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Baha'u'llah : Edelsteine göttlicher Geheimnisse
Edelsteine göttlicher Geheimnisse

Bahá’u’lláh Edelsteine göttlicher Geheimnisse Javáhiru’l-Asrár

Übertragen aus dem Englischen unter Heranziehung des arabischen Urtexts. Englische Ausgabe: Gems of Divine Mysteries. Javáhiru’l-Asrár, Haifa 2002 Arabische Ausgabe: Javáhir al-Asrár al munzal min qalam Hadrat Bahá’u’lláh, Rio de Janeiro 2003 © The Universal House of Justice

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

© Bahá’íVerlag GmbH D–65719 Hofheim 2007 – 164 ISBN 978–3–87037–420–4 Titelnummer 421–201

Inhalt
Vorwort 9
Javáhiru’lAsrár 15
Anmerkungen 93
Glossar 99
Literatur 121
Abbildungsnachweis 122
Vorwort

Bahá’u’lláhs Exil im Irak begann unter schwierigen Bedingungen und am Tiefpunkt in der Entwicklung der Religion des Báb. Doch dieses Jahrzehnt war auch Zeuge, wie die geistigen Kräfte allmählich Gestalt annahmen und 1863 in der Verkündigung Seiner weltumspannenden Sendung einen ersten Höhepunkt erreichten. Im Laufe dreier Jahre gingen aus Bagdad „Wogen von Kraft aus, von Glanz und Ruhm, die den darniederliegenden, schwer angeschlagenen, verdunkelten und von Vergessen bedrohten Glauben unmerklich neu belebten. Aus dieser Stadt strahlten Tag und Nacht mit wachsender Energie die ersten Impulse einer Offenbarung, die an Tragweite, Wucht und Fülle wie an Umfang und Vielseitigkeit ihres Schrifttums die des Báb noch übertreffen sollte.“1

Zu den ersten Ausgießungen der Feder der Herrlichkeit zählt eine umfangreiche Epistel in arabischer Sprache, Javáhiru’l-Asrár, wörtlich die „Edelsteine“ oder „Essenzen“, das „Wesen“ der Geheimnisse. Einige der dort enthaltenen Themen

werden auch in persischer Sprache behandelt, in den Sieben Tälern und im Buch der Gewißheit. Diese beiden Bücher, die jeweils in unterschiedlichem Stil offenbart wurden, nennt Shoghi Effendi die „größte mystische Dichtung“2 Bahá’u’lláhs und dessen herausragendes theologisches Werk3. Fraglos gehören die Edelsteine mystischer Geheimnisse zu den „arabisch offenbarten Schriften“, auf die im Kitáb-i-Íqán Bezug genommen wird.4

Eines der zentralen Themen des vorliegenden Textes ist die „Verwandlung“. Unter diesem Begriff wird die Wiederkunft des Verheißenen in neuem menschlichen Gewand verstanden. So schreibt Bahá’u’lláh in einer einleitenden Notiz über den ersten Zeilen des Originalmanuskripts:5

„Diese Abhandlung richtet sich an einen Sucher, der fragte, wie denn der verheißene Mahdí in ‘Alí Muhammad (den Báb) habe verwandelt werden können. Diese Frage bot Gelegenheit, eine Reihe von Themen zu behandeln, die denen von Nutzen und Wert sind, die suchen, und auch denen, die gefunden haben – wolltet ihr doch mit dem Auge wahren Glaubens sehen.“

Der Sucher, auf den sich Bahá’u’lláh hier bezieht, war Siyyid YúsufiSihdihí Isfahání, der zu dieser Zeit in Karbilá lebte. Ein Bote überbrachte seine Fragen, und Bahá’u’lláh offenbarte diese Tafel noch am selben Tag.

Weitere zentrale Themen werden im vorliegenden Werk ebenfalls erörtert: Der Grund für die Ablehnung der Propheten in vergangenen Tagen; die Gefahr der wörtlichen Interpretation der Schrift; die Bedeutung der Andeutungen und Zeichen in der Bibel, die sich auf das Kommen einer neuen Manifestation beziehen; die Kontinuität göttlicher Offenbarung; versteckte Hinweise auf die baldige Verkündigung der Offenbarung Bahá’u’lláhs; die symbolische Bedeutung von Begriffen wie „Tag des Gerichts“, „Auferstehung“, die „Begegnung mit Gott“ wie auch „Leben und Tod“; die Stufen der geistigen Reise durch den „Garten der Suche“, über die „Stadt der Liebe und Verzückung“, die „Stadt der göttlichen Einheit“, den „Garten des Staunens“, die „Stadt des Vergehens“ und die „Stadt der Ewigkeit“ zur „Stadt ohne Namen, für die es keine Beschreibung gibt“.

Die Publikation der Edelsteine göttlicher Geheimnisse ist eines der Projekte des Fünfjahresplans. Wie im April 2001 angekündigt, soll die Zahl der „Übersetzungen heiliger Texte ins Englische erhöht“ werden. Dieser Band wird dem westlichen Leser eine Zeit nahebringen, die noch voll ungeahnter Möglichkeiten war und die Shoghi Effendi „die Frühlingsjahre der prophetischen Amtszeit Bahá’u’lláhs“6 nennt. Wer Bahá’u’lláhs Offenbarung studiert, wird durch diesen Text tiefere Einsicht in ihre allmähliche Entfaltung gewinnen.

Die Edelsteine göttlicher Geheimnisse
über die Reisen des mystischen Aufstiegs
für jene, die sich danach sehnen,
Gott, dem Allmächtigen,
dem Vergebenden, zu nahen –
selig die Rechtschaffenen, die von diesen
klaren Strömen trinken!
Er ist der Erhabene, der Höchste!

1 O Wanderer auf dem Pfad der Gerechtigkeit, der du auf das Antlitz der Gnade schaust! Dein Brief ist eingetroffen, Ich vernahm deine Frage und hörte die Weisen, die aus dem Innersten deines Herzens* kamen. Daraufhin zogen die Wolken des göttlichen Willens auf, um den Regen der Weisheit auf dich zu ergießen und dich von allem erworbenen Wissen reinzuwaschen. Aus den Weiten der Widersprüche sollen ihre Wasser dich zum verborgenen Ort der Einzigkeit und zum Quell Seines heiligen Gesetzes führen. So trinke daraus, erquicke deinen Geist, lösche deinen Durst, und sei einer derer, die an diesem Tag durch das Licht Gottes rechtgeleitet werden.

2 Umringt von Hunden und Bestien aus allen Landen, halte Ich Mich nun verborgen im Geheimnis Meines innersten Seins. Verboten ward Mir, zu enthüllen, was Gott Mir von den Wundern Seines Wissens, den Edelsteinen Seiner Weisheit und den Zeichen Seiner Macht zuteil werden ließ. Dennoch will Ich den nicht enttäuschen, der vor dem Heiligtum der Größe steht, der wünscht, das Lager der Ewigkeit zu betreten, und den es verlangt, sich zur Stunde der Morgendämmerung des göttlichen Ratschlusses in die Himmel dieses neuen Befehls emporzuschwingen. So will Ich dir einiges von dem künden, was Gott Mir gewährt hat – doch nur, soweit es Geist und Verstand zu tragen vermögen, damit die Haßerfüllten kein Geschrei erheben und die Heuchler nicht ihr Banner hissen. Ich flehe zu Gott, Mir beizustehen, denn Er ist der Barmherzigste der Barmherzigen, und Er gibt dem, der Ihn bittet.

3 So wisse, daß du zunächst darüber nachdenken solltest, warum all die Völker auf Erden nicht an die Boten Gottes geglaubt haben, die Er ihnen in Seiner Macht gesandt hat, die Er erstehen ließ, um Seine Sache zu erhöhen, und die Er zu Lampen Seiner Urewigkeit in der Nische Seiner Einzigkeit machte. Was ist der Grund, daß sich die Menschen von Ihnen abkehrten, über Sie stritten, Sie anfeindeten und Sie bekämpften? Warum weigerten sie sich, Ihre Sendung und Souveränität anzuerkennen und erklärten Sie für Ungläubige, verfluchten und vertrieben Sie oder schlugen Sie gar tot?

4 O du, der du deinen Fuß in die Weiten der Erkenntnis gesetzt hast und in die Arche der Weisheit eingekehrt bist! Erst wenn du den verborgenen Sinn dessen, was Wir dir mitteilen, erkennst, kannst du hoffen, die Stufe des Glaubens zu erreichen und Gewißheit zu erlangen über die Sache Gottes, die Manifestationen Seines Befehls, die Aufgangsorte Seiner Gebote, die Schatzkammern Seiner Eingebung und die Speicher Seines Wissens. So dir dies nicht gelingt, wirst du dich bei denen finden, die sich weder für die Sache Gottes mühen noch den Duft des Glaubens aus den Gewändern der Gewißheit atmen, die weder die Höhen göttlicher Einheit erklommen noch die Stufen göttlicher Einzigkeit in den Verkörperungen des Lobpreises und den Edelsteinen der Heiligung erreicht haben.

5 Strebe daher, o Mein Bruder, nach der Erkenntnis dieser Stufe, damit die Schleier vom Angesicht deines Herzens gelüftet werden und du zu jenen gehörst, deren Blick Gott geschärft hat – auf daß du die tiefsten Wirklichkeiten des Reiches Seiner Herrschaft1 bezeugst, die Geheimnisse des Königreiches2 schaust, die Mysterien Seiner Wesenheit3 in der Welt hienieden4 wahrnimmst und die Stufe

erreichst, die da heißt: „Du siehst keine Unterschiede in der Schöpfung des Allerbarmers“ und „keinen Mangel in der Schöpfung von Himmel und Erde.“5

6 Nun, da wir bei diesem schwer zugänglichen und höchst erhabenen Thema, bei diesem unergründlichen, hehren Geheimnis angelangt sind – wisse, daß die Juden und Christen die Sache Gottes verwarfen, weil sie Sein Wort nicht verstanden und die Verheißungen nicht erfaßten, die Er ihnen in Seinem Buch gegeben. Sie wandten sich ab von Seinen Boten und leugneten Seine Beweise. Hätten sie auf das Zeugnis Gottes selbst geblickt und wären nicht den Niedriggesinnten und Toren unter ihren Gelehrten und Führern gefolgt, so hätten sie die Schatzkammer der Führung und den Hort der Gottesfurcht erreicht und von den Wassern des Lebens in der Stadt des Allbarmherzigen, im Garten des Allherrlichen und in der Wirklichkeit des Paradieses getrunken. Da sie jedoch Sein Zeugnis nicht mit Augen betrachteten, die Gott für sie erschaffen hat, und anderes wünschten als das, was Er in Seiner Gnade für sie gewünscht hat, sind sie weit vom Lager der Nähe abgeirrt, haben sich des Kawthar* der Wiedervereinigung und der Quelle der Gnade beraubt und waren wie Tote, gehüllt in die Schleier ihres eigenen Selbstes.

7 Durch die Kraft Gottes und Seine Macht

werde Ich dir nun einiges aus den früheren heiligen Büchern darlegen und auf die Zeichen eingehen, die vom Kommen der Manifestationen Seiner Einzigkeit künden. So kannst du den Ort der Dämmerung an diesem Morgen der Urewigkeit erkennen und dieses Feuer erblicken, das im Baume, der „weder des Ostens noch des Westens ist“, entfacht ward6 – vielleicht, daß du deine Augen öffnest, wenn du zu deinem Herrn gelangst, und dein Herz von der verborgenen Gnade koste, die in diesen Gefäßen verwahrt ist. Danke Gott, deinem Herrn, daß Er dich auserwählte und zu einem jener machte, die der Begegnung mit ihrem Herrn gewiß sind.

8 Dies wurde zuvor im ersten Evangelium, dem des Matthäus, offenbart. Darin nennt Er die Zeichen der Offenbarung dessen, der nach Ihm kommt. Er spricht: „Wehe aber den Schwangeren und Stillenden in jenen Tagen!...“7, bis die Taube am Pol der Ewigkeit gurrt und der himmlische Hahn fern auf dem Sidratu’lMuntahá* verkündet: „Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen.“8

9 Im zweiten Evangelium, dem des Markus, spricht die Taube der Heiligkeit: „Denn in diesen Tagen wird eine solche Bedrängnis sein, wie sie nie gewesen ist vom Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.“9 Und sie fährt hierauf fort zu gurren wie zuvor. Gott bezeugt wahrlich Meine Worte.

10 Und im dritten Evangelium, dem des Lukas, heißt es: „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, denn das Reich Gottes ist nahe.“10

11 Und im vierten Evangelium, dem des Johannes, steht geschrieben: „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, ...“11 Und an anderer Stelle sagt Er: „Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“12 Und: „Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Denn ich habe es euch gesagt.“13 Und wiederum: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.“14 Und: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“15

12 Dies ist, was früher herabgesandt wurde. Bei Ihm, außer dem kein Gott ist, Ich habe Mich kurz gefaßt. Denn wollte Ich die Worte anführen, die auf die Propheten Gottes vom Reich16 der Erhabenheit und vom Himmel17 Seiner Souveränität herabgesandt wurden, die Blätter und Tafeln wären gefüllt, bevor Ich damit zu Ende käme. Ähnliche Aussagen, ja noch erhabenere, sind in allen überlieferten Schriften zu finden. Wollte Ich alles darlegen, was in der Vergangenheit offenbart wurde, so wäre Ich fürwahr dazu imstande durch das, was Gott Mir von den Wundern Seines Wissens und Seiner Macht gewährt hat. Ich habe Mich jedoch mit dem dir Dargelegten begnügt, damit du auf deiner Reise nicht erschöpft werdest oder kehrt machst und du nicht traurig wirst oder betrübt, müde oder niedergeschlagen.

13 So urteile gerecht und denke nach über diese erhabenen Worte. Alsdann frage jene, die – ohne Beweis und Zeugnis von Gott – Wissen beanspruchen und dieses Tags nicht achten, da die Sonne des Wissens und der Weisheit vom Horizonte der Göttlichkeit erstrahlt, jedem gibt, was ihm gebührt, und allen ihr Maß und ihre Stufe zuweist: Was sagen sie über diese Hinweise, die jeden Verstand überfordern und selbst heilige Seelen verwirren, wenn sie versuchen, die darin verborgene vollkommene Weisheit Gottes und Sein verwahrtes Wissen zu begreifen?

14 Sollten sie sagen: „Diese Worte sind von Gott, und außer dem Wortsinn kann es keine Auslegung geben“, was können sie dann den Ungläubigen aus dem Volk des Buches entgegnen? Denn als diese die angeführten Verse der Schrift sahen und die wörtliche Auslegung ihrer Religionsgelehrten hörten, lehnten sie es ab, in den Manifestationen Gottes die Vertreter Seiner Einheit, die Aufgangsorte Seiner Einzigkeit und die Verkörperungen Seiner Transzendenz zu sehen. Sie glaubten nicht an Sie und waren nicht bereit, sich Ihrer Autorität zu unterwerfen, weil sich die Sonne nicht verdunkelte, die Sterne nicht vom Himmel fielen und die Engel nicht in sichtbarer Gestalt auf die Erde herabkamen. Also haben sie sich den Propheten und Gesandten Gottes widersetzt. Ja, in ihren Augen

standen diese Gottgesandten im Widerspruch zur Religion und deren Gesetz. Darum beschuldigten sie Sie der Lüge, des Wahnsinns, der Blasphemie und des Irrglaubens – Ich schäme Mich, davon zu berichten. Studiere den Koran, damit du all dies findest und erkennst. Bis auf den heutigen Tag erwarten diese Menschen das Erscheinen dessen, was sie von ihren Geistlichen gelernt und wessen sie sich bei ihren Gelehrten versichert haben. So sagen sie: „Wann werden diese Zeichen erscheinen, auf daß wir hinfort glauben?“ Gäbe es nur die wörtliche Auslegung, wie könntet ihr ihre Argumente widerlegen, ihre Beweise entkräften und mit ihnen rechten über ihren Glauben, ihr Verständnis der Schriften und über das, was sie von ihren Vorbildern gehört haben?

