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Shoghi Effendi : Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit
Shoghi Effendi
DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT

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Deutsch auf Grund der englischen Ausgabe

THE ADVENT OF DIVINE JUSTICE , Wilmette/Ill. USA 1939 1963

(c) BAHA'i-VERLAG GMBH 1969
INHALT
1. Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit 7
2. Wiederkehrende Krisen 9
3. Die verbliebene Hauptfestung 14
4. Ein Kreuzzug von noch größerer Bedeutung 22
5. Zukunftsmöglichkeiten 26
6. Sein unfehlbares Licht 28
7. Die höchste Aufgabe Seiner Offenbarung 30
8. Welch überwältigende Verantwortung 35
9. Geistige Voraussetzungen 37
10. Das brennendste Problem 56
11. Ihr zweifacher Kreuzzug 67
12. Die Erfordernisse des Lehrens 72
13. Die Erweckung Lateinamerikas 92
14. Die notwendige Grundlage 100
15. Pionieraufruf 104
16. Der überwiegende Anteil 108
17. An die Bahá'í-Jugend 109
18. Die besondere Lage Panamas 110

19. Eine unerforschliche Weisheit, ein alles bezwingender Wille 113

20. Das Kommen des Königreiches 115
21. Das Schicksal Amerikas 135
KGG +1:1 #7

An die Geliebten Gottes und die Dienerinnen des Gnadenvollen

in den Vereinigten Staaten und in Kanada.
KGG +1:2

Innig geliebte Brüder und Schwestern in der Liebe Bahá'u'lláhs:

KGG +1:3

Es wäre wohl schwierig, die Gefühle unbezähmbarer Freude und Begeisterung angemessen auszudrücken, die mein Herz jedesmal durchfluten, wenn ich innehalte, um über die unaufhörlichen Beweise tatkräftiger Energie nachzudenken, die die standhaften Pioniere der Weltordnung Bahá'u'lláhs bei der Durchführung des ihnen anvertrauten Planes beseelt. Die Unterzeichnung des Vertrages durch Ihre gewählten nationalen Vertreter, welche die Eröffnung des letzten Abschnittes des größten Vorhabens zu erkennen gibt, das von den Anhängern des Glaubens Bahá'u'lláhs im Westen je unternommen wurde, und der in den aufeinanderfolgenden Berichten ihres Nationalen Lehrausschusses niedergelegte, außerordentlich ermutigende Fortschritt bezeugen - über den Schatten jedes Zweifels erhaben - die Treue, Tatkraft und Sorgfalt, mit der Sie die mannigfaltigen Unternehmungen durchführen, die zwangsläufig mit dem Fortschreiten des Siebenjahresplanes verbunden sind. Nach seinen beiden Gesichtspunkten und in all seinen Einzelheiten wird er mit beispielhafter Regelmäßigkeit und Genauigkeit, mit unverminderter Wirksamkeit und lobenswerter Eile ausgeführt.

KGG +1:4 #8

Dem Einfallsreichtum, den die nationalen Vertreter der amerikanischen Gläubigen in den letzten Monaten so schlagend bewiesen haben und der durch die von ihnen ergriffenen aufeinanderfolgenden Maßnahmen so deutlich bezeugt wurde, entsprach die treue, bedingungslose und großzügige Unterstützung, die ihnen in jedem kritischen Abschnitt und mit jedem neuen Schritt in der Wahrnehmung ihrer heiligen Pflichten von all denen gewährt wurde, die sie vertreten. Diese enge Wechselwirkung, dieser vollkommene Zusammenhalt, diese beständige Harmonie und Kameradschaft zwischen den verschiedenen Einrichtungen, die zum organischen Leben jeder gut funktionierenden Bahá'í-Gemeinde beitragen und das grundlegende Rahmenwerk dafür bilden, sind eine Erscheinung, die einen deutlichen Gegensatz zu den zersetzenden Neigungen darstellt, welche von den uneinigen Elementen der heutigen Gesellschaft so tragisch an den Tag gelegt werden. Während jede sichtbare Prüfung, die Seiner erwählten Gemeinde aufzuerlegen die unerforschliche Weisheit des Allmächtigen für notwendig erachtet, nur dazu dient, ihr unentbehrliches Zusammengehörigkeitsgefühl von neuem zu veranschaulichen und ihre innere Stärke zu festigen, enthüllt jede neue Krisis im Geschick eines dekadenten Zeitalters immer überzeugender als die vorangegangene die zerstörenden Einflüsse, die die Lebenskraft seiner untergehenden Einrichtungen rasch untergraben und ihre Grundlagen erschüttern.

KGG +1:5

Für diese Beweise des Eingreifens einer immer wachsamen Vorsehung müssen sie, die der Gemeinde des Größten Namens gleichzusetzen sind, immerwährende Dankbarkeit empfinden. Sie können nicht umhin, aus jedem neuen Zeichen Seiner nie versagenden Gnade einerseits und Seiner Heimsuchung andererseits nie endende Hoffnung und frischen Mut zu schöpfen. Wachsam und bereit, jede Gelegenheit zu ergreifen, welche ihnen die Umdrehungen des Schicksalsrades innerhalb ihres Glaubens bieten, und ohne Furcht beim Anblick der krampfartigen Zuckungen, die früher oder später diejenigen befallen werden, die sich geweigert haben, sein Licht anzunehmen, müssen sie und diejenigen, die sich nach ihnen mühen werden, vorwärtsdrängen, bis die Vorgänge, die jetzt in Bewegung gesetzt wurden, ihre Kraft ausgestrahlt und ihren Anteil beigetragen haben zur Geburt einer Ordnung, die sich nun im Schoße eines trächtigen Zeitalters regt.

KGG +2:1 #9
Wiederkehrende Krisen

Diese wiederkehrenden Krisen, die mit unheilverkündender Häufigkeit und unwiderstehlicher Kraft einen ständig wachsenden Teil der Menschheit heimsuchen, müssen, wenn auch vorübergehend, zwangsläufig ihren unheilvollen Einfluß bis zu einem gewissen Grade auch auf eine Weltgemeinde ausüben, die ihre Verzweigungen bis an die äußersten Grenzen der Erde ausgedehnt hat. Wie kann der Beginn eines Weltaufstandes, der Kräfte entbindet, die das soziale, religiöse, politische und das wirtschaftliche Gleichgewicht einer organisierten Gesellschaft so tiefgreifend stören und politische Systeme, Rassenlehren, soziale Ideen, kulturelle Maßstäbe, religiöse Bindungen und Handelsbeziehungen in Chaos und Verwirrung treiben - wie können solche Erschütterungen von so großem Umfang und so ohne jedes Beispiel verfehlen, Auswirkungen auf die Einrichtungen eines noch so jungen Glaubens zu haben, dessen Lehren einen unmittelbaren und lebenswichtigen Einfluß auf jedes dieser Gebiete des menschlichen Lebens und Verhaltens haben?

KGG +2:2 #10

Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn sie, die das Banner eines so durchdringenden Glaubens und einer so herausfordernden Sache hochhalten, sich durch den Angriff dieser welterschütternden Kräfte beeinflußt finden. Man braucht sich auch nicht zu wundern, wenn sie sehen, daß ihre Freiheit inmitten dieses Wirbels widerstreitender Leidenschaften beeinträchtigt wird, ihre Grundsätze verachtet, ihre Einrichtungen geschmäht, ihre Beweggründe herabgesetzt werden, ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt und ihr Anspruch verworfen wird.

KGG +2:3

Im Herzen des europäischen Kontinents wurde eine Gemeinde, die, wie von 'Abdu'l-Bahá vorhergesagt, dazu ausersehen ist, vermöge ihrer geistigen Wirkungskraft und ihrer geographischen Lage den Glanz des Glaubenslichtes auf die umliegenden Länder auszustrahlen, durch die Beschränkungen lahmgelegt, die eine Regierung, die ihren Sinn und Zweck völlig mißverstanden hat, ihr aufzuerlegen für notwendig erachtete. Ihre Stimme ist leider verstummt, ihre Einrichtungen sind aufgelöst, ihre Literatur verboten, ihre Archive beschlagnahmt und ihre Zusammenkünfte untersagt.

KGG +2:4

In Zentralasien, in der Stadt, die sich der einzigartigen Auszeichnung erfreut, von 'Abdu'l-Bahá als Heimstätte des ersten Mashriqu'l-Adhkár der Bahá'í-Welt ausgewählt worden zu sein, und in den Städten und Dörfern der Provinz, zu der sie gehört, findet sich der schwer bedrängte Glaube Bahá'u'lláhs als Ergebnis der außergewöhnlichen und einzigartigen Lebenskraft, die er im Verlaufe mehrerer Jahrzehnte an den Tag gelegt hat, der Gewalt von Mächten preisgegeben, die, durch seine wachsende Kraft beunruhigt, nun darauf aus sind, ihn bis zum völligen Unvermögen zu erniedrigen. Sein Tempel, obwohl er noch für Zwecke der Bahá'í-Andacht benützt wird, wurde enteignet, seine Räte und Ausschüsse aufgelöst, seine Lehrarbeit lahmgelegt, seine Hauptförderer wurden verbannt und nicht wenige seiner begeistertsten Anhänger, Männer und Frauen, gefangengesetzt.

KGG +2:5 #11

In seinem Geburtslande, wo die überwältigende Mehrheit seiner Anhänger lebt - einem Lande, dessen Hauptstadt von Bahá'u'lláh als »Mutter der Welt« und »Tagesanbruch der Freude der Menschheit« gepriesen wurde - betreibt eine Staatsbehörde, die sich bis jetzt noch nicht offiziell von den lähmenden Einflüssen einer veralteten, fanatischen und schändlich korrupten Geistlichkeit gelöst hat, unbarmherzig ihren Feldzug gegen die Anhänger des Glaubens, den zu unterdrücken sie beinahe ein Jahrhundert lang erfolglos bestrebt war. Gleichgültig gegenüber der Wahrheit, daß die Mitglieder dieser unschuldigen und geächteten Gemeinde mit Recht beanspruchen können, zu den uneigennützigsten, fähigsten und glühendsten Verehrern ihres Heimatlandes zu zählen, hochmütig gegenüber ihrer hohen Auffassung der Weltbürgerschaft, die zu verstehen die Verfechter eines übertriebenen und engen Nationalismus niemals hoffen können, verweigert eine solche Behörde einem Glauben, dessen geistiger Rechtsbereich beinahe sechshundert örtliche Gemeinden umfaßt und der zahlenmäßig die Anhänger der christlichen, jüdischen und zoroastrischen Religion in jenem Lande übertrifft, die notwendigen gesetzlichen Rechte, um seine Gesetze zur Geltung zu bringen, seine Angelegenheiten zu verwalten, seine Schulen zu unterhalten, seine Festtage zu feiern, seine Literatur zu verbreiten, Feiern nach seinen Bräuchen zu begehen, seine Gebäude zu errichten und seine Besitztümer zu schützen.

KGG +2:6 #12

Und nun haben im Heiligen Land selbst, dem Herz und Nervenzentrum dieses weltumfassenden Glaubens, die Feuer der Rassenfeindschaft, des brudermörderischen Streites und der schamlosen Gewaltherrschaft einen Brand entzündet, der einerseits den Zustrom der Pilger, der das Lebensblut dieses Zentrums bildet, ernstlich stört, und andererseits die verschiedenen Vorhaben behindert, die zur Erhaltung und Ausdehnung der die heiligen Stätten umgebenden Grundstücke eingeleitet wurden. Die Sicherheit der kleinen Gemeinde ansässiger Gläubiger, die sich einer steigenden Flut der Gesetzlosigkeit gegenübersah, wurde gefährdet, ihre Stellung als neutrale und klar bestimmte Gemeinde indirekt bestritten und ihre Freiheit, gewisse Glaubensbräuche zu befolgen, beschnitten. Eine Reihe mörderischer Angriffe wechselte ab mit Ausbrüchen bitteren rassischen und religiösen Fanatismus, in die nicht nur die leitenden Persönlichkeiten, sondern auch die Anhänger der drei führenden Religionsgemeinschaften in diesem unruhigen Land verwickelt waren, und sie drohten zeitweilig, alle normalen Verbindungswege innerhalb seiner Grenzen und mit der Außenwelt abzuschneiden. So gefährlich die Situation auch war, so wurde doch den Heiligen Stätten der Bahá'í, dem Gegenstand der Verehrung dieses weltumspannenden Glaubens, ungeachtet ihrer Zahl und ihrer gefährdeten Lage, und obgleich sie nach außen hin jeden Schutzes beraubt schienen, eine Bewahrung zuteil, die fast an Wunder grenzt.

KGG +2:7 #13

Zerrissen von widerstreitenden Leidenschaften und sich von innen her gefährlich zersetzend, befindet sich die Welt in einer so entscheidenden Epoche ihrer Geschichte dem aufsteigenden Geschick eines jungen Glaubens gegenübergestellt, eines Glaubens, der manchmal in ihre Gegensätze hineingezogen, in ihre Streitigkeiten verwickelt, durch ihre wachsenden Schatten verdunkelt und von der steigenden Flut ihrer Leidenschaften unterdrückt zu werden scheint. Mitten in seinem Herzen, in seiner Wiege, am Sitz seines ersten und ehrwürdigen Tempels, in einem seiner bislang blühenden und in seinen Möglichkeiten machtvollen Zentren scheint in der Tat der bislang noch unfreie Glaube Bahá'u'lláhs vor den anstürmenden Kräften der Gewalt und des Aufruhrs, denen die Menschheit ständig zum Opfer fällt, zurückgewichen zu sein. Die Stützpunkte dieses Glaubens machen nach außen hin den Eindruck, als ob sie einer nach dem andern und Tag für Tag erst isoliert, dann angegriffen und erobert würden. Während die Lichter der Freiheit flackern und erlöschen, während das Geschrei der Uneinigkeit täglich lauter wird, während das Feuer des Fanatismus mit wachsender Heftigkeit in der Brust der Menschen brennt, während die Kälteschauer des Unglaubens unbarmherzig über die Menschenseelen kriechen, scheinen die Glieder und Organe, die den Körper des Glaubens von Bahá'u'lláh bilden, in verschieden starkem Grade von den lähmenden Einflüssen, die nun die Gesamtheit der zivilisierten Welt in ihrem Griff halten, befallen zu werden.

KGG +2:8

Wie klar und eindringlich werden die Worte 'Abdu'l-Bahás in dieser Stunde bewiesen: »Die Dunkelheit des Irrtums, der Ost und West umfangen hält, kämpft in diesem größten Zyklus mit dem Lichte göttlicher Führung. Seine Schwerter und seine Speere sind sehr scharf und spitz; seine Armeen von wildem Blutdurst.« »An diesem Tag«, schrieb Er an anderer Stelle, »sind die Kräfte aller Religionsführer auf die Zersplitterung der Gemeinde des Allbarmherzigen und die Zerstörung des göttlichen Gebäudes gerichtet. Die Heerscharen der Welt, sei es der materiellen, kulturellen oder politischen, treiben ihre Angriffe von allen Seiten vor, denn unsere Sache ist groß, sehr groß. Ihre Größe ist an diesem Tag für das Auge der Menschen klar und offenbar.«

KGG +3:1 #14
Die verbliebene Hauptfestung

Die eine verbleibende Hauptfestung, der mächtige Arm, der noch die Standarte dieses unbesiegbaren Glaubens hochhält, ist keine andere als die gesegnete Gemeinde des Größten Namens auf dem nordamerikanischen Kontinent. Durch ihr Handeln und durch den nie versagenden Schutz, der ihr von einer allmächtigen Vorsehung gewährt wird, berechtigt dieses hervorragende Mitglied der Körperschaft der in ständiger Wechselwirkung stehenden Bahá'í-Gemeinden in Ost und West zu der Hoffnung, auf der ganzen Welt als Wiege und auch als Bollwerk angesehen zu werden für die künftige Neue Weltordnung, die sowohl Verheißung als auch Ruhm der mit dem Namen Bahá'u'lláhs verbundenen Offenbarung ist.

KGG +3:2 #15

Wer geneigt ist, die dieser Gemeinde eingeräumte, einzigartige Stellung zu verkleinern oder die Rolle, die zu spielen sie später aufgerufen sein wird, anzuzweifeln, den laßt die Folgerungen dieser inhaltsreichen und höchst erleuchtenden Worte erwägen, die von 'Abdu'l-Bahá geäußert wurden, zu einem Zeitpunkt, als das Wohl der Welt unter der Last eines verheerenden Krieges ächzend auf den erbärmlichsten Tiefstand geraten war. »Der amerikanische Kontinent«, so schrieb Er bedeutungsvoll, »ist in den Augen des einen wahren Gottes das Land, in dem der Glanz Seines Lichtes geoffenbart werden wird, wo die Geheimnisse Seines Glaubens enthüllt, die Gerechten verweilen und die Freien sich versammeln werden.«

KGG +3:3

Die Gemeinde der Gläubigen auf dem nordamerikanischen Kontinent - sowohl Hauptantriebskraft als auch Muster der zukünftigen Gemeinden, die der Glaube Bahá'u'lláhs in der gesamten westlichen Hemisphäre zu errichten bestimmt ist - hat trotz der vorherrschenden Düsternis bereits ihre Fähigkeit gezeigt, als Fackelträger jenes Lichtes, als Verwahrungsort jener Geheimnisse, als Vertreter jener Gerechtigkeit und Schutzort jener Freiheit anerkannt zu werden. Auf welches andere Licht könnten diese oben angeführten Worte denn anspielen, wenn nicht auf das Licht der Herrlichkeit des Goldenen Zeitalters durch den Glauben Bahá'u'lláhs? Welche anderen Geheimnisse könnte 'Abdu'l-Bahá im Sinn gehabt haben als die Geheimnisse jener embryonischen Weltordnung, die nun in der Gießform Seiner Administration entsteht? Welche andere Gerechtigkeit als die Gerechtigkeit, deren Herrschaft nur jenes Zeitalter und jene Ordnung errichten kann? Welche andere Freiheit als die Freiheit, die die Verkündigung Seiner Oberhoheit am Ende der Zeit verleiht?

KGG +3:4 #16

Die Gemeinde der vereinigten Förderer des Glaubens Bahá'u'lláhs auf dem amerikanischen Kontinent - die geistigen Nachkommen der Vorläufer eines heroischen Zeitalters, die durch ihren Tod die Geburt jenes Glaubens verkündeten - muß nun nicht durch ihren Tod, sondern durch ihr lebendiges Opfer die verheißene Weltordnung einführen, die als Muschel die unschätzbare Perle - die Weltzivilisation - zu umfassen bestimmt ist, deren einziger Urheber der Glauben selbst ist. Während sich ihre Schwestergemeinden unter den ungestümen Winden beugen, die sie von allen Seiten anfallen, ist diese Gemeinde, bewahrt durch die unwandelbaren Ratschlüsse des allmächtigen Verordners und ständigen Beistand aus dem Auftrag erhaltend, mit dem die Tablets vom Göttlichen Plan sie bekleidet haben, nun emsig damit beschäftigt, die Grundlagen zu schaffen und das Wachstum jener Einrichtungen zu pflegen, die das Kommen des Zeitalters ankündigen, das dazu bestimmt ist, Zeuge der Geburt und Errichtung der Weltordnung Bahá'u'lláhs zu sein.

KGG +3:5 #17

Eine Gemeinde, verhältnismäßig unbedeutend in ihrer zahlenmäßigen Stärke; durch große Entfernungen vom Brennpunkt ihres Glaubens und von dem Lande getrennt, in dem die überwiegende Mehrzahl ihrer Mitgläubigen wohnt; im wesentlichen materieller Hilfsquellen beraubt und der Erfahrung und besonderer Auszeichnungen ermangelnd; in Unkenntnis der Glaubenslehren, Weltanschauung und Gebräuche jener Völker und Rassen, aus denen ihre geistigen Begründer hervorgegangen sind; nicht vertraut mit den Sprachen, in denen ihre Heiligen Bücher ursprünglich geoffenbart wurden; gezwungen, ihre ganze Zuversicht auf der unzulänglichen Wiedergabe eines nur bruchstückhaften Teiles der Literatur aufzubauen, die ihre Gesetze, Lehrsätze und ihre Geschichte enthält; von ihren ersten Tagen an Prüfungen von äußerster Strenge unterworfen, die manchmal den Abfall einiger ihrer hervorragendsten Mitglieder bewirkten; seit ihrem Bestehen der Forderung ausgesetzt, sich in ständig wachsendem Maße mit den Kräften der Korruption, der moralischen Lauheit und der eingefleischten Vorurteile auseinanderzusetzen - solch eine Gemeinde hat in weniger als einem halben Jahrhundert und ohne Hilfe von einer ihrer Schwestergemeinden des Ostens oder des Westens vermöge der himmlischen Macht, mit der sie der alliebende Meister reichlich ausgestattet hat, dem Vormarsch der Sache, für die sie eintritt, einen Antrieb verliehen, dem gleichzukommen es den vereinten Leistungen ihrer Glaubensgenossen im Westen nicht gelungen ist.

KGG +3:6 #18

Welche andere Gemeinde, so kann man getrost fragen, war behilflich, das Muster festzulegen und jenen administrativen Einrichtungen, die die Vorhut der Weltordnung Bahá'u'lláhs bilden, den ersten Anstoß zu geben?

Welche andere Gemeinde war fähig, mit solcher Folgerichtigkeit den Einfallsreichtum, die Disziplin und die eiserne Entschlossenheit, den Eifer und die Ausdauer, die Hingabe und Treue aufzubringen, die unerläßlich sind für die Errichtung und ständige Ausdehnung des Rahmens, in dem allein jene entstehenden Einrichtungen sich vermehren und reifen können?

Welche andere Gemeinde hat sich von so erhabener Vision beseelt erwiesen, oder so willig, sich zu solchen Höhen der Selbstaufopferung zu erheben, oder bereit, einen solchen Grad des Zusammengehörigkeitsgefühls zu erreichen, wie es unerläßlich ist, um in so kurzer Zeit und in so entscheidenden Jahren ein Gebäude errichten zu können, das wohl verdient, als der größte Beitrag betrachtet zu werden, der je vom Westen für die Sache Bahá'u'lláhs gemacht wurde?

Welche andere Gemeinde kann gerechterweise den Anspruch erheben, daß es durch die ganz auf sich selbst gestellten Bemühungen eines ihrer bescheidenen Mitglieder gelungen ist, die spontane Zustimmung einer Königin für ihre Sache zu erzielen und solch wundervolle schriftliche Zeugnisse für ihre Wahrheit zu gewinnen?

Welche andere Gemeinde hat die Voraussicht, das Organisationstalent und die begeisterte Einsatzbereitschaft gezeigt, denen in ihrem ganzen Gebiet die Errichtung und Vermehrung jener ersten Schulen zu verdanken ist, die sich im Verlauf der Zeiten einerseits zu kraftvollen Mittelpunkten der Bahá'í-Gelehrsamkeit entwickeln und andererseits einen fruchtbaren Nährboden für die Bereicherung und Festigung ihrer Lehrkräfte zur Verfügung stellen werden?

Welche andere Gemeinde hat Pioniere hervorgebracht, die in einem solchen Maße die wesentlichen Eigenschaften der Kühnheit, Selbstaufgabe, Zähigkeit, Selbstüberwindung und grenzenloser Hingabe in sich verbinden und dadurch veranlaßt wurden, ihr Heim zu verlassen, alles aufzugeben und sich über den ganzen Erdball zu verteilen, um in dessen äußersten Winkeln das siegreiche Banner Bahá'u'lláhs aufzupflanzen?

KGG #19

Wer anders, als die Mitglieder dieser Gemeinde haben die ewige Auszeichnung errungen, die ersten zu sein, die den Ruf »Yá Bahá'u'l-Abhá« in solch höchst wichtigen und weit zerstreuten Zentren und Gebieten erschallen ließen, wie im Herzen des britischen und französischen Weltreiches, in Deutschland, dem Fernen Osten, den Balkanstaaten, skandinavischen Ländern, in Lateinamerika, auf den Inseln des Pazifik, in Südafrika, Australien und Neuseeland sowie jetzt kürzlich in den baltischen Staaten?

Wer anders, als eben diese Pioniere haben sich bereit erklärt, die Mühe auf sich zu nehmen, die Geduld aufzubringen und die notwendigen Mittel zu beschaffen, die für die Übersetzung und Veröffentlichung ihrer heiligen Literatur in nicht weniger als vierzig Sprachen benötigt wurden und deren Verbreitung eine wesentliche Voraussetzung für jeden wirksam aufgebauten Lehrfeldzug darstellt?

Welche andere Gemeinde kann behaupten, einen entscheidenden Anteil an den weltweiten Bemühungen gehabt zu haben, die sowohl für die Sicherstellung und Ausdehnung der unmittelbaren Umgebung ihrer heiligen Schreine als auch für den vorbereitenden Erwerb des zukünftigen Sitzes der internationalen Einrichtungen an ihrem Weltzentrum unternommen wurden?

Welche andere Gemeinde kann es als ihren unvergänglichen Verdienst beanspruchen, die erste gewesen zu sein, die ihre nationale und ihre örtlichen Satzungen erstellt hat, wodurch die grundsätzlichen Richtlinien der Zwillingscharta niedergelegt wurden, die dazu bestimmt ist, die Tätigkeit ihrer Einrichtungen zu ordnen, ihr Aufgabengebiet zu umreißen und ihre Rechte zu verankern?

KGG #20

Welche andere Gemeinde kann sich rühmen, die Grundlage für ihre nationalen Stiftungen erworben und gleichzeitig rechtlich gesichert und somit den Weg für ähnliche Vorhaben von seiten ihrer örtlichen Gemeinden geebnet zu haben?

Welche andere Gemeinde hat die hervorragende Auszeichnung erworben, lange bevor irgendeine ihrer Schwestergemeinden eine solche Möglichkeit ins Auge faßte, die notwendigen Dokumente erlangt zu haben, die die Anerkennung ihrer Geistigen Räte und ihrer nationalen Stiftungen sowohl durch die Bundes- wie durch die Staatsbehörden sicherstellen?

Und schließlich, welche andere Gemeinde hatte den Vorzug und konnte die Mittel bereitstellen, um die Bedürftigen zu unterstützen, die Sache der Unterdrückten zu ihrer eigenen zu machen und so energisch für den Schutz der Bahá'í-Gebäude und Einrichtungen einzutreten in Ländern wie Persien, Ägypten, Irak, Rußland und Deutschland, wo ihre Mitgläubigen verschiedentlich den Fieberschauern religiöser und rassischer Verfolgung ausgesetzt waren?

KGG +3:7 #21

Eine so beispiellose und glänzende Aufzählung von Diensten, die sich über beinahe zwanzig Jahre erstrecken und mit den Interessen und dem Geschick eines so großen Teiles der weltweiten Bahá'í-Gemeinde so eng verflochten sind, verdient es, als denkwürdiges Kapitel in die Geschichte des Gestaltenden Zeitalters des Glaubens Bahá'u'lláhs einzugehen. Bekräftigt und bereichert durch die Erinnerung an die frühen Taten der amerikanischen Gläubigen, bezeugt diese Aufzählung selbst schlagend ihre Befähigung, die Verantwortung geziemend auf sich zu nehmen, die jedwede Aufgabe in der Zukunft ihnen auferlegen mag. Es ist unmöglich, die Bedeutung dieser vielfältigen Dienste überzubewerten. Ihren Wert richtig einzuschätzen und sich über ihre Verdienste und unmittelbaren Folgen auszulassen, ist eine Aufgabe, der nur ein späterer Bahá'í-Geschichtsschreiber gebührend gerecht werden kann. Für die Gegenwart kann ich nur meine reife Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß eine Gemeinde, die solche Taten aufzuweisen, solch einen Geist auszustrahlen und sich auf solche Höhen zu erheben vermag, bereits von solchen Wirkkräften erfaßt sein muß, die sie befähigen werden, in der Fülle der Zeit das Recht zu beanspruchen, als Hauptschöpfer und Vorkämpfer der Weltordnung Bahá'u'lláhs anerkannt zu werden.

KGG +3:8

So überragend diese Aufzählung auch ist, und so sehr sie in einigen Punkten an die Großtaten erinnert, mit denen die Vorläufer eines heroischen Zeitalters die Geburt des Glaubens selbst verkündet haben, so steht doch die Aufgabe, die mit dem Namen dieser bevorzugten Gemeinde verknüpft ist, erst am Beginn ihrer Entfaltung und ist noch weit davon entfernt, sich ihrem Höhepunkt zu nähern. Was die amerikanischen Gläubigen im Zeitraum von annähernd fünfzig Jahren geleistet haben, ist unendlich klein verglichen mit der Größe der Aufgabe, die vor ihnen liegt.

KGG +3:9

Das Grollen jenes erschütternden Umsturzes, das sowohl die Todesqual der alten Ordnung als auch die Geburtswehen der neuen ankündigt, zeigt zugleich das stetige Näherkommen und den ehrfurchtgebietenden Charakter dieser Aufgaben an.

KGG +4:1 #22
Ein Kreuzzug von noch größerer Bedeutung

Die eigentliche Errichtung der Administrativen Ordnung ihres Glaubens, die Erstellung ihres Rahmenwerkes, die Gestaltung ihres Rüstzeuges und die Festigung ihrer Hilfseinrichtungen war die erste Aufgabe, die ihrer Obhut als organisierter Gemeinde anvertraut war, einer Gemeinde, welche durch den Willen und unter der Anleitung 'Abdu'l-Bahás ins Leben gerufen worden war. Sie haben sich dieser ersten Aufgabe mit bewundernswerter Pünktlichkeit, Pflichttreue und Tatkraft entledigt. Kaum hatten sie die verschiedenen notwendigen Tätigkeiten für die wirksame Durchführung ihres Vorhabens, das immer sie hernach in Angriff zu nehmen wünschten, begonnen und aufeinander abgestimmt, als sie sich mit gleicher Zielstrebigkeit und Hingabe der nächsten, schwierigeren Aufgabe zuwandten, den Oberbau eines Gebäudes zu errichten, dessen Grundstein von 'Abdu'l-Bahá selbst gelegt worden war. Und als dieses Werk vollbracht war, entschied sich diese Gemeinde, aufgeschlossen für den eindringlichen Anruf, die Ermahnungen und Verheißungen, die in den Tablets vom Göttlichen Plan enthalten sind, eine weitere Aufgabe aufzugreifen, die in ihrem Ausmaß und in ihrer geistigen Auswirkung sicherlich jede andere Leistung überstrahlen wird, die sie bereits vollbracht hat. Mit unstillbarer Begeisterung und unerschrockenem Mut begannen sie den Siebenjahresplan, den ersten praktischen Schritt zur Erfüllung des in diesen epochemachenden Tablets niedergelegten Auftrages, und im Geiste erneuter Einsatzbereitschaft weihten sie sich ihrer zweifachen Aufgabe, deren Vollendung, so ist zu hoffen, mit der Feier zum hundertsten Jahrestag der Geburt des Glaubens Bahá'u'lláhs zusammenfallen wird. In vollem Bewußtsein dessen, daß jeder in der äußeren Ausgestaltung ihres majestätischen Gebäudes gemachte Fortschritt sich unmittelbar auf die Weiterentwicklung des Lehrfeldzuges auswirken würde, der auf dem nord- und südamerikanischen Kontinent von ihnen begonnen wurde, und in der Erkenntnis, daß jeder auf dem Lehrgebiet gewonnene Sieg seinerseits die Arbeit erleichtern und die Fertigstellung ihres Tempels beschleunigen wird, drängen sie nun mutig und gläubig voran in ihren Bemühungen, nach beiden Seiten ihre Verpflichtungen unter dem Plan zu erfüllen, dessen Durchführung sie sich geweiht haben.

