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Ridvan Botschaften : 1990-147BE
Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Ridvan 1990 / 147BE
An die Bahá’í der Welt
Innig geliebte Freunde,

Nachdem wir ein Jahr großer Leistungen vollendet haben, stehen wir an der Schwelle des letzten Jahrzehnts dieses strahlenden zwanzigsten Jahrhunderts und sehen uns einer unmittelbaren Zukunft von unerhörten Her- ausforderungen und blendenden Möglichkeiten gegenüber. Die Geschwindigkeit der Ereignisse während des letzten Jahres ist ein Hinweis auf die Beschleunigung wahrend sich der hundertste Jahrestag des. Aufstieges Bahá’u’lláhs nähert - der geistigen Kräfte, die durch die Ankunft Seiner umwälzenden Mission befreit wurden. Es ist eine Beschleunigung, die in ihrer Plötzlichkeit und ihrem umfassenden umgestaltenden Eindruck auf das soziale Gedankengut und auf politische Einheiten Hochgefühle erweckt hat im Hinblick auf die unmittelbaren Auswirkungen sowie Gefühle der Verwirrung über ihre wahre Bedeutung und den vorherbestimmten Ausgang, welche die erstaunten Herausgeber einer führenden Zeitung, die keine Erklärung dafür finden konnten, veran- lassten, sie dem Wirken einer "Unsichtbaren Hand" zuzuschreiben.

Für die Anhänger Bahá’u’lláhs in der ganzen Welt kann kein Zweifel über den göttlichen Ursprung noch über die klaren Zielsetzungen dieser außerordentlichen Ereignisse bestehen. Wir wollen uns deshalb über die wunderbaren Zeichen der Wohltätigkeit von Gottes überfließender Gnade freuen. Das am letzten Ridvan be- richtete hohe Maß von Lehrarbeit und Aufnahmen in den Glauben wurde beibehalten, und neue Gebiete des Lehrens wurden von Osteuropa bis an das Chinesische Meer erschlossen. Mit der Niederlassung von zwei Rittern Bahá’u’lláhs auf der Insel Sachalin in den letzten Wochen ist das letzte Gebiet, das von Shoghi Effendi in seinem Zehnjahresweltplan erwähnt wurde, in das Bahá’í-Gemeinwesen eingetreten. Die Wiederbildung des örtlichen Geistigen Rates von 'Ishqabad, die kürzliche Wahl des Rates von Cluj in Rumänien, der erste neue Rat im "Ostblock, die Wiedererrichtung und Bildung von örtlichen Geistigen Räten in anderen Teilen der Sow- jetunion und in anderen Ländern Osteuropas zu diesem Ridvan - all diese Leistungen und unmittelbaren Aus- sichten bestätigen unsere Ankunft an einem bedeutungsvollen Meilenstein in der vierten Epoche des Gestalten- den Zeitalters. Die Verwaltungsordnung umfasst nun eine Gemeinde von größerer Verschiedenheit als je zu- vor. Es sind solche ungeheuren Ereignisse, die unsere kürzliche Ankündigung eines zusätzlichen Zweijah- res-Lehrplanes veranlassten, der nun offiziell begonnen hat und den wir Ihrer ungeteilten und aktiven Auf- merksamkeit empfehlen.

