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1982 Geistiger Adel
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1983 Einheit der Familie
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1985 Okt, Die Verheißung des Weltfriedens
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1989 Aug 29, 19-Tagefest
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1990 Bahai Ehen und ihr Schutz
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1991 Drogen und Suchtstoffe
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1998 Apr, Trainingsinstitute
2001 Huququllah das Recht Gottes neu
2001 Huququllah die kroenende Zier neu
2001 Institution Berater
Baha'i-Ehen und ihr Schutz
Baha'i-Gebete
Baha'i-Gelehrsamkeit
Baha'u'llahs Mission
Der Gottesbund
Dokumente des Bundes
Huququ'llah - Das Recht Gottes
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Compilations : 1979 Beratung
BERATUNG
Eine Zusammenstellung des Universalen Hauses

der Gerechtigkeit vom Februar 1978 mit Auszügen aus

den Schriften Bahá'u'lláhs, `Abdu'l-Bahás und

Shoghi Effendis und Botschaften des Universalen Hauses

der Gerechtigkeit.
BAHÁ'Í-VERLAG
(c) Bahá'í-Verlag, GmbH,
D-6238 Hofheim-Langenhain
1979-136
ISBN 3.87037.110.2
AUS DEN SCHRIFTEN BAHÁ'U'LLÁHS

Das Erhabene Wesen spricht: Der Himmel göttlicher Weisheit erstrahlt durch die beiden

Leuchten der Beratung und des Erbarmens. Beratet miteinander in allen Angelegenheiten,

denn Beratung ist die Lampe der Führung, welche den Weg weist und Einsicht schenkt.74

Sprich: Der Mensch kann seine wahre Stufe nicht erlangen, es sei denn durch seine

Gerechtigkeit. Keine Macht kann bestehen, es sei denn durch Einheit. Keine Wohlfahrt und

kein Wohlergehen kann erreicht werden, es sei denn durch Beratung.1

Beratung verleiht tiefere Kenntnis und verwandelt Vermutung in Gewißheit. Sie ist ein

strahlendes Licht, welches in einer dunklen Welt den Weg weist und Führung gibt. Für alles

gibt es und wird es immer eine Stufe der Vollendung und Reife geben. Die Gabe der Einsicht

zeigt ihre Reife in der Beratung.1

Solche Angelegenheiten sollten durch Beratung entschieden werden, und was immer aus der

Beratung jener Erwählten hervorgeht, das ist in der Tat der Befehl Gottes, des Helfers in

Gefahr, des Selbstbestehenden.1

In allen Dingen muß beraten werden. Dieses solltest du nachdrücklich hervorheben, auf daß

Beratung von allen beachtet werde. Die Absicht dessen, was von der Feder des Höchsten

offenbart wurde, ist, daß Beratung unter den Freunden voll ausgetragen werde, da sie eine

Ursache der Erkenntnis und des Erwachens und eine Quelle des Guten und des Wohlergehens

ist und immer sein wird.1

Es geziemt ihnen, die Vertrauten des Barmherzigen unter den Menschen zu sein und sich für

alle, die auf Erden wohnen, als die von Gott bestimmten Hüter zu betrachten. Es ist ihre

Pflicht, miteinander zu beraten und so um Seinetwillen auf die Belange der Diener Gottes zu

achten, wie sie auf ihre eigenen Belange achten, und das zu wählen, was richtig und ziemlich

ist. So hat es der Herr, euer Gott, der Gnädige, der Vergeber, euch befohlen. Hütet euch, daß

ihr nicht unbeachtet lasset, was in Seinem Tablet klar offenbart ist. Fürchtet Gott, o ihr, die ihr

versteht!75

Wenn in der ersten Gruppe von Menschen, die sich versammelt haben, keine Einmütigkeit

erzielt wurde, so sollen neue Menschen hinzukommen. Dann soll aus ihrer Mitte eine Gruppe

in der Zahl des Größten Namens (9) oder weniger oder mehr durch Los gewählt werden.

Dann soll die Beratung erneut aufgenommen werden; was immer das Ergebnis ist, dem soll

gehorcht werden. Wenn beim zweiten Mal die Meinungen wieder auseinandergehen,

wiederholt den Vorgang ein drittes Mal. Dieses Mal gehorcht der Stimmenmehrheit.

Wahrlich, Er lenkt, wen Er will, auf den geraden Pfad.76

74Aus bisher nicht übersetzten Tablets Bahá'u'lláhs

75Zitiert in einem Brief des Hüters vom 5. März 1922 an die Freunde in Amerika; Bahá'í Administration, S. 21

76Diese Darlegung steht in " Questions and Answers ", das von Shoghi Effendi als ein Anhang zum " Kitáb-i-

Aqdas " beschrieben wird. Es war offenbart worden, bevor Geistige Räte errichtet waren, als Antwort auf eine

Frage nach den Bahá'í-Lehren über Beratung. Die Errichtung der Geistigen Räte, an die sich die Freunde immer

wenden sollten, verbietet ihnen keineswegs, wenn sie es wünschen, das in der oben genannten Textstelle

aufgezeichnete Verfahren zu befolgen, wenn sie ihre persönlichen Probleme beraten wollen. Das Zitat zeigt klar,

daß Bahá'u'lláh Einmütigkeit vorzieht.
AUS DEN SCHRIFTEN UND ÄUSSERUNGEN `ABDU'L-BAHÁS

Es ist die Pflicht eines jeden, keinen Schritt zu unternehmen, ohne den Geistigen Rat zu

befragen, und alle müssen gewißlich mit Herz und Seele seinem Gebot gehorchen und ihm

folgen, damit die Dinge richtig geordnet und wohl geregelt seien. Andernfalls wird jeder

unabhängig und nach seinem eigenen Gutdünken handeln, seinem persönlichen Wunsche

folgen und der Sache Gottes Schaden zufügen.77

Die Haupterfordernisse für jene, die miteinander beraten, sind Reinheit des Beweggrundes,

strahlender Geist, Loslösung von allem außer Gott, Hingezogensein zu Seinen göttlichen

Düften, Bescheidenheit und Demut vor Seinen Geliebten, Geduld und Langmut in

Schwierigkeiten, Dienstbarkeit an Seiner erhabenen Schwelle. Wenn sie mit gnädigem

Beistand diese Eigenschaften erlangen, wird ihnen vom unsichtbaren Reich Bahás der Sieg

gewährt... Ihre Mitglieder müssen in solcher Weise miteinander beraten, daß sich kein Anlaß

für Unwillen oder Zwietracht ergibt. Dies ist erreichbar, wenn jedes Mitglied in

vollkommener Freiheit seine eigene Meinung äußert und seine Beweisführung vorbringt. Er

darf sich, sollte jemand widersprechen, auf keinen Fall verletzt fühlen, denn erst wenn eine

Angelegenheit vollständig erörtert ist, kann sich der richtige Weg zeigen. Der strahlende

Funke der Wahrheit erscheint nur nach dem Zusammenprall verschiedener Meinungen. Wenn

nach der Beratung ein Beschluß einstimmig gefaßt wird, ist dies schön und gut; wenn aber,

was der Herr verhüten möge, sich Meinungsverschiedenheiten ergeben sollten, muß die

Stimmenmehrheit maßgebend sein.78

Die erste Bedingung ist vollkommene Liebe und Harmonie unter den Mitgliedern des Rates.