KGG +4:2 #23

Doch sollten sie nicht glauben, die Durchführung des Siebenjahresplanes, die mit dem Ausklang des ersten Jahrhunderts des Bahá'í-Zeitalters zusammentrifft, bedeute die Beendigung oder auch nur Unterbrechung der Arbeit, die auszuführen die unfehlbare Hand des Allmächtigen sie angewiesen hat. Der Anbruch des zweiten Jahrhunderts des Bahá'í-Zeitalters muß notwendigerweise größere Ausblicke eröffnen, weitere Abschnitte einleiten und Zeuge der Inangriffnahme noch weiterreichender Pläne sein, als sie bis jetzt je vorgestellt werden konnten. Der Plan, auf den sich nun die ganze Aufmerksamkeit, das Streben und die Hilfsquellen der gesamten Gemeinde der amerikanischen Gläubigen konzentrieren, sollte nur als ein Anfang betrachtet werden, als ein Prüfstein der Stärke, als eine Aufstellung zu einem Kreuzzug noch größeren Umfangs, wenn die Pflichten und die Verantwortung, mit denen der Verfasser des Göttlichen Planes sie bekleidet hat, ehrenvoll und vollkommen erfüllt werden sollen.

KGG +4:3 #24

Denn die Erfüllung des jetzigen Planes kann nur zur Bildung von mindestens einem Zentrum in jeder der Republiken der westlichen Hemisphäre führen, während die in jenen Tablets niedergelegten Pflichten eine größere Verbreitung fordern und die Verteilung einer weit größeren und ansehnlicheren Anzahl von Mitgliedern der nordamerikanischen Bahá'í-Gemeinde über das gesamte Gebiet der Neuen Welt verlangen. Es ist daher der unzweifelhafte Auftrag der amerikanischen Gläubigen, die in den Abschlußjahren des ersten Jahrhunderts begonnene glorreiche Arbeit in das zweite weiterzutragen. Erst wenn sie ihren Anteil beigetragen und diese vereinzelten und eben erst flügge gewordenen Zentren zu eigener Tätigkeit angeleitet und ihre Leistungsfähigkeit gemehrt haben, damit diese ihrerseits Einrichtungen örtlicher und nationaler Art nach ihrem Vorbild aufbauen, können sie die Genugtuung haben, ihren unmittelbaren Verpflichtungen unter 'Abdu'l-Bahás göttlich geoffenbartem Plan angemessen entsprochen zu haben.

KGG +4:4

Ebensowenig sollte man auch nur für einen Augenblick annehmen, daß die Erfüllung einer Aufgabe, die auf die Vermehrung der Bahá'í-Zentren und die Bereitstellung der für die Errichtung der Verwaltungsordnung des Bahá'í-Glaubens in den lateinamerikanischen Ländern notwendigen Unterstützung und Führung ausgerichtet ist, den von 'Abdu'l-Bahá für sie vorgesehenen Plan bereits in seiner Gesamtheit verwirklicht. Selbst ein flüchtiges Durchlesen jener Seinen Plan enthaltenden Tablets wird sofort den Wirkungskreis ihres Einsatzes enthüllen, der sich weit über die Grenzen der westlichen Hemisphäre hinaus erstreckt. Nachdem ihre inneramerikanischen Aufgaben und Verpflichtungen so gut wie erfüllt sind, tritt ihr interkontinentaler Auftrag in seinen glorreichsten und entscheidendsten Abschnitt ein.

»In dem Augenblick«, so schrieb 'Abdu'l-Bahá, »da diese Göttliche Botschaft durch die amerikanischen Gläubigen über die Küsten Amerikas hinausgetragen und durch die Kontinente Europas, Asiens, Afrikas und Australasiens bis hin zu den Inseln des Pazifik verbreitet ist, wird sich diese Gemeinde fest gegründet auf dem Thron einer immerwährenden Herrschaft finden.«

KGG +4:5 #25

Und wer kann indessen wissen, daß, wenn diese ungeheure Aufgabe erfüllt ist, nicht ein noch herrlicherer Auftrag, unvergleichlich in seinem Glanze und von Bahá'u'lláh für sie vorherbestimmt, ihnen überantwortet wird. Der Ruhm eines solchen Auftrages ist von so blendendem Glanz, die ihn begleitenden Umstände noch so weit entfernt und die gegenwärtigen Ereignisse, mit deren Höhepunkt er so eng verbunden ist, noch so im Fluß, daß es jetzt noch verfrüht wäre, eine genaue Schilderung seiner Wesenszüge zu versuchen. Es genügt zu sagen, daß aus dem Aufruhr und der Trübsal dieser »letzten Zeit« ungeahnte Möglichkeiten geboren und unvorhersagbare Umstände geschaffen werden, welche die siegreichen Vollzieher des Planes von 'Abdu'l-Bahá befähigen, nein zwingen werden, durch die Rolle, die sie in der Entfaltung der Neuen Weltordnung spielen werden, frische Lorbeeren der Krone ihres Dienstes an der Schwelle Bahá'u'lláhs anzuheften.

KGG +5:1 #26
Zukunftsmöglichkeiten

Keine der vielfältigen Gelegenheiten jedweder Art, welche die Entwicklung des Glaubens hervorbringen muß, darf unbeachtet vorübergehen, sei es in seinem Weltzentrum, sei es auf dem nordamerikanischen Kontinent oder auch selbst in den entlegensten Gebieten der Erde, ohne daß die amerikanischen Gläubigen aufgerufen wären, eine Rolle zu spielen, die nicht weniger hervorragend ist als der Anteil, den sie früher in ihren gemeinsamen Bemühungen für die Verbreitung der Sache Bahá'u'lláhs genommen haben. Ich kann jetzt nur aufs Geratewohl einige bestimmte dieser besonders ins Auge fallenden Gelegenheiten anführen bei dem Versuch, über die Möglichkeiten der Zukunft einen Überblick zu geben: Die Wahl des Internationalen Hauses der Gerechtigkeit und dessen Errichtung im Heiligen Land, dem geistigen und administrativen Mittelpunkt der Bahá'í-Welt, sowie die Bildung seiner Hilfsorgane und untergeordneten Einrichtungen; die stufenweise Errichtung der verschiedenen Nebengebäude des ersten Mashriqu'l-Adhkár des Westens und die schwierigen Probleme, die die Errichtung und der Ausbau der strukturellen Grundlagen des Bahá'í-Gemeindelebens mit sich bringen; die Kodifikation und Bekanntmachung der Verordnungen des Heiligsten Buches, die in gewissen Ländern des Ostens die Bildung ordentlich zusammengesetzter und offiziell anerkannter Bahá'í-Gerichtshöfe bedingen;

KGG #27

der Bau des dritten Mashriqu'l-Adhkár der Bahá'í-Welt am Rande der Stadt Teheran, dem die Errichtung eines ebensolchen Hauses der Andacht im Heiligen Land selbst folgen soll; die Befreiung der Bahá'í-Gemeinden von den Fesseln religiöser Orthodoxie in den islamischen Ländern, wie Persien, Irak und Ägypten, und die anschließende Anerkennung der unabhängigen Stellung und des religiösen Charakters der Nationalen und örtlichen Räte der Bahá'í durch die Staatsbehörden jener Länder; die vorsorglichen Schutzmaßnahmen, die zu ersinnen, abzustimmen und einzusetzen sind, um der vollen Kraft der unausweichlichen Angriffe entgegenzuwirken, welche die organisierten Bemühungen kirchlicher Institutionen verschiedener Glaubensrichtungen mehr und mehr einleiten und unerbittlich durchführen werden; und nicht zuletzt die vielfältigen Probleme, denen wir uns stellen, die Hindernisse, die überwunden und die Verantwortungen, die übernommen werden müssen, um einen hart geprüften Glauben zu befähigen, durch die aufeinanderfolgenden Stadien strengster Verborgenheit, aktiver Unterdrückung und völliger Mündigkeit hindurchzugehen. Dies wird wiederum dazu führen, daß er als unabhängige Religion anerkannt werden und völlige Gleichberechtigung mit seinen Schwesterreligionen genießen wird. Seine Bestätigung und Anerkennung als Staatsreligion muß folgen, welche ihrerseits den Weg frei macht für die Übernahme der mit dem Bahá'í-Staat verbundenen Rechte und Hoheitsrechte, welcher in eigener Machtvollkommenheit handelt, eine Stufe, die zuletzt ihren Höhepunkt in der Entstehung des weltweiten Bahá'í-Commonwealth findet, das völlig beseelt vom Geist und ausschließlich in unmittelbarer Übereinstimmung mit den Gesetzen und Prinzipien Bahá'u'lláhs wirkt.

KGG +5:2

Die durch diese Gelegenheiten gebotene Herausforderung werden die amerikanischen Gläubigen, dessen bin ich sicher, zusätzlich zu ihrer Befolgung des von 'Abdu'l-Bahá in Seinen Tablets ausgedrückten Lehraufrufes, ohne Zögern aufgreifen, und sie werden ihr mit der ihnen eigenen Furchtlosigkeit, Beharrlichkeit und Leistungsfähigkeit so entsprechen, daß sie vor aller Welt ihren Ruf und Rang als Baumeister der mächtigsten Einrichtungen des Glaubens Bahá'u'lláhs bestätigen.

KGG +6:1 #28
Sein unfehlbares Licht

Innig geliebte Freunde! Obwohl die Aufgabe langwierig und schwer ist, so ist doch der Preis, den der allgütige Geber Ihnen zu gewähren gewählt hat, von solcher Kostbarkeit, daß weder Zunge noch Feder ihn angemessen einschätzen können. Wiewohl das Ziel, dem Sie nun so unentwegt zustreben, in weiter Ferne liegt und dem menschlichen Auge noch verhüllt ist, so ruht doch dessen Verheißung in den gebieterischen und unabänderlichen Äußerungen Bahá'u'lláhs fest beschlossen. Obgleich die Bahn, die Er Ihnen vorgezeichnet hat, zeitweilig in den drohenden Schatten, in die eine heimgesuchte Menschheit nun eingehüllt ist, verloren zu sein scheint, so ist doch das unfehlbare Licht, das Er beständig auf Sie scheinen läßt, von solcher Helligkeit, daß keine irdische Finsternis seinen Glanz je verdunkeln kann. Ist Ihre Zahl auch gering, sind Ihre Erfahrung, Kräfte und Hilfsquellen noch beschränkt, so ist doch die Macht, die Ihrem Auftrag Nachdruck verleiht, grenzenlos in ihrem Ausmaß und unberechenbar in ihrer Wirksamkeit. Obwohl die Feinde, die jede Beschleunigung im Fortschritt ihrer Sendung auf den Plan rufen muß, grimmig, zahlreich und unerbittlich sind, so werden doch die unsichtbaren Heerscharen, wie verheißen, zu ihrer Hilfe herbeieilen, wenn Sie durchhalten; sie werden Sie letzten Endes befähigen, die Hoffnungen der Feinde eitel und ihre Kräfte zunichte werden zu lassen. Der Segen, der die Vollendung ihres Auftrags krönen soll, wird zweifellos nicht ausbleiben, und die ihnen gegebenen göttlichen Verheißungen sind fest und unwiderruflich; dennoch muß das Maß des reichlichen Lohnes, den jeder von ihnen ernten mag, von dem Grad abhängen, in dem ihre täglichen Bemühungen zur Verbreitung dieser Sendung und der Beschleunigung ihres Triumphes beigetragen haben.

KGG +6:2 #29

Geliebte Freunde! Groß ist meine Liebe und Bewunderung für Sie, da ich von dem überragenden Anteil überzeugt bin, den Sie zweifellos sowohl im kontinentalen wie auch im internationalen Bereich der zukünftigen Bahá'í-Arbeit und des Bahá'í-Dienstes haben werden; doch fühle ich mich, zu diesem kritischen Zeitpunkt, verpflichtet, ein Wort der Warnung auszusprechen. Die glühenden Achtungsbeweise, die der Fähigkeit, dem Geist, dem Verhalten und der hohen Stufe der amerikanischen Gläubigen so wiederholt und verdient gezollt wurden, und zwar sowohl dem einzelnen wie auch der gesamten Gemeinde, dürfen unter keinen Umständen mit den Eigentümlichkeiten und der Natur der Menschen, unter denen Gott sie erhöht hat, verwechselt werden. Ein scharfer Unterschied muß zwischen jener Gemeinde und jenen Menschen getroffen und entschlossen und furchtlos aufrecht erhalten werden, wenn wir der verwandelnden Kraft des Glaubens Bahá'u'lláhs in ihrem Einfluß auf das Leben und die Haltung derer, die sich unter sein Banner einzureihen entschlossen haben, gebührende Anerkennung zukommen lassen wollen. Andernfalls wird der höchste und charakteristische Zweck Seiner Offenbarung, nämlich ein neues Menschengeschlecht ins Leben zu rufen, gänzlich unerkannt und völlig verborgen bleiben.

KGG +7:1 #30
Die höchste Aufgabe Seiner Offenbarung

Wie oft erschienen die Offenbarer Gottes, Bahá'u'lláh nicht ausgenommen, und brachten ihre Botschaft in Länder und unter Völker und Rassen gerade dann, wenn diese sich entweder rasch im Niedergang befanden oder bereits den tiefsten Stand moralischer und geistiger Verderbtheit erreicht hatten. Die erschreckende Not und das Elend, denen die Israeliten anheimgefallen waren unter der entwürdigenden und tyrannischen Regierung der Pharaonen in den Tagen vor ihrem Auszug aus Ägypten unter der Führung von Moses; der Niedergang, der im religiösen, geistigen, kulturellen und moralischen Leben des jüdischen Volkes zur Zeit des Auftretens von Jesus Christus eingesetzt hatte; die barbarische Grausamkeit, der rohe Götzendienst und die Unmoral, welche so lange die traurigsten Wesenszüge der arabischen Stämme gewesen waren und ihnen solche Schande brachten, als sich Muhammad erhob, um Seine Botschaft in ihrer Mitte zu verkünden; der unbeschreibliche Verfall mit der ihn begleitenden Bestechlichkeit, Verwirrung, Unduldsamkeit und Unterdrückung nicht nur im zivilen, sondern auch im religiösen Leben Persiens, der durch die Feder einer beträchtlichen Anzahl von Gelehrten, Diplomaten und Reisenden zur Stunde der Offenbarung Bahá'u'lláhs so anschaulich dargestellt wurde - all dies beweist diese grundlegende und unleugbare Tatsache. Wenn man behauptete, daß die irgendeiner Rasse oder Nation innewohnende Würde, ihr moralischer Hochstand, ihre politische Fähigkeit und ihre sozialen Errungenschaften der Grund für das Erscheinen irgendeines dieser Göttlichen Gestirne in ihrer Mitte wäre, würde dies eine völlige Verkehrung der geschichtlichen Tatsachen darstellen und die gänzliche Verwerfung der ihnen von Bahá'u'lláh und 'Abdu'l-Bahá so klar und ausdrücklich gegebenen und unantastbaren Auslegung bedeuten.

KGG +7:2 #31

Wie groß muß darum die Herausforderung für diejenigen sein, die solchen Rassen und Nationen angehören, die dem Ruf dieser Offenbarer folgten, damit sie die unzweifelhafte Wahrheit ohne Vorbehalt anerkennen und mutig bezeugen, daß der Offenbarer Gottes nicht etwa auf Grund irgendeiner rassischen Überlegenheit, politischen Fähigkeit oder geistigen Tugend einer bestimmten Rasse oder Nation, sondern vielmehr als direkte Auswirkung ihrer schreienden Nöte, ihres beklagenswerten Verfalls und ihrer unheilbaren Verderbtheit in ihrer Mitte zu erscheinen beliebt hat, und dadurch wie mit einem Hebel die gesamte Menschheit auf eine höhere und edlere Ebene des Lebens und Verhaltens emporgehoben hat. Unter eben diesen Umständen und auf eben diese Art wollten und konnten die Offenbarer seit undenkbaren Zeiten ihre erlösende Kraft beweisen, um das Volk ihrer eigenen Rasse und Nation aus den Tiefen der Erniedrigung und des Elends aufzurichten, und es zu befähigen, seinerseits anderen Rassen und Nationen die erlösende Gnade und den kraftspendenden Einfluß ihrer Offenbarung zu übermitteln.

KGG +7:3 #32

Im Lichte dieses grundlegenden Prinzips sollte man sich stets daran erinnern, und dies kann nicht genug betont werden, daß der oberste Grund, warum der Báb und Bahá'u'lláh beliebten, in Persien aufzutreten und es zum ersten Verwahrungsort ihrer Offenbarung zu machen, der war, daß von allen Völkern und Nationen der zivilisierten Welt jene Rasse und Nation, wie so oft von 'Abdu'l-Bahá beschrieben, in solch schmähliche Tiefen abgesunken war und solch eine große Verderbtheit zeigte, daß es dafür keine Parallele unter ihren Zeitgenossen gibt. Denn kein überzeugenderer Beweis könnte erbracht werden für den wiederbelebenden Geist der vom Báb und von Bahá'u'lláh verkündeten Offenbarungen, als ihr Vermögen, eines der wohl rückständigsten, feigsten und entartetsten Völker in ein Geschlecht von Helden zu verwandeln, das geeignet ist, seinerseits eine ähnliche Umwälzung im Leben der Menschheit zu bewirken, in einem Volk aufgetreten zu sein, das dieses unschätzbare Vorrecht, als Nährboden für eine solche Offenbarung erwählt zu werden, durch seinen inneren Wert und seine hohen Errungenschaften scheinbar rechtfertigte, würde in den Augen einer ungläubigen Welt die Wirksamkeit jener Botschaft stark herabsetzen und das Selbstgenügen ihrer allmächtigen Kraft schmälern. Der Gegensatz, der auf den Seiten von Nabíls Erzählung so schlagend aufgezeigt wird zwischen dem Heldentum, das das Leben und die Taten der Vorläufer unsterblich macht, und der Verkommenheit und Feigheit ihrer Verleumder und Verfolger, ist in sich selbst ein höchst eindrucksvolles Zeugnis für die Wahrheit der Botschaft von ihm, der einen solchen Geist den Herzen Seiner Anhänger eingab. Die Behauptung irgendeines Gläubigen jenes Volkes, daß die Vortrefflichkeit seines Landes und die seinen Bewohnern angeborene Würde die wesentliche Ursache für seine Erwählung als erster Verwahrungsort der Offenbarungen des Báb und Bahá'u'lláhs gewesen sei, wäre angesichts der durch jenen Bericht so überzeugend vorgebrachten Tatsachen unhaltbar.

KGG +7:4 #33

In einem geringeren Maße muß dieses Prinzip notwendigerweise auf das Land zutreffen, das sein Recht beansprucht, als die Wiege der Weltordnung Bahá'u'lláhs angesehen zu werden. Eine so große Aufgabe und eine so edle Rolle kann als nicht geringer angesehen werden als jener Teil, welcher von jenen unsterblichen Seelen beigetragen wurde, die durch ihre erhabene Entsagung und unvergleichlichen Taten für die Geburt des Glaubens selbst verantwortlich waren. Laßt deshalb nicht jene, die so überwiegend an der Geburt jener Weltzivilisation, die die unmittelbare Frucht ihres Glaubens ist, teilhaben sollen, auch nur für einen Augenblick sich einbilden, daß aus irgendeiner geheimnisvollen Absicht heraus oder wegen irgendeiner angeborenen Vortrefflichkeit oder einem besonderen Verdienst Bahá'u'lláh beliebt hat, ihrem Land und seinen Bewohnern eine so große und immerwährende Auszeichnung zu verleihen.

KGG +7:5 #34

Es ist gerade wegen dieser offenkundigen übel, die, ungeachtet seiner zugegebenermaßen edlen Charakterzüge und Leistungen, ein übertriebener und verhärteter Materialismus unglücklicherweise in ihm hervorgebracht hat, daß der Begründer ihres Glaubens und der Mittelpunkt Seines Bündnisses es erwählt haben, der Bannerträger der in ihren Schriften vorhergesehenen Weltordnung zu werden. Durch solche Mittel wie dieses kann Bahá'u'lláh einer achtlosen Generation Seine allmächtige Kraft am besten dartun, aus der Mitte eines Volkes, das in ein Meer des Materialismus getaucht ist, das zur Beute einer der bösartigsten und seit langer Zeit bestehenden Formen des Rassenvorurteils wurde und das berüchtigt ist für seine politische Korruption, Gesetzlosigkeit und Lauheit seiner moralischen Maßstäbe, aus einem solchen Volk Männer und Frauen zu erheben, die im Lauf der Zeit in zunehmendem Maße als Beispiel dienen für jene wichtigen Tugenden der Selbstentsagung, der moralischen Redlichkeit, der Keuschheit, der keine Unterschiede machenden Verbundenheit, des heiligen Gehorsams und der geistigen Einsicht, die sie für den hervorragenden Anteil tauglich machen, den sie bei der Schaffung jener Weltordnung und jener Weltzivilisation haben werden, die sowohl ihr Land als auch die gesamte Menschenrasse verzweifelt benötigen. Sie haben die Pflicht und das Vorrecht, in ihrer Eigenschaft einmal als Begründer eines der mächtigsten Pfeiler, die das Universale Haus der Gerechtigkeit tragen, und zum anderen als meisterhafte Erbauer jener Neuen Weltordnung, deren Kern und Vorläufer jenes Haus sein soll, die so bitter benötigten Zwillingsprinzipien göttlicher Gerechtigkeit und Ordnung einzuschärfen, darzutun und anzuwenden - Prinzipien, denen gegenüber die politische Korruption und moralische Zügellosigkeit, welche die Gesellschaft, der sie angehören, mehr und mehr beflecken, einen traurigen und beredten Gegensatz bilden.

KGG +7:6

Mögen diese Beobachtungen auch noch so unangenehm und niederdrückend sein, so sollten sie uns doch keinesfalls blind machen gegenüber jenen Tugenden und Eigenschaften hoher Intelligenz, Jugendlichkeit, unbegrenzter Initiative und Unternehmungslust, die die Nation in ihrer Gesamtheit so sichtbar entfaltet und die von der dort bestehenden Gemeinde der Gläubigen immer mehr widergespiegelt werden. Von diesen Tugenden und Eigenschaften und von der Ausmerzung der erwähnten übel muß zu einem sehr großen Ausmaß die Fähigkeit jener Gemeinde abhängen, eine feste Grundlage für die zukünftige Rolle des Landes bei der Einleitung des Goldenen Zeitalters der Sache Bahá'u'lláhs zu legen.

KGG +8:1 #35
Welch überwältigende Verantwortung

Wie groß, wie überwältigend ist deshalb die Verantwortung, die der heutigen Generation der amerikanischen Gläubigen auf dieser frühen Stufe ihrer geistigen und administrativen Entwicklung aufgebürdet werden muß, durch jedes in ihrer Macht liegende Mittel jene Fehler, Gewohnheiten und Neigungen auszurotten, die sie von ihrer eigenen Nation geerbt haben, und diese unterscheidenden Eigenschaften und Merkmale geduldig und im Geiste des Gebets zu entwickeln, die so unerläßlich für ihre wirksame Teilnahme an dem großen Erlösungswerk ihres Glaubens sind. Da sie wegen der beschränkten Größe ihrer Gemeinde und wegen des geringen Einflusses, den sie ausüben kann, noch unfähig sind, in merklichem Umfang auf die große Masse ihrer Landsleute einzuwirken, so mögen sie ihre Aufmerksamkeit gegenwärtig auf sich selbst, auf ihre eigenen Bedürfnisse, ihre persönlichen Unzulänglichkeiten und Schwächen richten, immer in dem Bewußtsein, daß jede Verstärkung ihrer Bemühungen sie besser für die Zeit ausstatten wird, wenn sie aufgerufen werden, ihrerseits solch üble Neigungen aus dem Leben und dem Herzen der Gesamtheit ihrer Mitbürger auszumerzen. Auch dürfen sie die Tatsache nicht übersehen, daß die Weltordnung, deren Grundlagen zu schaffen sie sich nun als Vorhut einer zukünftigen Bahá'í-Generation ihrer Landsleute anstrengen, niemals errichtet werden kann, bevor nicht die Allgemeinheit des Volkes, dem sie angehören, von den verschiedenen Leiden sozialer oder politischer Art, von denen sie so schwer befallen ist, geheilt wurde.

KGG +8:2 #36

Wenn ich die drängendsten Nöte dieser Gemeinde im Ganzen überblicke und versuche, die ernsteren Mängel abzuschätzen, durch die sie an der Erfüllung ihrer Aufgabe gehindert wird, wobei ich die Natur der weit größeren Aufgabe, mit der sich auseinanderzusetzen sie in Zukunft gezwungen sein wird, immer vor Augen habe, dann empfinde ich es als meine Pflicht, besonderen Nachdruck darauf zu legen und die ausdrückliche Achtsamkeit der Gesamtheit der amerikanischen Gläubigen, seien sie alt oder jung, weiß oder farbig, in der Lehrarbeit oder der Administration Tätige, Altgediente oder Neulinge dringend auf das zu lenken, was, wie ich fest glaube, die wesentlichen Erfordernisse für den Erfolg der Aufgaben sind, die nun ihre ungeteilte Aufmerksamkeit verlangen. So groß auch die Wichtigkeit der Gestaltung der äußeren Werkzeuge und der Vervollkommnung der administrativen Tätigkeit ist, die sie für die Durchführung ihrer zweifachen Aufgabe unter dem Siebenjahresplan nutzbar machen können; so lebenswichtig und dringend die von ihnen eingeleiteten Feldzüge, die entworfenen Pläne und Vorhaben und die gesammelten Fonds sind für die wirkungsvolle Durchführung sowohl der Lehrarbeit als auch der Arbeit am Tempel, so sind doch die unwägbaren, geistigen Faktoren, die mit ihrem eigenen individuellen und inneren Leben verbunden und mit denen wiederum ihre menschlichen und sozialen Beziehungen verknüpft sind, nicht weniger dringend und lebenswichtig und verlangen ständige Überprüfung und dauernde Selbstkontrolle und Herzenserforschung ihrerseits, damit ihr Wert nicht vermindert oder ihre lebenswichtige Notwendigkeit verdunkelt oder vergessen wird.

KGG +9:1 #37
Geistige Voraussetzungen

Unter diesen geistigen Voraussetzungen des Erfolges, welche die Grundlage bilden, auf der die Garantie für alle Lehrpläne, Tempelvorhaben und finanziellen Systeme letzten Endes beruhen muß, ragen die folgenden als vordringlich und lebenswichtig hervor, und die Mitglieder der amerikanischen Bahá'í-Gemeinde sollten besonders über diese nachdenken. Von dem Umfang, in dem diesen grundlegenden Erfordernissen entsprochen wird, und der Art, in der die amerikanischen Gläubigen sie in ihrem persönlichen Leben, ihrer administrativen Tätigkeit und ihren sozialen Beziehungen erfüllen, muß das Maß der vielfältigen Segensgaben abhängen, die der Allesbesitzende ihnen allen gewähren kann. Diese Erfordernisse sind keine anderen als eine hohe Auffassung moralischer Rechtschaffenheit in ihrer sozialen und administrativen Tätigkeit, unbedingte Keuschheit im Leben jedes einzelnen und völlige Freiheit von Vorurteilen in ihrem Umgang mit Menschen verschiedener Rasse, Klasse, Glaubensrichtung oder Farbe.

KGG +9:2 #38

Die erste Voraussetzung bezieht sich besonders, wenn auch nicht ausschließlich, auf ihre gewählten Vertreter, ob örtlich, regional oder national, die in ihrer Eigenschaft als Treuhänder und Mitglieder der entstehenden Einrichtungen des Glaubens Bahá'u'lláhs die Hauptverantwortung auf sich nehmen, eine unangreifbare Grundlage für das Universale Haus der Gerechtigkeit zu legen, das, wie seine Bezeichnung besagt, der Repräsentant und Hüter jener Göttlichen Gerechtigkeit sein wird, welche allein die Sicherheit verbürgen und die Herrschaft von Gesetz und Ordnung in einer rief zerrütteten Welt aufrichten kann.

Die zweite Voraussetzung betrifft hauptsächlich und unmittelbar die Bahá'í-Jugend, die so entscheidend zur Stärke, Reinheit und Triebkraft im Leben der Bahá'í-Gemeinde beitragen kann und von der einmal die zukünftige Richtung ihres Schicksals und zum anderen die vollständige Entfaltung der ihr von Gott verliehenen Wirkungsmöglichkeiten abhängt.

Die dritte Voraussetzung sollte das sofortige, allumfassende und oberste Anliegen aller Mitglieder der Bahá'í-Gemeinde sein, gleich welchen Alters, welcher Stellung, Erfahrung, Klasse oder Farbe sie auch seien, da alle ohne Ausnahme ihrem herausforderndem Anspruch gegenübertreten müssen, und niemand, und sei er in dieser Beziehung auch noch so fortgeschritten, für sich beanspruchen kann, den tief eingeprägten und strengen Verpflichtungen völlig nachgekommen zu sein.

KGG +9:3 #39

Rechtschaffenes Verhalten, ein dauerndes Gefühl für unbeirrbare Gerechtigkeit, unverdunkelt durch den entsittlichenden Einfluß, den ein von der Korruption erfaßtes politisches Leben deutlich zeigt; ein keusches, reines und heiliges Leben, unbefleckt und unbeeinflußt von der Unanständigkeit, den Lastern und falschen Maßstäben, welche ein zuinnerst mangelhafter Moralbegriff duldet, verewigt und pflegt; eine Bruderschaft, befreit von der Krebsgeschwulst rassischen Vorurteils, das sich in den Lebenskern einer bereits geschwächten Gesellschaft hineinfrißt, - das sind die ideale, die die amerikanischen Gläubigen von nun an einzeln und in gemeinsamem Vorgehen in ihrem privaten und öffentlichen Leben zu verwirklichen trachten müssen, ideale, die die Hauptantriebskräfte sind, welche den Vormarsch ihrer Einrichtungen, Pläne und Unternehmungen höchst wirksam beschleunigen können, welche die Ehre und Unbescholtenheit ihres Glaubens schützen und alle Hindernisse, die ihnen in Zukunft gegenüberstehen mögen, überwinden können.

KGG +9:4 #40

Diese Redlichkeit des Verhaltens mit der damit verbundenen Gerechtigkeit, Rechtlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit muß jede Phase im Leben der Bahá'í-Gemeinde auszeichnen.