15 Und sollten sie erwidern: „Diese Bücher, die in den Händen jenes Volkes sind und die sie das Evangelium nennen und Jesus, dem Sohn Marias, zuschreiben, wurden nicht von Gott und der Manifestation Seiner Selbst offenbart“, so liefe dies darauf hinaus, daß der Gnadenstrom dessen, der der Quell aller Gnade ist, unterbrochen sei. Also wäre Gottes Zeugnis für Seine Diener unvollständig geblieben und Seine Gunst unvollkommen, das Licht Seiner Fürsorge wäre nicht erstrahlt, noch hätte Sein Erbarmen alle umfaßt. Denn wäre mit Jesus auch Sein Buch in den Himmel entschwunden, wie könnte Gott die Menschen am Tage der Auferstehung tadeln und strafen, wie es die Imame und die rechtgeleiteten Gelehrten in ihren Schriften bezeugen?

16 Gehe in dich: Da die Dinge so sind, wie du es bezeugst und wie Wir es bezeugen, wohin kannst du fliehen, bei wem Zuflucht suchen? Wem wirst du dich zuwenden? In welchem Lande wirst du wohnen? Worauf wirst du sitzen? Welchen Pfad wirst du beschreiten, und zu welcher Stunde wirst du ruhen? Was soll am Ende mit dir geschehen? Wo wirst du das Band deines Glaubens und das Seil deines Gehorsams festmachen? Bei Ihm, der sich in Seiner Einheit offenbarte und dessen eigenes Selbst Seine Einzigkeit bezeugt! Sollte das Feuer der Liebe Gottes in deinem Herzen auflodern, so wirst du weder rasten noch ruhen, weder lachen noch es dir behaglich machen. Nein, du wirst die höchsten Gipfel am Hof der Nähe, der Heiligkeit und Schönheit erklimmen. Du wirst klagen wie der Trauernde und weinen wie der Sehnsuchtsvolle. Nie kehrtest du heim in dein

Zuhause, es sei denn, Gott enthüllte dir zuvor Seine Offenbarung.

17 O du, der du ins Reich18 der Führung aufsteigst und dich zum Himmel19 der Gottesfurcht erhebst! Solltest du begehren, diese himmlischen Zeichen zu begreifen, die Geheimnisse des Wissens zu schauen und das allumfassende Wort zu verstehen, dann solltest du, geschätzter Freund, über all dies und alles, was deinen Ursprung und dein Ende betrifft, jene befragen, die Gott zum Quell Seines Wissens, zum Himmel Seiner Weisheit und zur Arche Seines Geheimnisses gemacht hat. Denn ohne diese strahlenden Lichter, die vom Horizonte Seines Wesens leuchten, könnten die Menschen ihre linke Hand nicht von der rechten unterscheiden. Wie viel weniger könnten sie zum Himmel der inneren Wirklichkeiten aufsteigen oder in die Tiefen der feinsten Unterscheidungen eintauchen! So bitten wir Gott, uns in diesem wogenden Meere versinken zu lassen, diese reinigenden Winde über uns wehen und uns in diesen göttlichen Höhen wohnen zu lassen, damit wir alles ablegen, was von uns selbst ist, und uns der löchrigen Kleider des Unwissens, die wir unseren Nächsten entwendet haben, entledigen, auf daß Gott uns in die Gewänder Seiner Gunst und Rechtleitung kleide und uns in die Stadt des Wissens führe.

18 Wer diese Stadt betritt, wird alle Zweige des Wissens begreifen, ohne je deren Geheimnisse erforscht zu haben. Er wird von den Blättern der Bäume dieser Stadt Wissen und Weisheit aus den Geheimnissen der Göttlichkeit erwerben, wie sie in die Schatzkammern der Geschöpfe gelegt sind. Erhaben ist Gott, ihr Schöpfer und Gestalter, über alles, was Er in ihr erschaffen und für sie bestimmt hat! Bei Gott, dem Beschützer, dem Allmächtigen, dem Selbstbestehenden! Wollte Ich vor deinen Augen die Tore dieser Stadt enthüllen, welche durch die rechte Hand der Macht und Kraft erschaffen wurden, so sähest du, was niemand zuvor geschaut, und würdest bezeugen, was keiner je bezeugt hat. Die rätselhaften Zeichen und dunklen Hinweise würdest du ebenso erfassen wie die Geheimnisse des Anbeginns in des Endes letztem Punkt. Alles wäre dir leicht gemacht. Feuer verwandelte sich dir in Licht, Wissen und Gnade. Am Hof der Heiligkeit würdest du ruhen.

19 Doch ohne diese Edelsteine mystischer Weisheit, die Wir dir in den dunklen Tiefen dieser gesegneten Worte dargereicht haben, wirst du nicht einen Tropfen aus den Meerestiefen des Wissens oder den rauschenden Strömen der Kraft erlangen. Der Finger der Gottheit würde dich mit der Feder der Einzigkeit im Mutterbuch als unwissend verzeichnen. Kein Buchstabe des Buches und kein Wort der Heiligen Familie20 über die Geheimnisse des Anfangs und des Endes würde sich dir öffnen.

20 O du, dem Wir äußerlich nicht begegnet sind, zu dem Wir aber innerlich Zuneigung hegen! Sei gerecht in deinem Urteil, und tritt vor Ihn, der dich sieht und kennt, auch wenn du Ihn nicht siehst und kennst: Kann jemand diese Worte mit solch überzeugenden Argumenten, klaren Beweisen und unmißverständlichen Erklärungen erläutern, daß das Herz des Suchers und sein Innerstes Ruhe finden? Nein, bei Ihm, in dessen Hand Meine Seele ist! Niemals vermag jemand auch nur einen Tropfen davon zu trinken, es sei denn, er betritt diese Stadt, deren Fundamente im Fels aus Rubin gründen, mit Mauern, gebaut aus dem Chrysolith der Einzigkeit Gottes, und Toren aus Diamanten der Ewigkeit. Selbst ihr Staub verbreitet den Duft der göttlichen Freigebigkeit.

21 Nun, da Wir dir von einigen Geheimnissen gekündet haben, verborgen unter mannigfachen Schleiern, kehren Wir zu Unserer Erläuterung der früheren Bücher zurück, damit dein Schritt nicht strauchle und du Gewißheit erlangest in allem, womit Wir dich aus den Wogen der Meere des Lebens im Reich21 der Namen und Attribute Gottes benetzen.

22 In allen Evangelien steht geschrieben, daß der Geist diese Worte des Lichtes zu Seinen Jüngern sprach: „Wisset, Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden niemals vergehen.“23 Dir, geschätzter Freund, ist bekannt, daß diese Worte dem äußeren Sinn nach nichts anderes besagen, als daß die Evangelien bis zum Ende aller Tage bei den Menschen bleiben, daß ihre Gebote nicht außer Kraft gesetzt werden und ihr Zeugnis nicht vergehen wird. Alles, was darin bestimmt und befohlen wurde, wird ewig bestehen und nimmer vergehen.

23 O Mein Bruder! Reinige und erleuchte dein Herz, schärfe deinen Blick, auf daß du die Melodien der himmlischen Vögel des Paradieses und die Weisen der Tauben der Heiligkeit im Himmelreich24 der Ewigkeit erfassen und die inneren

Bedeutungen dieser Worte und ihre Geheimnisse verstehen kannst. Denn wolltest du sie wörtlich auslegen, so könntest du weder die Wahrheit der Sache dessen beweisen, der nach Jesus kam, noch die Widerspenstigen zum Schweigen bringen oder über die Feindseligen unter den Gottlosen obsiegen. Denn mit diesem Vers suchen die christlichen Geistlichen zu beweisen, daß das Evangelium niemals seine Gültigkeit verliere. Und sie behaupten, selbst wenn sich alle Zeichen ihrer Bücher erfüllten und der Verheißene erschiene, so hätte Er doch keine andere Wahl, als nach den Geboten des Evangeliums unter den Menschen zu richten. Sollte Er auch alle in den Büchern verzeichneten Zeichen erfüllen, doch anderes bestimmen als Jesus – sie würden Ihn weder anerkennen noch Ihm folgen. So klar und unstrittig ist dies nach ihrer Meinung.

24 Ebenso hörst du heute die Gelehrten und die Toren unter dem Volk dieselben Einwände erheben. Sie sagen: „Die Sonne ging nicht im Westen auf, noch erhob der Rufer seine Stimme zwischen Himmel und Erde. Länder wurden nicht überflutet; weder erschien der Dajjál*, noch erhob sich der Sufyání*; auch ist der Tempel nicht in der Sonne erschienen.“ Ich hörte mit eigenen Ohren einen ihrer Geistlichen sagen: „Sollten sich all diese Zeichen ereignen und der lang ersehnte Qá’im* erscheinen, und sollte Er irgend etwas anderes bestimmen, als es im Koran herabgesandt ward, und sei es nur im Hinblick auf einzelne Vorschriften des Gesetzes, so würden wir Ihn gewiß der Lüge zeihen, Ihn töten und uns niemals zu Ihm bekennen“, und Ich hörte von ihm ähnliche Aussagen, wie solche Leugner sie machen. Und all dies, nachdem der Tag der Auferstehung angebrochen ist, die Posaune geblasen wurde, alle Bewohner der Erde und der Himmel versammelt, die Waage aufgestellt, die Brücke errichtet und die Verse herabgesandt wurden, nachdem die Sonne erstrahlte, die Sterne verloschen, die Seelen wiederbelebt, der Geist eingehaucht, die Engelschar aufgereiht, das Paradies nahegebracht und die Hölle entfacht ward! All dies ist geschehen, und doch hat es bis jetzt keiner von ihnen erkannt! Es ist, als lägen sie tot in ihren Leichentüchern – alle außer denen, die glauben, zu Gott zurückgekehrt sind, am heutigen Tage im Paradies der Heiligkeit frohlocken und auf dem Pfad Seines Wohlwollens schreiten.

25 Gehüllt in die Schleier ihres Selbstes, haben die Menschen die Weisen der Heiligkeit nicht vernommen, die Düfte der Gnade nicht geatmet und die „Besitzer der Ermahnung“* nicht gefragt, wie Gott es ihnen befahl. Er verkündet, und Sein Wort ist die Wahrheit: „Fragt doch die Besitzer der Ermahnung, wenn ihr unwissend seid.“25 Nein, sie haben sich von ihnen abgewandt und sind stattdessen in ihrer Verblendung dem Sámirí* gefolgt. So sind sie weit von der Gnade Gottes abgeirrt und haben es versäumt, am Tage Seiner Gegenwart zu Seiner Schönheit zu gelangen – obwohl sie zuvor den Tag Seiner Offenbarung erwartet und Tag und Nacht zu Gott gebetet hatten, Er möge sie vor Ihm versammeln, daß sie sich auf Seinem Pfade opferten, durch Seine Führung rechtgeleitet und von Seinem Lichte erleuchtet würden. Doch als Er mit einem Zeichen und Gottes Zeugnis zu ihnen kam, verdammten und verfluchten sie Ihn und taten Ihm an, was Ich nicht beschreiben kann und du nicht zu hören erträgst. In diesem Augenblick schreit Meine Feder laut auf und bitterlich weint die Tinte. Lauschtest du mit deinem inneren Ohr, bei Gott, du hörtest die Himmelsbewohner wehklagen. Und wolltest du den Schleier von den Augen nehmen, so sähest du die Jungfrauen des Paradieses von Pein überwältigt und die heiligen Seelen erschüttert, wie sie im Staube liegen und sich die Hände vors Gesicht schlagen.

26 Wehe, wehe, was ist der Manifestation Gottes widerfahren, und was haben sie Ihm und Seinen Geliebten angetan! Die Menschen begingen an Ihnen, was keine Seele je einer anderen zugefügt hat, kein Ungläubiger einem Gläubigen und kein Gläubiger einem Ungläubigen. Wehe, wehe! Die Verkörperung der Unsterblichkeit saß in schwarzem Staub, der Heilige Geist klagte in den Gefilden der Erhabenheit, die Pfeiler des Thrones zerbarsten im erhabenen Gottesreich26, im karminroten Land schlug die Freude allen Seins um in Trauer, und die Stimme der Taube verstummte im güldenen Königreich27. Wehe ihnen für alles, was sie getan!

27 Lausche sodann dem, was die Himmelstaube in schönen, wundersamen Weisen und in vollkommenen, erhabenen Melodien über sie kündet – auf daß Kummer sie erfülle von nun an bis zu dem „Tag, da die Menschheit vor dem Herrn der Welten stehen wird“28: „Sie hatten zuvor um Sieg gefleht über die Ungläubigen – doch als zu ihnen kam, was sie schon kannten, verwarfen sie es. Darum Gottes Fluch auf die Ungläubigen!“29 Das ist ihr Zustand und was sie erreicht haben in ihrem eitlen Leben. Die Pein des Feuers werden sie kosten, und sie werden keinen finden, der ihnen hilft oder beisteht.

28 Laß deinen Blick nicht durch das trüben, was im Koran offenbart ist über die Verfälschung der heiligen Texte durch Fanatiker und Irregeleitete oder was du darüber aus den Überlieferungen der Sonnen der Unfehlbarkeit und der Monde der Erhabenheit30 gehört hast! Diese Aussagen beziehen sich lediglich auf bestimmte, ausdrücklich benannte Stellen. Trotz Meiner Schwäche und Armut könnte Ich dir, geschätzter Freund, diese Stellen jederzeit nennen. Doch würde uns dies vom Ziel ablenken, und wir kämen ab von dem weit führenden Pfad. Wir verlören uns in vordergründigen Hinweisen und ließen außer acht, was am Hofe des Allgepriesenen geschätzt wird.

29 O du, der du in dieser ausgebreiteten Schriftrolle31 genannt bist und inmitten dieser tiefen Finsternis von den Lichtstrahlen des heiligen Bergs im Sinai der Offenbarung erleuchtet wirst! Befreie dich von allem, was du in der Vergangenheit an bösen Andeutungen und gotteslästerlichem Geflüster gehört hast, damit du den Duft der Ewigkeit vom Joseph der Treue atmest, in das himmlische Ägypten Einlaß findest und die Wohlgerüche der Erleuchtung von dieser strahlenden, weißen Tafel wahrnimmst – eine Tafel, auf der die Feder die urewigen Geheimnisse der Namen Ihres Herrn, des Erhabenen, des Höchsten, verzeichnet hat. O daß du doch auf den heiligen Tafeln als einer derer verzeichnet werdest, die Gewißheit erlangen!

30 O du, der du vor diesem Diener stehst und dessen doch nicht gewahr bist! Wisse, wer den Aufstieg zum Gipfel der göttlichen Geheimnisse unternimmt, muß sich mit aller Kraft und Anstrengung im Glauben bemühen, damit sich ihm der Pfad der Führung auftue. Und sollte er jemandem begegnen, der im Auftrag Gottes zu sprechen beansprucht und einen Beweis von Seinem Herrn vorlegt, den Menschen nicht erbringen können, dann muß er Ihm in allem folgen, was Er befiehlt und verkündet – selbst wenn Er verfügte, der Himmel werde zur Erde oder die Erde zum Himmel oder dergleichen, oder wenn Er einen Wechsel oder Wandel bestimmte. Denn Er kennt die himmlischen Geheimnisse, die verborgenen Allegorien und göttlichen Verordnungen.

31 Handelten die Menschen aller Völker nach dem, was Wir dargelegt haben, dann fiele ihnen alles leicht, und solche Worte und Anspielungen hielten sie nicht von den tosenden Wassern der Namen und Attribute Gottes fern. Hätten die Menschen dies erkannt, so hätten sie Gottes Gnadengaben nicht verleugnet und Seine Propheten nicht verworfen. Sie hätten nicht mit Ihnen gestritten, noch wären sie gegen Sie zu Felde gezogen. Ähnliche Verse finden sich auch im Koran, o würdet ihr doch darüber nachsinnen!