Sie müssen völlig frei von Entfremdung sein, und in sich selbst die Einheit Gottes offenbaren,

denn sie sind die Wellen eines Meeres, die Tropfen eines Stromes, die Sterne eines Himmels,

die Strahlen einer Sonne, die Bäume eines Obstgartens, die Blumen eines Gartens. Sollten

Harmonie im Denken und vollkommene Einheit nicht vorhanden sein, wird diese

Zusammenkunft zersplittern, und die Sitzung ist umsonst gewesen. Die zweite Bedingung:

Sie müssen, wenn sie zusammenkommen, ihr Angesicht dem Königreich der Höhe zuwenden

und um Hilfe aus dem Reiche der Herrlichkeit bitten. Dann müssen sie in völliger

Ergebenheit, Höflichkeit, Würde, Sorgfalt und Mäßigung ihre Ansichten zum Ausdruck

bringen. Sie müssen in jeder Angelegenheit nach der Wahrheit forschen und nicht auf ihrer

eigenen Meinung beharren; denn Starrsinn und hartnäckiges Festhalten an der eigenen

Meinung wird schließlich zu Uneinigkeit und Streit führen, und die Wahrheit wird verborgen

bleiben. Die ehrenwerten Mitglieder müssen ihre eigenen Gedanken in aller Freiheit

aussprechen, und es ist in keiner Weise jemandem erlaubt, die Gedanken eines anderen

herabzusetzen; man muß vielmehr die Wahrheit mit Mäßigung darlegen, und sollten sich

Meinungsverschiedenheiten ergeben, so muß die Stimmenmehrheit entscheiden, und alle

müssen gehorchen und sich der Mehrheit fügen. Es ist außerdem nicht erlaubt, daß

irgendeines der ehrenwerten Mitglieder innerhalb oder außerhalb der Sitzung einen zuvor

gefaßten Beschluß beanstandet oder kritisiert, selbst wenn dieser Beschluß nicht richtig wäre,

denn solche Kritik würde verhindern, daß irgendein Beschluß durchgesetzt wird. Kurz: Was

auch immer in Harmonie, Liebe und Reinheit des Beweggrundes zusammengefügt wird,

dessen Ergebnis ist Licht; aber sollte die geringste Spur von Entfremdung herrschen, wird das

Ergebnis Dunkel über Dunkel sein... Wenn dies so beachtet wird, dann wird jene

Versammlung von Gott sein, andernfalls aber wird sie zu Kälte und Abneigung führen, die

vom Bösen herkommen... Sollten sie sich bemühen, diese Bedingungen zu erfüllen, wird

ihnen die Gnade des Heiligen Geistes zuteil, und jener Rat wird zum Mittelpunkt göttlicher

77Zitiert in einem Brief des Hüters vom 5. März 1922 an die Freunde in Amerika; Bahá'í Administration, S. 21

78Zitiert in einem Brief des Hüters vom 5. März 1922 an die Freunde in Amerika, Bahá'í Administration, S. 21

Segnungen werden; das Heer der göttlichen Bestätigung wird ihnen zu Hilfe kommen, und

Tag für Tag werden sie eine neue Ausgießung des Geistes erlangen.79

Wenn einige wenige Seelen voller Liebe in einer Versammlung zusammenkommen, mit

Gefühl für das Königreich, hingezogen zum Göttlichen, reinen Herzens und in völliger

Reinheit und Heiligkeit, um sich in duftender Geistigkeit zueinander zu gesellen, wird diese

Versammlung Einfluß auf die ganze Welt haben. Umstände, Worte und Taten dieser

Versammlung werden eine Welt in ewiges Glück leiten und Zeugnis ablegen für die Gnade

des Königreichs. Der heilige Geist wird sie stärken, die Himmlischen Heerscharen werden sie

siegreich machen, und die Engel Abhás werden herniedersteigen.80

So müssen sie (die Mitglieder) in solcher Weise verhandeln und beraten, daß weder

Uneinigkeit noch Abneigung vorkommen können. Wenn man sich zur Beratung trifft, muß

jeder in völliger Freiheit seine Ansichten darlegen und den Beweis für seine Darstellung

erbringen. Wenn ein anderer ihm widerspricht, darf er sich nicht aufregen, denn wenn die

Fragen und Angelegenheiten nicht untersucht oder überprüft werden, wird die gemeinsame

Ansicht weder entdeckt noch erkannt werden. Das strahlende Licht, das aus dem

Zusammenprall der Gedanken entsteht, ist der `Erleuchter' der Tatsachen.81

Wenn sie in einer Sache einig sind, so ist dies, seien sie auch im Irrtum, besser als uneinig zu

sein und recht zu haben, denn diese Uneinigkeit wird die göttliche Grundlage zerstören. Wenn

auch eine der Parteien recht haben mag, und sie sind uneinig, so wird dies die Ursache für

tausendfaches Irren sein; wenn sie aber übereinstimmen und beide Parteien im Irrtum sind, so

wird, wenn es in Einigkeit geschieht, die Wahrheit offenbar, und das Falsche richtig werden.82

Die Frage der Beratung ist von äußerster Wichtigkeit und eines der mächtigsten Werkzeuge,

um Ruhe und Glück der Menschen zu fördern. Zum Beispiel: Wenn ein Gläubiger in seinen

Angelegenheiten unsicher ist, oder wenn er ein Vorhaben oder einen Handel verfolgen will,

sollten sich die Freunde versammeln und eine Lösung für ihn ersinnen. Er seinerseits sollte

danach handeln. Ebenso bei weitergehenden Fragen, wenn sich ein Problem erhebt oder eine