»Die Gefährten Gottes«, so hat Bahá'u'lláh selbst erklärt, »sind an diesem Tag der Sauerteig, der die Völker der Welt voll durchdringen muß. Sie müssen solche Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Ausdauer, solche Taten und einen solchen Charakter zeigen, daß die ganze Menschheit aus ihrem Beispiel Nutzen ziehen kann.«

»Ich schwöre bei Ihm, der der Größte Ozean ist!« bestätigt Er wiederum, »Selbst im Atem solch reiner und geheiligter Seelen liegen weitreichende Kräfte verborgen. So groß sind diese Kräfte, daß sie ihren Einfluß auf alles Erschaffene ausüben.«

An anderer Stelle schrieb Er: »Der ist der wahre Diener Gottes, der an diesem Tage, und sollte er durch Städte aus Silber und Gold hindurchwandeln, sich nicht herbeilassen würde, einen Blick auf sie zu werfen, und dessen Herz rein und unbefleckt bleiben würde von allen Dingen, die diese Welt bieten kann, seien es ihre Güter oder ihre Schätze. Ich schwöre bei der Sonne der Wahrheit! Der Atem eines solchen Menschen ist mit Macht ausgestattet und seine Worte mit Anziehungskraft.«

»Bei Ihm, der über dem Tagesanbruch der Heiligkeit leuchtet!« so offenbarte Er noch eindringlicher: »Wenn die ganze Erde in Silber und Gold verwandelt wäre, so würde dennoch kein Mensch, von dem man sagen kann, daß er wirklich in den Himmel des Glaubens und der Gewißheit aufstieg, sich herablassen, diese zu betrachten oder sie gar zu ergreifen und zu behalten ... Jene, die im Zelte Gottes wohnen und auf den Sitzen ewiger Herrlichkeit ruhen, werden sich weigern, und sollten sie deshalb Hungers sterben, ihre Hand auszustrecken, um unrechtmäßig nach dem Besitz ihres Nächsten zu greifen, wie nichtswürdig und wertlos dieser auch sei. Die Absicht der Offenbarung des einen wahren Gottes ist, die ganze Menschheit zu Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, zu Frömmigkeit und Vertrauenswürdigkeit, zu Entsagung und Ergebenheit in den Willen Gottes, zu Langmut und Freundlichkeit, zu Rechtschaffenheit und Weisheit zu rufen. Sein Ziel ist, jeden Menschen mit dem Mantel eines geheiligten Charakters zu bekleiden und ihn mit dem Schmucke heiliger und guter Taten zu zieren.«

KGG #41

»Wir haben alle Geliebten Gottes ermahnt«, betont Er, »sich zu hüten, den Saum Unseres heiligen Gewandes mit dem Schmutz gesetzwidriger Taten zu beschmieren und mit dem Staub tadelnswertem Benehmens zu beflecken.«

»Halte dich an die Rechtschaffenheit, o Volk Bahás!« so ermahnt Er sie. »Dies ist wahrhaftig das Gebot, welches dieser zu Unrecht Leidende euch gegeben hat, und das erste, was Er aus Seinem unbegrenzten Willen für jeden von euch zu verordnen beliebte.«

»Ein guter Charakter«, erklärt Er, »ist wahrhaftig der beste Schutzmantel Gottes für die Menschen. Mit ihm schmückt Er die Tempel Seiner Geliebten. Bei Meinem Leben! Das Licht eines guten Charakters übertrifft das Licht der Sonne und ihr Leuchten.«

»Eine einzige gerechte Tat«, schrieb Er weiter, »ist mit einer Kraft ausgestattet, die den Staub so emporheben kann, daß er veranlaßt wird, sich über den Himmel der Himmel hinaus zu erheben. Sie kann jede Fessel lösen und hat die Macht, jede Kraft, die sich verbrauchte und dahinschwand, wiederherzustellen ... Sei rein, o Volk Gottes, sei rein; sei gerecht, sei gerecht ... Sprich: O Volk Gottes! Was den Sieg der ewigen Wahrheit verbürgen kann - Seine Heerscharen und Helfer auf Erden -, wurde in den Heiligen Büchern und Schriften niedergelegt und ist so klar und offenkundig wie die Sonne. Diese Heerscharen sind solche gerechten Taten, ein solches Betragen und ein solcher Charakter, wie sie in Seinen Augen annehmbar sind. Wer sich an diesem Tage erhebt, um Unserer Sache beizustehen, und die Heerscharen eines rühmenswerten Charakters und eines aufrechten Betragens zu seiner Hilfe herbeiruft, dessen daraus entspringender Einfluß wird sich bestimmt über die ganze Welt verbreiten.«

KGG #42

»Die Besserung der Welt«, ist noch eine andere Feststellung, »kann durch reine und gute Taten, durch lobenswertes und geziemendes Verhalten erreicht werden.«

»Seid ehrlich euch und anderen gegenüber«, rät Er ihnen weiter, »damit die Zeugnisse der Gerechtigkeit durch eure Taten unter Unseren treuen Dienern offenbar werden mögen.«

»Gerechtigkeit«, hat Er ebenfalls geschrieben, »ist die grundlegendste unter den menschlichen Tugenden. Die Bewertung aller Dinge muß zwangsläufig davon abhängen.«

Und wieder: »Ihr Menschen mit verstehendem Herzen! Seid gerecht in eurem Urteil! Wer ungerecht urteilt, entbehrt der Merkmale, die die Stufe eines Menschen auszeichnen.«

»Verschönt eure Zungen, o Menschen«, ermahnt Er sie weiter, »mit Wahrhaftigkeit und schmückt eure Seelen mit der Zierde der Ehrlichkeit. Hütet euch, o Menschen, daß ihr mit niemandem treulos umgeht. Seid die Treuhänder Gottes unter Seinen Geschöpfen und die Wahrzeichen Seiner Freigebigkeit unter Seinem Volk!«

»Laßt eure Augen keusch sein«, ist wieder ein anderer Rat, »eure Hände ehrlich, eure Zunge aufrichtig und euer Herz erleuchtet.«

KGG #43

»Sei eine Zier für das Angesicht der Wahrheit«, ist eine weitere Ermahnung, »eine Krone für die Stirn der Treue, eine Säule des Tempels der Ehrlichkeit, ein Atem des Lebens für den Körper der Menschheit, ein Banner der Heerscharen der Gerechtigkeit, eine Leuchte am Horizont der Tugend.«

»Lasse Wahrhaftigkeit und Höflichkeit deine Zier sein«, ist noch eine Ermahnung, »lasse es nicht zu, daß du dich selbst des Kleides der Langmut und Gerechtigkeit beraubst, damit die süßen Düfte der Heiligkeit aus deinem Herzen über alles Erschaffene strömen. Sprich: Sei achtsam, o Volk Bahás, daß du nicht auf den Wegen jener wandelst, deren Worte sich von ihren Taten unterscheiden. Strebe, damit du befähigt wirst, den Völkern der Erde die Zeichen Gottes zu enthüllen und Seine Gebote widerzuspiegeln. Lasse deine Taten Führer für die ganze Menschheit sein, denn bei den meisten Menschen, ob hoch oder niedrig, stimmt ihr Bekenntnis nicht mit ihrem Verhalten überein. Aber durch eure Taten könnt ihr euch von den anderen unterscheiden. Durch sie kann der Glanz eures Lichtes über die ganze Erde verbreitet werden. Glücklich ist der Mensch, der Meinen Rat beachtet und sich an die Gebote hält, die Er, der Allwissende, der Allweise, gegeben hat.«

KGG +9:5 #44

»O Heer Gottes!« schreibt 'Abdu'l-Bahá. »Durch den Schutz und die Hilfe, die dir die Gesegnete Schönheit gewährt - möge mein Leben ein Opfer für Seine Geliebten sein -, sollst du dich so verhalten, daß du vorzüglich und strahlend wie die Sonne unter den Menschenseelen hervorragst. Wenn einer von euch in eine Stadt kommt, so sollte er durch seine Aufrichtigkeit, seine Lauterkeit und Liebe, seine Ehrlichkeit und Treue, seine Wahrhaftigkeit und Güte gegenüber allen Menschen zu einem Brennpunkt der Anziehungskraft werden, so daß die Bewohner dieser Stadt ausrufen und sagen: `Dieser Mensch ist ohne Zweifel ein Bahá'í, denn sein Wesen, seine Haltung, sein Betragen, seine Sitten, seine Art und seine Entscheidungen spiegeln die Eigenschaften der Bahá'í wider.` Bevor ihr diese Stufe nicht erreicht habt, kann von euch nicht gesagt werden, daß ihr dem Bündnis und Testament Gottes gegenüber treu wart.«

»Die wichtigste Pflicht an diesem Tag«, so schrieb Er¹ weiter, »ist, euren Charakter zu läutern, eure Sitten zu verbessern und euer Verhalten zu vervollkommnen. Die Geliebten des Gnadenvollen müssen einen solchen Charakter und ein solches Benehmen unter Seinen Geschöpfen aufweisen, daß der Duft ihrer Heiligkeit über die ganze Welt ausgegossen werde und die Toten beleben möge, weil die Absicht der Manifestation Gottes und des Aufdämmerns des grenzenlosen Lichtes des Unsichtbaren ist, die Seelen der Menschen zu erziehen und den Charakter jedes lebenden Menschen zu veredeln ... «

¹ Abdu'l-Bahá

»Wahrhaftigkeit«, bestätigt Er¹, »ist die Grundlage aller menschlichen Tugenden. Ohne Wahrhaftigkeit sind Fortschritt und Erfolg für jede Seele in allen Welten Gottes ausgeschlossen. Wenn der Mensch diese heilige Eigenschaft erlangt hat, wird er auch alle anderen himmlischen Wesensarten gewinnen.«

¹ Abdu'l-Bahá
KGG +9:6 #45

Ein so rechtschaffenes Verhalten muß sich mit immer wachsender Macht in jeder Entscheidung ausdrücken, die zu treffen die gewählten Vertreter der Bahá'í-Gemeinde berufen sind, in was für einer Stellung sie auch immer stehen mögen. Es muß ständig zu Tage treten im beruflichen Tun all ihrer Mitglieder, in ihrem häuslichen Leben, in jeder Stellung und in jedem Dienst, den sie in Zukunft ihrer Regierung oder ihrem Volk erweisen mögen. Es muß sich bezeugen im Verhalten der Bahá'í-Wähler bei der Ausübung ihrer geheiligten Rechte und Pflichten. Es muß die Haltung jedes ergebenen Gläubigen kennzeichnen durch die Ablehnung politischer Stellungen, durch Fernhalten von politischen Parteien, durch Nichtteilnahme an politischen Auseinandersetzungen und Nichtmitgliedschaft in politischen Organisationen und kirchlichen Einrichtungen. Es muß sich erweisen im kompromißlosen Festhalten aller, ob jung oder alt, an den von 'Abdu'l-Bahá in Seinen Ansprachen niedergelegten, klar ausgedrückten und grundlegenden Prinzipien und an den von Bahá'u'lláh in Seinem Heiligsten Buch verkündeten Gesetzen und Verordnungen. Es muß zu Tage treten in der Unparteilichkeit jedes Verteidigers des Glaubens gegen dessen Feinde, in der gerechten Anerkennung jedweden Verdienstes, der einem Gegner zukommen mag, und in der Anständigkeit, mit der er Verpflichtungen diesem gegenüber erfüllt. Es muß die leuchtendste Zierde sein im Leben und Streben, in den Bemühungen und Äußerungen eines jeden Bahá'í-Lehrers, ob er in der Heimat oder in der Ferne tätig ist, ob er in der vordersten Linie der Lehrkräfte steht oder eine weniger maßgebende und verantwortungsvolle Stellung einnimmt. Es muß das Gütezeichen sein für jene zahlenmäßig kleine, doch äußerst dynamische und höchst verantwortliche Körperschaft der gewählten nationalen Vertreter jeder Bahá'í-Gemeinde, welche in dieser den Stützpfeiler und das einzige Mittel für die Wahl jenes Universalen Hauses bildet, dessen Name und Titel, wie von Bahá'u'lláh verordnet, jene Rechtschaffenheit des Verhaltens versinnbildlicht, die zu bewahren und zur Geltung zu bringen seine oberste Aufgabe ist.

KGG +9:7 #46

So groß und erhaben ist dieses Prinzip der Göttlichen Gerechtigkeit, ein Prinzip, das als die krönende Auszeichnung aller örtlichen und nationalen Räte in ihrer Eigenschaft als Vorläufer des Universalen Hauses der Gerechtigkeit betrachtet werden muß, daß Bahá'u'lláh selbst Seine persönlichen Neigungen und Wünsche der allbezwingenden Kraft seiner Forderungen und Ansprüche unterordnet.

»Gott ist Mein Zeuge!« so erklärt Er, »stünde es nicht im Widerspruch zum Gesetz Gottes, hätte Ich die Hand dessen, der sich als Mein Mörder ausgibt, geküßt und veranlaßt, daß er Meine irdische Habe erbt. Ich bin jedoch durch das bindende Gesetz, das im Buch niedergelegt ist, daran gehindert und aller weltlichen Besitztümer beraubt.«

KGG +9:8 #47

»Wisse wahrlich«, so bekräftigt Er bedeutungsvoll, »diese großen Heimsuchungen, die über die Welt gekommen sind, bereiten sie vor auf das Kommen der Größten Gerechtigkeit.«

»Sprich«, so erklärt Er weiter, »Er ist mit jener Gerechtigkeit erschienen, mit der die Menschheit geschmückt wurde, und doch schlafen die meisten Menschen.«

»Das Licht der Menschen ist Gerechtigkeit«, stellt Er außerdem fest, »löscht es nicht mit den widrigen Winden der Unterdrückung und Gewaltherrschaft. Das Ziel der Gerechtigkeit ist die Errichtung der Einheit unter den Menschen.«

»Kein Leuchten«, erklärt Er, »kann mit dem der Gerechtigkeit verglichen werden. Die Ordnung der Welt und die Ruhe der Menschheit hängen von ihr ab.«

»O Volk Gottes!« ruft Er aus, »Gerechtigkeit ist es, die die Welt erzieht, denn sie wird von zwei Pfeilern getragen: von Belohnung und Bestrafung. Diese zwei Pfeiler sind die Quellen des Lebens für die Welt.«

»Gerechtigkeit und Rechtlichkeit«, stellt Er weiter fest, »sind die Wächter zum Schutz des Menschen. Sie erschienen, bekleidet mit ihrem mächtigen und geheiligten Namen, um die Rechtschaffenheit der Welt zu erhalten und die Nationen zu schützen.«

»Erhebe dich, o Volk«, ist Seine eindringliche Warnung, »und erwarte die Tage der Göttlichen Gerechtigkeit, denn die verheißene Stunde ist nun gekommen. Hüte dich, daß du nicht versäumst, ihre Bedeutung zu erkennen, und du nicht zu den Irrenden gezählt wirst.«

»Der Tag naht«, schrieb Er gleicherweise, »da die Gläubigen die Sonne der Gerechtigkeit schauen werden, die in ihrem vollen Glanz aus dem Tagesanbruch der Herrlichkeit hervorleuchtet.«

»Die Schmach, die ich tragen mußte«, bemerkt Er bedeutungsvoll, »hat die Herrlichkeit enthüllt, mit der die ganze Schöpfung geschmückt wurde, und durch die Grausamkeiten, die Ich erleiden mußte, hat sich die Sonne der Gerechtigkeit offenbart und ihren Glanz über die Menschen ausgestrahlt.«

»Die Welt«, schrieb Er wiederum, »ist in großem Aufruhr und der Verstand der Menschen befindet sich im Zustand äußerster Verwirrung. Wir flehen zum Allmächtigen, daß Er sie gnädig mit der Herrlichkeit Seiner Gerechtigkeit erleuchten und sie befähigen möge, das zu erkennen, was zu allen Zeiten und unter allen Umständen vorteilhaft für sie ist.«

Und weiter: »Es kann überhaupt kein Zweifel bestehen, daß das Angesicht der Erde völlig verwandelt würde, wenn die Sonne der Gerechtigkeit, die die Wolken der Gewaltherrschaft verdunkelt haben, ihr Licht auf die Menschen ausgießen könnte.«

KGG +9:9 #48

»Gott sei gelobt!« ruft 'Abdu'l-Bahá Seinerseits aus. »Die Sonne der Gerechtigkeit ist über dem Horizont Bahá'u'lláhs emporgestiegen. Denn in Seinen Tablets wurden die Grundlagen für eine solche Gerechtigkeit gelegt, wie sie keine Vernunft von Anbeginn der Schöpfung an ersinnen konnte.«

»Der Baldachin des Daseins«, erklärt Er¹ weiter, »ruht auf der Säule der Gerechtigkeit, nicht der Verzeihung, und das Leben der Menschheit hängt von der Gerechtigkeit und nicht vom Verzeihen ab.«

¹ Abdu'l-Bahá
KGG +9:10

Es ist deshalb kein Wunder, daß der Begründer der Bahá'í-Offenbarung beliebte, den Namen und Titel jenes Hauses, das der krönende Ruhm Seiner administrativen Einrichtungen sein soll, nicht mit Vergebung, sondern mit Gerechtigkeit zu verbinden, daß Er Gerechtigkeit zur alleinigen Basis und dauernden Grundlage Seines Größten Friedens machte und sie in Seinen Verborgenen Worten als das vor Seinen Augen »meistgeliebte aller Dinge« verkündete, ich fühle mich gedrängt, insbesondere an die amerikanischen Gläubigen die heiße Bitte zu richten, in ihrem Herzen den tieferen Sinn dieser moralischen Rechtschaffenheit zu erwägen und mit Herz und Seele, einzeln und gemeinsam, diesen höchsten Maßstab kompromißlos zu befolgen - einen Maßstab, für den Gerechtigkeit ein so wichtiger und mächtiger Bestandteil ist.

KGG +9:11 #49

Was ein keusches und heiliges Leben anbelangt, so sollte es als ein nicht weniger wesentlicher Faktor betrachtet werden, der seinen entsprechenden Anteil zur Stärkung und Belebung der Bahá'í-Gemeinde beitragen muß, von der wiederum der Erfolg jedes Bahá'í-Planes oder Unternehmens abhängt. Wenn an diesen Tagen die Kräfte des Unglaubens das moralische Rückgrat schwächen und die Grundlagen der persönlichen Moral untergraben, muß die Verpflichtung zur Keuschheit und Heiligkeit einen zunehmenden Anteil der Aufmerksamkeit der amerikanischen Gläubigen beanspruchen, und zwar sowohl im Charakter jedes einzelnen als auch in ihrer Eigenschaft als verantwortliche Hüter der Interessen des Glaubens Bahá'u'lláhs. In der Erfüllung einer solchen Verpflichtung, der die besonderen Umstände, die sich aus dem nun in ihrem Land vorherrschenden übertriebenen und entnervenden Materialismus ergeben, eine ungewöhnliche Bedeutung verleihen, müssen sie eine sichtbare und hervorragende Rolle spielen. Sie alle, seien sie Männer oder Frauen, müssen zu dieser drohenden Stunde, da das Licht der Religion verblaßt und die Beschränkungen, die sie auferlegt, eine nach der anderen abgeschafft werden, innehalten, um sich selbst zu prüfen, ihr Verhalten genau zu beobachten und sich mit kennzeichnender Entschlossenheit erheben, um das Leben ihrer Gemeinde von jeder Spur moralischer Lauheit zu säubern, die den Namen eines so heiligen und kostbaren Glaubens beflecken und seine Unbescholtenheit schmälern könnte.

KGG +9:12 #50

Ein keusches und heiliges Leben muß zum beherrschenden Grundsatz im Benehmen und Verhalten aller Bahá'í gemacht werden, sowohl in ihren sozialen Beziehungen zu den Mitgliedern ihrer eigenen Gemeinde als auch in ihrer Verbindung mit der ganzen Welt. Es muß die unaufhörlichen Bemühungen und verdienstvollen Anstrengungen jener schmücken und stärken, deren beneidenswertes Amt es ist, die Botschaft des Glaubens Bahá'u'lláhs zu verbreiten und seine Angelegenheiten zu verwalten. Es muß in all seiner Unbescholtenheit und mit all seinen Folgen in jedem Abschnitt des Lebens derjenigen hochgehalten werden, die in den Reihen dieses Glaubens stehen, sei es in ihrem Heim, auf Reisen, in ihrem Verein, ihrem gesellschaftlichen Leben, ihrer Unterhaltung, ihrer Schule und ihrer Universität. Es muß ihm besondere Aufmerksamkeit bei der Durchführung von geselligen Veranstaltungen in jeder Bahá'í-Sommerschule geschenkt werden und bei jeder anderen Gelegenheit, bei der das Bahá'í-Gemeindeleben organisiert und gepflegt wird. Es muß eng und dauernd übereinstimmen mit der Aufgabe der Bahá'í- Jugend, sowohl als ein Bestandteil im Leben der Bahá'í-Gemeinde wie auch als Faktor beim zukünftigen Fortschritt und der Ausrichtung der Jugend ihres eigenen Landes.

KGG +9:13

Solch ein keusches und heiliges Leben mit seinen Kennzeichen der Bescheidenheit, Reinheit, Enthaltsamkeit, Anständigkeit und inneren Sauberkeit bedingt nichts weniger als Mäßigung in allem, was zu Kleidung, Sprache, Vergnügen sowie allen künstlerischen und literarischen Zerstreuungen gehört. Es verlangt tägliche Wachsamkeit in der Beherrschung der fleischlichen Wünsche und verderbten Neigungen. Es fordert die Aufgabe leichtfertigen Verhaltens mit seiner übertriebenen Verhaftung an nichtssagende und oft mißgeleitete Freuden. Es verlangt völlige Enthaltung von allen alkoholischen Getränken, von Opium und ähnlichen Drogen, die zur Gewohnheit werden können. Es verurteilt die erniedrigende Verwendung von Kunst und Literatur, Nacktkultur und Kameradschaftsehe, eheliche Untreue und alle Arten des zwanglosen geschlechtlichen Verkehrs, leichtfertige Vertraulichkeit und geschlechtliche Laster. Es kann keinen Kompromiß dulden mit den Lehren, Maßstäben, Gewohnheiten und Übertreibungen eines verfallenden Zeitalters. Nein, es sucht vielmehr durch die anfeuernde Kraft seines Beispiels den schädlichen Charakter solcher Lehren, die Falschheit solcher Maßstäbe, die Hohlheit solcher Ansprüche, die Entartung solcher Gewohnheiten und die Schändlichkeit solcher Übertreibungen zu beweisen.

KGG +9:14 #51

»Bei der Gerechtigkeit Gottes!« schreibt Bahá'u'lláh. »Die Welt, ihre Eitelkeiten, ihr Ruhm und alles Entzücken, das sie bieten kann, sind alle in den Augen Gottes so wertlos wie, nein, noch verächtlicher als Staub und Asche. Würden doch die Herzen der Menschen dies begreifen. O Volk Bahás! Reinige dich sorgfältig vom Schmutz dieser Welt und von allem, was zu ihr gehört. Gott selbst legt Zeugnis für Mich ab! Die Dinge der Erde geziemen dir schlecht. Wirf sie jenen zu, die Verlangen danach tragen und hefte deine Augen auf diese heiligste und strahlendste Erscheinung.«

»O ihr, Meine Geliebten!« so ermahnt Er Seine Anhänger. »Duldet nicht, daß der Saum Meines heiligen Gewandes von den Dingen dieser Welt beschmutzt und besudelt werde, und folgt nicht den Eingebungen eurer üblen und verderbten Wünsche.«

KGG #52

Und wieder: »O ihr, die Geliebten des einen wahren Gottes! überwindet die engen Mauern eurer üblen und verderbten Wünsche, schreitet in die weite Unendlichkeit des Reiches Gottes und weilt in den Gefilden der Heiligkeit und der Loslösung, damit der Duft eurer Taten die ganze Menschheit zum Meere von Gottes nie verblassender Herrlichkeit leiten möge.«

»Löst euch«, so befiehlt Er ihnen, »von allen Bindungen an diese Welt und ihre Eitelkeiten. Hütet euch, ihnen zu nahen, denn sie verleiten euch, euren Gelüsten und gierigen Wünschen zu folgen und hindern euch am Betreten des rechten und herrlichen Weges.«

»Meidet jegliche Schlechtigkeit«, ist Sein Gebot, »denn solches wurde euch in dem Buch verboten, das nur diejenigen berühren dürfen, die Gott von jedem Hauch der Schuld gereinigt und zu den Geläuterten gezählt hat.«

»Ein Menschengeschlecht«, ist Sein schriftliches Versprechen, »unvergleichlich in seiner Wesensart, soll erweckt werden, das mit den Füßen der Loslösung unter alle, die im Himmel und auf Erden sind, treten und den Mantel der Heiligkeit über alles werfen wird, was aus Wasser und Erde geschaffen wurde.«

»Die Zivilisation«, ist Seine ernste Warnung, »die so oft von den gelehrten Vertretern der Kunst und Wissenschaft gepriesen wurde, wird großes Unglück über die Menschen bringen, wenn ihr gestattet wird, die Grenzen der Mäßigung zu überschreiten ... Wenn sie sich in das Extrem steigert, wird sich die Zivilisation als ein ebenso großer Quell des Übels erweisen, wie sie sich zuvor, in den Grenzen der Mäßigung gehalten, als ein solcher des Guten erwies.«

KGG #53

»Er hat aus der ganzen Welt die Herzen Seiner Diener erwählt«, erklärt Er, »und jedes zum Sitz der Offenbarung Seiner Herrlichkeit gemacht. Heiligt sie daher von jeder Befleckung, damit das, wofür sie erschaffen wurden, in sie eingeprägt werde. Wahrlich, das ist ein Beweis der großen Gunst Gottes.«

»Sprich«, verkündet Er, »wer seinen weltlichen Wünschen folgt oder sein Herz an die Dinge der Erde hängt, zählt nicht zum Volke Bahás. Wenn Mein wahrer Anhänger zu einem Tal aus reinem Gold käme, würde er leicht wie eine Wolke hindurchgehen, ohne sich umzudrehen oder stehen zu bleiben. Ein solcher Mensch gehört wahrlich zu Mir. Von seinem Gewand kann die himmlische Versammlung den Duft der Heiligkeit atmen ... Wenn er der schönsten, anmutigsten Frau begegnete, so würde sein Herz auch nicht den leisesten Anflug eines Verlangens nach ihrer Schönheit verspüren. Ein solcher Mensch ist in der Tat ein Geschöpf makelloser Keuschheit. Dies lehrt dich die Feder des Altehrwürdigen der Tage, wie sie es durch deinen Herrn, den Allmächtigen, den Allgütigen, geheißen wurde.«

»Sie, die ihren Gelüsten und verderbten Neigungen folgen«, so lautet eine weitere Warnung, »haben sich versündigt und ihre Kräfte vergeudet. Sie gehören gewißlich zu den Verlorenen.«

»Es geziemt dem Volke Bahás«, so schrieb Er ebenfalls, »sich von der Welt und allem, was in ihr ist, zu lösen, und so von allem irdischen frei zu sein, daß die Bewohner des Paradieses von seinem Gewand den duftenden Hauch der Heiligkeit einatmen ... Die, welche den reinen Namen der Sache Gottes befleckt haben, indem sie fleischlichen Dingen folgten, befinden sich in offensichtlichem Irrtum!«

KGG #54

»Reinheit und Keuschheit«, mahnt Er besonders, »waren und sind noch immer die größte Zierde für die Dienerinnen Gottes. Gott ist Mein Zeuge! Das strahlende Licht der Keuschheit ergießt seine Heiligkeit über die Welten des Geistes und sein Duft weht sogar bis ins Höchste Paradies.«

»Gott«, bestätigt Er wieder, »machte wahrlich die Keuschheit zur Krone für das Haupt Seiner Dienerinnen. Groß ist die Seligkeit jener Dienerin, die diese hohe Stufe erreicht hat.«

»Wir haben wahrlich in Unserem Buch«, ist Seine Versicherung, »große und reichliche Belohnung verordnet für jeden, der sich von der Schlechtigkeit abwendet und ein keusches und gottesfürchtiges Leben führt. Er ist in Wahrheit der große Geber, der Allgütige.«

»Wir haben die Last allen Elends ertragen«, bezeugt Er, »um euch von irdischer Verderbtheit zu heiligen, dennoch seid ihr gleichgültig ... Wir erblicken wahrlich eure Taten. Wenn Wir von ihnen den süßen Duft der Reinheit und Heiligkeit wahrnehmen, werden Wir euch segnen, dessen seid gewiß. Dann werden die Zungen der Bewohner des Paradieses euer Lob singen und eure Namen verherrlichen unter denen, die sich Gott genähert haben.«

KGG +9:15

»Das Trinken von Wein«, schreibt 'Abdu'l-Bahá, »ist nach dem Text des Heiligsten Buches verboten; denn es ist die Ursache von chronischen Krankheiten, schwächt die Nerven und zerstört den Verstand.«

»O Dienerinnen Gottes!«, hat Bahá'u'lláh selbst bekräftigt, »Trinkt den geheimnisvollen Wein aus dem Kelch Meiner Worte. Dann werft von euch, was euer Verstand verabscheut, denn es wurde euch in Seinen Tablets und Seinen Schriften verboten. Hütet euch, damit ihr nicht den Fluß, der das Leben selbst ist, für das vertauscht, was die Seelen derer verabscheuen, die reinen Herzens sind. Werdet trunken vom Wein der Liebe Gottes und nicht von dem, was euren Verstand zerstört, o ihr, die ihr Ihn anbetet! Wahrlich, dies wurde jedem Gläubigen verboten, Mann und Frau gleichermaßen. So erhob sich die Sonne meiner Gebote über dem Horizont Meiner Äußerung, damit die Dienerinnen, die an Mich glauben, erleuchtet werden mögen.«

KGG +9:16 #55

Es muß jedoch beachtet werden, daß die Einhaltung eines so hohen Maßstabes moralischen Verhaltens nicht mit irgendeiner Form der Askese oder des übertriebenen und blindgläubigen Puritanismus in Verbindung gebracht oder verwechselt werden darf. Der von Bahá'u'lláh geprägte Maßstab sucht keinesfalls irgend jemand das einwandfreie Recht oder Vorrecht zu verweigern, den vollen Vorteil und Nutzen aus den vielfältigen Freuden, Schönheiten und Annehmlichkeiten zu ziehen, mit denen die Welt durch einen alliebenden Schöpfer so reich ausgestattet wurde.

»Sollte ein Mensch«, versichert uns Bahá'u'lláh selbst, »den Wunsch haben, sich mit dem Schmuck dieser Erde zu zieren, ihr Gewand zu tragen und an den Wohltaten teilzuhaben, die sie zu verleihen vermag, so kann ihm das nicht schaden, wenn er keinem von diesen erlaubt, zwischen ihn und Gott zu treten, denn Gott hat alle in den Himmeln und auf Erden erschaffenen guten Dinge für solche Seiner Diener bestimmt, die wirklich an Ihn glauben. O Menschen, kostet von den guten Dingen, die Gott euch erlaubt hat, und beraubt euch nicht selbst Seiner wunderbaren Gaben. Dankt ihm und preist ihn und gehört zu den wirklich Dankbaren.«

KGG +10:1 #56
Das brennendste Problem

Was das rassische Vorurteil anbelangt, dessen ätzende Schärfe sich beinahe ein Jahrhundert lang in jede Faser der amerikanischen Gesellschaft eingefressen und ihren sozialen Aufbau angegriffen hat, so sollte es als das brennendste und herausforderndste Problem betrachtet werden, dem die Bahá'í-Gemeinde auf ihrer jetzigen Entwicklungsstufe gegenübersteht. Die unentwegten Anstrengungen, die diese höchst bedeutende Frage verlangt, die Opfer, die sie auferlegt, die Sorgfalt und Wachsamkeit, die sie erfordert, der moralische Mut und die Seelenstärke, die sie voraussetzt, der Takt und das Mitgefühl, das sie bedingt, geben diesem Problem, von dessen befriedigender Lösung die amerikanischen Gläubigen noch weit entfernt sind, eine Dringlichkeit und Wichtigkeit, die nicht überschätzt werden können. Weiß und Schwarz, Hoch und Niedrig, Jung und Alt, ob frisch zum Glauben gekommen oder nicht, alle, die seinen Namen tragen, müssen sich beteiligen und ihre Unterstützung, jeder gemäß seiner oder ihrer Fähigkeit, Erfahrung und den gegebenen Umständen, der allgemeinen Aufgabe zuteil werden lassen, die Anweisungen 'Abdu'l-Bahás zu erfüllen, Seine Hoffnungen zu verwirklichen und Seinem Beispiel zu folgen. Keine Rasse, sei sie farbig oder nicht, kann mit Recht oder gutem Gewissen behaupten, solcher Pflicht enthoben zu sein, jene Hoffnungen erfüllt zu haben oder jenem Beispiel getreu gefolgt zu sein. Eine lange und dornige, mit Fallgruben versehene Straße liegt noch unbegangen vor den weißen wie vor den schwarzen Trägern des erlösenden Glaubens von Bahá'u'lláh. Von der Strecke, die sie zurücklegen, und von der Art, in der sie diese Straße begehen, muß in einem für nur wenige vorstellbaren Ausmaße das Wirken jener unfaßbaren Einflüsse abhängen, die für den geistigen Triumph der amerikanischen Gläubigen und den materiellen Erfolg ihres soeben in Angriff genommenen Vorhabens unerläßlich sind.