32 Wisse zudem, daß Gott durch solche Worte Seine Diener prüft und siebt. Er scheidet den Gläubigen vom Ungläubigen, den Losgelösten vom Weltverhafteten, den Rechtschaffenen vom Lasterhaften, den Gottesfürchtigen vom Frevler, so wie die Taube der Heiligkeit verkündet hat: „Meinen die Menschen, sie würden in Ruhe gelassen, nur weil sie sagen: ‚Wir glauben‘, und sie würden nicht auf die Probe gestellt?“32

33 Wer zu Gott reist und sich aufgemacht hat, Seinen Pfad zu beschreiten, muß sich von allen in den Himmeln und auf Erden lösen. Er muß allem außer Gott entsagen, damit die Pforten der Gnade vor seinem Angesicht aufgetan werden und die Winde des Wohlwollens über ihn wehen. Und hat er seiner Seele eingeprägt, was Wir ihm an Edelsteinen innerer Bedeutung und Erklärung überlassen haben, so wird er all die Hinweise in diesen Zeichen verstehen. Dann wird Gott seinem Herzen Ruhe schenken und ihn Frieden finden lassen. Ebenso wie diese mehrdeutigen Verse kannst du auch das verstehen, wonach du diesen Diener gefragt hast – der erniedrigt ist und sich auf Erden wie ein Fremder bewegt, ohne Helfer oder Vertrauten, ohne Freund oder Beistand, der allein auf Gott vertraut und in jedem Augenblick spricht: „Wahrlich, wir sind Gottes, und zu Ihm kehren wir zurück.“33

34 Wisse, daß die Stellen, die Wir als „mehrdeutig“ bezeichnet haben, dies nur scheinbar sind in den Augen derer, die nicht zum Horizont der Führung aufgestiegen sind und die Höhen der Erkenntnis in den Gefilden der Gnade nicht erreicht haben. Doch wer die Schatzkammern göttlicher Offenbarung erkannt und durch Seine Eingebung die Geheimnisse göttlicher Souveränität erblickt hat, für den sind alle Verse Gottes eindeutig und alle Andeutungen unmißverständlich. Er erkennt die Geheimnisse, die in das Gewand der Worte gekleidet sind, ebenso deutlich wie die Hitze der Sonne oder die Nässe des Wassers, nein, deutlicher noch. Unermeßlich erhaben ist Gott über unseren Lobpreis für Seine Geliebten. Und unermeßlich erhaben ist Er über ihren Lobpreis für Ihn!

35 Nun, da Wir in dem, was aus dieser Feder durch die größte Gnade Gottes, des Erhabenen, des Höchsten, geflossen ist, dieses bedeutsame Thema und den hoch aufragenden Gipfel erreicht haben, wollen Wir dir von einigen Stationen auf der Reise des Wanderers zu seinem Ursprung berichten. So möge dir, geschätzter Freund, alles offenbar werden, was du je wünschtest, damit der Beweis erbracht und der Segen überreich ist.

36 Wisse und erkenne, daß der Sucher zu Beginn seines Weges zu Gott den Garten der Suche betreten muß. Auf diesem Pfad soll sich der Wanderer von allem außer Gott lösen und seine Augen verschließen vor allem in den Himmeln und auf Erden. In seinem Herzen darf er gegen niemanden Haß oder Liebe hegen, die ihn hindern könnten, zur Wohnstätte himmlischer Schönheit zu gelangen. Seine Seele muß er von den Schleiern34 der Macht heiligen. Gegenüber seinem Nächsten darf er sich nicht dessen brüsten, was Gott ihm an irdischem Tand, äußerem Wissen oder an anderen Gaben gewährt hat. Mit höchstem Eifer und größter Anstrengung muß er die Wahrheit suchen, damit Gott ihn die Pfade Seiner Gunst und die Wege Seiner Barmherzigkeit leite. Denn Er ist Seinen Dienern der beste Helfer und Seinen Untertanen der vortrefflichste Beistand. Er sagt – und Sein Wort ist die Wahrheit: „Wer sich für Uns müht, den werden Wir gewiß auf Unseren Wegen leiten.“35 Und an anderer Stelle: „Fürchtet Gott, und Gott wird euch lehren.“36

37 Auf dieser Reise wird der Wanderer Zeuge

zahlloser Unterschiede, Veränderungen, Gegensätze und Wandlungen. Er erblickt göttliche Wunder in den Geheimnissen der Schöpfung, entdeckt die Pfade der Führung und die Wege des Herrn. Dies ist der Rang der Suchenden und die Stufe derer, die zu Ihm eilen.

38 Ist der Sucher zu dieser Stufe gelangt, so wird er die Stadt der Liebe und Verzückung betreten. Hier wehen die Winde der Liebe und die Brisen des Geistes. Auf dieser Stufe wird der Sucher so von den Verzückungen der Sehnsucht und den

Düften des Verlangens überwältigt, daß er links nicht mehr von rechts, Land nicht von Meer, Wüste nicht von Gebirge zu unterscheiden vermag. Ohn’ Unterlaß brennt in ihm das Feuer der Sehnsucht, und ihn verzehrt die Trennung vom Geliebten in dieser irdischen Welt. Er eilt durch den Paran* der Liebe und durchquert den Horeb* der Verzückung. Mal lacht er, mal weint er bitterlich; mal ruht er in Frieden, mal zittert er vor Angst. Nichts kümmert ihn, nichts kann ihn aufhalten oder hindern. Er erwartet bereitwillig, was sein Herr ihm bestimmt für seinen Anfang und sein Ende. Mit jedem Atemzug ist er bereit, seinen Geist aufzugeben und sein Leben zu opfern. Den Lanzen der Feinde bietet er die Brust dar und dem Schwert des Schicksals sein Haupt – ja, er küßt die Hand seines Henkers. Alles gibt er hin, um seinen Geist und seinen Leib auf dem Pfade seines Herrn zu opfern – doch nicht aus eigener Neigung, sondern mit der Erlaubnis seines Geliebten. Du findest ihn kühl im Feuer und trocken im Meer; er wohnt in jedem Land und geht alle Wege. Wer ihn in diesem Zustand berührt, der spürt die Glut seiner Liebe. Er wandelt in den Gefilden der Loslösung und durchschreitet das Tal des Verzichts. Seine Augen sind stets bereit, die Wunder von Gottes Gnade und den Glanz Seiner Schönheit zu schauen. Gesegnet ist, wer eine solche Stufe erreicht, denn dies ist die Stufe der innig Liebenden und Verzückten.

39 Wenn dieser Teil der Reise abgeschlossen ist und der Wanderer diese erhabene Stufe hinter sich läßt, dann betritt er die Stadt der göttlichen Einheit, den Garten der Einzigkeit und den Hof absoluter Transzendenz. Auf dieser Stufe entledigt sich der Sucher aller Zeichen, Anspielungen, Schleier und Worte und erblickt alle Dinge mit jenem Auge, mit dem sich ihm Gott durch ihn und für ihn offenbart hat. Auf dieser Reise sieht er, daß alle Unterschiede auf ein einziges Wort zurückgehen und alle Anspielungen in einem Punkt enden. So wie er es bezeugt hat, der auf der Arche des Feuers segelte und dem innersten Pfade folgte, bis er den Gipfel der Herrlichkeit im Reich37 der Unvergänglichkeit erreichte: „Wissen ist ein Punkt, den die Toren vervielfacht haben.“38 Dies ist die Stufe, von der die Überlieferung spricht: „Ich bin Er und Er ist ich –

doch Er ist Er und ich bin ich.“39

40 Sagte Er, die Verkörperung des Siegels, auf dieser Stufe: „Ich bin der Punkt des Anbeginns“, so spräche Er gewiß die Wahrheit. Und sagte Er, „Ich bin ein anderer als Er“, wäre dies ebenso wahr. Wollte Er verkünden: „Wahrlich, Ich bin der Herr des Himmels und der Erde“ oder „der König der Könige“ oder „der Fürst des Reiches göttlicher Herrschaft40“, oder wollte Er sich als Muhammad oder ‘Alí bezeichnen oder als deren Nachkommen oder als jemand anderen, so würde Er in der Tat die Wahrheit verkünden. Er herrscht fürwahr über die erschaffenen Dinge und über alles außer Ihm selbst. Hast du nicht gehört, was aus früherer Zeit überliefert ist: „Unser Erster ist Muhammad, unser Letzter* ist Muhammad und unser Mittlerer ist Muhammad“?41 Und an anderer Stelle: „Sie alle sind von einem Licht“42?

41 Auf dieser Stufe erschließen sich die Einheit Gottes und die Zeichen Seiner Transzendenz. Dort siehst du sie alle aufsteigen aus der Brust göttlicher Macht und sich in die Arme Seiner Gnade begeben. Doch zwischen Seiner Brust und Seinen Armen wirst du keines Unterschieds gewahr. Hier von Veränderung oder Verwandlung zu sprechen, wäre reine Gotteslästerung und schierer Unglaube. Denn dies ist die Stufe der Offenbarung göttlicher Einheit und der Verkündigung Seiner Einzigkeit, wo das Licht des ewigen Morgens in erhabenen und reinen Spiegeln erstrahlt. Bei Gott! Wollte Ich diese Stufe mit allem beschreiben, was Gott ihr bestimmt hat, die Seelen schieden von den Leibern, die innerste Wirklichkeit aller Dinge würde in ihrem Kern erschüttert, und jene, die in den Landen bloßer Andeutungen wandeln, gingen gänzlich zugrunde.

42 Hast du nicht gehört: „Keinen Wandel gibt es in Gottes Schöpfung“?43 Hast du nicht gelesen: „Keinen Wandel wirst du in Gottes Handeln finden“?44 Und kennst du nicht den Vers: „Keinen Unterschied wirst du in der Schöpfung des Allerbarmers sehen“?45 Ja, bei Meinem Herrn! Jene, die in dieser Meerestiefe wohnen und diese Arche bestiegen haben, sehen keine Veränderung in Gottes Schöpfung und erblicken keine Unterschiede auf Seiner Erde. Und wenn in Gottes Schöpfung kein Wandel und keine Veränderung bestehen, wie könnten ihnen dann Seine Manifestationen unterworfen sein? Hocherhaben ist Gott über alles, womit wir die Offenbarer Seiner Sache beschreiben, und unermeßlich verherrlicht ist Er über das, was sie sagen.

43 Bei Gott! Schimmernde Perlen hortet das Meer.
Ans Ufer wirft sie eine Woge, windgeboren.
So lege ab dein Kleid und tauche ein!
Doch trachte nicht zu schwimmen,
denn es gereicht dir nicht zu Ruhm und Ehr’.

44 Wenn du zu den Bewohnern dieser Stadt im Meer der göttlichen Einheit gehörst, wirst du all die Propheten und Gesandten Gottes als eine Seele und einen Leib, als ein Licht und einen Geist betrachten – den Ersten unter Ihnen als Letzten und den Letzten als Ersten. Denn Sie alle haben sich erhoben, Sein Gebot zu verkünden, Sie alle haben die Gesetze göttlicher Weisheit erlassen und sind allesamt die Manifestationen Seines Selbstes, Verwahrungsorte Seiner Macht, Schatzkammern Seiner Offenbarung, Aufgangsorte Seiner Sonne und Dämmerorte Seines Lichtes. Durch Sie erschienen die Zeichen der Transzendenz in der Wirklichkeit alles Erschaffenen und die Beweise der Einzigkeit in den innersten Wesen aller Geschöpfe, durch Sie wurden die Grundsteine der Verherrlichung in den Wirklichkeiten der Einzigkeit und die Orte des Lobpreises in den reinen Verkörperungen der Ewigkeit offenbar. Die Schöpfung ist von Ihnen46 ausgegangen, und zu Ihnen soll alles zurückkehren. Und da Sie in Ihrem innersten Wesen alle eine Sonne und ein Geheimnis sind, solltest du auch Ihre äußere Form im selben Lichte sehen; dann wirst du Sie alle als ein Wesen erkennen, vielmehr noch, als eins in Ihren Worten, Ihrer Rede und Ihrer Sprache.

45 Wolltest du auf dieser Stufe den Letzten von Ihnen als den Ersten bezeichnen – oder umgekehrt – so wäre es wahr, so wie vom Urquell der Göttlichkeit und dem Ursprung göttlicher Herrschaft verordnet: „Sprich: Ruft Gott an oder den Allbarmherzigen: mit welchem Namen ihr auch ruft; Sein sind die schönsten Namen.“46 Denn Sie sind allesamt die Manifestationen des Namens Gottes, die Aufgangsorte Seiner Attribute, die Horte Seiner Macht und die Brennpunkte Seiner Souveränität, während Er selbst – gepriesen sei Seine Macht und Herrlichkeit – in Seinem Wesen geheiligt ist über alle Namen und erhaben über die höchsten Attribute. Ebenso betrachte die Beweise göttlicher Allmacht sowohl in Ihrem Geist als auch in Ihrem Leib, auf daß dein Herz Sicherheit erlange und du am Horizont Seiner Nähe wandelst.

46 Ich wiederhole dir nun das Gesagte, auf daß es dir helfe, deinen Schöpfer zu erkennen. Wisse, daß Gott – erhaben und verherrlicht ist Er – niemals Sein innerstes Wesen und Seine Wirklichkeit offenbart. Seit dem Anbeginn der Zeit war Er verschleiert in der Ewigkeit Seines Wesens und verhüllt in der Unendlichkeit Seines Seins. Und als es Ihn verlangte, Seine Schönheit im Reich47 der Namen zu offenbaren und Seine Erhabenheit im Himmel48 der Attribute zu enthüllen, traten die Propheten aus dem Unsichtbaren ins Sichtbare, damit Sein Name „der Offenbare“ von Seinem Namen „der Verborgene“ und Sein Name „der Letzte“ von „dem Ersten“ unterschieden werde und folgende Worte ihre Erfüllung finden: „Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der Verborgene. Und Er weiß um alle Dinge!“49 So ließ Er diese größten Namen und erhabensten Worte in den Manifestationen Seines Selbstes und den Spiegeln Seines Wesens offenbar werden.

47 Damit wurde dargelegt, daß sich alle Namen und Attribute auf diese heiligen, erhabenen Lichter beziehen. So erkennst du alle Namen in Ihren Namen und alle Eigenschaften in Ihren Eigenschaften. Würdest du Sie auf dieser Stufe mit sämtlichen Namen anrufen, wäre dies so wahr wie Ihre Existenz. Begreife sodann den Sinn dieser Worte und hüte sie im Tabernakel deines Herzens, auf daß du erkennst, wohin deine Frage führt, und das dir von Gott bestimmte Maß erlangst. Vielleicht bist du dann einer derer, die Gottes Absicht erfassen.

48 Alles, was du bezüglich Muhammad, des Sohnes von Hasan,50 gehört hast – mögen alle, die in die Tiefen des Geistes getaucht sind, ein Opfer für Ihn sein – ist unzweifelhaft wahr, und wahrlich, wir alle glauben an Ihn. Doch die Imame des Glaubens haben als Seinen Aufenthaltsort die Stadt Jábulqá* genannt und diese mit seltsamen und wundersamen Zeichen beschrieben. Wolltest du, was über diese Stadt geschrieben steht, wörtlich nehmen, so könntest du sie nirgendwo finden, selbst wenn du in den fernsten Winkeln der Erde und an allen ihren Enden suchtest. Du würdest niemals solch eine Stadt finden, wie sie sie beschrieben haben, selbst dann nicht, wenn du so lange suchtest, wie Gottes Ewigkeit währt und Seine Souveränität Bestand hat. Denn die Erde könnte sie weder umfassen noch tragen. Wenn du Mir diese Stadt zeigst, so will Ich dich fürwahr zu diesem heiligen Wesen führen, von dem sich die Menschen ihre eigenen Vorstellungen machen, die Seiner nicht würdig sind! Doch da du das nicht vermagst, bleibt dir nichts übrig, als Berichte, welche von diesen Lichtern überliefert sind, symbolisch zu deuten. Und genauso, wie die Überlieferungen über die genannte Stadt symbolisch zu deuten sind, sind es auch die über dieses heilige Wesen. Wenn du dies verstanden hast, dann erübrigt sich deine Frage nach einer „Verwandlung“ und ähnlichem.

49 So wisse denn: Alle Propheten sind eine Seele und ein Geist, tragen einen Namen und verkörpern dieselben Eigenschaften. Betrachtest du sie so, dann tragen alle Manifestationen den Namen Muhammad, sind Söhne Hasans und erschienen aus der Jábulqá* von Gottes Macht und der Jábulsá* Seiner Gnade. Denn Jábulqá ist nichts anderes als die Schatzkammer der Ewigkeit im höchsten Himmel51 und die Stätte des Unsichtbaren im erhabenen Gottesreich52. Wir bezeugen, daß Muhammad, Hasans Sohn, wahrlich in Jábulqá war und von dort erschien. Ebenso hält sich der, den Gott offenbaren wird, in jener Stadt auf bis zu der Zeit, da Gott Ihn auf den Sitz Seiner Souveränität erhebt. Wahrlich, Wir bekennen dies und glauben an Sie alle. Wir haben Uns bei der Erläuterung der Bedeutung von Jábulqá kurz gefaßt, doch wenn du wahrhaft glaubst, wirst du alle Bedeutungen der Geheimnisse verstehen, die auf diesen Tafeln verwahrt sind.

