Ein Jahr des Dreijahresplanes liegt jetzt hinter uns, ein Jahr, in dem die Wirren der Welt in den Herzen und
Gedanken sowohl, Hoffnung als auch Furcht hervorriefen, Optimismus wie Verzweiflung, Bewunderung für
menschlichen Mut und Scham über die Grausamkeit, in die die Menschheit versinken kann. Die Anhänger
Bahá’u’lláhs streben inmitten dieser Heimsuchungen nach vorne, mit einer klaren Vision und voll Zuversicht,
den Rahmen des Königreichs Gottes aufbauend, die Gesellschaft mit neuem Geist belebend und allen Völkern
die wiederbelebende Wirkung der göttlichen Lehren aufzeigend.
Im Weltzentrum begann am 23. Mai (1993) ein neuer Fünf-Jahres-Turnus der Mitgliedschaft im Internatio-
nalen Lehrzentrum. In unserer ersten gemeinsamen Sitzung begrüßten wir die zahlreichen Initiativen, die es in
der vergangenen Amtsperiode ins Leben rief, und drängten auf deren Fortentwicklung. Unter diesen Initiativen
ist die Führung herausragend, die den Kontinentalen Beratern zur Förderung der Beratung auf örtlicher und
nationaler Ebene und zwischen Institutionen und Gläubigen vermittelt wurde. Dies führte zur Begründung und
Bestärkung des Wachstums der Bahá’í-Gemeinde. Ebenso ist die fortschreitende Verdeutlichung verschiedener
Ansätze zur Lehrarbeit zu nennen. Diese Aktionen führten im Laufe des Jahres zu einem größeren Schwung,
der der Entwicklung des Glaubens und seiner Institutionen durch die Berater, die Hilfsamtsmitglieder und de-
ren Assistenten gegeben wurde, was wiederum zur Stärkung der Einsicht und Ermutigung führte, die sie Nati-
onalen und Örtlichen Geistigen Räten und den Gläubigen übermittelten.
Das wachsende Ansehen des Glaubens in den Augen der Welt und die Aufmerksamkeit, die dies auf das
Weltzentrum lenkt, untermauern die Bedeutung der Fertigstellung der Terrassen am Schrein des Báb und der
Gebäude des administrativen Weltzentrums der Sache Bahá’u’lláhs. Nach der Bekanntgabe des besonderen
Aufrufs an die Bahá’í der Welt, 74 Millionen Dollar während des Dreijahresplanes für dieses Projekt zu
sammeln, ist die Reaktion herzerwärmend gewesen. Es ist unsere innige Hoffnung, dass die Fortführung dieses
Opfergeistes eine rasche Erfüllung dieses Zieles ermöglichen, einen ununterbrochenen Fortschritt der Arbeiten
sicherstellen und die bewundernden Blicke der Besucher und Anwohner gleichermaßen anziehen wird.
Das Studium des Kitáb-i-Aqdas erhellt das Leben aller Gläubigen. Das Bewusstsein für die Bedeutung der
Aufrechterhaltung der Grundsätze des Glaubens und des Gehorsams gegenüber seinen Geboten wächst. Die
weltweite Anwendung des Gesetzes des Huqúq’ulláh hat eine enthusiastische Reaktion hervorgerufen. Die
Aufmerksamkeit der Freunde gegenüber ihrer persönlichen Verpflichtung, den Glauben zu lehren, steigt. Wäh-
rend sie ihren geistigen Verpflichtungen nachkommen und eine stärkere Abhängigkeit von den Bestätigungen
Bahá’u’lláhs erlernen, entdecken sie, dass ihr Glaube eine neue Lebenskraft gewinnt, ihre Herzen voll neuem
Selbstvertrauen. All dies sind Bereiche, in denen die Aktivitäten des einzelnen nicht auf Drängen oder Hilfe zu
warten brauchen. Alleine auf sich gestellt, unterstützt nur durch die Kraft des Allmächtigen, ist jeder Gläubige
herausgefordert, diese geistigen Stärken zu entwickeln, die über jedes Maß hinaus zur Evolution der Gemeinde
beitragen werden.Die Mitgliedschaft der Sache nimmt auf zwei Wegen zu. Menschen mit herausragenden Fähigkeiten werden
bewegt, den Glauben anzunehmen und stärken so jene, die bereits in ihm dienen. Letztere werden für ihren Teil
in ihrer Erfahrung bereichert und erwerben größere Fähigkeiten durch ein tieferes Studium der Lehre und ih-
rem Ausdruck im Handeln. Die Freunde haben mit bemerkenswertem Erfolg stärkeren Gebrauch von
Workshops und Institutionen gemacht und so die Notwendigkeit einer systematischeren Vertiefung ihres Ver-
ständnisses der Lehre und ihrer Anwendung auf die Gesellschaft anerkannt. Im vor uns liegenden Jahr müssen
diese beiden sich gegenseitig ergänzenden Vorgänge - Menschen mit besonderen Fähigkeiten anzuziehen sowie
unsere eigenen zu erweitern - weiter ausgebaut werden. So werden persönliches Handeln und die harmonische
Entwicklung einer großen Bandbreite von Aktivitäten zur Förderung des Glaubens angeregt.