Schwierigkeit auftaucht, sollten sich die Weisen versammeln, beraten und eine Lösung

ersinnen. Sie sollten dann dem einen, wahren Gott vertrauen und sich auf Seine Vorsehung

verlassen, auf welchem Wege sie auch offenbar werden mag, denn göttliche Bestätigungen

werden unzweifelhaft beistehen. Darum ist Beratung eine der ausdrücklichen Verordnungen

des Herrn der Menschheit.83

Der Mensch muß über alle Dinge, ob bedeutend oder gering, beraten, so daß er erkennen

möge, was gut ist. Beratung gibt ihm Einsicht in die Dinge und befähigt ihn, sich in Fragen zu

vertiefen, welche unbekannt sind. Das Licht der Wahrheit strahlt aus den Angesichtern derer,

die sich der Beratung widmen. Solche Beratung läßt die lebendigen Wasser in den Wiesen der

Wirklichkeit des Menschen fließen, läßt die Lichtstrahlen der altehrwürdigen Herrlichkeit auf

ihn scheinen und schmückt den Baum seines Seins mit wunderbaren Früchten. Die beratenden

Mitglieder aber sollten in äußerster Liebe, Harmonie und Aufrichtigkeit miteinander

umgehen. Das Prinzip der Beratung ist eines der grundlegendsten Bestandteile des göttlichen

Gebäudes. Selbst in ihren gewöhnlichen Angelegenheiten sollten die einzelnen Mitglieder der

Gemeinschaft beraten.10

Jeder der Freunde sollte den anderen aufs höchste loben, und jeder sollte sich selbst in der

Gegenwart anderer für verschwindend klein und unendlich gering halten. Alle

Angelegenheiten sollten in der Versammlung beraten werden, und was immer die

Stimmenmehrheit ergibt, sollte ausgeführt werden. Ich schwöre bei dem einen, wahren Gott,

79Zitiert in einem Brief des Hüters vom 5. März 1922 an die Freunde in Amerika, Bahá'í Administration, S. 22

23
80Tablets of `Abdu'l-Bahá, S. 508
81Bahá'í World Faith, S. 406
82Bahá'í World Faith, S. 411

83Aus bisher nicht übersetzten Tablets `Abdu'l-Bahás

es ist besser, daß alle einer falschen Entscheidung zustimmen als daß eine richtige Stimme

herausgehoben wird, da einzelne Stimmen Quellen von Zwietracht sein können, die zum

Verderben führen. Wenn sie auch in einem Falle eine falsche Entscheidung treffen, so werden

sie doch in hundert anderen Fällen richtige Entscheidungen annehmen, und Eintracht und

Einheit werden gewahrt. Dies wird jede Unzulänglichkeit ausgleichen und schließlich zur

Berichtigung des Irrtums führen.10

Der Zweck der Beratung ist, zu zeigen, daß die Ansichten verschiedener Menschen ganz

gewiß der eines einzelnen Menschen vorzuziehen sind, genauso wie die Kraft einer Anzahl

von Menschen selbstverständlich größer ist als die Kraft eines einzelnen. So wird Beratung in

der Gegenwart des Allmächtigen annehmbar und wurde den Gläubigen zur Pflicht gemacht,

damit sie sich über alltägliche und persönliche Dinge wie auch über Angelegenheiten

allgemeiner und umfassender Natur beraten.

Wenn zum Beispiel jemand ein Vorhaben auszuführen hat, sollte er mit einigen seiner Brüder

beraten; was zustimmungswürdig ist, wird gewiß erforscht, vor seinen Augen enthüllt, und

die Wahrheit wird sichtbar werden. In gleicher Weise sollten auf höherer Ebene die Leute

eines Dorfes miteinander über ihre Angelegenheiten beraten, die richtige Lösung wird

sicherlich offenbar werden. Auf gleiche Art sollten die Angehörigen jedes Berufsstandes, die

Beschäftigten in der Industrie beraten, und jene im Handel sollten ihre geschäftlichen Dinge

ähnlich beraten. Kurz, Beratung ist wünschenswert und annehmbar in allen Dingen und allen

Fragen.84

Hinsichtlich deiner Frage über Beratung eines Vaters mit seinem Sohne oder eines Sohnes mit

seinem Vater in Sachen des Handels und Gewerbes: Beratung ist eines der wesentlichen

Elemente der Grundlage des Göttlichen Gesetzes. Eine solche Beratung ist ganz gewiß

annehmbar, ob zwischen Vater und Sohn oder mit anderen. Es gibt nichts Besseres als dies.

Der Mensch muß in allen Dingen beraten, denn dies wird ihn zum Kern jedes Problems

führen und ihn befähigen, die richtige Lösung zu finden.10

Die ehrenwerten Mitglieder des Geistigen Rates sollten sich sehr bemühen, damit keine

Zwistigkeiten vorkommen können, und wenn solche Zwistigkeiten doch vorkommen, sollten

sie nicht den Punkt erreichen, wo sie Streit, Haß und Feindseligkeit erzeugen, welche Gefahr

bringen. Wenn du bemerkst, daß ein Zustand erreicht ist, wo Feindseligkeit und Gefahr

aufkommen wollen, solltest du die Diskussion über das Thema sofort zurückstellen bis Zank,

Streit und lautes Reden abklingen und eine günstige Zeit gekommen ist.10

Regelt alle Dinge, ob groß oder klein, durch Beratung. Tut keinen wichtigen Schritt in eueren

eigenen persönlichen Angelegenheiten ohne vorherige Beratung. Kümmert euch umeinander.

Fördert gegenseitig euere Vorhaben und Pläne. Sorgt euch umeinander. Laßt niemanden im

ganzen Land in Not geraten. Erweist einander Freundschaft, bis ihr wie ein einziger Körper

werdet, einer und alle...10

Jede Versammlung, die zum Zweck der Einigkeit und der Eintracht stattfindet, wird dazu

beitragen, Fremde in Freunde und Feinde in Gleichgesinnte zu verwandeln. `Abdu'l-Bahá

wird mit Herz und Seele in dieser Versammlung gegenwärtig sein.85

In dieser Sache Gottes ist Beratung von grundlegender Bedeutung; aber damit ist geistiger

Austausch, nicht bloße Äußerung persönlicher Ansichten gemeint. In Frankreich wohnte ich

einer Sitzung des Senats bei, aber diese Erfahrung war nicht beeindruckend.