Wie verblüffend, wie weitreichend waren die Tätigkeiten, welche die Gemeinde in der Kürze eines Jahres bis zu diesem Stand in ihrer Entwicklung vorangetrieben haben! Wenn wir über die Wunder von Bahá’u’lláhs Bestätigungen nachdenken, wenden sich unsere Herzen in Liebe und Hochachtung überall den Händen der Sache Gottes zu, die als Bannerträger jener Gemeinde stets ihr helles Wahrzeichen der Dunkelheit der Zeiten entgegenhielten. Mit einem unbezähmbaren Geist beharren sie in der Erfüllung, unter allen Umständen und wo immer sie sein mögen, ihrer gottgegebenen Aufgaben, ihre weit verstreuten, rasch sich vermehrenden Mitglie- der anzuregen, zu erleuchten und zu beraten. Angesichts der neuen Lage in der Bahá’í-Welt machen wir uns die Freude, einige der Gelegenheiten der Verbindung von Händen der Sache mit den Entwicklungen in Europa und Asien im letzten Jahr zu erwähnen. ‘Amatu’l-Bahá Khánum vertrat während einer ausgedehnten Reise in den Fernen Osten das Universale Haus der Gerechtigkeit bei der Bildung des Nationalen Geistigen Rats von Macau, verbrachte einige Zeit bei dem Ritter Bahá’u’lláhs in der Mongolei, wo anschließend die erste einhei- mische Bewohnerin ihren Glauben an Bahá’u’lláh erklärte, und widmete den Freunden in verschiedenen Tei- len der Volksrepublik China viel Aufmerksamkeit, wo ihr Film "Greenlight Expedition” im Fernsehen gezeigt wurde. Herr Collis Featherstone wandte große Energie auf, die lang leidenden Freunde im kriegsverwüsteten Vietnam zu stärken. In diesem Augenblick besucht Herr ‘Alí-Akbar Furútan die UdSSR, die er während der Verfolgung des Glaubens dort verlassen musste; nun ist er in der siegreichen Erfüllung eines Wunsches dorthin zurückgekehrt, den unser geliebter Hüter vor rund sechzig Jahren ihm gegenüber zum Ausdruck brachte.

Auch die Berateramtsmitglieder des Internationalen Lehrzentrums sind nicht langsam gewesen, auf die Möglichkeiten zu reagieren, das nun in allen Gebieten der Welt offenbar gewordene Klima des Fortschritts zu pflegen. Durch eine einheitliche Schau des Wachstums, zu der sie die Kontinentalen Beraterämter aufgerufen haben und mit ihnen ihre fähigen, hart arbeitenden und aufopferungsvollen Hilfsämter, kann ein neues Leben in der Ausbreitung und Festigung des Glaubens in der ganzen Welt gespürt werden. Die Kontinentalen Berater verdienen die tiefe Dankbarkeit der gesamten Bahá’í-Gemeinde, nachdem sie sich dem Ende ihrer laufenden fünfjährigen Amtszeit nähern, die durch ihre hervorragenden Dienste ausgezeichnet ist.

Genau wie die Gemeinde ihre innere Verflechtung ausgebreitet hat, hat sie auch ihre äußeren Beziehungen, ihren Einfluss und ihre Anziehungskraft auf verschiedenen Wegen ausgedehnt, von denen manche in ihrer Breite und in ihren Möglichkeiten Erstaunen hervorrufen. Einige Beispiele mögen genügen: durch das neu geschaffene Umweltbüro hat die Internationale Bahá’í-Gemeinde aus eigener Initiative und in Zusammenarbeit mit anderen Umweltorganisationen das jährliche Welttreffen der Forstcharta wieder eingeführt, das 1945 von dem bekannten Richard St. Barbe Baker gegründet wurde; seitdem wurde das Umweltbüro eingeladen, an wichtigen Veranstaltungen teilzunehmen, die von internationalen mit Umweltfragen befaßten Organisationen unterstützt werden. Die Internationale Bahá’í-Gemeinde ist an der Arbeit des Sonderausschusses zur Beseiti- gung des Analphabetentums unter der Schirmherrschaft der UNESCO beteiligt und ihr Vertreter wurde gebe- ten, an der in Thailand stattgefundenen Weltkonferenz eine Anzahl von sehr ins Auge fallenden und wichtigen Aufgaben zu übernehmen, die der Bahá’í-Gemeinde Bedeutung verliehen. Mit der Ermutigung eines erfahrenen Regierungsbeamten von Fiji wurden Schritte unternommen, in Suva ein Zweigbüro des Büros der Internationa- len Bahá’í-Gemeinde für die Vereinten Nationen im pazifischen Raum zu schaffen. Die Universität von Mary- land in den Vereinigten Staaten verkündete ihren Beschluß, einen "Bahá’í-Lehrstuhl für den Weltfrieden" an ihrem Zentrum für Internationale Entwicklung und Konfliktbewältigung zu errichten, was Veranlassung geben wird für ein großes Anwachsen der akademischen Bemühungen, die Sache Bahá’u’lláhs zu prüfen. Beinahe zur gleichen Zeit gab der Nationale Geistige Rat von Indien bekannt, dass eine Übereinkunft erzielt wurde, einen Lehrstuhl für Bahá’í-Studien an der Universität von Indore zu schaffen.

