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00-Vorwort
01-Schlachtfeld von Kuruksetra
02-Inhalt der Gita
03-Karma Yoga
04-Transzentrales Wissen
05 Karma yoga - Handeln im Krsna-Bewusstsein
06-Dhyana-yoga
07-Wissen vom Absoluten
08-Wie man den Höchsten erreicht
09- Das vertraulichste Wissen
10-Die Füllen des Absoluten
11- Die universale Form
12- Hingebungsvoller Dienst
13- Natur, Genießer und Bewusstsein
14-Die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
15-Der yoga der Höchsten Person
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Bhagavad-gita : 13- Natur, Genießer und Bewusstsein
DREIZEHNTES KAPITEL
Natur, Genießer und Bewusstsein
VERS 1-2

Arjuna sagte: O mein lieber Krsna, ich möchte prakçti

[die Natur], purusa [den Genießer], das Feld, den

Kenner des Feldes, Wissen und das Ziel des Wissens

verstehen.

Darauf sprach der Segenspendende Herr: Den Körper,

o Sohn Kuntis, nennt man das Feld, und wer den
Körper kennt, wird als der Kenner des Feldes
bezeichnet.
ERLÄUTERUNG

Arjuna war begierig, etwas über prakçti (die Natur), purusa

(den Genießer), ksetra (das Feld), ksetrajna (den Kenner

des Feldes), Wissen und das Ziel des Wissens zu erfahren.

Als er nach all diesen Dingen fragte, sagte Krsna, dass der

Körper das Feld sei, und derjenige, der dieses Feld kenne,

werde Kenner des Feldes genannt. Der Körper ist das

Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Die bedingte Seele ist

im materiellen Dasein gefangen, und sie versucht, sich die

materielle Natur untertan zu machen. Folglich bekommt

sie, je nach ihrer Fähigkeit, die materielle Natur zu

beherrschen, ein entsprechendes Tätigkeitsfeld. Dieses

Tätigkeitsfeld ist der Körper. Und was ist der Körper? Der

Körper besteht aus Sinnen. Die bedingte Seele möchte die

Befriedigung dieser Sinne genießen, und je nach ihrem

Vermögen, die Sinne zu genießen, wird ihr ein Körper oder

Tätigkeitsfeld gegeben. Deshalb nennt man den Körper

ksetra oder das Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Jemand

nun, der sich nicht mit dem Körper identifiziert, wird als

ksetrajna oder der Kenner des Feldes bezeichnet. Es ist

nicht sehr schwer, den Unterschied zwischen dem Feld und

seinem Kenner, das heißt zwischen dem Körper und dem

Kenner des Körpers, zu verstehen. Jeder kann verstehen,

dass er von der Kindheit bis zum Alter fortwährend

körperlichen Wandlungen unterworfen ist und dennoch die

gleiche Person bleibt. Es besteht also ein Unterschied

zwischen dem Kenner des Tätigkeitsfeldes und dem

Tätigkeitsfeld an sich. Eine lebendige bedingte Seele kann

daher verstehen, dass sie vom Körper verschieden ist. Zu

Beginn der Bhagavad-Gita wurde gesagt: dehe 'smin. Das

Lebewesen befindet sich im Körper, und der Körper

verändert sich von Kindheit zu Knabenzeit, von Knabenzeit

zu Jugend und von Jugend zu Alter, und die Person, die den

Körper besitzt, weiß, dass sich der Körper verändert. Der

Eigentümer ist eindeutig ksetrajna (der Kenner des Feldes).

Manchmal können wir verstehen: Ich bin glücklich; ich bin

verrückt; ich bin eine Frau; ich bin ein Hund; ich bin eine

Katze; wir sind die Kenner; doch der Kenner ist vom Feld

verschieden. Obwohl wir viele Gegenstände gebrauchen,

wie zum Beispiel unsere Kleider, wissen wir, dass wir von

den Dingen, die wir benutzen, verschieden sind. In

ähnlicher Weise können wir mit ein wenig Überlegung

auch verstehen, dass wir vom Körper verschieden sind.

In den ersten sechs Kapiteln der Bhagavad-Gita werden der

Kenner des Körpers, das Lebewesen, und die Haltung,

durch die es den Höchsten Herrn verstehen kann,

beschrieben. In den mittleren sechs Kapiteln der Gita

werden die Höchste Persönlichkeit Gottes und die

Beziehung zwischen der individuellen Seele und der Überseele

hinsichtlich des hingebungsvollen Dienstes

beschrieben. In diesen Kapiteln werden die übergeordnete

Stellung der Höchsten Persönlichkeit Gottes und die untergeordnete

Stellung der individuellen Seele eindeutig

definiert. Die Lebewesen sind unter allen Umständen

untergeordnet, doch weil sie diese Tatsache vergessen

haben, leiden sie. Wenn sie durch fromme Werke erleuchtet

sind, wenden sie sich dem Herrn ihren verschiedenen

Stellungen entsprechend zu: als Leidende, als diejenigen,

denen es an Geld mangelt, als Neugierige und als die, die

auf der Suche nach Wissen sind. Das wurde ebenfalls

beschrieben. Vom Dreizehnten Kapitel an wird nun erklärt,

wie das Lebewesen mit der materiellen Natur in Berührung

kommt und auf welche Weise es vom Höchsten Herrn

durch die verschiedenen Methoden des fruchtbringenden

Tuns, der Kultivierung von Wissen und der Ausführung

hingebungsvollen Dienstes befreit wird. Obwohl das

Lebewesen vom materiellen Körper völlig verschieden ist,

wird es irgendwie mit diesem verbunden. Auch das wird erklärt.

VERS 3

O Nachkomme Bharatas, du solltest verstehen, dass Ich

ebenfalls der Kenner in allen Körpern bin, und den

Körper und seinen Besitzer zu kennen wird als Wissen

bezeichnet. Das ist Meine Ansicht.
ERLÄUTERUNG

Während wir den Körper und den Besitzer des Körpers, die

Seele und die Überseele erörtern, werden wir drei

verschiedene Studienobjekte finden: den Herrn, das

Lebewesen und die Materie. In jedem Tätigkeitsfeld, das

heißt in jedem Körper, gibt es zwei Seelen: die individuelle

Seele und die Überseele. Weil die Überseele eine vollständige

Erweiterung der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
Krsnas, ist, sagt Krsna:

"Ich bin ebenfalls der Kenner, doch bin Ich nicht der

individuelle Besitzer des Körpers. Ich bin der höchste

Kenner. Ich bin in jedem Körper als Paramatma oder Überseele

gegenwärtig."

Wer das Thema vom Tätigkeitsfeld und dem Kenner des

Feldes sehr eingehend im Sinne der Bhagavad-Gita studiert,

kann Wissen erlangen. Der Herr sagt: "Ich bin der Kenner

des Tätigkeitsfeldes in jedem individuellen Körper." Das

Individuum mag seinen eigenen Körper kennen, doch ist es

sich nicht anderer Körper bewusst. Die Höchste

Persönlichkeit Gottes, die als Überseele in allen Körpern

anwesend ist, weiß alles über alle Körper. Der Herr kennt

all die verschiedenen Körper aller verschiedenen

Lebensformen. Ein Bürger kennt vielleicht sein eigenes

Stück Land, doch der König kennt nicht nur seinen Palast,

sondern auch alle Ländereien, die die einzelnen Bürger

besitzen. In ähnlicher Weise mag man der Besitzer seines

eigenen Körpers sein, doch der Herr ist der Besitzer aller

Körper. Der König ist der ursprüngliche Besitzer des

Königreichs, und der Bürger ist der zweitrangige Besitzer.

In ähnlicher Weise ist der Höchste Herr der höchste

Besitzer aller Körper.

Der Körper besteht aus den Sinnen. Der Höchste Herr ist

Hrsikesa, was soviel bedeutet wie "Lenker der Sinne". Er

ist der ursprüngliche Lenker der Sinne, ebenso wie der

König der ursprüngliche Lenker aller Tätigkeiten des

Staates ist; die Bürger sind zweitrangige Lenker. Der Herr

sagt auch: "Ich bin ebenfalls der Kenner." Dies bedeutet,

dass Er der höchste Kenner ist; die individuelle Seele kennt

nur ihren jeweiligen Körper. In den vedischen Schriften

heißt es:

Der Körper wird ksetra genannt, und in ihm weilen der

Besitzer des Körpers und der Höchste Herr, der sowohl den

Körper als auch den Besitzer des Körpers kennt. Deshalb

wird Er der Kenner aller Felder genannt. Der Unterschied

zwischen dem Tätigkeitsfeld, dem Besitzer der Tätigkeiten

und dem höchsten Besitzer der Tätigkeiten wird wie folgt

beschrieben: Vollkommenes Wissen von der

Beschaffenheit des Körpers, der Beschaffenheit der

individuellen Seele und der Beschaffenheit der Überseele

ist in den vedischen Schriften als jnanam bekannt. Das ist

Krsnas Ansicht. Die Seele und die Überseele als eins und

doch verschieden zu verstehen ist Wissen. Wer das

Tätigkeitsfeld und den Kenner der Tätigkeit nicht versteht,

verfügt über kein vollkommenes Wissen. Man muss die

Position von prakçti (der Natur), purusa (dem Genießer der

Natur) und Öèvara (dem Kenner), der die Natur und die

individuellen Seelen beherrscht, verstehen. Man sollte diese

drei in ihren verschiedenen Eigenschaften und Kräften

nicht miteinander verwechseln. Man sollte den Maler, das

Gemälde und die Staffelei nicht durcheinanderbringen. Die

materielle Welt, die das Feld der Tätigkeiten ist, ist die

Natur; der Genießer der Natur ist das Lebewesen, und über

beiden steht der höchste Lenker, die Persönlichkeit Gottes.

In der vedischen Literatur heißt es: bhokta bhogyaà

preritaraà ca matva sarvaà proktaà trividhaà brahmam

etat. Es gibt drei Auffassungen vom Brahman: prakçti ist

Brahman als das Feld der Tätigkeiten; jiva (die individuelle

Seele) ist auch Brahman und versucht, die materielle Natur

zu beherrschen, und der Lenker beider ist ebenfalls

Brahman, aber Er ist der eigentliche Herrscher.

In diesem Kapitel wird auch erklärt werden, dass von den

beiden Kennern der eine fehlbar und der andere unfehlbar

ist. Einer ist übergeordnet, und der andere ist

untergeordnet. Wer glaubt, die beiden Kenner des Feldes

seien ein und derselbe, widerspricht dem Herrn, der

Höchsten Persönlichkeit Gottes, der hier sehr klar sagt: "Ich

bin ebenfalls der Kenner des Tätigkeitsfeldes." Wer ein Seil

fälschlich für eine Schlange hält, hat kein Wissen. Es gibt

verschiedene Arten von Körpern, und es gibt verschiedene

Besitzer der Körper. Weil jede individuelle Seele ihre

individuelle Fähigkeit hat, über die materielle Natur zu

herrschen, gibt es unterschiedliche Körper. Aber der

Höchste ist auch in ihnen als der Lenker gegenwärtig. Das

Wort ca ist hier von Bedeutung, da es auf die Gesamtzahl

aller Körper hinweist. Das ist die Ansicht Srila Rupa Baladeva

Vidyabhusanas. Krsna ist die Überseele, die in jedem

einzelnen Körper neben der individuellen Seele weilt. Und

Krsna sagt hier ausdrücklich, dass die Überseele sowohl das

Tätigkeitsfeld als auch den begrenzten Genießer lenkt.