Parlamentarisches Verfahren sollte zum Ziel haben, daß das Licht der Wahrheit über den

eingebrachten Fragen erstrahle, es sollte nicht als Schlachtfeld für Widerstreit und Eigensinn

dienen. Widerstreit und Widerspruch sind et was Unglückseliges und immer der Wahrheit

abträglich. In der erwähnten Parlamentssitzung kamen Wortwechsel und nutzlose

Haarspalterei häufig vor, größtenteils mit dem Ergebnis von Verwirrung und Tumult, einmal

griffen sich zwei Mitglieder sogar tätlich an. Es war keine Beratung, sondern eine Komödie.

84Zitiert in einem Brief des Hüters vom 15. Februar 1922 an den Geistigen Rat von Tihrán

85Tablets of `Abdu'l-Bahá, S. 533

Was ich damit zeigen will, ist, daß Beratung das Erforschen der Wahrheit zum Ziel haben

muß. Wer eine Ansicht äußert, sollte sie nicht als wahr und richtig hinstellen, sondern als

einen Beitrag zur übereinstimmenden Meinung darbringen; denn das Licht der Wirklichkeit

tritt in Erscheinung, wenn zwei Meinungen übereinstimmen. Ein Funke entsteht, wenn

Feuerstein und Stahl zusammentreffen. Der Mensch sollte seine Meinungen mit äußerster

Gelassenheit, Fassung und Ruhe abwägen. Bevor er seine eigene Ansicht äußert, sollte er die

bereits von anderen dargelegten Meinungen sorgfältig in Betracht ziehen. Findet er, daß eine

der vorher dargestellten Ansichten der Wahrheit näher und wertvoller ist, sollte er sie sofort

annehmen und nicht halsstarrig bei seiner eigenen Ansicht bleiben. Nach dieser

ausgezeichneten Methode ist er bemüht, zur Einheit und Wahrheit zu gelangen. Opposition

und Spaltung sind beklagenswert. Da ist es besser, sich die Meinung eines weisen,

scharfsinnigen Mannes zu eigen zu machen; sonst machen es Widerspruch und Streit, mit

denen verschiedenartige und auseinandergehende Ansichten geäußert werden, notwendig, daß

ein Gericht die Entscheidung über die Frage fällt. Auch die Meinung der Mehrheit oder eine

allseitig übereinstimmende Ansicht kann falsch sein. Tausend Menschen können einer

Ansicht sein und irren, während ein einziger Scharfsinniger recht haben kann. Deshalb ist

wahre Beratung geistiger Austausch in liebevoller Haltung und Atmosphäre. Die Mitglieder

müssen einander im Geiste der Freundschaft lieben, damit gute Ergebnisse erzielt werden.

Liebe und Freundschaft sind die Grundlage.

Das denkwürdigste Beispiel geistiger Beratung war die Versammlung der Jünger Christi auf

dem Berge nach Seiner Himmelfahrt. Sie sagten: " Seine Heiligkeit Jesus Christus ist

gekreuzigt worden; wir haben nicht länger Umgang und Verbindung mit Ihm in Seiner

Körperlichkeit. Deshalb müssen wir Ihm treu und ergeben sein; wir müssen Ihm danken und

Ihn verehren, denn Er hat uns von den Toten auferweckt, Er machte uns weise, Er hat uns

ewiges Leben gegeben. Was sollen wir tun, um Ihm Treue zu erweisen? " Und so hielten sie

Rat miteinander. Einer von ihnen sagte: " Wir müssen uns lösen von den Ketten und Fesseln

der Welt; anders können wir nicht treu sein. " Die anderen antworteten: " So ist es. " Ein

zweiter sagte: " Entweder sind wir verheiratet und müssen dann unseren Frauen und Kindern

treu sein, oder wir dienen unserem Herrn frei von diesen Bindungen. Wir können nicht mit

der Sorge und Vorsorge für eine Familie befaßt sein und gleichzeitig das Reich Gottes in der

Wildnis verkünden. Deshalb lasset die, welche unverheiratet sind, unverheiratet bleiben, und

die verheiratet sind, mögen für den Unterhalt und die Bequemlichkeit ihrer Familien Sorge

tragen und sodann ausziehen, die Frohe Botschaft zu verkünden. " Es gab keine

abweichenden Meinungen; alle stimmten zu und sagten: " Das ist richtig. " Ein dritter Jünger

sagte: " Um im Reich Gottes würdige Taten zu vollbringen, müssen wir des weiteren

aufopferungsvoll sein. Von nun an sollten wir aller Bequemlichkeit und körperlichen

Behaglichkeit entsagen, alle Schwierigkeiten auf uns nehmen, unser Ich vergessen und die

Sache Gottes lehren. " Dies fand bei allen anderen Zustimmung und Beifall. Schließlich sagte

ein vierter Jünger: " Es gibt noch einen weiteren Gesichtspunkt für unseren Glauben und

unsere Einheit. Um Jesu willen werden wir geschlagen, eingekerkert und verbannt werden. Es

ist möglich, daß sie uns töten. Laßt uns jetzt die Lehre daraus ziehen. Laßt uns klar erkennen

und uns entschließen, daß wir, auch wenn wir geschlagen, verbannt, verflucht, bespien und

zum Tode geführt werden, all dies freudig hinnehmen und jene lieben, die uns hassen und

verletzen. " Alle Jünger erwiderten: " Das wollen wir sicherlich tun; wir sind einverstanden,

das ist richtig. " Dann stiegen sie vom Gipfel des Berges nieder, und jeder ging in eine andere

Richtung seiner göttlichen Sendung nach.

Dies war wahre Beratung. Dies war geistige Beratung und nicht bloße Äußerung persönlicher

Ansichten in Gegenrede und parlamentarischem Wortstreit.86

86The Promulgation of Universal Peace, Band I, S. 68 70

Die erste Pflicht der Mitglieder ist, ihre eigene Einheit und Harmonie zu verwirklichen, damit

sie gute Ergebnisse erzielen. Wenn die Einheit fehlt oder der Ausschuß zur Ursache von

Zwietracht wird, so ist es zweifellos besser, daß er gar nicht existiert...

