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Ridvan Botschaften : 2001 Ridvan 158
DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
Ridván 2001
An die Bahá’í der Welt
Innig geliebte Freunde,

freudigen Herzens und mit großen Erwartungen nähern wir uns den Ridván-Tagen zu einer Zeitwende,

da eine neue Geisteshaltung bei uns allen erkennbar ist. Überall in unserer Weltgemeinde gibt es ein

verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung von Prozessen, die Notwendigkeit der Planung und die Bedeutung

systematischen Handelns bei der Förderung des Wachstums und der Entwicklung menschlichen Potentials;

durch sie wird die Verbreitung des Glaubens fortgesetzt und die Festigung sichergestellt. Ein klares

Verständnis dieser Voraussetzungen für den Fortschritt kann nicht überbewertet werden; genauso wenig kann

überschätzt werden, wie wichtig es ist, sie durch ein gut durchdachtes Training aufrechtzuerhalten. Es ist

daher von größter Bedeutung für uns, dass unsere Gemeinde jetzt ein solches Bewusstseinsstadium erreicht

hat. Wir sind der Gesegneten Schönheit zutiefst dankbar, dass wir dies erkennen und ganz zu Beginn des

weltweiten Unternehmens, das an diesen Festtagen in Gang gesetzt wird, freudig begrüßen können.

Die durch dieses Bewusstsein erzeugte Willenskraft kennzeichnete auch die Konferenz der Kontinenta-

len Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter, die sich im Januar dieses Jahres im Heiligen Land versammelt

hatten. Dieses Ereignis war so aufschlussreich, dass es den Eintritt der Sache Gottes in eine neue Epoche, die

fünfte ihres Gestaltenden Zeitalters, ankündigte. Bei dieser historischen Versammlung kam eine so frische

Lebenskraft zum Vorschein, dass sie als ein Zeichen verbesserter Qualität der Aktivitäten in der gesamten

Gemeinde erkannt wurde. Das Streben der Freunde im vergangenen Jahr, die wesentlichen Vorbedingungen für

den Fortschritt des Prozesses des Beitritts in Scharen zu schaffen, bestätigt diese Beobachtung. Auf diese Wei-

se wurde der Weg für den Fünfjahresplan geebnet, das erste Unternehmen in der Fünften Epoche.

Nachdem im vorausgegangenen Vierjahresplan mehr als 300 Trainings-Institute entstanden waren,

verstärkte noch der Zwölfmonateplan diese beachtlichen Bemühungen und erfüllte so seinen Zweck. Darüber

hinaus erlangte er dadurch Bedeutung, dass Institutionen und Einzelne äußerst positiv auf den Ruf antworte-

ten, der geistigen Erziehung der Kinder und der Einbindung der Junioren in das Gemeindeleben größere Beach-

tung zu schenken. Die Ausbildung von Kinderklassenlehrern und die Einbeziehung der Junioren in den Insti-

tutsprozess sind in einer Reihe von Ländern zu einem regelmäßigen Bestandteil von Bahá’í-Aktivitäten gewor-

den. Trotz seiner Kürze gewann der Zwölfmonateplan auch über die ihm ausdrücklich zugewiesenen Ziele

hinaus an Bedeutung. Der Plan wurde zu einem dynamischen Bindeglied zwischen einer höchst ereignisreichen

Epoche der Bahá’í-Geschichte und den besonders vielversprechenden Aussichten einer neuen Epoche, für die

seine Errungenschaften die Gemeinde so gut vorbereitet haben. Er hat sich unseren Annalen auch durch die

dauerhaften Auswirkungen der Aktivitäten des Glaubens am Ende des 20. Jahrhunderts eingeprägt. Über die-

ses Jahrhundert sollte jeder Bahá’í nachdenken, der sich bemüht, die turbulenten Kräfte, die das Leben des

Planeten beeinflussen, und die in der Sache selbst ablaufenden Prozesse in einer kritischen Phase der sozialen

und geistigen Evolution der Menschheit zu verstehen. Als Hilfsmittel für diese verdienstvolle Bestrebung wur-

de Century of Light (Jahrhundert des Lichts) - ein Überblick über das 20. Jahrhundert - auf unsere Veranlas-

sung hin und unter unserer Aufsicht verfasst.