VERS 4

Der Herr beschreibt hier das Tätigkeitsfeld und den Kenner

des Tätigkeitsfeldes in ihren wesensgemäßen Positionen.

Man muss wissen, wie der Körper beschaffen ist, aus

welchen Materialien der Körper besteht, unter wessen

Kontrolle der Körper arbeitet, wie die Veränderungen

auftreten, woher diese Veränderungen kommen, was die

Ursachen sind, was die Gründe sind, was das Endziel des

Individuums ist und was die eigentliche Form der
individuellen Seele ist. Man sollte ebenfalls den

Unterschied zwischen der individuellen lebendigen Seele

und der Überseele, ihre verschiedenen Einflüsse, ihre

Potentiale usw. kennen. Man braucht nur die BhagavadGita

nach der Beschreibung der Höchsten Persönlichkeit

Gottes zu verstehen, und all diese Punkte werden geklärt

sein. Man sollte jedoch darauf achten, die Höchste Persönlichkeit

Gottes in jedem Körper und jeder individuellen

Seele nicht für den jiva zu halten. Das würde bedeuten, den

Mächtigen mit dem Machtlosen gleichzusetzen.
VERS 5

Dieses Wissen vom Tätigkeitsfeld und dem Kenner der

Tätigkeiten wird von verschiedenen Weisen in
verschiedenen vedischen Schriften beschrieben -

besonders im Vedanta-sutra -, und es wird mit aller

Beweisführung in Bezug auf Ursache und Wirkung
präsentiert.
ERLÄUTERUNG

Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, ist die höchste

Autorität, wenn es darum geht, dieses Wissen zu erklären.

Selbstverständlich ist es unter erfahrenen Gelehrten und

maßgebenden Autoritäten immer noch üblich, stets

vorangegangene Autoritäten als Beweis anzuführen, und so

erklärt Krsna diesen äußerst umstrittenen Punkt - die

Dualität und Nichtdualität der Seele und der Überseele -,

indem Er Sich auf Schriften wie das Vedanta-sutra bezieht,

die als Autorität anerkannt sind. Als erstes sagt Er, dass

dieses Wissen mit den Lehren verschiedener Weiser

übereinstimmt. Außer Ihm Selbst ist auch Vyasadeva, der

Verfasser des Vedanta-sutra, ein großer Weiser, und im

Vedanta-sutra wird Dualität in vollendeter Form erklärt.

Auch Vyasadevas Vater, Parasara, war ein großer Weiser,

der in seinen Büchern über Religiosität unter anderem

schreibt: aham tvaà ca athanye ... "Wir - du, ich und die

verschiedenen anderen Lebewesen - sind alle

transzendental, obwohl wir uns in materiellen Körpern

befinden. Jetzt sind wir, je nach unserem karma, in die

Bahnen der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur

gefallen, und so befinden sich einige auf höheren Ebenen

und andere in der niederen Natur. Die höheren und

niederen Naturen existieren aufgrund von Unwissenheit

und werden in einer unbegrenzten Anzahl von Lebewesen

sichtbar. Die Überseele aber, die unfehlbar ist, wird von

den drei Eigenschaften der Natur nicht verunreinigt - Sie

ist transzendental."

Auch in den ursprünglichen Veden, besonders in der

Katha-Upanisad, wird zwischen der Seele, der Überseele

und dem Körper unterschieden.
Es gibt eine Manifestation der Energie des Herrn,

annamaya genannt, durch die man einfach von Nahrung

abhängig ist, um zu leben. Das ist eine materialistische

Erkenntnis des Höchsten. Dann gibt es pranamaya, was

bedeutet, dass man, nachdem man die Höchste Absolute

Wahrheit in der Nahrung erkannt hat, die Absolute
Wahrheit in den Lebenssymptomen oder in den
Lebensformen wahrnehmen kann. Auf der Stufe der

jnanamaya entwickelt sich das Lebenssymptom bis hin

zum Denken, Fühlen und Wollen. Dann folgt

Brahman-Erkenntnis und die als vijnanamaya bekannte

Erkenntnis, durch die der Geist und die Lebenssymptome

des Lebewesens vom Lebewesen selbst unterschieden

werden. Die nächste und höchste Stufe ist anandamaya, die

Erkenntnis der allglückseligen Natur. Es gibt also fünf

Stufen der Brahman-Erkenntnis, die man brahma-puccham

nennt. Von diesen bilden die ersten drei-annamaya,

pranamaya und jnanamaya - die Tätigkeitsfelder der

Lebewesen. Transzendental zu all diesen Tätigkeitsfeldern

steht der Höchste Herr, der anandamaya genannt wird.

Auch im Vedanta-sutra wird der Höchste als anandamayo

'bhyasat bezeichnet. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit

Gottes, ist von Natur aus voller Freude, und um Seine

transzendentale Glückseligkeit zu genießen, erweitert Er

Sich in vijnanamaya, pranamaya, jnanamaya und

annamaya. In diesem Tätigkeitsfeld gilt das Lebewesen als

der Genießer, und verschieden von ihm ist der anandamaya.

Dies bedeutet, dass das Lebewesen vollkommen

wird, wenn es sich entschließt, in Verbindung mit dem

anandamaya zu genießen. Das ist das wahre Bild vom

Höchsten Herrn als höchstem Kenner des Feldes, vom

Lebewesen als untergeordnetem Kenner und von der Natur

des Tätigkeitsfeldes.
VERS 6-7

Die fünf Hauptelemente, falsches Ego, Intelligenz, das

Unmanifestierte, die zehn Sinne, der Geist, die fünf

Sinnesobjekte, Verlangen, Hass, Glück, Leid, die
Gesamtheit, die Lebenssymptome und Überzeugungen
- all diese werden, zusammengenommen, als das

Tätigkeitsfeld und seine Wechselwirkungen angesehen.

ERLÄUTERUNG

Nach allen autoritativen Aussagen der großen Weisen, der

vedischen Hymnen und der Aphorismen des Vedanta-sutra

sind die Hauptbestandteile dieser Welt Erde, Wasser, Feuer,

Luft und Äther. Dies sind die fünf wesentlichen Elemente

(maha-bhuta). Als nächstes folgen falsches Ego, Intelligenz

und der unmanifestierte Zustand der drei

Erscheinungsweisen der Natur. Weiter gibt es fünf Sinne,

um Wissen zu erwerben: Augen, Ohren, Nase, Zunge und

Tastsinn; außerdem fünf Arbeitssinne: Stimme, Beine,

Hände, Anus und Genitalien, und dann, über den Sinnen,

den Geist, der sich im Innern befindet und deshalb auch als

der innere Sinn bezeichnet werden kann. Mit dem Geist

gibt es also insgesamt elf Sinne. Auch gibt es noch fünf

Objekte der Sinne: Form, Klang, Geruch, Geschmack und

Wärme. Die Gesamtheit dieser vierundzwanzig Elemente

wird als das Tätigkeitsfeld bezeichnet. Wenn man ein

analytisches Studium dieser vierundzwanzig Elemente

vornimmt, kann man das Tätigkeitsfeld sehr gut verstehen.

Weiter gibt es Verlangen, Hass, Freude und Schmerz, die

Wechselwirkungen und Repräsentationen der fünf großen

Elemente im groben Körper sind. Die Lebenssymptome,

die von Bewusstsein und Überzeugung repräsentiert werden,

sind die Manifestationen des feinstofflichen Körpers -

Geist, Ego und Intelligenz. Diese feinstofflichen Elemente

sind im Tätigkeitsfeld enthalten.
Die fünf Hauptelemente sind eine grobstoffliche

Repräsentation des feinstofflichen falschen Egos. Sie sind

eine Repräsentation in der materiellen Auffassung.

Bewusstsein wird von der Intelligenz repräsentiert, deren

unmanifestierte Stufe die drei Erscheinungsweisen der

materiellen Natur bilden. Die unmanifestierten drei

Erscheinungsweisen der materiellen Natur werden

pradhana genannt. Wer die vierundzwanzig Elemente mit

ihren Wechselwirkungen im einzelnen kennen möchte,

sollte diese Philosophie eingehender studieren; in der

Bhagavad-Gita wird nur eine Zusammenfassung gegeben.

Der Körper ist die Repräsentation all dieser Faktoren, und

es gibt sechs Veränderungen des Körpers: Er wird geboren,

wächst, bleibt eine Zeitlang bestehen, erzeugt

Nebenprodukte, beginnt dann zu zerfallen und vergeht

schließlich. Deshalb ist das Tätigkeitsfeld eine

nicht-dauerhafte, materielle Sache. Der ksetrajna jedoch,

der Kenner des Feldes, sein Besitzer, ist von anderer Natur.

VERS 8-12

Demut, Bescheidenheit, Gewaltlosigkeit, Duldsamkeit,

Einfachheit, Aufsuchen eines echten spirituellen

Meisters, Sauberkeit, Stetigkeit und Selbstbeherrschung;

Entsagung der Objekte der Sinnenbefriedigung, Freisein

von falschem Ego und das
Erkennen des Übels von Geburt, Tod, Alter und

Krankheit; Nichtangehaftetsein an Kinder, Frau, Heim

und dergleichen, Gleichmut inmitten erfreulicher und

unerfreulicher Ereignisse, beständige und unverfälschte

Hingabe an Mich, Sichzurückziehen an einsame Orte,

Loslösung von der allgemeinen Masse der Menschen,

Erkenntnis der Wichtigkeit der Selbstverwirklichung

und die philosophische Suche nach der Absoluten

Wahrheit - all diese Dinge erkläre Ich hiermit für

Wissen, und alles, was dem widerspricht, ist
Unwissenheit.
ERLÄUTERUNG

Dieser Vorgang des Wissens wird manchmal von weniger

intelligenten Menschen als die Wechselwirkung des

Tätigkeitsfeldes missverstanden. Tatsächlich aber ist dies

der echte Vorgang des Wissens. Wenn man diesen Vorgang

annimmt, besteht die Möglichkeit, der Absoluten Wahrheit

näherzukommen. Er ist nicht eine Wechselwirkung der

zehnfachen Elemente, wie zuvor beschrieben wurde. Er ist

eigentlich das Mittel, davon frei zu werden. Der wichtigste

Aspekt des Wissens wird in der ersten Zeile des elften

Verses erwähnt: Der Vorgang des Wissens gipfelt in

unverfälschtem hingebungsvollem Dienst für den Herrn.