Darum ist es, wenn die Einheit der Mitglieder des Ausschusses fest begründet ist, ihre zweite

Pflicht, die Verse und Mitteilungen zu lesen, um in einem Zustand des Gedenkens und der

Achtsamkeit zu sein, auf daß sie einander ansehen, als seien sie in der Gegenwart Gottes.87

87Star of the West, Band VIII, Nr. 9, S. 114

AUS DEN SCHRIFTEN SHOGHI EFFENDIS UND BRIEFEN, DIE IN SEINEM AUFTRAG

GESCHRIEBEN WURDEN

Laßt uns auch daran denken, daß der Grundton der Sache Gottes nicht diktatorische Gewalt,

sondern demütige Freundschaft ist, nicht willkürliche Macht, sondern der Geist freier und

liebevoller Beratung. Nichts außer dem Geist eines wahren Bahá'í kann je hoffen, die

Prinzipien der Gnade und Gerechtigkeit, der Freiheit und Ergebenheit, der Heiligkeit

persönlicher Rechte und der Selbsthingabe; der Wachsamkeit, Verschwiegenheit und Vorsicht

einerseits und der Freundschaft, der Offenheit und des Mutes andererseits zu versöhnen.88

Die Pflichten derer, die die Freunde frei und gewissenhaft als ihre Vertreter gewählt haben,

sind nicht weniger lebenswichtig und bindend als die Verpflichtungen jener, die sie gewählt

haben. Es ist nicht ihre Aufgabe zu diktieren, sondern zu beraten, und nicht nur untereinander

zu beraten, sondern so viel wie möglich auch mit den Freunden, die sie vertreten. Sich selbst

dürfen sie nicht anders sehen denn als erwählte Werkzeuge für die noch wirksamere, noch

würdigere Darbietung der Sache Gottes. Niemals sollten sie sich zu der irrigen Meinung

verleiten lassen, sie seien die Schmuckstücke im Mittelpunkt der Sache Gottes, den anderen

wesenhaft überlegen an Fähigkeit und Verdienst, die alleinigen Förderer göttlicher Lehren

und Prinzipien. Mit tiefster Demut sollten sie an ihre Aufgabe herangehen und bestrebt sein,

durch ihre Aufgeschlossenheit, ihren hohen Sinn für Gerechtigkeit, ihr Pflichtbewußtsein, ihre

Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und völlige Hingabe an die Wohlfahrt und die Interessen der

Freunde, an die Sache Gottes und die Menschheit nicht nur das Vertrauen, die wirksame

Unterstützung und Achtung derer zu gewinnen, denen sie dienen, sondern auch ihre

Wertschätzung und wirkliche Zuneigung. Zu allen Zeiten müssen sie den Geist der

Abgeschlossenheit und den Geruch der Geheimniskrämerei vermeiden, müssen sich von

anmaßendem Benehmen frei machen und jede Art von Vorurteil und Leidenschaft aus ihren

Beratungen verbannen. Innerhalb der Grenzen weiser Zurückhaltung sollten sie die Freunde

ins Vertrauen ziehen, sie mit ihren Plänen bekanntmachen, ihre Schwierigkeiten und Sorgen

mit ihnen teilen, ihren Rat und ihre Empfehlung suchen. Wenn sie aufgerufen sind, zu einem

bestimmten Entschluß zu kommen, sollen sie sich nach leidenschaftsloser, bedachter und

herzlicher Beratung im Gebet zu Gott wenden und mit Ernst, Überzeugung und Mut ihr

Votum ablegen und sich an die Stimme der Mehrheit halten, von der unser Meister uns sagte,

daß sie die Stimme der Wahrheit ist, die niemals abgelehnt, immer aus vollem Herzen befolgt

werden soll. Dieser Stimme müssen die Freunde aufrichtig gehorchen und sie als das einzige

Mittel ansehen, das den Schutz und die Verbreitung der Sache Gottes sichern kann.89

Nicht selten, nein, oft wird der einfachste, ungebildetste und unerfahrenste unter den

Freunden durch die reine, belebende Kraft selbstloser, glühender Hingabe einen deutlichen,

denkwürdigen Beitrag zu einer recht verwickelten Diskussion in einem Rat leisten können.90

Tatsächlich ist es immer der innige Wunsch `Abdu'l-Bahás, unseres Meisters, gewesen, die

Freunde möchten in ihren Ratsversammlungen, örtlichen wie nationalen, durch ihre Offenheit,

ihre reinen Absichten, ihre aufrichtige Gesinnung und ihre gründlichen Diskussionen

Einmütigkeit in allen Fragen erreichen.91

Betrifft die Anwesenheit gewisser Personen bei der Sitzung eines Rates auf dessen Einladung

hin: Shoghi Effendi betrachtet dies wie den Ratschlag eines Sachverständigen, der für gute

Verwaltung absolut notwendig ist. Man kann nicht erwarten, daß die Mitglieder des Rates

über jede Sache alles wissen; so können sie Personen, die in dieser Frage bewandert sind,

88Aus einem Brief an die Freunde in Amerika vom 23. Februar 1924, Bahá'í Administration, S. 63

89Aus einem Brief vom 23. Februar 1924 an die Freunde in Amerika, Bahá'í Administration, S. 64

90Aus einem Brief vom 29. Januar 1925 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas,

Bahá'í Administration, S. 79

91Aus einem Brief vom 29. Januar 1925 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas,

Bahá'í Administration, S. 80

einladen, zu den Sitzungen zu kommen und ihre Ansichten darzulegen. Doch werden sie

natürlich kein Stimmrecht haben.92

Der Meister hat uns oft gesagt, daß wir unter solchen Umständen unsere Freunde und

insbesondere die Geistigen Räte befragen und ihren Rat einholen sollten. Es wäre gut, wenn

Sie diesem Rat folgen und einige Freunde ins Vertrauen ziehen würden. Vielleicht wird

Gottes Wille am besten durch Beratung erreicht.93

Mit geeigneter Beratung wird sicher eine Methode gefunden werden. Es ist nicht nötig, zu

warten, bis ein Geistiger Rat gebildet ist, um mit Beratung zu beginnen. Der Überblick zweier

aufrichtiger Seelen ist immer besser als der einer einzigen.94

Das Prinzip der Beratung, eines der grundlegenden Gesetze der Verwaltungsordnung, sollte

bei allen Bahá'í-Tätigkeiten angewandt werden, die die gemeinschaftlichen Belange des

Glaubens berühren; denn es sind Zusammenarbeit und fortwährender Austausch von

Gedanken und Ansichten, wodurch die Belange der Sache am besten geschützt und gefördert

werden können. Persönliche Initiative, Fähigkeit und Findigkeit einzelner sind, obwohl

unentbehrlich, vollkommen untauglich, eine so gewaltige Aufgabe zu bewältigen, wenn sie

nicht durch gemeinsame Erfahrungen und Weisheit der Gruppe unterstützt und bereichert

werden.95

Beratung, aufrichtig und unbeschränkt, ist die Grundlage dieser einmaligen Ordnung.96

Die Gläubigen sollten den Vorschriften und Anordnungen ihres Geistigen Rates vertrauen,

selbst wenn sie nicht davon überzeugt sein sollten, daß diese gerecht und zweckmäßig sind.

