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Secundaer Literatur : Ian Semple - Der Hüter
Auslegung und das H�tertum

Das Thema dieser Sitzung ist, wie Sie Ihren Programmen entnehmen k�nnen, "Auslegung und das

H�tertum". Das scheint ein einfacher Stoff zu sein, aber je l�nger ich dar�ber nachdachte, desto klarer wurde

mir, da� die Baha'i-Auffassung von Auslegung sich in vielerlei Hinsicht von der in fr�heren Sendungen vor-

herrschenden unterscheidet, und da� es sogar innerhalb des Glaubens viele falsche Auffassungen gibt, die

in der Tat Pr�fungen f�r die Gl�ubigen hervorrufen k�nnen.

Hier m�chte ich gerne einen Moment vom Thema abschweifen, um eine pers�nliche Anmerkung �ber die

Koexistenz von g�ttlicher Autorit�t und individueller Freiheit der �u�erung zu machen, die eine so charakte-

ristische Eigenschaft des Glaubens ist. Jemand - ich glaube, es war ein Pilger - sagte mir einmal, da� er

meine, da� es f�r die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit unm�glich gewesen w�re, zu

sagen, was sie denken, wenn der H�ter in ihrer Besprechung gesessen h�tte. Ich hatte nur das Vorrecht

weniger Stunden in der Gegenwart des H�ters, aber ich stimme dieser Ansicht nicht zu. Ich glaube, da� man

sich in seiner Gegenwart nicht gewagt h�tte, irgend etwas anderes zu tun, als genau das zu sagen, was man

dachte. Ich werde auch in dieser Ansicht best�tigt durch das Handeln der H�nde der Sache Gottes seit der

Entstehung des Hauses der Gerechtigkeit - der H�nde, die so eng mit dem geliebten H�ter zusammengear-

beitet haben. Sie haben in all ihren Beratungen mit dem Universalen Haus der Gerechtigkeit immer v�llige

Loyalit�t und Offenheit gezeigt, und diese Kombination war eine enorme Quelle der Kraft und Inspiration f�r

das Universale Haus der Gerechtigkeit.

Daher glaube ich, da� die Gegenwart einer Quelle g�ttlicher F�hrung im Glauben, die eine Garantie

f�r seine Einheit und die Erhaltung der Reinheit seiner Lehren ist, keinen Widerspruch zum Prinzip der Ge-

dankenfreiheit darstellt. Ich bezweifle, da� es m�glich ist, ein v�llig klares Verst�ndnis �ber das Thema der

Auslegung zu erlangen, aber vielleicht k�nnen wir uns bis zu einem gewissen Grad ann�hern.

Ich schlage vor, das Thema in drei Hauptpunkte zu unterteilen:

1. Die Unterscheidung zwischen der Auslegung, die wir alle vornehmen, wenn wir �ber irgendein Thema

diskutieren, und die durch den H�ter ausge�bte ma�gebende Auslegung

2. Die Unterscheidung zwischen ma�gebender Auslegung und g�ttlich gef�hrter Gesetzgebung

3. Aspekte der Funktion des Auslegers wie sie von Shoghi Effendi ausge�bt wurde. Dieser Teil des Themas

ist unser Hauptanliegen in diesem Seminar und daher werde ich es auch in eine Anzahl von Aspekten un-

terteilen, obwohl ich betonen mu�, da� dies eine v�llig willk�rliche Unterteilung ist und jede Art von Aus-

legung in die andere hineinspielt. Sie sind:
3.1 Festlegung der Bedeutung bestimmter Texte

3.2 Erkl�rung der durch die Texte �bermittelten Gedanken, d.h. die Erl�uterung ihrer Bedeutung

3.3 Entfaltung von keimhaft angelegten Aussagen in der Heiligen Schrift

3.4 Beispiele f�r die Verweigerung, einen Text weiter zu erl�utern, oder Aussagen zu nicht im Text behandel-

ten Themen zu machen

3.5 Festlegung des Sph�re der ma�gebenden Auslegung

3.6 Erhellung der Gesamtbedeutung der Offenbarung

3.7 Die Macht zu einem langen, ununterbrochenen Ausblick �ber eine Folge von Generationen hinweg

1. Aspekte der Auslegung

Es ist selbstverst�ndlich ohne Auslegung unm�glich, irgendeine Aussage, ob geschrieben oder m�ndlich, zu

verstehen oder dar�ber zu sprechen. Der Offenbarer als Manifestation Gottes hat die �bermenschliche Auf-

gabe, der Menschheit Wahrheiten zu vermitteln, die sie noch nicht versteht, und sie zu einer Art des Verhal-

tens zu erziehen, die sie noch nicht erreicht hat. Um dies zu tun, mu� Er die begrenzten Sprachen gebrau-

chen, die um Ihn herum gesprochen werden, mit all ihren angesammelten Bedeutungen und Begriffsinhalten.

