seit dem Jahr 1996 hat sich die Bahá’í-Welt auf die Durchführung eines Hauptaspekts konzentriert: den Prozess des Beitritts in Scharen zu fördern. Dass wir dieses Ziel in den Brennpunkt stellen, ist, so erklärte das Universale Haus der Gerechtigkeit, „eine Notwendigkeit in diesem Abschnitt der Entwicklung des Glaubens und der menschlichen Gesellschaft“. Wir können jetzt die Anfänge systematischen Wachstums in einer zunehmenden Anzahl von Regionalbereichen beobachten, in denen intensive Programme angelaufen sind. Die Gläubigen und Institutionen in diesen Regionalbereichen haben eine Form für ihre Aktivitäten entwickelt, „an der die ganze Gemeinde begeistert, systematisch und persönlich teilnimmt“, und haben ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, die Erfordernisse der Verbreitung und der Festigung ins Gleichgewicht zu bringen, bei gleichzeitiger Aufnahme einer stetig wachsenden Anzahl von neuen Gläubigen.
In vollem Bewusstsein dessen, dass der Fünf-Jahres-Plan „eine Beschleunigung dieses lebenswichtigen Prozesses [des Beitritts in Scharen] erfordert“ und dass „dieser Aufschwung angesichts der Weltsituation nötig ist“, rufen wir jeden von Ihnen auf, in einem ebenso glühenden wie optimistischen Appell, Ihren Blickpunkt auf die Maßnahmen zu richten, die mehr und mehr Regionalbereiche dazu befähigen werden, die Stufe intensiven Wachstums innerhalb der noch verbleibenden Monate des Planes zu erreichen. Ausgehend von der Führung des Hauses der Gerechtigkeit, sowie von der Erfahrung unserer Reisen und den Informationen in Ihren Berichten, haben wir den Versuch unternommen, die Elemente zu analysieren, die notwendig sind, um „eine große und stetige Ausbreitung der Bahá’í-Gemeinde“ zu erreichen, und haben daraus einige Einsichten und Lektionen zusammengefasst, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten.
Dieser Brief behandelt drei Hauptthemen: die jüngste Erfahrung mit beschleunigter Schulung, die eine Schlüssel-Strategie bleiben wird, um genügend menschliche Ressourcen für das systematische Wachstum zu entwickeln; die Ansammlung dessen, was wir aus intensiven Wachstumsprogrammen, die derzeit im Gange sind, gelernt haben; und einen Dialog über die dringende Notwendigkeit des Lehrens im gegenwärtigen Kontext. Er endet mit einer Aufforderung an Sie und Ihre Hilfsamtsmitglieder, die Entwicklung der meistversprechenden Regionalbereiche mit Nachdruck voranzutreiben und selbst den Freunden ein Beispiel zu sein in deren Bemühungen, die Botschaft Bahá’u’lláhs zu überbringen.
Ausbildung einer kritischen Masse – Bemühung um eine „beachtliche Zahl ergebener und fähiger Gläubiger, welche die Erfordernisse für nachhaltiges Wachstum verstehen“
Seit sie die Führung des Hauses der Gerechtigkeit in dessen Brief vom 17. Januar 2003 erhalten haben, haben sich alle Länder „bemüht, einer wachsenden Zahl von Freunden dabei zu helfen, die Hauptabfolge der Kurse zu durchlaufen“. In jüngster Zeit, auf Grund der Erfahrung in einer Anzahl starker Regionalbereiche, haben wir die Gläubigen und die Institutionen in eben diesen Regionalbereichen ermutigt, sich zu bemühen, eine kritische Masse von Gläubigen durch die Abfolge der Kurse zu führen, und zwar in beschleunigtem Tempo. Denn wo dies geschehen ist, konnte man eine neue Dynamik und eine verstärkte Bereitschaft für intensives Wachstum beobachten. Genauer gesagt haben wir vorgeschlagen, dass in vielen Regionalbereichen mindestens 40 bis 50 Personen die Kursfolge durchlaufen sollten. Die zahlenmäßige Zunahme dieser bedeutenden Gruppe von ausgebildeten menschlichen Ressourcen hat unmittelbar zu anderen Voraussetzungen für intensives Wachstum beigetragen, wie zum Beispiel, die systematische Vervielfachung der Studienkreise zu fördern und die Funktionsfähigkeit der örtlichen Geistigen Räte zu verbessern. Andererseits jedoch haben sich gelegentlich gewisse Schwierigkeiten aus dem vorrangigen Bemühen ergeben, das Ziel einer kritischen Masse zu erreichen.