Die fortdauernden Bemühungen, die Befreiung der Bahá’í in Iran zu erreichen, haben ein neues Stadium er- reicht. Zum ersten Mal war es einem Vertreter der Vereinten Nationen möglich, offiziell auf Iranischem Boden mit einem Vertreter der geachteten Bahá’í-Gemeinde zusammenzutreffen. Das Ergebnis wurde in einem Be- richt an die Kommission für Menschenrechte der Vereinten Nationen festgehalten, bei deren kürzlicher Sitzung in Genf wieder ein Beschluß über Iran, der die Bahá’í erwähnt, angenommen wurde. In einer gleichlaufenden Aktion von weitreichender Bedeutung hat das Abgeordnetenhaus der Vereinigten Staaten einstimmig einen Beschluß angenommen, der zur Befreiung der iranischen Bahá’í-Gemeinde aufruft und Schritte darlegt, die zur Erreichung dieses Zieles von der Regierung der Vereinigten Staaten unternommen werden müssen; ein ähnli- cher Beschluß liegt dem Senat vor.

Im Heiligen Land erhielten die Vorbereitungen für die Ausführung der Bauprojekte auf dem Berge Karmel einen deutlichen Auftrieb. Anlaß für eine tiefe Befriedigung ist, dass am Vorabend von Naw-Rúz die Stadtbe- zirks-Planungskommission nach schwierigen und vielseitigen Verhandlungen entschied, den vom Ba- há’í-Weltzentrum unterbreiteten Plan zu genehmigen. Damit ist der Weg freigemacht für die endgültige Ertei- lung der Baugenehmigungen.

Geliebte Freunde, nur zwei Jahre trennen uns vom Abschluss des Sechsjahresplanes und vom Beginn des Heiligen Jahres an Ridvan 1992, jener besonderen Zeit, wenn wir innehalten werden, um die ungestüme Auf- zeichnung der Ereignisse zu würdigen, die uns zur Jahrhundertfeier des Aufstieges Bahá’u’lláhs gebracht ha- ben, und um mit entsprechender Feierlichkeit über den erlösenden Lebenszweck des kostbarsten Wesens nach- zudenken, das je auf diesem Planeten geatmet hat.

In Erwartung dieses Höhepunktes in der Bahá’í-Geschichte wurden Pläne für zwei große Weltereignisse in Angriff genommen: Einer betrifft die Zusammenkunft einer möglichst breiten Vertretung von Gläubigen im Heiligen Land vom ganzen Erdball kommend, um an einer würdigen Gedenkfeier dieser schMirzaollen Vollen- dung in der Nachbarschaft des Heiligsten Schreines teilzunehmen. Ein Bestandteil dieser Gedenkfeier, symbo- lisch für den jenseitigen und siegreichen Einfluss von Bahá’u’lláhs befreitem Geist, wird die Unterbringung eines Behältnisses unter dem Boden beim Eingangstor zu Seinem Schrein sein, das die ausgeschmückte Ehren- rolle der Ritter Bahá’u’lláhs enthält, eine Aufzeichnung, die von Shoghi Effendi während seines Zehnjahres- planes begonnen wurde, jene beherzten Seelen betreffend, die sich erhoben, um im Namen ihres Herrn in jenem Plan erwähnte jungfräuliche Gebiete zu erobern. Damit wird eine von Shoghi Effendi selbst ausgedrückte Ab- sicht nach beinahe vier Jahrzehnten zu einem würdigen Abschluss gebracht werden. Die noch lebenden Ritter Bahá’u’lláhs werden eingeladen werden, um diesem Vorgang beizuwohnen.

Das andere Ereignis wird der Bahá’í-Weltkongreß sein, um die Einsetzung des Bündnisses vor einem Jahr- hundert zu feiern, das von Bahá’u’lláh der Nachwelt hinterlassen wurde als unverrückhares Mittel, die Einheit und Unversehrtheit Seiner weltumfassenden Ordnung sicherzustellen. Er wird im November 1992 in New Y- ork einberufen werden, dem Ort, der von Ihm, dem ernannten Mittelpunkt des Bündnisses, der voraussah, dass "New York eine gesegnete Stätte werden wird, von welcher der Ruf nach Standhaftigkeit im Bündnis und im Testament Gottes nach allen Teilen der Welt ausgehen wird", als Stadt des Bündnisses bezeichnet wurde.