Während dieser einjährigen Unternehmung rückten die diplomatischen Aktivitäten des Bahá’í-

Glaubens bei mehreren Gelegenheiten besonders in den Vordergrund. Beachten Sie z.B., wie sich Bahá’í-

Vertreter an hervorragender Stelle im Mai, August und September an den Millenniums-Veranstaltungen betei-

ligten, die auf Drängen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen durchgeführt wurden. Die Auswirkungen

einer so starken, deutlich sichtbaren Beteiligung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde an den Prozessen des

Geringeren Friedens wird man erst im Laufe der Zeit richtig verstehen. Ein weiterer Höhepunkt war das konti-

nentale Kolloquium, das in Indien vom „Institut für Studien zum Globalen Wohlstand“ organisiert wurde,

einer unter der Schirmherrschaft der Internationalen Bahá’í-Gemeinde tätigen neuen Einrichtung. An der Kon-

ferenz zum Thema „Wissenschaft, Religion und Entwicklung“ nahmen führende Nicht-Regierungs-Organisa-

tionen aus Indien wie auch so angesehene Institutionen wie die UNESCO, UNICEF, WHO und die Weltbank

teil. Im Oktober wurde der Bahá’í World News Service (BWNS) (Bahá’í-Weltnachrichtendienst) ins Internet

gestellt, womit das Bahá’í- und das Nicht-Bahá’í-Publikum mit Nachrichten und Berichten über Entwicklun-

gen in der ganzen Bahá’í-Welt versorgt werden soll.

Über die intensive Tätigkeit am Bahá’í-Weltzentrum während des letzten Jahres wurden die Freunde

schon weitgehend durch frühere Berichte informiert, die sich unter anderem auf solche Errungenschaften

beziehen, wie den Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Karmel, die

Konferenz der Kontinentalen Berater und der Mitglieder ihrer Hilfsämter im Heiligen Land im Januar dieses

Jahres und die Fertigstellung der Projekte am Berge Karmel, die jetzt im Rahmen der Vorbereitungen auf die

Einweihungsfeiern im Mai den letzten Schliff erhalten. Im Oktober vorigen Jahres wurden zum ersten Mal

Pilger und Besucher im neuen, jetzt voll funktionsfähigen Empfangszentrum in Haifa begrüßt. In Bahji wird

die Verschönerung der heiligen Stätten durch die Entwicklung der Gartenanlagen beständig weitergeführt.

Diese Bemühungen erhielten jetzt neuen Auftrieb; denn im vergangenen Jahr begann man mit dem neuen

Projekt, im nördlichen Teil des Geländes, jenseits des Collins-Tores, ein Besucherzentrum zu erbauen. Die

Fertigstellung ist für die nächsten Monate vorgesehen, der Rohbau ist fertiggestellt und die Arbeiten gehen in

allen Bereichen des Innenausbaus und der Gartengestaltung weiter. Die neue Einrichtung wird die

Möglichkeiten des Weltzentrums verbessern, eine zunehmende Zahl von Pilgern, kurzfristigen Bahá’í-

Besuchern und besonderen Gästen zu empfangen.

Zum Abschluss dieser Jahresübersicht freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Nationale

Geistige Rat der Bahá’í von Indonesien nach einer Unterbrechung von fast drei Jahrzehnten am letzten Ridván

bei der Nationaltagung in Jakarta wieder gebildet wurde. Ein im August 1962 ausgesprochenes Verbot für alle

Bahá’í-Aktivitäten hatte die Tätigkeit der indonesischen Bahá’í während dieser Zeit stark eingeschränkt, aber

sie blieben standhaft und verhielten sich in dieser langen Leidenszeit weise, bis veränderte Umstände in diesem

Land zur Aufhebung des Verbotes führten. Können wir da nicht zu hoffen wagen, dass ein ähnlich erfreulicher

Bericht über unsere heimgesuchten Glaubensbrüder in Iran, Ägypten und anderen Ländern nicht mehr zu lan-

ge auf sich warten lässt?