In manchen Gebieten hat der Eifer der Gläubigen und Institutionen, gewisse Ziele im Institutsprozess zu erreichen, dazu geführt, dass sie Teile der Kurse weggelassen haben, besonders die praktischen Komponenten, die ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung sind. Wenn die Freunde die Fertigkeiten, die sie lernen, niemals anwenden können, werden sie nicht imstande sein, die Aufgaben der Ausbreitung und Festigung wirksam durchzuführen. Es ist deutlich geworden, dass ein rasches Durchlaufen der Kursfolge nicht bedeutet, die Anzahl der Kursstunden zu reduzieren; es bedeutet, den gleichen Kurs und die dazu gehörige Praxis in seiner Gesamtheit abzuschließen, lediglich in einer kürzeren Zeitperiode – vielleicht in Tagen statt Wochen oder in Wochen statt Monaten. Eine ausgewogene Handhabung ist gefragt, welche die beiden möglichen Fallgruben vermeidet, nämlich entweder die Kurse so rasch zu durchlaufen, dass keine Zeit bleibt, Fertigkeiten zu üben und Aktivitäten zu vervielfältigen, oder endloses Studieren, um Fähigkeiten zu erlangen, die leichter durch praktische Erfahrung entwickelt werden könnten.
Wir haben bemerkt, dass das Ziel, etwa 50 Gläubige durch die Abfolge der Kurse zu führen, manchmal zu starren oder zu sehr vereinfachten Perspektiven geführt hat. In manchen Regionalbereichen, in denen bereits alle für ein intensives Wachstum benötigten Ressourcen und Kernaktivitäten vorhanden waren, wurde der Beginn eines Wachstumsprogramms hinausgeschoben, weil es z.B. erst 46 Gläubige gab, welche die volle Kursfolge durchlaufen hatten. Auf der anderen Seite gab es in Regionalbereichen, die das Ziel von 50 Tutoren erreicht hatten, manchmal die Erwartung, dass dies automatisch zu einem Wachstum führen würde. In solchen Fällen ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass es keine Zauberformel ist, 40 bis 50 Gläubige die Kursfolge durchlaufen zu lassen. Es ist ein Indikator, der im Zusammenhang mit anderen günstigen Bedingungen sowie dem Ausmaß, in dem die Öffnung nach außen und das Lehren in diesem Regionalbereich bereits Erfolg hatten, gesehen werden muss.
In Regionalbereichen mit relativ geringer Bahá’í-Bevölkerung werden die Bemühungen, eine kritische Masse zu erreichen, etwas anders verlaufen. Zu Beginn des intensiven Trainings werden vielleicht nur 15 oder 20 Gläubige die Kursfolge durchlaufen haben. Diese Bemühung würde zusätzlich lebhafte Lehrbemühungen erfordern, sodass die Größe der Gemeinde allmählich zunimmt und mit ihr die Anzahl ausgebildeter menschlicher Ressourcen. Wenn dies auch bedeuten kann, dass es für einen Regionalbereich mit weniger Bahá’í länger dauert, die Voraussetzungen für ein intensives Wachstumsprogramm zu erreichen, werden die Freunde jedoch bereits einen bedeutenden Schatz an Erfahrungen in Bezug auf erfolgreiches Lehren haben, wenn ihr Regionalbereich einmal ein fortgeschrittenes Entwicklungsstadium erreicht haben wird.
Die Strategie intensiver Institutskampagnen wird in den kommenden Monaten weiterhin von entscheidender Bedeutung sein, um die Bewegung zu beschleunigen, die eine große Anzahl von Regionalbereichen zu dem Punkt bringt, an dem sie mit intensiven Wachstumsprogrammen beginnen können.