KGG +10:2 #57

Laßt sie sich, furchtlos und entschlossen, das Beispiel und Verhalten 'Abdu'l-Bahás ins Gedächtnis zurückrufen, als Er in ihrer Mitte weilte. Laßt sie sich an Seinen Mut erinnern, Seine lautere Liebe, Seine zwanglose und keine Unterschiede machende Kameradschaftlichkeit, Seine Verachtung und Sein Unwille gegenüber jeder scharfen Kritik, die durch Seinen Takt und Seine Weisheit gemildert wurden. Laßt sie die Erinnerung an jene unvergessenen und historischen Episoden und Begebenheiten wieder erwecken und lebendig erhalten, bei denen er Seinen feinen Gerechtigkeitssinn so eindringlich bewies, an Sein aus dem Herzen kommendes Mitgefühl für die Unterdrückten, Sein stets gegenwärtiges Empfinden für die Einheit der Menschheit, Seine überströmende Liebe für ihre Glieder und Sein Mißfallen gegenüber jenen, die wagten, Seine Bitten zu verhöhnen, Seine Methoden zu verspotten, Seine Grundsätze in Frage zu stellen oder Seinen Taten entgegenzuwirken.

KGG +10:3 #58

Irgendeine Rasse herabzusetzen mit der Begründung, sie sei sozial rückständig, politisch unreif und zahlenmäßig in der Minderheit, ist eine offenkundige Verletzung des Geistes, der den Glauben Bahá'u'lláhs beseelt. Das Bewußtsein irgendeiner Teilung oder Spaltung in seinen Reihen entspricht nicht seinem eigentlichen Zweck, seinen Grundsätzen und Idealen. Sobald die Mitglieder dieses Glaubens den Anspruch seines Begründers klar erfaßt und seine administrative Ordnung mit den in seinen Lehren verankerten Grundzügen und Gesetzen sich vorbehaltlos zu eigen gemacht haben, muß jede Unterscheidung von Klasse, Glaubensbekenntnis oder Farbe sofort aufgehoben werden, und es darf ihr unter keinem Vorwand irgendwelcher Art gestattet werden, sich wieder einzunisten, wie groß auch der Druck der Ereignisse oder der öffentlichen Meinung sein mag. Wenn irgendeine Unterscheidung überhaupt geduldet wird, so sollte es eine Unterscheidung nicht gegen, sondern vielmehr zu Gunsten der Minderheit sein, sei sie nun rassischer oder anderer Natur. Ungleich den Nationen und Völkern der Erde, seien sie vom Osten oder Westen, demokratisch oder autoritär, kommunistisch oder kapitalistisch, mögen sie der Alten oder der Neuen Welt angehören, mögen sie die rassischen, religiösen oder politischen Minderheiten in ihrem Rechtsbereich mißachten, unterdrücken oder ausrotten, stets sollte es jede fest begründete, unter dem Banner Bahá'u'lláhs eingetragene Gemeinde als ihre erste und unausweichliche Pflicht ansehen, jede Minderheit, zu welchem Glauben, zu welcher Rasse, Klasse oder Nation sie auch gehören mag, zu unterstützen, zu ermutigen und zu schützen.

KGG #59

So groß und lebenswichtig ist dieser Grundsatz, daß zum Beispiel immer dann, wenn die gleiche Anzahl von Stimmen in einer Wahl abgegeben wurde oder wenn die Befähigung für irgendein Amt sich bei den Vertretern verschiedener Rassen, Religionen oder Nationalitäten innerhalb der Gemeinde das Gleichgewicht hält, den Vertretern der Minderheit ohne Zögern das Vorrecht eingeräumt werden sollte, und dies aus keinem anderen Grund, als sie anzuregen und zu ermutigen und ihr eine Gelegenheit zu bieten, die Interessen der Gemeinde zu fördern. Im Lichte dieses Grundsatzes und eingedenk der Wichtigkeit, daß auch Minderheiten an der Verantwortung teilnehmen und in der Bahá'í-Arbeit mitwirken, sollte es die Pflicht jeder Bahá'í-Gemeinde sein, ihre Angelegenheiten so zu regeln, daß in Fällen, in denen Angehörige der verschiedenen Minderheiten bereits ihre Befähigung nachgewiesen haben und die erforderlichen Bedingungen erfüllen, eine möglichst große Zahl dieser rassisch oder sonst verschiedenartigen Elemente in den Bahá'í-Einrichtungen, z.B. in Räten, bei Tagungen, auf Konferenzen oder in Ausschüssen vertreten ist. Eine solche Handlungsweise sich zu eigen zu machen und treulich daran festzuhalten, wäre nicht nur eine Quelle der Begeisterung und Ermutigung für jene Elemente, die zahlenmäßig klein und unzureichend vertreten sind, sondern es würde auch der Welt ganz allgemein die Universalität und den alles umfassenden Charakter des Glaubens Bahá'u'lláhs beweisen und zugleich dartun, daß Seine Anhänger frei sind vom Makel jener Vorurteile, die schon so viel Schaden in den inneren Angelegenheiten sowie den auswärtigen Beziehungen der Nationen angerichtet haben.

KGG +10:4 #60

Freisein von rassischem Vorurteil in all seinen Formen sollte zu einer Zeit wie dieser, da ein immer größer werdender Teil der Menschheit seiner zerstörenden Grausamkeit zum Opfer fällt, von der ganzen Körperschaft der amerikanischen Gläubigen als Losungswort gewählt werden, ganz gleich in welchem Staat sie wohnen, in welchen Kreisen sie verkehren, wie alt sie sind, was ihre Tradition, ihr Geschmack oder ihre Gewohnheit auch sein mögen. Diese Haltung sollte in jeder Phase ihrer Tätigkeit oder ihres Lebens ständig bewiesen werden, ob in der Bahá'í-Gemeinde oder außerhalb, in der Öffentlichkeit oder im Privatbereich, offiziell oder inoffiziell, einzeln sowie in ihrer amtlichen Eigenschaft als organisierte Gruppen, Ausschüsse und Räte. Sie sollte wohlüberlegt gepflegt werden bei den verschiedenen, täglich sich bietenden Gelegenheiten, wie unbedeutend sie auch sein mögen, sei es zu Hause, an ihrem Arbeitsplatz, in ihren Schulen und Universitäten, bei ihren gesellschaftlichen Zusammenkünften und an Erholungsplätzen, bei ihren Bahá'í-Veranstaltungen, Konferenzen, Tagungen, Sommerschulen und Ratssitzungen. Es muß vor allem der Grundton in der Verfahrensweise jener höchsten Körperschaft sein, die in ihrer Eigenschaft als nationale Vertretung sowie als Führungs- und Schlichtungsstelle für Gemeindeangelegenheiten beispielgebend sein muß und die Anwendung eines so lebenswichtigen Grundsatzes auf das Leben und die Tätigkeit derer zu übertragen hat, deren Interessen sie schützt und vertritt.

KGG +10:5 #61

»O ihr Einsichtigen!« hat Bahá'u'lláh geschrieben: »Wahrlich, die Worte, die vom Himmel des Willens Gottes herabkamen, sind die Quelle der Einheit und Eintracht für die Welt. Schließt eure Augen gegenüber Rassenunterschieden und heißt alle mit dem Lichte der Einheit willkommen.«

»Wir wünschen nur das Gute der Welt und das Glück der Völker«, verkündet Er, »damit alle Völker eins werden im Glauben und alle Menschen wie Brüder; damit das Band der Zuneigung und Einheit unter den Menschen gestärkt werde; damit die Spaltung der Religion aufhöre und Rassenunterschiede ausgelöscht werden.«

»Bahá'u'lláh hat gesagt«,so schreibt 'Abdu'l-Bahá, »daß die verschiedenen Menschenrassen dem Ganzen vollendete Harmonie und Farbschönheit verleihen. Laßt daher sich alle zusammentun in diesem großen Garten der Menschheit, so wie auch die Blumen untereinander gemischt Seite an Seite stehen und ohne Mißton oder Uneinigkeit zwischen sich wachsen.«

»Bahá'u'lláh«, hat 'Abdu'l-Bahá weiterhin gesagt, »verglich einmal die farbigen Menschen mit der schwarzen Pupille des Auges, die vom Weiß umgeben ist. In dieser schwarzen Pupille sieht man die Widerspiegelung dessen, was vor ihr ist, und durch sie strahlt das Licht des Geistes hervor.«

KGG +10:6 #62

»Gott macht keinen Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen«, so erklärt 'Abdu'l-Bahá selbst. »Wenn das Herz rein ist, werden beide von ihm angenommen. Gott schätzt die Menschen nicht nach ihrer Farbe oder Rasse ein. Alle Farben sind ihm willkommen, seien sie weiß, schwarz oder gelb. Da alle zum Bilde Gottes geschaffen wurden, müssen wir uns zu der Erkenntnis durchringen, daß alle göttliche Möglichkeiten in sich tragen.«

»Vor Gott«, stellt Er fest, »sind alle Menschen gleich. Im Reich Seiner Gerechtigkeit und Unparteilichkeit gibt es keinen Unterschied oder Vorzug für irgendeine Seele.«

»Diese Teilungen hat nicht Gott gemacht«, bestätigt Er, »sie haben vielmehr ihren Ursprung im Menschen selbst. Da sie gegen den Plan und die Absicht Gottes sind, sind sie falsch und nur in der Einbildung vorhanden.«

»Vor Gott«, versichert Er wiederum, »gibt es keinen Unterschied der Farbe; alle sind eins in der Farbe und Schönheit des Dienstes für ihn. Die Farbe ist nicht wichtig; das Herz zählt vor allem. Es hat nichts zu sagen, wie das Äußere aussieht, wenn das Herz rein und weiß ist. Gott sieht nicht die Unterschiede der Farbe und Hauttönung. Er schaut auf die Herzen. Der, dessen Moral und Tugenden lobenswert sind, wird in der Gegenwart Gottes bevorzugt; wer dem Königreich ergeben ist, ist der meist Geliebte. Im Reich der Entstehung und Schöpfung ist die Frage der Farbe von sehr geringer Bedeutung.«

»Im ganzen Tierreich«, erklärt Er, »finden wir unter den Kreaturen keine Trennung der Farbe wegen. Sie erkennen die Einheit der Arten und Gattungen. Wenn wir in einem Reich von niederer Intelligenz und Vernunft solche Farbunterscheidungen nicht finden, wie kann sie unter menschlichen Wesen gerechtfertigt sein, besonders da wir wissen, daß sie alle von derselben Quelle stammen und dem gleichen Haushalt angehören? Im Ursprung und in der Absicht der Schöpfung gibt es nur eine Menschheit. Unterschiede der Rasse und Farbe sind später entstanden.«

»Der Mensch ist mit einer höheren Verstandeskraft und der Fähigkeit der Wahrnehmung ausgestattet«; erklärt Er weiter, »er ist die Offenbarung göttlicher Gaben. Sollen rassische Ideen vorherrschen und die Schöpferabsicht der Einheit in Seinem Königreich verdunkeln?«

KGG #63

»Eine der wesentlichen Fragen«, bemerkt Er bedeutungsvoll, »welche Einheit und Zusammengehörigkeit der Menschheit ausmachen, ist die Verbundenheit und Gleichberechtigung der weißen und farbigen Rassen. Zwischen diesen beiden Rassen bestehen bestimmte Merkmale der Übereinstimmung und der Unterscheidung, die die gerechte und gegenseitige Rücksichtnahme verbürgen. Der Berührungspunkte sind viele ... In diesem Land, den Vereinigten Staaten von Amerika, ist der Patriotismus beiden Rassen gemeinsam; alle haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte, sprechen eine Sprache, empfangen die Segnungen derselben Zivilisation und folgen den Geboten derselben Religion. In der Tat bestehen zahlreiche Merkmale der Partnerschaft und Zusammengehörigkeit zwischen den beiden Rassen; demgegenüber ist die Unterscheidung der Farbe nur ein Punkt. Soll es diesem, dem geringsten aller Unterscheidungsmerkmale, gestattet werden, euch als Rassen und Einzelmenschen zu trennen?«

»Diese Vielfalt in Formen und Farben«, betont Er, »welche sich in allen Reichen offenbart, entspringt schöpferischer Weisheit und hat einen göttlichen Zweck.«

»Die Verschiedenheit in der menschlichen Familie«, fordert Er, »sollte die Ursache für Liebe und Eintracht sein, wie in der Musik, wo viele verschiedene Noten zusammenklingen, um einen vollendeten Akkord hervorzubringen.«

»Wenn ihr Menschen begegnet«, ist Seine Ermahnung, »die von anderer Rasse und Farbe sind als ihr, so tut dies nicht mit Mißtrauen und zieht euch nicht in das Schneckenhaus des Hergebrachten zurück, sondern zeigt euch froh und erweist ihnen Freundlichkeit.«

»In der Welt des Daseins«, bezeugt Er, »ist das Zusammentreffen gesegnet, wenn sich die weißen und farbigen Rassen in unendlicher geistiger Liebe und himmlischer Eintracht begegnen. Wenn solche Zusammenkünfte stattfinden und die Teilnehmer sich in vollkommener Liebe, Einheit und Freundlichkeit zueinander gesellen, preisen sie die Engel des Königreiches, und die Schönheit Bahá'u'lláhs spricht zu ihnen: `Gesegnet seid ihr! Gesegnet seid ihr!`«

KGG #64

»Wenn eine solche Zusammenkunft dieser zwei Rassen zustande kommt«, versichert Er gleichermaßen, »dann wird jene Versammlung zum Magnet für die himmlischen Heerscharen werden, und die Bestätigung der Gesegneten Schönheit wird sie umgeben.«

»Strebt ernstlich danach«, ermahnt Er weiter beide Rassen, »und setzt eure größten Bemühungen für das Erreichen dieser Verbundenheit ein und für die Erhärtung dieses Bandes der Brüderlichkeit unter Euch. Die Erfüllung einer solchen Aufgabe ist ohne den guten Willen und die Anstrengung beider Seiten unmöglich; von der einen Seite muß es der Ausdruck der Dankbarkeit und Wertschätzung sein, von der anderen Seite müssen es Freundlichkeit und die Anerkennung der Gleichberechtigung sein. Jede sollte sich bemühen, der anderen zum wechselseitigen Fortschritt zu verhelfen und sie dabei zu unterstützen ... Liebe und Einheit werden unter euch gepflegt werden und so die Einheit der Menschheit hervorbringen. Denn die Erreichung der Einheit zwischen den Farbigen und Weißen wird eine Garantie für den Weltfrieden sein.«

»Ich hoffe«, so redet Er die Mitglieder der weißen Rasse an, »ihr werdet bewirken, daß jene unterdrückte Rasse strahlend wird und sich mit der weißen Rasse zusammentut, um der Welt des Menschen mit äußerster Aufrichtigkeit, Treue, Liebe und Reinheit zu dienen. Dieser Widerstand, diese Feindschaft und dieses Vorurteil zwischen der weißen und farbigen Rasse können durch nichts ausgelöscht werden als durch den Glauben, die Gewißheit und die Lehren der Gesegneten Schönheit.«

»Diese Frage der Vereinigung der Weißen und Schwarzen ist sehr wichtig«, so warnt Er, »denn wenn sie nicht klar erkannt wird, werden sich binnen kurzem große Schwierigkeiten erheben, die schmerzliche Folgen nach sich ziehen.«

»Wenn auf diesem Gebiet eine Änderung nicht eintritt«, lautet eine weitere Warnung, »wird die Feindschaft täglich anwachsen, und das Ergebnis wird schließlich große Not sein und leicht in Blutvergießen enden.«

KGG +10:7 #65

Von beiden Rassen ist eine ungeheure Anstrengung erforderlich, wenn ihre Anschauung, ihr Benehmen und ihr Verhalten in diesem dunklen Zeitalter den Geist und die Lehren des Glaubens Bahá'u'lláhs widerspiegeln sollen, indem sie ein für allemal die irreführende Lehre rassischer Überlegenheit mit all den sie begleitenden Übeln, der Verwirrung und dem Elend aufgeben, die Vermischung der Rassen begrüßen und bejahen und die Schranken, die sie jetzt trennen, niederreißen, sollte jede von ihnen sich Tag und Nacht bemühen, ihre besondere Verantwortung in der gemeinsamen Aufgabe zu erfüllen, die sich ihnen so eindringlich darbietet. Bei ihren Versuchen, ihren Teil zur Lösung dieses verworrenen Problems beizutragen, sollten sie der Warnungen 'Abdu'l-Bahás eingedenk sein und sich, solange noch Zeit ist, die schrecklichen Folgen vergegenwärtigen, die nicht ausbleiben können, falls dieser herausfordernden, unglücklichen Situation, der das ganze amerikanische Volk gegenübersteht, nicht endgültig abgeholfen wird.

KGG +10:8 #66

Laßt die Weißen äußerste Anstrengungen machen, um ihren Teil zur Lösung dieses Problems beizutragen, das ihnen allgemein eigene und zeitweise unterbewußte Gefühl der Überlegenheit ein für allemal zu überwinden, ihre Neigung, Mitgliedern der anderen Rassen gegenüber eine gönnerhafte Haltung an den Tag zu legen, zu berichtigen, sie durch ihren vertrauten, natürlichen und zwanglosen Umgang mit ihnen von der Echtheit ihrer Freundschaft und der Aufrichtigkeit ihrer Absichten zu überzeugen, und ihre Ungeduld zu meistern gegenüber einem möglichen Mangel an Verständnis von seiten der Menschen, die so lange Zeit hindurch schmerzliche und nur langsam heilende Wunden empfangen haben. Laßt die Neger durch eine entsprechende Anstrengung ihrerseits die Wärme ihrer Erwiderung auf jede in ihren Kräften liegende Weise bezeigen, ihre Bereitschaft, die Vergangenheit zu vergessen, und ihre Fähigkeit, jede Spur eines Argwohns zu löschen, der noch in Herzen oder Sinn geblieben sein mag. Laßt keinen von beiden denken, daß die Lösung eines so umfassenden Problems ausschließlich Sache des anderen sei. Laßt keinen glauben, daß ein solches Problem leicht oder sofort gelöst werden könnte. Laßt keinen denken, daß sie getrost auf die Lösung dieses Problems warten könnten, bis der erste Anstoß gegeben und günstige Voraussetzungen dafür durch Vorgänge geschaffen werden, die außerhalb des Bereichs ihres Glaubens stehen. Laßt keinen annehmen, daß etwas anderes als echte Liebe, größte Geduld, wahre Demut, äußerster Takt, unbedingte Entschlußkraft, reife Weisheit sowie umsichtige, beständige und gebetserfüllte Bemühungen mit Erfolg den Makel beseitigen können, den dieses offenkundige übel auf dem guten Namen ihres gemeinsamen Vaterlandes hinterlassen hat. Laßt sie vielmehr glauben und fest davon überzeugt sein, daß es mehr von ihrem gegenseitigen Verständnis, von ihrer Freundschaft und beständigen Zusammenarbeit als von irgendeiner anderen, außerhalb des Rahmens ihres Glaubens wirkenden Kraft oder Organisation abhängt, von diesem gefährlichen Kurs abzuweichen, den schon 'Abdu'l-Bahá so sehr fürchtete, und daß nur so die Hoffnungen zu verwirklichen sind, die Er für ihren gemeinsamen Beitrag zur Erfüllung der herrlichen Bestimmung dieses Landes hegte,

KGG +11:1 #67
Ihr zweifacher Kreuzzug

Innig geliebte Freunde! Rechtschaffenes Verhalten, das in allen seinen Äußerungen einen offenkundigen Gegensatz bildet zu der Falschheit und Verderbtheit, die das politische Leben der Nation sowie der Parteien und Interessengemeinschaften, aus denen sie besteht, kennzeichnen; Heiligkeit und Tugendhaftigkeit, die der moralischen Lauheit und Zügellosigkeit genau entgegengesetzt sind, welche den Charakter eines nicht unbeträchtlichen Teiles ihrer Bürger beflecken; Verbundenheit zwischen den Rassen, die von dem Fluch rassischen Vorurteils völlig gereinigt ist, das die überwiegende Mehrheit ihrer Einwohner brandmarkt - das sind die Waffen, welche die amerikanischen Gläubigen in ihrem zweifachen Kreuzzug handhaben können und müssen, um zuerst das innere Leben ihrer eigenen Gemeinde zu erneuern und dann die lang währenden übel anzugehen, die das Leben ihres Volkes durchsetzt haben. Diese Waffen zu vervollkommnen und jede einzelne von ihnen klug und wirksam anzuwenden, wird sie - mehr als die Förderung irgendeines besonderen Planes, die Ausarbeitung spezieller Vorhaben oder die Anhäufung irgendwelcher materieller Mittel - auf die Zeit vorbereiten, in der die Hand der Vorsehung sie anweisen wird, mitzuhelfen bei der Schaffung und Einführung jener Weltordnung, die sich nun innerhalb der weltweiten administrativen Einrichtungen ihres Glaubens langsam entwickelt.

KGG +11:2 #68

Beim Durchführen dieses zweifachen Kreuzzuges müssen die tapferen Streiter, die im Namen und für die Sache Bahá'u'lláhs kämpfen, notwendigerweise hartnäckigem Widerstand begegnen und manchen Rückschlag erleiden. Sowohl ihre eigenen Triebe als auch das Wüten der konservativen Kräfte, der Widerstand althergebrachter Interessen und die Einwände einer verderbten und vergnügungssüchtigen Generation müssen in Rechnung gestellt, entschlossen zurückgeschlagen und völlig überwunden werden. In dem Maße, wie ihre Verteidigungsmaßnahmen für den bevorstehenden Kampf organisiert und ausgedehnt werden, werden Stürme der Beleidigung und des Spottes sowie Feldzüge der Verdammung und falschen Darstellung gegen sie ausgelöst werden. Sie werden bald erfahren, wie ihr Glaube angegriffen, ihre Motive mißdeutet, ihre Ziele verleumdet, ihre Bestrebungen verhöhnt, ihre Einrichtungen verlacht, ihr Einfluß geschmälert, ihr Ansehen untergraben und ihre Sache hie und da von einigen verlassen werden, die entweder unfähig sind, ihre Ideale zu würdigen, oder nicht willens, die Wucht der wachsenden Kritik zu ertragen, die solch eine Auseinandersetzung sicherlich mit sich bringt. »Abdu'l-Bahás wegen«, hat der geliebte Meister vorhergesagt, »werdet ihr von manchen Prüfungen heimgesucht werden. Kummer wird euch befallen, und Leiden werden euch betrüben.«

KGG +11:3 #69

Die unbesiegbare Armee Bahá'u'lláhs, die im Westen, einem der möglichen Sturmzentren, in Seinem Namen und um Seinetwillen einen ihrer grimmigsten und ruhmreichsten Kämpfe austragen soll, möge keinerlei Kritik fürchten, die gegen sie gerichtet ist. Keine Verurteilung möge sie abschrecken, mit der die Zunge des Verleumders ihre Beweggründe herabzuwürdigen versuchen möchte. Laßt sie nicht zurückweichen vor dem drohenden Vormarsch der Mächte des Fanatismus, der Orthodoxie, der Bestechlichkeit und des Vorurteils, die sich gegen sie vereinigen mögen. Die Stimme der Kritik ist eine Stimme, die der Verbreitung ihres Glaubens indirekt neue Kraft gibt. Unbeliebtheit dient nur dazu, den Gegensatz zwischen ihr und ihren Gegnern stärker hervorzuheben; während die Ächtung selbst eine magnetische Kraft ist, die allmählich die lärmendsten und hartnäckigsten ihrer Gegner in ihr Lager herüberziehen muß. Selbst in dem Land, in dem die größten Kämpfe um den Glauben ausgefochten wurden und seine wildesten Feinde lebten, hatten der Gang der Ereignisse, das langsame doch stetige Einsickern seiner Ideale und die Erfüllung seiner Prophezeiungen bereits zur Folge, daß nicht nur einige seiner schärfsten Gegner entwaffnet und ihr Charakter gewandelt wurden, sondern auch ihre tiefe und vorbehaltlose Ergebenheit gegenüber seinen Gründern gefestigt wurden. Eine so vollkommene Wandlung und eine so verblüffende Änderung in der Haltung kann nur bewirkt werden, wenn der erwählte Träger, der dazu bestimmt ist, die Botschaft Bahá'u'lláhs den Hungrigen, den Ruhelosen und der hirtenlosen Menge zu bringen, selbst sorgfältig von der Befleckung gesäubert ist, die er zu beseitigen versucht.

KGG +11:4 #70

Deshalb möchte ich euch, innig geliebte Freunde, nicht nur die Dringlichkeit und gebietende Notwendigkeit eurer heiligen Aufgabe einprägen, sondern auch die ihr innewohnenden grenzenlosen Möglichkeiten, sowohl das Leben und Wirken eurer eigenen Gemeinde auf eine so hohe Stufe zu heben als auch die in eurem Volk die Verhältnisse bestimmenden Beweggründe und Maßstäbe. Unbeirrt durch die Ungeheuerlichkeit dieser Aufgabe werdet ihr, dessen bin ich sicher, der Herausforderung dieser Zeit so begegnen, wie es euch geziemt, einer Zeit, die so gefahrdrohend, so beladen mit Verderbtheit und doch so erfüllt ist durch das Versprechen einer lichten Zukunft, daß kein früheres Zeitalter in der Geschichte der Menschheit seiner Herrlichkeit gleichkommt.

KGG +11:5

Innig geliebte Freunde! Ich habe zu Beginn dieser Abhandlung versucht, euch eine Vorstellung von den herrlichen Möglichkeiten und der ungeheuren Verantwortung zu geben, die sich nun als Ergebnis der Verfolgung des weitverbreiteten Glaubens Bahá'u'lláhs vor der Gemeinde der amerikanischen Gläubigen auftun während eines so kritischen Abschnittes innerhalb des Gestaltenden Zeitalters ihres Glaubens und in einer so entscheidenden Epoche der Weltgeschichte. Ich habe mich auch genügend über die Art des Auftrages ausgelassen, für welchen sich diese Gemeinde in nicht allzu ferner Zukunft durch die zwingende Macht der Umstände erheben und ihn ausführen muß. Ich habe die Warnung ausgesprochen, die ich für ein klares Verständnis und für die rechte Erfüllung der vor ihr liegenden Aufgaben für notwendig hielt. Ich habe jene erhabenen und kraftspendenden Tugenden, jene hohen Maßstäbe herausgestellt und betont, so weit es in meiner Kraft lag, welche, wie schwierig sie auch zu erreichen sind, doch die wesentlichen Voraussetzungen für den Erfolg dieser Aufgaben bilden. Ein Wort, so glaube ich, sollte nun aber noch gesagt werden zur materiellen Seite der unmittelbar vor ihnen liegenden Aufgabe, von deren termingerechter Erfüllung nicht nur die Entfaltung der anschließenden Abschnitte im Göttlichen Plan abhängen muß, wie sie von 'Abdu'l-Bahá vorausgesehen wurde, sondern auch die Aneignung der erforderlichen Eigenschaften, um in der Fülle der Zeit den Pflichten und Verantwortungen nachkommen zu können, die durch jenen noch größeren Auftrag verlangt werden, dessen Verwirklichung ihr Vorrecht ist.

KGG +11:6 #71

Der Siebenjahresplan mit seiner zweifachen Ausrichtung auf die Ausschmückung des Tempels und die Ausdehnung der Lehrarbeit, die den nord- und südamerikanischen Kontinent umfaßt, ist nun bereits in das zweite Jahr eingetreten. Er weist für jeden, der seinen Fortschritt in den letzten Monaten verfolgt hat, Merkmale auf, die äußerst ermutigend und für die Erfüllung der Ziele innerhalb der zugemessenen Zeit günstige Vorzeichen sind. Die allumfassenden Maßnahmen, die die Arbeiten an der äußeren Ausschmückung des Tempels erleichtern sollen, sind der Reihe nach zumeist schon ergriffen worden. Endlich begann der letzte Abschnitt, der die siegreiche Vollendung eines dreißigjährigen Unternehmens kennzeichnen soll. Der einleitende Vertrag in Verbindung mit dem ersten und Hauptstockwerk jenes historischen Gebäudes wurde unterzeichnet. Der Fonds, der mit dem geliebten Namen des Größten Heiligen Blattes eng verbunden ist, wurde gegründet. Die ununterbrochene Fortführung bis zur endgültigen Fertigstellung des so lobenswerten Unternehmens ist nun sichergestellt. Die schmerzliche Erinnerung an den Einen, dessen Herz durch die Errichtung des Oberbaues dieses heiligen Hauses so hoch erfreut wurde, wird die letzten für die Vollendung notwendigen Kräfte so anspornen, daß jeder Zweifel zerstreut werden wird, der noch von irgend jemandem gehegt werden mag an der Befähigung seiner Erbauer, ihre Aufgabe würdig zu erfüllen.

KGG +12:1 #72
Die Erfordernisse des Lehrens

Wir müssen nun den Plan in seiner Bedeutung für die Lehrarbeit betrachten. Ihrer Aufgabe ist zu entsprechen, ihre Erfordernisse müssen untersucht, abgewogen und erfüllt werden. So herrlich und unwiderstehlich die Schönheit des Ersten Mashriqu'l-Adhkár des Westens ist, so majestätisch seine Maße sind, so einzigartig seine Architektur ist und so kostbar die Ideale und Bestrebungen sind, für die er ein Sinnbild ist, so sollte er doch gegenwärtig ausschließlich als ein Instrument für eine wirkungsvollere Verbreitung der Sache und die weitere Ausdehnung ihrer Lehren betrachtet werden. In dieser Hinsicht sollte er in demselben Licht gesehen werden wie die administrativen Einrichtungen des Glaubens, die als Träger für die entsprechende Ausbreitung seiner Ideale, seiner Grundsätze und seiner Wahrheiten bestimmt sind.

KGG +12:2 #73

Deshalb muß die Gemeinde der amerikanischen Gläubigen von jetzt an den Lehrerfordernissen des Siebenjahresplanes ihre sorgfältige und ununterbrochene Aufmerksamkeit zuwenden. Die gesamte Gemeinde muß sich wie ein Mann erheben, um ihnen zu entsprechen. Die Sache Gottes zu lehren, ihre Wahrheiten zu verkünden, ihre Interessen zu verteidigen, durch Worte wie durch Taten ihre Unentbehrlichkeit, ihre Wirkungskraft und Universalität darzutun, sollte niemals ausschließlich als Angelegenheit oder einziges Vorrecht der administrativen Bahá'í-Institutionen angesehen werden, seien es Räte oder Ausschüsse. Alle müssen sich beteiligen, wie bescheiden ihre Herkunft auch sein mag, wie begrenzt ihre Erfahrung, wie beschränkt ihre Mittel, wie unzureichend ihre Ausbildung, wie bedrückend ihre Sorgen und ihre Verpflichtungen, wie ungünstig die Umgebung, in der sie leben.

»Gott«, so hat Bahá'u'lláh selbst unmißverständlich geoffenbart, »hat es jedem zur Pflicht gemacht, Seine Sache zu lehren.« Er hat weiter geschrieben: »Sprich: Lehre die Sache Gottes, o Volk Bahás, denn Gott hat jedem von euch die Pflicht auferlegt, Seine Botschaft zu verkünden, und Er betrachtet dies als die verdienstvollste aller Taten.«

KGG +12:3

Eine hohe und bevorzugte Stellung innerhalb der Gemeinde, die ihrem Inhaber möglicherweise gewisse Privilegien und Vorrechte zuteil werden läßt, bekleidet ihn mit einer Verantwortung, der er sich in seiner Pflicht, zu lehren und den Glauben Gottes zu verbreiten, in Ehren nicht entziehen kann. Sie kann manchmal, wenn auch nicht immer, größere Möglichkeiten schaffen und bessere Gelegenheiten bieten, das Wissen über den Glauben zu verbreiten und Förderer seiner Einrichtungen zu gewinnen. Unter keinen Umständen bringt sie jedoch auch notwendigerweise die Macht mit sich, größeren Einfluß auf die Herzen und Gemüter jener auszuüben, denen der Glaube vorgetragen wird. Wie oft - und die frühe Geschichte des Glaubens im Lande seiner Geburt bietet dafür manch eindrucksvolles Beispiel - sind die einfachsten Anhänger des Glaubens, ungeschult und äußerst unerfahren, ohne jeden Rang oder Titel, ja in einigen Fällen bar der Intelligenz, fähig gewesen, Siege für ihre Sache zu erringen, vor denen die hervorragendsten Leistungen der Gelehrten, Weisen und Erfahrenen verblaßten.