Entsprechende Veranstaltungen auf örtlicher und nationaler Ebene werden mit diesen zwei Hauptereignissen in Verbindung stehen, um den innersten Gefühlen der Bahá’í Ausdruck zu verleihen und um der Öffentlichkeit von der inhaltsschweren Tatsache der Erscheinung des Herrn des Bündnisses in der Welt sowie von den Zielen und Werken Seiner erhabenen Mission einen Eindruck zu vermitteln. Tatsächlich sind bereits Pläne in Bearbei- tung für die Durchführung eines intensiven Feldzuges, um den ganzen Erdball mit Seinem Namen zu schmü- cken.

Die Freunde müssen sich nun überall auf die Bedeutung dieser zwei Jahrestage einstimmen. Sie müssen durch Gebet und Studium der Schriften geistig vorbereitet sein, um eine tiefere Würdigung der Stufe und Ab- sichten Bahá’u’lláhs sowie der grundlegenden Bedeutung Seines mächtigen Bündnisses zu gewinnen. Solch eine Vorbereitung steht im innersten Kern ihrer Bemühungen, eine Wandlung in ihrem eigenen und gemein- schaftlichen Leben herbeizuführen. Lasst alle Freunde - jeden Mann, jede Frau und jeden Jugendlichen durch die hohe Qualität ihres Innenlebens und ihres persönlichen Charakters den geeinten Geist ihrer Verbindung miteinander, die Rechtschaffenheit ihres Verhaltens gegenüber allen und die Vortrefflichkeit ihrer Taten bewei- sen, dass sie zu einer wirklich erleuchteten und beispielhaften Gemeinde gehören; dass ihr über alles Geliebter, dessen Aufstiegs sie gedenken, Sein Leben auf Erden nicht umsonst erlitten hat. Lasst diese Ausrüstung das Maß für ihre Bemühungen sein, Seine Sache zu lehren, das Merkmal ihrer Huldigung an den König der Köni- ge.

Unsere lieben und geschätzten Mitarbeiter, es ist eine solche Zeit der tiefsten Vorausahnung für uns, dass die Weltgesellschaft sich in einem kritischen Abschnitt ihres Übergangs zu dem Charakter befindet, den der Herr des Zeitalters für sie vorgesehen hat. Die Winde Gottes stürmen weiter und blasen alte Systeme um, wo- mit sie der tiefen Sehnsucht nach einer Neuordnung der menschlichen Angelegenheiten Dringlichkeit verleihen und den Weg auftun für das Hissen des Banners Bahá’u’lláhs in Ländern, aus denen es bis jetzt verbannt war. Die Geschwindigkeit der Änderungen erweckt Erwartungen, die unsere Träume im letzten Jahrzehnt des zwan- zigsten Jahrhunderts anregen. Die Situation ist gleichzeitig ein strahlendes Vorzeichen und eine gewichtige Herausforderung.

Die grundlegende Wandlung im Aufbau der heutigen Gesellschaft ist bedeutungsvoll, da sie die Erreichung des Geringeren Friedens beinhaltet. Wie hoffnungsvoll die Zeichen auch sein mögen, können wir doch nicht vergessen, dass die dunkle Wegstrecke dieses Zeitalters des Überganges noch nicht völlig durchquert wurde, sie ist noch immer lang, schlüpfrig und mühevoll. Denn Gottlosigkeit ist weitverbreitet, und der Materialismus greift um sich. Nationalismus und Rassismus treiben ihren Verrat im menschlichen Herzen, und die Mensch- heit ist blind für die geistigen Grundlagen der Loslösung ihrer wirtschaftlichen Nöte. Für die Bahá’í-Gemeinde ist die Situation eine besondere Herausforderung, denn die Zeit läuft ab, und wir haben schwerwiegende Ver- pflichtungen einzuhalten. Davon sind die nächstliegenden: erstens, die Sache Gottes zu lehren und ihre göttlich verordneten Institutionen überall in der Welt mit Weisheit, Mut und Dringlichkeit aufzubauen, und zweitens, auf dem Berge Karmel den Bau der Terrassen beim Schrein des Báb und der übrigen Gebäude am Bogen des administrativen Weltzentrums des Glaubens fertigzustellen. Die erste verlangt entschlossenes, von allen getra- genes und zuversichtliches Handeln von seiten der einzelnen Gläubigen. Die zweite bedarf der großzügigen Spende von Geldern. Beide sind innig miteinander verflochten.