Der Beginn eines intensiven Wachstumsprogramms – „Ein stetiger Zufluss von neuen Gläubigen“
Nun, da die Bedingungen für intensives Wachstum in vielen fortgeschrittenen Regionalbereichen erreicht worden sind, „sollten sogleich systematische Programme für die Verbreitung und Festigung des Glaubens in Gang gesetzt werden“. In der Praxis bedeutet dies, dass die Gläubigen und Institutionen in fortgeschrittenen Regionalbereichen erst einmal die nötigen Schritte für den Beginn eines intensiven Wachstumsprogramms und die Rolle der Lehrprojekte als Katalysatoren des Wachstums verstehen müssen.
Wenn ein Regionalbereich von einer Kategorie zu der nächsten fortschreitet, kommen neue Strategien ins Spiel, die seinem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechen. Ein Blick auf den Planungsprozess lässt uns diese Progression deutlich erkennen. Wir können sagen, dass in Regionalbereichen der Kategorie „C“ und „B“ das Augenmerk im Allgemeinen auf die Initiative des Einzelnen gerichtet ist. Die Rolle der Institutionen ist, den „Unternehmungsgeist“, der zu einer ständig wachsenden Anzahl von Kernaktivitäten führt, zu ermutigen und zu ermöglichen. Wenn sich die Regionalbereiche weiter entwickeln, werden diese individuellen Initiativen oft systematisiert in gemeinsamen Anstrengungen, wie dem Bilden von Lehrteams oder der Durchführung von Einladungs-Kampagnen. In Regionalbereichen der Kategorie „A“, in denen intensive Wachstumsprogramme initiiert werden, nehmen die individuellen Initiativen immer noch weiter zu; gleichzeitig tritt jedoch die Rolle der Institutionen in der Gesamtplanung hinsichtlich Verbreitungs- und Festigungsaktivitäten stärker hervor. Selbstverständlich gehen die bisherigen Aktivitäten – der Institutsprozess, die Vervielfachung der Kernaktivitäten und die Reflexionstreffen – weiter, aber der Charakter der Reflexionstreffen entwickelt sich und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen wird vertieft.
Zusätzlich zu einer erweiterten Zusammenarbeit und einem komplexeren Planungsniveau, die einen Regionalbereich im Stadium des intensiven Wachstums charakterisieren, nimmt die Lehrarbeit an Umfang und Energie zu. Statt sich wie bisher zufrieden zu geben mit der stetigen, aber bescheidenen Wachstumsrate durch die Teilnahme von Nicht-Bahá’í an Kernaktivitäten, beinhaltet eine Beschleunigung der Lehrarbeit im Allgemeinen, dass wir empfängliche Bevölkerungsgruppen identifizieren und eine umfangreiche Ausbreitung mit allen Kräften verfolgen. In einem Brief an einen Nationalen Rat, in dem dieser ermutigt wird, die Gelegenheit „einer wichtigen Öffnung bei einer ethnischen Minderheit“ zu nutzen, erklärte das Haus der Gerechtigkeit den Unterschied im Tempo des Lehrens folgendermaßen: „Wir werden solche Gelegenheiten nur dann nutzen können, wenn wir unsere Einstellung neu ausrichten, weg von der bisherigen Vorgehensweise der kleinen Schritte, die auf die Bedürfnisse der Regionalbereiche in früheren Entwicklungsstadien zugeschnitten ist.“
Die intensiven Wachstumsprogramme, die nun in mehr als 50 Regionalbereichen laufen, sind das Ergebnis des Lernprozesses in diesem Plan, der es den Gläubigen und Institutionen ermöglicht hat, „einen stetigen Strom neuer Gläubiger“ zu lehren und zu festigen. Durch die Anwendung dieser Wachstumsprogramme machen die Freunde das altbekannte Prinzip deutlich, dass „Ausbreitung und Festigung Zwillingsprozesse sind, die Hand in Hand gehen müssen“, und dass sie von einem ebenso intensiven Prozess der Entwicklung menschlicher Ressourcen begleitet werden müssen.