50 Doch Er, der im Jahre sechzig53 erschien, bedarf weder der Verwandlung noch der Auslegung, denn Sein Name war Muhammad, und Er war ein Nachkomme der Imame des Glaubens. Daher kann von Ihm mit Fug und Recht gesagt werden, daß Er der Sohn Hasans war, wie es dir, verehrter Freund, zweifellos vertraut ist. Nein, Er erschuf diesen Namen und ersann ihn für Sich selbst, würdest du nur mit Gottes Auge sehen.

51 Wir wollen jetzt Unser Thema wechseln, um daran zu erinnern, was dem Punkt des Koran54 widerfuhr, auf daß Gott, der Allmächtige, der Unvergleichliche, dir Einsicht in alle Dinge gewähre.

52 Denke nach über die Tage, da Gott Ihn erhob, Seine Sache zu fördern und Ihn als Stellvertreter Seiner Selbst offenbarte. Wie griffen sie Ihn an, verleugneten Ihn und stritten wider Ihn! Und wenn Er vor ihren Augen die Straßen oder Märkte betrat, da verlachten sie Ihn, schüttelten den Kopf und verhöhnten Ihn. Unaufhörlich trachteten sie danach, Ihn zu töten, bis Ihm das weite Land zu eng wurde. Die Himmlischen Heerscharen wehklagten über Sein Los, die Grundlagen des Seins wurden zunichte, und die Bewohner des Himmels beweinten Ihn bitterlich. So schwer waren die Leiden, die Ihm die Ungläubigen und Verderbten bereiteten, daß keiner der Getreuen ertragen kann, davon zu hören.

53 Hätten diese Frevler über ihr Verhalten nachgedacht und die süßen Melodien jener mystischen Taube verstanden, die auf den Zweigen dieses schneeweißen Baumes gurrt, so hätten sie sich zufrieden gezeigt mit dem, was Gott ihnen offenbarte und womit Er sie beschenkte, und hätten die Früchte auf den Zweigen des mystischen Baumes entdeckt. Warum nur haben sie Ihn zurückgewiesen und Seine Wahrheit geleugnet? Hatten sie nicht Tag für Tag das Haupt zum Himmel erhoben, um Sein Erscheinen gefleht und zu Gott gebetet, daß Er sie mit Seiner Schönheit beehre und sie in Seine Gegenwart gelangen ließe?

54 Doch sie versäumten, die Melodie des Göttlichen, die Geheimnisse Gottes und den verborgenen Sinn der heiligen Worte zu begreifen, die der Zunge des Vielgepriesenen55 entströmt sind. Statt selbst darüber nachzudenken, folgten sie den Priestern des Irrtums, die bereits in früheren Sendungen den Fortschritt des Volkes verhindert hatten und dies auch in künftigen Zyklen tun werden. So blieb ihnen der Wille Gottes wie durch Schleier verhüllt. Sie versäumten, vom himmlischen Kawthar* zu trinken und beraubten sich selbst der Begegnung mit Gott, der Manifestation Seines Wesens und des Tagesanbruchs Seiner Urewigkeit. So wanderten sie auf den Pfaden des Wahns und auf den Wegen der Achtlosigkeit und kehrten zurück zu ihrem Platz im Feuer, das sich von ihren Seelen nährt. Gottes Feder verzeichnet sie im heiligen Buch als ungläubig. Sie finden weder Freund noch Helfer, weder ehedem noch künftig.

55 Hätten sie sich fest an Gottes sicheren Griff gehalten, der offenbar ward in der Gestalt Muhammads, hätten sie sich vollständig Gott zugewandt und alles verworfen, was sie von ihren Geistlichen gelernt hatten, so hätte Er sie in Seiner Gnade geführt und sie mit den hehren Bedeutungen vertraut gemacht, die in Seinen urewigen Worten enthalten sind. Denn zu erhaben ist Er, als daß Er einen Bittsteller von Seinem Tor wiese oder einen Hoffenden an Seinem Hof enttäuschte, daß Er den vertriebe, der in Seinem Schatten Zuflucht sucht oder den zurückstieße, der sich an den Saum Seiner Gnade klammert, als daß Er den Armen verbannte, der den Strom Seiner Schätze fand. Doch da sie versäumten, sich Gott ganz zuzuwenden und sich beim Aufgang der Sonne der Einzigkeit festzuhalten am Saum Seiner allumfassenden Gnade, verließen sie den Schatten der Führung und betraten die Stadt des Irrtums. Also wurden sie selbst verderbt und verdarben die Menschen. Sie irrten ab und führten das Volk zum Irrtum. Daher wurden sie in den Büchern des Himmels als Frevler verzeichnet.

56 Nun, da dieser Diener bei der Darlegung der inneren Geheimnisse diesen bedeutsamen Punkt erreicht hat, nenne Ich dir in wenigen Worten den Grund für die Ablehnung durch diese Barbaren – zum Zeugnis für die Verständigen und als Zeichen Meiner Gunst für die Schar der Gläubigen.

57 Wisse: Als Muhammad, der Punkt des Koran und das Licht des Allherrlichen, mit klaren Versen und strahlenden Beweisen erschien, Zeichen, die kein Geschöpf hervorzubringen vermag, befahl Er allen, diesem erhabenen, weiten Pfad in allem zu folgen, was Er von Gott gebracht hatte. Wer sich zu Ihm bekannte, in Ihm die Zeichen Gottes gewahrte und in Seiner Schönheit die unwandelbare Schönheit Gottes sah, für den erfüllten sich die Verheißungen von „Auferstehung“, „Vorladung“, „Leben“ und „Paradies“. Denn durch seinen Glauben an Gott und die Manifestation Seiner Schönheit wurde er aus dem Grab seiner Achtlosigkeit erweckt, ins Land seines innersten Herzens geladen. Er empfing das Leben des Glaubens und der Gewißheit und wurde in das Paradies der Begegnung mit Gott eingelassen. Welches Paradies könnte erhabener sein als dieses, welche Vorladung mächtiger und welche Auferstehung größer? Wer Einblick erlangt in diese Mysterien, der erfaßt, was niemand je zu ergründen vermochte.

58 Wisse, daß dieser Paradiesgarten, der am Tage Gottes erscheint, jeden anderen Garten übertrifft und schöner ist als die Wirklichkeiten des Paradieses selbst. Denn als Gott – gepriesen und verherrlicht sei Er – die Zeit des Prophetentums durch Seinen Geliebten, Seinen Vertrauten und Erwählten unter Seinen Geschöpfen besiegelte – wie vom Reich56 der Herrlichkeit offenbart: „Er ist der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten“57 –, da verhieß Er allen Menschen, daß sie am Tage der Auferstehung Ihm selbst begegnen würden. Damit sollte die Größe der kommenden Offenbarung betont werden, die jetzt fürwahr erschienen ist. Es gibt kein Paradies, das diesem gliche, und keine höhere Stufe, wolltet ihr doch über die Verse des Koran nachdenken. Selig, wer der Begegnung mit Gott am Tage der Offenbarung Seiner Schönheit gewiß ist.

59 Führte Ich alle Verse an, die über dieses erhabene Thema offenbart wurden, so würde es den Leser ermüden und Uns von Unserem Ziel ablenken. Der folgende Vers soll Uns daher genügen; möge er deine Augen trösten und dich erlangen lassen, was darin verborgen liegt: „Gott ist es, der die Himmel erhoben hat ohne Säulen, die ihr sehen könnt. Dann ließ Er sich auf dem Thron nieder und lenkte die Sonne und den Mond. Alle steuern ein bestimmtes Ziel an. Sein ist die Befehlsgewalt, Er legt die Zeichen dar, auf daß ihr der Begegnung mit eurem Herrn gewiß seid.“58

60 O Mein Freund, betrachte nun das Wort „Gewißheit“ in diesem Vers. Demnach wurden die Himmel und die Erde, der Thron, die Sonne und der Mond allesamt erschaffen, damit Seine Diener fest daran glauben, daß sie Ihm in Seinen Tagen begegnen. Bei Gott! O Mein Bruder, sieh die Größe dieser Stufe und betrachte den Zustand der Menschen an diesem Tag, wie sie – „wie aufgeschreckte Esel“59 – das Antlitz Gottes und Seine Schönheit fliehen. Wenn du nachdenkst über das, was Wir dir offenbarten, so wirst du zweifellos Unsere Absicht erfassen und erkennen, was Wir dich in diesem Paradies61 lehren wollen. Mögen deine Augen Trost finden, wenn sie es erblicken, deine Ohren entzückt sein, wenn sie vernehmen, was dort verkündet wird. Deine Seele möge frohlocken, wenn sie es erkennt, dein Herz erleuchtet werden, wenn es versteht und dein Geist erfreut sein durch die duftenden Brisen, die von dorten wehen. So mögest du den Gipfel göttlicher Gnade erlangen und im Paradies60 überirdischer Heiligkeit wohnen.

61 Wer sich jedoch von Gott in Seiner Wahrheit abgewandt hat, Ihm den Rücken zukehrte, sich auflehnte, ungläubig war und frevelte, über den erging das Verdikt „gottlos“, „ungläubig“, „Tod“ und „Feuer“. Denn welcher Götzendienst61 ist schlimmer, als sich den Manifestationen Satans zuzuwenden oder den Priestern des Vergessens62 und dem Volk der Auflehnung zu folgen? Welcher Unglaube ist größer, als sich von Gott abzuwenden an dem Tag, da der Glaube durch Ihn, den Allmächtigen, den Gütigen, erneuert wird? Welcher Tod ist elender, als vor der Quelle des Lebens zu fliehen? Welches Feuer brennt heißer, als fern zu sein von der göttlichen Schönheit und der himmlischen Majestät am „Tage des gegenseitigen Betrugs“63 und der Güte?

62 Dies waren die Worte, mit denen die heidnischen Araber über Muhammad das Urteil sprachen: „Die an Muhammad glauben,64 lebten mitten unter uns bei Tag und Nacht. Wann sollen sie gestorben sein, wann wurden sie wieder zum Leben erweckt?“ Höre, was als Antwort offenbart wurde: „Wundere dich nicht, verwunderlich sind vielmehr ihre Worte: ‚Wie, wenn wir zu Staub und Knochen wurden, sollen wir dann wieder auferstehen?‘“65 Und an anderer Stelle: „Und wenn du sagst: ‚Ihr werdet nach dem Tod auferstehen‘, sprechen die Ungläubigen: ‚Das ist nur offenkundiger Zauber.‘“66 So verhöhnten und verspotteten sie Ihn; denn sie hatten die Begriffe „Leben“ und „Tod“ in ihren Büchern gelesen und von ihren Gelehrten gehört und sie als das irdische Leben und den physischen Tod aufgefaßt. Und als sie nicht das vorfanden, was sie sich in ihrem Wahn und mit ihrem verdrehten, böswilligen Verstand vorgestellt hatten, hißten sie die Banner der Zwietracht und die Standarten des Aufruhrs und entfachten das Feuer des Kriegs. Gott jedoch löschte es durch Seine Macht – so, wie du es mit den Gottlosen und Frevlern am heutigen Tage wieder siehst.

63 Zur Stunde wehen die süßen Düfte der Anziehung aus der Stadt der Ewigkeit über Mich, Verzückung hat Mich ergriffen, da die Sonne der Welten über dem Irak erstrahlte und die süßen Melodien des Hijáz Mir die Geheimnisse der Trennung zu Gehör brachten. Und so will Ich dir, werter Freund, von dem berichten, was die mystische Taube im innersten Herzen des verhüllten Paradieses über die wahre Bedeutung von „Leben“ und „Tod“ gurrt – selbst wenn dies unmöglich sein sollte. Denn wollte Ich dir diese Worte so auslegen, wie es auf den verwahrten Tafeln ge

schrieben steht, könnten alle Tafeln und Blätter der Welt es nicht fassen, und keine Seele könnte es ertragen. Dennoch werde Ich sagen, was an diesem Tag und zu dieser Zeit angemessen ist. Es soll denen zur Führung gereichen, die die Gefilde innerer Bedeutungen betreten und den Melodien des Geistes lauschen, die dieser mystische, göttliche Vogel angestimmt hat, so daß sie zu denen gehören, die sich von allem außer Gott losgelöst haben und an diesem Tag freudig die Begegnung mit Ihm erwarten.

64 So wisse denn, daß „Leben“ zweierlei Bedeutung hat. Die erste bezieht sich auf den Leib des Menschen und ist dir, verehrter Freund, und allen auf Erden so offenkundig wie die Mittagssonne. Dieses Leben endet mit dem physischen Tod – eine von Gott bestimmte, unausweichliche Tatsache. Das Leben jedoch, von dem in den Büchern der Propheten und Auserwählten Gottes die Rede ist, ist nichts anderes als das Leben der Erkenntnis; es bedeutet, daß der Mensch das Licht jener Offenbarung erkennt, mit der der Quell allen Lichts sich ihm, in ihm und durch ihn selbst offenbart hat, und daß er dessen gewiß ist, Gott in den Manifestationen Seines Befehls zu begegnen. Dies ist das gute Leben, ein Leben, das nicht vergeht: wer dazu erweckt ist, wird niemals sterben, sondern so lange leben, wie sein Herr und Schöpfer besteht.

65 Das erste, leibliche Leben hat ein Ende, denn Gott spricht: „Jede Seele schmeckt den Tod.“67 Aber das zweite Leben, das aus der Erkenntnis Gottes entsteht, kennt keinen Tod, wie offenbart wurde: „Wir werden ihn wahrlich zu einem guten Leben erwecken.“68 Und in einem anderen Vers über die Märtyrer: „Nein, sie leben, umsorgt von ihrem Herrn.“69 Und aus der Überlieferung: „Der wahre Gläubige lebt in beiden Welten.“70 Ähnliche Aussagen finden sich in großer Zahl in den Büchern Gottes und den Worten der Manifestationen Seiner Gerechtigkeit. Um Uns kurz zu fassen, haben Wir Uns jedoch mit den angeführten Textstellen begnügt.

66 O Mein Bruder! Entsage deinen Begierden; wende dich sodann deinem Herrn zu, und folge nicht denen, die ihre verderbten Neigungen zum Götzen gemacht haben,71 so daß du vielleicht Schutz findest im Ursprung des Lebens unter dem schützenden Schatten dessen, der die Namen und Eigenschaften werden läßt. Denn wer sich an

diesem Tag von seinem Herrn abwendet, gilt als tot, auch wenn er auf Erden wandelt, als taub, obwohl er hört, und als blind, wiewohl er sieht. So, wie der Herr des Jüngsten Gerichts deutlich sagte: „Herzen haben sie, mit denen sie nicht verstehen, und Augen haben sie, mit denen sie nicht sehen...“72 Sie bewegen sich am Rand eines gefährlichen Abhangs und stehen an der Kante des Höllenschlunds.73 Sie haben keinen Anteil an diesem wogenden, überschäumenden Meer, sondern ergötzen sich an ihren eigenen, eitlen Worten.

67 Und nun führen Wir dir an, was in der Vergangenheit über das „Leben“ offenbart wurde, auf daß es dich vor den Einflüsterungen des Selbstes bewahre, dich aus der Enge deines Käfigs an diesem finsteren Ort befreie und im Dunkel der Welt rechtleite.

68 Er sagt, und wahrlich, Er spricht die Wahrheit: „Ist etwa einer, der tot war und den Wir lebendig machten und dem Wir ein Licht gaben, damit unter den Menschen zu wandeln, gleich einem, der im Dunkeln ist und es nicht verlassen kann?“74 Diese Verse wurden im Hinblick auf Hamzah und AbúJahl offenbart; der eine war gläubig, der andere ungläubig. Die meisten heidnischen Stammesführer machten sich darüber lustig und spotteten, sie erregten sich und riefen: „Wann soll Hamzah denn gestorben sein? Und wie soll er dann wieder zum Leben erweckt worden sein?“ Wenn ihr die Verse Gottes aufmerksam studiert, werdet ihr viele solcher Berichte im Buche finden.

69 Fänden sich doch reine Seelen, über die Ich etwas aus den Meeren des Wissens sprengen könnte, das Mein Herr Mich gelehrt hat; dann schwängen sie sich in die Himmel auf, so leicht, als wandelten sie auf Erden, und sie bewegten sich über die Wasser wie auf dem Land. Sie brächten ihre Seelen auf dem Pfade ihres Schöpfers als Opfer dar. Doch die göttliche Bestimmung hat nicht erlaubt, dieses mächtigste Geheimnis zu lüften. Und so ist dieses Mysterium seit jeher in den Schatzkammern der Macht verwahrt und in den Truhen der Kraft verborgen, damit Seine treuen Diener nicht ihr Leben wegwerfen in der Hoffnung auf diese höchste Stufe in den Reichen der Ewigkeit. Wer aber in dieser bedrückend tiefen Dunkelheit wandelt, der wird sie niemals erreichen.