Er gebraucht nicht nur Worte, Metaphern und Gleichnisse mit h�chster Geschicklichkeit, sondern verwandelt

alte Formen und Begriffe und indem Er sie benutzt, haucht Er ihnen eine neue Bedeutung ein. Daher m�ssen

wir bei dem Versuch, uns �ber die Offenbarung zu unterrichten, drei Bedeutungen in jedem Text, den wir

lesen, studieren: Die Bedeutung der Worte selbst; die Bedeutung, die sie f�r die besondere Person gehabt

haben werden, an die die Manifestation Gottes sich richtete; und auch die neue Bedeutung oder die Bedeu-

tungen, die Er zu vermitteln suchen wird. Mit anderen Worten: Wir m�ssen drei Fallstricke meiden: Einer ist

der, die offensichtliche Bedeutung der Worte zu ignorieren (In der Vergangenheit waren Leute manchmal so

erpicht darauf, die esoterische Bedeutung eines Textes zu exzerpieren, da� sie f�r die klare Bedeutung der

Worte blind waren); der zweite ist der, die Worte aus ihren historischen und gesellschaftlichen Zusammen-

h�ngen herauszurei�en; der dritte ist zu denken, da� die historischen und gesellschaftlichen Zusammenh�n-

ge selbst uns ein Verst�ndnis der offensichtlichen Bedeutung und dessen, was die Manifestation sagt, er-

m�glichen.

Ein gutes Beispiel, um dies zu zeigen, ist Bahá'u'lláhs Sendschreiben an einen Arzt. Einige Abschnitte sind

sehr einfach. Um andere zu verstehen, m�ssen wir uns der Warnung des H�ters erinnern, da� dieses Send-

schreiben an einen Arzt der alten medizinischen Schule gerichtet war, und da� wir ohne ein Verst�ndnis der

Terminologie dieser Schule nicht verstehen k�nnen, was Bahá'u'lláh sagte. Indessen ist klar, da� Bahá'u'lláh

dem Arzt nicht nur erz�hlte, was der schon wu�te. Er erkl�rte ihm in einer f�r ihn verst�ndlichen Terminolo-

gie gewisse Wahrheiten �ber Gesundheit und Heilung, die er vermitteln wollte.

Der historische und gesellschaftliche Zusammenhang ist nicht der einzige Zusammenhang einer Textstelle.

Es gibt auch den Zusammenhang mit den anderen Lehren. In "�hrenlese", Abschnitt 127 finden wir die fol-

genden Worte Bahá'u'lláhs:

"Wenn es euer Wunsch ist, o ihr Menschen, Gott zu erkennen und die Gr��e Seiner Macht zu entdecken,

dann schaut auf Mich mit Meinen eigenen Augen und nicht mit den Augen eines anderen au�er Mir. Nie wer-

det ihr sonst imstande sein, Mich zu erkennen, selbst wenn ihr �ber Meine Sache nachdenkt, solange Mein

Reich dauert, und �ber alles Erschaffene nachsinnt durch alle Ewigkeit Gottes, des h�chsten Herrn �ber alle,

des Allgewaltigen, des Allewigen, des Allweisen."

Dies impliziert, glaube ich, unter anderem, da� der wichtigste Schl�ssel zum Verst�ndnis der Schriften die

Schriften selbst sind, da� wir sie nicht blo� von unserem Standpunkt aus lesen m�ssen und versuchen zu

sehen, was wir verstehen k�nnen, sondern sie von Bahá'u'lláhs Standpunkt aus betrachten m�ssen: Was

versucht Er zu vermitteln? Und zu welchem Zweck? Es ist nicht gut, einen Text zu nehmen und zu versu-

chen, ihn isoliert von allen anderen Lehren, die sich darauf beziehen m�gen, zu verstehen. Daher m�ssen

wir jede Aussage in Beziehung zur gesamten �brigen Offenbarung setzen und versuchen zu verstehen, was

Bahá'u'lláh zu vermitteln bestrebt ist. Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist zu akzeptieren, da� wir, da wir

niemals die ganze Offenbarung umfassen k�nnen, immer vorsichtig mit unserem Verst�ndnis sein m�ssen,

sogar wenn es uns v�llig klar zu sein scheint. Ein schlagendes Beispiel f�r die Wichtigkeit dessen kommt im

Kitáb-i-Aqdas vor, wo wir die Verse finden: "Gott hat euch die Ehe verordnet" und "Tretet in den Stand der

Ehe, o Menschen, damit ihr einen hervorbringt, der Meiner gedenken wird; Dies ist Mein Gebot an euch,

gehorcht ihm zu eurem eigenen Beistand". Man w�rde denken, da� dies sehr klare Aussagen sind, die keine

Auslegung zulassen. Es scheint auf den ersten Blick ein unzweideutiger, verbindlicher Befehl zu sein. Einer

der Gl�ubigen hat jedoch Bahá'u'lláh selbst �ber diese Textstelle befragt und ob sie bedeute, da� die Ehe

obligatorisch sei. Bahá'u'lláh antwortete: "Dies ist nicht obligatorisch." Ich f�hre dies als Beispiel an, weil es

manchmal in Diskussionen �ber ein Thema eine gro�e Versuchung f�r Bahá'í ist, dogmatisch (und manch-

mal hitzig!) zu erkl�ren: "Das k�nnen Sie nicht sagen! Hier sind die Worte des Textes und sie sind ziemlich

klar!"

Individuelle Auslegung dieser Art ist nicht nur unvermeidlich. Sie ist wesentlich, wenn wir die Tiefe unseres

Verst�ndnisses erweitern und gleichzeitig seine st�ndig vorhandenen Begrenzungen anerkennen wollen. Ich

glaube, da� die Kombination von Ermutigung zu individuellem Denken mit dem Vorhandensein eines unfehl-

baren Mittelpunktes ma�gebender Auslegung eine der einzigartigen St�rken dieser Sendung ist, deren Aus-

wirkungen sogar w�hrend der Abwesenheit des H�ters andauern. Die au�erordentliche Tatsache, da� es im

Prinzip einen Mittelpunkt solcher F�hrung in der Sache gibt, und da� jede andere Auslegung der Ma�geb-

lichkeit beraubt ist, lehrt uns eine Bescheidenheit in unserem Denken, die eine der st�rksten Bande der Ein-

heit ist.