Jüngste Erfahrungen zeigen, dass ein intensives Wachstumsprogramm aus einer Reihe von Zyklen besteht, von denen jeder drei bis sechs Monate dauern kann. Jeder Zyklus kann wiederum unterteilt werden in Phasen wie Planung, Lehren, Festigungsaktivitäten und die Entwicklung menschlicher Ressourcen. Es ist lehrreich genauer zu betrachten, wie sich die bestehenden intensiven Wachstumsprogramme entwickelt haben.
* Die erste Phase in der Vorbereitung für ein intensives Wachstumsprogramm ist die Beratung, die zwischen den drei Institutionen, die innerhalb des Regionalbereichs dienen, stattfindet: das Hilfsamtsmitglied, das Regionalbereichs-Team und die Instituts-Koordinatoren. Eine wichtige Fähigkeit der Institutionen, um die beiden wesentlichen Bewegungen voranzutreiben, ist die Fähigkeit, die „Pyramide“ der menschlichen Ressourcen zu interpretieren, d.h. die Entwicklung der menschlichen Ressourcen und den entsprechenden Pegel der Aktivitäten im Regionalbereich zu betrachten, und zu entscheiden, was als nächstes getan werden muss.
Die Institutionen im Regionalbereich schätzen ab, wie vielen Personen die im Regionalbereich vorhandenen menschlichen Ressourcen effektiv dienen können. Wie viele Sucher und Gläubige können in vorhandenen Studienkreisen, Kinderklassen und Andachtsversammlungen untergebracht werden? Wie viele weitere Kernaktivitäten können begonnen werden? Wie viele Lehrteams können gebildet werden? Wie viele neue Gläubige und Sucher können bei sich zu Hause für weiteres Lehren und Vertiefen besucht werden? Auf Grund solcher Betrachtungen kann ein Aktionsplan für die Dauer einiger Monate vorbereitet werden.
* Dieser Plan wird den Gläubigen bei einem Reflexionstreffen vorgestellt. An diesem Punkt der Entwicklung, obgleich immer noch Raum für individuelle Verpflichtungen bleibt, stellen die Institutionen einen wohldurchdachten Plan für ein Lehrprojekt vor, in dem alle Gläubigen ihren Teil beitragen können. Im Allgemeinen wird sich das Projekt empfänglichen Bevölkerungsgruppen zuwenden, die schon im Vorfeld ausgesucht werden können oder auf die man sich in der Beratung beim Reflexionstreffen einigt.
* Nach Beratung und Planung konzentriert sich die nächste Phase, die etwa zwei bis vier Wochen dauern kann, auf die Verbreitung durch energisches persönliches Lehren und ein gemeinsames Lehrprojekt. In manchen Regionalbereichen werden diese Lehrmaßnahmen zu einer großen Anzahl von Erklärungen führen, in anderen wird die Anzahl der potentiellen Sucher wesentlich zunehmen.
* Auf die Phase intensiven Lehrens folgt systematische Festigung, indem man einen gewissen Prozentsatz der neuen Gläubigen und ihrer Familien in die Kernaktivitäten einbezieht. Für diejenigen, die sich nicht gleich in den Institutsprozess integrieren, können Besuche zu Hause organisiert werden. Diese Phase wird dem Glauben wiederum neue Anhänger zuführen.
* In der Zwischenzeit geht die Ausbildung menschlicher Ressourcen ständig weiter, so dass neue Gläubige durch die Kursfolge gehen, um als neu hinzugewonnene menschliche Ressourcen für den nächsten Zyklus des intensiven Wachstumsprogramms zur Verfügung zu stehen, und so ist „das System als Ganzes in stetem Wachstum begriffen“. Wenn auch intensives Lehren, Festigung und Ausbildung in einem Wachstumsprogramm hintereinander eingeführt werden, so gibt es doch Momente, wo sie gleichzeitig stattfinden.