Wenn man sich also dem transzendentalen Dienst des Herrn

nicht zuwendet oder nicht dazu imstande ist, haben die

anderen neunzehn Punkte keinen besonderen Wert. Doch

wenn sich jemand dem hingebungsvollen Dienst in

völligem Krsna-Bewusstsein zuwendet, entwickeln sich die

restlichen neunzehn Eigenschaften von selbst in ihm. Das

im achten Vers erwähnte Prinzip, einen spirituellen Meister

anzunehmen, ist essentiell. Selbst für jemand, der sich dem

hingebungsvollen Dienst zuwendet, ist es überaus wichtig.

Transzendentales Leben beginnt, wenn man einen echten

spirituellen Meister annimmt. Die Höchste Persönlichkeit

Gottes, Sri Krsna, sagt hier eindeutig, dass dieser Vorgang

des Wissens der richtige Pfad ist. Jede Spekulation, die

davon abweicht, ist Unsinn.

Das hier dargelegte Wissen kann wie folgt analysiert

werden:

Demut bedeutet, nicht danach zu streben, von anderen

geehrt zu werden. Die materielle Auffassung vom Leben

macht uns sehr begierig, von anderen Ehre zu empfangen;

doch in den Augen eines Menschen mit vollkommenem

Wissen - der weiß, dass er nicht der Körper ist - ist alles,

was sich auf den Körper bezieht, ob Ehre oder Schmach,

nutzlos. Man sollte nicht diesem materiellen Selbstbetrug

nachjagen. Viele Leute sind sehr darauf aus, für ihre

Religion berühmt zu werden, und so kann man manchmal

beobachten, wie sich jemand, ohne die Prinzipien der

Religion zu verstehen, einer Gruppe anschließt, die in

Wirklichkeit keine religiösen Prinzipien befolgt, und sich

dann als religiöser Lehrer aufspielen möchte. Um zu

prüfen, wie weit man tatsächlich in der spirituellen

Wissenschaft fortgeschritten ist, sollte man anhand dieser

Gesichtspunkte urteilen.

Unter Gewaltlosigkeit wird im allgemeinen verstanden, den

Körper nicht zu töten oder zu zerstören; doch in

Wirklichkeit bedeutet Gewaltlosigkeit, anderen kein Leid

zuzufügen. Die meisten Menschen sind durch Unwissenheit

in der materiellen Lebensauffassung gefangen und erleiden

daher unaufhörlich materielle Qualen. Solange man also die

Menschen nicht zu spirituellem Wissen erhebt, ist man

gewalttätig. Man sollte sein Bestes versuchen, den

Menschen wirkliches Wissen zu vermitteln, so dass sie

erleuchtet werden und der materiellen Verstrickung

entkommen können. Das ist Gewaltlosigkeit.

Duldsamkeit bedeutet, es gelernt zu haben, Beleidigungen

und Schmähungen seitens anderer zu ertragen. Wenn man

sich bemüht, im spirituellen Wissen fortzuschreiten, wird

man oft von anderen beleidigt und geschmäht. Das ist zu

erwarten, weil die materielle Natur so beschaffen ist. Selbst

ein Junge wie Prahlada, der schon mit fünf Jahren

spirituelles Wissen kultivierte, geriet in Gefahr, als sein

Vater seine Hingabe unterbinden wollte. Der Vater

versuchte, ihn auf viele Arten zu töten, doch Prahlada ließ

sich das von ihm gefallen. Es kann also viele Hindernisse

geben, wenn man Fortschritte im spirituellen Wissen

machen will, doch wir sollten Geduld haben und mit

Entschlossenheit weiter vorwärtsschreiten.
Einfachheit bedeutet, dass man ohne Diplomatie so

aufrichtig sein sollte, dass man sogar einem Feind die reine

Wahrheit offenbaren kann.

Einen spirituellen Meister anzunehmen ist unbedingt

notwendig,
weil man ohne die Anweisungen eines echten

spirituellen Meisters in der spirituellen Wissenschaft nicht

fortschreiten kann. Man sollte sich dem spirituellen Meister

in aller Demut nähern und ihm alle Dienste anbieten, so dass

es ihm eine Freude sein wird, dem Schüler seine

Segnungen zu erteilen. Wenn ein spiritueller Meister seinen

Schüler segnet, macht der Schüler sogleich Fortschritte,

ohne die regulierenden Prinzipien zu befolgen, denn ein

echter spiritueller Meister ist ein Repräsentant Krsnas.

Zumindest wird es einem Schüler, der dem spirituellen

Meister vorbehaltlos gedient hat, leichter fallen, die

regulierenden Prinzipien einzuhalten.

Sauberheit ist unerlässlich, um im spirituellen Leben

Fortschritte zu machen. Es gibt zwei Arten von Sauberheit:

äußere und innere. Äußere Sauberkeit bedeutet, ein Bad zu

nehmen, doch um innerlich sauber zu werden, muss man

immer an Krsna denken und Hare Krsna, Hare Krsna,

Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama

Rama, Hare Hare chanten. Dieser Vorgang reinigt den

Geist vom angesammelten Staub vergangenen karmas.

Stetigkeit bedeutet, sehr entschlossen zu sein, Fortschritt im

spirituellen Leben zu machen. Ohne solche

Entschlossenheit kann man keinen spürbaren Fortschritt

machen. Und Selbstbeherrschung bedeutet, nichts

anzunehmen, was dem Pfad des spirituellen Fortschritts

entgegensteht. Man sollte es sich zur Gewohnheit machen,

alles abzulehnen, was gegen den Pfad spirituellen

Fortschritts ist. Das ist wirkliche Entsagung. Die Sinne sind

so stark, dass sie ständig nach Befriedigung begehren. Man

sollte solchen Bedürfnissen, die nicht notwendig sind, nicht

nachgeben. Die Sinne sollten nur befriedigt werden, um

den Körper gesund zu halten, so dass man seine Pflicht, im

spirituellen Leben fortzuschreiten, erfüllen kann. Der

wichtigste und zügelloseste aller Sinne ist die Zunge. Wenn

man die Zunge beherrschen kann, ist es auch möglich, die

anderen Sinne zu kontrollieren. Die Zunge hat die Aufgabe,

zu schmecken und Klangschwingungen zu erzeugen;

deshalb sollte die Zunge durch systematische Regulierung

immer damit beschäftigt sein, die Reste von Krsna geopferten

Speisen zu schmecken und Hare Krsna zu chanten.

Was die Augen betrifft, so sollte ihnen nicht erlaubt

werden, etwas anderes zu sehen als die schöne Gestalt

Krsnas. Das wird die Augen beherrschen. In ähnlicher

Weise sollten die Ohren damit beschäftigt werden, von

Krsna zu hören, und die Nase sollte Krsna geopferte

Blumen riechen. Das ist der Vorgang des hingebungsvollen

Dienstes, und hieraus kann man ersehen, dass die

Bhagavad-Gita nichts anderes darlegt als die Wissenschaft

des hingebungsvollen Dienstes. Hingebungsvoller Dienst

ist das einzige und hauptsächliche Ziel. Unintelligente

Kommentatoren versuchen, den Geist des Lesers auf andere

Dinge zu lenken, doch es gibt in der Bhagavad-Gita kein

anderes Thema als hingebungsvollen Dienst.

Falsches Ego bedeutet, den Körper für sich selbst zu halten.

Wenn man versteht, dass man nicht der Körper, sondern

spirituelle Seele ist, so ist das wahres Ego. Ego ist existent.

Falsches Ego wird verurteilt, aber nicht das wahre Ego. In

den vedischen Schriften wird gesagt: aham brahmasmi.

"Ich bin Brahman, ich bin spirituelle Seele." Dieses "ich

bin", dieses Gefühl des Selbst, existiert auch auf der

befreiten Stufe der Selbstverwirklichung. Dieses Gefühl des

"ich bin" ist das Ego, doch wenn dieses Gefühl des "ich

bin" auf den falschen Körper gerichtet wird, ist es falsches

Ego. Wenn das Gefühl des Selbst jedoch auf die Realität

gerichtet wird, ist dies das wahre Ego. Einige Philosophen

sagen, wir sollten unser Ego aufgeben, aber wir können

unser Ego nicht aufgeben, denn Ego bedeutet Identität.

Selbstverständlich sollten wir die falsche Identifizierung

mit dem Körper aufgeben.

Man sollte versuchen, das Leid zu verstehen, das darin

besteht, Geburt, Tod, Alter und Krankheit ertragen zu

müssen. Es gibt in den verschiedenen vedischen Schriften

Beschreibungen der Geburt. Im Srimad-Bhagavatam finden

wir eine anschauliche Beschreibung der Welt des

Ungeborenen, das heißt, unter welchen Bedingungen das

Kind im Mutterschoß lebt, wie es leidet, usw. Man sollte

unbedingt verstehen, dass Geburt qualvoll ist. Weil wir

vergessen haben, wie sehr wir im Schoß der Mutter gelitten

haben, lösen wir nicht das Problem der Wiederholung von

Geburt und Tod. In ähnlicher Weise gibt es zur Zeit des

Todes vielerlei Leiden, die ebenfalls in den maßgebenden

Schriften erwähnt werden. Diese Schriften sollten diskutiert

werden. Und was Krankheit und Alter betrifft, so macht

jeder die praktische Erfahrung davon. Niemand möchte

krank sein, und niemand will alt werden, doch Krankheit

und Alter sind unvermeidlich. Solange wir das

materialistische Leben in Anbetracht der Leiden von

Geburt, Alter, Krankheit und Tod nicht mit Pessimismus

sehen, haben wir keinen Antrieb, im spirituellen Leben

Fortschritt zu machen.

Mit der Loslösung von Heim, Frau und Kindern ist nicht

gemeint, dass man keine Gefühle für sie haben soll.

Zuneigung zu ihnen ist natürlich, doch wenn sie für den

spirituellen Fortschritt nicht förderlich sind, sollte man

nicht an ihnen hängen. Der beste Vorgang, sein Heim

angenehm zu gestalten, ist Krsna-Bewusstsein. Wenn

jemand völlig im Krsna-Bewusstsein lebt, kann er in seinem

Heim eine sehr glückliche Atmosphäre schaffen, denn

dieser Vorgang des Krsna-Bewusstseins ist sehr einfach.