Wie sich das Potential der Gläubigen entfaltet, so werden auch die örtlichen und nationalen Bahá’í-
Institutionen die Fähigkeit erwerben, um die Lebensqualität ihrer Gemeinden zu erhöhen und einfallsreiche
Programme zu entwerfen und einzuführen. Örtliche Geistige Räte haben in zahlreichen Gebieten in regionaler
Lehrarbeit zusammengearbeitet. Auch die Nationalen Geistigen Räte haben neuartige Projekte ins Leben geru-
fen, um die durch die außerhalb des Glaubens sich ergebenden Gelegenheiten auszunutzen. Einige Beispiele
dafür sind das Projekt des Offenen Briefes in Albanien, die Antwort auf die außergewöhnliche Empfänglich-
keit der Behörden und der breiten Bevölkerung in den Republiken von Sakha und Buryat in Sibirien und die
zwischen dem Nationalen Geistigen Rat der Marshall-Inseln und der örtlichen Verwaltung des Majuro-Atolls
unterzeichnete Vereinbarung, mit der auf Bitten der Landesregierung die Bahá’í-Gemeinde die Verantwortung
für fünf staatliche Grundschulen übernahm.Die Entwicklung örtlicher und nationaler Bahá’í-Institutionen ermöglichte in verstärktem Ausmaß eine De-
zentralisierung der Verwaltung. Jedoch besteht in den meisten Ländern die entscheidende Voraussetzung für
die Ausweitung dieses segensreichen Prozesses darin, die Funktionsweise der örtlichen Geistigen Räte rasch zu
verbessern. Dies erfordert die wache Aufmerksamkeit eines jeden Gläubigen. Die örtlichen Bahá’í-
Institutionen, die im Kitáb-i-Aqdas selbst eingesetzt wurden, bilden einen Fundus an Stärke und Führung, der
die Effektivität der Arbeit für die Sache im Laufe ihrer Reifung vergrößert.
Wir leben inmitten einer Bevölkerung, die die Botschaft Bahá’u’lláhs verzweifelt benötigt. Es ist unsere
Pflicht, sie klar und überzeugend so vielen Seelen wie möglich zu überbringen. Dunkel und Leid um uns herum
sind nicht nur Zeichen der Not, sondern vermitteln eine Gelegenheit, die wir nicht versäumen dürfen. Das Ü-
berbringen der Botschaft ist nur der allererste Schritt. Nach ihm müssen wir sicherstellen, dass sie verstanden
und angewandt wird, lesen wir doch in einem im Auftrage des Hüters geschriebenen Brief: "Solange die Öf-
fentlichkeit in der Bahá’í-Gemeinde nicht das echte Muster von etwas besserem als sie bereits besitzt, erkennt,
und zwar in Aktion, wird sie auf den Glauben nicht in größerer Zahl reagieren." Wenn die Menschen die Sache
annehmen, sollten sie dann mit Hilfe der Lehre ihre Beziehung untereinander wie mit ihren Mitbürgern entwi-
ckeln, um die wahre Bahá’í-Gemeinschaft schrittweise aufzubauen, als Licht und Zuflucht für die Bestürzten.