* Ein Zyklus endet mit der gemeinsamen Beratung aller Institutionen in einem Regionalbereich, um die Ergebnisse zu evaluieren. Auf der Grundlage dessen, was in dem vorangegangenen Zyklus gelernt wurde, können die Elemente des neuen Programms entsprechend revidiert werden, und unmittelbar anschließend wird bei einem Reflexionstreffen des gesamten Regionalbereichs der Startschuss für den nächsten Zyklus von Aktivitäten gegeben.
Manche Aspekte eines intensiven Wachstumsprogramms mögen unterschiedlich sein, je nach den Bedingungen in den einzelnen Regionalbereichen. Zudem mag der zweite Zyklus nicht genau der Vorgehensweise des ersten Zyklus folgen, aber bis jetzt hat die Erfahrung unter ganz unterschiedlichen Bedingungen das allgemeine Muster wie oben beschrieben gezeigt.
Ein Beispiel eines intensiven Wachstumsprogramms ist der ländliche Regionalbereich Murun in der Mongolei. Gegen Ende des dritten Jahres dieses Planes hatten 46 Personen in diesem Regionalbereich die gesamte Kursfolge durchlaufen. Stetige Lehraktivitäten hatten zu 228 Erklärungen in diesem Jahr geführt, sodass die Bahá’í-Bevölkerung auf 500 angestiegen war. Ein intensives Wachstumsprogramm, mit dem Ziel, eine merkliche Zunahme der Erklärungen zu bewirken, war im Juni 2004 in Angriff genommen worden. Man hatte das erste Jahr des Programms versuchsweise in vier Zyklen zu je 3 Monaten eingeteilt. Eine Bestandsaufnahme der menschlichen Ressourcen ergab, dass man voraussichtlich mehr Tutoren brauchte, und so begann der erste Zyklus mit einem intensiven zweiwöchigen Kurs der Ruhi Bücher 6 und 7, wodurch die Anzahl der Gläubigen, welche die Kursfolge beendet hatten, auf 71 stieg. Auf diese vorbereitende Phase folgte ein zweiwöchiges Lehrprojekt. Neunzehn Lehrteams mit je drei bis fünf Teilnehmer wurden aufgestellt, die Kontakt mit 780 Menschen aufnahmen, was zu 200 Erklärungen führte, unter ihnen 60 Junioren. Unmittelbar darauf folgte eine zweimonatige Phase der Festigung, in der die neuen Gläubigen und empfängliche Personen durch Besuche zu Hause und Kernaktivitäten erreicht wurden. Innerhalb weniger Wochen hatten rund 30 dieser Personen die ersten drei Bücher der Kursfolge beendet, und 137 Kinder nahmen an Kinderklassen teil. Anfang November, da schon der größte Teil der neuen Bahá’í am Institutsprozess und den Kernaktivitäten teilnahmen, fühlten die Freunde im Regionalbereich Murun, dass sie bereit waren, mit dem zweiten Zyklus des Wachstumsprozesses zu beginnen. Innerhalb einer Woche hatte das intensive Lehrprojekt zur Erklärung von 73 neuen Gläubigen geführt, sowie zu weiteren 10 regelmäßigen Andachtsversammlungen, 32 Vertiefungsbesuchen, 13 Studienkreisen und einer Juniorengruppe.
Den Umständen entsprechend kann das Ziel eines intensiven Wachstumsprozesses auch eine bedeutende Erweiterung der Interessiertengemeinde sein, aus deren Mitte sich im Laufe der nachfolgenden Monate neue Gläubige erheben. Dies war das Ziel des ersten Zyklus des intensiven Wachstumsprogramms, das im August 2004 in Karachi, Pakistan, gestartet wurde, einem städtischen Regionalbereich mit einem einzigen örtlichen Geistigen Rat. Die Institutionen des Regionalbereichs machten eine Bestandsaufnahme der menschlichen Ressourcen und der Kernaktivitäten als Vorbereitung für die Planung eines Lehrprojektes und der darauf folgenden Aktivitäten. Daraufhin bildeten die Gläubigen beim Reflexionstreffen 12 Lehrteams, an denen sich 56 Gläubige beteiligten, die eine Liste von 400 Freunden, Verwandten, Nachbarn und Arbeitskollegen aufstellten, mit denen sie Kontakt aufnehmen wollten. Unmittelbar vor Beginn des zweiwöchigen Lehrprojekts wurde noch ein Auffrischungskurs für Buch 6 abgehalten. Der Glaube wurde 154 Personen vorgestellt, von denen 53 bereit waren, an Studienkreisen teilzunehmen, neun wollten ihre Kinder zu Kinderklassen schicken, acht andere baten, an Andachtsversammlungen teilnehmen zu dürfen, und 71 Junioren begannen mit den Juniorenbüchern. Nachfolgeaktivitäten sind im Gange.