KGG +12:4 #74

'Abdu'l-Bahá bezeugt: »Nach der Kirchengeschichte war Petrus ebenfalls nicht imstande, sich die Wochentage zu merken. Wann immer er beschloß, zum Fischfang zu gehen, verschnürte er seine Wochenration in sieben Päckchen und jeden Tag aß er eines davon, und wenn er beim siebten angekommen war, wußte er, daß es Sabbat war, und er konnte ihn dann einhalten.«

Wenn des Menschen Sohn in der Lage war, einem offenbar so rohen und hilflosen Instrument eine solche Kraft einzuflößen, die verursachte, daß, mit den Worten Bahá'u'lláhs, »Geheimnisse der Weisheit und der Äußerung aus seinem Mund hervorströmten«, und er über die übrigen Seiner Jünger erhoben und in den Stand gesetzt wurde, Sein Nachfolger und Begründer Seiner Kirche zu werden, wie viel mehr kann dann der Vater, nämlich Bahá'u'lláh, den geringsten und unbedeutendsten unter Seinen Anhängern ermächtigen, für die Durchführung Seiner Absichten solche Wunder zu vollbringen, die die höchsten Leistungen selbst des ersten Apostels Jesu Christi klein erscheinen lassen.

KGG +12:5 #75

'Abdu'l-Bahá hat weiter geschrieben: »Der Báb sagte: `Sollte es an diesem Tage eine winzige Ameise wünschen, mit solcher Kraft begabt zu werden, daß sie die dunkelsten und verwirrendsten Stellen des Qur'án zu enträtseln vermöchte, so würde ihr Wunsch zweifellos erfüllt werden, weil das Geheimnis der ewigen Macht im innersten Wesen aller erschaffenen Dinge schwingt.` Wenn ein so hilfloses Geschöpf mit einer so hochentwickelten Fähigkeit ausgestattet werden kann, um wieviel wirkungsvoller muß dann die Kraft sein, die durch die freigebige Ausgießung der Gnade Bahá'u'lláhs ausgelöst wird.«

KGG +12:6

Das Feld ist in der Tat so weit, der Zeitpunkt so kritisch, die Sache so groß, der Mitarbeiter so wenige, die Zeit so kurz, das Vorrecht so kostbar, daß kein Anhänger des Glaubens Bahá'u'lláhs, der würdig ist, Seinen Namen zu tragen, es sich leisten kann, auch nur einen Augenblick zu zögern. Jene aus Gott geborene Kraft, unwiderstehlich in ihrer alles hinwegfegenden Macht, unberechenbar in ihrer Wirkungsmöglichkeit, unbestimmbar in ihrem Lauf, geheimnisvoll in ihrer Auswirkung und ehrfurchtgebietend in ihren Offenbarungen - eine Kraft, die, wie der Báb geschrieben hat, »im innersten Wesen aller erschaffenen Dinge schwingt«, und die, gemäß Bahá'u'lláh, durch ihre »Schwingungskraft« »die Welt aus dem Gleichgewicht gebracht und ihr geordnetes Leben gänzlich umgestaltet hat« -, eine solche Kraft zerschneidet vor unseren Augen wie ein zweischneidiges Schwert einerseits die alten Bande, die das Gefüge der zivilisierten Welt jahrhundertelang zusammengehalten haben, und löst andererseits die Fesseln, die dem jungen und noch unmündigen Glauben Bahá'u'lláhs heute noch angelegt sind. Die unvorstellbaren Gelegenheiten, die durch das Wirken dieser Kraft geboten werden - sie müssen von den amerikanischen Gläubigen, die sich jetzt aufzumachen haben, voll und mutig ausgenutzt werden. 'Abdu'l-Bahá schreibt: »Die heiligen Wesen der himmlischen Heerscharen im Höchsten Paradiese sehnen sich an diesem Tage danach, in diese Welt zurückzukehren, damit ihnen vergönnt werde, an der Schwelle der Abhá-Schönheit zu dienen und den Dienst an Seiner heiligen Schwelle anzutreten.«

KGG +12:7 #76

Im langsam verlöschenden Licht der Religion versinkt die Welt mehr und mehr in Finsternis; sie ist zum Bersten erfüllt mit dem Sprengstoff eines blinden und triumphierenden Nationalismus, versengt von den Feuern erbarmungsloser Verfolgung rassischer oder religiöser Art, irregeführt durch falsche Lehrmeinungen und Lehrsätze, welche die Anbetung Gottes und die Heilighaltung Seiner Gesetze zu verdrängen drohen, geschwächt durch einen zügellosen und widerwärtigen Materialismus, in Auflösung begriffen durch den zerstörenden Einfluß moralischen und geistigen Zerfalls und verfangen im Netz wirtschaftlicher Gesetzlosigkeit und Haders - einen solchen Anblick bietet die Welt heute dem Auge des Menschen als Ergebnis der alles hinwegfegenden Veränderungen, welche diese umwälzende Kraft - wiewohl noch im Anfangsstadium ihres Wirkens stehend - im Leben des gesamten Planeten hervorruft.

KGG +12:8 #77

Mag auch ein so trauriges und ergreifendes Schauspiel jeden Beobachter verwirren, der sich der Absichten, Voraussagen und Verheißungen Bahá'u'lláhs nicht bewußt ist, so ist es doch weit davon entfernt, die Herzen Seiner Nachfolger in Schrecken zu versetzen oder ihr Bemühen zu lähmen; es wird vielmehr ihren Glauben vertiefen und ihren begeisterten Eifer anfachen, sich zu erheben und auf dem weiten, von der Feder 'Abdu'l-Bahás für sie vorgezeichneten Feld ihre Fähigkeiten zu entfalten, um im weltweiten, von Bahá'u'lláh verkündeten Erlösungswerk ihre Rolle zu spielen. Jedes Rädchen im administrativen Getriebe, das sie im Laufe mehrerer Jahre so mühevoll geschaffen haben, muß voll eingesetzt und dem ihm bestimmten Zweck untergeordnet werden. Der Tempel, die stolze Verkörperung eines so unvergleichlichen Geistes der Selbstaufopferung, muß ebenfalls genutzt werden und seinen Teil beitragen in dem Lehrfeldzug, der dazu bestimmt ist, die ganze westliche Hemisphäre zu umfassen.

KGG +12:9

Die Gelegenheiten, die der Aufruhr des jetzigen Zeitalters bietet, mit all den Sorgen, die er hervorruft, den Ängsten, die er erzeugt, den Enttäuschungen, die er mit sich bringt, den Verwirrungen, die er anstiftet, der Empörung, die er erregt, dem Aufruhr, den er schafft, den Leiden, die er verursacht, und dem Geist ruhelosen Suchens, den er erweckt, müssen in gleicher Weise ausgenützt werden, um das Wissen um die erlösende Macht des Glaubens Bahá'u'lláhs nah und fern zu verbreiten und frische Streitkräfte für das ständig wachsende Heer Seiner Gefolgschaft zu gewinnen. Eine so kostbare Gelegenheit, ein so seltenes Zusammentreffen günstiger Umstände mag sich nie mehr wieder bieten. Nun ist die Zeit gekommen, die festgesetzte Zeit für die amerikanischen Gläubigen, die Vorhut der Heerscharen des Größten Namens, durch die Einrichtungen und Kanäle einer eigens dafür bestimmten administrativen Ordnung ihre Fähigkeit und ihre Bereitschaft zu verkünden, eine gefallene und schwer geprüfte Generation zu erretten, die sich gegen ihren Gott aufgelehnt und Seine Warnungen nicht beachtet hat, und ihr jene vollkommene Sicherheit anzubieten, die nur das Bollwerk ihres Glaubens verschaffen kann.

KGG +12:10 #78

Bedeutung und Dringlichkeit des Lehrfeldzuges, der in allen Staaten der nordamerikanischen Republik und im Dominion von Kanada eingeleitet worden ist, können daher nicht überschätzt werden. Die durch den Willen 'Abdu'l-Bahás ausgelösten schöpferischen Energien haben ihn in Gang gesetzt, und mit Hilfe der von ihm selbst hervorgerufenen Kräfte fliegt er dahin durch die westliche Hemisphäre; er muß nun - das fühle ich - in Übereinstimmung mit bestimmten Richtlinien ausgeführt werden, die dazu dienen, seinen wirksamen Vollzug zu sichern und das Erreichen seiner Ziele zu beschleunigen.

KGG +12:11 #79

Diejenigen, die an einem solchen Feldzug teilnehmen, ob in organisatorischer Eigenschaft oder als Vollzugsorgane, denen die Ausführung der Aufgabe selbst übertragen ist, müssen sich als wesentliche Voraussetzung für die Erfüllung ihrer Pflichten mit den verschiedenartigen Aspekten der Geschichte und Lehren ihres Glaubens gründlich vertraut machen. In ihrem Bemühen, dieses Ziel zu erreichen, müssen sie die Literatur ihres Glaubens gewissenhaft und äußerst sorgfältig für sich selbst studieren, seine Lehren ergründen, seine Gesetze und Prinzipien in sich aufnehmen, seine Ermahnungen, Grundsätze und Absichten erwägen, einige seiner Anweisungen und Gebete auswendig lernen, das Wichtigste seiner Verwaltungsordnung beherrschen und über seine laufenden Angelegenheiten und die letzten Entwicklungen unterrichtet sein. Sie müssen danach streben, sich aus maßgeblichen und unvoreingenommenen Quellen ein sicheres Wissen über die Geschichte und die Grundsätze des Islám zu erwerben - des Ursprunges und Hintergrundes ihres Glaubens - und ehrfurchtsvoll und mit einer von allen vorgefaßten Meinungen befreiten Vorstellung sich dem Studium des Qur'án nähern, der neben den Heiligen Schriften der Bábí- und Bahá'í-Offenbarungen das einzige Buch ist, das als ein unbedingt echter Verwahrungsort des Wortes Gottes angesehen werden kann. Sie müssen der Erforschung jener Verordnungen und Verhältnisse besondere Aufmerksamkeit widmen, die mit dem Ursprung und der Geburt ihres Glaubens, der Stufe seines Vorläufers und den von seinem Begründer geoffenbarten Gesetzen verbunden sind.

KGG +12:12 #80

Nachdem sie sich diese Voraussetzungen für den Erfolg auf dem Lehrgebiet im wesentlichen zu eigen gemacht haben, müssen sie, wenn immer sie beabsichtigen, einen besonderen Auftrag in den Ländern Lateinamerikas durchzuführen, sich soweit wie möglich bemühen, gewisse Kenntnisse jener Sprachen zu erwerben, die von den Einwohnern dieser Länder gesprochen werden, und sich einen Überblick über ihre Sitten, Gebräuche und Anschauungen verschaffen.

»Die Lehrer, die in jene Gebiete gehen« hat 'Abdu'l-Bahá in einem der Tablets des Göttlichen Planes mit Bezug auf die zentralamerikanischen Republiken geschrieben, »müssen auch mit der spanischen Sprache vertraut sein.«

»Eine Gruppe, die deren Sprachen spricht ... «, hat Er in einem anderen Tablet geschrieben, »muß sich den drei großen Inselgruppen im Stillen Ozean zuwenden und sie durchreisen.«

»Die Lehrer, die in verschiedenen Richtungen reisen«, sagt Er weiter, »müssen die Sprache des Landes kennen, das sie besuchen. Eine Person, zum Beispiel, die in der japanischen Sprache bewandert ist, mag nach Japan reisen, oder eine Person, die die chinesische Sprache beherrscht, mag nach China eilen und so fort.«

KGG +12:13 #81

Kein Teilnehmer an diesem interamerikanischen Lehrfeldzug darf annehmen, die Initiative für irgendeine besondere Tätigkeit in Verbindung mit dieser Arbeit liege ausschließlich bei jenen Einrichtungen, ob Rat oder Ausschuß, deren besonderes Anliegen es ist, die Erreichung der lebenswichtigen Ziele des Siebenjahresplanes zu fördern und zu erleichtern. Es ist die verbindliche Pflicht jedes amerikanischen Gläubigen, als dem gewissenhaften Treuhänder von 'Abdu'l-Bahás Göttlichem Plan, jede Tätigkeit innerhalb der von den administrativen Grundsätzen des Glaubens festgelegten Grenzen zu beginnen, zu fördern und zu festigen, die er oder sie für die Unterstützung des Plans für angemessen erachtet. Weder die drohende Weltlage noch irgendeine Rücksichtnahme auf den Mangel an materiellen Hilfsquellen, an geistigem Rüstzeug, Kenntnissen oder Erfahrungen - so wünschenswert sie auch sind - sollte irgendeinen zukünftigen Pionierlehrer davon abhalten, sich unabhängig aufzumachen und jene Kräfte in Bewegung zu setzen, die, so versichert uns 'Abdu'l-Bahá wiederholt, einmal ausgelöst, wie ein Magnet die verheißene und unfehlbare Hilfe Bahá'u'lláhs anziehen werden. Laßt ihn nicht auf irgendwelche Anweisungen warten oder irgendeine besondere Ermutigung von seiten der gewählten Vertreter seiner Gemeinde erwarten, noch sollte er durch die Hindernisse abgeschreckt werden, die seine Verwandten oder Mitbürger geneigt sein mögen, ihm in den Weg zu legen, noch sollte er den Tadel seiner Kritiker oder Feinde beachten.

»Sei so unbeschwert wie der Wind«, ist der Rat Bahá'u'lláhs an alle zukünftigen Lehrer Seiner Sache, »wenn du die Botschaft Dessen weiterträgst, Der die Morgendämmerung göttlicher Führung anbrechen ließ. Sieh, wie der Wind, der Anordnung Gottes getreu, über alle Gegenden der Erde, die bewohnten und die unbewohnten, hinweht. Weder der Anblick der Einöde noch die Zeugnisse des Gedeihens können ihn beängstigen oder erfreuen. Er weht in jeder Richtung, wie ihm sein Schöpfer gebot.«

»Und wenn er beschließt, sein Heim um der Sache seines Herrn willen zu verlassen«, hat Bahá'u'lláh an anderer Stelle mit Bezug auf einen solchen Lehrer geoffenbart, »möge er sein ganzes Vertrauen auf Gott setzen als beste Wegzehrung für seine Reise und sich mit dem Gewande der Tugend bekleiden ... Wenn er vom Feuer Seiner Liebe entzündet ist, wenn er auf alle erschaffenen Dinge verzichtet, werden die Worte, die er äußert, diejenigen entflammen, die ihn hören.«

KGG +12:14 #82

Wenn er sich aus eigenem Antrieb entschlossen hat, dem Lehraufruf zu folgen, unverzagt vor allen Hindernissen, mit denen Freund oder Feind, wissentlich oder unwissentlich, den Pfad versperren wollen, dann soll er sorgfältig jeden Weg der Annäherung überdenken, den er bei seinen persönlichen Versuchen beschreiten möchte, um bei jenen, die er in die Schar seines Glaubens einreihen möchte, Aufmerksamkeit zu erwecken, das Interesse wachzuhalten und ihren Glauben zu vertiefen. Er soll die Möglichkeiten überprüfen, welche ihm die besonderen Umstände bieten, in denen er lebt, ihre Vorteile auswerten und klug und systematisch vorgehen, um sie für das Erreichen des Zieles, das er im Auge hat, einzusetzen. Laßt ihn auch solche Methoden verfolgen, wie die Verbindung mit Klubs, Ausstellungen und Vereinen, Vorträge über Themen, die mit den Lehren und Idealen seiner Sache verwandt sind, z.B. Enthaltsamkeit, Sittlichkeit, soziale Fürsorge, religiöse und rassische Duldsamkeit, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Islám und Vergleichende Religionswissenschaft oder Teilnahme an sozialen, kulturellen, humanitären, fürsorgerischen und erzieherischen Organisationen und Vorhaben, die ihm, während er sich seinen Glauben unangetastet bewahrt, eine Vielzahl von Wegen und Mitteln eröffnen, durch die er nacheinander die Sympathie, die Unterstützung und zuletzt die Zugehörigkeit derer gewinnen kann, mit denen er in Berührung kommt. Während er solche Verbindungen knüpft, soll er stets die Forderungen seines Glaubens im Auge behalten, nämlich, seine Würde und seinen Rang zu bewahren, die Unverletzlichkeit seiner Gesetze und Prinzipien zu sichern, seine umfassende Natur und Weltweitheit darzustellen und seine vielfältigen und lebensnotwendigen Interessen furchtlos zu verteidigen. Er möge das Maß der Aufnahmefähigkeit seiner Zuhörer beachten und für sich entscheiden, ob die direkte oder die indirekte Lehrmethode vorzuziehen ist, durch die er dem Sucher die lebenswichtige Bedeutung der Göttlichen Botschaft einprägen und ihn dafür gewinnen kann, sein Schicksal mit denjenigen zu verbinden, die sie bereits angenommen haben. Er soll sich an das von 'Abdu'l-Bahá gegebene Beispiel erinnern und an Seine beständige Ermahnung, dem Sucher mit solcher Freundlichkeit entgegenzukommen und den Geist der Lehren, die er ihm vermitteln möchte, in solch einem Maße vorzuleben, daß der Empfänger aus eigenem Antrieb veranlaßt wird, sich der Sache anzuschließen, die solche Lehren verkörpert. Anfangs möge er davon absehen, auf solchen Gesetzen und Anordnungen zu bestehen, die eine zu starke Belastung für des Suchers neu erwachten Glauben bedeuten würden, sondern sich bemühen, ihn geduldig, taktvoll und doch entschieden der Reife zuzuführen und ihm helfen, seine unbeschränkte Annahme dessen, was immer von Bahá'u'lláh verordnet wurde, zu erklären. Sobald er diese Stufe erreicht hat, soll er ihn in die Gemeinschaft seiner Mitgläubigen einführen; er möge ihn ständig betreuen und ihn tätig an den Gemeindeangelegenheiten teilhaben lassen, um ihn zu befähigen, seinen Teil zur Bereicherung ihres Lebens, der Förderung ihrer Aufgaben, der Festigung ihrer Interessen und der Abstimmung ihrer Tätigkeiten mit denen ihrer Schwestergemeinden beizutragen. Laßt ihn nicht zufrieden sein, ehe er seinem geistigen Kinde eine so tiefe Sehnsucht eingepflanzt hat, daß sie dieses zwingt, sich seinerseits selbständig zu erheben und seine Tatkraft der Belebung anderer Seelen zu widmen sowie sich zu den Gesetzen und Prinzipien zu bekennen, wie sie in seinem neu erwählten Glauben niedergelegt sind.

KGG +12:15 #84

Jeder Teilnehmer an diesem kontinentalen Feldzug, der von den amerikanischen Gläubigen begonnen wurde, und besonders diejenigen, die als Pioniere in unerschlossene Gebiete gehen, sollten nie die Notwendigkeit vergessen, in enger und beständiger Verbindung mit jenen verantwortlichen Einrichtungen zu bleiben, die dazu bestimmt sind, die Lehrarbeit der gesamten Gemeinde zu leiten, zu fördern und aufeinander abzustimmen. Sei es die Körperschaft ihrer gewählten nationalen Vertreter oder dessen Haupthilfseinrichtung, der Nationale Lehrausschuß, oder dessen untergeordnete Organe, die regionalen Lehrausschüsse oder die örtlichen Geistigen Räte und ihre jeweiligen Lehrausschüsse - sie, die für die Verbreitung der Sache Bahá'u'lláhs arbeiten, sollten durch ständigen Austausch ihrer Gedanken, durch Briefe, Rundschreiben, Berichte, Mitteilungen und andere Nachrichtenmittel mit diesen für die Verbreitung des Glaubens geschaffenen Werkzeugen den reibungslosen und schnellen Lauf des Lehrmechanismus ihrer Verwaltungsordnung sicherstellen. Verwirrung, Verzögerung, Überschneidung der Anstrengungen und Vergeudung von Energie werden dadurch gänzlich vermieden, und die mächtige Flut der Gnade Bahá'u'lláhs, die in überreichem Maße und ohne die geringste Hemmung durch diese wichtigen Kanäle fließt, wird die Herzen und Seelen der Menschen so überfluten, daß sie befähigt werden, die von 'Abdu'l-Bahá wiederholt vorausgesagte Ernte hervorzubringen.

KGG +12:16 #85

Auf jedem Teilnehmer an diesem gemeinsamen Bemühen, wie es in der Geschichte der amerikanischen Bahá'í-Gemeinde noch nie dagewesen ist, ruht die geistige Verpflichtung, den für alle so lebenswichtigen und verbindlichen Lehrauftrag zum alles durchdringenden Anliegen ihres Daseins zu machen. Bei seiner täglichen Arbeit und in seinem täglichen Umgang, auf jeder seiner Reisen aus Geschäfts- oder anderen Gründen, im Urlaub und auf Ausflügen und bei jedem Auftrag, den auszuführen ihm aufgetragen wird, sollte jeder Träger der Botschaft Bahá'u'lláhs es nicht nur als eine Pflicht, sondern als ein Vorrecht ansehen, die Saat Seines Glaubens weit und breit auszustreuen. Er sollte Befriedigung in dem bleibenden Wissen finden, daß, was immer das unmittelbare Echo auf jene Botschaft ist und wie unzulänglich der Träger, der sie weitergibt, auch sei, die Macht ihres Urhebers jene Saaten befähigen wird zu keimen, wie Er es für angemessen erachtet, und unter Umständen, die keiner vorhersehen kann, die Ernte zu bereichern, die die Arbeit Seiner Anhänger einbringen wird. Wenn er Mitglied eines Geistigen Rates ist, laßt ihn seinen Rat ermutigen, bei jeder seiner Sitzungen einen bestimmten Teil der Zeit der ernsten und von Gebeten getragenen Erwägung solcher Wege und Mittel zu widmen, die den Lehrfeldzug fördern oder verfügbare Hilfsquellen, gleich welcher Art, für seinen Fortschritt, seine Ausdehnung und Festigung erschließen können. Wenn er seiner Sommerschule beiwohnt - und jedem ohne Ausnahme wird dringend nahegelegt, Nutzen aus der Teilnahme zu ziehen - soll er eine solche Möglichkeit als willkommene und kostbare Gelegenheit betrachten, durch Vorträge, Studium und Diskussion sein Wissen von den Grundlagen seines Glaubens so zu bereichern, daß er imstande ist, mit größerer Sicherheit und Wirksamkeit die Botschaft zu übermitteln, die seiner Obhut anvertraut wurde. Er soll, wann immer durchführbar, danach trachten, durch Besuche zwischen den Gemeinden den Eifer für die Lehrarbeit anzuregen und Außenstehenden so die Zielstrebigkeit und Einsatzbereitschaft der Förderer seines Glaubens und die organische Einheit seiner Einrichtungen darzutun.

KGG +12:17 #86

Von den Teilnehmern an diesem alle Rassen, alle Länder, Klassen und Glaubensrichtungen der gesamten westlichen Hemisphäre umfassenden Kreuzzug möge jeder, der den Drang dazu spürt, sich erheben und, wenn es die Umstände erlauben, die Aufmerksamkeit im besonderen darauf richten, die uneingeschränkte Zugehörigkeit der Neger, Indianer, Eskimos und Juden zu seinem Glauben zu erreichen. Keine lobenswertere und verdienstvollere Tat kann gerade jetzt für die Sache Gottes vollbracht werden als der Erfolg bei den Bemühungen, die amerikanische Bahá'í-Gemeinde durch die Gewinnung von Angehörigen dieser Rassen zu größerer Vielfalt in ihrer Zusammensetzung zu führen. Diese äußerst verschiedenen Elemente der Menschheit harmonisch zu verbinden im Gewebe einer alle umfassenden Bahá'í-Bruderschaft und im dynamischen Fortschritt der von Gott eingesetzten Verwaltungsordnung einander anzugleichen, wobei jedes seinen Teil zur Bereicherung und zum Ruhm des Bahá'í-Lebens beiträgt, ist wahrlich eine Tat, bei deren Vorstellung sich das Herz eines jeden Bahá'í erwärmt und höher schlägt.

KGG #87

»Betrachtet die Blumen eines Gartens«, hat 'Abdu'l-Bahá geschrieben, »obwohl sie sich in Art, Farbe, Form und Aussehen unterscheiden, so erhöht diese Verschiedenheit doch, da sie von den Wassern eines Brunnquells erfrischt, vom Atem eines Windes belebt und von den Strahlen einer Sonne gestärkt werden, ihren Zauber und bereichert ihre Schönheit. Wie wenig würde es dem Auge gefallen, wenn alle Blumen und Pflanzen, die Blätter und Blüten, die Früchte, die Zweige und die Bäume jenes Gartens vom selben Aussehen und der gleichen Farbe wären! Die Vielfältigkeit der Farbtöne, der Form und des Aussehens bereichert und schmückt den Garten und erhöht seine Wirkung. In gleicher Weise werden, wenn verschiedene Gedankenrichtungen, Temperamente und Charaktere unter der Macht und dem Einfluß eines Zentralorgans zusammengeführt werden, die Schönheit und Herrlichkeit der menschlichen Vollkommenheit geoffenbart und sichtbar gemacht. Nichts als die himmlische Kraft des Wortes Gottes, das die Wirklichkeit aller Dinge regiert und durchdringt, ist fähig, die voneinander abweichenden Gedanken, Gefühle, Ideen und Überzeugungen der Menschenkinder in Einklang zu bringen.«

»Ich hoffe«, ist der von 'Abdu'l-Bahá geäußerte Wunsch, »daß ihr die Ursache werdet, daß diese unterdrückte (schwarze) Rasse ruhmreich wird und sich mit der weißen Rasse verbindet, um der Menschenwelt mit äußerster Aufrichtigkeit, Treue, Liebe und Reinheit zu dienen.«

KGG #88

»Eine der wichtigen Fragen«, hat Er ebenfalls niedergeschrieben, »welche die Einheit und den Zusammenschluß der Menschheit beeinflussen, ist die Kameradschaft und die Gleichberechtigung der weißen und farbigen Rassen.«

»Ihr müßt den Indianern, den Ureinwohnern Amerikas, große Bedeutung beimessen«, schreibt 'Abdu'l-Bahá in den Tablets des Göttlichen Planes, »denn diese Seelen können mit den alten Einwohnern der arabischen Halbinsel verglichen werden, die vor der Offenbarung Muhammads gleich Wilden waren. Als das Licht Muhammads in ihrer Mitte erstrahlte, wurden sie so entflammt, daß ihr Leuchten die ganze Welt überstrahlte. Sollten diese Indianer erzogen und richtig geführt werden, so besteht kein Zweifel, daß sie in gleicher Weise durch die Göttlichen Lehren so erleuchtet werden, daß die ganze Erde erhellt wird.«

»Wenn es möglich ist«, schreibt 'Abdu'l-Bahá weiter, »so sendet Lehrer in andere Gegenden Kanadas; schickt auch Lehrer nach Grönland und zu den Siedlungen der Eskimos.«

»So Gott will«, hat Er wieder in jenen gleichen Tablets geschrieben, »wird der Ruf des Königreiches die Ohren der Eskimos erreichen ... Solltet ihr eure Kräfte entfalten, so daß die Düfte Gottes unter den Eskimos verbreitet werden, wird dessen Wirkung sehr groß und weitreichend sein.«

»Preis sei Gott!« Schreibt 'Abdu'l-Bahá. »Was immer in den Gesegneten Tablets für die Israeliten angekündigt wurde und alle in den Briefen 'Abdu'l-Bahás ausdrücklich niedergelegten Dinge erfüllen sich. Mit einigen ist dies schon geschehen; andere werden in der Zukunft offenbar. Die Altehrwürdige Schönheit hat in ihren heiligen Tablets ausdrücklich geschrieben, daß der Tag ihrer Demütigung vorüber ist. Seine Gnade wirft ihren Schatten über sie, und diese Rasse wird Tag für Tag Fortschritte machen und aus ihrer jahrhundertelangen Erniedrigung und Herabwürdigung befreit werden.«

KGG +12:18 #89

Laßt diejenigen, die ein administratives Amt in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates oder der nationalen, regionalen oder örtlichen Lehrausschüsse einnehmen, sich ständig die lebenswichtige und dringende Notwendigkeit vor Augen halten, in der kürzest möglichen Zeit die Bildung von Gruppen in den wenigen verbleibenden Staaten der nordamerikanischen Republik und in den Provinzen des Dominions von Kanada sicherzustellen, so klein und unscheinbar sie auch sein mögen. Sie müssen jedes in ihrer Macht liegende Hilfsmittel einsetzen, um diese neu entstandenen Kristallisationspunkte zu befähigen, sich schnell und auf gesunden Grundlagen zu richtig funktionierenden, selbständigen und eingetragenen Räten zu entwickeln. Der Schaffung solcher Grundlagen und der Bildung solcher Außenposten - eine Arbeit, die anerkannterweise sehr schwierig, doch dringend notwendig und höchst begeisternd ist - müssen die einzelnen Mitglieder der amerikanischen Bahá'í-Gemeinde ihre uneingeschränkte, ständige und freudige Unterstützung zuteil werden lassen. So weise die Maßnahmen auch sein mögen, welche ihre gewählten Vertreter ausarbeiten, wie praktisch und wohldurchdacht die von ihnen aufgestellten Pläne, so können doch solche Maßnahmen und Entwürfe niemals zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen, wenn nicht eine genügende Anzahl von Pionieren sich entschlossen hat, die notwendigen Opfer zu bringen, und sich bereit findet, diese Vorhaben in die Tat umzusetzen.

KGG #90

Das Banner Bahá'u'lláhs ein für allemal im Herzen dieser unerschlossenen Gebiete aufzupflanzen, die organische Grundlage Seiner Verwaltungsordnung in ihren Städten und Dörfern zu errichten und einen festen und immerwährenden Ankergrund für ihre Einrichtungen im Geist und Herzen ihrer Einwohner zu schaffen, das alles bildet, wie ich fest glaube, den ersten und bedeutungsvollsten Schritt in den aufeinanderfolgenden Stadien, die der unter dem Siebenjahresplan begonnene Lehrfeldzug durchschreiten muß. Während die äußere Ausschmückung des Mashriqu'l-Adhkár unter diesem Plan nun in ihre Endstufe eingetreten ist, steckt der Lehrfeldzug noch in seinem Anfangsstadium und ist weit entfernt davon, seine Ausläufer wirksam in diese unerschlossenen Gebiete ausgeschickt zu haben oder in jene Republiken, die auf dem südamerikanischen Kontinent liegen. Die erforderliche Anstrengung ist ungeheuer groß, die Bedingungen, unter denen diese Anfangsgründe gelegt werden müssen, oft wenig anziehend und unvorteilhaft, die Mitarbeiter, die in der Lage sind, solche Aufgaben zu übernehmen, gering an der Zahl, und die Hilfsquellen, über die sie verfügen, schwach und unzureichend.

KGG #91

Und doch, wie oft hat uns die Feder Bahá'u'lláhs versichert, »sollte ein Mensch sich ganz allein im Namen Bahás erheben und die Rüstung Seiner Liebe anlegen, so wird ihn der Allmächtige siegreich machen, und sollten auch die Mächte der Erde und des Himmels gegen ihn antreten.«

Hat Er nicht geschrieben: »Bei Gott, außer Dem es keinen anderen Gott gibt! Sollte sich irgend jemand für den Sieg Unserer Sache erheben, so wird ihn Gott siegreich machen, und sollten sich gleich Zehntausende von Feinden gegen ihn verbünden. Und sollte seine Liebe zu Mir erstarken, so wird Gott seinen bestimmenden Einfluß auf alle Mächte der Erde und des Himmels begründen.«

»Betrachtet die Arbeit früherer Generationen«, hat 'Abdu'l-Bahá geschrieben, »während der Lebenszeit Jesu Christi waren es nur wenige und gezählte gläubige und feste Seelen, aber der himmlische Segen ergoß sich in so reichem Maße, daß in einer Reihe von Jahren unzählige Seelen unter den Schatten des Evangeliums traten. Gott hat im Qur'án gesagt: `Ein Korn wird sieben Garben hervorbringen, und jede Garbe wird hundert Körner enthalten.` In anderen Worten, aus einem Korn werden siebenhundert werden; und wenn es Gottes Wille ist, wird Er diese nochmals verdoppeln. Es hat sich oft ereignet, daß eine begnadete Seele zur Ursache der Führung für ein ganzes Volk wurde. Wir dürfen nun nicht unsere Fähigkeiten und unsere Leistungskraft betrachten, nein, vielmehr müssen wir unseren Blick in diesen Tagen auf die Gunst und Gnade Gottes richten, der aus dem Tropfen ein Meer und aus dem Atom eine Sonne gemacht hat.«

Die entschlossen sind, als erste das Banner einer solchen Sache unter solchen Bedingungen und in solchen Gebieten zu hissen, deren Seelen mögen von der stärkenden Kraft dieser Worte zehren und, - indem sie »die Rüstung Seiner Liebe anlegen«, einer Liebe, die »erstarken« muß, während sie in ihrer einsamen Aufgabe ausharren -, sich erheben, um mit dem Bericht von ihren Taten die strahlendsten Seiten zu schmücken, die je in der geistigen Geschichte ihres Landes geschrieben wurden.