Wenn der Rat durch Stimmenmehrheit seiner Mitglieder zu einem Beschluß gekommen ist,

sollten die Freunde bereitwillig gehorchen. Besonders jene Mitglieder im Rat, deren Meinung

jener der Mehrheit der anderen Mitglieder zuwiderläuft, sollten der Gemeinde ein gutes

Beispiel geben, indem sie ihre persönlichen Ansichten dem Grundsatz des

Mehrheitsentscheides, auf dem die Wirksamkeit aller Bahá'í-Räte gebaut ist, zum Opfer

bringen.

Aber ehe die Mehrheit des Geistigen Rates zu einer Entscheidung kommt, ist es nicht nur das

Recht, sondern die heilige Pflicht eines jeden Mitgliedes, seine Ansichten frei und offen zum

Ausdruck zu bringen, ohne sich zu fürchten, irgendeinem anderen Mitglied zu mißfallen oder

sich ihm zu entfremden. Im Hinblick auf dieses wichtige administrative Prinzip der freien und

offenen Beratung, möchte der Hüter Ihnen raten, die Methode aufzugeben, andere Mitglieder

zu bitten, Ihre Meinung und Ihre Vorschläge zu äußern. Dieser indirekte Weg, dem Rat Ihre

Ansichten darzulegen, schafft nicht nur eine Atmosphäre der Heimlichkeit, die dem Geist der

Sache völlig fremd ist, sondern dürfte auch zu vielen Mißverständnissen und Verwicklungen

führen. Ratsmitglieder müssen Zivilcourage besitzen; sie müssen aber auch dem

wohlbedachten Urteil und den Anordnungen der Mehrheit aller Ratsmitglieder rückhaltlos

und unbedingt gehorchen.97

Wie `Abdu'l-Bahá festgestellt hat, wird der Funke der Wahrheit oftmals entzündet durch den

Zusammenprall persönlicher Meinungen, und göttliche Führung wird offenbar. Die Freunde

sollten sich nicht durch die Meinungsverschiedenheiten, die zwischen den Mitgliedern eines

Rates bestehen mögen, entmutigen lassen, denn die Erfahrung zeigt und des Meisters Worte

bezeugen, daß bei allen Beratungen des Rates Meinungsverschiedenheiten einen wertvollen

Zweck erfüllen. Wenn aber die Meinung der Mehrheit einmal festgestellt ist, sollten alle

Mitglieder des Rates ohne weiteres und rückhaltlos gehorchen und sie gewissenhaft

92Aus einem Brief vom 23. Oktober 1926 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der

Britischen Inseln

93Aus einem Brief vom 12. November 1930 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

94Aus einem Brief vom 16. Juni 1932 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

95Aus einem Brief vom 30. August 1933 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

96Nachsatz von Shoghi Effendi zu einem Brief vom 18. November 1933 an den Nationalen Geistigen Rat der

Vereinigten Staaten und Kanadas

97Aus einem Brief vom 28. Oktober 1935 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

ausführen. Geduld und Zurückhaltung sollten indessen zu allen Zeiten die Besprechungen und

Beratungen der gewählten Vertreter örtlicher Gemeinden auszeichnen, und sie sollten sich

unter keinen Umständen in fruchtlose Haarspaltereien einlassen. "98

Ihre letzte Frage betrifft Fälle, in denen diejenigen, die bei der Beratung gebraucht werden,

nicht verfügbar sind, und eine Person über die Richtung, die in einer wichtigen Angelegenheit

einzuschlagen ist, unsicher ist. Sie fragen, ob es ihr dann erlaubt sei, auf die Praxis des

" istikhárih "99 zurückzugreifen und dabei das Kitáb-i-Aqdas zu benutzen. Der Hüter hat

dargelegt, daß es in solchen Fällen nötig und wesentlich für die Person ist, ihr Herz völlig

Gott zuzuwenden und Hilfe von der Quelle der Gnade und Eingebung zu erflehen und

nichts anderes. Falls es möglich ist, die Entscheidung aufzuschieben, bis die Voraussetzungen

für die Beratung gegeben sind, so würde dies vorzuziehen und zweckmäßiger sein.100

Das Heilmittel gegen Uneinigkeit in einem Rat kann nicht im Rücktritt oder in der

Abwesenheit eines seiner Mitglieder bestehen. Der Rat muß lernen, trotz störender Elemente

als Ganzes weiterzuwirken, andernfalls würde das ganze System durch Ausnahmen von der

Regel unglaubwürdig werden.

Die Gläubigen, die die Sache über alles lieben und deren Belange an die erste Stelle setzen,

müssen bereit sein, die damit verbundenen Härten zu ertragen, gleich, welcher Natur sie sein

mögen. Allein durch solche Beharrlichkeit und Selbstaufopferung können wir jemals hoffen,

einerseits unsere göttlichen Institutionen heil zu bewahren und andererseits uns selbst

anzutreiben, edlere und bessere Werkzeuge zu werden, um diesem herrlichen Glauben zu

dienen.101

Die Fragen, die Sie in Ihrem Brief über persönliche Führung stellen, haben sozusagen zwei

Aspekte. Es ist richtig, daß Menschen sich zu Gott wenden und Seine Hilfe zur Bewältigung

ihrer Probleme und zur Führung ihres Handelns wirklich jeden Tag ihres Lebens erflehen

sollten, wenn sie den Wunsch dazu haben. Aber sie können unmöglich anderen aufdrängen,

was sie als ihre Führung empfinden. Laßt die Räte oder Ausschüsse damit in Ruhe, denn

Bahá'u'lláh hat ausdrücklich das Gesetz der Beratung niedergelegt und niemals angedeutet,

daß irgend etwas anderes an seine Stelle träte.102

Der Hüter rät, daß Sie andere Ärzte befragen und dem Votum der Mehrheit folgen sollten.103

Sie haben darauf hingewiesen, daß es in beratenden Körperschaften manchmal geschehen

mag, daß in einem bestimmten Fall die Ansicht eines der Mitglieder besser und von größerem

Wert ist als die der anderen, diese Mitglieder aber nicht bereit sind, eine solche Ansicht zu

teilen.