Ein Neuer Aufschwung im Lehren – „Machen wir es zur beherrschende Leidenschaft unseres Lebens!“
Untrennbar verbunden mit der Strategie der systematischen Entwicklung menschlicher Ressourcen, die wir seit 1996 verfolgt haben, ist die Ausbildung der Gläubigen für die Aufgaben der Verbreitung und Festigung. Das Haus der Gerechtigkeit wies besonders darauf hin, dass das Erreichen des Zieles, den Prozess des Beitritts in Scharen voranzutreiben, „von der raschen Zunahme der Anzahl der Lehrer des Glaubens abhängen wird“. Berichte von unterschiedlichen Gemeinden aus verschiedenen Weltteilen haben bezeugt, wie stark der Institutsprozess darauf wirkt, den Geist der Lehren unter den Gläubigen zu entzünden und ihnen Fertigkeiten an die Hand zu geben, die wirkungsvollere Lehrer aus ihnen machen. In einigen Gegenden jedoch heißt es, dass die Gläubigen auf gewisse Bedingungen „warten“, bevor sie anfangen zu lehren – bis ihr Regionalbereich das „B“- Niveau erreicht habe, bis 50 Freunde im Regionalbereich die Kursfolge abgeschlossen hätten, bis sie ein Wachstumsprogramm in Gang gesetzt hätten und so weiter. Jedoch, wie wir wissen, ist unsere Verpflichtung, die Sache zu lehren, nicht abhängig davon, in welchem Regionalbereich wir wohnen oder wie viele Kurse wir studiert haben. „Gott hat einem jeden zur Pflicht gemacht“, schrieb Bahá’u’lláh, „Seine Sache zu lehren“.
Wir haben in unterschiedlichen Regionalbereichen, in verschiedenen Stadien der Entwicklung, beobachtet, dass Gläubige nach ihrer Ausbildung oft nicht zum Handeln angeregt werden. Lange bevor ein Regionalbereich das Stadium erreicht hat, in dem seine Entwicklung und das gemeinsame Bewusstsein es ihm erlauben, ein intensives Wachstumsprogramm zu beginnen und aufrecht zu erhalten, sollte man den Gläubigen, die in den Institutsprozess eingebunden sind, helfen, in die Arena des Handelns zu treten. Zum Beispiel brauchen Freunde, die das Tutorentraining abgeschlossen haben, vielleicht Hilfe, um eine Gruppe von Teilnehmern für einen Studienkreis zu finden. Gläubige, die den zweiten Kurs abgeschlossen haben, sollten unmittelbar danach für Besuche zu Hause eingesetzt werden, und diejenigen, die das Buch über wirksames Lehren studiert haben, brauchen nicht zu warten, bis ihr Regionalbereich ein „A“-Bereich ist, um ein Lehrteam zu bilden. Was manche Freunde oftmals brauchen, besonders in städtischen Gebieten, ist Zugang zu einer empfänglichen Bevölkerung, aus der sich Kontakte für die Kernaktivitäten ergeben können, und außerdem das Zutrauen, Nicht-Bahá’í anzusprechen. Die Methode, Listen zu machen und Freunde, Familie, Nachbarn und Arbeitskollegen einzuladen, hat sich als erfolgreich erwiesen, aber für viele Bahá’í sind diese Listen bald erschöpft, und es wird notwendig, über ihren begrenzten Kreis hinauszuschauen. Es gibt manchmal Gläubige, die besonders geeignet sind, empfängliche Bevölkerungsgruppen anzusprechen, und sie können Einzelne zu den Kernaktivitäten einladen, die von ihren Mit-Bahá’í durchgeführt werden.