Während der letzten zwei Jahre sind beinahe eine Million Seelen dem Glauben beigetreten. Die sich mehren- den Gelegenheiten des Gruppenbeitritts an verschiedenen Orten haben zu diesem Wachstum beigetragen und haben damit die Aufmerksamkeit auf Shoghi Effendis Vision gezogen, die unsere Vorstellungen von glorrei- chen zukünftigen Möglichkeiten auf dem Lehrgebiet formt. Denn er hat uns versichert, dass der Vorgang des "Gruppenbeitrittes von Menschen verschiedener Nationalität und Rasse zur Bahá’í-Welt ... das Vorspiel sein würde für jene lang erwartete Stunde, wenn eine Massenbekehrung von seiten jener Nationen und Rassen und als unmittelbares Ergebnis einer Kette von Ereignissen, bedeutungsvoll und möglicherweise katastrophal ihrer Natur nach, von denen Wir bis jetzt noch nicht einmal eine vage Vorstellung haben können, die Geschicke des Glaubens plötzlich umwälzen, das Gleichgewicht der Welt stören und die zahlenmäßige Stärke sowie die mate- rielle Kraft und geistige Autorität des Glaubens Bahá’u’lláhs tausendfach anwachsen läßt." Wir sind voller Ermutigung zu glauben, dass Aufnahmen in großem Umfang zunehmen werden, die ein Dorf nach dem ande- ren, eine Stadt nach der anderen von einem Land zum anderen betreffen. Doch es steht uns nicht zu, untätig die endliche Erfüllung von Shoghi Effendis Vision abzuwarten. Wir wenigen müssen, indem wir unsere ganze Hoffnung in die Vorsehung Gottes legen und die Herausforderungen, denen wir uns gegenübergestellt sehen, als göttliches Vorrecht betrachten, zum Sieg voranschreiten mit den Plänen in unserer Hand.

Eine Erweiterung der Gedanken und Tätigkeiten in verschiedenen Aspekten unserer Arbeit werde unsere Er- folgsaussichten vergrößern, unsere früher erwähnten Verpflichtungen zu erfüllen. Da Veränderung, eine immer schnellere Veränderung, ein gleichbleibender Wesenszug des gegenwärtigen Lebens ist, und da unser Wachs- tum, unsere Größe und unsere äußeren Beziehungen uns viel abverlangen, muss unsere Gemeinde bereit sein, sich anzupassen. In gewissem Sinne bedeutet dies, dass sie geschickter werden muss, ein weites Gebiet von Tatigkeiten zu betreuen, ohne dass sie dabei die Konzentration auf die Hauptziele der Lehrarbeit, nämlich Verbreitung und Festigung, verliert. Eine Einheit in der Mannigfaltigkeit der Tätigkeiten wird benötigt, ein Zustand, bei dem sich verschiedene Menschen auf verschiedene Aufgaben konzentrieren und die heilsame Auswirkung im ganzen auf das Wachstum und die Entwicklung des Glaubens zu würdigen wissen, denn eine Person kann nicht alles tun, und alle Personen können nicht das gleiche tun. Dieses Verständnis ist wichtig für die Reife, welche die Gemeinde aufgrund der vielfältigen Anforderungen, die an sie gestellt werden, gezwungen ist zu erreichen.

Die von Bahá’u’lláh gebrachte Ordnung ist dazu bestimmt, den Fortschritt der Gesellschaft anzuleiten und ihre Probleme zu lösen. Unsere Zahl ist noch zu klein, als dass sie ein angemessenes Bild der Möglichkeiten bieten könnte, welche dem administrativen System innewohnen, das wir aufbauen, und die Wirksamkeit dieses Systems wird nicht ohne eine große Ausdehnung unserer Mitgliedschaft geschätzt werden können. Bei der jetzt vorherrschenden Lage in der Welt wird die Notwendigkeit einer solchen Demonstration immer dringender. Es ist nur zu offensichtlich, dass selbst diejenigen, die gegen die Mängel der alten Ordnung aufbegehren und sie am liebsten niederreißen würden, selbst irgendeiner gültigen Alternative beraubt sind, die sie an ihre Stelle setzen könnten. Da die administrative Ordnung dazu bestimmt ist, ein Modell für die zukünftige Gesellschaft zu sein, wird das Sichtbarwerden eines solchen Modells ein Hoffnungszeichen für diejenigen sein, die am Ver- zweifeln sind.