KGG +12:19 #92

In den Tablets des Göttlichen Planes hat 'Abdu'l-Bahá geschrieben: »Preis sei Gott! Obgleich in den meisten Staaten und Städten der Vereinigten Staaten Seine Düfte verbreitet sind und ungezählte Seelen ihr Angesicht dem Königreich Gottes zukehren und sich ihm nähern, so ist doch in einigen Staaten das Banner der Einheit noch nicht so errichtet, wie es sein sollte, noch wurden die Geheimnisse der Heiligen Bücher, wie der Bibel, des Evangeliums und des Qur'án, entschleiert. Durch die gemeinsamen Bemühungen aller Freunde müssen das Banner der Einheit in jenen Staaten unbedingt entfaltet und die Göttlichen Lehren gefördert werden, damit diese Staaten ebenfalls ihren Anteil an den himmlischen Gaben erhalten mögen und an der Größten Führung teilhaben.« In einem anderen Tablet des Göttlichen Planes hat Er versichert: »Das Dominion von Kanada hat eine sehr große Zukunft, und die damit verbundenen Ereignisse sind unendlich herrlich. Das Auge der liebenden Güte Gottes ist darauf gerichtet, und in ihm wird die Gunst des Allherrlichen offenbar werden.« »Noch einmal wiederhole ich«, so bestätigt Er Seine vorhergehende Aussage in demselben Tablet, »daß die Zukunft Kanadas, sei es in materieller oder geistiger Hinsicht, sehr groß ist.«

KGG +13:1 #93
Die Erweckung Lateinamerikas

Sobald dieser erste Schritt getan ist, der die Bildung mindestens eines Kernes in jedem dieser noch unerschlossenen Staaten und Provinzen des nordamerikanischen Kontinents mit sich bringt, muß das Getriebe für eine gewaltige Steigerung der zusammengefaßten Bemühungen aller Bahá'í in Bewegung gesetzt werden, deren Ziel sein sollte, die edlen Bestrebungen zu verstärken, die jetzt nur einige wenige einzelne Gläubige aufwenden, um die Völker Lateinamerikas für den Ruf Bahá'u'lláhs zu erwecken. Bevor dieser zweite Abschnitt des Lehrfeldzuges im Siebenjahresplan nicht eingeleitet worden ist, kann dieser nicht als eigentlich begonnen oder der Plan selbst als in seinem entscheidenden Entwicklungsstadium angelangt angesehen werden. So mächtig werden die Ausgießungen göttlicher Gnade auf die tapfere Gemeinde sein, die bereits im Bereich der Administration ihr Hauptgebäude in der ganzen Herrlichkeit seiner äußeren Zierde errichtet und im Bereich des Lehrens in jedem Staat und in jeder Provinz des nordamerikanischen Kontinents das Banner des Glaubens gehißt hat - so groß werden diese Ausgießungen sein, daß sich die Mitglieder dieser Gemeinde überwältigt finden werden durch die Beweise ihrer neubelebenden Kraft.

KGG +13:2

Der interamerikanische Ausschuß muß in einem solchen Stadium - nein, sogar schon vorher - sich der Stunde gewachsen zeigen und eine Stärke, eine Hingabe und einen Unternehmungsgeist an den Tag legen, die den Verantwortungen, die er auf sich genommen hat, angemessen sind. Es sollte keinen Augenblick vergessen werden, daß Mittel- und Südamerika nicht weniger als zwanzig unabhängige Nationen umfassen, die annähernd ein Drittel der Gesamtzahl der selbständigen Staaten auf der Welt ausmachen, und die dazu bestimmt sind, einen immer wichtigeren Anteil an der Gestaltung des zukünftigen Weltschicksals zu haben. Indem die Welt zu enger nachbarlicher Gemeinschaft zusammenschrumpft und die Geschicke der Rassen, Nationen und Völker unentwirrbar miteinander verwoben werden, verschwindet die Entlegenheit dieser Staaten der westlichen Hemisphäre, und es werden die verborgenen Möglichkeiten in jedem von ihnen immer deutlicher sichtbar.

KGG +13:3 #94

Wenn innerhalb des Siebenjahresplanes dieser zweite Abschnitt in der fortschreitenden Entfaltung der Tätigkeit und der Unternehmungen im Lehren erreicht ist und das zur Verfolgung dieses Planes benötigte Getriebe zu arbeiten beginnt, müssen die amerikanischen Gläubigen, die beherzten Pioniere dieser mächtigen Bewegung, geführt von dem unfehlbaren Licht Bahá'u'lláhs und in strenger Übereinstimmung mit dem von 'Abdu'l-Bahá angelegten Plan, unter der Leitung ihres Nationalen Geistigen Rates handelnd und der Hilfe des interamerikanischen Ausschusses gewiß, einen Angriff gegen die Mächte der Finsternis, Entartung und Unwissenheit unternehmen. Dieser Angriff muß bis zum äußersten Ende des südlichen Kontinentes vorgetragen werden und in seinen Bereich jede der darin liegenden zwanzig Nationen einbeziehen.

KGG +13:4 #95

Nun sollten sich einige Gläubige rüsten, sich von ihren Heimatorten, Städten und Staaten lösen, ihr Land verlassen und »ihren ganzen Glauben in Gott setzen als beste Wegzehrung für ihre Reise«; sie sollten ihren Blick und ihre Schritte nach jenen fernen Zonen richten, jenen unerschlossenen Gefilden, jenen unbezwungenen Städten, und ihre Tatkraft darauf richten, die Festungen der Menschenherzen zu erobern - der Herzen, von denen Bahá'u'lláh geschrieben hat, daß »die Heerscharen der Offenbarung und Äußerung sie bezwingen können«.

Laßt sie nicht warten, bis ihre Mitstreiter die erste Stufe ihres Lehrfeldzuges bereits überschitten haben, sondern laßt sie schon jetzt damit beginnen, jenes Kapitel zu eröffnen, das bald als eines der ruhmvollsten in der internationalen Geschichte ihres Glaubens betrachtet werden wird.

Laßt sie zuallererst »ihr eigenes Selbst lehren, so daß ihre Rede die Herzen ihrer Hörer anziehen möge«.

Laßt sie den Triumph ihres Glaubens als ihr »höchstes Ziel« betrachten.

Laßt sie nicht »die Größe oder Kleinheit des Gefäßes ansehen«, welches das Maß der Gnade enthält, die Gott über dieses Zeitalter verströmt.

Laßt sie »von aller Verknüpfung an diese Welt und ihre Eitelkeiten sich freimachen« und mit jenem Geiste der Loslösung, den 'Abdu'l-Bahá so beispielhaft verkörperte, und dem sie, wie Er wünschte, nacheifern sollen, diese so verschiedenen Völker und Länder zum Gedenken Gottes und Seiner höchsten Offenbarung bringen.

Laßt Seine Liebe »eine Schatzkammer für ihre Seelen« sein an dem Tage, da »jeder Pfeiler erzittern wird, da es die Haut der Menschen eiskalt überlaufen wird, da die Augen vor Schrecken erstarren werden«.

Laßt ihre »Seelen erglühen in der Flamme des unvergänglichen Feuers, das im innersten Herzen der Welt brennt, so stark, daß die Wasser des Weltalls seine Glut nicht zu kühlen vermögen«.

Laßt sie »unbeschwert wie der Wind« sein, den »weder der Anblick der Einöde noch die Zeugnisse des Gedeihens ängstigen oder erfreuen können«.

Laßt sie »ihre Zungen lösen und ohne Unterlaß Seine Sache verkünden«

Laßt sie »verkünden, was der Größte Geist ihnen eingeben wird im Dienste der Sache ihres Herrn«.

Laßt sie »sich hüten, mit irgend jemandem zu streiten, laßt sie vielmehr sich bemühen, ihn die Wahrheit auf freundliche Weise und durch überzeugende Ermahnung erkennen zu lassen«.

Laßt sie »ganz um der Sache Gottes willen Seine Botschaft verkünden und im gleichen Geist jeden Widerhall entgegennehmen, den ihre Worte bei ihren Hörern hervorrufen mögen«.

Laßt sie auch nicht einen Augenblick vergessen, daß »der Geist des Glaubens sie durch seine Macht stärken wird« und daß »eine Schar Seiner erwählten Engel mit ihnen ausziehen wird auf Sein Geheiß, des Allmächtigen, des Allweisen«.

Laßt sie immer daran denken, »wie groß der Segen für jene ist, die die Ehre des Dienens für den Allmächtigen erlangt haben«, und sich erinnern, daß »ein solcher Dienst wahrlich der Fürst aller guten Taten ist und die Zierde allen guten Tuns«.

KGG +13:5 #96

Und endlich: Laßt diese die Seele aufrüttelnden Worte Bahá'u'lláhs allezeit auf ihren Lippen sein, während sie landauf, landab durch den südamerikanischen Kontinent dahineilen, damit sie ihnen ein Trost ihrem Herzen seien, ein Licht auf ihrem Pfad, ein Gefährte in ihrer Einsamkeit und eine Wegzehrung für jeden Tag ihrer Reisen:

»O Wanderer auf dem Pfade Gottes! Ergreife deinen Anteil aus dem Meer Seiner Gnade und beraube dich nicht selbst der Dinge, die in seinen Tiefen verborgen ruhen ... Ein Tropfen aus diesem Meer, über alle in den Himmeln und auf Erden vergossen, würde genügen, um sie reich an der Güte Gottes zu machen, des Allmächtigen, des Allwissenden, des Allweisen. Schöpfe mit den Händen des Verzichtes aus seinen lebenspendenden Wassern und netze damit alle erschaffenen Dinge, damit sie von allen menschengeschaffenen Begrenzungen reingewaschen werden und sich dem mächtigen Sitze Gottes, diesem geheiligten und strahlenden Orte, nähern. Sei nicht bekümmert, wenn du dies alleine tun mußt. Lasse dir Gott allgenügend sein ... Verkünde die Sache Deines Herrn allen, die in den Himmeln und auf Erden sind. Antwortet jemand deinem Ruf, so lege die Perlen der Weisheit des Herrn, deines Gottes, die Sein Geist auf dich herabgesandt hat, offen vor ihn hin und gehöre zu denen, die wahrhaft glauben. Sollte jemand deine Gabe zurückweisen, so wende dich von ihm ab und setze dein Vertrauen und deine Zuversicht in den Herrn aller Welten. Bei der Gerechtigkeit Gottes! Wer an diesem Tag seine Lippen öffnet und den Namen seines Herrn erwähnt, zu dem werden die Heerscharen göttlicher Eingebung aus dem Himmel Meines Namens `der Allwissende`, `der Allweise` herniederkommen. Zu ihm wird auch die himmlische Versammlung herabsteigen und ein jeder aus ihr einen Kelch reinen Lichtes hoch vorantragen. So wurde es vorherbestimmt im Reiche der Offenbarung Gottes auf Befehl des Allherrlichen, des Machtvollsten«.

KGG +13:6 #98

Laßt die folgenden Worte 'Abdu'l-Bahás, die den Tablets des Göttlichen Planes entnommen sind, ebenfalls in ihren Ohren klingen, wenn sie, sicher und unerschrocken, in Seinem Auftrag hinausziehen:

»O ihr Jünger Bahá'u'lláhs! Möge mein Leben ein Opfer für euch sein! ... Seht die Tore, die euch Bahá'u'lláh geöffnet hat! Bedenkt, wie erhaben und hoch die Stufe ist, die zu erreichen euch bestimmt wurde, und wie einzig die Gunstbezeigungen sind, mit denen ihr belehnt wurdet!«

»Meine Gedanken sind euch zugewandt, und mein Herz schlägt hoch bei eurer Erwähnung. Könntet ihr erkennen, wie meine Seele in Liebe zu euch glüht, so würde eure Herzen eine Glückseligkeit überfluten, die euch zueinander von Liebe entbrennen ließe.«

»Das volle Maß eurer Erfolge ist noch nicht offenbar, ihre Bedeutung wird noch nicht erfaßt. Binnen kurzem werdet ihr mit eigenen Augen sehen, wie glänzend ein jeder von euch gleich einem leuchtenden Stern am Himmel eures Landes das Licht göttlicher Führung erstrahlen lassen und seinem Volke die Herrlichkeit ewigen Lebens bringen wird.«

»Ich hoffe inständig, daß in naher Zukunft die ganze Erde durch das Ergebnis eurer Leistungen aufgerüttelt und erschüttert werden möge.«

»Der Allmächtige wird euch ohne Zweifel die Hilfe Seiner Gnade gewähren, wird euch mit den Zeichen Seiner Macht bekleiden und eure Seelen mit der erhaltenden Kraft Seines Heiligen Geistes begaben.«

»Seid nicht traurig über eure geringe Zahl und laßt euch nicht niederdrücken durch die Übermacht einer ungläubigen Welt ... Gebt euch Mühe! Eure Sendung ist unsagbar herrlich. Sollte Erfolg euer Unternehmen krönen, so wird sich Amerika sicherlich zu einem Mittelpunkt entwickeln, aus dem Wogen geistiger Kraft hervorgehen, und der Thron des Königreiches Gottes wird in der Fülle seiner Majestät und Glorie fest begründet werden.«

KGG +13:7 #99

Wir sollten uns daran erinnern, daß in die Erfüllung des Siebenjahresplanes, soweit er die Lehrarbeit betrifft, die Bildung von mindestens einem Zentrum in einer jeden der Republiken Mittel- und Südamerikas mit eingeschlossen ist. Der hundertste Jahrestag der Geburt des Glaubens Bahá'u'lláhs sollte, wenn der bereits begonnene Plan Erfolg haben soll, in jedem dieser Länder Zeuge sein der Schaffung eines wenn auch noch so bescheidenen Fundamentes, auf welchem das heranwachsende Geschlecht der amerikanischen Gläubigen in den Eröffnungsjahren des zweiten Jahrhunderts des Bahá'í-Zeitalters weiterzubauen imstande sein möge. ihre Aufgabe wird es sein, im Verlaufe der folgenden Jahrzehnte diese Grundlagen auszudehnen und zu verstärken und für die notwendige Führung, Hilfe und Ermutigung zu sorgen, die die weithin verstreuten Gruppen von Gläubigen in jenen Ländern befähigen werden, unabhängige und ordnungsgemäß gebildete örtliche Räte zu formen und dadurch das Rahmenwerk der Verwaltungsordnung ihres Glaubens zu errichten. Die Erstellung solch eines Rahmenwerkes ist in erster Linie die Verantwortung derer, die die Gemeinde der nordamerikanischen Gläubigen zur göttlichen Botschaft bekehrt hat. Es ist dies eine Aufgabe, in der - abgesehen von der unmittelbaren Verpflichtung, jeder Gruppe zur Entfaltung in einem örtlichen Rat zu verhelfen - die Entwicklung des ganzen Getriebes der Verwaltungsordnung eingeschlossen ist in Übereinstimmung mit den geistigen und administrativen Grundsätzen, die das Leben und Wirken einer jeden bereits errichteten Bahá'í-Gemeinde in der ganzen Welt bestimmen. Ein Abweichen von diesen klar ausgesprochenen, in den nationalen und örtlichen Bahá'í-Einrichtungen verkörperten Hauptprinzipien kann unter keinen Umständen geduldet werden. Dies ist jedoch eine Aufgabe, die jene betrifft, welche sich in einem späteren Zeitabschnitt aufmachen müssen, um ein Werk weiterzuführen, das im Grunde noch nicht wirksam begonnen worden ist.

KGG +14:1 #100
Die notwendige Grundlage

Die Aufgabe der noch systematischeren Vorbereitungen für den Bau des erforderlichen Fundaments, auf dem die ständigen nationalen und örtlichen Institutionen errichtet und sicher begründet werden können, wird sehr bald die gesammelte Aufmerksamkeit derjenigen erfordern, die den Siebenjahresplan durchführen. Sofort, wenn ihre unmittelbare Verpflichtung zur Erschließung der wenigen noch übrig gebliebenen Gebiete in den Vereinigten Staaten und Kanada erfüllt worden ist, sollte ein sorgsam angelegter Plan ausgearbeitet werden, der auf die Errichtung einer solchen Grundlage abzielt. Wie schon dargelegt, stellt die Vorsorge für diese weiten, einleitenden Unternehmungen, deren Umkreis das ganze Gebiet der mittel- und südamerikanischen Republiken umfassen muß, das Herzstück des im Siebenjahresplan durchgeführten Lehrfeldzuges dar. Sie muß letzthin sein Schicksal entscheiden. Von diesem Feldzug muß nicht nur die wirksame Erfüllung der feierlichen, mit dem gegenwärtigen Plan übernommenen Verpflichtungen abhängen, sondern auch die fortschreitende Entfaltung der nachfolgenden Abschnitte, die wesentlich sind für die Verwirklichung der Vision 'Abdu'l-Bahás bezüglich der Rolle, welche die amerikanischen Gläubigen in der weltweiten Verbreitung ihrer Sache zu spielen haben.

KGG +14:2 #101

Mögen diese Unternehmungen auch nur ein Vorspiel sein zu den anstrengenden, planmäßigen Bemühungen, durch die sich zukünftige Geschlechter von Gläubigen in den lateinischen Ländern auszeichnen müssen, so erfordern sie doch unverzüglich von seiten des Nationalen Geistigen Rates sowie des Nationalen Lehrausschusses und des Interamerika-Ausschusses sorgfältige Erkundungen, die das Aussenden von Umsiedlern und Reiselehrern vorbereiten sollen, deren Vorrecht es sein wird, den Ruf des Neuen Tages in einem neuen Erdteil erschallen zu lassen.

KGG +14:3

In meinem Wunsche, denen zu helfen, die so ungeheure Verantwortung auf sich nehmen und solche Selbstverleugnung erdulden, will ich versuchen, einige nützliche Anregungen zu geben, die nach meiner Überzeugung die Vollendung des großen Werkes erleichtern werden, das in der allernächsten Zukunft getan werden muß. Diesem Werk, das nach seiner Vollendung ein historisches Wahrzeichen ersten Ranges bilden muß, müssen die Kräfte der ganzen Gemeinde entschlossen gewidmet werden. Die Zahl der Bahá'í-Lehrer, seien sie Umsiedler oder Reisende, muß wesentlich größer werden. Die materiellen Hilfsquellen, die zu ihrer Verfügung zu stellen sind, müssen vervielfacht und wirksam gesteuert werden. Das Schrifttum, mit dem sie ausgestattet werden sollten, muß stark vermehrt werden. Um ihnen bei der Verbreitung dieser Schriften zu helfen, sollten die Wege in die Öffentlichkeit öfter begangen, zentral gelenkt und intensiv bearbeitet werden. Die in diesen Ländern verborgenen Möglichkeiten sollten mit Umsicht ausgenützt und planmäßig entwickelt werden. Die verschiedenen Hindernisse, die durch voneinander abweichende politische und soziale Bedingungen entstanden und nun in diesen Ländern herrschen, sollten genau beachtet und entschlossen überwunden werden. Mit einem Wort: Keine Gelegenheit sollte übersehen und keine Mühe gescheut werden, um eine möglichst breite und feste Grundlage für den Fortschritt und die Entfaltung des größten Lehrvorhabens zu legen, das die amerikanische Gemeinde jemals durchgeführt hat.

KGG +14:4 #102

Die sorgfältige Übersetzung wichtiger Bahá'í-Schriften über die Geschichte, die Lehren oder die Verwaltungsordnung des Glaubens, die weite, planmäßige Verbreitung großer Mengen in möglichst vielen Republiken und in den gängigsten und wichtigsten Sprachen dürfte die vorrangigste, dringendste Maßnahme sein, die zugleich mit der Ankunft der Pioniere in diesen Gebieten zu treffen ist.

»Bücher und Flugschriften«, schreibt 'Abdu'l-Bahá in einem der Tablets des Göttlichen Planes, »müssen in die Sprachen dieser Länder und Inseln übersetzt oder in diesen verfaßt werden, damit sie in jedem Teil und nach allen Richtungen hin in Umlauf gesetzt werden können.«

In Ländern, in denen die Behörden oder irgendwelche einflußreichen Kreise keine Einwände erheben können, sollten diese Maßnahmen verstärkt werden durch Veröffentlichung sorgsam verfaßter Artikel und Briefe in verschiedenen Organen der Presse. Sie haben die Aufgabe, der breiten Öffentlichkeit bestimmte Grundzüge der bewegenden Geschichte des Glaubens und den Rang und die Wesensart seiner Lehren einzuprägen.

KGG +14:5 #103

Ich glaube, daß es sich jeder Arbeiter auf diesem Gebiet, ob Reiselehrer oder Umsiedler, zu seiner obersten und steten Aufgabe machen sollte, freundlich mit allen Schichten der Bevölkerung zu verkehren, ohne Rücksicht auf Klasse, Bekenntnis, Nationalität oder Hautfarbe. Er sollte sich mit ihren Gedankengängen, Neigungen und Gewohnheiten vertraut machen und herausfinden, wie er ihnen am besten näherkommen kann, um sich dann geduldig und taktvoll auf einige wenige zu konzentrieren, die echte Aufnahmefähigkeit und Empfänglichkeit zeigen. Er sollte sich mit äußerster Güte bemühen, solche Liebe, Begeisterung und Ergebenheit in ihre Herzen zu pflanzen, daß sie ihrerseits selbständige, unabhängige Förderer des Glaubens an ihren Heimatorten werden.

»O Volk Bahás«, so lautet Bahá'u'lláhs Ermahnung, »verkehre mit allen Menschen im Geiste des Wohlwollens und der Kameradschaft. Wenn du um eine bestimmte Wahrheit weißt und ein Kleinod besitzt, das andere nicht haben, so lasse sie daran teilhaben. Sprich in äußerster Güte und voll guten Willens mit ihnen. Wenn sie es annehmen und es seinen Zweck erfüllt hat, ist dein Ziel erreicht. Wenn es jemand zurückweist, so überlasse ihn sich selbst und bitte Gott, ihn zu führen. Hüte dich, ihn unfreundlich zu behandeln. Eine freundliche Zunge ist der Magnet der Menschenherzen. Sie ist das Brot des Geistes, sie verleiht den Worten Bedeutung. Sie ist die Quelle des Lichtes der Weisheit und des Verstehens.«

KGG +14:6 #104

Nicht nur die stellvertretenden Bahá'í-Körperschaften, sondern auch die zukünftigen Lehrer und anderen Gläubigen, die nicht das Vorrecht haben, jene Küsten zu besuchen oder sich in jenem Kontinent anzusiedeln, können und sollten sich bemühen, jede sich bietende Gelegenheit zu nützen, um die Bekanntschaft dieser Menschen zu machen und die echte Aufmerksamkeit solcher Leute zu wecken, die entweder Bürger dieser Länder oder sonst irgendwie damit verbunden sind, was auch immer ihr Beruf oder ihre Interessen sein mögen. Durch die Güte, die sie diesen erzeigen, durch Schriften, die sie ihnen geben, oder durch irgendwelche anderen Verbindungen, die sie mit ihnen anknüpfen, können die amerikanischen Gläubigen Saaten in ihre Herzen säen, die später einmal vielleicht aufkeimen und ganz unerwartete Früchte bringen können. Jedoch muß allezeit sehr darauf geachtet werden, daß sie in ihrem Eifer, die internationalen Interessen des Glaubens zu fördern, nicht ihren Zweck verfehlen und durch irgendeine Handlung, die als ein Versuch des Proselytenmachens und unziemlichen Druckes mißdeutet werden könnte, jene Menschen davon abschrecken, die sie für ihre Sache zu gewinnen wünschen.

KGG +15:1 #105
Pionieraufruf

Mein besonderer Aufruf gilt denjenigen amerikanischen Gläubigen - mögen sie zur Stunde auch mit vielfältigen, dringenden und ständig wachsenden Verpflichtungen belastet sein -, denen sich in fremden Ländern die begründete Aussicht bietet, dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ganz gleich welchen Berufes und welcher Beschäftigung, sei es als Geschäftsleute, als Lehrer, Rechtsanwälte, Ärzte, Schriftsteller, Büroangestellte und ähnliches. Ich rufe sie besonders auf, ihren ständigen Wohnsitz dorthin zu verlegen. Dadurch werden sie den ständig wachsenden Druck auf ihren Lehrfonds vermindern, der trotz seines beschränkten Umfanges, soweit nicht anderweitig verfügbar, die Reisekosten und anderen Ausgaben decken muß, die in Verbindung mit der Entwicklung dieses weitläufigen Unternehmens entstehen. Sollte es ihnen unmöglich sein, an diesem so einzigartigen und heiligen Vorzug teilzuhaben, so mögen sie, der Worte Bahá'u'lláhs eingedenk, sich entschließen, jeder nach den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, einen Vertreter zu benennen, der sich im Namen dieses Gläubigen erhebt und ein so edles Vorhaben durchführt.

»Vereinigt eure Kräfte«, so lauten Bahá'u'lláhs Worte, »um Gottes Glauben zu verbreiten. Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der möge sich erheben und ihr Folge leisten. Wer dazu nicht fähig ist, dessen Pflicht ist es, einen zu benennen, der an seiner Statt diese Offenbarung verkünden wird, deren Kraft die Grundlagen der mächtigsten Bauten erzittern ließ, jeden Berg zu Staub zermalmte und jede Seele zum Verstummen brachte.«

KGG +15:2 #106

Denjenigen, die ihr Heim und Land verlassen und in jenen Gegenden vorübergehend oder dauernd dienen konnten, obliegt eine besondere Pflicht, die sie sich ständig vor Augen halten müssen. Es sollte eines ihrer Hauptziele sein, einerseits in ständiger Verbindung mit dem Nationalen Ausschuß zu bleiben, dem die Durchführung dieses Vorhabens anvertraut wurde, und andererseits auf jedem nur möglichen Weg und in völliger Harmonie mit ihren Mitgläubigen in jenen Ländern zusammenzuarbeiten, was immer ihr Tätigkeitsgebiet und wie immer ihre Stellung, Fähigkeit oder Erfahrung auch sein mögen. Aus der Erfüllung ihrer obersten Pflicht erhalten sie die notwendige Anregung und die erforderliche Führung, die sie befähigen, ihren Auftrag wirkungsvoll auszuführen. Durch ihre regelmäßigen Berichte an diesen Ausschuß werden sie die Gemeinschaft ihrer Mitgläubigen an den Neuigkeiten der jüngsten Eiwicklungen ihrer Tätigkeit teilhaben lassen. Durch die Erfüllung der anderen Pflicht sichern sie den reibungslosen Ablauf, erleichtern sie den Fortschritt und vermeiden jeden widrigen Vorfall, der die Entwicklung ihres gemeinsamen Unternehmens stören könnte. Durch den engen Kontakt und die harmonische Verbindung zwischen dem Interamerikanischen Ausschuß, der mit der unmittelbaren Verantwortung der Organisation eines so weitreichenden Unternehmens betraut wurde, und den bevorzugten Pionieren, die dieses Unternehmen tatsächlich ausführen und seine Verzweigungen überall hin ausdehnen, und die Verbindung unter diesen Pionieren selbst, würden außer den unmittelbaren Vorteilen ein würdiges und anfeuerndes Beispiel für jene Generationen setzen, die noch geboren werden und welche die jetzt begonnene Arbeit mit all ihren wachsenden Verflechtungen fortzuführen haben.

KGG +15:3 #107

In diesen Zeiten, da es die in diesen Ländern auferlegten verschiedenen Beschränkungen vielen Bahá'í-Pionieren schwer machen, ihren Wohnort zu verlegen und ihren Lebensunterhalt in solchen Staaten zu verdienen, wäre es zweifellos von großer Wichtigkeit und hohem Wert, wenn bestimmte Gläubige, deren auch noch so geringes Einkommen ihnen die Mittel für ein unabhängiges Leben gewährt, wenn sie ihre Angelegenheiten so regeln würden, daß sie in der Lage sind, ohne zeitliche Begrenzung in jene Länder umzusiedeln. Die damit verbundenen Opfer, der Mut, die Glaubenskraft und das erforderliche Durchhaltevermögen sind zweifellos sehr groß, ihr Wert kann jedoch heute niemals richtig eingeschätzt werden, und die grenzenlose Belohnung, welche denjenigen zukommt, welche diese Eigenschaften aufweisen, kann unmöglich angemessen geschildert werden.

Bahá'u'lláh bezeugt: »Diejenigen, die ihr Land verließen, um Unsere Sache zu lehren, wird der getreue Geist durch Seine Macht stärken ... Bei Meinem Leben! Keine Handlung, wie groß sie auch sein mag, ist ihr vergleichbar außer solchen Taten, die Gott, der Allmachtvolle, der Mächtigste, bestimmte. Dieses Dienen ist in der Tat der König aller guten Taten und die Zierde alles edlen Handelns.«

Eine solche Belohnung, das sollte beachtet werden, darf nicht als eine rein abstrakte Segnung angesehen werden, die nur auf das zukünftige Leben beschränkt ist, sondern als eine spürbare Gnade, welche nur ein solcher Mut und Glaube und eine solche Ausdauer in dieser materiellen Welt verleihen können. Die großen geistigen und administrativen Leistungen, die in dem weit entfernten Kontinent von Australasien und erst kürzlich in Bulgarien von Gläubigen aus Kanada und aus den Vereinigten Staaten vollbracht worden sind, künden in unmißverständlicher Weise von der Art jener Preise, die ein so bewährtes Heldentum bereits in dieser Welt erringt.

Bahá'u'lláh hat an einer denkwürdigen Stelle geschrieben, zum Preise Seiner Geliebten, die, `in Seinem Namen und zu Seiner Lobpreisung durch die Lande gereist sind`: »Wer immer in ihre Gegenwart gelangt ist, wird sich des Zusammentreffens mit ihnen rühmen, und alle, in jedem Land, werden durch ihr Gedenken erleuchtet werden.«

KGG +16:1 #108
Der überwiegende Anteil

Wenn Ich zu diesem Zeitpunkt des Anteils gedenke, den die Dienerinnen Bahá'u'lláhs seit der Einführung des Glaubens in den Westen zum Unterschied von den Männern gehabt haben, indem sie, auf sich allein gestellt, so viele verschiedenartige und über die Oberfläche des Erdballs weit verstreute Länder erschlossen, dann fühle ich mich veranlaßt, nicht nur dieser apostolischen Begeisterung Anerkennung zu zollen, die wahrhaftig an jene heroischen Männer erinnert, die für die Geburt des Glaubens Bahá'u'lláhs verantwortlich waren, sondern auch die Bedeutung eines so überwiegenden Anteiles zu betonen, den die Frauen des Westens hatten und noch haben bei der Errichtung Seines Glaubens in der ganzen Welt.