Die Gelegenheiten und Herausforderungen, den Glauben zu lehren, mögen in verschiedenen Arten von Regionalbereichen variieren, aber unabhängig von den jeweiligen Gegebenheiten bleibt die Vorrangstellung unserer eigenen Verantwortung bestehen: die Menschheit, die sich nach „der erlösenden Kraft des Glaubens Bahá’u’lláhs“ sehnt, an Gottes Botschaft für diesen Tag teilhaben zu lassen. In solchen Teilen der Welt, wo „es traditionell keine besonders schwierige Aufgabe gewesen ist, die Reihen der Anhänger Bahá’u’lláhs in großer Zahl zu erweitern“, war die sorgfältige Arbeit der vergangenen sieben Jahre nötig, „um ein Gemeindeleben zu schaffen, das den Bedürfnissen der neuen Mitglieder gerecht wurde und sich aus eigener Kraft weiter entwickeln konnte“. Eine Anzahl fortgeschrittener Regionalbereiche in Afrika und Asien hat jetzt dieses nachhaltige Modell erreicht. In anderen Teilen der Welt haben die Gläubigen rasch die Kursfolge durchlaufen und Kernaktivitäten begonnen, aber der Lernprozess, um Seelen zu erreichen und die Zahl der Erklärungen zu steigern, wird mehr Zeit und Anstrengung erfordern. Es ist wichtig, dass für diese Freunde der Prozess, menschliche Ressourcen zu entwickeln, nicht zum Selbstzweck wird, der sie dazu verleitet, das Lehren an sich auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
Die Erfahrung der Gemeinden, wo Wachstum in den letzten Jahren stattgefunden hat, hat gezeigt, dass der Erfolg im Lehren von einer Anzahl von Fähigkeiten seitens der Gläubigen abhängt. Eine davon ist zu lernen, unsere Freunde und Nachbarn zu den Kernaktivitäten einzuladen und dies mit Vertrauen und Regelmäßigkeit zu tun. Man kann beobachten, dass manche Menschen sich durch ihre Teilnahme an Bahá’í-Aktivitäten, besonders an den Studienkreisen, spontan mit dem Glauben identifizieren. In diesen Fällen besteht die Aufgabe dann darin zu erkennen, dass sie Bahá’u’lláh in ihrem Herzen anerkannt haben und es ihnen zu ermöglichen, sich der Gemeinde nahtlos anzuschließen. Andere benötigen mehr Führung entlang dem Pfad des Suchens, wie der Báb bestätigt, dass „die meisten Menschen hilflos sind, und könntest du ihnen das Herz öffnen und ihre Zweifel zerstreuen, würden sie zum Glauben Gottes Zutritt finden“. In allen Fällen ist es erforderlich, dass wir uns von ganzem Herzen dafür einsetzen zu lernen, wie wir wirkungsvollere Lehrer werden können und vorbereitet sind, die folgende Aufforderung des Hauses der Gerechtigkeit zu erfüllen:
„Wir rufen unsere Mit-Bahá’í überall in besonderer Weise auf, eine noch gewaltigere Anstrengung als je zuvor zu unternehmen, die Botschaft Bahá’u’lláhs einer wachsenden Anzahl ihrer Mitbürger anzubieten und sie einzuladen, Seine Sache zu untersuchen und anzunehmen.“
Manche Bahá’í sind geborene leidenschaftliche Lehrer, deren Talente innerhalb des Rahmens dieses Planes genutzt werden müssen. In allen Gebieten können sie unendlich viel dazu beitragen, Sucher zu den Kernaktivitäten zu bringen. Darüber hinaus können – in Regionalbereichen, wo die Institutionen bereits intensive Wachstumsprogramme begonnen haben und wo die Projekte direkte Lehrmethoden anwenden – die Lehrteams durch die Anwesenheit einiger solcher enthusiastischer Seelen bereichert werden, die ein Team dazu inspirieren können, „all ihre Ängste und Bedenken und ihr Gefühl der Unzulänglichkeit beiseite zu werfen“, kühn mit interessierten Menschen ins Gespräch zu kommen und sie dazu zu führen, die Sache anzunehmen.