So weit ist es uns gelungen, eine beachtliche Mannigfaltigkeit in der großen Anzahl von ethnischen Grup- pen, die im Glauben vertreten sind, zu erzielen, und es sollte alles getan werden, um dies durch vermehrte Bei- tritte aus bereits vertretenen Gruppen zu stärken und durch die Anziehung von Mitgliedern solcher Gruppen, die bis jetzt noch nicht erreicht werden konnten. Es gibt jedoch noch eine andere Kategorie der Mannigfaltig- keit, die wir aufbauen müssen, und ohne die der Glaube nicht imstande sein wird, den Verpflichtungen ange- messen zu entsprechen, die ihm auferlegt wurden. Seine Mitgliedschaft muss nun, unbeachtet der ethnischen Verschiedenartigkeit, eine wachsende Zahl von Menschen mit Befähigung umfassen, einschließlich solcher Personen, die Leistung und Bedeutung auf den verschiedenen Gebieten menschlichen Bemühens vorweisen können. Eine beachtliche Anzahl solcher Personen aufzunehmen ist ein unerläßlicher Aspekt der Lehrarbeit in der Breite, ein Aspekt, der nicht länger mehr vernachlässigt werden darf und der bewusst und wohlüberlegt in unsere Lehrarbeit einbezogen werden muss, um ihre Grundlage zu verbreitern und den Vorgang des Gruppen- beitrittes zu beschleunigen. So wichtig und an der Zeit ist die Notwendigkeit des Tätigwerdens in dieser Ange- legenheit, dass wir uns veranLasst sehen, die Kontinentalen Berater und Nationalen Geistigen Räte aufzurufen, ihr bei ihren Beratungen und Plänen ernsthafte Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Angelegenheiten der Menschheit haben ein Stadium erreicht, in dem immer mehr Anfragen an unsere Gemeinde gerichtet werden um Hilfe durch Rat und praktische Maßnahmen, um kritische soziale Probleme zu lösen. Dies ist ein Dienst, den wir gerne leisten, aber es bedeutet, dass unsere örtlichen und Nationalen Geisti- gen Räte sich gewissenhafter an die Grundregeln halten müssen. Mit der wachsenden öffentlichen Aufmerk- samkeit, die sich auf die Sache Gottes richtet, wird es für Bahá’í-Institutionen eine zwingende Notwendigkeit, ihr Verhalten und Vorgehen zu verbessern durch eine engere Anbindung an die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens, durch größere Übereinstimmung mit dem Geist und der Form der Bahá’í-Administration und durch ein geschärftes Vertrauen in die wohltuende Wirkung richtiger Beratung, damit die von ihnen geführten Ge- meinden ein Lebensmodell widerspiegeln, das den enttäuschten Mitgliedern der Gesellschaft Hoffnung bietet. Dass es Andeutungen gibt, dass der Geringere Friede nicht allzu weit entfernt sein kann, dass die örtlichen und nationalen Institutionen der administrativen Ordnung ständig an Erfahrung und Einfluss gewinnen und dass sich die Pläne für die Errichtung der noch verbleibenden administrativen Gebäude am Bogen in einem fortge- schrittenen Zustand befinden, - dass diese hoffnungsvollen Bedingungen die Gestaltung jener dynamischen, von Shoghi Effendi vorausgeschauten gleichzeitigen Abläufe sichtbar werden lassen, kann kein ehrlicher Be- obachter in Abrede Stellen.

Als eine Gemeinde, die eindeutig bei der Vorhut der sich auf diesem Planeten am Werk befindlichen auf- bauenden Kräfte steht, und als eine, die Zugang zu erwiesenem Wissen hat, soll man uns bei unseres Vaters Arbeit finden. Er wird aus Seinem glorreichen Zufluchtsort in der Höhe großzügige Ausgießungen Seiner Gnade auf unsere bescheidenen Bemühungen herabsenden und uns mit den unermesslichen Siegen Seiner er- obernden Kraft erstaunen. Um die unaufhörlichen Segensgaben eines solchen Vaters werden wir weiterhin für jeden einzelnen von Ihnen an der Heiligen Schwelle flehen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

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