist weder den Halbgöttern noch den Weisen,

noch anderen Lebewesen, noch seinen

Familienangehörigen, noch der Menschheit, noch den

Vorvätern verPflichtet."

Solche VerPflichtungen sind von selbst erfüllt, wenn man

im hingebungsvollen Dienst für die Höchste Persönlichkeit

Gottes tätig ist.
VERS 42
Durch die üblen Machenschaften derer, die die

Familientradition zerstören, werden alle möglichen

gemeinschaftlichen Vorhaben und Tätigkeiten, die dem

Wohl der Familie dienen, zunichte gemacht.
ERLÄUTERUNG

Die vier Einteilungen der menschlichen Gesellschaft,

zusammen mit Tätigkeiten zum Wohl der Familie, wie sie

von der Einrichtung des sanatana-dharma oder
varnasrama-dharma vorgesehen sind, sollen es dem

Menschen ermöglichen, seine endgültige Erlösung zu

erlangen. Wenn daher unverantwortliche Führer der

Gesellschaft die Tradition des sanatana-dharma zerstören,

entsteht ein Chaos in dieser Gesellschaft, und als Folge

davon vergessen die Menschen das Ziel des Lebens -

Visnu. Solche Führer bezeichnet man als blind, und

Menschen, die ihnen folgen, werden unweigerlich in ein

Chaos geführt.
VERS 43

O Krsna, Erhalter aller Menschen, ich habe durch die

Schülernachfolge gehört, daß diejenigen, die die
Familienbräuche zerstören, für immer in der Hölle
leiden.
ERLÄUTERUNG

Arjuna stützt seinen Einwand nicht auf seine eigene,

persönliche Erfahrung, sondern auf das, was er von

Autoritäten gehört hat. Das ist der Weg, wirkliches Wissen

zu empfangen. Man kann nicht zum wirklichen Punkt

tatsächlichen Wissens gelangen, ohne daß einem von der

richtigen Person geholfen wird, die bereits in diesem

Wissen verankert ist. In der Einrichtung des varnasrama

gibt es ein System, das vorschreibt, daß man sich vor dem

Tod einer bestimmten Zeremonie unterzieht, um von seinen

sündhaften Handlungen geläutert zu werden. Wer ständig

sündigt, muß den als prayascitta bezeichneten

Läuterungsvorgang nutzen. Wenn man dies nicht tut, wird

man mit Sicherheit zu höllischen Planeten gebracht, um als

Folge sündiger Handlungen ein jammervolles Leben nach

dem anderen zu erleiden.
VERS 44

Ach, wie seltsam es ist, daß wir, getrieben von dem

Wunsch, königliches Glück zu genießen, uns anschicken,

schwere sündhafte Taten zu begehen.
ERLÄUTERUNG

Wenn man von selbstsüchtigen Beweggründen getrieben

wird, schreckt man unter Umständen nicht einmal vor solch

sündigen Handlungen wie dem Mord an Bruder, Vater oder

Mutter zurück. Es gibt hierfür viele Beispiele in der

Weltgeschichte. Arjuna aber ist sich als frommer Geweihter

des Herrn stets moralischer Grundsätze bewußt und daher

bemüht, solche Tätigkeiten zu vermeiden.
VERS 45
Ich hielte es für besser, wenn mich die Söhne

Dhrtarastras unbewaffnet und widerstandslos töteten,

als daß ich mit ihnen kämpfte.
ERLÄUTERUNG

Nach den Kampfregeln der ksatriyas ist es üblich, einen

unbewaffneten und unwilligen Gegner nicht anzugreifen.

Arjuna aber sah sich in einer solch verzwickten Lage, daß

er beschloß, nicht zu kämpfen, wenn der Feind ihn angriffe.

Er bedachte nicht, wie sehr die Gegenseite zum Kampf

drängte. All diese Merkmale sind darauf zurückzuführen,

daß er ein weiches Herz hatte, was von der Tatsache

herrührte, daß er ein großer Geweihter des Herrn war.

VERS 46
Sanjaya sagte: Nachdem Arjuna diese Worte auf dem

Schlachtfeld gesprochen hatte, warf er Bogen und Pfeile

zur Seite und setzte sich, von Schmerz überwältigt, auf

dem Streitwagen nieder.
ERLÄUTERUNG
Während Arjuna seine Feinde beobachtete, stand er

aufrecht auf dem Streitwagen; doch dann wurde er von

solchem Schmerz überwältigt, daß er sich wieder

niedersetzte und Bogen und Pfeile beiseite legte. Wer so

gütig und weichherzig ist und sich zudem im

hingebungsvollen Dienst des Herrn betätigt, ist geeignet,

Wissen vom Selbst zu empfangen.
Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum

Ersten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel:

„Arjuna beobachtet die Heere auf dem Schlachtfeld von

Kuruksetra".

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