70 O Mein Bruder! Wo es angebracht war, haben Wir Uns wiederholt, damit dir mit Gottes Erlaubnis alles, was in diesen Zeilen dargelegt ward, klar werde, damit du unabhängig wirst von denen, die in die Dunkelheit des Selbstes gehüllt sind und im Tal des Hochmuts und des Stolzes umherwandern, und du so ins Paradies des ewigen Lebens gelangst.

71 Sprich: O Menschen! Wahrlich, der Baum des Lebens wurde inmitten von Gottes Paradies gepflanzt und spendet Leben nach allen Seiten. Wie kann es sein, daß ihr Ihn nicht seht und anerkennt? Er wird dir wahrlich helfen, alles zu erfassen, was diese „zur Ruhe gekommene Seele“75 dir vom Wesen der göttlichen Geheimnisse enthüllt hat. Die Taube der Heiligkeit gurrte im Paradies der Unsterblichkeit, und Ich rufe es dir ins Gedächtnis, damit du ein neues, stählernes Gewand anlegst, das dich vor den Pfeilen des Zweifels beschütze, die in den Anspielungen der Menschen verborgen liegen. Sie sprach: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden.“76

72 Schwinge dich also auf zu diesem göttlichen Baume und koste von seinen Früchten. Dann sammle auf, was davon herabgefallen ist und bewahre es sorgfältig auf. Denke nach über die Worte eines der Propheten, als Er den Menschen durch verdeckte Hinweise und rätselhafte Gleichnisse die frohe Botschaft über den verkündete, der nach Ihm kommen werde, auf daß du mit Gewißheit erkennst, daß ihre Worte nur von jenen begriffen werden, die Einsicht besitzen. Er sagt: „Seine Augen waren wie eine Feuerflamme“, und „wie glänzendes Erz waren seine Füße“, und „aus seinem Munde kommt ein scharfes Schwert.“77 Wie könnte man diese Worte wörtlich interpretieren? Würde jemand mit diesen Merkmalen erscheinen, so wäre er sicher kein Mensch. Und wer sollte seine Gegenwart suchen? Nein, käme er in eine Stadt, so würden sogar die Bewohner der Nachbarstadt vor ihm fliehen, und niemand wagte es, sich ihm zu nähern! Doch wenn du über diese Worte nachdenkst, so erkennst du, daß sie von unübertrefflicher Eloquenz und Klarheit sind, die erhabensten Höhen der Rede und der Inbegriff der Weisheit. Mich dünkt, aus ihnen strahlen die Sonnen der Beredsamkeit und die Sterne der Klarheit.

73 Sieh die Toren vergangener Zeiten und jene, die heute das Kommen eines solchen Menschen erwarten! Erscheint Er nicht in der eben beschriebenen Gestalt, so glauben sie nicht an Ihn. Da ein solches Wesen aber niemals kommen wird, werden sie auch nie zum Glauben finden. So ist es um dieses ungläubige, gottlose Volk bestellt! Wie sollten diejenigen, die nicht einmal verstehen, was offenkundig ist, je die Rätsel der göttlichen Prinzipien und die Edelsteine der Geheimnisse Seiner immerwährenden Weisheit erfassen?

74 Ich werde dir nun kurz die wahre Bedeutung dieser Verse erklären, damit du ihre verborgenen Geheimnisse verstehst. So prüfe alsdann und urteile gerecht über das, was Wir dir enthüllen, damit du vor Gott zu denen zählst, die in diesen Dingen gerecht urteilen.

75 Wisse, daß derjenige, der diese Worte in den Reichen der Majestät sprach, die Eigenschaften dessen, der kommen wird, in solch verschleierten, rätselhaften Worten beschrieb, damit das Volk des Irrtums sie nicht verstehe. Mit den Worten „seine Augen waren wie Feuer“ spielte Er auf den alles durchdringenden Blick des Verheißenen an, der mit Seinen Augen alle Schleier und Hüllen verbrennt, die ewigen Geheimnisse in der bedingten Welt erkennt und die Angesichter derer, die vom Höllenstaub verdunkelt werden, von denen unterscheidet, die das Licht des Paradieses widerstrahlen.78 Wären Seine Augen nicht aus „Gottes loderndem Feuer“79, wie könnte Er dann die Schleier und alle menschlichen Vorstellungen verbrennen? Wie könnte Er sonst die Zeichen Gottes im Reich80 Seiner Namen und im Himmel81 der Schöpfung erkennen? Wie könnte Er alle Dinge mit Gottes sehendem Auge schauen? So schärften Wir an diesem Tag Seinen Blick.82 Wolltet ihr doch Gottes Versen glauben! Und welches Feuer brennt heißer als das, welches im Sinai Seiner Augen lodert und alles verzehrt, was die Menschen verhüllt? Unermeßlich erhaben bleibt Gott über alles, was auf den vortrefflichen Tafeln erschien über die Geheimnisse des Anfangs und des Endes – bis zu dem Tag, an dem „der Rufer rufen wird“83 . Dann werden wir alle zu Ihm zurückkehren.

76 Die Worte „wie glänzendes Erz waren Seine Füße“ zeugen für Seine Standhaftigkeit, denn Er hört auf Gottes Ruf: „Sei standhaft, wie dir befohlen ward!“84 Er wird so standhaft sein in der Sache Gottes und so sicher auf dem Pfad Seiner Macht schreiten, daß Er bei der Verkündung Seiner Sache nicht wankt noch Seinen Befehl flieht, Sein Gesetz zu verkünden, sollten Ihn auch alle auf Erden und in den Himmeln zurückweisen. Fest werden Seine Füße stehen wie die höchsten Berge und die erhabensten Gipfel. Unerschütterlich wird Er sein in Seinem Gehorsam vor Gott und standhaft Seine Sache offenbaren und Sein Wort verkünden. Keiner wird Ihn aufhalten; der Widerstand der Eigensinnigen wird Ihn nicht hindern und die Zurückweisung durch die Gottlosen Ihn nicht zaudern lassen. Alle Ablehnung, aller Haß, aller Unglaube und Frevel, die Ihm begegnen, mehren nur Seine Liebe zu Gott, die Sehnsucht Seines Herzens85, die Verzückung Seiner Seele86, und erfüllen Seine Brust87 mit brennender Liebe. Hast du je auf Erden ein Erz gesehen, das mächtiger, ein Schwert, das schärfer oder einen Berg, der fester wäre? Er trotzt allen Bewohnern der Erde und fürchtet keinen, ungeachtet der Greuel, zu denen – wie du weißt – Menschen imstande sind. Verherrlicht sei Gott, der Ihn zurückhält und Ihn aussendet. Mächtig ist Er zu tun, was Ihm beliebt. Er ist wahrlich der Helfer in Gefahr, der Selbstbestehende.

77 Weiter sagt Er: „Aus seinem Munde kommt ein scharfes Schwert“. Wisse, daß das Schwert ein Werkzeug ist, das zerteilt und zertrennt. Und aus dem Munde der Propheten und Auserwählten Gottes entspringt, was die Gläubigen von den Ungläubigen, den Liebenden vom Geliebten scheidet. Mit alledem ist nichts anderes gemeint als dieses „Zertrennen“ und „Zerteilen“. So wird der Erste Punkt, die ewige Sonne, wenn Er mit Gottes Erlaubnis alle Geschöpfe vorlädt und sie aus den Gräbern ihres Selbstes erweckt, sie – mit einem einzigen Wort von Gott – voneinander trennen: Dieses Wort scheidet Wahrheit von Irrtum, von jenem Tag bis zum Tage der Auferstehung. Welches Schwert ist schärfer als dieses himmlische Schwert, welche Klinge härter als dieser unzerstörbare Stahl, der jedes Band zerschneidet und so den Gläubigen vom Ungläubigen, den Vater vom Sohn, den Bruder von der Schwester und den Liebenden von der Geliebten trennt?88 Denn wer glaubt, was Ihm offenbart wurde, ist ein wahrhaft Gläubiger, und wer sich davon abkehrt, ein Ungläubiger. So sehr sind sie voneinander geschieden, daß sie in dieser Welt nicht länger miteinander verkehren. Dies gilt selbst für Vater und Sohn; denn wenn der Sohn glaubt und der Vater ungläubig bleibt, so sind sie auf ewig voneinander getrennt. Ja, du siehst, wie der Sohn den Vater und der Vater den Sohn tötet. Bedenke in diesem Lichte alles, was Wir dir berichtet und erklärt haben.

78 Wenn du alles mit dem „Auge der Gewißheit“89 siehst, erkennst du, wie dieses göttliche Schwert die Generationen spaltet. O daß ihr es doch verstündet! All dies geschieht durch das trennende Wort, das am Tage des Gerichts und der Trennung90 offenbar wird – ach, wären doch die Menschen achtsam am Tage ihres Herrn! Wolltest du deinen Blick schärfen und dein Herz empfindsamer machen, so würdest du bezeugen, daß alle irdischen Schwerter, die seit ehedem die Ungläubigen getötet und Krieg gegen die Frevler geführt haben, letztlich auf dieses göttliche, unsichtbare Schwert zurückzuführen sind. So öffne deine Augen, auf daß du alles siehst, was Wir dir offenbart haben, und erlangst, was kein anderer erlangt hat. So sprechen Wir: „Preis sei Ihm, denn Er ist der König am Tage des Gerichts.“91

79 Da diese Menschen versäumt haben, wahres Wissen aus seiner Quelle zu schöpfen, aus dem Meer der frischen, sanft fließenden Wasser, die mit Gottes Erlaubnis durch makellos reine Herzen strömen, bleibt ihnen verborgen, was Gott mit diesen Worten und Hinweisen beabsichtigte. So bleiben sie gefangen im Gefängnis ihres Selbstes.

80 Wir danken Gott für das, was Er uns in Seiner Gnade gewährt hat. Er hat uns Gewißheit geschenkt über Seinen Glauben, dem niemand auf Erden und in den Himmeln widerstehen kann. Er hat uns befähigt, uns am Tage der Begegnung mit Ihm zu Ihm zu bekennen und zu dem, den Gott bei der künftigen Auferstehung offenbaren wird. Und Er hat uns schon vor dessen Erscheinen Gewißheit über Ihn geschenkt, auf daß Seine Gunst an uns und der ganzen Menschheit vollendet werde.

81 Doch höre, o Mein Bruder, Meine Klage über die, die behaupten, Gott und den Manifestationen Seines Wissens zuzugehören, und die doch nur ihren verderbten Begierden folgen, sich das Gut ihres Nächsten aneignen, sich dem Wein ergeben, morden, sich bestehlen und betrügen, die Gott lästern und aus Gewohnheit lügen. All dies schreiben die Menschen Uns zu, während die Täter sich nicht vor Gott schämen. Sie verwerfen, was Er ihnen auferlegt, und tun, was Er verboten. Dabei sollte das Antlitz des Volkes Gottes mit den Zeichen der Demut und dem Licht der Heiligkeit erstrahlen. Auf Erden sollen sie wandeln, als seien sie in der Gegenwart Gottes, und durch ihre Werke sollen sie sich von allen unterscheiden, die auf Erden wohnen. Ihre Augen sollen die Beweise Seiner Macht schauen, ihre Zungen und Herzen Seines Namens gedenken, ihre Schritte sollen sie zum Land Seiner Nähe lenken, und mit ihren Händen sollen sie sich fest an Sein Gebot halten. Und schritten sie gleich durch ein Tal aus Gold und kostbarem Silber, so sollen sie dessen nicht achten und es keines Blickes würdigen.

82 Doch sie haben sich von alledem abgewandt und ihr Herz darauf gerichtet, was ihre verderbten Neigungen befriedigt. So wandern sie durch das Tal des Stolzes und des Hochmuts. Ich bezeuge in diesem Augenblick, daß Gott sich von ihnen lossagt, wie auch Wir Uns von ihnen lossagen. Wir flehen zu Gott, daß Wir mit ihnen nicht länger verkehren müssen, weder in diesem noch im zukünftigen Leben. Er ist wahrlich die Wahrheit. Kein Gott ist außer Ihm, und Seine Macht ist allem gewachsen.

83 Trinke nun, o Mein Bruder, von dem Wasser, das Wir in die Meere dieser Worte fließen ließen. Mich dünkt, die Seen der Größe wogen in ihnen und die Edelsteine der Einzigkeit leuchten für sie, durch sie und auf sie. Lege ab, was dich davon abhält, in dieses unergründliche, karminrote Meer einzutauchen und sprich: „Im Namen Gottes!“ Dann tauche ein und fürchte keinen! Vertraue auf Gott, deinen Herrn. Wer auf Ihn vertraut, dem genügt Er. Er wird dich wahrlich beschützen, und bei Ihm wirst du sicher wohnen.

84 Wisse ferner, daß der Wanderer, den du in dieser reinen, herrlichen Stadt antreffen wirst, bescheiden ist gegenüber allen Menschen und demütig vor allen Dingen. Denn in allem, was er sieht, erkennt er Gott. Er sieht Sein Licht in den Lichtern der Offenbarungen, die den Sinai des Erschaffenen umfassen. Auf dieser Stufe darf der Wanderer in keiner Versammlung den Ehrenplatz einnehmen, um sich selbst zu rühmen, oder anderen voranschreiten, um sich selbst zu erhöhen. Er sollte sich bewußt sein, daß er ständig in der Gegenwart seines Herrn ist. Er darf nicht anderen wünschen, was er nicht für sich selbst wünscht, noch sagen, was er selbst nicht erträgt, wenn er es von anderen hört. Er muß sich vielmehr auf Erden geraden Schritts im Himmelreich der neuen Schöpfung92 bewegen.

85 Wisse jedoch, daß der Sucher, wie bereits gesagt, zu Beginn seiner Reise eine tiefgreifende Wandlung erfährt. Dies ist unzweifelhaft wahr, so wie über diese Tage offenbart wurde: „Der Tag, an dem die Erde in eine andere Erde verwandelt wird.“93 Dies sind Tage, wie sie noch kein Auge gesehen. Selig, wer sie erreicht und ihren Wert erkennt. „Und Wir hatten Moses gesandt mit Unseren Versen: ‚Führe das Volk aus der Finsternis ans Licht und warne sie vor den Tagen Gottes!‘“94 Dies ist wahrlich einer der Tage Gottes, würdet ihr es nur begreifen.

86 Auf dieser Stufe ist alles, was sich verändert und wandelt, vor dir offenbar. Wer dies leugnet, ist wahrlich von der Sache Gottes abgefallen, hat Seine Souveränität bestritten und sich gegen Seine Herrschaft aufgelehnt. Denn wer die Erde verwandeln und sie zu einer anderen Erde machen kann, der ist auch imstande, all ihre Bewohner zu verwandeln. So wundere dich nicht darüber.Auch wandelt Er Finsternis in Licht, Licht in Finsternis, Unwissenheit in Wissen, Irrtum in Rechtleitung,Tod in Leben und Leben in Tod. Auf dieser Ebene kann man von Verwandlung sprechen. Denke darüber nach, wenn du diesen Pfad beschreiten willst, auf daß dir alles, was du diesen Diener gefragt hast, klar werde und du unter dem Tabernakel dieser Führung wohnest. Denn Er tut, was Er will und bestimmt, was Ihm gefällt. Er soll nicht befragt werden über Sein Tun; doch die Menschen werden nach jeder ihrer Taten befragt.95

87 O Mein Bruder! Auf dieser Stufe, dem Beginn der Reise, wirst du verschiedene Stadien und Zeichen sehen. Dies erwähnten Wir bereits, als Wir über die Stadt der Suche sprachen. Diese sind auf ihrer jeweiligen Ebene wahr. Auf dieser Stufe solltest du, geschätzter Freund, alles Erschaffene seiner Stufe entsprechend betrachten und seinen Rang weder zu hoch noch zu niedrig einschätzen. Wolltest du etwa behaupten, die Stufe der Gottheit96 inkarniere sich auf der Stufe des Menschen97, so wäre dies schiere Blasphemie. Und es wäre ebenso reiner Unglaube, wolltest du die Stufe des Menschen vergöttlichen. Nennst du dagegen die Welt Gottes „Gotteswelt“ und die Welt des Menschen „Menschenwelt“, dann ist dies unzweifelhaft wahr. Das heißt: In der gesamten Schöpfung ist keine größere Sünde denkbar als die Behauptung, im Reiche der göttlichen Einheit gebe es einen Wandel. Betrachtest und verstehst du jedoch den Wandel auf der ihm eigenen Stufe und damit in angemessener Weise, so ist dir nichts vorzuwerfen.