Man braucht nur Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna,

Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare

Hare zu chanten, die Überreste von Speisen zu essen, die

Krsna geopfert wurden, über Bücher wie die Bhagavad-Gita

und das Srimad-Bhagavatam zu sprechen und die

Bildgestalten Krsnas zu verehren. Diese vier Dinge werden

einen glücklich machen. Man sollte die Mitglieder seiner

Familie also in dieser Weise schulen. Die

Familienangehörigen können sich morgens und abends

zusammensetzen und gemeinsam Hare Krsna, Hare Krsna,

Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama

Rama, Hare Hare chanten. Wenn man sein Familienleben

auf diese Weise gestalten kann, um Krsna-Bewusstsein zu

entwickeln, indem man diesen vier Prinzipien folgt, ist es

nicht notwendig, vom Familienleben zu einem Leben der

Entsagung zu wechseln. Wenn es jedoch für den

spirituellen Fortschritt nicht zuträglich oder förderlich ist,

sollte das Familienleben aufgegeben werden. Man muss

alles opfern, um Krsna zu erkennen oder zu dienen, genau

wie Arjuna. Arjuna wollte seine Familienangehörigen nicht

töten, aber als er verstand, dass diese Familienangehörigen

Hindernisse für seine Erkenntnis Krsnas waren, nahm er

Krsnas Anweisungen an, kämpfte gegen seine Verwandten

und tötete sie. In jedem Fall sollte man vom Glück und

Leid des Familienlebens losgelöst sein, denn in dieser Welt

kann man niemals völlig glücklich oder völlig unglücklich

sein. Glück und Leid sind untrennbare Faktoren des

materiellen Lebens. Wie in der Bhagavad-Gita empfohlen

wird, sollte man lernen, sie zu dulden. Da man dem

Kommen und Gehen von Glück und Leid niemals Einhalt

gebieten kann, sollte man sich von der materialistischen

Lebensweise lösen und von selbst in beiden Fällen gleichmütig

bleiben. Gewöhnlich sind wir sehr glücklich, wenn

wir etwas Erwünschtes bekommen, und wenn uns etwas

Unerwünschtes widerfährt, sind wir unglücklich. Wenn wir

jedoch tatsächlich auf der spirituellen Ebene verankert sind,

werden uns diese Dinge nicht länger berühren. Um diese

Stufe zu erreichen, müssen wir unabweichlichen,

uneingeschränkten hingebungsvollen Dienst praktizieren;

hingebungsvoller Dienst für Krsna ohne Abweichung
bedeutet, sich in den neun Vorgängen des

hingebungsvollen Dienstes, Chanten, Hören, Verehren,

Ehrerbietungen erweisen usw., zu betätigen, wie im letzten

Vers des Neunten Kapitels beschrieben wird. Diesem

Vorgang sollte man folgen. Wenn man ein spirituelles

Leben führt, wird man natürlicherweise nicht mehr mit

materialistischen Menschen zusammensein wollen. Das

würde einem zuwider sein. Man kann sich prüfen, indem

man feststellt, inwieweit man geneigt ist, an einem

einsamen Ort ohne unerwünschten Umgang zu leben.
Natürlicherweise findet ein Gottgeweihter keinen
Geschmack an unnötigem Sport, Kinobesuchen oder

gesellschaftlichen Veranstaltungen, denn er versteht, dass

diese Dinge nichts als Zeitverschwendung sind. Es gibt

viele Forscher und Philosophen, die das sexuelle Verhalten

oder irgendetwas anderes studieren, doch nach den Lehren

der Bhagavad-Gita haben solche Forschungsarbeiten und

philosophischen Spekulationen keinen Wert. All dies ist

mehr oder weniger unsinnig. Der Bhagavad-Gita gemäß

sollte man mit philosophischer Besonnenheit das Wesen

der Seele erforschen. Man sollte forschen, um zu verstehen,

was für das Selbst von Wichtigkeit ist. Das wird hier

empfohlen.

Was Selbstverwirklichung anbelangt, so heißt es hier klar,

dass bhakti-yoga besonders geeignet ist. Sobald von

Hingabe die Rede ist, muss man die Beziehung zwischen

der Überseele und der individuellen Seele in Betracht

ziehen. Die individuelle Seele und die Überseele können

nicht eins sein - zumindest nicht in der

bhakti-Auffassung, der hingebungsvollen Außassung vom

Leben. Dieser Dienst der individuellen Seele für die

Höchste Seele ist nityam (ewig), wie es hier eindeutig heißt.

Bhakti oder hingebungsvoller Dienst ist also ewig. Man

sollte in dieser philosophischen Überzeugung gefestigt sein,

sonst verschwendet man nur Zeit und befindet sich in

Unwissenheit.

Dies wird auch im Srimad-Bhagavatam (1.2.11) erklärt:

„Diejenigen, die die Absolute Wahrheit wahrhaft kennen,

wissen, dass das Höchste Selbst in drei verschiedenen

Aspekten als Brahman, Paramatma und Bhagavan erkannt

wird."

Bhagavan ist die höchste Stufe in der Erkenntnis der

Absoluten Wahrheit; deshalb sollte man die Ebene des

Verständnisses der Höchsten Persönlichkeit Gottes erreichen

und sich dann im hingebungsvollen Dienst des

Herrn beschäftigen. Das ist die Vollkommenheit des

Wissens.

Angefangen mit dem Sichüben in Demut bis zur Erkenntnis

der Höchsten Wahrheit, der Absoluten Persönlichkeit

Gottes, gleicht der ganze Vorgang einer Treppe, die vom

Erdgeschoß bis zum obersten Stockwerk führt. Auf dieser

Treppe stehen viele Menschen, die bereits den ersten,

zweiten oder dritten Stock erreicht haben, doch solange

man nicht das oberste Stockwerk erreicht, das heißt Krsna

versteht, befindet man sich auf einer unteren Stufe des

Wissens. Wenn sich jemand mit Gott messen und zur

selben Zeit Fortschritte im spirituellen Wissen machen will,

wird er frustriert werden. Es wird klar gesagt, dass ohne

Demut Wissen schädlich ist. Sich für Gott zu halten ist

höchst eingebildet. Obwohl das Lebewesen ständig von den

strengen Gesetzen der Natur getreten wird, denkt es

aufgrund von Unwissenheit: "Ich bin Gott." Man sollte

demütig sein und wissen, dass man dem Höchsten Herrn

untergeordnet ist. Nur weil man gegen den Höchsten Herrn

rebelliert, gerät man unter den Einfluss der materiellen

Natur. Man muss diese Wahrheit erkennen und von ihr

überzeugt sein.
VERS 13

Ich werde dir jetzt das Erkennbare erklären, bei dessen

Erkenntnis du das Ewige kosten wirst. Es ist anfanglos

und Mir untergeordnet. Man nennt es Brahman oder

die spirituelle Natur, und es liegt jenseits der Ursache

und Wirkung dieser materiellen Welt.
ERLÄUTERUNG

Der Herr hat das Tätigkeitsfeld und den Kenner des Feldes

erklärt. Er hat auch erklärt, wie man den Kenner des

Tätigkeitsfeldes erkennen kann. Jetzt erklärt Er das

Erkennbare, das heißt die Seele und die Überseele. Wenn

man den Kenner, nämlich die Seele und die Überseele,

kennt, kann man den Nektar des Lebens kosten. Wie im

Zweiten Kapitel erklärt wird, ist das Lebewesen ewig. Das

wird auch hier bestätigt. Es gibt keinen bestimmten

Zeitpunkt, an dem der jiva geboren wurde, noch kann jemand

herausfinden, wann der jivatma vom Höchsten Herrn

manifestiert wurde. Deshalb hat er keinen Anfang. Die

vedischen Schriften bestätigen dies: na jayate mriyate va

vispaècit. Der Kenner des Körpers wird niemals geboren

und stirbt niemals, und er ist voller Wissen. Der Höchste

Herr wird in der vedischen Literatur auch als
pradhana-ksetrajna-patir gunesah beschrieben. Der

Höchste Herr ist als die Überseele der Hauptkenner des

Körpers, und Er ist der Herr der drei Erscheinungsweisen

der materiellen Natur. In der smrti heißt es: Die Lebewesen stehen

ewig im Dienst des Höchsten Herrn. Das wird auch von Sri

Caitanyas Lehren bestätigt; deshalb bezieht sich die in

diesem Vers erwähnte Beschreibung des Brahman auf die

individuelle Seele, und wenn mit dem Wort "Brahman" das

Lebewesen gemeint ist, muss man verstehen, dass das Le-

bewesen vijnanam brahma im Gegensatz zu
ananta-brahma ist. Ananta-brahma ist das Höchste
Brahman, die Persönlichkeit Gottes.
VERS 14

Überall sind die Hände, Beine, Augen und Gesichter des

Herrn, und Er hört alles. Auf diese Weise existiert die

Überseele.
ERLÄUTERUNG

Ähnlich wie die Sonne, die ihre zahllosen Strahlen

verbreitet, existiert auch die Überseele oder Höchste

Persönlichkeit Gottes. Sie existiert in Ihrer alldurchdringenden

Form, und in Ihr existieren alle individuellen

Lebewesen -angefangen mit dem ersten großen Lehrer,

Brahma, bis hinab zu den kleinen Ameisen. Es gibt unbegrenzt

viele Köpfe, Beine, Hände und Augen und

unbegrenzt viele Lebewesen. Sie alle existieren in der

Überseele und sind von Ihr abhängig. Deshalb ist die

Überseele alldurchdringend. Die individuelle Seele kann

jedoch nicht von sich behaupten, sie habe ihre Hände,

Beine und Augen überall. Das ist nicht möglich. Wenn sie

denkt, aufgrund von Unwissenheit sei sie sich nicht

bewusst, dass ihre Hände und Beine überall verbreitet seien,

sie werde aber zu dieser Stufe kommen, wenn sie richtiges

Wissen erlange, widerspricht sich dieses Denken. Das

würde nämlich bedeuten, dass die individuelle Seele, da sie

von der materiellen Natur bedingt wurde, nicht in höchster

Stellung steht. Der Höchste ist von Der individuellen Seele

verschieden. Der Höchste Herr kann Seine Hand

unbegrenzt weit ausstrecken; die individuelle Seele kann

dies nicht. In der Bhagavad-Gita sagt der Herr, dass Er von

jedem, der Ihm eine Blume oder eine Frucht oder ein wenig

Wasser opfert, solches annimmt. Hier mag sich die Frage

stellen, wie der Herr Dinge annehmen kann, wenn Er so

weit entfernt ist. Das ist die Allmacht des Herrn. Obwohl Er

Sich in Seinem Reich, weit entfernt von der Erde, aufhält,

kann Er Seine Hand überallhin ausstrecken, um Opfergaben

anzunehmen. Das ist Seine Macht. In der Brahma-samhita

heißt es: goloka eva nivasati. Obwohl Er auf Seinem

transzendentalen Planeten immer in Spiele vertieft ist, ist Er

alldurchdringend. Die individuelle Seele kann nicht

behaupten, sie sei alldurchdringend. Folglich beschreibt

dieser Vers die Höchste Seele, die Persönlichkeit Gottes,

nicht die individuelle Seele.
VERS 15

Die Überseele ist die ursprüngliche Quelle aller Sinne,

und doch ist Sie ohne Sinne. Der Herr ist unangehaftet,

obwohl Er der Erhalter aller Lebewesen ist. Er steht in

transzendentaler Stellung zu den Erscheinungsweisen

der Natur, und zugleich ist Er der Herr aller
Erscheinungsweisen der materiellen Natur.
ERLÄUTERUNG

Obwohl der Höchste Herr der Ursprung aller Sinne der

Lebewesen ist, hat Er keine materiellen Sinne wie sie.