Obwohl die individuelle Auslegung nicht ma�geblich ist, sollte uns das nicht zu dem Extrem f�hren daraus zu

folgern, da� die von Einzelnen gegebenen Erkl�rungen nicht inspiriert sein k�nnten. In einem Sendschrei-

ben, da� als Abschnitt 203 in "Briefe und Botschaften" von Abdu�l-Bahá ver�ffentlicht ist, schrieb der Meister:

"Die Gesegnete Sch�nheit hat diesem Diener prophezeit, da� sich Seelen erheben werden, die wahre Ver-

k�rperungen der F�hrung sind, Banner der himmlischen Heerscharen, Fackeln der Einheit Gottes und Sterne

Seiner reinen Wahrheit, strahlend in den Himmeln, wo Gott allein regiert. Sie werden die Blinden sehend und

die Tauben h�rend machen; sie werden die Toten zum Leben erwecken. Allen V�lkern der Erde werden Sie

entgegentreten und ihre Sache mit den Beweisen des Herrn der sieben Sph�ren vertreten."

Es w�re daher ein Fehler anzunehmen, da� die Baha'i-Offenbarung Gl�ubiger beraubt sein wird, die uns

tiefgr�ndigere Einsichten in die Bedeutung der Lehren des Glaubens geben k�nnten. Aber keine dieser Arten

von Auslegung, egal wie gelehrt der sie zum Ausdruck bringende Gl�ubige auch sei, ist ma�gebend. Obwohl

sie uns aufkl�ren k�nnen, ist da immer die Unvermeidbarkeit eines gewissen Grades an Fehlerhaftigkeit.

La�t uns nie das Beispiel der christlichen Sendung vergessen. Das Evangelium ist voll mit Prophezeiungen

und Warnungen Jesu �ber seine Wiederkunft. Christen haben sich fast 2000 Jahre lang darum bem�ht, sie

zu verstehen. Die Gelehrten haben viele Auslegungen und �bereink�nfte dar�ber erarbeitet, was geschehen

w�rde, aber ich w��te von keiner, die zu dem rechten Schlu� gekommen w�re, n�mlich da� sie das Er-

scheinen einer weiteren Manifestation Gottes ank�ndigen.

Ma�gebliche, g�ttlich gef�hrte Auslegung geh�rt einer v�llig anderen Ordnung an, als wir in Betracht gezo-

gen haben, und ist ausschlie�lich die Aufgabe des Meisters und des H�ters.

2. Ma�gebende Auslegung und g�ttlich gef�hrte Gesetzgebung

Das Vorrecht der ma�gebenden Auslegung, da� von Bahá'u'lláh erst �bdu'l-Bahá und nach ihm dem H�ter

verliehen wurde, liegt im Herzen des Bundes.

In fr�heren Sendungen wurde keine klare Unterscheidung zwischen Auslegung und Gesetzgebung

getroffen. Die zwei Aufgaben waren unter einem einzigen Vorgang des Herleitens von Schlu�folgerungen

und der F�hrung in neuen Situationen aus dem Studium der heiligen Schriften zusammengefa�t. Weil man

glaubte, diese Herleitungen seien ein Vorgang des Deutlichmachens dessen, was unausgesprochen im Text

inbegriffen war, waren sie praktisch unver�nderlich und verwandelten sich in eine massive H�ufung von

Dogmen, Ritualen und Gesetzen. Im Judentum wurden sie in erster Linie zu einer Vielzahl von minuti�sen

Verordnungen, die jeden Moment und jeden Aspekt im Leben einer Person regulierten, und denen zu gehor-

chen als identisch mit dem Gehorsam vor Gott begriffen wurde. Das Christentum befreite sich weitgehend

davon, ersetzte sie aber durch die Errichtung eines gewaltigen Bauwerks von Dogmen, an die zu glauben als

wesentlich f�r das ewige Heil der Seele aufgefa�t wurde, und das zu solchen Mi�br�uchen wie dem Abla�-

handel f�hrte, der die Rebellion Martin Luthers und der protestantischen Reformation heraufbeschwor.

In dieser Sendung haben wir zwei getrennte, g�ttlich gef�hrte Gewalten, eine um ma�gebende Auslegung zu

schaffen, und eine f�r erg�nzende Gesetzgebung. Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden

Aufgaben wurde durch das Universale Haus der Gerechtigkeit in seinem Brief vom 9. M�rz 1965 erkl�rt. Auf

den Seiten 52 und 53 von "Wellspring of Guidance" findet sich die folgende Textstelle:

"Der H�ter offenbart, was die Schrift bedeutet; seine Auslegung ist eine Darlegung der Wahrheit, die nicht

abge�ndert werden kann. Dem Universalen Haus der Gerechtigkeit wurde, in den Worten des H�ters, das

alleinige Recht der Gesetzgebung �ber Gegenst�nde verliehen, die nicht ausdr�cklich in den Baha'i-

Schriften offenbart sind. Seine Verk�ndigungen, welche durch das Universale der Gerechtigkeit selbst abge-

�ndert oder aufgehoben werden k�nnen, dienen der Erg�nzung und bringen das Gesetz Gottes zur Anwen-

dung. Obwohl nicht mit der Aufgabe der Auslegung betraut, ist das Universale Haus der Gerechtigkeit doch

in einer Position, um alles n�tige zur Errichtung der Weltordnung Bahá'u'lláhs auf dieser Erde zu tun."