88 Bei Meinem Herrn! Trotz allem, was Wir dir von den Geheimnissen des Wortes und den Stufen der Erklärung dargelegt haben, scheint es Mir, als hätte Ich noch keinen einzigen Buchstaben vom Meere des verborgenen, göttlichen Wissens und dem Wesen Seiner unergründlichen Weisheit gesprochen. So Gott will, werden Wir dies zu gegebener Zeit tun. Er gedenkt aller Dinge zur angemessenen Zeit, und Wir gedenken Seiner.

89 Wisse, daß der Vogel, der in der Sphäre des Reiches göttlicher Herrschaft98 fliegt, niemals fähig sein wird, sich in den heiligen Himmel Gottes99 aufzuschwingen oder die Früchte zu schmekken, die Gott dort erschaffen hat oder von den Strömen zu trinken, die Er dort fließen läßt. Kostete er auch nur einen Tropfen davon, er würde augenblicklich sterben; so wie du es dieser Tage bei denen siehst, die sich zu Uns bekennen, aber tun, was sie tun, sprechen, was sie sprechen, und beanspruchen, was sie beanspruchen. Sie sind wie Tote, in Tücher gehüllt.

90 Verstehe ebenso jede andere Stufe, jedes Zeichen und jeden Hinweis, damit du alle Dinge an ihrem jeweiligen Ort und auf ihrer eigenen Stufe siehst. Denn auf dieser Stufe, der Stadt göttlicher Einzigkeit, finden sich Menschen, die die Arche der Führung betreten haben und durch die Höhen göttlicher Einzigkeit wandern. In ihren Gesichtern erblickst du das Licht der Schönheit und in ihren Leibern die Geheimnisse der Erhabenheit. Du wirst Moschusduft aus ihren Worten atmen und in allem, was sie tun, die Zeichen Seiner Souveränität erkennen. Dort wirst du nicht durch die Taten derer abgehalten, die es versäumt haben, von den klaren Quellen zu trinken oder die Städte der Heiligkeit zu erreichen, derer, die ihren selbstischen Begierden folgen und im Glauben, sie seien rechtgeleitet, Verderben auf Erden stiften. Über sie wurde gesagt: „Gesindel und Toren, die jedem Schreihals folgen und sich mit jedem Wind beugen.“100 Die Stadien dieser Reise, diese Stufe und diese Heimstatt sind dir, werter Freund, bekannt und bedürfen keiner langen Erklärung.

91 Wisse ferner, daß sich, wie du vernommen hast, die Sonne der Wahrheit, der Erste Punkt, Titel* zugeschrieben hat, die der Tradition entstammen, geschah allein wegen der Schwäche der Menschen und der Begrenztheit der erschaffenen Welten. Denn in Wahrheit kreisen alle Namen und Eigenschaften um Sein Wesen und um den Hof Seines Heiligtums. Nein, vielmehr prägt Er alle Namen, offenbart sämtliche Eigenschaften, verleiht allen Dingen ihr Wesen, verkündet die Verse Gottes und schmückt die offenbaren Zeichen. Ja, mehr noch: Schautest du mit deinem inneren Auge, so würdest du erkennen, daß sich vor Ihm alles in nichts auflöst und völligem Vergessen anheimfällt. Gott war allein; nichts war außer Ihm. Und Er ist, wie Er immer war. Geht man davon aus, daß Gott – geheiligt und verherrlicht sei Er! – allein war und es nichts außer Ihm gab, wie kann da von Veränderung und Verwandlung gesprochen werden? So denke nach über das, was Wir dir enthüllt haben, damit dir die Sonne der Führung an diesem ewigen Morgen hell leuchte und du zu den Frommen gezählt wirst.

92 Wisse ferner, daß alles, was Wir über diese Reisen gesagt haben, nur für die Auserwählten unter den Gerechten bestimmt ist. Und wenn du dich auf das mystische Pferd101 schwingst und die göttlichen Auen durchquerst, so vollendest du diese Reise in weniger als einem Augenblick und begreifst alle Geheimnisse.

93 O Mein Bruder! Willst du dich auf diesem Felde bewähren, so durcheile die Gefilde der Gewißheit, auf daß deine Seele an diesem Tage aus dem Gefängnis des Unglaubens befreit werde und du die Moschusdüfte wahrnimmst, die aus diesem Garten wehen. Die wohlriechenden Brisen dieser Stadt verströmen ihren Duft in alle Welt. Verscherze nicht deinen Anteil, und sei nicht achtlos! Wie zutreffend wurde es gesagt:

94 „Wehte ihres Duftes Hauch im Osten, so manch
Verschnupfter im Westen würde geheilt.“ 102

95 Nach dieser himmlischen Reise, diesem mystischen Aufstieg, betritt der Wanderer den Garten des Staunens. Wollte Ich dir die Wirklichkeit dieser Stufe enthüllen, du würdest diesen Diener beklagen und beweinen, denn Er ist den Gottlosen ausgeliefert, bestürzt ob Seiner Lage und verwirrt in diesem unergründlichen Meer. Tag um Tag verschwören sie sich, Mich zu töten, und zu jeder Stunde suchen sie, Mich aus diesem Land zu vertreiben, wie sie Mich bereits aus einem anderen Land verbannt haben. Doch dieser Diener steht ihnen bereit und wartet auf das, was der Allmächtige für Uns verordnet und bestimmt hat. Auch wenn die Frevler und Haßerfüllten Leid und Heimsuchung über Uns bringen und Trauer und Sorgen Uns umfangen, so fürchte Ich doch niemanden und fliehe keinen: „Der Sintflut Noahs gleich ist eine jede Meiner Tränen, und Meine Pein gleicht dem Feuer, das für Abraham entfacht ward. Jakobs Gram ist nur ein Abglanz Meines Kummers und alle Drangsal Hiobs nur ein Bruchteil Meiner Not.“103

96 Wollte Ich dir berichten, welch Unglück über Mich gekommen ist, so wärest du so betrübt, daß du an nichts anderes mehr denken könntest und dich selbst und alles, was der Herr erschaffen hat, vergessen würdest. Da dies jedoch nicht Unser Wunsch ist, habe Ich die Offenbarung des göttlichen Befehls in Bahás Brust verborgen und sie vor den Augen aller im Reich der Schöpfung verhüllt. So ruht sie im Tabernakel des Unsichtbaren bis zu der Zeit, da Gott Sein Geheimnis offenbaren wird. „Nichts im Himmel noch auf Erden entgeht Seinem Wissen. Und Er wacht über alle Dinge.“104

97 Wir sind von Unserem Thema abgeschweift und wollen darum nicht länger bei diesen Andeutungen verweilen, sondern Unsere Erörterung über diese Stadt fortsetzen. Wahrlich, wer sie betritt, wird erlöst, und wer sich von ihr abwendet, wird zugrunde gehen.

98 O du, der du auf diesen Tafeln genannt bist! Wisse: Wer sich auf diese Reise begibt, der wird über die Zeichen der Macht Gottes und die wundersamen Zeugnisse Seines Werks in Verwirrung geraten. Bestürzung wird von allen Seiten über ihn kommen, wie es das Juwel der Unsterblichkeit105 vor der himmlischen Schar bezeugt hat: „Herr! Steigere Meine Verwirrung!“106 Zutreffend wurde gesagt:

99„Verwirrung kannte ich nicht,
bis ich Deine Liebe zum Glauben erkor;
O welche Verwirrung,
käme meine Verwirrung nicht von Dir!“107

100 In diesem Tal verirren sich die Wanderer; sie gehen zugrunde, bevor sie ihre Heimstatt erreichen. Bei Gott! So unermeßlich weit ist dieses Tal, so mächtig diese Stadt im Reich der Schöpfung108, daß sie weder Anfang noch Ende zu haben scheinen. Wohl dem, der seine Reise dort vollendet und mit Gottes Hilfe den gesegneten Boden dieser göttlichen Stadt betritt, einer Stadt, in der die Gottnahen und die treu Ergebenen von Staunen überwältigt werden. Und Wir sprechen: „Preis sei Gott, dem Herrn der Welten.“109

101 Und so der Diener noch weiter emporsteigt, die Heimstatt des Staubes hinter sich läßt, trachtet, sich zur himmlischen Wohnstatt zu erheben, so wird er die Stadt des Vergehens betreten, in der sein Selbst erlischt110 und er ewig in Gott lebt111. Auf dieser Stufe, der wahren Heimat, der Reise zum völligen Verlöschen, vergißt der Wanderer sich selbst, seinen Geist, seinen Leib, ja, sein ganzes Sein und schwimmt im Meere des Vergehens. Er lebt auf dieser Erde, als „sei er nicht der Beachtung wert“112. Keine Spur wird man von ihm finden, denn er ist aus den Reichen des Sichtbaren entschwunden und hat die Höhen des Verlöschens erreicht.

102 Wollten Wir die Mysterien dieser Stadt schildern, so verdorrten der Herzen Gefilde vor Sehnsucht nach dieser mächtigen Stufe. Denn dies ist die Stufe, auf der sich der Geliebte dem aufrichtig Liebenden in strahlender Herrlichkeit offenbart und Sein gleißendes Licht über ihn ergießt.

103 Wie kann ein wahrhaft Liebender noch weiter leben, wenn die strahlende Herrlichkeit des Geliebten offenbar ist? Wie kann es Schatten geben, wenn das Licht hell erstrahlt, wie der Liebende bestehen in der Gegenwart des Geliebten? Nein, bei dem, in dessen Hand Meine Seele ist! Auf dieser Stufe findet der Sucher, der völlig in seinem Schöpfer vergeht und verlischt, keine Spur seiner selbst noch die eines anderen, suchte er auch im Osten und im Westen, und wollte er auch Land und Meer, Berg und Tal durchstreifen.

104 Preis sei Gott! Fürchtete Ich nicht den Nimrod der Tyrannei und wollte Ich nicht den Abraham der Gerechtigkeit schützen, so lehrte Ich dich, was dich von allem anderen unabhängig macht und dich dieser Stadt näher bringt, während du deiner selbstischen Begierden nicht gewahr bist113. Doch sei geduldig, bis Gott Seine Sache verkündet! Wahrlich, Er belohnt über alles Maß den, der geduldig ausharrt.114 Atme den süßen Duft des Geistes vom Gewand der verborgenen Bedeutungen und sprich: „O ihr, die ihr tief ins Meer des Vergehens115 eingetaucht seid! Eilt zur Stadt der Ewigkeit116, so ihr ihre Höhen erreichen wollt.“ Und Wir rufen aus: „Wir sind Gottes, und zu Ihm kehren wir zurück!“117

105 Von dieser hehren, erhabensten Stufe und von diesem höchsten, herrlichen Rang tritt der Sucher in die Stadt der Ewigkeit, um darin auf immer zu wohnen. Auf dieser Stufe sieht er sich selbst auf dem Throne der Unabhängigkeit und dem Sitze der Erhöhung. Dann wird er verstehen, was zuvor offenbart wurde, „am Tag, da Gott alle reich machen wird aus Seiner Fülle“118. Wohl ist es um die bestellt, die diese Stufe erreicht haben und aus diesem schneeweißen Kelch vor dem hochroten Pfeiler trinken.

106 Ist der Sucher auf dieser Reise im Meer der Ewigkeit versunken, hat er sein Herz von allem außer Ihm gereinigt und die erhabensten Höhen unvergänglichen Lebens erreicht, so wird er weder sein eigenes Verlöschen bemerken noch das eines anderen. Er wird vom Kelch der Ewigkeit trinken, ihre Gefilde durchschreiten, sich in ihre Sphäre aufschwingen; er wird mit denjenigen verkehren, die sie verkörpern, und von den unvergänglichen Früchten des Baumes der Ewigkeit kosten. Auf ewig wird er zu den Unvergänglichen in den Höhen der Ewigkeit gezählt werden.

107 Alles, was in dieser Stadt ist, bleibt bestehen und wird nie vergehen. Wenn du dann mit Gottes Erlaubnis diesen hocherhabenen Garten betrittst, wirst du feststellen, daß ihre Sonne im strahlenden Mittagsglanz steht, nie untergeht und sich nie verdunkelt. Desgleichen der Mond, das Firmament, die Sterne, Bäume, Meere und alles, was dort sonst existiert. Bei Ihm, neben dem kein Gott ist! Wollte Ich all die wundersamen Eigenschaften dieser Stadt von diesem Tag bis ans Ende, das kein Ende hat, berichten, die Liebe, die Mein Herz für diese reine, ewige Stadt hegt, würde sich dennoch nie erschöpfen. Gleichwohl werde Ich jetzt damit enden, denn die Zeit ist knapp und der Fragende ungeduldig; auch dürfen diese Geheimnisse nicht ohne die Erlaubnis Gottes, des Allmächtigen, des Allbezwingenden, enthüllt werden.

108 Die Gläubigen werden am Tage der künftigen Auferstehung sehen, wie Er, den Gott offenbaren wird, in Begleitung Seiner erhabenen, gottnahen Engel mit dieser Stadt vom Himmel des Unsichtbaren herabsteigt. Groß ist die Glückseligkeit dessen, der Seine Gegenwart erlangt und Sein Antlitz schaut. Wahrlich, wir alle hegen diese Hoffnung und rufen aus: „Preis sei Ihm, denn Er ist die Wahrheit, und Ihm kehren wir uns zu!“

109 Wisse überdies: Sollte jemand, der sich auf dieser Reise befindet und diese Stufe erreicht, Eitelkeit und Stolz zum Opfer fallen, so wird er augenblicklich zugrunde gehen und, ohne sich dessen gewahr zu sein, an den Anfang der Reise zurückgeworfen. Wahrlich, wer Ihn auf dieser Reise sucht und sich nach Ihm sehnt, wird sich demütig vor denen beugen, die an Gott und Seine Verse glauben, und wird den Gott Nahen und den Manifestationen Seiner Schönheit dienen. Er ist denen ergeben, die fest auf dem Sitz der Sache Gottes und Seiner Majestät ruhen.

110 Denn am höchsten Gipfel seiner Gottessuche angelangt, hat er doch nur die Wohnstatt erreicht, die in seinem innersten Herzen errichtet ist. Wie kann er da jemals hoffen, in die Reiche aufzusteigen, die nicht für ihn erschaffen und bestimmt sind? Nein, selbst wenn er von Ewigkeit zu Ewigkeit wanderte, erreichte er doch niemals die Achse des Seins, den Mittelpunkt der Schöpfung, zu dessen Rechter die Meere der Größe wogen und zu dessen Linker die Flüsse der Macht fließen und dessen Hof zu erreichen niemand hoffen kann – um wieviel weniger den Ihm eigenen Ort. Denn Er wohnt in der Arche des Feuers; Er bewegt sich in einem Feuerball auf dem Feuermeer und durchschreitet die Sphäre des Feuers. Wie sollte sich je ein aus stofflichen Elementen geschaffenes Wesen diesem Feuer nähern oder es betreten können? Augenblicklich würde es von ihm verzehrt.

111 Wisse ferner: Risse das Seil des Beistands, das diese mächtige Achse mit den Bewohnern der Erde und des Himmels verbindet, so würden sie wahrlich alle zunichte werden. Großer Gott! Wie kann Staub jemals den Herrn der Herren erreichen? Unermeßlich erhaben ist Gott über alles, was sie sich vorstellen; und verherrlicht ist Er über alles, was sie Ihm zuschreiben.

112 Wahrlich, der Sucher erreicht eine Stufe, in der das, was für ihn verordnet wurde, keine Grenzen hat. So stark lodert das Feuer der Liebe in seinem Herzen, daß es die Zügel der Beherrschung seinem Griff entreißt. In jedem Augenblick wächst die Liebe zu seinem Herrn und zieht ihn näher zu seinem Schöpfer. Wäre sein Herr im Osten der Nähe und er selbst im Westen der Ferne und besä

ße er alles Gold und alle Edelsteine der Erde und des Himmels, so würde er doch darauf verzichten und in das Land des Ersehnten eilen. Und sollte es anders um ihn stehen, so wisse, ein solcher Mensch ist wahrlich ein Lügner und Betrüger. Wir gehören fürwahr zu Ihm, den Gott bei der künftigen Auferstehung offenbaren wird. Durch Ihn werden wir zu neuem Leben erweckt.