Der Hüter hob hervor, daß es notwendig und unbedingt erforderlich ist, offen und mit reinen

Beweggründen zu beraten, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Wenn einmal die

Entscheidung gefallen ist, obliegt es allen, der Ansicht der Mehrheit zu folgen, sie

voranzutreiben und in die Tat umzusetzen, auch dann, wenn die Entscheidung falsch ist.104

Wir alle haben ein Recht auf unsere Meinungen, wir können nicht anders, als verschieden zu

denken, aber ein Bahá'í muß die Mehrheitsentscheidung seines Rates annehmen und

98Aus einem Brief vom 18. April 1939 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

99Dies ist eine Art Weissagung, geübt durch Bibliomantie, indem ein Heiliges Buch aufs Geratewohl geöffnet

und Führung für jemandes Problem durch Lesen von Abschnitten auf der geöffneten Seite des Buches gesucht

wird

100Aus einem Brief vom 23. April 1941, im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, aus dem Persischen

übersetzt

101Aus einem Brief vom 20. November 1941 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

102Aus einem Brief vom 25. Januar 1943 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

103Aus einem Brief vom 14. Februar 1945 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, aus dem Persischen

übersetzt. Der Hüter gab diese Empfehlung, als der Fragesteller des Hüters Rat suchte, weil nach Ansicht eines

Arztes eine Operation erforderlich war, während ein anderer Arzt eine solche Operation nicht für nötig hielt.

104Aus einem Brief vom 12. Januar 1946 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen, aus dem Persischen

übersetzt

einsehen, daß Annahme und Eintracht sogar wenn ein Fehler gemacht wurde die wirklich

wichtigen Dinge sind. Und wenn wir der Sache im Bahá'í-Sinne dienen, so wird Gott am

Ende berichtigen, was falsch gemacht wurde.105

Es wird von den Bahá'í nicht verlangt, in einem Geistigen Rat gegen ihr Gewissen zu

stimmen. Es ist besser, wenn sie sich der Mehrheitsmeinung fügen, so daß diese einmütig

wird. Aber dazu sind sie nicht gezwungen. Was sie jedoch tun müssen, ist, sich an den

Beschluß der Mehrheit zu halten, weil dieser Beschluß das ist, was wirksam wird. Sie dürfen

nicht umhergehen und gegen den Rat wühlen, indem sie sagen, sie stimmten mit der Mehrheit

nicht überein. Mit anderen Worten: Sie müssen der Sache Gottes den ersten Stellenwert geben

und nicht ihren eigenen Meinungen. Er (ein Mitglied des Geistigen Rates) kann den Rat

bitten, eine Angelegenheit noch einmal zu untersuchen, aber er hat kein Recht, sie dazu zu

zwingen oder Uneinigkeit zu verursachen, weil sie keine Änderung wollen. Einstimmige

Beschlüsse sind vorzuziehen, aber sie können den Ratsmitgliedern gewiß nicht durch

spitzfindige Methoden, wie sie in anderen Gesellschaften gebräuchlich sind, aufgezwungen

werden.106

Die Bahá'í müssen lernen, Persönliches zu vergessen, und den Wunsch überwinden, Partei zu

ergreifen und darum zu kämpfen so natürlich das unter den Menschen auch ist. Sie müssen

auch lernen, das große Prinzip der Beratung wirklich anzuwenden.107

In der Sache Gottes gibt es keine Gegenstimmen. Wenn die Mehrheit eines Rates eine

Angelegenheit entscheidet, sollte die Minderheit, so hat es uns der Meister gesagt, dies

annehmen. Darauf zu bestehen, daß eine Gegenstimme festgehalten wird, ist nicht richtig, und

führt zu keinem guten Ende.108

Im Hinblick auf die Erklärung des Meisters, daß die Beratungen von Geistigen Räten geheim

und vertraulich sein müssen, stellt der Hüter mit Bedauern fest, daß es nicht möglich ist,

jemanden, der nicht Mitglied des Rates ist, an einer Sitzung des Nationalen Geistigen Rates

teilnehmen zu lassen... Oft werden höchst persönliche Angelegenheiten, die der Ehre und

dem Glück anderer schaden, von den Nationalen Räten behandelt, und die Gefahr, daß

Vertrauliches verraten wird, ist groß genug bei den neun von der ganzen Gemeinde gewählten

Vertretern geschweige denn bei Teilnehmern, die nicht Mitglieder des Rates sind. Sie

müssen eben ihr Protokoll ein wenig gedrängter abfassen und notfalls den Nutzeffekt ihrer

Arbeit drosseln, um diesen sehr wichtigen Grundsatz zu befolgen.109

105Aus einem Brief vom 19. Oktober 1947 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

106Aus einem Brief vom 19. Oktober 1947 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

107Aus einem Brief vom 30. Juni 1949 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von

Deutschland und Österreich

108Aus einem Brief vom 19. März 1950 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Gläubigen

109Aus einem Brief vom 5. Juli 1950 im Auftrag Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat der

Vereinigten Staaten

Dieser Rat wurde vom Hüter als Antwort auf das Ersuchen des Nationalen Geistigen Rates gegeben, ein

Nichtmitglied bei den Beratungen zugegen zu haben, welches Aufzeichnungen macht und über die Beschlüsse

des Rates Protokoll führt. Dies steht nicht im Widerspruch zu der Empfehlung im Zitat auf S. 23/24.

BOTSCHAFTEN DES UNIVERSALEN HAUSES DER GERECHTIGKEIT

Obwohl örtliche Geistige Räte in erster Linie dafür verantwortlich sind, Gläubige hinsichtlich

persönlicher Probleme zu beraten, mag es Zeiten geben, wo es nach dem Urteil des nationalen

oder örtlichen Rates vorzuziehen wäre, Einzelpersonen oder Ausschüsse mit beratenden

Aufgaben zu betrauen. Dies liegt im Ermessen des Rates.110

Es ist wichtig, zu erkennen, daß der Geist der Bahá'í-Beratung sehr von dem abweicht, der

beim Entscheidungsprozeß in Nicht-Bahá'í-Körperschaften vorwaltet.

Das Ideal einer Bahá'í-Beratung ist es, zu einem einmütigen Beschluß zu kommen. Wenn dies

nicht möglich ist, muß abgestimmt werden. Mit den Worten des geliebten Hüters: " ... wenn

sie aufgerufen sind, zu einem bestimmten Entschluß zu kommen, sollen sie sich nach

leidenschaftsloser, bedachter und herzlicher Beratung im Gebet zu Gott wenden und mit

Ernst, Überzeugung und Mut ihr Votum ablegen und sich an die Stimme der Mehrheit halten,

von der der Meister uns sagte, daß sie die Stimme der Wahrheit ist, die niemals abgelehnt,

immer aus vollem Herzen befolgt werden soll. "

Sobald ein Beschluß gefaßt ist, wird es der Beschluß des ganzen Rates, nicht nur jener

Mitglieder, die zufällig zur Mehrheit gehörten.