Eigentlich haben die individuellen Seelen spirituelle Sinne,

doch im bedingten Leben sind diese von den materiellen

Elementen bedeckt, und so werden die Tätigkeiten der

Sinne durch Materie hindurch entfaltet. Die Sinne des

Höchsten Herrn sind nicht in solcher Weise bedeckt. Seine

Sinne sind transzendental und werden daher nirguna

genannt. Mit guäa sind die materiellen Erscheinungsweisen

gemeint, doch Seine Sinne sind nicht von Materie bedeckt.

Man sollte verstehen, dass Seine Sinne nicht wie die unseren

sind. Obwohl Er die Quelle all unserer Sinnestätigkeiten ist,

hat Er transzendentale Sinne, die nicht verunreinigt sind.

Das wird sehr schön in der Svetasvatara Upanisad erklärt:

sarvataÉ paäi-padam. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit

Gottes, hat keine Hände, die materiell verunreinigt sind,

aber Er hat Hände, mit denen Er alle Opfer annimmt, die

Ihm dargebracht werden. Das ist der Unterschied zwischen

der bedingten Seele und der Überseele. Der Paramatma hat

zwar keine materiellen Augen, aber Er hat Augen - wie

könnte Er sonst sehen. Er sieht alles in Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft. Er lebt im Herzen des Lebewesens

und weiß, was wir in der Vergangenheit getan haben, was

wir jetzt tun und was uns in der Zukunft erwartet. Das wird

auch in der Bhagavad-Gita bestätigt: "Er weiß alles, doch

niemand kennt Ihn." Es wird gesagt, dass der Höchste Herr

keine Beine hat wie wir, doch Er kann durch den Weltraum

reisen, weil Er spirituelle Beine hat. Mit anderen Worten:

Der Herr ist nicht unpersönlich; Er hat Augen, Beine,

Hände und alles andere, und weil wir Teile des Höchsten

Herrn sind, haben auch wir diese Dinge. Doch Seine

Hände, Beine, Augen und Sinne sind nicht durch die

materielle Natur verunreinigt.

Die Bhagavad-Gita bestätigt ebenfalls, dass der Herr, wenn

Er herabsteigt, durch Seine innere Kraft unverändert, wie

Er ist, erscheint. Er wird durch die materielle Energie nicht

verunreinigt, weil Er der Herr der materiellen Energie ist.

In den vedischen Schriften finden wir, dass Seine ganze

Verkörperung spirituell ist. Er hat Seine ewige Gestalt, die

man sac-cid-ananda-vigraha nennt. Er ist von allem

Reichtum erfüllt. Er ist der Besitzer aller Schätze und der

Eigentümer aller Energie. Er ist der Intelligenteste, und Er

ist voller Wissen. Dies sind einige Kennzeichen der

Höchsten
Persönlichkeit Gottes. Er ist der Erhalter aller

Lebewesen und der Zeuge jeder Tätigkeit. Wie wir aus den

vedischen Schriften verstehen können, ist der Herr immer

transzendental. Obwohl wir Seinen Kopf, Sein Gesicht,

Seine Hände und Seine Beine nicht sehen können, sind sie

da, und wenn wir auf die transzendentale Stufe erhoben

werden, können wird die Gestalt des Herrn sehen. Weil

unsere Sinne durch Materie verunreinigt sind, können wir

Seine Gestalt nicht wahrnehmen. Deshalb können die

Unpersönlichkeitsanhänger, die immer noch von Materie

beeinflusst werden, die Persönlichkeit Gottes nicht

verstehen.
VERS 16
Der Herr, die Höchste Wahrheit, existiert sowohl
innerhalb als auch außerhalb - im Sichbewegenden

und im Sich-nicht-Bewegenden. Es ist nicht möglich, Ihn

durch materielle Sinne zu sehen oder zu erkennen. Obwohl

weit, weit entfernt, ist Er allem auch nah.
ERLÄUTERUNG

Aus der vedischen Literatur verstehen wir, dass Narayaäa,

die Höchste Person, sowohl innerhalb als auch außerhalb

jedes Lebewesens weilt. Er ist sowohl in der spirituellen als

auch in der materiellen Welt gegenwärtig. Obwohl Er weit,

weit entfernt ist, ist Er uns doch sehr nah. So lauten die

Aussagen der vedischen Literatur. Und weil Er immer in

transzendentaler Glückseligkeit vertieft ist, können wir

nicht verstehen, wie Er all Seinen Reichtum genießt. Dies

können wir mit unseren materiellen Sinnen nicht verstehen

oder erfahren. Deshalb heißt es der vedischen Version

gemäß, dass unser materieller Geist und unsere materiellen

Sinne nicht geeignet sind, Ihn zu verstehen. Wer jedoch

seine Sinne und seinen Geist durch das Praktizieren von

Krsna-Bewusstsein im hingebungsvollen Dienst gereinigt

hat, kann den Herrn ständig sehen. In der Brahma-samhita

wird bestätigt, dass der Gottgeweihte, der Liebe zum

Höchsten Gott entwickelt hat, den Herrn immer ohne

Unterbrechung sehen kann. Und in der Bhagavad-Gita

(11.54) wird erklärt, dass Er nur durch hingebungsvollen

Dienst gesehen und verstanden werden kann.
VERS 17

Obwohl der Herr, die Überseele, in viele aufgeteilt zu

sein scheint, ist Er niemals geteilt. Er ist Einer. Obwohl

Er der Erhalter aller Lebewesen ist, muss man

verstehen, dass Er sie alle verschlingt und entwickelt.

ERLÄUTERUNG

Der Herr weilt als Überseele im Herzen eines jeden.

Bedeutet das aber, dass Er Sich aufgeteilt hat? Nein. Im

Grunde ist Er Einer. In diesem Zusammenhang wird das

Beispiel der Sonne gegeben: Im Zenit hat die Sonne einen

bestimmten Standort. Wenn man aber 5000 Kilometer in

alle Richtungen ginge und fragte: „Wo ist die Sonne?",

würde jeder sagen, dass sie auf seinen Kopf scheine. In der

vedischen Literatur wird dieses Beispiel gegeben, um zu

zeigen, dass der Herr, obwohl Er ungeteilt ist, aufgeteilt zu

sein scheint. In der vedischen Literatur heißt es auch, dass

ein Visnu durch Seine Allmacht überall gegenwärtig ist,

ebenso wie die Sonne vielen Menschen an vielen Orten

erscheint. Und obwohl der Höchste Herr der Erhalter eines

jeden Lebewesens ist, wird zur Zeit der Vernichtung alles

von Ihm verschlungen. Das wurde im Elften Kapitel

bestätigt, als der Herr sagte, dass Er gekommen sei, um alle

auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra versammelten

Krieger zu verschlingen. Er erwähnte auch, dass Er in der

Form der Zeit ebenfalls alles verschlinge. Er ist der Vernichter

und der Töter aller. Zur Zeit der Schöpfung

entwickelt Er alle aus ihrem ursprünglichen Zustand, und

zur Zeit der Vernichtung verschlingt Er sie. Die vedischen

Hymnen bestätigen die Tatsache, dass Er der Ursprung und

der Ruheort aller Lebewesen ist. Nach der Schöpfung ruht

alles in Seiner Allmacht, und nach der Vernichtung kehrt

alles wieder zurück, um in Ihm zu ruhen. So lauten die

Bestätigungen der vedischen Hymnen.
VERS 18
Er ist die Lichtquelle in allen leuchtenden

Gegenständen. Er befindet Sich jenseits der Dunkelheit

der Materie und ist unmanifestiert. Er ist Wissen, Er ist

der Gegenstand des Wissens, und Er ist das Ziel des

Wissens. Er weilt im Herzen eines jeden.
ERLÄUTERUNG

Die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die

Lichtquelle in allen leuchtenden Gegenständen wie Sonne,

Mond, Sternen usw. Aus der vedischen Literatur erfahren

wir, dass im spirituellen Königreich Sonne und Mond nicht

notwendig sind, weil dort alles von der Ausstrahlung des

Höchsten Herrn erleuchtet wird. In der materiellen Welt ist

dieses brahmajyoti, die spirituelle Ausstrahlung des Herrn,

vom mahat-tattva oder den materiellen Elementen bedeckt.

Deshalb benötigen wir in der materiellen Welt die Hilfe

von Sonne, Mond, Elektrizität usw., um Licht zu haben. In

der spirituellen Welt aber sind solche Dinge nicht

notwendig. In der vedischen Literatur wird klar gesagt, dass

alles von der gleißenden Ausstrahlung des Herrn erleuchtet

wird. Es ist daher klar, dass Sein Aufenthaltsort nicht in der

materiellen Welt liegt. Er weilt in der spirituellen Welt, die

weit, weit entfernt im spirituellen Himmel liegt. Auch das

wird in der vedischen Literatur bestätigt: Er gleicht der Sonne,

ewig leuchtend,

doch befindet Er Sich weit, weit jenseits der Dunkelheit der

materiellen Welt. Sein Wissen ist transzendental. Die

vedische Literatur bestätigt, dass Brahman konzentriertes

transzendentales Wissen ist. Wenn jemand in die spirituelle

Welt erhoben werden möchte, gibt ihm der Höchste Herr,

der im Herzen eines jeden weilt, das dazu notwendige

Wissen.

Einer der vedischen mantras lautet: Man muss sich der Höchsten

Persönlichkeit

Gottes ergeben, wenn man tatsächlich befreit werden will.

Und was das Ziel endgültigen Wissens betrifft, so wird in

der vedischen Literatur ebenfalls bestätigt: "Nur wenn man

Dich kennt, kann man

die Grenzen von Geburt und Tod überschreiten." Er weilt

im Herzen eines jeden als höchster Lenker. Die Beine und

Hände des Höchsten sind überallhin verbreitet, was man

von der individuellen Seele nicht behaupten kann. Daher

muss man anerkennen, dass es zwei Kenner des

Tätigkeitsfeldes gibt - die individuelle Seele und die

Überseele. Unsere Hände und Beine befinden sich nur an

einem Ort, doch Krsnas Hände und Beine sind überall

verbreitet. Das wird in der Svetasvatara Upanisad bestätigt:

Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Überseele, ist der

prabhu oder Herr aller Lebewesen; deshalb ist Sie der

letztliche Mittelpunkt aller Lebewesen. Man kann also nicht

die Tatsache leugnen, dass die Höchste Überseele und die

individuelle Seele immer verschieden sind.
VERS 19

Somit habe Ich das Feld der Tätigkeiten [den Körper],

Wissen und das Erkennbare zusammenfassend

beschrieben. Nur Meine Geweihten können dies genau

verstehen und so Meine Natur erreichen.
ERLÄUTERUNG
Der Herr hat in einer Zusammenfassung den Körper,

Wissen und das Erkennbare beschrieben. Dieses Wissen

umfasst drei Dinge: den Kenner, das Erkennbare und den

Vorgang der Erkenntnis. Zusammen nennt man sie

vijnanam oder die Wissenschaft von der Erkenntnis.