113 Da Wir in diesen Tagen die Schleier, die das Antlitz der Sache Gottes verhüllen, nicht gelüftet und den Menschen die Früchte dieser Stufe, die zu beschreiben Uns untersagt ist, nicht offenbart haben, siehst du die Menschen trunken und achtlos. Doch blickten sie – und sei es nur wie durch ein Nadelöhr – auf die Herrlichkeit dieser Stufe, sie versammelten sich vor der Schwelle der göttlichen Gnade und eilten von allen Seiten zum Hofe der Nähe in den Gefilden göttlicher Herrlichkeit. Wir haben dies jedoch aus dem erwähnten Grund verborgen, auch, damit die Gläubigen unterschieden werden von den Verneinern und die, die sich Gott zuwenden, von jenen, die sich abkehren. Und Ich sage: „Es ist keine Macht außer bei Gott, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.“

114 Von dieser Stufe aus steigt der Wanderer auf zur Stadt ohne Namen, für die es keine Beschreibung gibt und von der keine Kunde dringt. Darin wogen die Meere der Ewigkeit, und sie kreist um den Sitz der Ewigkeit. In ihr scheint die Sonne des Unsichtbaren strahlend über dem Horizont des Unsichtbaren; sie hat ihre eigenen Himmel und Monde, die an ihrem Licht teilhaben und allesamt über dem Meer des Unsichtbaren aufund untergehen. Ich kann nicht einmal einen Tautropfen dessen, was darin verordnet wurde, mitteilen; niemand kennt ihre Geheimnisse außer Gott und Seine Manifestationen; denn Er hat sie ersonnen und erschaffen.

115 Wisse ferner: Als Wir Uns anschickten, diese Worte zu offenbaren und einige davon niederzuschreiben, da war es Unsere Absicht, dir in den süßen Melodien der Gottnahen und Heiligen all das zu erklären, was Wir zuvor von den Worten der Gesandten und Propheten angeführt hatten. Doch fanden Wir keine Gelegenheit und keine Muße, da der Bote, der von dir kam, in großer Eile war. So haben Wir Uns kurz gefaßt und mit wenigem begnügt, ohne die Beschreibung dieser Stufen angemessen zu vollenden. Wir haben in der Tat größere Städte und Reisen nicht erwähnt. So groß war die Eile des Boten, daß Wir sogar auf die zwei erhabensten Reisen, die der Ergebung119 und des Genügens120, nicht eingegangen sind.

116 Doch wenn du, werter Freund, über diese Worte nachdenkst, so wirst du sicher alles Wissen erwerben, den Gipfel des Erkennbaren erreichen und ausrufen: „Sie genügen der ganzen Schöpfung – der sichtbaren wie der unsichtbaren.“

117 Wenn du aber in dir das Feuer der Liebe findest, wirst du sprechen: „Gibt es noch mehr?“121 Und Wir sagen: „Preis sei Gott, dem Herrn der Welten!“122

Anmerkungen

Sternchen* im Text und in den Anmerkungen verweisen auf Stichworte im Glossar.

Zum Vorwort
1 Shoghi Effendi, Gott geht vorüber 7:14
2 Gott geht vorüber 8:28

3 siehe etwa Gott geht vorüber 8:25 f., The Light of Divine

Guidance, Bd. 1, Hofheim 1982, S. 37; Den Glauben vertiefen, Aus den Schriften Bahá’u’lláhs, ‘Abdu’lBahás und Shoghi Effendis zusammengestellt von der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Hofheim 1984, Texte 97, 102, 106

4 Íqán 24
5 siehe Faksimile, S. 4 dieses Buches
6 Gott geht vorüber 10:17
Zum Text der Javáhiru’l-Asrár
1 jabarút*
2 malakút*
3 rumúzát al-huwiyya*
4 arádí an-násút
5 Koran 67:3
6 vgl. Koran 24:35
7 Matthäus 24:19
8 vgl. Matthäus 24:2931
9 Markus 13:19
10 vgl. Lukas 21:2528
11 Johannes 15:2627
12 Johannes 14:26
13 vgl. Johannes 16:5-6
14 Johannes 16:7
15 Johannes 16:13
16 jabarút*
17 malakút*
18 jabarút*
19 malakút*
20 die Imame des schiitischen Islam
21 láhút*
22 Jesus
23 vgl. Matthäus 24:35; Markus 13:31; Lukas 21:33
24 malakút*
25 Koran 16:43
26 láhút*
27 jabarút*
28 Koran 83:6
29 Koran 2:89
30 die Imame des schiitischen Islam
31 vgl. Koran 52:3
32 Koran 29:2
33 Koran 2:156
34 subuhát*
35 Koran 29:69
36 Koran 2:282
37 jabarút*
38 ein Hadíth*, zugeschrieben ‘Alí ibn Abí Tálib*
39 ibid.
40 jabarút*
41 imamitischer Hadíth
42 imamitischer Hadíth
43 Koran 30:30
44 Koran 48:23, 33:62
45 Koran 67:3
46 Koran 17:110
47 jabarút*
48 malakút*
49 Koran 57:3

50 der zwölfte Imam, Muhammad al-Mahdí, der Sohn Hasan

al-‘Askarís
51 jabarút* al-‘amá’
52 láhút* al-‘alá’

53 1260 der islamischen Zeitrechnung, entspricht dem Jahr

1844
54 Muhammad
55 Muhammad
56 malakút*
57 Koran 33:40
58 Koran 13:2
59 Koran 74:50
60 ridván*
61 shirk*
62 vgl. Koran 9:67, 38:26, 59:19
63 taghábun*

64 vgl. Koran 2:28, 6:122; siehe auch unten Vers 68

65 vgl. Koran 13:5
66 Koran 11:7
67 Koran 3:185, 21:35, 29:57
68 Koran 16:97
69 Koran 3:169
70 aus einem Hadíth
71 vgl. Koran 25:43, 45:23
72 Koran 7:179
73 vgl. Koran 9:109; 3:103
74 Koran 6:122

75 nafs mutma’innah (vgl. Koran 89:27 und Surátu’r-Ra’ís 29

und 34)
76 Johannes 3:5-7
77 vgl. Offenbarung 1:14-16; 2:18; 19:15
78 vgl. Koran 80:41; 83:24
79 Koran 104:6
80 jabarút*
81 malakút*
82 vgl. Koran 50:22
83 Koran 50:41
84 Koran 11:112
85 qalb
86 fu’ád*
87 sadr
88 vgl. Lukas 12:53
89 Koran 102:7
90 vgl. Koran 77:12-15, 78:17
91 vgl. Koran 1:4
92 malakút al-badá’
93 Koran 14:48
94 Koran 14:5
95 vgl. Koran 21:23
96 láhút*
97 násút*
98 jabarút*
99 láhút*
100 ein dem Imam ‘Alí zugeschriebener Ausspruch
101 buráq*
102 aus dem Díván des IbniFárid
103 ibid.
104 vgl. Koran 10:61; 34:3
105 Muhammad
106 ein Hadíth
107 aus dem Díván des IbniFárid
108 jabarút* al-íjád
109 Koran 1:2
110 faná’*
111 baqá’*
112 Koran 76:1
113 vgl. Koran 28:15.
114 vgl. Koran 39:10
115 faná’*
116 baqá’*
117 Koran 2:156
118 Koran 4:130
119 taslím
120 ridá’
121 vgl. Koran 50:30 122 Koran 1:2
Glossar

Die Erläuterungen sollen das Verständnis des Textes erleichtern. Es liegt jedoch im Wesen des göttlichen Wortes, daß Erläuterungen keineswegs alle Aspekte beleuchten und Bedeutungen erklären können: „Wir sprechen ein Wort und meinen damit einundsiebzig Bedeutungen.“ (Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 283)

‘Alí ibn Abí Tálib Vetter des Propheten ?Muhammad, verheiratet mit dessen Tochter Fátima, vierter Kalif und erster der zwölf ? Imame des schiitischen Islam.

Abraham biblische Gestalt, gilt bei Juden, Christen und Muslimen als der Freund Gottes (koranisch: Khalílu’lláh) und Stammvater der Gläubigen (vgl. 1. Mose 11–25; Koran 2:124136, 3:9597, 4:125, 16:120123; ‘Abdu’lBahá, Beantwortete Fragen, Kap. 4).

Abú Jahl wörtlich: „Vater der Ignoranz“, so genannt von den Muslimen aufgrund seiner hartnäckigen

Feindschaft gegen Muhammad. Er fiel in der Schlacht von Badr gegen die Muslime (vgl. H.

M. Balyuzi, Muhammad and the Cause of Islám, Kap. 10); Koran 6:122 nennt ihn den, „der in der Finsternis ist, aus der er nicht entrinnen kann“.

Áfáq Horizont

Báb wörtlich: „das Tor“, Würdename des Stifters der BábíReligion, ‘AlíMuhammad aus Schiras (Shíráz;20.Okt.1819 –9.Juli1850).DerBábwar der Vorläufer und Herold Bahá’u’lláhs, in dessen Religion die BábíReligion später aufging (vgl. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 181–189; ders., Gott geht vorüber, Vorwort, Kap. 1–5; H. M. Balyuzi, The Báb).

Baqá’ baqá’ und faná’ sind zwei zentrale Termini der Mystiker. Faná’ (vergehen, verlöschen) bezeichnet den Zustand, in dem der Gottessucher sich selbst vergißt und ganz in Gott aufgeht. Baqá’ („bleiben“, „dauern“) bezeichnet das ewige Leben in Gott, das der Sucher erlangt, nachdem er alles Selbstische abgelegt und göttliche Eigenschaften erworben hat (etwa Verse 101, 103, 104, 106).

„Besitzer der Ermahnung“ der Begriff ahl adh-dhikr (wörtlich: „Volk der Ermahnung“) wird von Kommentatoren wie Übersetzern des Koran unterschiedlich gedeutet. Häufig wird vermutet, daß „Ermahnung“ (dhikr) sich auf die früheren heiligen Schriften beziehe und demzufolge hier die Juden und Christen

– an anderen Stellen im Koran als „Besitzer des Buches“ (ahl al-kitáb) bezeichnet – gemeint seien (so etwa Paret). Schiitische Theologen sehen darin hingegen eine Anspielung auf die Imame, die als bevollmächtigte Ausleger des ? Koran gelten. Für sie ist der Begriff dhikr sowohl eine Bezeichnung für den Koran als auch für einen Gottesboten und einen Imam. Im Schrifttum des Báb ist dhikr (Ermahnung) sowohl ein Titel für die ? Manifestation Gottes als auch für das Wort Gottes, d. h. für den Koran sowie für Seine eigenen Schriften. Bahá’u’lláhs Aussagen liegt wohl letzteres Verständnis zugrunde.

Buráq

ein Fabeltier. Auf ihm soll ? Muhammad in den Himmel geritten sein. Es ist „kleiner als ein Pferd, aber kein Esel“ und hat Flügel. Mythologisch entspricht es dem griechischen Pegasus.

Dajjál
der Antichrist, der – nach dieser Vorstellung

– beim Erscheinen des Verheißenen komme und mit Ihm kämpfe, um schließlich von Ihm besiegt zu werden.

Erhabenheit
arab. jalál ? Subuhát
Faná’
Baqá’
Fu’ád

die Begriffe sadr („Brust“), qalb („Herz“) und fu’ád („Herzinnerstes“), bisweilen sämtlich mit „Herz“ übersetzt, stehen u. a. für eine Hierarchie der Innerlichkeit bzw. der Erkenntnis.

Furú‘

das islamische Recht unterscheidet zwischen Usúl (sing. asl), den „Wurzeln“, d. h. den allgemeinen Grundlagen, Quellen etc. und den Furú‘, den „Zweigen“, d. h. dem positiven Recht mit seinen Einzelheiten, Detailvorschriften etc. (vgl. Momen, An Introduction to Shi‘i Islam,

S. 175 f.; Schacht, An Introduction to Islamic Law, S. 59 ff., 65, 298)

Hadíth

Tradition, islamische Überlieferung; Berichte der Gefährten ? Muhammads über dessen Worte und Taten. Aus dem ungeheuren Überlieferungsstoff wurden die als glaubwürdig bezeugten Hadíthe herausgefiltert und in sechs Sammlungen aufgenommen, die im 7. Jh. d. H. kanonische Anerkennung fanden. Dabei haben die von alBukhárí und Muslim besondere Autorität. Die Schia beruft sich außerdem auf die Überlieferungen der zwölf Imame.

Hahn (himmlischer)

arab. dík. Der Hahn ist, wie die Taube, ein Symbol für die Manifestation Gottes. Er kündet durch sein Krähen den neuen Tag ( „Jüngstes Gericht“) an. In der christlichen Tradition ist der Hahn Symbol der Wachsamkeit. Auf dem Kirchturm hält er Ausschau nach dem Kommen des Herrn.

Háhút
Jabarút

Hamzah Onkel väterlicherseits des Propheten ? Muhammad, fiel als Märtyrer in der Schlacht am Berg Uhud.

Herz
Fu’ád
Hijáz

arab. „Mittelland“, Landstrich im Südwesten der arabischen Halbinsel, mit den Städten Mekka und Medina. Das Geburtsland und geistige Zentrum des Islam, das heilige Land der Muslime.

Horeb

der Berg, an dem ? Mose mit dem Volk Israel den Bund schloß (vgl. Deut. 1:6,19; 4:10,15; 5:2; 9:8; 18:16; 28:29; Maleachi 3:22).

Horizont
arab. ufuq, pl. áfáq, vgl. Koran 53:7, 81:23,

41:53. Die letztgenannte Stelle lautet: „Wir werden ihnen Unsere Zeichen in sich selbst und in den Horizonten zeigen.“ Seitdem ist Horizont ein terminus technicus der islamischen mystischen und religionsphilosophischen Literatur. Auch bei Bahá’u’lláh ist er häufig zu finden. Zum selben Metaphernkreis gehören auch: „Aufgangsort“, „Aufgangspunkt“, „Dämmerort“, „Sonne der Wahrheit“ usw. Der Horizont ist die Trennungs, aber auch Berührungslinie zwischen Himmel und Erde, zwischen „oben“ und „unten“, zwischen dem Materiellen und dem Geistigen. Auch ist der irdische Ort, an dem die ? Manifestation erscheint, ein Horizont, an dem die „Sonne der Wahrheit“ aufgeht.

Huwiyya

die göttliche Wesenheit. Korrekt wäre dieser Begriff mit „Erheit“ zu übersetzen: Er bezeichnet Gott auf der Stufe des „Er ist Gott“, im Gegensatz zu „Ich bin Gott“ etc. Es wird unterschieden zwischen der „Erheit“ und der „EinzigHeit“ (Ahadiyya), ebenso von der Stufe der Namen (Allah). Viele Gebete beginnen mit „Er ist Gott“ oder manchmal auch einfach mit „Er (ist)“: Huwa. Der Begriff heißt aber auch einfach Identität, Wesen.

Imam

(Imám) arab. „Meister“, „Führer“, die von Gott erwählten Nachfolger aus der Nachkommenschaft des Propheten ? Muhammad (nicht zu verwechseln mit dem ebenso genannten Vorbeter im sunnitischen Islam). Bahá’u’lláh nennt die Imame „die Offenbarungen der Macht Gottes, die Quellen Seiner Befehlsgewalt, die Schatzkammern Seines Wissens und die Aufgangsorte Seiner Gebote“ (Brief an den Sohn des Wolfes, S. 86). Shoghi Effendi nennt das Imamat eine „göttlich verordnete Einrichtung“, den „Verwahrungsort eines der beiden kostbarsten Vermächtnisse des Islam“ (Weltordnung, S. 155). Die Zeit göttlicher Führung des Imamats gibt Shoghi Effendi mit 260 Jahren an (Weltordnung, S. 155). Der erste Imam war ‘Alí, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten und vierte Kalif. Im Jahre 260 islamischer Zeitrechnung ist der elfte Imam, Hasan al‘Askarí, gestorben. Auf das Erscheinen des zwölften Imam, der danach durch vier Personen, „Tore“ genannt, wirkte („kleine Verborgenheit“, an die sich die „große Verborgenheit“ anschloß), warten die Anhänger des schiitischen Islam noch heute. Als der ? Báb im Jahr 1260 d. H. den Titel „das Tor“ annahm, glaubten viele, Er beanspruche, das fünfte Tor zu dem verborgenen Imam zu sein, während Er sich selbst als das „Tor“ zu Bahá’u’lláh verstand. Er erklärte, daß Er der Qá’im (arab. „Er, der sich erhebt“) sei und daß die Verheißungen über den erwarteten zwölften Imam in Seiner Sendung ihre Erfüllung finden (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber 4:17). Zugleich erhob Er den Anspruch, der Stifter einer neuen, unabhängigen Religion und darüber hinaus der Herold dessen zu sein, „den Gott offenbaren wird“ (Bahá’u’lláh).