Eine wichtige Konsequenz dieser Unterscheidung ist, da� es, wenn wir eine Frage dar�ber haben, was wir

glauben sollen, oder was der Text bedeutet, und dies nicht im Text selbst f�r uns beantwortet ist, w�hrend

der Abwesenheit des H�ters niemanden gibt, der uns ma�gebend und verbindlich antworten k�nnte. Wenn

wir dagegen in irgendeinem Fall wissen wollen, was wir tun sollen, ist das Universale Haus der Gerechtigkeit

voll erm�chtigt, g�ttliche F�hrung bez�glich dieses Gegenstandes zu geben.

Zwei andere wichtige Konsequenzen sind das Verbot der Formulierung von Dogmen und Bekenntnissen im

Glauben (die gibt es schlie�lich, aber die Menschen versuchen, die g�ttlichen Wahrheiten in einem Paket

zusammenzuschn�ren und sind f�r immer zur Unzul�nglichkeit verdammt), und die Erkenntnis des tiefgrei-

fenden Unterschiedes zwischen den wirklich von der Manifestation Gottes gegebenen Gesetzen, die nur von

einem weiteren Propheten ge�ndert werden k�nnen, und jenen, die zu erlassen dem Universalen Haus der

Gerechtigkeit eingegeben ist, und die das Haus der Gerechtigkeit selbst aufheben kann. Dies gibt dem Ba-

h�'�-Rechtssystem einen beispiellosen Grad an Elastizit�t.

Es gibt nat�rlich eine hierarchische Beziehung zwischen der Auslegung des H�ters und der Gesetzgebung

des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Die h�chste Autorit�t im Glauben ist das Wort Gottes, und alle

Gesetzgebung ist durch diese Autorit�t begrenzt. Der ma�gebende Ausleger ist das lebende Mundst�ck

dieses Wortes, der Erkl�rer seiner wahren Bedeutung. Daher hat er nat�rlich die Autorit�t, den Bereich der

Gesetzgebung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit festzulegen. Shoghi Effendi hat kategorisch erkl�rt,

da� weder der H�ter noch das Universale Haus der Gerechtigkeit sich jemals die Aufgabe des anderen an-

ma�en werden. Beide stehen schlie�lich unter dem Schutz und der unfehlbaren F�hrung des B�b und Ba-

h�'u'll�hs. Daher k�nnen wir sicher sein, da� das Universale Haus der Gerechtigkeit auch in Abwesenheit

des H�ters keine Gesetze au�erhalb seines Geltungsbereiches erlassen wird. Ich halte es dagegen f�r m�g-

lich, da� das Universale Haus der Gerechtigkeit in seiner Vorsicht, seine Grenzen nicht zu �berschreiten,

sehr wohl davon Abstand nehmen k�nnte, Gesetze auf Gebieten zu erlassen, von denen der H�ter uns ge-

sagt haben k�nnte, da� sie in seine Sph�re geh�ren, wenn er bei uns w�re. Es gibt zwei interessante Bei-

spiele f�r das, was ich meine.

Wie Sie wissen, ist sowohl im Christentum als auch im Baha'i-Glauben Mord verboten. Es ergibt sich dann

die Frage, ob Abtreibung und Euthanasie zul�ssig sind oder nicht. Die katholische Kirche hat beschlossen,

da� das Gesetz eindeutig ist, "Du sollst nicht t�ten", und da� daher beides verboten ist. Im Baha'i-Glauben

haben wir aber Stellungnahmen des H�ters zu beiden Fragen. In beiden F�llen sagt er, da� sich nichts be-

stimmtes dazu in den Schriften findet - was impliziert, da� sie nicht ganz dasselbe sind wie Mord. Es folgen

drei Stellungnahmen im Auftrag des H�ters, die sich auf diese Themen beziehen:

Am 25. August 1939: "Die Praxis der Abtreibung - die absolut kriminell ist, da sie die vors�tzliche Zerst�rung

von Leben einschlie�t - ist in der Sache verboten. Hinsichtlich 'Gnadentod' ...; auch dies ist eine Angelegen-

heit, �ber die das Universale Haus der Gerechtigkeit Gesetzte erlassen m�ssen wird."

Am 13. November 1940: "Hinsichtlich der Praxis der Abtreibung; da zu diesem Thema keine besondere An-

spielung in den Schriften Bahá'u'lláhs gemacht wurde, obliegt es dem Universalen Haus der Gerechtigkeit,

dazu entscheidend Stellung zu nehmen. Es kann indessen kein Zweifel dar�ber bestehen, da� diese Praxis,

da sie die Zerst�rung menschlichen Lebens einschlie�t, energisch verurteilt werden mu�."

Am 20. Oktober 1953: "Da sich nichts bestimmtes zum Thema Abtreibung in den Baha'i-Schriften findet, wird

sich folglich das Universale Haus der Gerechtigkeit damit auseinandersetzten m�ssen, sobald diese K�rper-

schaft gebildet worden ist."

Auf der Grundlage dieser drei Stellungnahmen hat das Universale Haus der Gerechtigkeit verf�gt,

da� das Vornehmen einer Abtreibung nur zu dem Zweck, sich eines unerw�nschten Kindes zu entledigen,

unbedingt verboten ist, aber es mag F�lle geben, in denen Abtreibung erlaubt sein k�nnte, und hierf�r mu�

das Universale Haus der Gerechtigkeit Gesetze erlassen. Solange ein solches Gesetz noch aussteht, ist die

Entscheidung unter Ber�cksichtigung der o.g. Prinzipien und des fachkundigen �rztlichen Rates dem Gewis-

sen des Einzelnen �berlassen.