Vollkommenes Wissen kann von den unverfälschten

Geweihten des Herrn direkt verstanden werden. Andere

sind dazu nicht imstande. Die Monisten sagen, dass diese

drei Dinge letztlich eins werden, doch die Gottgeweihten

stimmen dem nicht zu. Wissen und die Entwicklung von

Wissen bedeuten, sich selbst im Krsna-Bewusstsein zu

verstehen. Wir lassen uns von materiellem Bewusstsein

leiten, doch sobald wir alles Bewusstsein auf Krsnas Taten

übertragen und erkennen, dass Krsna alles ist, erreichen wir

wirkliches Wissen. Mit anderen Worten: Wissen ist nichts

anderes als die Vorstufe des vollkommenen Verständnisses

von hingebungsvollem Dienst.
VERS 20

Man sollte verstehen, dass die materielle Natur und die

Lebewesen anfanglos sind. Ihre Umwandlungen und die

Erscheinungsweisen der Materie sind Produkte der
materiellen Natur.
ERLÄUTERUNG

Durch dieses Wissen können der Körper, das Feld der

Tätigkeiten und die Kenner des Körpers (sowohl die

individuelle Seele als auch die Überseele) erkannt werden.

Der Körper ist das Tätigkeitsfeld und ist aus der materiellen

Natur zusammengesetzt. Die individuelle Seele ist im

Körper eingeschlossen. Der purusa oder das Lebewesen

genießt die Tätigkeiten des Körpers. Er ist ein Kenner, und

der andere ist die Überseele. Natürlich muss man verstehen,

dass sowohl die Überseele als auch das individuelle

Lebewesen verschiedene Manifestationen der Höchsten

Persönlichkeit Gottes sind. Das Lebewesen gehört zu

Seiner Energie, und die Überseele gehört zu Seinen

persönlichen Erweiterungen.

Sowohl die materielle Natur als auch das Lebewesen sind

ewig. Das bedeutet, dass sie bereits vor der Schöpfung

existierten. Die materielle Manifestation kommt von der

Energie des Höchsten Herrn, ebenso wie die Lebewesen,

doch sind diese von höherer Energie. Beide existierten,

bevor dieser Kosmos manifestiert wurde. Die materielle

Natur ruhte in der Höchsten Persönlichkeit Gottes,

Maha-Visnu, und als es notwendig war, wurde sie mit Hilfe

des mahat-tattva manifestiert. In ähnlicher Weise weilen

auch die Lebewesen in Ihm, doch weil sie bedingt sind,

weigern sie sich, dem Höchsten Herrn zu dienen. Daher ist

es ihnen nicht gestattet, in den spirituellen Himmel

einzugehen. Nachdem die materielle Natur aufgelöst

worden ist, wird diesen Lebewesen erneut die Möglichkeit

gegeben, in der materiellen Welt zu handeln und sich

darauf vorzubereiten, in die spirituelle Welt

zurückzukehren. Das ist das Mysterium dieser materiellen

Schöpfung. Eigentlich ist das Lebewesen ursprünglich ein

spirituelles Teilchen des Höchsten Herrn, doch wegen

seiner rebellischen Haltung ist es durch die materielle Natur

bedingt. Es ist tatsächlich nicht wichtig, wie die Lebewesen

oder höheren Bestandteile des Höchsten Herrn mit der

materiellen Natur in Berührung gekommen sind. Die

Höchste Persönlichkeit Gottes weiß jedoch, wie und warum

dies geschah. In den Schriften sagt der Herr, dass diejenigen,

die sich zur materiellen Natur hingezogen fühlen,

einen harten Kampf ums Dasein führen müssen. Aber wir

sollten den Beschreibungen dieser wenigen Verse mit

Gewissheit entnehmen, dass alle Wandlungen und Einflüsse

der materiellen Natur, die durch die drei

Erscheinungsweisen hervorgerufen werden, ebenfalls Produkte

der materiellen Natur sind. Alle Wandlungen und

Verschiedenheiten hinsichtlich der Lebewesen beziehen

sich auf den Körper. Was die spirituelle Natur betrifft, so

sind die Lebewesen alle gleich.
VERS 21
Die Natur gilt als die Ursache aller materiellen

Tätigkeiten und Wirkungen, wohingegen das Lebewesen

die Ursache der verschiedenen Leiden und Genüsse in

der Welt ist.
ERLÄUTERUNG
Die verschiedenen Manifestationen von Körpern und

Sinnen, die unter den Lebewesen zu finden sind, haben ihre

Ursache in der materiellen Natur. Es gibt 8 400 000

verschiedene Arten des Lebens, und diese

Verschiedenheiten sind die Schöpfung der materiellen

Natur. Sie entstehen aus den verschiedenen Sinnenfreuden

des Lebewesens, das so den Wunsch ausdrückt, in diesem

oder jenem Körper zu leben. Wenn es in verschiedene

Körper gesetzt wird, genießt es verschiedene Formen von

Glück und Leid. Sein materielles Glück und Leid sind auf

den Körper zurückzuführen, nicht auf es selbst, wie es ist.

In seinem ursprünglichen Zustand gibt es zweifellos

Genuss; deshalb ist das sein wirklicher Zustand. Aufgrund

seines Wunsches, die materielle Natur zu beherrschen,

befindet es sich in der materiellen Welt. In der spirituellen

Welt gibt es so etwas nicht. Die spirituelle Welt ist rein,

doch in der materiellen Welt kämpft jeder schwer, um

Dinge zu erbeuten, die dem Körper verschiedene Freuden

bescheren. Um es deutlicher auszudrücken: Der Körper ist

das Ergebnis der Sinnesorgane. Die Sinne sind Instrumente,

um Wünsche zu befriedigen. Dem Lebewesen wird also

alles zusammen - Körper und Sinneswerkzeuge - von

der materiellen Natur zur Verfügung gestellt, und wie der

nächste Vers klarmacht, wird das Lebewesen je nach seinen

vergangenen Wünschen und Tätigkeiten mit den

entsprechenden Umständen gesegnet oder bestraft. Seinen

Wünschen und Tätigkeiten gemäß wird man von der

materiellen Natur in verschiedene Wohnstätten gesetzt. Das

Lebewesen selbst ist die Ursache solcher Wohnstätten und

der es begleitenden Freuden und Leiden. Einmal in einen

bestimmten Körper gesetzt, kommt es unter die Herrschaft

der Natur; da nämlich der Körper aus Materie besteht, handelt

er nach den Gesetzen der Natur. Zu dem Zeitpunkt hat

das Lebewesen nicht die Macht, dieses Gesetz zu ändern.

Nehmen wir an, ein Wesen wird in den Körper eines

Hundes gesetzt. Sobald es in den Körper eines Hundes

gesetzt worden ist, muss es wie ein Hund handeln. Es kamt

nicht anders handeln. Und wenn das Lebewesen in den

Körper eines Schweines gesetzt wird, ist es gezwungen,

Kot zu fressen und wie ein Schwein zu handeln. In

ähnlicher Weise muss das Lebewesen, wenn es in den

Körper eines Halbgottes gesetzt wird, in Entsprechung zu

diesem Körper handeln. Das ist das Gesetz der Natur. Doch

unter allen Umständen ist die Überseele bei der

individuellen Seele. Dies wird in den Veden wie folgt

erklärt: Der Höchste Herr ist mit dem Lebewesen so gütig,

dass Er die individuelle Seele immer begleitet und unter

allen Umständen als Überseele oder Paramatma gegenwärtig ist.

VERS 22

So folgt das Lebewesen in der materiellen Natur den

Wegen des Lebens und genießt die drei

Erscheinungsweisen der Natur. Das hat seine Ursache in

der Verbindung mit dieser materiellen Natur. Auf diese

Weise trifft es mit Gut und Schlecht unter den
verschiedenen Arten des Lebens zusammen.
ERLÄUTERUNG

Dieser Vers ist sehr wichtig, um zu verstehen, wie das

Lebewesen von einem Körper zum anderen wandert. Im

Zweiten Kapitel wurde erklärt, dass das Lebewesen von

Körper zu Körper wandert, so wie jemand Kleider

wechselt. Dieses Wechseln der Kleidung ist auf die

Anhaftung des Lebewesens an die materielle Existenz

zurückzuführen. Solange es von dieser falschen materiellen

Manifestation gefangen ist, muss es weiter von einem

Körper zum anderen wandern. Aufgrund seines Wunsches,

die materielle Natur zu beherrschen, wird es in solche nicht

wünschenswerten Umstände versetzt. Unter dem Einfluss

materieller Wünsche wird das Lebewesen mal als Halbgott,

mal als Mensch, als Säugetier, als Vogel, als Wurm, als

Wassertier, als Reptil, als Wanze usw. geboren. Das ist der

Lauf der Welt. Und in allen Fällen hält sich das Lebewesen

für den Herrn seiner Lebensumstände, obwohl es dem

Einfluss der materiellen Natur untersteht.

Wie das Lebewesen in solch verschiedene Körper gesetzt

wird, ist hier erklärt. Die Ursache liegt in der Gemeinschaft

mit den verschiedenen Erscheinungsweisen der Natur. Man

muss sich daher über die drei materiellen

Erscheinungsweisen erheben und in der transzendentalen

Stellung verankert werden. Das nennt man Krsna--
Bewusstsein. Solange das Lebewesen nicht im

Krsna-Bewusstsein verankert ist, wird sein materielles

Bewusstsein es zwingen, von einem Körper zum anderen zu

wandern; denn es hat schon seit undenklichen Zeiten

materielle Wünsche. Diese Auffassung muss es ändern.

Solcher Gesinnungswandel kann nur stattfinden, wenn man

aus autoritativen Quellen hört. Das beste Beispiel sehen wir

hier: Arjuna hört von Krsna die Wissenschaft von Gott.

Wenn sich das Lebewesen diesem Vorgang des Hörens

widmet, wird es seinen langgehegten Wunsch, über die

materielle Natur zu herrschen, verlieren, und allmählich

und in dem Maße, wie es sein altes Verlangen zu

beherrschen aufgibt, wird es die Ebene erreichen, auf der es

spirituelles Glück genießt. In einem vedischen mantra heißt

es, dass man in dem Maße, wie man in Gemeinschaft mit

der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu Wissen gelangt, sein

ewiges glückseliges Leben zu kosten beginnt.
VERS 23

Jedoch gibt es in diesem Körper noch einen anderen,

einen transzendentalen Genießer, den Herrn, den
höchsten Besitzer, der als Beobachter und
Erlaubnisgeber gegenwärtig ist und den man als
Überseele kennt.
ERLÄUTERUNG

Hier wird gesagt, dass die Überseele, die die individuelle

Seele ständig begleitet, die Repräsentation des Höchsten

Herrn ist. Die Überseele ist kein gewöhnliches Lebewesen.