Nach den glorreichen Ereignissen des Heroischen Zeitalters des Glaubens erfolgte der Eintritt in Scharen
durch die Völker der Welt in die Sache Gottes zuerst in Afrika während der Amtszeit Shoghi Effendis, um sich
dann in andere Gebiete auszudehnen. Die Bahá’í-Gemeinden in diesen Regionen lernen allmählich durch ihre
Erfahrung und entwickeln Methoden und Programme mit dem Ziel, große Zahlen von Gläubigen zu funktionie-
renden Gemeinden zusammenzubringen und starke Zentren andauernden Wachstums zu bilden. Die Textzu-
sammenstellung über "Die Förderung des Eintritts in Scharen" wurde veröffentlicht, um diese Gemeinden in
ihren Bemühungen zu unterstützen, um den Bahá’í in anderen Ländern zu helfen, den gleichen Vorgang in
Gang zu setzen und aufrechtzuerhalten, und um Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen, die ein so heraus-
forderndes Konzept unausweichlich begleiten. Das Studium und die Anwendung der darin erläuterten Prinzi-
pien und Ansätze wird zweifellos für jeden Bahá’í-Lehrer und jede Gemeinde hilfreich sein, sei es in einem
Gebiet, in dem der Eintritt in Scharen seit Jahren Realität ist, oder dort, wo es noch keine Anzeichen hierfür
gibt. Im letzteren Falle wird es den einzelnen Gläubigen von der Realität und Gültigkeit dieses Prozesses über-
zeugen und die Bahá’í-Gemeinden befähigen, sich selbst geistig und materiell auf diesen Vorwärtsschub vor-
zubereiten, sein Auftauchen sehnsüchtig zu erwarten, jene Schritte zu ergreifen, die seinen Beginn fördern, und
die Maßnahmen sicherzustellen, die sein Wachsen beschleunigen.
Der bemerkenswerte Zuwachs internationaler Zusammenarbeit im vergangenen Jahr, die Niederlassung von
Pionieren und der stete Fluss von Reiselehrern haben das Gewebe der Bahá’í-Gemeinde noch enger geknüpft.
Führend hierbei ist ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum, die zur Ermutigung der Gläubigen und Verkündigung
des Glaubens eine mühsame Reise nach Russland und andere im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion liegende
Länder unternahm, und zwar vom Westen, dem Baltikum, bis ganz in den Osten, nach Sibirien; sowie vom
Süden, den Zentralasiatischen Republiken, bis in den Norden nach St. Petersburg und Yakutsk.
Sieben erstmalige Nationaltagungen werden an diesem Ridván stattfinden. Unsere Repräsentanten bei diesen
historischen Ereignissen sind die Hand der Sache Gottes ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum zur Wahl des Na-
tionalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kambodscha, in Phnom Penh, und des Nationalen Geistigen Rates der
Bahá’í in der Mongolei, in Ulan Bator; die Hand der Sache Gottes 'Ali-Muhammad Varqá für die Wahl des
Regionalen Geistigen Rates der Bahá’í in Slowenien und Kroatien, in Ljubljana; Beraterin Lauretta King für
die Wahl des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in Kasachstan, in Alma-Ata, und des Nationalen Geisti-
gen Rates der Bahá’í in Kirgisistan, in Bishkek; und Berater Shapoor Monadjem für die Wahl des Nationalen
Geistigen Rates der Bahá’í in Tadschikistan, in Dushanbe, und des Nationalen Geistigen Rates der Bahá’í in
Usbekistan, in Taschkent. Der derzeitige Regionale Geistige Rat von Zentralasien mit seinem Sitz in Ashkha-
bad wird umbenannt in den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í in Turkmenistan.
Das Ende dieses Jahrhunderts nähert sich rasch. So wenig Zeit verbleibt, so viel ist noch zu tun. Wir rufen
jeden Anhänger der Sache Bahá’u’lláhs auf, die allergrößten Anstrengungen den beiden Hauptaufgaben zu
widmen, und zwar dem Lehren des Glaubens gegenüber jeder dürstenden Seele und der Ausstattung materieller
Mittel zur Fertigstellung der gewaltigen Projekte am Berge Karmel. Wie immer sich die äußere Lage der
Menschheit in den vor uns liegenden Jahren entwickelt, die Bahá’í-Gemeinde muss an Stärke gewinnen, sie
muss deutlicher den sich unterscheidenden Charakter ihrer Lebensauffassung demonstrieren, zu Proklamation
und Lehre der Botschaft zuversichtlich ausschwärmen und in immer größerem Ausmaß die bestätigende Un-
terstützung der Himmlischen Heerscharen an sich ziehen. Es ist der einzelne Bahá’í, der in jedem Aspekt die-
ser Arbeit den Schlüssel zum Erfolg in Händen hält.
Das Universale Haus der Gerechtigkeit