Ein anderes Gebiet betrifft die Pflichtgebete. In der dreizehnten Frohen Botschaft sagt Bahá'u'lláh: "Alle

Staatsgesch�fte sind dem Haus der Gerechtigkeit vorzulegen; aber Gottesdienste m�ssen so gehalten wer-

den, wie es Gott in Seinem Buch offenbart hat". Als einmal ein Gl�ubiger das Universale Haus der Gerech-

tigkeit bat, ein Gebet zu bestimmen, das f�r das Haus der Gerechtigkeit gesprochen werden k�nnte, bezog

es sich auf diesen Text und lehnte eine solche Bestimmung ab. Man k�nnte auch meinen, da� dieser Text

es dem Haus der Gerechtigkeit unm�glich gemacht h�tte, irgendwelche Fragen �ber Pflichtgebete zu beant-

worten, aber der H�ter schrieb, da� Einzelheiten bez�glich der Pflichtgebete, die unklar sind, durch das Uni-

versale Haus der Gerechtigkeit zu entscheiden sind, und bestimmte damit genau, welcher Aspekt dieses

Gegenstandes innerhalb seines Gesetzgebungsbereiches liegt.

3. Die Aufgabe der Auslegung

Die Art und Weise, in der Shoghi Effendi seine Aufgabe als Ausleger wahrgenommen hat, ist h�chst erhel-

lend, sowohl im Bezug auf unser Verst�ndnis dar�ber, was ma�gebende Auslegung impliziert, als auch im

Hinblick auf unser Verst�ndnis von der Unfehlbarkeit des Heiligen Textes, ein Gegenstand, der in fr�heren

Sendungen heftig mi�verstanden wurde. Die nun folgenden Zitate stammen aus Briefen von Sekret�ren des

H�ters, die in seinem Auftrag geschrieben wurden.

3.1 In einigen F�llen gab Shoghi Effendi einfach klare Stellungnahmen dar�ber ab, was ein bestimmter Ab-

schnitt bedeutet, zum Beispiel:

- Hinsichtlich Ihrer Fragen: Was der Meister mit den von Ihnen zitierten Worten meinte ist einfach, das Freu-

de uns mehr Freiheit zur Gestaltung gibt. Wenn die Propheten, der Meister selbst und der H�ter weniger

Probleme und Sorgen gehabt h�tten, dann h�tten Sie sehr viel mehr Sch�pferkraft f�r die Sache hervorbrin-

gen k�nnen. Wenn er sagte, "wachse, um ein fruchtvoller Baum zu werden", meinte er, da� wir, indem wir

die Last des H�ters erleichtern und so stark wie m�glich versuchen, unseren Anteil an der Arbeit des Glau-

bens zu tun, Shoghi Effendi helfen w�rden, seine volle Macht als H�ter zu entfalten, und durch den Bund

w�rde die Sache ihren Schatten �ber alle Menschen ausbreiten. Dies haben wir in den letzten 30 Jahren

geschehen sehen, aber das hei�t nicht, da� wir nicht aufs �u�erste versuchen m�ssen, ihm durch unser

Leben des Dienstes zu helfen. (05.10.1952 - Sekr.)

- Das im Sendschreiben des Meisters erw�hnte "Rheuma" ist symbolisch gemeint. Er meint, da� die Men-

schen eine geistige Erk�ltung haben und die g�ttlichen D�fte nicht riechen k�nnen, und da� die Gl�ubigen

die �rzte sein m�ssen, die Menschen von diesem Zustand zu heilen. Er bezieht sich nicht auf k�rperliche

Leiden. (26.03.1950 - Sekr.)

- Der Meister benutzt den Ausdruck "die g�ttliche Wirklichkeit ist geheiligt �ber Einheit", um uns nachdr�ck-

lich die Tatsache einzupr�gen, da� die Gottheit nicht erkannt werden kann und es unm�glich ist, Sie zu

bestimmen. Wir k�nnen sie nicht in Begriffe fassen wie Einheit und Vielheit, die wir auf Dinge anwenden, die

wir kennen und erfahren k�nnen. Er gebraucht die Methode, die Betonung zu �bertreiben, um seinen Ge-

danken zu verdeutlichen, da� wir die Sonne indirekt durch ihre Strahlen kennen, die Gottheit durch die Mani-

festation Gottes. (20.02.1950 - Sekr.)

- Gl. 160 - Die menschliche Seele ist in dem Sinne ein "Vorbote", als da� sie uns eine leise Ahnung von der

Existenz anderer Welten gibt, eine Andeutung der geistigen Welten im Jenseits. (25.05.1938 - Sekr.)

- Die "Feuerflamme" im Tablet an Ahmad sollte bildlich verstanden werden. Mit anderen Worten: Wir d�rfen

nicht den schlechten Einflu� von Bundesbrechern oder Feinden des Glaubens tolerieren, sondern m�ssen

kompromi�los in unserer Loyalit�t sein, darin, sie zu entlarven und den Glauben zu verteidigen. (21.07.1955 -

Sekr.)

- Der Ausdruck "Er, der sich in der Entfernung zweier Bogenl�ngen befindet" in "�hrenlese" Nr. 29 sollte nicht

w�rtlich genommen werden, sondern hat eine allegorische Bedeutung, und deutet dichte N�he an.