Liebe Freunde, in zwei Jahrzehnten wird die Bahá’í-Welt den hundertsten Jahrestag des Beginns des

Gestaltenden Zeitalters feiern. Heute schauen wir auf den Anbruch jenes Zeitalters aus dem Blickwinkel von

Errungenschaften, die zu Beginn kaum vorstellbar waren. Vor uns öffnen sich Horizonte, die die Gemeinde in

der kurzen Zeit, die uns von der Jahrhundertfeier trennt, dringend zu noch größeren Leistungen aufrufen. Diese

Höhen können und müssen erreicht werden. Wir rufen die Freunde in der ganzen Welt auf, dem Fünfjahresplan

ihre ungeteilte und nachhaltige Aufmerksamkeit zu schenken, ist er doch dazu bestimmt, dieser Herausforde-

rung gerecht zu werden. Er bildet die erste einer Reihe von Kampagnen, die in diesen zwanzig Jahren durchge-

führt werden sollen. Dieser Plan ist die nächste Phase und hat zum Ziel, einen beachtlichen Fortschritt bei

dem Prozess des Beitritts in Scharen zu erreichen. Er erfordert eine Beschleunigung dieses lebenswichtigen

Prozesses und legt darüber hinaus den Nachdruck darauf, dass seitens der drei Beteiligten, des Einzelnen, der

Institutionen und der Gemeinde, das systematische Bemühen kontinuierlich erfolgt.

Es ist nicht nötig, ausführlich auf die Erfordernisse des Planes einzugehen, denn sie wurden in der

Botschaft an die im Heiligen Land versammelten Berater dargelegt und anschließend allen Nationalen Geisti-

gen Räten mitgeteilt. Schon bald nach ihrer Konferenz begannen die Berater, mit den Nationalen Räten über

die Ausführung des Planes in ihren Amtsbereichen zu beraten. Die Richtung des Planes ist daher den Freun-

den überall bekannt, zumal regionale und örtliche Vorbereitungen zur Verfolgung seines Hauptziels bereits im

Gang sind. Es hat sich inzwischen ein allgemeines Bewusstsein gebildet, dass man sich darum bemühen muss,

dass der Glaube in den einzelnen Ländern in zunehmend mehr Regionen immer tiefer vordringt. So wird man

zum Beispiel, wo es die Umstände erlauben, benachbarte Gemeinden dazu aufrufen, sich an intensiven Wachs-

tumsprogrammen zu beteiligen. Ein anderes Vorgehen erfordert die planmäßige Eröffnung neuer Gebiete, für

die Inlandspioniere sich mit der gleichen Hingabe erheben müssen, die jene beseelte, die sich in früheren Zeiten

weit und breit verstreuten, um unerschlossene Gebiete quer durch Kontinente und Ozeane zu eröffnen. Kurz:

der Prozess innerhalb dieses göttlich geführten Plans wird sich erweitern, wenn weitere Maßnahmen schritt-

weise eingeführt und systematisch integriert werden.

Ein besonderes Kennzeichen der Fünften Epoche wird die Bereicherung des Andachtslebens der Ge-

meinde durch den Bau nationaler Häuser der Andacht sein, je nach dem, wie es die Umstände in den nationalen

Gemeinden zulassen. Der Zeitplan für diese Projekte wird vom Universalen Haus der Gerechtigkeit unter Be-

rücksichtigung des Fortschritts beim Prozess des Beitritts in Scharen in den einzelnen Ländern festgelegt wer-

den. Diese Entwicklung wird sich in aufeinanderfolgenden Phasen von `Abdu’l-Bahás Göttlichem Plan fortset-

zen. Unmittelbar nach der Fertigstellung des Muttertempels des Westens begann der Hüter mit einem Plan zum

Bau von Kontinentalen Häusern der Andacht. Die ersten waren damals die Mashriqu’l-Adhkár in Kampala,

Sydney und Frankfurt, die in Erfüllung der Ziele des Zehnjahresplanes gebaut wurden. Das Universale Haus

der Gerechtigkeit verfolgte mit dem Bau der Tempel in Panama City, Apia und New Delhi dieselbe Linie. Die-

se kontinentale Phase ist aber noch zu vervollständigen: Ein weiteres Gebäude muss noch errichtet werden. Mit

tiefer Dankbarkeit und Freude verkünden wir in diesem verheißungsvollen Augenblick die Entscheidung, die-

ses letzte Projekt in Angriff zu nehmen. Während des Fünfjahresplans wird mit dem Bau des Muttertempels

von Südamerika in Santiago, Chile, begonnen und damit ein von Shoghi Effendi klar ausgesprochener Wunsch

erfüllt.