Jabarút

in der islamischen Mystik und Philosophie ist dies eine Bezeichnung für das Reich göttlicher Macht und Souveränität bzw. die Stufe der ?Manifesta

tion Gottes. Ihr übergeordnet ist Láhút („Gottesreich“), die Welt Gottes selbst bzw. Háhút („Das Reich des ‚Er‘“), die für alle unzugängliche Stufe des göttlichen Wesens. Unter Jabarút liegt Malakút, wörtlich das „Königreich“, biblisch das „Reich Gottes“ oder das Himmelreich, die Welt der Engel bzw. der verstorbenen Seelen. Auf der niedersten Stufe steht Násút, die Welt der Menschen, bzw. Mulk, das irdische Sein. Die Begriffe wurden in der islamischen Literatur nicht immer einheitlich verwendet, und so läßt sich ihre exakte Bedeutung auch im Bahá’íSchrifttum jeweils nur aus dem Kontext erschließen. (Vgl. Taherzadeh, Offenbarung, Bd. 1, S. 80 ff. [über Kullu’tTa‘ám]; Lambden, Tablet of All Food; Momen, Relativism, S. 189 ff.)

Jábulqá

die Zwillingsstädte Jábulqá und Jábulsá sind nach schiitischer Tradition die Residenz des Verborgenen ? Imam (des Verheißenen), wenn Er am Tage der Auferstehung erscheint.

Jábulsá
Jábulqá
Jalál
Subuhát
Jamál
Subuhát
„Jüngstes Gericht“

auch „Tag des Gerichts“ (arab. yaum al-dín), „Jüngster Tag“, „Auferstehung“ (arab. qiyáma). Die vielfältigen Hinweise auf eine eschatologische Endzeit in den heiligen Büchern sind nicht materiell zu verstehen. Der Báb erklärte zu diesem Konzept: „... mit dem Tag der Auferstehung ist die Zeit gemeint von der Erscheinung dessen, der der Baum göttlicher Wirklichkeit ist [die ? Manifestation] – in welcher Epoche und unter welchem Namen es auch sei – bis zur Stunde Seines Scheidens.“ (Persischer Bayán 2:7 [Eine Auswahl aus Seinen Schriften 3:35:1])

Kawthar

arab. „Fülle“, erscheint in Koran 108 und wird entweder als eine Quelle im Paradies oder als himmlisches Wasserbecken und Quell der Segensfülle verstanden.

Koran

(Qur’án) arab. „Lesung“, Rezitation, das Heilige Buch des Islam, das durch Muhammad offenbart wurde; Bahá’u’lláh nennt es das „nicht irrende Buch“ (Ährenlese 113:4). Zur heiligen Literatur des Islam gehören neben dem Koran, in dem Gott selbst und direkt spricht, die Traditionen Muhammads, das Corpus Seiner Überlieferungen und gesammelten Sprüche, Reden und Äußerungen ( Hadíth).

Láhút
Jabarút
Letzter

„Unser Erster ist Muhammad, unser Letzter ist Muhammad und unser Mittlerer ist Muhammad“ (Abschnitt 40): Ein Ausspruch der Imame, der eigentlich beweisen sollte, daß der letzte der „vierzehn Sündlosen“ (die zwölf Imame, Muhammad und die Prophetentochter Fátima) ebenfalls ein „Muhammad“ sei. Von Theosophen und Mystikern wurde dies aber so interpretiert, daß alle vierzehn wesensgleich seien. Der in Abschnitt 40 folgende ? Hadíth, „Sie alle sind von einem Licht“, unterstreicht diese Interpretation.

Lotosbaum
Sidratu’l-Muntahá
Mahdí

arab. „der [von Gott] Geleitete“, bei den Schiiten der in der Endzeit aus dem Geschlecht Fátimas, der Tochter des Propheten ? Muhammad, erwartete Erlöser, der die Gerechtigkeit auf Erden wiederherstellen wird. Die Idee entstand in frommen Kreisen, die den Omaijaden feindlich gesinnt waren, und verschmolz mit jüdischen Messiasund christlichen Parusieerwartungen. Mit dem Erscheinen des Mahdí verbunden ist die Erwartung der Wiederkunft Christi und des Kommens des Antichristen. Auch in anderen Richtungen des Islams traten Mahdiprätendenten auf, die sich meist gegen die bestehende Ordnung wandten, die als religionsfeindlich empfunden wurde.

Malakút
Jabarút
Manifestation

Bezeichnung für den Gottesoffenbarer (von lat. manifestatio, „Offenbarung“, und manifestare, „offenbaren“). Mit diesem Begriff übersetzt Shoghi Effendi meist das arabische mazhar, das im Schrifttum Bahá’u’lláhs vorrangig an die Stelle der Bezeichnungen „Prophet“ oder „Gesandter“ (nabí, rasúl) tritt. Bahá’u’lláh schreibt über das Wesen der Manifestation Gottes: „Da es kein Band unmittelbaren Umgangs geben kann, das den einen, wahren Gott an Seine Schöpfung bindet, da keinerlei Ähnlichkeit zwischen dem Vergänglichen und dem Ewigen, dem Bedingten und dem Absoluten bestehen kann, hat Er bestimmt, daß in allen Zeitaltern und in jeder Sendung eine reine, unbefleckte Seele in den Reichen von Erde und Himmel offenbar werde ... Diese Wesen der Loslösung, diese strahlenden Wirklichkeiten sind die Kanäle der alldurchdringenden Gnade Gottes. Vom Lichte unfehlbarer Führung geleitet, ausgestattet mit höchster Herrschaft, haben sie den Auftrag, sich des belebenden Einflusses ihrer Worte, der Ausgießungen ihrer unfehlbaren Gnade, des heiligenden Hauches ihrer Offenbarung zu bedienen, um jedes sich sehnende Herz, jeden empfänglichen Geist vom Schmutz und Staub irdischer Sorgen und Beschränkungen zu reinigen.“ (Ährenlese 27:4)

Mekka

Stadt in der arabischen Landschaft Hijáz am Kreuzungspunkt alter Karawanenstraßen und altes Kultzentrum; Geburtsort des Propheten Muhammad und seither heiligste Stadt und Mittelpunkt der islamischen Welt.

Moses

Stifter der jüdischen Religion, lebte vermutlich um die Mitte des 13. Jhs. v. Chr. Sein entscheidendes Gotteserlebnis am Berg Sinai (brennender Dornbusch, 2. Mose 3:2 f.) machte Ihn zum Künder des einen Gottes, in dessen Namen Er Sein Volk aus „dem Hause der Knechtschaft führt“. Im Islam zählt Er zu den sechs großen Propheten unter Hinweis auf 2. Mose 4:16 (Gott zu Moses: „du sollst für ihn Gott sein“) und 7:1 („ich habe dich zum Gott gesetzt für den Pharao“).

Muhájirún

arab. „Auswanderer“, Muslime die ? Mekka zu Lebzeiten des Propheten ? Muhammad verließen, um nach Medina auszuwandern.

Muhammad

der Prophet und Gesandte Gottes, Stifter des Islam, geb. um 570 in ? Mekka aus dem Stamm der Quraisch, der Sippe Háshim, welcher die Obhut über das dortige von Abraham gestiftete Heiligtum (Kaaba) oblag. Um 610 empfing Er auf dem Berge Hírah (nördl. von Mekka) die entscheidende Offenbarung, die Ihm in der Gestalt Gabriels erschien. Seine Auswanderung (Hedschra [Hijra]) mit Seinen Getreuen nach Medina 622 bezeichnet den Beginn der islamischen Zeitrechnung. Er starb am 8. Juni 632 in Medina. Die Ihm zuteil gewordenen Offenbarungen bilden das Heilige Buch, den ? Koran (vgl. Beantwortete Fragen, Kap. 7; auf Muhammad und den Islam verweisen 5. Mose 18:15 und Offb. 11; vgl. Beantwortete Fragen, Kap. 11).

Mulk
Jabarút
Násút
Jabarút
Nimrod

kommt im Alten Testament (1. Mose 10:8 f.) vor als ein gewaltiger Städtebauer und „großer Jäger vor dem Herrn“; in islamischen Kommentaren erscheint er als Gegenspieler ? Abrahams (mit Bezug auf Koran 2:258, 21:60).

Paran

siehe Deut. 1:1; 33:2; Numeri 10:12, 12:16, 13:3; Habakuk 3:37. Die Stelle Deut. 33:2, in der vom Sinai, von „Seir“ und Paran die Rede ist, ist wohl ein Hinweis auf die drei Gottesoffenbarungen. Paran (arab. Farán) soll die Wüste Hijáz sein.

Qá’im

arab. „Er, der sich erheben wird“, im schiitischen Islam der zwölfte, im Verborgenen lebende Imam, dessen Wiederkunft erwartet wird.

Qur’án
Koran
Ridván

„angenehm“, Name des Paradieseswächters. Bei Bahá’u’lláh steht der Begriff für das Paradies selbst.

Sámirí

ein Magier am Hofe des Pharao zur Zeit ? Mose. Nach dem ? Koran (20:89) fertigte er das im biblischen Bericht Aaron zugeschriebene goldene Kalb.

Schönheit arab. jamál ? Subuhát

Shirk arab. „Gott Gefährten/etwas beigesellen“: Ein koranischer Begriff, der vorrangig Götzendienst bezeichnet. Bahá’u’lláh verwendet ihn in Seinem Schrifttum nicht als rechtliche Kategorie im Sinne der traditionellen islamischen Theologie, wo er solche Menschen bezeichnet, die keiner der monotheistischen Religionen anhängen und an keinen oder viele Götter glauben. Bahá’u’lláh knüpft vielmehr – wie so oft – an die mystische Bedeutung an, die sich in der orientalischen Literatur entwickelt hat. Wie bereits im ? Koran selbst angedeutet, bezieht sich das Verbot „Gott anderes beizugesellen“ nicht nur auf Statuen und Bilder falscher Götter, sondern auf alles, was der Mensch an Gottes Statt setzt und weswegen er sich gegen Ihn auflehnt, so etwa auf Gier und verderbte Leidenschaften (vgl. Koran 25:43, 45:23; siehe auch Edelsteine 66). In der Interpretation Shoghi Effendis bezieht sich dieses Verdikt ausdrücklich auch auf alle Ideologien und verabsolutierte Lehrsätze (Der verheißene Tag, S. 172; Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 69).

Sidratu’l-Muntahá

arab., Name eines Baumes, den die Araber von alters her an das Ende der Wege als Markierung pflanzten; symbolisch der „göttliche Lotosbaum“, der „Baum, über den hinaus keiner gehen kann“, auch der „Brennende Busch“, über den hinaus ? Moses nicht gehen konnte. Auf ihn wird mittelbar in ? Koran 53:9 und direkt in Koran 53:14 Bezug genommen. In der Bahá’íSchrift symbolisiert dieser Baum stets die ? Manifestation Gottes, d. h. in diesem Zeitalter Bahá’u’lláh.

Sinai

Berg, auf dem Moses von Gott das Gesetz gegeben wurde, hat im Koran und bei Bahá’u’lláh mystische Signifikanz (vgl. Koran 2:63,93, 4:154, 23:20, 52, 95:2).

Subuhát

ein terminus technicus der Mystiker, der sich in keinem gewöhnlichen Wörterbuch findet, aber von Bahá’u’lláh häufig verwendet wurde. Shoghi Effendi hat den Begriff im Buch der Gewissheit mit „veils (of glory)“ übersetzt und greift damit die Bedeutung auf, die Mystiker diesem Begriff schon früher beigelegt haben. Die Schleier der „Macht“ (jalál) sind die respektgebietenden Attribute Gottes, der Rächer, der Unzugängliche, der Herrscher. Sie verbergen die „Schönheit“ Gottes (jamál) und deren Attribute, der Liebende, der Vergebende, etc. Sie repräsentieren aber auch Weltliches (jalál: Majestät, Ruhm, Ehre, Würde, Pracht, Herrlichkeit).

Sufyání

eine Gestalt, die, nach Vorstellung der islamischen Apokalyptik, beim Erscheinen des Verheißenen das Banner der Rebellion zwischen Mekka und Damaskus hissen würde.

Taghábun

Titel der 64. Sure des ? Koran; in deren neuntem Vers eine der Bezeichnungen des „Jüngsten Tags“, des „Tages des Gerichts“ (? „Jüngstes Gericht“).

Tajríd

Transzendenz, Heiligung (englisch mit sanctity übersetzt), auch Entkleidung, Freimachung, Abstraktion (vom Unwesentlichen), Askese. Als terminus technicus in der Mystik und schiitischen Theosophie einschließlich der Shaykhí sowie beim Báb bedeutet tajríd, die „Befreiung“ bzw. „Entkleidung“ Gottes von allen Beschreibungen etc. Siehe die Abschnitte 4, 39, 41, 44 (im Abschnitt 4 übersetzt mit „Heiligung“ sonst auch mit „Transzendenz“)

Taube

arab. varqá, ein Symbol für die Manifestation Gottes.

Titel des Báb

die Aussage in Abschnitt 91, daß sich „der Erste Punkt traditionelle Titel zugeschrieben“ habe, bezieht sich auf Bezeichnungen wie ? Mahdí,

Qá’im oder ? Imám, die dem religiösen Erwartungshorizont Seiner Umwelt entsprachen.

Ufuq
Horizont
Verwandlung

diese Aussage in Abschnitt 48 bezieht sich auf die Frage des Adressaten nach der Gleichsetzung des ? Báb mit dem zwölften Imam: wie wurde der über 1000 Jahre alte, verborgene zwölfte Imam in den Báb, einen Jüngling aus Schiras, „verwandelt“? Legt man den zwölften Imam symbolisch, also nicht als leiblich seit über tausend Jahren existent aus, erübrigt sich die Frage nach der „Verwandlung“. Siehe dazu auch das Faksimile, S. 4 und die Übersetzung der handschriftlichen Notiz Bahá’u’lláhs dort, Vorwort, S. 10.

Literatur
‘Abdu’lBahá: Beantwortete Fragen, Hofheim 41998

Báb: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, Hofheim 1991

Bahá’u’lláh:
Ährenlese, Hofheim 41999
Kitáb-i-Íqán, Hofheim 42000
Die Sieben Täler – Die Vier Täler, Hofheim
41997 Shoghi Effendi:
Gott geht vorüber, Hofheim 32001
Der verheißene Tag ist gekommen, Frankfurt 1967
Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, Hofheim 1977
Balyuzi, Hasan M.:

The Báb, The Herald of the Day of Days, Oxford 1973

Muhammad and the Course of Islám, Oxford 1976

Lambden, Stephen: „Tablet of All Food“, in: Bahá’í Studies Bulletin 3:1 (Juni 1984),

S. 4–67; revidierte Übersetzung 7/2006: http://www.hurqalya.pwp.blueyonder. co.uk/BAHA‘ALLAH/Lta%60am.htm [vorläufige Übersetzung] (18.10.07)

Momen, Moojan:

„Relativism: A Basis for Bahá’í Metaphysics“, in: ders. (Hrsg.), Studies in the Bábí and Bahá’í Religions, Bd. 5, Los Angeles 1988, S. 185–218

An Introduction to Shi‘i Islam, Oxford 1985 Schacht, Joseph: An Introduction to Islamic Law, Oxford 1964

Schimmel, Annemarie: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus, Köln 1985

Taherzadeh: Die Offenbarung Bahá’u’lláhs, Bde. 1 und 2, Hofheim 1981/1987

Die Abbildung auf S. 2 ist ein Faksimile der ersten Seite des Textes der Javáhiru’l-Asrár mit einer zusätzlichen Notiz in der Handschrift Bahá’u’lláhs.

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