Meint ein Ratsmitglied, wenn über eine Angelegenheit abgestimmt werden soll, daß es noch

zusätzliche Tatbestände oder Gesichtspunkte gibt, die erforscht werden müßten, bevor es sich

eine Meinung bilden und vernünftig über den Vorschlag abstimmen kann, sollte es diesen

Eindruck dem Rat mitteilen, und der Rat hat zu entscheiden, ob weitere Beratung vor der

Abstimmung nötig ist oder nicht.

Wann immer beschlossen ist, über einen Vorschlag abzustimmen, ist es nur noch notwendig,

festzustellen, wieviele Mitglieder dafür stimmen; ist es die Mehrheit der Anwesenden, wird

der Antrag angenommen, ist es die Minderheit, ist der Antrag abgelehnt. So kommt die ganze

Frage der Stimmenthaltung bei der Bahá'í-Abstimmung nicht auf. Ein Mitglied, das nicht zu

Gunsten eines Vorschlags stimmt, stimmt in Wirklichkeit dagegen, auch wenn es selbst

merkt, daß es ihm in diesem Augenblick nicht möglich war, sich in dieser Angelegenheit zu

entschließen.111

Ihr Brief vom 14. Februar 1973, mit der Anfrage über den Gebrauch der Bahá'í-Beratung, ist

angekommen.

Dies ist selbstverständlich eine Sache, in der Härte vermieden werden sollte.

Hat ein Gläubiger ein Problem, worüber er eine Entscheidung treffen muß, so stehen ihm

mehrere Wege offen. Wenn es eine Angelegenheit ist, welche die Belange des Glaubens

betrifft, sollte er mit dem zuständigen Rat oder Ausschuß beraten, aber Einzelpersonen haben

viele Probleme, die rein persönlicher Art sind, und sie sind nicht verpflichtet, solche Probleme

den Institutionen des Glaubens zu unterbreiten. Da in der Tat die Erfordernisse der Lehrarbeit

so dringlich sind, ist es besser, wenn die Freunde ihre Räte nicht mit persönlichen Problemen

belasten, die sie selbst lösen können.

Ein Bahá'í, der ein Problem hat, mag nach Gebet und nachdem er alle Gesichtspunkte

erwogen hat, den Wunsch haben, selbst eine Entscheidung zu treffen; er könnte es vorziehen,

den Rat einzelner Freunde oder Fachberater, wie seines Arztes oder Rechtsanwaltes, zu

suchen, so daß er deren Rat bei seiner Entscheidung in Betracht ziehen kann; oder wenn

mehrere Menschen in einen Fall verwickelt sind, wie in einer Familienangelegenheit, mag er

die Betroffenen versammeln wollen, so daß sie zu einem gemeinsamen Entschluß kommen

können. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Bahá'í eine Gruppe von Leuten

bittet, zusammen ein Problem, dem er gegenübersteht, zu beraten.

Man sollte daran denken, daß jede Beratung darauf ausgerichtet ist, zur Lösung eines

Problems zu kommen. Sie ist ganz verschieden von der Art Seelenentblößung in Gruppen, die

110Aus einem Brief vom 27. März 1966 an den Nationalen Geistigen Rat von Bolivien

111Aus einem Brief vom 6. März 1970 an den Nationalen Geistigen Rat von Kanada

heutzutage in einigen Kreisen beliebt ist und an so etwas wie Beichte grenzt, die im Glauben

verboten ist. Hinsichtlich der Beichte schrieb der Sekretär des Hüters in seinem Auftrag an

einen Gläubigen: " Es ist uns verboten, irgend jemandem unsere Sünden und Fehler zu

bekennen, wie es die Katholiken vor ihren Priestern tun, oder öffentlich zu beichten, wie es

bei einigen Sekten üblich ist. Wenn wir jedoch spontan eingestehen möchten, daß wir

irgendwo im Unrecht waren oder daß wir irgendeinen Charakterfehler haben und jemand

anderen dafür um Verzeihung bitten, steht uns dies ganz frei. Der Hüter möchte jedoch darauf

hinweisen, daß wir nicht dazu verpflichtet sind. Es liegt ganz im Ermessen des einzelnen. "112

Die Aussage, die Sie im zweiten Absatz Ihres Briefes zitieren,113 ist einem Tablet `Abdu'l-

Bahás entnommen, das Er an die Freunde in Tihrán zu einer Zeit richtete, als ohne Wissen

und Erlaubnis des Geistigen Rates und gegen Anordnungen der Regierung einer der Freunde

das Kitáb-i-Aqdas zu drucken unternahm. Die Richtlinien `Abdu'l-Bahás, die Sie anführen,

wurden aus diesem Anlaß und in diesem Zusammenhang gegeben.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat betont, daß Shoghi Effendi, der die Aufgaben des

örtlichen Geistigen Rates in Bahá'í Administration, S. 37, aufzählt, darauf hinweist, daß

örtliche Angelegenheiten, die die Sache Gottes betreffen, dem örtlichen Geistigen Rat zu

übergeben sind. Das bedeutet natürlich nicht, daß persönliche Schwierigkeiten den Bahá'í-

Räten nicht unterbreitet werden können. Der örtliche Geistige Rat ist jedoch nicht die einzige

Einrichtung oder Vermittlungsstelle, an die sich die Freunde wenden können, um persönliche

Angelegenheiten zu beraten. Solche Beratung kann mit Mitgliedern der eigenen Familie, mit

Freunden oder Sachverständigen gepflogen werden. `Abdu'l-Bahá faßt zum Beispiel in einem

Seiner Tablets die Möglichkeit ins Auge, daß Fachleute desselben Berufes miteinander

beraten.114

112Aus einem Brief vom 19. März 1973 an den Nationalen Geistigen Rat von Kanada

113Vergl. erstes Zitat dieser Zusammenstellung auf S. 7.

114Aus einem Brief vom 8. April 1975 an einen Gläubigen

INHALT

Aus den Schriften Bahá'u'lláhs 3

Aus den Schriften und Äußerungen `Abdu'l-Bahás 7

Aus den Schriften Shoghi Effendis

und Briefen, die in seinem Auftrag geschrieben wurden 21

Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit 35


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