*****In den verbleibenden Monaten des Fünfjahresplanes werden Sie natürlicherweise Ihre Aufmerksamkeit weiterhin auf die beiden Hauptbewegungen richten und den Institutionen und Gläubigen beistehen, ein deutliches Wachstum in möglichst vielen fortgeschrittenen Regionalbereichen zu erreichen. In zahlreichen Gebieten wird das Voranbringen des Institutsprozesses eine hohe Priorität bleiben. Eine andere Priorität ist die Stärkung der ständigen Bemühungen, die Energien und Fähigkeiten der Gläubigen bei den Aufgaben der Verbreitung und Festigung einzusetzen. Das Entfalten menschlicher Ressourcen wird in unterschiedlicher Weise sichtbar: Ein gewisser Prozentsatz der Gläubigen beendet Kurse und betritt die Arena des Handelns auf eigene Faust; manche werden motiviert und durch Reflexionstreffen zum Handeln inspiriert; für wieder andere mag die persönliche Betreuung durch das Hilfsamtsmitglied oder einen Assistenten nötig sein. Die Mitglieder des Hilfsamtes und ihre Assistenten tragen eine besondere Verantwortung dafür, die Freunde auf jeder Stufe des Institutsprozesses zu unterstützen und sie in ihren Bemühungen zu begleiten, das Gelernte in die Tat umzusetzen: ihnen zu helfen, eine Andachtsversammlung abzuhalten, sie bei Besuchen zu Hause zu begleiten oder mit ihnen zusammen einen Studienkreis zu leiten.
Schließlich, so wie Sie und die Mitglieder Ihres Hilfsamts die Vorhut des Institutsprozesses gebildet haben, so ermutigen wir Sie nun, die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten in Bewegung zu setzen, um bei der Durchführung von Lehrprojekten bahnbrechend zu sein, sodass eine stetig wachsende Anzahl von intensiven Wachstumsprogrammen gegen Ende des Planes anlaufen können. Um dieses Ziel zu erreichen ist es nicht genug, den Mechanismus des Prozesses – die Stufen in dem Zyklus der Verbreitung und Festigung – zu begreifen, wie wesentlich dieses Verständnis auch ist. Was zudem benötigt wird, ist ein Wiederaufflammen des Lehrens, das darin besteht, „Menschen jeder Art und jeglicher Begabung zur Festtafel des Herrn der Heerscharen einzuladen“. Mehr und mehr Freunde, die an Institutskursen teilgenommen haben, sind „zu der Erkenntnis gekommen, dass jeder Einzelne von ihnen imstande ist, innerhalb seiner eigenen Möglichkeiten die Botschaft zu verkünden“. Wiederum besteht die Herausforderung letztendlich in der effektiven Entfaltung unserer menschlichen Ressourcen. Wie das Haus der Gerechtigkeit schrieb, als es das Ziel, den Prozess des Beitritts in Scharen zu fördern, vor uns ausbreitete, werden „Tausende und Abertausende von Gläubigen […] Hilfe benötigen, um die Lebenskraft ihres Glaubens durch Beständigkeit im Lehren der Sache zu bekunden“.
Darüber hinaus rufen wir jeden Einzelnen von Ihnen und die Hilfsamtsmitglieder auf, während der kommenden 16 Monate, in Ihrem Austausch mit den Gläubigen, die sich in jedem Land mit ganzem Herzen bemühen, die Prozesse des Plans zu fördern, in deren Herzen die Leidenschaft für das Lehren zu entzünden. Wir bitten Sie dringend, vermittels Ihres Beispiels und Ihrer Ermutigung, bei den Gläubigen die Flamme ihrer Hingabe zu erneuter Leidenschaft für das Lehren derart zu entfachen, dass „sie nie einen Tag vorbeigehen lassen sollten, ohne eine Seele zu lehren“.
Möge der Allmächtige Ihre hochgesinnten Bemühungen führen und stützen.
Mit liebevollen Bahá’í-Grüssen,