»Zu den Wundern«, so hat 'Abdu'l-Bahá bezeugt, »die diese heilige Sendung kennzeichnen, gehört dieses, daß die Frauen größere Kühnheit als die Männer bewiesen, nachdem sie den Reihen des Glaubens beigetreten waren.«

Ein so großes und herrliches Zeugnis bezieht sich besonders auf den Westen, und obgleich es bis jetzt reiche und überzeugende Bestätigung erfahren hat, muß es im Verlauf der Jahre weiter verstärkt werden, da die amerikanischen Gläubigen in den glorreichsten Abschnitt ihrer Lehrtätigkeit unter dem Siebenjahresplan eintreten. Die »Kühnheit«, die nach den Worten 'Abdu'l-Bahás ihre Leistungen in der Vergangenheit gekennzeichnet hat, darf keine Minderung erfahren, da sie an der Schwelle größerer und noch erhabenerer Erfüllungen stehen. Sie muß vielmehr im Verlauf der Zeit und überall in den weiten und unerschlossenen Gebieten Lateinamerikas noch überzeugender bewiesen werden und für die geliebte Sache noch aufrüttelndere Siege erringen, als sie bis jetzt gewonnen wurden.

KGG +17:1 #109
An die Bahá'í-Jugend

Ich glaube, ich sollte ein besonderes Wort an die Bahá'í-Jugend richten, wenn ich die Möglichkeiten betrachte, die ein so gewaltiger Feldzug dem eifrigen und wagemutigen Geist zu bieten hat, der die Jugendlichen im Dienste der Sache Bahá'u'lláhs so mächtig belebt. Obgleich es ihnen an Erfahrung mangelt und sie sich ungenügenden Hilfsquellen gegenübergestellt sehen, so befähigen sie doch der ihnen eigene unternehmerische Geist, die Tatkraft, Aufgewecktheit und der Optimismus, die sie bis jetzt übereinstimmend gezeigt haben, eine aktive Rolle zu spielen im Wecken des Interesses und in der Sicherung der Gefolgschaft ihrer jugendlichen Altersgenossen in jenen Ländern. Den Bewohnern beider Kontinente kann kein größerer Beweis der jugendlichen Lebenskraft und der pulsierenden Stärke gegeben werden, die das Leben und die Institutionen des heranwachsenden Glaubens Bahá'u'lláhs beseelen, als eine verständnisvolle, ausdauernde und wirksame Teilnahme der Bahá'í-Jugend, ganz gleich welcher Rasse, Nationalität und Klasse, an der Bahá'í-Tätigkeit auf dem Gebiet des Lehrens und der Administration. Eine solche Beteiligung kann die Kritiker und Feinde des Glaubens, die in unterschiedlichen Graden des Mißtrauens und der Entrüstung den Entwicklungsprozeß der Sache Gottes und ihrer Institutionen beobachten, am besten von der unzweifelhaften Wahrheit überzeugen, daß dieser Glaube ungemein lebendig, bis in den innersten Kern gesund und sein Schicksal in sicherer Hut ist. Ich hoffe und bete inständig darum, daß diese Teilnahme dem Glauben nicht nur zum Ruhm, zur Stärke und zum Ansehen gereichen, sondern auch so mächtig auf das geistige Leben der jugendlichen Mitglieder der Bahá'í-Gemeinde einwirken und ihre Energien so anspornen möge, daß sie in die Lage versetzt werden, die ihnen eigenen Fähigkeiten in vollerem Maße zu entfalten und eine weitere Stufe in ihrer geistigen Entwicklung unter dem Schatten des Glaubens Bahá'u'lláhs zu erklimmen.

KGG +18:1 #110
Die besondere Lage Panamas

Getreu den Anordnungen der von 'Abdu'l-Bahás Feder niedergelegten Urkunde halte ich es für meine Pflicht, die besondere Aufmerksamkeit derjenigen, denen sie anvertraut wurde, auf die dringenden Bedürfnisse und die besondere Lage, die die Republik von Panama einnimmt, hinzulenken, sowohl im Hinblick auf ihre verhältnismäßige Nähe zum Herzen und Zentrum des Glaubens in Nordamerika als auch auf ihre geographische Lage als Bindeglied zwischen zwei Kontinenten. 'Abdu'l-Bahá hat mit Bezug auf die Lateinamerikanischen Staaten in einem der Tablets zum Göttlichen Plan geschrieben:

KGG +18:2

»Alle die obigen Länder sind von Wichtigkeit, besonders gilt dies aber für die Republik Panama, in der der Atlantische und der Pazifische Ozean durch den Panamakanal verbunden sind. Sie ist ein Zentrum für die Reise und die Durchfahrt von Amerika nach anderen Kontinenten der Welt, und in der Zukunft wird ihr größte Bedeutung zukommen.«

KGG +18:3

Weiter schrieb Er: »Ihr müßt ferner der Republik Panama große Aufmerksamkeit widmen, denn an diesem Punkt sind Okzident und Orient durch den Panamakanal vereint, auch liegt sie zwischen zwei großen Ozeanen. Dieser Bereich wird in Zukunft sehr wichtig werden. Die Lehren werden, wenn sie dort einmal Fuß gefaßt haben, den Osten und Westen, den Norden und Süden verbinden.«

KGG +18:4 #111

Eine so ausgezeichnete Lage verlangt unzweifelhaft die besondere und sofortige Aufmerksamkeit der amerikanischen Bahá'í-Gemeinde. Nachdem die Republik Mexiko bereits dem Glauben erschlossen und ein Geistiger Rat in ihrer Hauptstadt ordnungsgemäß gebildet wurde, ist das Vordringen des Glaubens Bahá'u'lláhs in ein Nachbarland nach Süden ein nur natürlicher und folgerichtiger Schritt, der sich, wie zu hoffen steht, als nicht allzu schwierig erweisen sollte. Keine Anstrengungen sollten gescheut und keine Opfer für zu groß erachtet werden, um eine wenn auch noch so kleine Gruppe in einer Republik zu errichten, die geistig und geographisch eine so strategische Stellung einnimmt. Im Hinblick auf die Wirkungsmöglichkeit, die ihr die Worte 'Abdu'l-Bahás bereits verliehen haben, wird diese Gruppe nach ihrer Bildung ganz ohne Zweifel die ausströmende Gnade des Abhá-Königreiches auf sich ziehen und sich mit so unglaublicher Schnelligkeit entwickeln, daß sie das Staunen und die Bewunderung selbst derjenigen erregt, die schon so erregende Zeugnisse der Kraft und Macht des Glaubens Bahá'u'lláhs miterlebt haben.

KGG +18:5 #112

Zweifellos sollte von allen zukünftigen Pionieren sowie von den Mitgliedern des interamerikanischen Ausschusses den geistigen Bedürfnissen dieser bevorrechtigten Republik der Vorzug gegeben werden; zugleich sollten größte Anstrengungen gemacht werden, den Glauben, wenn auch nur als Versuch, in die Republiken von Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica hineinzutragen, denn das würde sie in einer ununterbrochenen Kette mit ihren Muttergemeinden auf dem nordamerikanischen Kontinent verbinden. Jedes noch so beträchtliche Hindernis sollte überwunden werden, und die Hilfsquellen der Bahá'í-Finanzen sollten freigebig für diesen Zweck ausgeschöpft und die geschicktesten und höchsten Anstrengungen zu ihrer Erweckung unternommen werden. Die Errichtung eines weiteren Vorpostens der Sache in ihrem Herzen wird, wie ich sicher glaube, einen Markstein in der Geschichte des Gestaltenden Abschnittes des Glaubens Bahá'u'lláhs in der Neuen Welt darstellen. Sie wird grenzenlose Möglichkeiten schaffen, die Bemühungen anspornen und das Leben derjenigen mit neuen Kräften erfüllen, die diese Heldentat vollbracht haben werden; sie wird ungeheuren Mut und grenzenlose Freude in die Herzen der Gruppen und Einzelstehenden in den benachbarten und fernen Republiken gießen und einen unfaßbaren und doch mächtigen geistigen Einfluß auf das Leben und die zukünftige Entwicklung ihrer Einwohner ausüben.

KGG +19:1 #113

Eine unerforschliche Weisheit, ein alles bezwingender Wille

Geliebte Freunde! Dies ist das Bild, das sich vor unseren Augen entfaltet und alle Hilfsmittel der amerikanischen Bahá'í-Gemeinde in diesen abschließenden Jahren des ersten Jahrhunderts des Bahá'í-Zeitalters erfordert. Solcherart sind die Eigenschaften und Fähigkeiten, die von ihnen für die rechte Erfüllung ihrer Verantwortungen und Pflichten verlangt werden. So sind die Voraussetzungen, die Möglichkeiten und die Ziele des Planes, der jedes Körnchen ihrer Energie beansprucht. Wer weiß indessen, ob nicht diese wenigen verbleibenden, schnell vorübereilenden Jahre Ereignisse von so unvorstellbarer Größe, härtere Prüfungen, als sie die Menschheit je zu bestehen hatte, und vernichtendere Kämpfe, als sie je vorher dagewesen sind, in sich bergen. Gefahren, und mögen sie auch noch so unheildrohend sein, dürfen zu keiner Zeit den Glanz ihres neu geborenen Glaubens trüben. Streit und Verwirrung, so bestürzend sie auch sein mögen, dürfen nie ihre Sicht beeinträchtigen. Trübsale, so peinigend sie sein mögen, dürfen nie ihre Entschlossenheit erschüttern. Verleumdungen, mögen sie noch so laut sein, dürfen nie ihre Treue untergraben. Umwälzungen, mögen sie noch so verheerend sein, dürfen sie nie von ihrem Kurs abbringen. Der vorliegende Plan, der die knospenden Hoffnungen des hingeschiedenen Meisters verkörpert, muß weiter verfolgt, unnachgiebig verfolgt werden, was immer ihnen in Zukunft zustoßen und wie beunruhigend die Krise auch sein mag, die ihr Land oder die Welt befällt. Weit davon entfernt, in ihrer Entschlossenheit nachzugeben oder ihre Aufgabe zu vernachlässigen, sollten sie zu keiner Zeit und unter keinen noch so widrigen Umständen vergessen, daß das Zusammenfallen einer so welterschütternden Krise mit der fortschreitenden Entfaltung und dem Erfolg ihrer göttlich verordneten Aufgabe selbst das Werk der Vorsehung ist, das Vorhaben einer unerforschlichen Weisheit und die Absicht eines alles bezwingenden Willens, eines Willens, der auf seine eigene geheimnisvolle Weise das Geschick des Glaubens und die Schicksale der Menschen führt und überwacht. Diese gleichzeitigen Vorgänge des Aufstieges und des Unterganges, des Zusammenschlusses und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren ständigen und wechselseitigen Auswirkungen aufeinander sind nur Erscheinungen eines einzigen und unteilbaren, größeren Planes, dessen Quelle Gott und dessen Verfasser Bahá'u'lláh ist, der sich auf dem Schauplatz des gesamten Erdballs verwirklicht und dessen letztes Ziel die Einheit und der Frieden der gesamten Menschheit ist.

KGG +19:2 #114

Solche Überlegungen sollten die Entschlußkraft der gesamten Bahá'í-Gemeinde stählen, ihre bösen Vorahnungen verbannen und sie aufrütteln, sich jeder einzelnen Verordnung jener göttlichen Urkunde erneut zu widmen, deren Rahmen durch 'Abdu'l-Bahás Feder für sie umrissen wurde. Der Siebenjahresplan ist, wie schon gesagt, nur das Anfangsstadium, eine Stufe in der Entfaltung weiterer Folgerungen dieser Urkunde. Der ursprünglich durch die Bewegung jener Feder erzeugte Impuls, der nun mit wachsender Kraft das Getriebe des Siebenjahresplanes weitertreibt, muß in den Anfangsjahren des nächsten Jahrhunderts weiter beschleunigt werden und die amerikanische Bahá'í-Gemeinde dazu drängen, weitere Abschnitte in der Entfaltung des Göttlichen Planes in Angriff zu nehmen, Abschnitte, die sie weit über die Ufer der nördlichen Hemisphäre hinaustragen in Länder und unter Völker, wo die edelsten Heldentaten dieser Gemeinde zu vollbringen sein werden.

KGG +20:1 #115
Das Kommen des Königreiches

Jeder Zweifler an diesem Kurs, dem zu folgen dieser beneidenswerten Gemeinde bestimmt ist, möge sich den folgenden Worten 'Abdu'l-Bahás zuwenden und darüber nachsinnen; sie sind für alle Zeiten in den Tablets des Göttlichen Planes verwahrt und richten sich an die gesamte Gemeinde der Gläubigen in den Vereinigten Staaten und Kanada:

»Das volle Maß eures Erfolges«, teilt Er ihnen mit, »ist noch nicht offenbart, seine Bedeutung noch nicht erfaßt. Binnen kurzem werdet ihr mit euren eigenen Augen Zeuge sein, wie herrlich jeder von euch, gleich einem leuchtenden Stern, das Licht der Göttlichen Führung am Firmament eures Landes ausstrahlen und seinen Bewohnern den Ruhm ewigen Lebens verleihen wird ... Der Umfang eurer zukünftigen Taten bleibt noch unenthüllt. Ich hoffe inständig, daß in naher Zukunft die ganze Erde durch das Ergebnis eurer Taten aufgerüttelt und erschüttert wird. Deshalb hegt 'Abdu'l-Bahá für euch die Hoffnung, daß der gleiche Erfolg, der euren Bemühungen in Amerika beschieden war, auch eure Anstrengungen in anderen Teilen der Welt krönen möge, daß durch euch der Ruhm der Sache Gottes in Ost und West verbreitet werde und daß das Kommen des Königreiches des Herrn der Heerscharen in allen fünf Kontinenten des Erdballes verkündet werde.«

Höchst bedeutungsvoll fügt Er hinzu: »In dem Augenblick, da die amerikanischen Gläubigen diese Göttliche Botschaft über die Küsten Amerikas hinaustragen und sie auf den Kontinenten von Europa, Asien, Afrika und Australasien bis hin zu den Inseln des Pazifik verbreiten, wird sich diese Gemeinde auf dem Thron immerwährender Herrschaft eindeutig bestätigt finden. Dann werden alle Völker der Welt Zeuge sein, daß diese Gemeinde geistig erleuchtet und göttlich geführt wird. Dann wird die ganze Erde widerhallen vom Lobpreis ihrer Majestät und Größe.«

KGG +20:2 #116

Kein Leser dieser Worte, die so geladen sind mit Verheißungen, welche nicht einmal die siegreiche Vollendung des Siebenjahresplanes erfüllen könnte, darf erwarten, daß eine so hoch erhobene und so reich beschenkte Gemeinde sich mit irgendwelchen Lorbeeren begnügt, die sie in nächster Zukunft erringen mag. Auf diesen Lorbeeren auszuruhen wäre in der Tat gleichbedeutend mit dem Verrat an dem Vertrauen, das von 'Abdu'l-Bahá in diese Gemeinde gesetzt wurde. Die Kette der Siege zu zerreißen, die sie zu jenem höchsten Sieg führen soll, da »die ganze Erde aufgerüttelt und erschüttert wird« durch das Ergebnis ihrer Taten, würde Seine Hoffnungen zerstören. Schwankend zu werden und zu versagen bei der Aufgabe, diese Botschaft, die sie auf dem amerikanischen Kontinent so hervorragend verkündet haben, auch »auf den Kontinenten von Europa, Asien, Afrika und Australasien bis hin zu den Inseln des Pazifik zu vorbereiten«, würde sie des Vorrechts berauben, »auf dem Thron immerwährender Herrschaft eindeutig bestätigt« zu werden. Die Ehre zu verscherzen, »das Kommen des Königreiches des Herrn der Heerscharen« in »allen fünf Kontinenten des Erdballes« zu verkünden, würde jenen »Lobpreis ihrer Majestät und Größe« verstummen lassen, der andernfalls über »die ganze Erde« erschallen würde.

KGG +20:3 #117

Ich bin fest davon überzeugt, daß die amerikanischen Gläubigen, die Botschafter des Glaubens Bahá'u'lláhs, niemals ein solches Wanken, Versagen oder eine solche Nachlässigkeit zulassen werden. Ein solches Vertrauen wird niemals verraten werden, solche Hoffnungen können nie zerstört werden, ein solches Vorrecht wird nie verwirkt werden, noch werden solche Lobpreisungen unausgesprochen bleiben. Nein, die heutige Generation dieser gesegneten, dieser wiederholt gesegneten Gemeinde wird vielmehr immer mehr erstarken. Da sich dieses erste Jahrhundert seinem Ende nähert, wird sie den Generationen, die ihr im zweiten folgen, die Fackel Göttlicher Führung weiterreichen, unverdunkelt durch die stürmischen Winde, die sie umtoben, damit jene ihrerseits, getreu dem Wunsch und Auftrag 'Abdu'l-Bahás, diese Fackel mit der gleichen Tatkraft, Treue und Begeisterung zu den dunkelsten und entferntesten Winkeln der Erde tragen können.

KGG +20:4 #118

Innig geliebte Freunde! In meinem Verlangen, jedem von euch alle in meiner Macht liegende Unterstützung zukommen zu lassen, die euch befähigen mag, die euch göttlich verordneten, ständig wachsenden Pflichten wirksamer zu erfüllen, kann ich nichts besseres tun, als eure besondere Aufmerksamkeit zu dieser entscheidenden Stunde auf die unsterblichen Textstellen zu lenken, die teilweise aus der großen Anzahl von unveröffentlichten und unübersetzten Schriften Bahá'u'lláhs ausgewählt wurden. In Seiner Offenbarung der Stufe und Aufgaben Seiner Geliebten, in Seinem Lob der Größe Seiner Sache, in Seiner Betonung der überragenden Bedeutung des Lehrens oder in den Gefahren, die Er andeutet, den Ratschlägen, die Er erteilt, den Warnungen, die Er äußert, den Ausblicken, die Er eröffnet, und in den Versicherungen und Verheißungen, die Er ausspricht, können diese dynamischen und typischen Beispiele der erhabenen Äußerungen Bahá'u'lláhs, von denen jede in direktem Bezug steht zu den Aufgaben, denen sich die amerikanische Bahá'í-Gemeinde zur Zeit gegenübergestellt sieht oder die noch vor ihr liegen, nicht verfehlen, in Geist und Seele eines jeden ihrer Mitglieder, der sich ihnen mit entsprechender Demut und Loslösung nähert, solche Wirkungen auszulösen, daß sein gesamtes Sein erleuchtet und seine täglichen Anstrengungen ungeheuer vertieft werden.

KGG +20:5 #119

»O Freunde! Seid nicht achtlos gegenüber den Tugenden, die euch verliehen wurden, noch vernachlässigt eure hohe Bestimmung ..., ihr seid die Sterne am Himmel des Verstehens, die Brise, die sich zu Beginn des Tages erhebt, die sanft fließenden Wasser, von denen das wirkliche Leben aller Menschen abhängt, die Buchstaben, die auf Seiner heiligen Rolle eingetragen sind.«

»O Volk Bahás! Ihr seid der Frühlingswind, der über die Welt weht. Durch euch haben Wir die Welt des Seins mit der Zierde des Erkennens des Gnadenvollsten geschmückt. Durch euch ist das Angesicht der Welt mit einem Lächeln geziert worden und hat die Pracht Seines Lichtes aufgeleuchtet. Haltet euch an das Seil der Beständigkeit in solcher Weise, daß alle eitlen Einbildungen verschwinden. Eilt hervor vom Horizont der Macht im Namen eures Herrn, des Unbeschränkten, und verkündet Seinen Dienern mit Weisheit und Beredsamkeit die Botschaften Seiner Sache, mit deren Glanz die Welt des Daseins übergossen wurde. Hütet euch, damit euch nichts von der Beachtung der Dinge abhalte, die von der Feder der Herrlichkeit für euch verordnet wurden, als sie mit unumschränkter Majestät und Macht über Sein Tablet geführt ward. Groß ist die Segnung für den, der auf ihre helle Stimme hörte, als sie durch die Macht der Wahrheit vor allen erhoben wurde, die im Himmel sind, und vor allen, die auf Erden wohnen ... O Volk Bahás! Der Strom, der wirklich Leben bedeutet, ist um euretwillen geflossen. Trinkt davon in Meinem Namen und achtet derer nicht, die nicht an Gott, den Herrn der Offenbarung, geglaubt haben. Wir haben euch erschaffen, um die Hände Unserer Sache zu sein. Erringt den Sieg für diesen Unterdrückten, der in den Händen der Missetäter schwer geprüft wurde. Er wird wahrlich jedem helfen, der ihm hilft, und wird an jeden denken, der Seiner gedenkt. Dafür legt dieses Tablet Zeugnis ab, das den Glanz der liebenden Güte eures Herrn, des Allherrlichen, des Allbezwingenden, ausgegossen hat.«

»Gesegnet sind die Diener Bahás! Gott ist Mein Zeuge! Sie sind der Trost für das Auge der Schöpfung. Durch sie wurde das Weltall geschmückt und das Bewahrte Tablet verschönt. Sie sind diejenigen, die in der Arche der völligen Unabhängigkeit segelten, ihre Gesichter dem Tagesanbruch der Schönheit zugewendet. Wie sehr sind sie gesegnet, da sie zu dem gelangten, was ihr Herr, der Allwissende, bestimmt hat. Ihr Licht schmückte die Himmel und erleuchtete die Gesichter derer, die zu ihm hingezogen wurden.«

»Bei dem Kummer, der die Schönheit des Allherrlichen betrübt! Die Stufe, die für den wahren Gläubigen verordnet wurde, ist so herrlich, daß, wenn auch nur ein winziges Körnchen ihrer Herrlichkeit vor der Menschheit entschleiert würde, jeder Schauende sich verzehren würde in dem Verlangen, sie zu erreichen. Aus diesem Grunde wurde bestimmt, daß in diesem irdischen Leben das volle Ausmaß der Herrlichkeit seiner eigenen Stufe vor dem Auge eines solchen Gläubigen verborgen bleibt.«

»Wenn der Schleier gelüftet und die volle Herrlichkeit der Stufe derer offenbar gemacht würde, die sich ganz Gott zugewendet und in ihrer Liebe zu ihm der Welt entsagt haben, würde die ganze Schöpfung verstummen.«

KGG +20:6 #121

»Wahrlich, ich sage! Niemand hat den Urgrund dieser Sache begriffen. Es obliegt an diesem Tage jedem, mit dem Auge Gottes zu schauen und mit Seinem Ohr zu hören. Wer Mich mit einem anderen Auge als dem Meinen betrachtet, wird Mich nie erkennen können. Keine der früheren Manifestationen hat, außer bis zu einem vorgeschriebenen Umfange, das Wesen dieser Offenbarung jemals völlig erfaßt.«

»Ich bezeuge vor Gott die Größe, die unfaßbare Größe dieser Offenbarung. Wieder und wieder haben Wir in den meisten Unserer Tablets für diese Wahrheit Zeugnis abgelegt, damit die Menschheit aus ihrer Achtlosigkeit aufgerüttelt würde.«

»Wie groß ist die Sache, wie erschütternd das Gewicht ihrer Botschaft!«

»In dieser mächtigsten Offenbarung haben alle Sendungen der Vergangenheit ihre höchste und letzte Vollendung erreicht.«

»Was in dieser hervorragenden, erhabensten Offenbarung kundgemacht wurde, ist ohne Beispiel in der Geschichte der Vergangenheit, auch werden zukünftige Zeitalter gleiches nie erleben.«

»Die Absicht, die der ganzen Schöpfung zugrunde liegt, ist die Offenbarung dieses erhabensten, dieses heiligsten Tages, des Tages, der als Tag Gottes in Seinen Büchern und Schriften bekannt ist - der Tag, den alle Propheten und die Auserwählten und die Heiligen mitzuerleben wünschten.«

»Das Wesentlichste und der vollkommenste Ausdruck dessen, was immer die Menschen in früheren Zeiten entweder gesagt oder geschrieben haben, ist durch diese gewaltigste Offenbarung vom Himmel des Willens des Allbesitzenden, des Ewigwährenden Gottes herabgesandt worden.«

»Dies ist der Tag, an dem Gottes vortrefflichste Gunstbezeigungen über die Menschen ausgeschüttet wurden, der Tag, an dem Seine mächtigste Gnade allen erschaffenen Dingen eingeflößt wurde.«

»Dies ist der Tag, an dem der Ozean des Erbarmens Gottes den Menschen kundgetan wurde, der Tag, an dem das Tagesgestirn Seiner liebenden Güte seinen Glanz über sie ausgoß, der Tag, an dem die Wolken Seiner gnadenreichen Gunst die ganze Menschheit überschatteten.«

».Bei der Gerechtigkeit Meines eigenen Selbstes! Groß, unermeßlich groß ist diese Sache! Mächtig, unvorstellbar mächtig ist dieser Tag!«

»Jeder Prophet hat das Kommen dieses Tages angekündigt, und jeder Gottgesandte hat heftig nach dieser Offenbarung verlangt - einer Offenbarung, bei deren Enthüllung alle erschaffenen Dinge ausriefen und sprachen: `Die Erde ist Gottes, des Erhabensten, des Größten!`

KGG #122

»Der Tag der Verheißung ist gekommen, und Er, der der Verheißene ist, verkündet laut vor allen im Himmel und auf Erden: `Wahrlich, es gibt keinen Gott außer ihm, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden!` Ich schwöre bei Gott! Was seit Ewigkeit in der Weisheit Gottes, des Kenners des Sichtbaren und des Unsichtbaren verwahrt war, ist geoffenbart. Glücklich das Auge, das Gottes Antlitz sieht, glücklich das Antlitz, das sich ihm zuwendet, dem Herrn allen Seins!«

»Wahrlich, dieser Tag ist groß! Die Hinweise auf ihn in allen heiligen Schriften als den Tag Gottes bestätigen Seine Größe. Die Seele jedes Propheten Gottes, jedes Göttlichen Boten hat nach diesem wundersamen Tag gedürstet. Die mannigfaltigen Bewohner der Erde haben sich alle danach gesehnt, an ihm teilzuhaben.«

»An diesem Tage ist ein Tor weit geöffnet, weiter noch als Himmel und Erde zusammen. Das Auge des Erbarmens Dessen, Der das Verlangen der Welt ist, blickt auf alle Menschen. Eine Tat, und sei sie noch so unscheinbar, ist, wenn sie im Spiegel der Erkenntnis Gottes betrachtet wird, mächtiger als ein Gebirge. Jeder Tropfen, der auf Seinem Pfad dargebracht wurde, ist in diesem Spiegel wie ein Meer. Denn dies ist der Tag, den der eine wahre Gott, verherrlicht sei Er, in allen Seinen Büchern Seinen Propheten und Seinen Boten angekündigt hat.«

»Dies ist eine Offenbarung, in der unzählige Meere den Menschen belohnen werden, der ihretwegen auch nur einen Tropfen Blutes vergießt.«

»Ein flüchtiger Augenblick an diesem Tage übertrifft Jahrhunderte eines vergangenen Zeitalters ... Weder Sonne noch Mond waren Zeuge eines solchen Tages.«

KGG #123

»Dies ist der Tag, an dem die unsichtbare Welt ausruft: `Groß ist deine Glückseligkeit, o Erde, denn du bist zum Schemel deines Gottes gemacht und zum Sitz Seines mächtigen Thrones erwählt worden.`«

»Die Welt des Daseins erstrahlt an diesem Tage in der Pracht dieser Göttlichen Offenbarung. Alle erschaffenen Dinge preisen seine rettende Gnade und singen sein Lob. Das Weltall ist von der Verzückung der Freude und Fröhlichkeit umfangen. Die Schriften früherer Offenbarungen feiern das große Jubelfest, das diesem größten Tag Gottes gebührt. Wohl dem, der gelebt hat, diesen Tag zu sehen, und seine Stufe erkannt hat.«

»An diesem Tage ist eine andere Sonne aufgegangen, und ein anderer Himmel wurde mit seinen Sternen und seinen Planeten geschmückt. Die Welt ist eine andere Welt, und die Sache ist eine andere Sache.«

»Dies ist der Tag, mit dem vergangene Zeitalter und Jahrhunderte niemals wetteifern können. Erkenne dies und gehöre nicht zu den Unwissenden.«

»Dies ist der Tag, an dem menschlichen Ohren das Vorrecht eingeräumt wurde zu hören, was Er, der mit Gott verkehrte (Moses), auf dem Sinai hörte, was Er, der Freund Gottes (Muhammad), hörte, als Er zu ihm emporgehoben wurde, was Er, der Geist Gottes ( Jesus), hörte, als Er zu ihm aufstieg, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.«

»Dieser Tag ist der Tag Gottes, und diese Sache ist Seine Sache. Glücklich, wer dieser Welt entsagt und sich hält an Ihn, die Morgensonne der Offenbarung Gottes.«

»Dies ist der König der Tage, der Tag, der das Kommen des inniggeliebten gesehen hat, Er, der seit aller Ewigkeit als das Verlangen der Welt gepriesen wurde.«

KGG #124

»Dies ist der höchste aller Tage und der König unter ihnen. Groß ist die Glückseligkeit dessen, der durch den süßen Duft dieser Tage immerwährendes Leben erreicht hat und der sich mit der größten Standhaftigkeit erhoben hat, der Sache Dessen beizustehen, Der der König der Namen ist. Ein solcher Mensch ist wie ein Auge für den Körper der Menschheit.«

»Unvergleichlich ist dieser Tag, denn er ist wie das Auge für vergangene Zeitalter und Jahrhunderte und wie ein Licht in der Finsternis der Zeiten.«

»Dieser Tag unterscheidet sich von anderen Tagen, und diese Sache unterscheidet sich von allen anderen. Bittet den einen wahren Gott, daß Er den Augen der Menschen nicht verwehren möge, Seine Zeichen zu erblicken, noch ihren Ohren, die helle Stimme der Feder der Herrlichkeit zu hören.«

»Diese Tage sind Gottes Tage; mit einem Augenblick daraus können Zeitalter und Jahrhunderte niemals wetteifern. Ein Atom ist in diesen Tagen wie die Sonne, ein Tropfen wie das Meer. Jeden einzelnen Atemzug, der in der Liebe Gottes und zu Seinem Dienst ausgehaucht wird, zeichnet die Feder der Herrlichkeit auf als eine fürstliche Tat. Würden die wirkenden Kräfte dieses Tages aufgezählt, so wären alle wie vom Donner getroffen außer denen, die Dein Herr ausgenommen hat.«

»Bei der Gerechtigkeit Gottes! Dies sind die Tage, an denen Gott die Herzen der gesamten Schar Seiner Boten und Propheten geprüft hat und darüber hinaus derjenigen, die vor Seinem ehrwürdigen und unverletzlichen Heiligtum Wache halten, den Insassen des himmlischen Gebäudes und den Bewohnern des Zeltes der Herrlichkeit.«

KGG #125

»Würde die Größe dieses Tages in ihrem ganzen Umfange offenbart werden, dann gäbe ein jeder Mensch eine Unzahl von Leben - und wieviel mehr diese Welt und ihre vergänglichen Schätze - in der Sehnsucht hin, an seiner großen Herrlichkeit, und sei es auch nur für einen Augenblick, teilzuhaben!«

»Gott, der Wahre, ist Mein Zeuge! Dies ist der Tag, an dem es jedem Sehenden obliegt zu schauen, jedem hörenden Ohr zu horchen, jedem verstehenden Herzen zu erfassen und jeder sprechenden Zunge, allen, die im Himmel und auf Erden sind, zu verkünden diesen heiligen, diesen erhabenen und allerhöchsten Namen.«

»Sprich: o Mensch! Dies ist ein beispielloser Tag. Beispiellos muß auch die Zunge sein, die das Lob des Verlangens aller Völker verherrlicht, und beispiellos die Tat, die danach strebt, in Seinen Augen angenommen zu werden. Die ganze Menschheit hat sich nach diesem Tage gesehnt, daß er vielleicht erfüllen möge, was ihrer Stufe wohl geziemt und ihrer Bestimmung würdig ist.«

KGG +20:7 #126

»Durch die Bewegung Unserer Feder der Herrlichkeit haben Wir auf das Gebot des Allgewaltigen Verordners hin jeder menschlichen Gestalt neues Leben eingehaucht und jedem Wort neue Kraft verliehen. Alles Erschaffene verkündet die Beweise dieser weltweiten Erneuerung.«