(12.04.1938 - Sekr.)

- Verborgenen Worte, persisch 79 - Der Ausdruck "Meine schwarzen Locken zu k�mmen, und nicht, Meine

Kehle damit zu verwunden" ist eine allegorische Warnung Bahá'u'lláhs davor, etwas von dem zu mi�brau-

chen, was Er der Welt geschenkt hat (06.09.1937 - Sekr.)

In Kalim�t-i-Firdaws�yyih sagt Bahá'u'lláh: "Wir bestimmten bereits, da� die Menschen sich in zwei Sprachen

verst�ndigen sollten; aber es m�ssen Anstrengungen unternommen werden, sie auf eine zu beschr�nken,

ebenso die Schriftarten der Welt, damit die Menschen nicht mit dem Erlernen verschiedener Sprachen ihr

Leben verschwenden und vergeuden. So wird schlie�lich die ganze Erde als eine Stadt und ein Land be-

trachtet." Ein Gl�ubiger fragte den H�ter, in welcher Beziehung dies zu Bahá'u'lláhs Gebot steht, da� eine

internationale Hilfssprache ausgew�hlt und in allen Schulen zus�tzlich zur Muttersprache unterrichtet werden

soll. Die Antwort war:

- Bahá'u'lláh bezieht Sich auf dem achten Blatt des Erhabensten Paradieses auf eine Zeit in ferner

Zukunft, wenn die Welt wirklich ein Land, und eine einzige Sprache eine f�hlbare M�glichkeit geworden ist.

Es widerspricht nicht Seinen Anweisungen bez�glich der sofortigen Notwendigkeit einer Hilfssprache.

(16.03.1955 - Sekr.)

Aus diesen besonderen Auslegungen lernen wir nicht nur, was ein bestimmter Abschnitt bedeutet, sondern

wir erhalten Anschauungsunterricht im Studium der Schriften. Wir sehen, da� einige Abschnitte w�rtlich zu

nehmen sind, andere allegorisch. Einige sind sogar stilistische �bertreibungen, um eine beabsichtigte Wir-

kung hervorzurufen, und einige beziehen sich auf eine unterschiedliche Stufe in der Entwicklung der Sen-

dung als andere.

3.2 Manchmal ging der H�ter erheblich �ber eine kurze Auslegung des fraglichen Abschnittes hinaus, so

wie in dieser wundersch�nen Beschreibung des kurzen Pflichtgebetes:

- Die Bedeutung des von Herrn Lacey in seinem Brief erw�hnten kurzen Gebetes ist einfach, da� Bahá'u'lláh

in einen kurzen Satz das wahre Wesen des Lebens hineingetan hat, was bedeutet, da� wir von einem Vater

kommen und auf der Stra�e des Lebens durch Pr�fungen, Versuchungen und Erfahrungen gehen, damit

unsere Seelen wachsen m�gen, und da� es der Grund f�r unser Sein ist, zu lernen, unseren Sch�pfer zu

verstehen. W�hrend wir dies tun, werden wir unsere Liebe zu ihm vermehren und Ihn anbeten.

Dies ist wirklich die tiefste Freude, eine jegliche Seele erf�hrt. Alle anderen sind nur Widerspiegelungen

dieser Freude, der Freude die wir erfahren, wenn wir den Gott anbeten, der uns gemacht hat, unseren

Himmlischen Vater . (05.10.1953 - Sekr.)

3.3 Manchmal entfaltete er einen ganzen Gedankengang aus nur einem keimhaft angelegten Hinweis in den

Schriften. Es gibt zum Beispiel seine Festlegung des N�m�s-i-Akbar (des Gr��ten Gesetzes) als der Bildung

der Nationalen Geistigen R�te, und des N�m�s-i-A'z�m (des Gr��ten Gesetzes) als der Bildung des Univer-

salen Hauses der Gerechtigkeit. Die Entfaltung der Institution der H�nde der Sache Gottes und ihrer Hilfs�m-

ter ist zweifellos ein weiteres Beispiel des selben Vorgangs.

3.4 Auf der anderen Seite gibt es viele Beispiele f�r Gegenst�nde, deren Auslegung er ablehnte, da hierzu

nichts genaues in den Texten zu finden war. Zum Beispiel:

- Wir haben keine M�glichkeit herauszufinden, welche Wissenschaft Bahá'u'lláh meinte, als er sagte, da� sie

Angst weitgehend beseitigen w�rde. Da dies an keiner anderen Stelle in den Lehren erw�hnt wurde, kann

der H�ter nichts aus dieser Aussage erkennen. Dies zu tun w�rde von seiner Aufgabe als Ausleger wegf�h-

ren. Er kann nichts au�er den gegebenen Lehren offenbaren . (30.08.1952 - Sekr.)

- Bez�glich der Punkte aus dem "Brief an den Sohn des Wolfes" (S. 32 der englischen Ausgabe), die Sie

erw�hnen: Diese wurden, soweit wir wissen, niemals durch Bahá'u'lláh weiter ausgef�hrt; sie blieben verbor-

gen in den Reichen Seines unendlichen Wissens, ebenso wie die universale Sprache, die Er in dem selben

Buch erw�hnt. (15.08.1942 - Sekr.)

- Bez�glich ihrer Frage hinsichtlich der M�glichkeit, k�nstliches Leben mit Hilfe eines Inkubators zu schaffen:

Dies ist im wesentlichen eine Frage, welche die Wissenschaft angeht und sollte als solche von Wissen-

schaftlern untersucht und studiert werden. (31.12.1937 - Sekr.)