Weil die Monisten der Ansicht sind, es gebe nur einen

Kenner des Körpers, glauben sie, zwischen der Überseele

und der individuellen Seele bestehe kein Unterschied. Um

dies klarzustellen, sagt der Herr, dass Er die

Paramatma-Repräsentation in jedem Körper ist. Er ist von

der individuellen Seele verschieden; Er ist parah oder

transzendental. Die individuelle Seele genießt die

Tätigkeiten eines bestimmten Feldes, aber die Überseele ist

weder als begrenzter Genießer noch als Teilnehmer an

körperlichen Tätigkeiten anwesend, sondern als Zeuge,

Beobachter, Erlaubnisgeber und höchster Genießer. Ihr

Name ist Paramatma, nicht atma, und Sie ist

transzendental. Es ist sehr offensichtlich, dass atma und

Paramatma voneinander verschieden sind. Die Überseele,

der Paramatma, hat Beine und Hände, die sich überall

befinden, die individuelle Seele hingegen nicht. Und da Er

der Höchste Herr ist, ist Er im Innern gegenwärtig, um die

Wünsche der individuellen Seele nach materiellem Genuss

zu bewilligen. Ohne die Einwilligung der Höchsten Seele

kann die individuelle Seele nichts tun. Das Individuum ist

bhakta oder derjenige, der erhalten wird, und der Herr ist

bhukta oder der Erhalter. Es gibt unzählige Lebewesen, und

Er weilt in ihnen als Freund.

Tatsache ist, dass die individuellen Lebewesen ewiglich

winzige Bestandteile des Höchsten Herrn und mit Ihm sehr

eng in Freundschaft verbunden sind. Doch das Lebewesen

neigt dazu, die Einwilligung des Höchsten Herrn
zurückzuweisen und unabhängig zu handeln, um die

materielle Natur zu beherrschen. Weil es diese Neigung hat,

wird es als die marginale Energie des Höchsten bezeichnet.

Das Lebewesen kann sich entweder in der materiellen oder

in der spirituellen Energie aufhalten. Solange es durch die

materielle Energie bedingt ist, bleibt der Höchste Herr als

sein Freund, die Überseele, bei ihm, um es dazu zu

bewegen, zur spirituellen Energie zurückzukehren. Der

Herr ist immer bemüht, es zur sprituellen Energie
zurückzuführen, doch aufgrund seiner winzigen

Unabhängigkeit lehnt das individuelle Lebewesen es

fortwährend ab, mit dem spirituellen Licht verbunden zu

sein. Dieser Missbrauch seiner Unabhängigkeit ist die

Ursache seines materiellen Kampfes in der bedingten

Natur. Der Herr gibt ihm daher von innen und außen

ständig Unterweisungen. Von außen gibt Er

Unterweisungen, wie sie in der Bhagavad-Gita zu finden

sind, und von innen versucht Er das Lebewesen davon zu

überzeugen, dass Tätigkeiten im materiellen Feld für wahres

Glück nicht förderlich sind. Er sagt: "Gib solches Tun

einfach auf, und wende dein Vertrauen Mir zu. Dann wirst

du glücklich sein." Der intelligente Mensch, der sein

Vertrauen in den Paramatma oder die Höchste

Persönlichkeit Gottes setzt, macht so den ersten Schritt auf

dem Weg zu einem glückseligen ewigen Leben voller
Wissen.
VERS 24

Wer diese Philosophie von der materiellen Natur, dem

Lebewesen und der Wechselwirkung der Erscheinungsweisen

der Natur versteht, wird mit Sicherheit Befreiung erlangen.

Er wird in dieser Welt nicht wiedergeboren werden, ungeachtet

seiner jetzigen Stellung.
ERLÄUTERUNG
Wenn man die materielle Natur, die Überseele, die

individuelle Seele und ihre Wechselbeziehungen klar

versteht, ist man geeignet, befreit zu werden und die spirituelle

Welt zu erreichen, ohne gezwungen zu sein, zur

materiellen Natur zurückzukehren. Das ist das Ergebnis

von Wissen. Der Zweck des Wissens besteht in dem klaren

Verständnis, dass das Lebewesen zufällig in die materielle

Existenz gefallen ist. Durch seine persönliche Bemühung in

der Gemeinschaft von Autoritäten, Heiligen und einem

spirituellen Meister muss es seine Stellung verstehen und

dann zu seinem spirituellen Bewusstsein oder
Krsna-Bewusstsein zurückkehren, indem es die

Bhagavad-Gita so versteht, wie sie von der Persönlichkeit

Gottes erklärt wird. Dann ist es sicher, dass es nie wieder in

die materielle Existenz zurückkommen wird; es wird in die

spirituelle Welt erhoben zu einem glückseligen ewigen

Leben voller Wissen.
VERS 25

Einige erkennen die Überseele durch Meditation, andere

durch die Entwicklung von Wissen und wieder andere

durch Arbeit, die ohne fruchtbringendes Verlangen
verrichtet wird.
ERLÄUTERUNG

Der Herr teilt Arjuna mit, dass die bedingten Seelen in

bezug auf ihre Suche nach Selbstverwirklichung in zwei

Gruppen eingeteilt werden können. Atheisten, Agnostiker

und Skeptiker haben keinen Sinn für spirituelles

Verständnis. Doch es gibt andere, die Vertrauen in ihr

Verständnis vom spirituellen Leben haben, und zwar

diejenigen, die auf die Früchte ihrer Arbeit verzichtet

haben. Diejenigen, die fortwährend versuchen, die Lehre

des Monismus zu verbreiten, werden ebenfalls zu den

Atheisten und Agnostikern gezählt. Mit anderen Worten:

Nur die Geweihten der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind

wahrhaft zu spirituellem Verständnis fähig, da sie

verstehen, dass jenseits der materiellen Natur die spirituelle

Welt und der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes,

existieren, der sich als Paramatma, die Überseele in jedem

als alldurchdringender Gott, erweitert hat. Natürlich gibt es

auch Menschen, die versuchen, die Höchste Absolute

Wahrheit durch die Kultivierung von Wissen zu verstehen;

sie werden zur zweiten Gruppe gezählt. Die atheistischen

Philosophen zerlegen die materielle Welt in
vierundzwanzig Elemente und setzen die Seele als

fünfundzwanzigstes hinzu. Wenn sie verstehen können, dass

die Natur der individuellen Seele transzendental zu den

materiellen Elementen ist, können sie auch verstehen, dass

über der individuellen Seele die Höchste Persönlichkeit

Gottes steht. Der Herr ist das sechsundzwanzigste Element.

So gelangen auch sie allmählich auf die Stufe des
hingebungsvollen Dienstes im Krsna-Bewusstsein.

Diejenigen, die ohne fruchtbringende Ergebnisse arbeiten,

sind in ihrer Haltung ebenfalls vollkommen. Ihnen wird die

Möglichkeit gegeben, auf die Ebene des hingebungsvollen

Dienstes im Krsna-Bewusstsein zu gelangen. In diesem Vers

heißt es auch, dass es einige Menschen gibt, die im

Bewusstsein rein sind und versuchen, die Überseele durch

Meditation zu finden. Wenn sie die Überseele in ihrem

Innern entdecken, werden auch sie in der Transzendenz

verankert. Andere versuchen, die Höchste Seele durch die

Kultivierung von Wissen zu verstehen, und wieder andere

üben sich im hatha-yoga-System und versuchen, die

Höchste Persönlichkeit Gottes durch kindische Spielereien

zu erfreuen.
VERS 26

Und es gibt andere, die zwar im spirituellen Wissen

nicht erfahren sind, die aber beginnen, die Höchste

Person zu verehren, nachdem sie von anderen von Ihr

gehört haben. Weil sie die Neigung haben, von

Autoritäten zu hören, transzendieren auch sie den Pfad

von Geburt und Tod.
ERLÄUTERUNG

Dieser Vers trifft besonders auf die moderne Gesellschaft

zu, denn heutzutage gibt es so gut wie keine spirituelle

Bildung. Manche Menschen mögen atheistisch, agnostisch

oder philosophisch erscheinen, doch in Wirklichkeit gibt es

kein Wissen von Philosophie. Was den gewöhnlichen

Menschen betrifft, so besteht für ihn die Möglichkeit, durch

Hören Fortschritte zu machen, wenn er eine gute Seele ist.

Dieser Vorgang des Hörens ist sehr wichtig. Sri Caitanya,

der Krsna-Bewusstsein in der modernen Welt predigte, legte

auf den Vorgang des Hörens großen Nachdruck, denn wenn

der gewöhnliche Mensch einfach aus autoritativen Quellen

hört, kann er Fortschritt machen; das ist ganz besonders der

Fall, wie Sri Caitanya sagt, wenn er die transzendentale

Klangschwingung Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna,

Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare

Hare hört. Es wird daher gesagt, dass alle Menschen den

Vorteil, von selbstverwirklichten Seelen zu hören, nutzen

und allmählich fähig werden sollten, alles zu verstehen.

Dann werden sie zweifellos beginnen, den Höchsten zu

verehren. Sri Caitanya hat gesagt, dass im gegenwärtigen

Zeitalter niemand seine Stellung zu wechseln braucht, dass

man aber die Bemühung aufgeben soll, die Absolute

Wahrheit durch spekulatives Schlussfolgern zu verstehen.

Man soll versuchen, der Diener derer zu werden, die den

Höchsten Herrn kennen. Wenn man so glücklich ist, bei

einem reinen Gottgeweihten Zuflucht zu suchen, von ihm

über Selbstverwirklichung zu hören und seinen Fußspuren

zu folgen, wird man allmählich zur Stellung eines reinen

Gottgeweihten erhoben. In diesem Vers wird insbesondere

der Vorgang des Hörens mit Nachdruck empfohlen, und

das ist auch angemessen. Wenngleich der gewöhnliche

Mensch oft nicht so begabt ist wie sogenannte Philosophen,

wird ihm das vertrauensvolle Hören von einer wirklichen

Autorität helfen, die materielle Existenz zu transzendieren

und nach Hause, zu Gott, zurückzukehren.
VERS 27
O Oberhaupt der Bharatas, was immer du existieren

siehst - ob es sich bewegt oder nicht -, ist nur die

Verbindung des Feldes der Tätigkeiten mit dem Kenner

des Feldes.
ERLÄUTERUNG

In diesem Vers werden sowohl die materielle Natur als

auch das Lebewesen erklärt, die bereits vor der Schöpfung

des Kosmos existierten. Alles Erschaffene ist nichts als die

Verbindung des Lebewesens mit der materiellen Natur. Es

gibt viele Manifestationen, wie Bäume, Berge und Hügel,

die sich nicht bewegen, und es gibt viele Formen des

Daseins, die sich bewegen; sie alle sind nichts weiter als

Verbindungen der materiellen Natur mit der höheren Natur,

dem Lebewesen. Ohne die Berührung der höheren Natur,

des Lebewesens, kann nichts wachsen. Deshalb besteht die

Beziehung zwischen der Materie und der höheren Natur

ewig, und diese Verbindung ist vom Höchsten Herrn so

vorgesehen. Folglich ist Er der Lenker sowohl der höheren

als auch der niederen Natur. Die materielle Natur wurde

von Ihm geschaffen, und die höhere Natur ist in diese Natur

hineingesetzt, und so kommen alle Tätigkeiten und
Manifestationen zustande.
VERS 28

Wer sieht, dass die Überseele die individuelle Seele in

allen Körpern begleitet, und versteht, dass weder die

Seele noch die Überseele jemals zerstört werden, hat die

wahre Sicht.
ERLÄUTERUNG

Jeder, der drei Dinge erkennen kann - den Körper, den

Besitzer des Körpers oder die individuelle Seele und den

Freund der individuellen Seele, die durch gute

Gemeinschaft miteinander verbunden sind -, gründet

tatsächlich in Wissen. Diejenigen, die mit dem Freund der

Seele keine Gemeinschaft haben, sind unwissend; sie sehen

nur den Körper und denken, alles sei zu Ende, wenn der

Körper zerstört werde. Aber das ist nicht der Fall. Nach der

Zerstörung des Körpers existieren sowohl die Seele als

auch die Überseele, und sie bestehen ewig weiter in

verschiedenen sich bewegenden und sich nicht bewegenden

Formen. Das Sanskritwort paramesvaram wird manchmal

mit "individuelle Seele" übersetzt, denn die Seele ist der

Herr des Körpers, und nach der Zerstörung des Körpers

wandert sie in eine andere Form. So gesehen ist sie

tatsächlich Herr. Andere übersetzen dieses paramesvaram

mit "Überseele", aber in beiden Fällen existieren die

individuelle Seele und die Überseele weiter. Sie werden

nicht zerstört. Wer so zu sehen vermag, kann tatsächlich

verstehen, was geschieht.
VERS 29

Wer sieht, dass die Überseele in jedem Lebewesen weilt

und überall gleich ist, wird durch seinen Geist nicht

erniedrigt. So nähert er sich dem transzendentalen Ziel.