Es ist nun an der Zeit, weitere Schritte am Weltzentrum zu unternehmen, um die Funktionen der

Institutionen mit Sitz in den neuen Gebäuden am Bogen zu entwickeln. Nach beachtlichen Fortschritten des

Internationalen Lehrzentrums wird man jetzt besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden, die Arbeit des

Zentrums für das Studium der Texte zu organisieren. Die Übersetzung weiterer Heiliger Texte ins Englische

wird dabei von besonderer Bedeutung sein. Die Aufgabe dieser Institution ist es, das Universale Haus der

Gerechtigkeit dabei zu unterstützen, die Heiligen Schriften zu Rate zu ziehen und Übersetzungen und

Kommentare zu den autoritativen Texten des Glaubens zu verfassen. Darüber hinaus wird man sich im

Heiligen Land ständig darum bemühen, es zu ermöglichen, dass die Anzahl der Pilger und Besucher am

Bahá’í-Weltzentrum weiter ansteigen kann.

Vor fünf Jahren kündigten wir in unserer Ridván-Botschaft eine Großveranstaltung am Weltzentrum

an, welche aus Anlass der Fertigstellung der Projekte am Berg Karmel und der Eröffnung der Terrassen am

Schrein des Báb für die Öffentlichkeit stattfinden wird. Dieser Augenblick ist nun gekommen, und wir freuen

uns in der Erwartung, Freunde aus eigentlich allen Ländern bei einem Programm zu begrüßen, das sich über

fünf Tage vom 21. bis zum 25. Mai erstrecken wird. Wir sind auch glücklich mitteilen zu können, dass Vorbe-

reitungen getroffen werden, um die Bahá’í-Welt durch Live-Übertragungen im World Wide Web und per Sa-

tellit an den Veranstaltungen teilnehmen zu lassen. Informationen darüber folgen noch. Während das Weltzent-

rum sich hierauf konzentriert, wird auch die Erwartung der Menschen in Haifa immer größer, wo die städti-

schen Behörden ein Buch mit dem Titel: Bahá’í Shrine and Gardens on Mount Carmel, Haifa, Israel: A Vi-

sual Journey veröffentlichen wollen, das gleichzeitig mit den Veranstaltungen erscheinen soll. Ferner betreibt

die Postbehörde von Israel den Plan, zur gleichen Zeit eine Gedenkmarke herauszugeben, welche die Terrassen

darstellt. Die Bedeutung des Ereignisses liegt im Wesentlichen darin, dass es uns erlaubt innezuhalten, um die

beachtliche Wegstrecke zu überblicken, die der Glaube in seiner Entwicklung im 20. Jahrhundert zurückgelegt

hat. Es ist auch an der Zeit, die künftigen Auswirkungen dieser gewaltigen Leistungen zu bedenken, die durch

die Errichtung der imposanten Bauwerke auf Gottes heiligem Berge symbolisiert werden – Bauwerke, die die

geistigen und administrativen Zentren unseres Glaubens den Blicken der Welt öffnen.

Während unsere Gemeinde sich dieser begeisternden Betrachtungen erfreut, möge jedes Mitglied be-

denken, dass wir keine Zeit haben, uns auf Lorbeeren auszuruhen. Die Menschheit befindet sich in einer so

verzweifelten Lage, dass wir keinen Augenblick zögern dürfen, das Brot des Lebens zu überreichen, das in

unserer Zeit vom Himmel kam. Dulden Sie daher keinen Aufschub, den erfolgversprechenden Prozess voran-

zutreiben, wenn es darum geht, alle jene, die nach der Wahrheit dürsten, zu der Festtafel des Herrn der Heer-

scharen zu führen.

Möge Er, der über das Schicksal Seines göttlichen Systems wacht, jede Bemühung führen, lenken und

bestätigen, die Sie unternehmen, um die vor Ihnen liegenden drängenden Aufgaben zu bewältigen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

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