3.5 Dies f�hrt uns zur vom H�ter selbst getroffenen Festlegung der Grenzen der Sph�re seiner Unfehlbarkeit

als Ausleger.

- Shoghi Effendi ist nur unfehlbar, wenn er die Worte auslegt. Er h�lt es f�r H�resie, ihm eine Stufe gleich der

Bahá'u'lláhs oder auch nur des Meisters beizumessen. Sein Rang ist der des H�ters der Sache Gottes und

des Pr�sidenten des Hauses der Gerechtigkeit und des Auslegers der Worte und nichts anderes. Er lehnt

jeden anderen Rang g�nzlich ab, den die Freunde ihm in ihrer gro�en Liebe f�lschlicherweise zuschreiben

m�gen. (18.09.1938 - Sekr.)

- Die dem H�ter eigenen Kr�fte sind nicht unbegrenzt und unterscheiden sich von denen, die der Meister

besa�. Aber der Grad der F�hrung, den Gott ihm zu verleihen geruhen mag, ist unbegrenzt, da er von Ba-

h�'u'll�h kommt, und nicht von ihm selbst. Jedes au�erordentliche Anzeichen von Wissen oder Eingebung,

da� er bei einigen Gelegenheiten zeigen mag, darf nicht den ihm eigenen Kr�ften, denen des Meisters ver-

wandt, zugerechnet werden, sondern vielmehr einem Ausdruck des Willens Bahá'u'lláhs, ihn aus Ihm eige-

nen Gr�nden bei dieser Gelegenheit zu f�hren. Der H�ter ist der unfehlbare Ausleger des Wortes Gottes.

Seine Worte sind nicht die Worte Gottes selbst. Aber seine Auslegung ist so bindend wie das Wort.

(20.11.1941 - Sekr.)

- Der H�ter m�chte von den Freunden mit Fakten versehen werden, wenn sie um seinen Rat bitten, denn

obwohl seine Entscheidungen von Gott gef�hrt sind, ist er nicht, wie der Prophet, nach Belieben allwissend,

ungeachtet der Tatsache, da� er oft eine Situation oder Umst�nde erf�hlt, ohne Einzelheiten davon zu ken-

nen. (04.03.1948 - Sekr.)

- �ber etwas, was nicht in den Lehren zu finden ist, �u�ert sich der H�ter nicht. Dies sind Gegenst�nde f�r

Wissenschaftler und Fachleute. (29.09.1953 - Sekr.)

Eine Folge des Willens und Testamentes, die nicht aus den Augen verloren werden darf, ist der ausdr�ckli-

che Befehl an die Freunde, dem H�ter und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit zu gehorchen. Dies mag

mit ihren Aufgaben der g�ttlich gef�hrten Auslegung und Gesetzgebung im Zusammenhang stehen, aber es

ist nicht unbedingt dasselbe und kann in anderem Zusammenhang Anwendung finden, wie sich an den fol-

genden Erkl�rungen aus im Auftrag Shoghi Effendis geschriebenen Briefen zeigt.

- Was den ausdr�cklichen Befehl des Meisters hinsichtlich des Gehorsams gegen�ber dem H�ter angeht,

mu� klar gemacht werden, da� die Frage, zu entscheiden, welche Angelegenheiten Gehorsam gegen�ber

dem H�ter verlangen, eine ist, �ber die der Letztgenannte allein das volle Recht zur gewissenhaften Ent-

scheidung hat. Mit anderen Worten obliegt es dem H�ter festzustellen, ob eine bestimmte Handlung sch�d-

lich f�r die Sache ist oder nicht, und ob sie nach seinem pers�nlichen Eingreifen verlangt. Es ist nicht Sache

der einzelnen Gl�ubigen, die Sph�re der Autorit�t des H�ters einzuschr�nken, oder zu beurteilen, wann sie

dem H�ter gehorchen m�ssen und wann sie die Freiheit haben, sein Urteil zur�ckzuweisen. Solch eine Hal-

tung w�rde offensichtlich zu Verwirrung und Spaltung f�hren. Es liegt in der Verantwortung des H�ters als

ernanntem Ausleger der Lehren festzustellen, welche Angelegenheiten, da sie die Interessen des Glaubens

ber�hren, auf Seiten der Gl�ubigen v�lligen und uneingeschr�nkten Gehorsam seinen Anweisungen gegen-

�ber verlangen. (27.11.1933 - Sekr.)

- Die Unfehlbarkeit des H�ters ist auf Angelegenheiten beschr�nkt, die sich streng auf die Sache und die

Auslegung der Lehren beziehen; er ist keine unfehlbare Autorit�t f�r andere Gegenst�nde, wie �konomie,

Wissenschaft usw.. Wenn er meint, da� etwas Bestimmtes wesentlich f�r den Schutz der Sache ist, auch

wenn es etwas ist, was jemanden pers�nlich betrifft, ist ihm zu gehorchen, aber wenn er Ratschl�ge gibt, so

wie er ihn Ihnen in einem fr�heren Brief �ber Ihre Zukunft gegeben hat, sind sie nicht bindend; Sie sind frei,

dem zu folgen oder nicht, wie es Ihnen gef�llt. (17.10.1947 - Sekr.)