»O Menschen! Ich schwöre bei dem einen wahren Gott! Dies ist der Ozean, aus dem alle Meere hervorgegangen sind und mit dem jedes von ihnen letztlich vereinigt werden wird. Durch ihn wurden alle Sonnen erzeugt, und zu ihm werden sie alle zurückkehren. Durch Seine Macht haben die Bäume der Göttlichen Offenbarung ihre Früchte hervorgebracht, und jede von ihnen ist in der Gestalt eines Propheten herabgesandt worden, der eine Botschaft für Gottes Geschöpfe in jeder der Welten trug, deren Zahl Gott allein in Seiner allumfassenden Kenntnis zählen kann. Dies hat Er durch die Vermittlung nur eines einzigen Buchstabens Seines Wortes vollbracht, das durch Seine Feder geoffenbart wurde - einer durch Seinen lenkenden Finger bewegten Feder - wobei der Finger gestärkt wurde durch die Macht der Wahrheit Gottes.«

»Bei der Gerechtigkeit des einen wahren Gottes! Wenn das Staubkörnchen eines Edelsteines verlorenginge und unter einem Berg von Steinen begraben und hinter den sieben Meeren verborgen läge, würde die Hand des Allgewaltigen es sicher an diesem Tag zum Vorschein bringen, rein und frei von allem Schmutz.«

»Jeder einzelne Buchstabe, der aus Unserem Munde kommt, ist mit solcher Erneuerungskraft ausgestattet, daß er fähig ist, eine neue Schöpfung ins Leben zu rufen - eine Schöpfung, deren Erhabenheit für alle außer Gott unergründlich ist. Er hat wahrhaftig Kenntnis von allen Dingen«. »Sollten wir es wünschen, so stünde es in Unserer Kraft, ein schwebendes Körnchen Staub zu befähigen, in weniger als einem Augenblick Sonnen von unendlichem, unvorstellbarem Glanz zu erzeugen, oder einen Tautropfen zu veranlassen, sich zu ausgedehnten und zahllosen Meeren zu entwickeln, oder jedem Buchstaben solch eine Kraft einzuflößen, daß er in die Lage versetzt wäre, all das Wissen vergangener und zukünftiger Zeitalter zu entfalten.« »Wir sind im Besitze einer solchen Macht, die, sollte sie ans Lieht gebracht werden, das tödlichste Gift in ein Allheilmittel von unfehlbarer Wirkung umzuwandeln vermöchte.«

KGG +20:8 #127

»Die Tage nähern sich ihrem Ende, und doch sieht man die Völker der Erde in schmerzlicher Achtlosigkeit versunken und in offenkundigem Irrtum befangen.«

»Groß, groß ist der Glaube! Die Stunde nähert sich, in der die größte Erschütterung deutlich wird, ich schwöre bei Ihm, Der die Wahrheit ist! Sie wird jeden mit Scheidung treffen, selbst diejenigen, die sich um Mich scharen.«

»Sprich: o Menge der Achtlosen! Ich schwöre bei Gott! Der verheißene Tag ist gekommen, der Tag, an dem schreckliche Prüfungen über euren Köpfen und unter euren Füßen branden und verkünden: `Kostet das Werk eurer Hände!`«

»Die Zeit ist da für die Vernichtung der Welt und ihrer Bewohner. Er, der Urewige, ist gekommen, damit Er unvergängliches Leben und ewiges Bewahren verleihe, und das bringe, was dem wahren Leben förderlich ist.«

»Der Tag naht, da ihre (der Zivilisation) Flamme die Städte verschlingen wird, da die Zunge der Größe verkünden wird: `Das Königreich ist Gottes, des Allmächtigen, des Allgepriesenen!`«

»O ihr Verständnislosen! Eine schwere Prüfung für euch zieht heran und wird euch plötzlich heimsuchen. Seid rührig - vielleicht geht sie dann vorüber ohne Schaden anzurichten!«

»O ihr Völker der Welt! Wisset wahrlich, daß unvorhergesehenes Elend euch folgt und schmerzliche Vergeltung eurer harrt. Denkt nicht, daß die Taten, die ihr begangen habt, vor meinen Augen ausgelöscht sind.«

»O ihr Achtlosen! Obgleich die Wunder Meines Erbarmens alles Erschaffene, das sichtbare wie das unsichtbare, umschlossen und die Offenbarungen Meiner Gnade und Güte jedes Atom des Weltalls durchdrungen haben, ist dennoch die Rute, mit der Ich die Gottlosen züchtigen kann, schmerzhaft, und die Heftigkeit Meines Zornes gegen sie ist furchtbar.«

»Seid nicht bekümmert über diejenigen, die sich mit den Dingen dieser Welt beschäftigen und das Gedenken Gottes, des Größten, vergessen haben. Bei Ihm, Der die Ewige Wahrheit ist! Der Tag nähert sich, an dem der grimmige Unwille des Allmächtigen sie erfaßt haben wird. Er ist wahrlich der Allgewaltige, der Allbezwingende, der Mächtigste. Er wird die Erde von der Befleckung ihrer Verderbtheit reinigen, und wird sie als Erbe denjenigen Seiner Diener geben, die Ihm nahe sind.«

»Bald wird der Ruf `Wahrlich, wahrlich, hier bin Ich, hier bin Ich` in jedem Lande gehört werden. Denn es hat niemals und wird niemals eine andere Zuflucht für irgend jemanden geben, zu der er fliehen könnte.«

»Und wenn die festgesetzte Stunde gekommen ist, wird plötzlich das erscheinen, was die Glieder der Menschheit erzittern läßt. Dann und nur dann wird das Göttliche Banner entfaltet werden und die Nachtigall des Paradieses ihre Melodie singen.«

KGG +20:9 #129

»Zu Beginn jeder Offenbarung hat viel Not geherrscht, die später in großes Wohlergehen umgewandelt wurde.«

»Sprich: o Volk Gottes! Gebt acht, daß die irdischen Gewalten euch nicht beunruhigen, die Macht der Völker euch nicht schwach mache, der Lärm streitender Menschen euch nicht erschrecke oder die Inhaber irdischen Ruhmes euch betrüben. Steht fest wie ein Berg in der Sache eures Herrn, des Allmächtigen, des Allherrlichen, des Unbezwungenen.«

»Sprich: Hütet euch, o Volk Bahás, damit nicht die Starken der Erde euch eurer Stärke berauben oder die, welche die Welt regieren, euch mit Furcht erfüllen. Setzt euer Vertrauen auf Gott und übergebt eure Angelegenheiten Seiner Obhut. Er wird euch wahrlich durch die Kraft der Wahrheit siegreich machen. Er wahrlich ist mächtig zu tun, was Er will, und in Seinem Griff liegen die Zügel der allgewaltigen Macht.«

»Ich schwöre bei Meinem Leben! Meine Geliebten kann nur das befallen, was ihnen von Vorteil ist. Dies bezeugt die Feder Gottes, des Mächtigsten, des Allherrlichen, des Meistgeliebten.«

»Laßt nicht die Geschehnisse der Welt euch betrüben. Ich schwöre bei Gott! Das Meer der Freude sehnt sich danach, in eure Gegenwart zu gelangen, denn alles Gute wurde für euch erschaffen und wird euch den Notwendigkeiten der Zeiten entsprechend offenbart werden.«

»O Meine Diener! Sorgt euch nicht, wenn in diesen Tagen und auf diesem irdischen Planeten Dinge gegen euer Wünschen von Gott verordnet und kundgetan wurden, denn Tage seliger Freude und himmlischen Entzückens erwarten euch. Heilige und geistig herrliche Welten werden eure Augen erblicken. Ihr seid von ihm in dieser Welt und im künftigen Leben ausersehen, ihre Wohltaten zu genießen, an ihren Freuden teilzuhaben und einen Anteil an ihrer stärkenden Gnade zu erhalten. Ihr werdet zweifellos zu jeder einzelnen von ihnen gelangen.«

KGG +20:10 #130

»Dies ist der Tag, an dem gesprochen werden muß. Es ist die Aufgabe des Volkes Bahás, mit äußerster Geduld und Nachsicht danach zu streben, die Völker der Welt zum Größten Horizont zu führen. Jeder Körper ruft laut nach einer Seele. Durch den Atem des Wortes Gottes müssen himmlische Seelen die toten Körper mit frischem Geist beleben. In jedem Wort ist ein neuer Geist verborgen. Glücklich ist der Mensch, der dahin gelangt und sich aufgemacht hat, die Sache Dessen zu lehren, Der der König der Ewigkeit ist.«

»Sprich: o Diener! Der Sieg dieser Sache hing ab und wird weiterhin abhängen von dem Auftreten heiliger Seelen, von dem Aufzeigen guter Taten und von der Offenbarung von Worten vollendeter Weisheit.«

»Vereinigt eure Kraft zur Verbreitung des Glaubens Gottes. Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, soll sich erheben und sich für ihn einsetzen. Wer dazu nicht fähig ist, dessen Pflicht ist es, den zu benennen, der an seiner Statt diese Offenbarung verkünden wird, deren Kraft die Grundlagen der mächtigsten Bauten erzittern ließ, jeden Berg zu Staub zermalmte und jede Seele verstummen machte.«

»Laßt eure Hauptsorge sein, den Gefallenen aus dem Sumpf drohender Vernichtung zu erretten und ihm zu helfen, den altehrwürdigen Glauben Gottes anzunehmen. Euer Verhalten gegenüber eurem Nachbarn muß so sein, daß es die Zeichen des einen wahren Gottes klar verdeutlicht, denn ihr seid die ersten unter den Menschen, die durch Seinen Geist neu erschaffen wurden, die ersten, ihn anzubeten und das Knie vor ihm zu beugen, die ersten, sich um Seinen Thron der Herrlichkeit zu scharen.«

»O ihr Geliebten Gottes! Legt euch nicht auf eurem Lager zur Ruhe, nein, erhebt euch, sobald ihr euren Herrn, den Schöpfer, erkennt und von den Dingen hört, die ihn befallen haben, und eilt zu Seiner Unterstützung herbei. Löst eure Zungen und hört nicht auf, Seine Sache zu verkünden. Dies wird besser für euch sein als alle Schätze der Vergangenheit und der Zukunft, wenn ihr zu denen gehört, die diese Wahrheit begreifen.«

KGG #131

»Ich schwöre bei Ihm, Der die Wahrheit ist! Binnen kurzem wird Gott den Anfang des Lebensbuches mit der Erwähnung Seiner Geliebten schmücken, die Trübsal auf Seinem Pfade erlitten haben und in Seinem Namen und zu Seinem Lobpreis durch die Länder reisten. Wer immer in ihre Gegenwart gelangt ist, wird sich des Zusammentreffens mit ihnen rühmen, und alle, die in jedem Lande wohnen, werden durch ihr Gedenken erleuchtet werden.«

»Wetteifert miteinander im Dienste Gottes und Seiner Sache. Dies ist wahrhaftig, was euch in dieser Welt und in der kommenden von Nutzen sein wird. Euer Herr, der Gott der Barmherzigkeit, ist der Allunterrichtete, der Allwissende. Seid nicht bekümmert über die Dinge, die ihr in diesen Tagen erlebt. Der Tag wird kommen, an dem die Zungen der Völker verkünden werden: `Die Erde ist Gottes, des Allmächtigen, des Einzigen, des Unvergleichlichen, des Allwissenden!`«

»Gesegnet ist der Ort, und das Haus, und der Platz, und die Stadt, und das Herz, und das Gebirge, und der Zufluchtsort, und die Höhle, und das Tal, und das Land, und das Meer, und die Insel, und die Wiese, wo Gottes Erwähnung getan und Sein Lob gepriesen wurde.«

»Wird die Reise von Ort zu Ort um Gottes willen unternommen, so kann sie auch jetzt ihren Einfluß in der Welt ausüben, so wie sie es immer getan hat. In den früheren Büchern wurde die Stufe derjenigen, die nah und fern herumreisten, um die Diener Gottes zu führen, festgesetzt und niedergeschrieben.«

»Ich schwöre bei Gott! So wunderbar sind die Dinge, die für die Standhaften bestimmt wurden, daß, würde von ihnen nur so viel wie ein Nadelöhr enthüllt, alle, die im Himmel und auf Erden sind, wie vom Donner gerührt wären, außer denen, die Gott, der Herr aller Welten, auszunehmen bestimmt hat.«

KGG #132

»Ich schwöre bei Gott! Das, was für den ausersehen wurde, der Meiner Sache beisteht, übertrifft die Schätze der Erde!«

»Wer seine Lippen an diesem Tage öffnet und des Namens seines Herrn Erwähnung tut, zu dem werden die Heerscharen der Göttlichen Eingebung vom Himmel Meines Namens, des Allwissenden, des Allweisen, herabsteigen. Zu ihm wird auch die hehre Versammlung herabkommen, von der jeder einen Kelch reinen Lichtes emporhält. So wurde es im Königreich der Offenbarung Gottes vorherbestimmt auf Geheiß Dessen, Der der Allherrliche, der Mächtige ist.«

»Bei der Gerechtigkeit Dessen, Der an diesem Tag im innersten Herzen alles Erschaffenen ausruft: `Gott! Es ist kein Gott außer Mir!` Wenn sich ein Mensch erhebt, um in seinen Schriften die Sache Gottes gegen ihre Angreifer zu verteidigen, so wird dieser, wie unbedeutend sein Beitrag sein mag, in der nächsten Welt so geehrt werden, daß die himmlische Versammlung ihn um seinen Ruhm beneiden wird. Keine Feder kann die Erhabenheit seiner Stufe schildern, noch kann irgendeine Zunge deren Glanz beschreiben.«

»So Gott will werdet ihr alle gestärkt werden, um den Willen Gottes auszuführen, und wird euch gnädiglich geholfen werden, den Rang zu würdigen, der denen seiner Geliebten verliehen wurde, die sich erhoben haben, ihm zu dienen und Seinen Namen zu rühmen. Auf ihnen sei die Herrlichkeit Gottes, die Herrlichkeit von allem, was im Himmel ist, und allem, was auf Erden ist, und die Herrlichkeit der Bewohner des erhabensten Paradieses, des Himmels der Himmel.«

»O Volk Bahás! Daß es keinen gibt, mit euch in Wettstreit zu treten, ist ein Zeichen der Barmherzigkeit. Trinkt aus dem Kelch der Gnade den Wein der Unsterblichkeit ungeachtet derer, die Gott, den Herrn der Namen und Schöpfer der Himmel, verleugnet haben.«

KGG +20:11 #133

»Ich schwöre bei dem einen wahren Gott! Dies ist der Tag derer, die sich von allem außer ihm losgesagt haben, der Tag derer, die Seine Einheit erkannt haben, der Tag, an dem Gott mit den Händen Seiner Macht göttliche Existenzen und unvergängliche Wesen erschafft, von denen jedes die Welt und alles, was darinnen ist, hinter sich wirft und so standhaft in der Sache Gottes wird, daß jedes weise und verstehende Herz sie bewundert.«

»Verborgen hinter dem Heiligen Schleier und vorbereitet für den Dienst Gottes ruht eine Schar Seiner Erwählten, die den Menschen offenbar gemacht werden, Seiner Sache helfen und sich vor niemandem fürchten sollen, auch wenn sich die ganze Menschheit erhebt und gegen sie zu Felde zieht. Sie sind diejenigen, die sich unter dem aufmerksamen Blick der Bewohner der Erde und der Bürger des Himmels erheben und mit lauter Stimme dem Namen des Allmächtigen zujubeln und die Menschenkinder zum Pfade Gottes, des Allherrlichen, des Allgepriesenen, laden sollen.«

»Der Tag naht heran, an dem Gott durch einen Willensakt ein Menschengeschlecht erwecken wird, dessen Wesen für alle außer Gott, dem Allgewaltigen, dem Selbstbestehenden, unergründlich ist.»

»Er wird binnen kurzem aus dem Schoß der Stärke die Hände der Überlegenheit und Macht erheben - Hände, die sich emporheben werden, um den Sieg für diesen Jüngling zu gewinnen, und die die Menschheit von der Sünde der Verstoßenen und Gottlosen reinigen werden. Diese Hände werden sich bereit machen, um den Glauben Gottes zu schützen, und sie werden in Meinem Namen, dem Selbstbestehenden, dem Mächtigen, die Völker und Geschlechter der Erde unterwerfen. Sie werden die Städte betreten und die Herzen all ihrer Bewohner mit Furcht erfüllen. Das sind die Zeugnisse der Macht Gottes; wie furchtbar, wie gewaltig ist Seine Macht!«

KGG +20:12 #134

Noch ein Wort zum Abschluß. Unter den folgenschwersten und das Denken am meisten herausfordernden Aussprüchen, die jemals von 'Abdu'l-Bahá im Verlauf Seiner geschichtemachenden Reisen durch den nordamerikanischen Kontinent getan wurden, finden sich folgende:

»Möge diese amerikanische Demokratie die erste Nation sein, welche die Grundlage internationaler Verständigung errichtet. Möge sie die erste Nation sein, welche die Einheit der Menschheit verkündet. Möge sie die erste sein, die das Banner des Größten Friedens entfaltet.«

und weiter: »Das amerikanische Volk ist in der Tat würdig, das erste zu sein, welches das Zelt des Größten Friedens errichtet und die Einheit der Menschheit verkündet ... Denn Amerika hat größere und wundervollere Kräfte als andere Nationen entwickelt ... Die amerikanische Nation ist ausgerüstet und befähigt, das zu vollbringen, was die Seiten der Geschichte schmücken wird, von der Welt beneidet und in Ost und West zum Triumph ihres Volkes gesegnet ... Der amerikanische Kontinent zeigt Zeichen und Beweise sehr großen Fortschrittes. Seine Zukunft verspricht noch viel mehr, denn sein Einfluß und seine Erleuchtung sind weitreichend. Er wird alle Nationen geistig führen.«

KGG +21:1 #135
Das Schicksal Amerikas

Sobald die schöpferischen Energien durch die ersten Bewegungen der keimhaften Weltordnung Bahá'u'lláhs in diesem Volk ausgelöst wurden, haben sie ihm, das zu ihrer Wiege und ihrem Vorkämpfer bestimmt ist, die Würde verliehen, es mit Kräften und Fähigkeiten begabt und es geistig ausgerüstet, damit es die Rolle zu spielen vermag, die mit diesen prophetischen Worten angedeutet wurde. Die Kräfte, die dieser von Gott gegebene Auftrag seinen Bewohnern eingeflößt hat, beginnen sich kundzutun, einerseits in den bewußten Bemühungen und den die ganze Nation umfassenden Leistungen auf dem Lehr- und auf dem administrativen Gebiet, mit denen die Anhänger Bahá'u'lláhs auf dem amerikanischen Kontinent in ihrer Gemeinde ihre Tätigkeit aufgenommen haben; andererseits formen diese gleichen Kräfte, unabhängig von diesen Bemühungen und Leistungen, doch gleichlaufend mit ihnen, unmerklich unter dem Druck der politischen und wirtschaftlichen Mächte der Welt das Schicksal dieser Nation und beeinflussen das Leben und die Handlungen ihrer Regierung und ihrer Bevölkerung.

KGG +21:2 #136

Auf die Bemühungen und Leistungen jener, die um die Offenbarung Bahá'u'lláhs wissend nun auf diesem Kontinent arbeiten, auf den jetzigen und zukünftigen Verlauf ihrer Tätigkeit, habe ich auf den vorhergehenden Seiten genügend hingewiesen. Wenn man das Schicksal des amerikanischen Volkes in seiner Gesamtheit richtig erfassen will, muß nun noch ein Wort über die Ausrichtung und die allgemeine Entwicklungstendenz dieser Nation als Ganzes gesagt werden. Denn, gleichgültig wie unkundig der Quelle, aus der diese richtungweisenden Energien hervorkommen, und wie langsam und schwerfällig der Vorgang auch ist, so wird doch in zunehmendem Maße deutlich, daß die Nation als Ganze, ob durch das Verhalten ihrer Regierung oder sonstwie, unter dem Einfluß von Kräften, die sie weder begreifen noch überwachen kann, stark solchen Verbindungen und einer solchen Politik zustrebt, in denen, wie 'Abdu'l-Bahá vermerkte, ihre wahre Bestimmung liegen muß. Sowohl die Gemeinde der amerikanischen Gläubigen, die sich jener Quelle bewußt sind, als auch die große Masse ihrer Landsleute, die die Hand, die ihr Schicksal lenkt, noch nicht erkannt haben, tragen, jede auf ihre Weise, ihren Teil bei zur Verwirklichung der Hoffnungen und zur Erfüllung der Verheißungen, die in den oben zitierten Worten 'Abdu'l-Bahás ausgesprochen wurden.

KGG +21:3 #137

Die Welt schreitet fort, ihre Ereignisse entfalten sich unheilverkündend und mit verwirrender Geschwindigkeit. Der Wirbelwind ihrer Leidenschaften ist schnell und beunruhigend heftig. Die Neue Welt wird unmerklich in ihren Strudel hineingezogen. Die möglichen Sturmzentren der Erde werfen bereits ihre Schatten auf ihre Gestade. Ungeahnte und nicht vorherzusagende Gefahren bedrohen sie von innen und von außen. Ihre Regierungen und Völker verfangen sich allmählich in den Fallstricken der sich wiederholenden Krisen und heftigen Auseinandersetzungen der Welt. Der Atlantische und Pazifische Ozean schrumpfen mit jeder Beschleunigung im Vormarsch der Wissenschaft immer mehr zu bloßen Kanälen zusammen. Die große Republik des Westens findet sich in besonderem und steigendem Maße betroffen. Fernes Donnergrollen hallt drohend in den Aufwallungen ihrer Bewohner wider. An ihren Flanken erstrecken sich die möglichen Sturmzentren des europäischen Kontinents und des Fernen Ostens. An ihrem südlichen Horizont wird sichtbar, was sich möglicherweise zu einem weiteren Zentrum des Aufruhrs und der Gefahr entwickeln könnte. Die Welt verengt sich zu einer Nachbarschaft. Amerika muß dieser neuen Lage, freiwillig oder unfreiwillig, ins Gesicht blicken und sich ernstlich mit ihr auseinandersetzen. Zum Zwecke der nationalen Sicherheit, ganz abgesehen von irgendwelchen humanitären Gründen, muß es die Verpflichtungen übernehmen, die ihm durch diese neu geschaffene Nachbarschaft auferlegt wurden. So widersinnig es auch erscheinen mag, so liegt doch seine einzige Hoffnung, sich aus den ringsum aufwachsenden Gefahren zu befreien, darin, sich in jenes Gewebe internationaler Verflechtungen verwickeln zu lassen, das von der Hand einer unerforschlichen Vorsehung gewoben wird. Der Ratschlag 'Abdu'l-Bahás an einen hochgestellten Beamten in seiner Regierung kommt einem als besonders angemessen und gewichtig in den Sinn.

»Du kannst am besten deinem Land dienen, wenn du in deiner Eigenschaft als Bürger der Welt danach strebst, bei der endlichen Anwendung des föderalistischen Prinzips, das der Regierung deines eigenen Landes zugrundeliegt, auf die jetzt zwischen den Völkern und Nationen der Welt bestehenden Beziehungen mitzuwirken.«

Die Ideale, die die Phantasie des amerikanischen Präsidenten anregten, der tragischerweise so wenig gewürdigt wird und dessen hohe Bemühungen, wenn sie auch von einer kurzsichtigen Generation für nichtig erklärt wurden, durch 'Abdu'l-Bahás eigene Feder begrüßt wurden als Ankündigung der Morgendämmerung des Größten Friedens, diese Ideale klagen heute im Staub liegend ein achtloses Geschlecht bitter an, daß es sich so grausam von ihnen abgewandt hat.

KGG +21:4 #138

Daß die Welt von Gefahren bedrängt wird, daß sich diese Gefahren immer mehr verdichten und die amerikanische Nation tatsächlich bedrohen, kann ein klarsichtiger Beobachter unmöglich verneinen. Die Erde ist gegenwärtig in ein Heerlager verwandelt. Etwa fünfzig Millionen Mann sind unter Waffen oder stehen als Reserve bereit. Nicht weniger als die Summe von drei Milliarden Pfund wird in einem Jahr für die Rüstung ausgegeben. Das Licht der Religion ist verdunkelt, und der moralische Rückhalt löst sich auf. Die Nationen der Welt sind zum größten Teil eine Beute der sich streitenden Ideologien geworden, die drohen, die eigentliche Grundlage ihrer teuer erworbenen politischen Einheit zu spalten. Aufgewiegelte Massen in diesen Ländern sehen sie mit Mißfallen, sind bis zu den Zähnen bewaffnet, sind kopflos vor Angst und stöhnen unter dem Joch der Drangsale, verursacht durch politischen Hader, rassischen Fanatismus, Nationalhaß und religiöse Feindseligkeit.

»Die Winde der Verzweiflung«, hat Bahá'u'lláh unmißverständlich bestätigt, »wehen, ach, aus jeder Richtung, und der Hader, der die Menschheit zerspaltet und peinigt, nimmt täglich zu. Die Zeichen drohender Schwäche und des nahen Chaos sind heute zu erkennen ...«

'Abdu'l-Bahá hat schon vor zwei Jahrzehnten geschrieben und vorhergesagt: »Die übel, unter denen die Welt nun leidet, werden sich vervielfältigen; die Dunkelheit, die sie umfangen hält, wird sich vertiefen. Die Balkanländer werden unzufrieden bleiben, ihre Unruhe wird wachsen. Die besiegten Mächte werden fortfahren zu hetzen. Sie werden zu jeder Maßnahme Zuflucht nehmen, die den Brand des Krieges wieder entfachen kann. Neu entstehende und in ihrem Ausmaß weltweite Bewegungen werden ihr Äußerstes zur Förderung ihrer eigenen Absichten tun. Die Bewegung der Linken wird große Bedeutung erringen, ihr Einfluß wird sich ausbreiten.«

Was die amerikanische Nation selbst anbetrifft, so hat die Stimme ihres eigenen Präsidenten klar und deutlich das Volk gewarnt, daß ein möglicher Angriff auf das Land durch die Entwicklung des Flugwesens und durch andere Faktoren unendlich viel näher gerückt sei, ihr Minister äußerte vor kurzem bei einer 'Ansprache an die versammelten Vertreter aller amerikanischen Republiken während einer Konferenz eine nicht weniger Unheil verkündende Warnung. »Diese sich erhebenden Kräfte zeigen sich drohend am Horizont der ganzen Welt, - ihr Unheil verkündender Schatten legt sich über unsere ganze eigene Hemisphäre.« Auch ihre Presse schlägt denselben Ton der Warnung und Unruhe vor einer sich nähernden Gefahr an. »Wir müssen gewappnet sein, uns nach innen und außen zu verteidigen ... Unsere Verteidigungsfront ist lang. Sie reicht von Point Barrow in Alaska bis Kap Horn und erstreckt sich entlang des Atlantik und des Pazifik. Wann und wo die Angreifer aus Europa und Asien gegen uns losschlagen werden, kann niemand sagen. Es kann überall und zu jeder Zeit sein ... Wir haben keine Wahl, als uns selbst zu bewaffnen ... Wir müssen aufmerksam für die westliche Hemisphäre wachen.«

KGG +21:5 #140

Die Entfernung, die die amerikanische Nation seit ihrer förmlichen und entschiedenen Zurückweisung der Wilsonschen Ideale zurückgelegt hat, die Veränderungen, die in ihr unerwartet in den letzten Jahren vor sich gegangen sind, die Richtung, in der sich die Angelegenheiten der Welt bewegen, und ihr unvermeidlicher Druck auf die Politik und Wirtschaft dieser Nation, sind für jeden Bahá'í-Beobachter, der die Entwicklung der internationalen Lage im Lichte der Prophezeiungen Bahá'u'lláhs und 'Abdu'l-Bahás betrachtet, äußerst bedeutungsvoll, höchst aufschlußreich und ermutigend. Den genauen Kurs aufzuzeichnen, den diese Nation in diesen unruhigen Zeiten und schweren Jahren einschlagen wird, ist unmöglich. Wenn wir die Richtung beurteilen, die ihre Angelegenheiten jetzt nehmen, können wir den Kurs nur erahnen, den sie höchstwahrscheinlich in ihren Beziehungen zu den Republiken Amerikas und den Ländern der übrigen Erdteile weiterhin wählen wird.

KGG +21:6

Eine engere Verbindung mit diesen Republiken einerseits und in wechselndem Ausmaß eine vermehrte Teilnahme an den Angelegenheiten der ganzen Welt andererseits als Ergebnis der periodischen Krisen in der Welt, erscheinen als die wahrscheinlich zutreffendsten Entwicklungen, die die Zukunft für dieses Land bereithält. Verzögerungen müssen unvermeidlicherweise eintreten, und Rückschläge müssen in Kauf genommen werden im Verlauf der Entwicklung dieses Landes auf seine endliche Bestimmung hin. Nichts jedoch kann letztlich den Kurs ändern, der ihm von der nie irrenden Feder 'Abdu'l-Bahás vorgeschrieben wurde. Nachdem seine Bundeseinheit bereits erzielt und seine inneren Einrichtungen gefestigt wurden - eine Stufe, die das Mannesalter als politische Ganzheit kennzeichnet - muß sich ihre weitere Entwicklung als Mitglied der Nationenfamilie unter Umständen, die zur Zeit noch nicht vorstellbar sind, ständig fortsetzen. Diese Entwicklung muß andauern bis zu jenem Zeitpunkt, da diese Nation durch die aktive und entscheidende Rolle, die sie bei der Organisation und friedlichen Regelung der Angelegenheiten der Menschheit zu spielen haben wird, die Fülle ihrer Macht und Wirksamkeit erreicht haben wird als ausgezeichnetes Mitglied und bestimmender Bestandteil einer verbündeten Welt.

KGG +21:7 #141

Die unmittelbare Zukunft muß als Ergebnis dieser stetigen, allmählichen und unvermeidlichen Verwicklung in die vielfältigen Schwierigkeiten und Probleme, die die Menschheit heimsuchen, dunkel und bedrückend für jene Nation sein. Die welterschütternde, harte Prüfung, die Bahá'u'lláh, wie auf den vorangegangenen Seiten angeführt, so anschaulich vorhergesagt hat, mag sie in einem noch nie dagewesenen Grade in ihren Wirbel hineinreißen, im Gegensatz zu ihrer Reaktion auf den letzten Weltkonflikt wird sie vermutlich aus ihm in bewußter Entschlossenheit auftauchen, um die Gelegenheit zu ergreifen, das volle Gewicht ihres Einflusses auf die ungeheuren Probleme geltend zu machen, die solch eine harte Prüfung nach sich zieht, und um in Verbindung mit ihren Schwesternationen des Ostens und Westens den größten Fluch zu bannen, der seit undenklichen Zeiten die Menschheit heimgesucht und erniedrigt hat. Dann und nur dann wird die amerikanische Nation, geformt und gereinigt im Schmelztiegel eines allgemeinen Krieges, abgehärtet gegen seine Fieberfröste und diszipliniert durch seine Säule, in der Lage sein, ihre Stimme im Rat der Nationen zu erheben, selbst den Grundstein für einen weltweiten und dauernden Frieden zu legen, die Geschlossenheit, Einheit und Reife der Menschheit zu verkünden und bei der Errichtung der versprochenen Herrschaft der Gerechtigkeit auf Erden mitzuhelfen. Dann und nur dann wird die amerikanische Nation, während die Gemeinde der amerikanischen Gläubigen in ihrem Herzen ihren göttlich erteilten Auftrag ausführt, in der Lage sein, die unaussprechlich herrliche Sendung zu erfüllen, die ihr vom Allmächtigen bestimmt wurde und in den Schriften 'Abdu'l-Bahás unvergänglich verwahrt ist. Dann und nur dann wird die amerikanische Nation das vollbringen, »was die Seiten der Geschichte schmücken wird«, »von der Welt beneidet und in Ost und West ... gesegnet.«

SHOGHI
25. Dezember 1938
68

SHOGHI EFFENDI DAS KOMMEN GÖTTLICHER GERECHTIGKEIT


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