ERLÄUTERUNG

Wenn das Lebewesen erkennt, dass sein materielles Dasein

nur viel Leid bedeutet, kann es in seiner spirituellen

Existenz verankert werden. Wenn jemand versteht, dass der

Höchste in Seiner Paramatma-Manifestation überall

gegenwärtig ist, das heißt, wenn er die Gegenwart der

Höchsten Persönlichkeit Gottes in jedem Lebewesen sieht,

erniedrigt er sich nicht und macht daher allmählich

Fortschritt auf die spirituelle Welt zu. Für gewöhnlich ist

der Geist selbstzentrierten Denkvorgängen verfallen, doch

wenn er sich der Überseele zuwendet, macht man
Fortschritte im spirituellen Verständnis.
VERS 30
Wer sehen kann, dass alle Tätigkeiten vom Körper
ausgeführt werden, der von der materiellen Natur

geschaffen ist, und versteht, dass das Selbst nichts tut,

hat die wahre Sicht.
ERLÄUTERUNG

Der Körper ist von der materiellen Natur unter der

Anweisung der Überseele geschaffen worden, und alle

Tätigkeiten in Beziehung zum Körper führt man nicht

selbst aus. Zu allem, was man tut - sei es, um Glück zu

erlangen oder um zu leiden -, wird man aufgrund der

körperlichen Veranlassung gezwungen. Das Selbst jedoch

befindet sich jenseits solcher körperlichen Tätigkeiten. Der

Körper wird einem in Entsprechung zu seinen vergangenen

Wünschen gegeben. Um bestimmte Wünsche zu erfüllen,

wird einem der Körper gegeben, mit dem man

dementsprechend handelt. Im Grunde ist der Körper eine

Maschine, die vom Höchsten Herrn entworfen wurde, um

Wünsche zu erfüllen. Aufgrund von Wünschen wird man in

schwierige Umstände versetzt, um zu leiden oder zu

genießen. Wenn man dieses transzendentale Verständnis

vom Lebewesen entwickelt, löst man sich von körperlichen

Tätigkeiten. Wer ein solches Verständnis hat, sieht die

Dinge im richtigen Licht.
VERS 31
Wenn ein vernünftiger Mensch aufhört, aufgrund
verschiedener materieller Körper verschiedene
Identitäten zu sehen, erlangt er die Brahman-
Erkenntnis. Dann sieht er, dass Lebewesen überall
verbreitet sind.
ERLÄUTERUNG

Wenn man erkennen kann, dass die verschiedenen Körper

der Lebewesen aus den verschiedenen Wünschen der

individuellen Seele entstehen und zur Seele an sich nicht

wirklich gehören, sieht man die Dinge, wie sie tatsächlich

sind. In der materiellen Lebensauffassung sehen wir den

einen als Halbgott, einen anderen als Menschen, als Hund,

als Katze usw. Das ist materielle Sicht, nicht wirkliche

Sicht. Diese materielle Unterscheidung hat ihre Ursache in

einer materiellen Auffassung vom Leben. Nach der

Zerstörung des materiellen Körpers bleibt die Seele, wie sie

ist. Nur weil die Seele mit der materiellen Natur in

Berührung ist, bekommt sie verschiedene Arten von
Körpern. Wenn jemand das sehen kann, erlangt er

spirituelle Sicht; wenn er nicht mehr unterscheidet

zwischen Mensch und Tier, groß und klein, usw., wird sein

Bewusstsein gereinigt, und er wird fähig, in seiner

spirituellen Identität Krsna-Bewusstsein zu entwickeln. Wie

er dann die Dinge sieht, wird im nächsten Vers erklärt.

VERS 32

Wer mit den Augen der Ewigkeit sieht, kann verstehen,

dass die Seele transzendental und ewig ist und sich

jenseits der Erscheinungsweisen der Natur befindet. O

Arjuna, obwohl sie mit dem materiellen Körper in
Berührung ist, tut die Seele nichts, noch ist sie
verstrickt.
ERLÄUTERUNG

Ein Lebewesen scheint aufgrund der Geburt des materiellen

Körpers geboren zu sein, doch in Wirklichkeit ist das

Lebewesen ewig. Es wird nicht geboren, und obwohl es

sich in einem materiellen Körper aufhält, ist es

transzendental und ewig. Folglich kann es nicht zerstört

werden. Es ist von Natur aus voller Glückseligkeit. Es

befaßt sich nicht mit irgendwelchen materiellen Tätigkeiten

und wird daher auch nicht durch Tätigkeiten verstrickt, die

aufgrund seiner Verbindung mit materiellen Körpern

ausgeführt werden.
VERS 33

Aufgrund seiner feinstofflichen Natur vermischt sich

der Himmel mit keinem anderen Element, obwohl er

alldurchdringend ist. In ähnlicher Weise vermischt sich

eine Seele, die in der Brahman-Erkenntnis verankert ist,

nicht mit dem Körper, obwohl sie sich im Körper
befindet.
ERLÄUTERUNG

Luft ist in Wasser, Schlamm, Kot und allem, was es sonst

noch geben mag, enthalten; trotzdem vermischt sie sich mit

nichts. In ähnlicher Weise hat das Lebewesen aufgrund

seiner subtilen Natur mit all den verschiedenen Körpern, in

denen es sich befinden mag, nichts zu tun. Deshalb ist es

unmöglich, mit materiellen Augen zu sehen, wie das

Lebewesen mit dem Körper in Verbindung ist und nach der

Zerstörung des Körpers nicht mehr in ihm ist. Kein

Wissenschaftler kann das feststellen.
VERS 34
O Nachkomme Bharatas, so wie die Sonne allein das
ganze Universum erleuchtet, so erleuchtet ein

Lebewesen allein den ganzen Körper mit Bewusstsein.

ERLÄUTERUNG

Über das Bewusstsein gibt es verschiedene Theorien. Hier

in der Bhagavad-Gita wird das Beispiel der Sonne und des

Sonnenscheins gegeben. So wie die Sonne an einem Ort

steht und trotzdem das ganze Universum erleuchtet, so

erleuchtet ein kleines Teilchen wie die Seele, obwohl es

sich im Herzen des Körpers befindet, den ganzen Körper

mit Bewusstsein. Somit ist Bewusstsein der Beweis für das

Vorhandensein der Seele, ähnlich wie Sonnenschein oder

Licht der Beweis für die Gegenwart der Sonne ist. Wenn

die Seele im Körper gegenwärtig ist, ist das Bewusstsein

über den gesamten Körper verbreitet, doch sobald die Seele

den Korper verlassen hat, gibt es kein Bewusstsein mehr.

Jeder intelligente Mensch kann dies ohne weiteres verstehen.

Daher ist Bewusstsein kein Produkt materieller

Verbindungen. Es ist das Symptom des Lebewesens. Das

Bewusstsein des Lebewesens, obwohl eigenschaftsmäßig

mit dem höchsten Bewusstsein eins, ist nicht von höchster

Natur, da das Bewusstsein eines bestimmten Körpers nicht

am Bewusstsein eines anderen Körpers teilhat. Die

Überseele aber, die in allen Körpern als Freund der

individuellen Seele weilt, ist Sich aller Körper bewusst. Das

ist der Unterschied zwischen höchstem Bewusstsein und

individuellem Bewusstsein.
VERS 35

Wer bewusst den Unterschied zwischen dem Körper und

dem Besitzer des Körpers sieht und den Vorgang der

Befreiung aus dieser Knechtschaft verstehen kann,
erreicht ebenfalls das höchste Ziel.
ERLÄUTERUNG

Der Sinn des Dreizehnten Kapitels besteht darin, den

Unterschied zwischen dem Körper, dem Besitzer des

Körpers und der Überseele zu verstehen. Ein gläubiger

Mensch sollte sich zunächst einer guten Gemeinschaft

anschließen, um von Gott zu hören und so allmählich

erleuchtet zu werden. Wenn jemand einen spirituellen Meister

annimmt, kann er lernen, zwischen Materie und

spiritueller Natur zu unterscheiden, und dies ist das

Sprungbrett zu weiterer spiritueller Verwirklichung. Ein

spiritueller Meister lehrt seine Schüler durch verschiedene

Anweisungen, von der materiellen Lebensauffassung frei

zu werden. In der Bhagavad-Gita zum Beispiel finden wir,

dass Krsna Arjuna unterweist, um ihn von materialistischen

Überlegungen zu befreien.

Man kann verstehen, dass der Körper Materie ist und aus

vierundzwanzig Elementen besteht. Das ist die grobe

Manifestation; die feinstoffliche Manifestation besteht aus

dem Geist und den psychologischen Vorgängen. Und die

Symptome des Lebens sind die Wechselwirkungen dieser

Erscheinungen. Aber darüber hinaus gibt es noch die Seele

und auch die Überseele. Die Seele und die Überseele sind

voneinander verschieden. Die materielle Welt ist durch die

Verbindung der Seele mit den vierundzwanzig materiellen

Elementen in Bewegung, und wer den Aufbau der gesamten

materiellen Manifestation als die Verbindung der

Seele mit den materiellen Elementen versteht und auch die

Stellung der Höchsten Seele verstehen kann, qualifiziert

sich, in die spirituelle Welt erhoben zu werden. Diese

Dinge sind zur Betrachtung und Verwirklichung bestimmt,

und daher sollte man dieses Kapitel mit der Hilfe des

spirituellen Meisters genau verstehen.
Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum

Dreizehnten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem

Titel: "Natur, Genießer und Bewusstsein."

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