- K�nftige H�ter ... k�nnen die Auslegungen fr�herer H�ter nicht 'abschaffen', da dies nicht nur einen Mangel

an Rechtleitung, sondern Fehler bei ihrer Schaffung implizieren w�rde; indessen k�nnen sie fr�here Ausle-

gungen ausf�hren und erkl�ren, und sie k�nnen sicherlich fr�here Regelungen abschaffen, die als eine vo-

r�bergehende Notwendigkeit durch einen fr�heren H�ter niedergelegt wurden. (19.02.1947 - Sekr.)

3.6 Ich finde es nun sehr interessant, da� alle Zitate, die ich bisher angef�hrt habe, und die zum gr��ten Teil

das sind, was in fr�heren Sendungen "Auslegung" umfa�te, in den Worten der Sekret�re des H�ters abge-

fa�t sind. Er selbst widmete seine Aufmerksamkeit haupts�chlich einem anderen Bereich, nicht der Erkl�-

rung unklarer Textstellen oder der Festlegung in den Schriften benutzter Begriffe, sondern der Erhellung der

Gesamtbedeutung der Offenbarung. Er pflegte bestimmte Themen zu nehmen, wie das Wesen und die Be-

deutung der Baha'i-Lebensart, die Theorie und Funktion der Baha'i-Institutionen, die Beziehung der Sache zu

aktuellen Ereignissen und ihr Platz in der Geschichte der Menschheit, die Stufe der Manifestationen Gottes

und ihre Beziehungen zueinander, die Stufe des Meisters, die Bestimmung gewisser Baha'i-Gemeinden, den

richtigen Weg, die Sache zu lehren, und dann mit eigener Hand lange Briefe zu schreiben, die, wie das Band

einer Halskette, Zitate des B�b, Bahá'u'lláhs und des Meisters zusammenf�hrten und die Quellen zeigten,

aus denen die Ideen hervorsprudelten, sowie die Folgen und die Wichtigkeit jener Textstellen und die Taten,

die sie von den Gl�ubigen forderten.

Dies ist in meinen Augen der gr��te Aspekt der Aufgabe des H�ters als Ausleger. Diese Offenbarung ist so

enorm, so tiefgreifend, da� die Gl�ubigen wie ein Nichts in den Untiefen dieses weiten Meeres k�mpfen

m��ten. Er war es, der den Fu�stapfen des Meisters folgend diejenigen Aspekte der Sache, die unsere so-

fortige Aufmerksamkeit erfordern, zusammenzog, ihre Beziehung zu den weitreichenden Folgen der gesam-

ten Offenbarung zeigte, deren Reicht�mer wir nur anfangen zu kosten, und uns einen Ausblick �ber unsere

Arbeit in der fernen Zukunft gab, bis ans Ende dieser Sendung und dar�ber hinaus.

3.7 In "Die Sendung Bahá'u'lláhs" schrieb Shoghi Effendi da� "ohne eine Institution" wie dem H�tertum "die

ben�tigten Mittel" dem Glauben "zu erm�glichen, einen langen, ununterbrochenen Ausblick �ber eine Folge

von Generationen hinweg zu tun, g�nzlich fehlen w�rde." Ich h�rte, wie Freunde diese Stellungnahme in

Beziehung zu der Tatsache gesetzt haben, da� das H�tertum eine erbliche Institution ist, und da� es dieser

Faktor der Erblichkeit w�re, der die Mittel f�r den Glauben bereitstellen w�rde, diesen weiten Ausblick zu tun.

Ich habe indessen nirgendwo in den Schriften des H�ters gesehen, da� dieses Argument gebracht w�rde,

und es scheint mir, da�, obwohl nat�rlich ein K�rnchen Wahrheit in dieser Annahme steckt, die blo�e Tatsa-

che, da� jeder H�ter seinem Vater im Amt gefolgt w�re, keine angemessene Grundlage f�r die Aus�bung

einer so anspruchsvollen Funktion zu sein scheint. Die Funktion des erleuchteten Auslegers impliziert dies

aber. Als Ausleger ist der H�ter in der Lage, nicht nur die �u�erliche Bedeutung der Schriften zu verstehen,

sondern ihre inneren Zusammenh�nge. Obwohl andere durch das Studium der Schriften und des Fortschrit-

tes der menschlichen Angelegenheiten eine Ahnung davon bekommen k�nnen, wie die Gesellschaft sich

entwickeln wird, konnte nur der H�ter allein das ganze Panorama der Absicht Bahá'u'lláhs klar schauen und

f�r uns den Weg skizzieren, den die Manifestation Gottes vor uns liegen sieht. Dies hat Shoghi Effendi tat-

s�chlich in seinen Briefen zur Weltordnung getan und auch in "Gott geht vor�ber". Das Letztgenannte ist

nicht nur ein Geschichtsbuch, so gro�artig es in dieser Hinsicht auch sein mag, es ist auch ein erleuchteter

Kommentar zu den Ereignissen, die es erz�hlt, es erhellt die Vergangenheit, fordert uns in der Gegenwart

heraus uns gibt uns eine Vision der Zukunft.

Diese Schriften wurden schon durch Beraterin Isobel Sabri in ihrem Vortrag vor zwei Wochen wundervoll

beschrieben.

(Von Ian Sample in einem Seminar am 18. Februar 1984 gehaltener Vortrag)

Hanno Lenk 07.12.1995, nicht �berpr�fte �bersetzung

Bahau�ll�h, Boschaften aus Akka

Auslegung und das H�tertum D:\Winword2\BASTU\Ian_samp.doc (R.Zimmel 12.06.2003) Seite 8 von

8

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